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Full text of "16/227 - Plenarprotokoll vom 18.06.2009"

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Plenarprotokoll 16/227 


Deutscher Bundestag 

Stenografischer Bericht 
227. Sitzung 


Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Inhalt: 


Glückwünsche zum Geburtstag der Abgeord- 
neten Bernd Schmidbaner, Hans-Christian 
Ströbele, Christoph Strässer und Hans- 
Ulrich Klose sowie der Bundesministerin 


Ulla Schmidt 25025 A 

Erweiterung und Abwicklung der Tagesord- 
nung 25025 B 

Absetzung der Tagesordnungspunkte 23, 26, 

37, 51, 56 und 59 25027 B 


Tagesordnungspunkt 4: 

Abgabe einer Regierungserklärung durch den 
Bundesminister des Auswärtigen: zum Euro- 
päischen Rat am 18. und 19. Juni 2009 in 
Brüssel 

Dr. Frank- Walter Steinmeier, Bundesminister 


AA 25028 A 

Dr. Guido Westerwelle (FDP) 25030 B 

Dr. Andreas Schockenhoff (CDU/CSU) 25032 B 

Dr. Gregor Gysi (DIE LINKE) 25034 A 

Kurt Bodewig (SPD) 25036 B 

Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25038 C 

Volker Kauder (CDU/CSU) 25040 A 

Michael Stübgen (CDU/CSU) 25041 B 

Michael Roth (Heringen) (SPD) 25042 D 

Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25043 A 

Dr. Guido Westerwelle (FDP) 25043 D 

Eduard Lintner (CDU/CSU) 25045 C 

Gert Weisskirchen (Wiesloch) (SPD) 25046 B 


Tagesordnungspunkt 5: 

Antrag der Abgeordneten Klaus Emst, 
Dr. Lothar Bisky, Dr. Martina Bunge, weiterer 
Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: 

Staatsgarantie für die Sozialversicherun- 


gen - Schutzschirm für Menschen 

(Drucksache 16/12857) 25047 C 

Klaus Emst (DIE LINKE) 25047 D 

Steffen Kampeter (CDU/CSU) 25049 C 

Klaus Emst (DIE LINKE) 25050 C 

Dr. Heinrich L. Kolb (FDP) 25052 B 

Peter Weiß (Emmendingen) 

(CDU/CSU) 25053 C 

Waltraud Lehn (SPD) 25054 C 

Dr. Gesine Lötzsch (DIE LINKE) 25055 B 

Klaus Emst (DIE LINKE) 25056 A 

Dr. Barbara Hüll (DIE LINKE) 25057 C 

Waltraud Lehn (SPD) 25058 A 

Birgitt Bender (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25058 C 

Klaus Emst (DIE LINKE) 25060 A 

Birgitt Bender (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25060 C 

Kurt J. Rossmanith (CDU/CSU) 25061 A 

Heinz-Peter Haustein (FDP) 25062 C 

Anton Schaaf (SPD) 25063 D 

Hans- Joachim Fuchtel (CDU/CSU) 25066 A 

Dr. Heinrich L. Kolb (FDP) 25067 A 

Peter Friedrich (SPD) 25067 B 



II 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Tagesordnungspunkt 66: 

a) Antrag der Abgeordneten Priska Hinz 
(Herbom), Kerstin Andreae, Christine 
Scheel, weiterer Abgeordneter und der 
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: 

Innovationskraft von kleinen und mitt- 
leren Unternehmen durch steuerliche 
Förderung gezielt stärken 

(Drucksache 16/12894) 25069 A 

b) Antrag der Abgeordneten Paul Schäfer 

(Köln), Monika Knoche, Hüseyin-Kenan 
Aydin, weiterer Abgeordneter und der 
Fraktion DIE LINKE: Keine Sonderstel- 
lung der Bundeswehr an Schulen 
(Drucksache 16/13060) 25069 B 

c) Antrag der Abgeordneten Volker Beck 
(Köln), Marieluise Beck (Bremen), Birgitt 
Bender, weiterer Abgeordneter und der 
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: 


Menschenrechtsverletzungen durch 
Unternehmen verhindern 

(Drucksache 16/13180) 25069 B 


d) Antrag der Abgeordneten Winfried 
Hermann, Peter Hettlich, Bettina 
Herlitzius, weiterer Abgeordneter und der 
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: 

Neue Standards für die Abgasuntersu- 
chung einführen 

(Drucksache 16/13181) 25069 C 

e) Antrag der Abgeordneten Dr. Martina 
Bunge, Klaus Emst, Dr. Dietmar Bartsch, 
weiterer Abgeordneter und der Fraktion 
DIE LINKE: Auch Verletztenrenten frü- 
herer NVA-Angehöriger der DDR an- 
rechnungsfrei auf die Grundsicherung 
für Arbeitsuchende stellen 

(Drucksache 16/13182) 25069 C 

1) Antrag der Abgeordneten Klaus Riegert, 

Wolfgang Bosbach, Norbert Barthle, wei- 
terer Abgeordneter und der Fraktion der 
CDU/CSU 

sowie der Abgeordneten Dagmar Freitag, 

Swen Schulz (Spandau), Dr. Peter 
Danckert, weiterer Abgeordneter und der 
Fraktion der SPD 

sowie der Abgeordneten Detlef Parr, 

Dr. Max Stadler, Christian Ahrendt, weite- 
rer Abgeordneter und der Fraktion der 
FDP: Unterstützung der Bewerbung der 
Landeshauptstadt München zur Aus- 
richtung der XXIII. Olympischen und 


XII. Paralympischen Winterspiele 2018 

(Dmcksache 16/13481) 25069 C 

g) Unterrichtung durch die Bundesregiemng: 
Stadtentwicklungsbericht 2008 
(Drucksache 16/13130) 25069 D 


in Verbindung mit 


Tagesordnungspunkt 67 : 

y) Antrag der Fraktionen FDP und 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Verfah- 
ren gegen Michail Chodorkowski be- 
gleiten, Rechtsstaatlichkeit in Russland 
stärken 

(Dmcksache 16/13371) 25070 A 

in Verbindung mit 


Zusatztagesordnungspunkt 3: 

a) Antrag der Abgeordneten Dr. Gesine 
Lötzsch, Dr. Dietmar Bartsch, Karin 
Binder, weiterer Abgeordneter und der 
Fraktion DIE LINKE: Fünf Jahre Ka- 
renzzeit für Mitglieder der Bundesre- 
gierung 

(Dmcksache 16/13366) 25070 A 

b) Antrag der Abgeordneten Klaus Emst, 

Volker Schneider (Saarbrücken), 

Dr. Barbara Höll, weiterer Abgeordneter 
und der Fraktion DIE LINKE: Arbeitslo- 
sengeld I in der Krise befristet auf 
24 Monate verlängern 

(Dmcksache 16/13368) 25070 A 

c) Antrag der Abgeordneten Christian 

Ahrendt, Gisela Piltz, Dr. Max Stadler, 
weiterer Abgeordneter und der Fraktion 
der FDP: Verbot des Vereins „Hilfsge- 
meinschaft für nationale politische Ge- 
fangene und deren Angehörige“ prüfen 
(Drucksache 16/13369) 25070 B 

d) Antrag der Abgeordneten Dr. Barbara 
Höll, Werner Dreibus, Dr. Dagmar 
Enkelmann, weiterer Abgeordneter und 
der Fraktion DIE LINKE: Unschuldsver- 
mutung muss auch im Arbeitsrecht gel- 
ten - Verdachtskündigung gesetzlich 
ausschließen 

(Dmcksache 16/13383) 25070 B 

e) Antrag der Abgeordneten Volker Beck 
(Köln), Kai Gehring, Irmingard Schewe- 
Gerigk, weiterer Abgeordneter und der 
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: 

Für einen Nationalen Aktionsplan ge- 
gen Homophobie 

(Dmcksache 16/13394) 25070 B 

1) Antrag der Abgeordneten Winfried 
Hermann, Renate Künast, Hans-Christian 
Ströbele, weiterer Abgeordneter und der 
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: 

Bahnanbindung für den Flughafen Ber- 
lin Brandenburg International optimie- 
ren und beschleunigen 

(Dmcksache 16/13397) 25070 C 

g) Antrag der Abgeordneten Ulrike Höfken, 

Bärbel Höhn, Cornelia Behm, weiterer 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


III 


Abgeordneter und der Fraktion BÜND- formationen, die Öffentlichkeitsbeteili- 

NIS 90/DIE GRÜNEN: Kein Genmais- gung an Entscheidnngsverfahren nnd 

Anban gegen den Willen der Bürger in den Zngang zn Gerichten in Umweltan- 

der EU gelegenbeiten (Erstes Aarbns-Ände- 


(Drucksache 16/13398) 25070 C 

h) Antrag der Abgeordneten Dr. Gerhard 
Schick, Birgitt Bender, Christine Scheel, 
weiterer Abgeordneter und der Fraktion 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Granen 
Kapitalmarkt dnrch einheitliches Anle- 
gerschntznivean überwinden 
(Drucksache 16/13402) 25070 D 


Tagesordnnngspnnkt 67 : 

a) Zweite und dritte Beratung des von der 
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs 
eines Gesetzes zur Einführung des elek- 
tronischen Rechtsverkehrs und der 
elektronischen Akte im Grundbuchver- 
fahren sowie zur Änderung weiterer 
grundbuch-, register- und kostenrecht- 
licher Vorschriften (ERVGBG) 

(Drucksachen 16/12319, 16/13437) 25071 A 

b) Zweite und dritte Beratung des von der 
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs 
eines Ersten Gesetzes zur Änderung des 
Geschmacksmustergesetzes 

(Drucksachen 16/12586, 16/13435) 25071 C 

c) Zweite und dritte Beratung des von der 

Bundesregierung eingebrachten Entwurfs 
eines Gesetzes zu der Genfer Fassung 
vom 2. Juli 1999 (Genfer Akte) des Haa- 
ger Abkommens vom 6. November 1925 
über die internationale Eintragung ge- 
werblicher Muster und Modelle 
(Drucksachen 16/12591, 16/13434) 25071 D 

d) Zweite und dritte Beratung des von der 
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs 
eines Gesetzes zu den Beschlüssen vom 

24. September 2004 zur Änderung des 
Rotterdamer Übereinkommens vom 
10. September 1998 über das Verfahren 
der vorherigen Zustimmung nach In- 
kenntnissetzung für bestimmte gefährli- 
che Chemikalien sowie Pflanzenschutz- 
und Schädlingsbekämpfungsmittel im 
internationalen Handel 

(Drucksachen 16/13110, 16/13413) 25072 A 

e) Zweite und dritte Beratung des von der 

Bundesregierung eingebrachten Entwurfs 
eines Vierten Gesetzes zur Änderung 
des Rindfleischetikettierungsgesetzes 
(Drucksachen 16/13112, 16/13374) 25072 B 

1) Zweite Beratung und Schlussabstimmung 
des von der Bundesregierung eingebrach- 
ten Entwurfs eines Gesetzes zu der Ände- 
rung des Übereinkommens vom 

25. Juni 1998 über den Zugang zu In- 


rungs-Ubereinkommen) 

(Drucksachen 16/13115, 16/13401) 25072 C 

g) Zweite und dritte Beratung des von den 
Fraktionen der CDU/CSU und der SPD 
eingebrachten Entwurfs eines Fünften 
Gesetzes zur Änderung des Weingeset- 
zes 

(Drucksachen 16/13158, 16/13420) 25073 A 

h) - Zweite und dritte Beratung des von 

den Fraktionen der CDU/CSU und der 
SPD eingebrachten Entwurfs eines 

Gesetzes zur Änderung des Geset- 
zes über die Sicherung der Baufor- 
derungen 

(Drucksachen 16/13159, 16/13415) .. 25073 B 

- Zweite und dritte Beratung des von der 
Bundesregierung eingebrachten Ent- 
wurfs eines Gesetzes zur Änderung 
des Gesetzes über die Sicherung der 
Bauforderungen 

(Drucksachen 16/13345, 16/13376, 

16/13415) 25073 B 

i) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Ausschusses für Wirtschaft und Technolo- 
gie zu dem Antrag der Abgeordneten 
Rainer Brüderle, Martin Zeil, Dr. Karl 
Addicks, weiterer Abgeordneter und der 
Fraktion der FDP: Privatisierung öffent- 
licher Aufgaben zur Stärkung der sozia- 
len Marktwirtschaft 

(Drucksachen 16/7735, 16/10504) 25073 D 

k) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und 
Reaktorsicherheit 

- zu dem Antrag der Abgeordneten Lutz 
Heilmann, Eva Bulling-Schröter, 

Hans-Kurt Hill, weiterer Abgeordneter 
und der Fraktion DIE LINKE: Wirk- 
same Begrenzung des C02-Aussto- 
ßes neuer Personenkraftwagen 

- zu dem Antrag der Abgeordneten 
Winfried Hermann, Bettina Herlitzius, 

Peter Hettlich, weiterer Abgeordneter 
und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN: Ambitionierte europäi- 
sche Emissionsnormen für mehr 
Klimaschutz im Straßenverkehr 

(Drucksachen 16/9307, 16/9105, 16/12728) . 25073 D 

l) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen 
und Jugend zu dem Antrag der Abgeord- 
neten Britta Haßelmann, Grietje Staffelt, 

Ekin Deligöz, weiterer Abgeordneter und 
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 



IV 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


NEN: Medienkompetenz Älterer stär- 
ken - Die digitale Klnft schließen 

(Drucksachen 16/11365, 16/13070) 25074 B 

m) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Ausschusses für Wirtschaft und Technolo- 
gie zu dem Antrag der Abgeordneten 
Rainer Brüderle, Markus Löning, Dr. Karl 
Addicks, weiterer Abgeordneter und der 
Fraktion der FDP: Wettbewerbspolitik 
als Fundament der Sozialen Marktwirt- 
schaft stärken 

(Drucksachen 16/7522, 16/13147) 25074 C 

n) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Rechtsausschusses zu dem Antrag der Ab- 
geordneten Volker Beck (Köln), Monika 
Lazar, Kai Boris Gehring, weiterer Abge- 
ordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN: Zivilgesellschaftliches 
Engagement gegen Rechtsextremismus 
gesetzlich schützen - Rechtsprechung 
zur Verwendung von Kennzeichen ver- 
fassungswidriger Organisationen aus- 
werten 

(Drucksachen 16/3202, 16/13467) 25074 D 

o) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Ausschusses für Wirtschaft und Technolo- 
gie zu dem Antrag der Abgeordneten 
Martin Zeil, Rainer Brüderle, Paul K. 

Friedhoff, weiterer Abgeordneter und der 
Fraktion der FDP: Kompetenzen des 
Bundeskartellamts weiterentwickeln 
(Drucksachen 16/8078, 16/13361) 25075 A 

p) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Ausschusses für Bildung, Forschung und 
Technikfolgenabschätzung 

- zu dem Antrag der Abgeordneten 
Cornelia Pieper, Uwe Barth, Patrick 
Meinhardt, weiterer Abgeordneter und 
der Fraktion der FDP: Wissenschafts- 
freiheitsgesetz einführen - Mehr 
Freiheit und Verantwortung für das 
deutsche Wissenschaftssystem 

- zu dem Antrag der Abgeordneten 
Priska Hinz (Herbom), Kai Gehring, 

Grietje Bettin, weiterer Abgeordneter 
und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN: Wissenschaftssystem öff- 
nen - Mehr Qualität durch mehr 
verantwortliche Selbststeuerung 
und Kooperation 

(Drucksachen 16/7858, 16/8221, 16/13356) 25075 A 

q) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Ausschusses für Menschenrechte und Hu- 
manitäre Hilfe zu dem Antrag der Abge- 
ordneten Burkhardt Müller- Sönksen, 

Michael Kauch, Florian Toncar, weiterer 
Abgeordneter und der Fraktion der FDP: 
Menschenrechte von Lesben, Schwulen, 


Bisexuellen und Transgendern in 
Deutschland und weltweit schützen 

(Drucksachen 16/12886, 16/13414) 25075 C 

r) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Ausschusses für Verkehr, Bau und Stadt- 
entwicklung zu dem Antrag der Abgeord- 
neten Dr. Anton Hofreiter, Undine Kurth 
(Quedlinburg), Bettina Herlitzius, weiterer 
Abgeordneter und der Fraktion BÜND- 
NIS 90/DIE GRÜNEN: Bundeswildwe- 
geplan als Ergänzung zum Bundesver- 
kehrswegeplan 

(Drucksachen 16/7145, 16/9529) 25075 D 

s) Beschlussempfehlung und Bericht des 

Ausschusses für Wirtschaft und Technolo- 
gie zu dem Antrag der Abgeordneten 
Kerstin Andreae, Hans-Josef Fell, 

Winfried Hermann, weiterer Abgeordneter 
und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN: Einheitliches Stromnetz 

schaffen - Unabhängige Netzgesell- 
schaft gründen 

(Drucksachen 16/9798, 16/11843) 25076 A 

t) Beschlussempfehlung und Bericht des 

Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und 
Reaktorsicherheit zu dem Antrag der Ab- 
geordneten Sylvia Kotting-Uhl, Dr. Harald 
Terpe, Cornelia Behm, weiterer Abgeord- 
neter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN: Schutz vor Emissionen aus 
Laserdruckern, Laserfax- und Kopier- 
geräten 

(Drucksachen 16/5776, 16/12468) 25076 A 

u) Beschlussempfehlung und Bericht des 

Ausschusses für Wirtschaft und Technolo- 
gie zu dem Antrag der Abgeordneten 
Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn, Ute 
Koczy, Kerstin Andreae, weiterer Abge- 
ordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN: Korruptionsbekämp- 
fung bei Hermesbürgschaften 

(Drucksachen 16/11211, 16/13153) 25076 B 

v) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Ausschusses für Ernährung, Landwirt- 
schaft und Verbraucherschutz zu dem An- 
trag der Abgeordneten Undine Kurth 
(Quedlinburg), Cornelia Behm, Ulrike 
Höfken, weiterer Abgeordneter und der 
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: 
Einführung einer Positivliste zur Hal- 
tung von Tieren im Zirkus 

(Drucksachen 16/12864, 16/13206) 25076 C 

w) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Ausschusses für Ernährung, Landwirt- 
schaft und Verbraucherschutz zu dem An- 
trag der Abgeordneten Ulrike Höfken, 

Undine Kurth (Quedlinburg), Bärbel 
Höhn, weiterer Abgeordneter und der 
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


V 


Die gewerbliche Haltung von Mast- und 
Zuchtkaninchen in Deutschland und 
der Europäischen Union deutlich ver- 
bessern 

(Drucksachen 16/12307, 16/13208) 25076 D 

x) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Ausschusses für Wirtschaft und Technolo- 
gie zu dem Antrag der Abgeordneten 
Dr. Thea Dückert, Sylvia Kotting-Uhl, 

Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn, weiterer 
Abgeordneter und der Fraktion BÜND- 
NIS 90/DIE GRÜNEN: Umweltbericht- 
erstattung in die Gemeinschaftsdia- 
gnose und Begutachtung der gesamtwirt- 
schaftlichen Entwicklung aufnehmen 
(Drucksachen 16/11649, 16/13250) 25077 A 

z) Antrag der Fraktionen der CDU/CSU und 
der SPD: Abstufung nicht mehr fernver- 
kehrsrelevanter Bundesfernstraßen 

(Drucksache 16/13387) 25077 B 

aa)-ii) 

Beschlussempfehlungen des Petitionsaus- 
schusses: Sammelübersichten 576, 577, 578, 

579, 580, 581, 582, 583 und 584 zu Petitio- 
nen 

(Drucksachen 16/13191, 16/13192, 16/13193, 

16/13194, 16/13195, 16/13196, 16/13197, 
16/13198,16/13199) 25077 C 


Zusatztagesordnungspunkt 4: 

Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion 
DIE LINKE Forderungen des bundesweiten 


Bildungsstreiks ernst nehmen 

Cornelia Hirsch (DIE LINKE) 25078 C 

Stefan Müller (Erlangen) (CDU/CSU) 25079 C 

Cornelia Pieper (FDP) 25081 A 

Christel Humme (SPD) 25082 C 

Kai Gehring (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25083 D 

Michael Kretschmer (CDU/CSU) 25085 B 

Volker Schneider (Saarbrücken) 

(DIE LINKE) 25086 C 

Ulla Burchardt (SPD) 25087 C 

Marcus Weinberg (CDU/CSU) 25089 B 

Dr. Emst Dieter Rossmann (SPD) 25090 D 

Monika Grütters (CDU/CSU) 25092 A 

Katja Mast (SPD) 25093 C 


Tagesordnungspunkt 6: 

c) Antrag der Abgeordneten Hubert Hüppe, 
Beatrix Philipp, Dr. Norbert Lammert und 
weiterer Abgeordneter: Gesetzliche 


Überregulierung der Patientenverfü- 
gung vermeiden 

(Dmcksache 16/13262) 25094 C 

a) - Zweite und dritte Beratung des von 

den Abgeordneten Joachim Stünker, 

Michael Kauch, Dr. Lukrezia 
Jochimsen und weiteren Abgeordneten 
eingebrachten Entwurfs eines Dritten 
Gesetzes zur Änderung des Betreu- 
ungsrechts 

(Drucksachen 16/8442, 16/13314) ... 25094 D 

- Zweite und dritte Beratung des von 
den Abgeordneten Wolfgang Bosbach, 

Rene Röspel, Katrin Göring-Eckardt 
und weiteren Abgeordneten einge- 
brachten Entwurfs eines Gesetzes zur 
Verankerung der Patientenverfü- 
gung im Betreuungsrecht (Patien- 
tenverfügungsgesetz - PatVerfG) 

(Drucksachen 16/11360, 16/13314) . . 25094 D 

- Zweite und dritte Beratung des von 
den Abgeordneten Wolfgang Zoller, 

Dr. Hans Georg Faust, Dr. Herta 
Däubler-Gmelin und weiteren Abge- 
ordneten eingebrachten Entwurfs eines 
Gesetzes zur Klarstellung der Ver- 
bindlichkeit von Patientenverfügun- 
gen (Patientenverfügungsverbind- 
lichkeitsgesetz - PVVG) 

(Dmcksachen 16/11493, 16/13314) . . 25094 D 

b) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Rechtsausschusses zu dem Antrag der 
Abgeordneten Michael Kauch, Dr. Max 
Stadler, Sabine Leutheusser- Schnarrenberger, 
weiterer Abgeordneter und der Fraktion 
der FDP: Patientenverfügungen neu re- 
geln - Selbstbestimmungsrecht und Au- 
tonomie von nichteinwilligungsfähigen 


Patienten stärken 

(Dmcksachen 16/397, 16/13314) 25095 A 

Christoph Strässer (SPD) 25095 B 

Rene Röspel (SPD) 25096 B 

Wolfgang Zoller (CDU/CSU) 25097 A 

Hubert Hüppe (CDU/CSU) 25097 D 

Michael Kauch (FDP) 25099 A 

Katrin Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25100 A 

Dr. Lukrezia Jochimsen (DIE LINKE) 25101 B 

Otto Flicke (FDP) 25102 A 

Dr. Marlies Volkmer (SPD) 25103 A 

Norbert Geis (CDU/CSU) 25104 A 

Jerzy Montag (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25105 A 

Markus Grübel (CDU/CSU) 25106 A 



VI 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Sabine Leutheusser- Schnarrenberger (FDP) . 25107 B 

Dr. Herta Däubler-Gmelin (SPD) 25108 B 

Joachim Stünker (SPD) 25109 B 

Wolfgang Bosbach (CDU/CSU) 25 1 1 1 C 

Joachim Stünker (SPD) 25112 A 

Namentliche Abstimmungen 25 113 C, 25116 A, 25119 A 

25121 B, 25124 B 

Ergebnisse 25113 D, 25116 C, 25119 C 

25122 A, 25124 D 

Zusatztagesordnungspunkt 5: 

Antrag der Fraktionen der CDU/CSU und der 
SPD: Zurückweisung des Einspruchs des 
Bundesrates gegen das Gesetz zur Ände- 
rung der Förderung von Biokraftstoffen 

(Drucksachen 16/11131, 16/11641, 16/12465, 


16/12466,16/13080,16/13362,16/13389) .. 25127 A 

Namentliche Abstimmung 25127 C 

Ergebnis 25130 C 


Zusatztagesordnungspunkt 6: 

Antrag der Fraktionen der CDU/CSU und der 
SPD: Zurückweisung des Einspruchs des 
Bundesrates gegen das Gesetz zur Moder- 
nisierung von Verfahren im anwaltlichen 
und notariellen Berufsrecht, zur Errich- 
tung einer Schlichtungsstelle der Rechtsan- 
waltschaft sowie zur Änderung sonstiger 
Vorschriften 

(Drucksachen 16/11385, 16/12717, 16/13082, 


16/13363,16/13390) 25127 A 

Namentliche Abstimmung 25127 C 

Ergebnis 25132 B 

Tagesordnungspunkt 7: 


a) Zweite und dritte Beratung des von den 
Fraktionen der CDU/CSU und der SPD 
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes 
zur Angemessenheit der Vorstandsver- 
gütung (VorstAG) 

(Drucksachen 16/12278, 16/13433) 25127 D 

b) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Rechtsausschusses zu dem Antrag der Ab- 
geordneten Mechthild Dyckmans, Dr. Karl 
Addicks, Christian Ahrendt, weiterer Ab- 
geordneter und der Fraktion der FDP: 
Professionalität und Effizienz der Auf- 
sichtsräte deutscher Unternehmen ver- 
hessern 

(Drucksachen 16/10885, 16/13433) 25128 A 


c) Beschlussempfehlung und Bericht des Fi- 
nanzausschusses zu dem Antrag der Abge- 
ordneten Christine Scheel, Kerstin 
Andreae, Birgitt Bender, weiterer Abge- 
ordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/ 
DIE GRÜNEN: Exzesse hei Managerge- 


hältern verhindern 

(Drucksachen 16/12112, 16/13425) 25128 A 

Joachim Poß (SPD) 25128 B 

Hartffid Wolff (Rems-Murr) (FDP) 25135 A 

Dr. Jürgen Gehb (CDU/CSU) 25136 D 

Dr. Barbara Hüll (DIE LINKE) 25138 B 

Dr. Thea Dückert (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25139 D 

Brigitte Zypries, Bundesministerin 

BMJ 25141 A 

Otto Bernhardt (CDU/CSU) 25142 D 


Tagesordnungspunkt 8: 

Große Anfrage der Abgeordneten Kerstin 
Andreae, Dr. Thea Dückert, Dr. Wolfgang 
Strengmarm-Kuhn, weiterer Abgeordneter 
und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN: Subventionen in der Bundesrepuhlik 


Deutschland 

(Drucksachen 16/8441, 16/10622) 25144 C 

Kerstin Andreae (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25144 C 

Dr. Oie Schröder (CDU/CSU) 25146 A 

Ulrike Flach (FDP) 25148 A 

Reinhard Schultz (Everswinkel) (SPD) 25149 B 

Dr. Herbert Schul (DIE LINKE) 25151 A 


Tagesordnungspunkt 9: 

- Zweite und dritte Beratung des von den 

Fraktionen der CDU/CSU und der SPD 
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes 
zur Bekämpfung der Kinderpornogra- 
phie in Kommunikationsnetzen 
(Drucksachen 16/12850, 16/13411) 25151 D 

- Zweite und dritte Beratung des von der 
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs 
eines Gesetzes zur Bekämpfung der 
Kinderpornographie in Kommunika- 


tionsnetzen 

(Drucksachen 16/13125, 16/13385, 16/13411) 25151 D 

Dr. Martina Krogmann (CDU/CSU) 25152 A 

Irmingard Schewe-Gerigk (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25152 B 

Dr. Max Stadler (FDP) 25154 C 

Martin Dörmann (SPD) 25156 A 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


VII 


Jerzy Montag (BÜNDNIS 90/ | Tagesordnungspunkt 11: 


DIE GRÜNEN) 25157 A 

Jörg Tauss (SPD) 25158 B 

Martin Dörmann (SPD) 25158 C 

Jöm Wunderlich (DIE LINKE) 25159 A 

Wolfgang Wieland (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25160 A 

Michaela Noll (CDU/CSU) 25161 C 

Renate Gradistanac (SPD) 25162 C 

Jörg Tauss (SPD) (Erklärung nach § 31 GO) . 25164 A 

Namentliche Abstimmung 25163 D 

Ergebnis 25165 C 


Tagesordnungspunkt 10: 

a) Große Anfrage der Abgeordneten Birgit 
Homburger, Elke Hoff, Dr. Rainer Stinner, 
weiterer Abgeordneter und der Fraktion 
der FDP: Die Bundeswehr - Eine aufga- 
benorientierte Streitkraft? 

(Drucksachen 16/9962, 16/12681) 25167 D 

b) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Verteidigungsausschusses 

- zu dem Antrag der Abgeordneten 
Birgit Homburger, Elke Hoff, Dr. 

Rainer Stinner, weiterer Abgeordneter 
und der Fraktion der FDP: Zukunfts- 
fähigkeit der Bundeswehr herstei- 
len - Wehrpflicht aussetzen 

- zu dem Antrag der Abgeordneten 
Winfried Nachtwei, Kai Gehring, 

Alexander Bonde, weiterer Abgeord- 
neter und der Fraktion BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN: Wehrpflicht über- 
winden - Freiwilligenarmee auf- 
bauen 

(Drucksachen 16/393, 16/6393, 16/7432) 25167 D 

c) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Verteidigungsausschusses zu dem Antrag 
der Abgeordneten Elke Hoff, Birgit 
Homburger, Dr. Rainer Stinner, weiterer 
Abgeordneter und der Fraktion der FDP: 
Attraktivität des Soldatenberufes stei- 


gern 

(Drucksachen 16/2836, 16/5352) 25168 A 

Birgit Homburger (FDP) 25168 B 

Dr. Franz Josef Jung, Bundesminister 

BMVg 25169 C 

Paul Schäfer (Köln) (DIE LINKE) 25171B 

Hedi Wegener (SPD) 25172 B 

Winfried Nachtwei (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25173 D 


Unterrichtung durch die Beauftragte der Bun- 
desregierung für Migration, Flüchtlinge und 
Integration: Erster Integrationsindikatoren- 
bericht 

(Drucksache 16/13300) 25175 A 

Tagesordnungspunkt 12: 

Beschlussempfehlung und Bericht des Aus- 
schusses für Wirtschaft und Technologie zu 
dem Antrag der Abgeordneten Sabine 
Zimmermann, Dr. Barbara Höh, Ulla Lötzer, 
weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE 
LINKE: Befreiung von IHK-Beiträgen für 
Kleinst- und Kleinbetriebe bis zu 
30 000 Euro Gewerbeertrag und grundle- 
gende Reform der Industrie- und Handels- 
kammern 

(Drucksachen 16/6357, 16/12883) 25175 B 

Tagesordnungspunkt 13: 

a) - Zweite und dritte Beratung des von der 

Bundesregierung eingebrachten Ent- 
wurfs eines Vierten Gesetzes zur Än- 
derung des Sprengstoffgesetzes 
(Drucksachen 16/12597, 16/13423) . . 25175 C 

- Zweite und dritte Beratung des von 
den Abgeordneten Hartfrid Wolff 
(Rems-Murr), Dr. Max Stadler, Gisela 
Piltz, weiteren Abgeordneten und der 
Fraktion der FDP eingebrachten Ent- 
wurfs eines Gesetzes zur Änderung 
des Waffengesetzes 

(Drucksachen 16/12663, 16/13423) . . 25175 C 

b) Beschlussempfehlung und Bericht des In- 
nenausschusses 

- zu dem Antrag der Abgeordneten 
Wolfgang Neskovic, Ulla Jelpke, 

Ulrich Maurer, Bodo Ramelow und 
der Fraktion DIE LINKE: Keine 
Schusswaffen in Privathaushalten - 
Änderung des Waffenrechts 

- zu dem Antrag der Abgeordneten Silke 
Stokar von Neufom, Volker Beck 
(Köln), Monika Lazar, weiterer Abge- 
ordneter und der Fraktion BÜND- 
NIS 90/DIE GRÜNEN: Abrüstung in 
Privatwohnungen - Maßnahmen ge- 
gen Waffenmissbrauch 

(Drucksachen 16/12395, 16/12477, 16/13423) 25175 D 


Reinhard Grindel (CDU/CSU) 25 1 76 A 

Hartfrid Wolff (Rems-Murr) (FDP) 25177 D 

Gabriele Fograscher (SPD) 25179 A 

Ulla Jelpke (DIE LINKE) 25180 B 

Silke Stokar von Neufom (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25181 B 



VIII 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Tagesordnungspunkt 14: 

Antrag der Abgeordneten Winfried Nachtwei, 
Kerstin Müller (Köln), Ute Koczy, weiterer 
Abgeordneter und der Fraktion BÜND- 
NIS 90/DIE GRÜNEN: Zivile Krisenprä- 
vention und Friedensförderung brauchen 


einen neuen Schub 

(Drucksache 16/13392) 25183 A 

Winfried Nachtwei (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25183 A 

Holger Haibach (CDU/CSU) 25184 B 

Hellmut Königshaus (FDP) 25185 B 

Uta Zapf (SPD) 25186 C 

Paul Schäfer (Köln) (DIE LINKE) 25187D 


Tagesordnungspunkt 15: 

Beschlussempfehlung und Bericht des Aus- 
wärtigen Ausschusses zu dem Antrag der 
Bundesregierung: Anpassung des Einsatzge- 
bietes für die Beteiligung bewaffneter deut- 
scher Streitkräfte an der EU-geführten 
Operation Atalanta zur Bekämpfung der 


Piraterie vor der Küste Somalias 

(Drucksachen 16/13187, 16/13393) 25188 D 

Niels Annen (SPD) 25189 A 

Birgit Homburger (FDP) 25190 A 

Karl-Georg Wellmann (CDU/CSU) 25191 A 

Dr. Rainer Stinner (FDP) 25192 B 

Karl-Georg Wellmann (CDU/CSU) 25192 C 

Dr. Norman Paech (DIE LINKE) 25192 C 

Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25193 C 

Rolf Kramer (SPD) 25194 D 

Ulrich Adam (CDU/CSU) 25195 C 

Gabriele Groneberg (SPD) 25196 C 


Tagesordnungspunkt 17: 

- Zweite und dritte Beratung des von der 
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs 
eines Gesetzes zu dem Vertrag vom 
3. September 2008 zwischen der Bun- 
desrepublik Deutschland und dem Kö- 


nigreich Dänemark über eine Feste 
F ehmarnbeltquerung 

(Drucksachen 16/12069, 16/13261) 25197 D 

- Bericht des Haushaltsausschusses gemäß 
§ 96 der Geschäftsordnung 

(Drucksache 16/13268) 25198 A 

Wolfgang Tiefensee, Bundesminister 

BMVBS 25198 A 

Patrick Döring (FDP) 25201 A 

Gero Storjohann (CDU/CSU) 25202 A 

Lutz Heilmann (DIE LINKE) 25203 B 

Rainder Steenblock (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25204 B 

Dr. h. c. Jürgen Koppelin (FDP) 25205 C 

Hans- Joachim Hacker (SPD) 25206 B 

Rainder Steenblock (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25207 B 


Tagesordnungspunkt 18: 

Beschlussempfehlung und Bericht des Aus- 
schusses für Bildung, Forschung und Tech- 
nikfolgenabschätzung 

- zu dem Antrag der Abgeordneten Marion 
Seib, Alexander Dobrindt, Michael 
Kretschmer, weiterer Abgeordneter und 
der Fraktion der CDU/CSU 

sowie der Abgeordneten Jörg Tauss, Willi 
Brase, Ulla Burchardt, weiterer Abgeord- 
neter und der Fraktion der SPD: Förde- 
rung des wissenschaftlichen Nachwuch- 
ses ausbauen 

- zu dem Antrag der Abgeordneten Uwe 
Barth, Cornelia Pieper, Patrick Meinhardt, 
weiterer Abgeordneter und der Fraktion 
der FDP: Entwicklungschancen für den 
wissenschaftlichen Nachwuchs schaffen 

- zu dem Antrag der Abgeordneten 
Dr. Petra Sitte, Dr. Kirsten Tackmann, 
Cornelia Hirsch, Volker Schneider (Saar- 
brücken) und der Fraktion DIE LINKE: 
Perspektiven für den wissenschaftlichen 
Mittelbau öffnen - Karrierewege ab- 
sichern - Gleichstellung durchsetzen - 
Selbständigkeit fördern 

- zu dem Antrag der Abgeordneten Kai 
Gehring, Priska Hinz (Herbom), Krista 
Säger, weiterer Abgeordneter und der 
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: 
Wissenschaft als Beruf attraktiver ma- 


Namentliche Abstimmung 25197 B 

Ergebnis 25198 D 


Tagesordnungspunkt 16: 

Große Anfrage der Abgeordneten Sibylle 
Laurischk, Ina Lenke, Miriam Gruß, weiterer 
Abgeordneter und der Fraktion der FDP: Se- 
niorinnen und Senioren in Deutschland 
(Drucksachen 16/8301, 16/10155) 25197 C 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


IX 


eben - Den wissenschaftlichen Nach- 
wnehs besser nnterstützen 

(Drucksachen 16/11883, 16/11880, 16/10592, 


16/9104, 16/13421) 25208 C 

Marion Seih (CDU/CSU) 25208 D 

Swen Schuh (Spandau) (SPD) 25210 A 

Uwe Barth (FDP) 25211 B 

Dr. Petra Sitte (DIE LINKE) 25212 C 

Kai Gehring (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25214 B 


Tagesordnnngspnnkt 21: 

Beschlussempfehlung und Bericht des Aus- 
schusses für Ernährung, Landwirtschaft und 
Verbraucherschutz zu dem Antrag der Abge- 
ordneten Peter Bleser, Wolfgang Zoller, Klaus 
Hofbauer, weiterer Abgeordneter und der 
Fraktion der CDU/CSU 
sowie der Abgeordneten Dr. Gerhard Botz, 

Waltraud Wolff (Wolmirstedt), Ingrid Amdt- 
Brauer, weiterer Abgeordneter und der Frak- 
tion der SPD: Unsere Verantwortnng für die 
ländlichen Ränme 

(Drucksachen 16/5956, 16/9164 Nr. 1) 25215 C 

Tagesordnungspunkt 20: 

a) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Rechtsausschusses zu dem Antrag der Ab- 
geordneten Ulrike Höfken, Priska Hinz 
(Herbom), Jerzy Montag, weiterer Abge- 
ordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN: Biopatentrecht verbes- 
sern - Patentierung von Pflanzen, Tie- 
ren und biologischen Züchtungsverfah- 
ren verhindern 

(Drucksachen 16/11604, 16/13439) 25216 A 

b) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Rechtsausschusses zu der Unterrichtung 
durch die Bundesregierung: Bericht der 
Bundesregierung über die Auswirkun- 
gen des Gesetzes zur Umsetzung der 
Biopatentrichtlinie 

(Drucksachen 16/12809, 16/13438) 25216 A 

Tagesordnungspunkt 25: 

Zweite und dritte Beratung des von der Bun- 
desregierung eingebrachten Entwurfs eines 
Gesetzes zur Änderung arzneimittelrechtli- 
cher und anderer Vorschriften 

(Drucksachen 16/12256, 16/12677, 16/13428) 25216 C 


Tagesordnungspunkt 22: 

a) Zweite und dritte Beratung des von den 
Abgeordneten Birgit Homburger, Martin 


Zeil, Rainer Brüderle, weiteren Abgeord- 
neten und der Fraktion der FDP einge- 
brachten Entwurfs eines Gesetzes zur Än- 
derung des Gesetzes zur Einsetzung 
eines Nationalen Normenkontrollrates 


(Drucksachen 16/7855, 16/9839) 25216 D 

b) Antrag der Abgeordneten Birgit 


Homburger, Frank Schäffler, Jens 
Ackermann, weiterer Abgeordneter und 
der Fraktion der FDP: Bürokratie ab- 
bauen - Unternehmen, Bürgerinnen 
und Bürger entlasten 

(Drucksache 16/12470) 25217 A 

c) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Ausschusses für Wirtschaft und Technolo- 
gie zu dem Antrag der Abgeordneten 
Rainer Brüderle, Martin Zeil, Birgit 
Homburger, weiterer Abgeordneter und 
der Fraktion der FDP: Wirtschaftliche 
Dynamik fördern - Gewerbeanmeldun- 
gen entbürokratisieren 

(Drucksachen 16/9338, 16/11977) 25217 A 

d) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und 
Reaktorsicherheit zu dem Antrag der Ab- 
geordneten Birgit Homburger, Michael 
Kauch, Angelika Brunkhorst, weiterer Ab- 
geordneter und der Fraktion der FDP: EU- 
Abfallrahmenrichtlinie ökologisch 
wirksam, unbürokratisch und markt- 
wirtschaftlich gestalten 

(Drucksachen 16/3318, 16/4961) 25217 A 

e) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Ausschusses für Arbeit und Soziales zu 
dem Antrag der Abgeordneten Dr. 

Heinrich L. Kolb, Birgit Homburger, Jens 
Ackermann, weiterer Abgeordneter und 
der Fraktion der FDP: Entlastung kleiner 
und mittlerer Betriebe durch Abbau 
bürokratischer Regelungen im Sozial- 


recht 

(Drucksachen 16/3163, 16/5494) 25217 B 

Dr. Michael Fuchs (CDU/CSU) 25217 C 

Garreit Duin (SPD) 25218 D 

Birgit Homburger (FDP) 25219 D 

Roland Claus (DIE LINKE) 25220 D 

Kerstin Andreae (B ÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25212 B 


Tagesordnungspunkt 27: 

a) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Ausschusses für Tourismus zu dem Antrag 
der Abgeordneten Klaus Brähmig, Jürgen 
Klimke, Dr. Hans-Peter Friedrich (Hof), 
weiterer Abgeordneter und der Fraktion 
der CDU/CSU 



X 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


sowie der Abgeordneten Annette Faße, 

Dr. Reinhold Hemker, Gregor Amann, 
weiterer Abgeordneter und der Fraktion 
der SPD: Potentiale von Migranten für 
den internationalen Tonrismns nntzen 
(Drucksachen 16/11403, 16/12186) 25223 A 

b) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Ausschusses für Tourismus 

- zu dem Antrag der Abgeordneten 
Klaus Brähmig, Jürgen Klimke, 

Dr. Hans-Peter Friedrich (Hof), weite- 
rer Abgeordneter und der Fraktion der 
CDU/CSU 

sowie der Abgeordneten Annette Faße, 

Renate Gradistanac, Clemens Bollen, 
weiterer Abgeordneter und der Frak- 
tion der SPD: Barrierefreien Tonris- 
mns weiter fördern 

- zu dem Antrag der Abgeordneten Dr. 
llja Seifert, Katrin Kunert, Dr. Gesine 
Lötzsch, weiterer Abgeordneter und 
der Fraktion DIE LINKE: Barriere- 
freier Tourismus für alle in Deutsch- 
land 

(Drucksachen 16/12101, 16/10317, 16/13046) 25223 A 

c) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Ausschusses für Tourismus 

- zu dem Antrag der Abgeordneten 
Klaus Brähmig, Anita Schäfer (Saal- 
stadt), Dr. Hans-Peter Friedrich (Hof), 
weiterer Abgeordneter und der Frak- 
tion der CDU/CSU 

sowie der Abgeordneten Annette Faße, 

Gabriele Hiller-Ohm, Renate 
Gradistanac, weiterer Abgeordneter 
und der Fraktion der SPD: Bauernhof- 
urlaub und Landtourismus weiter 
fördern - Ländliche Räume nach- 
haltig stärken 

- zu dem Antrag der Abgeordneten Dr. 
llja Seifert, Dr. Kirsten Tackmann, 

Katrin Kunert und der Fraktion DIE 
LINKE: Landurlaub und Urlaub auf 
dem Bauernhof als Chance für einen 
umweltfreundlichen Tourismus in 
Deutschland nutzen 

(Drucksachen 16/10320, 16/7614, 16/13052) 25223 B 

d) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Ausschusses für Tourismus zu dem Antrag 
der Abgeordneten Klaus Brähmig, Klaus 
Riegert, Jürgen Klimke, weiterer Abge- 
ordneter und der Fraktion der CDU/CSU 
sowie der Abgeordneten Annette Faße, Dr. 

Reinhold Hemker, Dr. Peter Danckert, 
weiterer Abgeordneter und der Fraktion 
der SPD: Potentiale von Tourismus und 
Sport erkennen und fördern 

(Drucksachen 16/11402, 16/13053) 25223 C 


e) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Ausschusses für Tourismus zu dem Antrag 
der Abgeordneten Klaus Brähmig, Uda 
Carmen Freia Heller, Dr. Hans-Peter 
Friedrich (Hof), weiterer Abgeordneter 
und der Fraktion der CDU/CSU 
sowie der Abgeordneten Annette Faße, 
Engelbert Wistuba, Dr. Carl-Christian 
Dressei, weiterer Abgeordneter und der 
Fraktion der SPD: Reformationsjubi- 
läum 2017 als welthistorisches Ereignis 


würdigen 

(Drucksachen 16/9830, 16/13054) 25223 D 

Tagesordnungspunkt 24: 

Antrag der Abgeordneten Sabine 


Zimmermann, Dr. Barbara Höll, Dr. Petra 
Sitte, weiterer Abgeordneter und der Fraktion 
DIE LINKE: Digitale Kluft schließen - 
Zehntausende Arbeitsplätze schaffen 


(Drucksache 16/12999) 25224 D 

Dr. Martina Krogmann (CDU/CSU) 25224 D 

Martin Dörmann (SPD) 25226 A 

Rainer Brüderle (FDP) 25227 D 

Katrin Kunert (DIE LINKE) 25228 C 

Grietje Staffelt (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25229 B 


Tagesordnungspunkt 29: 

a) Antrag der Fraktionen CDU/CSU, SPD, 

FDP und BÜNDNIS 90/DlE GRÜNEN: 

60 Jahre Europarat 

(Drucksache 16/13375) 25230 C 

b) Unterrichtung durch die Bundesregierung: 

Bericht der Bundesregierung über die 
Tätigkeit des Europarats für die Zeit 
vom 1. Januar bis 30. Juni 2008 

(Drucksache 16/12858) 25230 D 

c) Unterrichtung durch die Bundesregierung: 

Bericht der Bundesregierung über die 
Tätigkeit des Europarats vom 1. Juli bis 
31. Dezember 2008 

(Drucksache 16/12859) 25230 D 

Zusatztagesordnungspunkt 7: 

Bericht des Rechtsausschusses gemäß § 62 
Abs. 2 der Geschäftsordnung zu dem von den 
Abgeordneten Jerzy Montag, Volker Beck 
(Köln), Monika Lazar, weiteren Abgeordne- 
ten und der Fraktion BÜNDNIS 90/DlE 
GRÜNEN eingebrachten Entwurf eines ... 
Strafrechtsänderungsgesetzes - Beste- 
chung und Bestechlichkeit von Abgeordne- 
ten - (... StrÄndG) 

(Drucksachen 16/6726, 16/13436) 25231 A 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


XI 


Tagesordnungspunkt 31: 

a) Zweite und dritte Beratung des vom Bun- 
desrat eingebrachten Entwurfs eines Ge- 
setzes zur Reform der Sachaufklärung 
in der Zwangsvollstreckung 

(Drucksachen 16/10069, 16/13432) 25231 B 

b) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Rechtsausschusses zu dem Antrag der Ab- 
geordneten Birgit Homburger, Mechthild 
Dyckmans, Sabine Leutheusser- 
Schnarrenberger, weiterer Abgeordneter 
und der Fraktion der FDP: Zwangsvoll- 
streckung beschleunigen - Gläubiger- 
rechte stärken 

(Drucksachen 16/7179, 16/13432) 25231 C 

in Verbindung mit 


Zusatztagesordnungspunkt 8: 

Zweite und dritte Beratung des von der Bun- 
desregierung eingebrachten Entwurfs eines 

Gesetzes über die Internetversteigerung in 
der Zwangsvollstreckung 

(Drucksachen 16/12811, 16/13444) 25231 C 


Tagesordnungspunkt 28: 

Beschlussempfehlung und Bericht des Aus- 
schusses für Menschenrechte und Humanitäre 
Hilfe zu dem Antrag der Abgeordneten 
Florian Toncar, Burkhardt Müller- Sönksen, 
Jens Ackermann, weiterer Abgeordneter und 
der Fraktion der FDP: Eigentumsfreiheit 


weltweit schützen 

(Drucksachen 16/10613, 16/12981) 25232 B 

Holger Haibach (CDU/CSU) 25232 B 

Christoph Strässer (SPD) 25233 C 

Florian Toncar (FDP) 25234 D 

Michael Lcutert (DIE LINKE) 25236 A 

Thilo Hoppe (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25236 D 


Tagesordnungspunkt 33: 

Antrag der Abgeordneten Jürgen Klimke, 

Dr. Christian Ruck, Dr. Wolf Bauer, weiterer 
Abgeordneter und der Fraktion der CDU/CSU 
sowie der Abgeordneten Stephan Hilsberg, 

Dr. Sascha Raabe, Gregor Amann, weiterer 
Abgeordneter und der Fraktion der SPD: In- 
ternationale Kreditfinanzierung in der 
Entwicklungspolitik auf eine neue Grund- 
lage stellen 

(Drucksache 16/13378) 25237 D 


Tagesordnungspunkt 30: 

Beschlussempfehlung und Bericht des Aus- 
schusses für Gesundheit 

- zu dem Antrag der Abgeordneten Daniel 
Bahr (Münster), Martin Zeil, Heinz 
Lanfermann, weiterer Abgeordneter und 
der Fraktion der FDP: Auswüchse des 
Versandhandels mit Arzneimitteln un- 
terbinden 

- zu dem Antrag der Abgeordneten 
Dr. Martina Bunge, Klaus Emst, Dr. 

Lothar Bisky, weiterer Abgeordneter und 
der Fraktion DIE LINKE: Für eine quali- 
tätsgesicherte und flächendeckende 
Arzneimittelversorgung - Versandhan- 
del auf rezeptfreie Arzneimittel be- 
grenzen 

(Dmcksachen 16/9752, 16/9754, 16/13427) 25238 A 


Dr. Wolf Bauer (CDU/CSU) 25238 B 

Dr. Marlies Volkmer (SPD) 25239 A 

Daniel Bahr (Münster) (FDP) 25239 D 

Dr. Martina Bunge (DIE LINKE) 25240 C 

Birgitt Bender (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25241 B 


Tagesordnungspunkt 35: 

a) Beschlussempfehlung und Bericht des 

Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen 

und Jugend 

- zu dem Antrag der Abgeordneten 
Michaela Noll, Antje Blumenthal, 
Maria Eichhorn, weiterer Abgeordne- 
ter und der Fraktion der CDU/CSU 
sowie der Abgeordneten Renate 
Gradistanac, Edelgard Bulmahn, Petra 
Emstberger, weiterer Abgeordneter 
und der Fraktion der SPD: Die Situa- 
tion von Frauenhäusern verbessern 

- zu dem Antrag der Abgeordneten 
Sibylle Laurischk, Ina Lenke, Miriam 
Gmß, weiterer Abgeordneter und der 
Fraktion der FDP: Forderung nach 
einem Bericht der Bundesregierung 
über die Lage der Frauen- und Kin- 
derschutzhäuser 

- zu dem Antrag der Abgeordneten 
Dr. Kirsten Tackmann, Katja Kipping, 
Dr. Barbara Höll, weiterer Abgeordne- 
ter und der Fraktion DIE LINKE: Fi- 
nanzierung von Frauenhäusern 
bundesweit sicherstellen und losge- 
löst vom SGB II regeln 

- zu dem Antrag der Abgeordneten 
Irmingard Schewe-Gerigk, Volker 



XII 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Beck (Köln), Ekin Deligöz, weiterer 
Abgeordneter und der Fraktion BÜND- 
NIS 90/DIE GRÜNEN: Grundrechte 
schützen - Frauenhäuser sichern 

(Drucksachen 16/12992, 16/8889, 16/6928, 

16/10236, 16/13265) 25242 A 

b) Antrag der Abgeordneten Sibylle 
Laurischk, Ina Lenke, Miriam Gruß, wei- 
terer Abgeordneter und der Fraktion der 
FDP: Für eine Absicherung von Frauen- 
und Kinderschutzhäusern 
(Drucksache 16/13178) 25242 C 


Tagesordnungspunkt 32: 

Beschlussempfehlung und Bericht des 
Rechtsausschusses zu dem Antrag der Abge- 
ordneten Britta Haßelmann, Volker Beck 
(Köln), Birgitt Bender, weiterer Abgeordneter 
und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN: Rechtsklarheit und Transparenz 
schaffen - Öffentlichkeit von Aufsichts- 
ratssitzungen kommunaler Gesellschaften 
bundesrechtlich eindeutig normieren 
(Drucksachen 16/11826, 16/13296) 25243 A 

Dr. Günter Krings (CDU/CSU) 25243 B 

Klaus Uwe Benneter (SPD) 25244 C 

Dr. Max Stadler (FDP) 25245 B 

Katrin Kunert (DIE LINKE) 25246 A 

Britta Haßelmann (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25246 C 

Tagesordnungspunkt 39: 

Antrag der Abgeordneten Katharina 
Landgraf, Steffen Reiche (Cottbus), Renate 
Schmidt (Nürnberg) und weiterer Abgeordne- 
ter: Der Zukunft eine Stimme geben - Für 


ein Wahlrecht von Geburt an 

(Drucksache 16/9868) 25247 B 

Renate Schmidt (Nürnberg) (SPD) 25247 C 

Dr. Hermann Otto Solms (FDP) 25248 B 

Katharina Landgraf (CDU/CSU) 25248 D 

Steffen Reiche (Cottbus) (SPD) 25249 B 


Tagesordnungspunkt 34: 

Zweite und dritte Beratung des von den Abge- 
ordneten Hans-Joachim Otto (Frankfurt), 
Gudrun Kopp, Christoph Waitz, weiteren Ab- 
geordneten und der Fraktion der FDP einge- 
brachten Entwurfs eines ... Gesetzes zur 
Änderung des Telemediengesetzes (... Tele- 


mediengesetzänderungsgesetz - ... TM- 

GÄndG) 

(Drucksachen 16/11173, 16/13278) 25250 A 

Dr. Martina Krogmann (CDU/CSU) 25250 B 

Martin Dörmann (SPD) 2525 1 B 

Hans-Joachim Otto (Frankfurt) (FDP) 25252 B 

Dr. Lothar Bisky (DIE LINKE) 25253 C 

Grietje Staffelt (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25254 A 


Tagesordnungspunkt 41: 

Zweite und dritte Beratung des von der Bun- 
desregierung eingebrachten Entwurfs eines 
Gesetzes zur Stärkung der Sicherheit in 
der Informationstechnik des Bundes 

(Drucksachen 16/11967, 16/12225, 16/13259) 25255 B 


Tagesordnungspunkt 36: 

Beschlussempfehlung und Bericht des Aus- 
schusses für Umwelt, Naturschutz und Reak- 
torsicherheit zu dem Antrag der Abgeordne- 
ten Lutz Heilmann, Dr. Gesine Lötzsch, 
Dr. Dietmar Bartsch, weiterer Abgeordneter 
und der Fraktion DIE LINKE: Schnellstmög- 
liche Unterzeichnung und Ratifizierung 
der Europäischen Landschaftskonvention 


(Drucksachen 16/10821, 16/12917) 25255 D 

Josef Göppel (CDU/CSU) 25256 A 

Dirk Becker (SPD) 25256 B 

Angelika Brunkhorst (FDP) 25257 A 

Lutz Heilmann (DIE LINKE) 25257 C 

Markus Kurth (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25258 C 


Tagesordnungspunkt 43: 

Zweite und dritte Beratung des von der Bun- 
desregierung eingebrachten Entwurfs eines 

Gesetzes zur Umsetzung der Dienstleis- 
tungsrichtlinie im Gewerberecht und in 
weiteren Rechtsvorschriften 

(Drucksachen 16/12784, 16/13190, 16/13399) 25259 A 


Lena Strothmann (CDU/CSU) 25259 B 

Doris Barnett (SPD) 25260 C 

Ernst Burgbacher (FDP) 25261 C 

Ulla Lötzer (DIE LINKE) 25262 D 

Dr. Thea Dückert (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25263 B 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


XIII 


Tagesordnungspunkt 38: 

Beschlussempfehlung und Bericht des Aus- 
schusses für Bildung, Forschung und Tech- 
nikfolgenabschätzung zu dem Antrag der Ab- 
geordneten Priska Hinz (Herbom), 
Dr. Gerhard Schick, Kai Gehring, weiterer 
Abgeordneter und der Fraktion BÜND- 
NIS 90/DIE GRÜNEN: Bildungssparen als 
ein Baustein zur Förderung lebenslangen 


Lernens 

(Drucksachen 16/9349, 16/13359) 25264 A 

Dr. Ernst Dieter Rossmann (SPD) 25264 B 

Uwe Barth (FDP) 25265 C 

Volker Schneider (Saarbrücken) 

(DIE LINKE) 25266 C 

Priska Hinz (Herborn) (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25267 B 

Andreas Storm, Pari. Staatssekretär 

BMBF 25267 D 


Tagesordnungspunkt 45: 

- Zweite und dritte Beratung des von den 

Fraktionen der CDU/CSU und der SPD 
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes 
über die Akkreditierungsstelle (Akkre- 
ditierungsstellengesetz - AkkStelleG) 
(Drucksachen 16/12983, 16/13406) 25269 B 

- Zweite und dritte Beratung des von der 
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs 
eines Gesetzes über die Akkreditie- 
rungsstelle (Akkreditierungsstellenge- 
setz - AkkStelleG) 

(Dmcksachen 16/13126, 16/13404, 16/13406) 25269 B 


Dr. Georg Nüßlein (CDU/CSU) 25269 C 

Elvira Drobinski-Weiß (SPD) 25270 C 

Andrea Wicklern (SPD) 25271 D 

Paul K. Friedhoff (FDP) 25272 B 

Dr. Herbert Schui (DIE LINKE) 25272 D 

Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn 

(BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 25273 A 


Tagesordnungspunkt 40: 

Beschlussempfehlung und Bericht des Aus- 
schusses für Bildung, Forschung und Tech- 
nikfolgenabschätzung zu dem Antrag der Ab- 
geordneten Sibylle Laurischk, Uwe Barth, 

Cornelia Pieper, weiterer Abgeordneter und 
der Fraktion der FDP: Lebensleistung von 
Migrantinnen und Migranten würdigen - 
Anerkennungsverfahren von Bildungsab- 
schlüssen verbessern 

(Drucksachen 16/11418, 16/13344) 25273 D 


Marcus Weinberg (CDU/CSU) 25274 A 

Gesine Multhaupt (SPD) 25275 A 

Sibylle Laurischk (FDP) 25276 B 

Sevim Dagdelen (DIE LINKE) 25277 A 

Priska Hinz (Herborn) (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25278 A 


Tagesordnungspunkt 47: 

Zweite und dritte Beratung des vom Bundes- 
rat eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes 
zur Durchführung gemeinschaftsrechtli- 
cher Vorschriften über das Schulobstpro- 
gramm (Schulobstgesetz - SchulObG) 


(Drucksachen 16/13111, 16/13419) 25278 D 

Volker Blumentritt (SPD) 25279 A 

Dr. Wilhelm Priesmeier (SPD) 25279 D 

Mechthild Rawert (SPD) 25280 C 

Dr. Edmund Peter Geisen (FDP) 25281 A 

Karin Binder (DIE LINKE) 25281 D 

Ulrike Höfken (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25282 C 

Ursula Heinen-Esser, Pari. Staats- 
sekretärin BMELV 25283 A 


Tagesordnungspunkt 42: 

a) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und 
Reaktorsicherheit 

- zu dem Antrag der Abgeordneten 
Horst Meierhofer, Michael Kauch, 

Angelika Brunkhorst, weiterer Abge- 
ordneter und der Fraktion der FDP: 

Mobilfunkforschung verantwort- 
lich begründen 

- zu dem Antrag der Abgeordneten Lutz 
Heilmann, Dr. Gesine Lötzsch, 

Dr. Dietmar Bartsch, weiterer Abge- 
ordneter und der Fraktion DIE LINKE: 

Mobilfunkstrahlung minimieren - 
Vorsorge stärken 

(Drucksachen 16/10325, 16/9485, 16/12915) 25284 A 

b) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und 
Reaktorsicherheit 

- zu dem Antrag der Abgeordneten 
Horst Meierhofer, Michael Kauch, 

Angelika Brunkhorst, weiterer Abge- 
ordneter und der Fraktion der FDP: 

Verbraucherfreundliche Kennzeich- 
nung strahlungsarmer Mobilfunk- 
geräte 



XIV 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


- zu dem Antrag der Abgeordneten 
Sylvia Kotting-Uhl, Bärbel Höhn, 

Hans- Josef Fell, weiterer Abgeordne- 
ter und der Fraktion BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN: Kennzeichnung von 
Mobilfunkgeräten schnell und ver- 
braucherfreundlich durchsetzen 
(Dmcksachen 16/3354, 16/4424, 16/5362) 25284 B 

c) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und 
Reaktorsicherheit zu dem Antrag der Ab- 
geordneten Sylvia Kotting-Uhl, Bärbel 
Höhn, Hans- Josef Fell, weiterer Abgeord- 
neter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN: Deutsches Mobilfunk For- 


schungsprogramm fortsetzen 

(Drucksachen 16/4762, 16/6580) 25284 C 

Jens Koeppen (CDU/CSU) 25284 D 

Detlef Müller (Chemnitz) (SPD) 25286 D 

Horst Meierhofer (FDP) 25287 D 

Lutz Heilmann (DIE LINKE) 25289 A 

Sylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25289 D 


Tagesordnungspunkt 49: 

Beschlussempfehlung und Bericht des Fi- 
nanzausschusses zu der Unterrichtung durch 
die Bundesregierung: Vorschlag für eine 
Verordnung des Europäischen Parlaments 
und des Rates über Ratingagenturen (inkl. 

15661/08 ADD 1 und 15661/08 ADD 2) 

(ADD 1 in Englisch) 

KOM(2008) 704 endg.; Ratsdok. 15661/08 
(Drucksachen 16/11517 Nr. A.5, 16/12088) 25291 B 


Albert Rupprecht (Weiden) 

(CDU/CSU) 25291 B 

Nina Hauer (SPD) 25292 D 

Frank Schäffler (FDP) 25293 C 

Dr Axel Troost (DIE LINKE) 25294 B 

Dr Gerhard Schick (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25294 D 


Tagesordnungspunkt 44: 

Beschlussempfehlung und Bericht des Aus- 
schusses für Familie, Senioren, Frauen und 
Jugend zu dem Antrag der Abgeordneten 
Irmingard Schewe-Gerigk, Birgitt Bender, 

Priska Hinz (Herbom), weiterer Abgeordneter 
und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN: Hungern in der Überflussgesellschaft - 
Maßnahmen gegen die Magersucht ergrei- 
fen 

(Drucksachen 16/7458, 16/13418) 25295 D 


Elisabeth Winkelmeier-Becker (CDU/CSU) 25295 D 

Marlene Rupprecht (Tuchenbach) (SPD) . . . 25297 A 

Ina Lenke (FDP) 25297 D 

Diana Golze (DIE LINKE) 25298 C 

Irmingard Schewe-Gerigk (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25299 C 


Zusatztagesordnungspunkt 9: 

Beschlussempfehlung und Bericht des Aus- 
schusses für Verkehr, Bau und Stadtentwick- 
lung zu der Unterrichtung durch die Bundes- 
regierung: Vorschlag für eine Richtlinie des 
Europäischen Parlaments und des Rates 
über die Gesamtenergieeffizienz von Ge- 
bäuden (Neufassung) (inkl. 15929/08 ADD 1 
bis 15929/08 ADD 7) (ADD 1 und ADD 3 
bis ADD 7 in Englisch) 

KOM(2008) 780 endg.; Ratsdok. 15929/08 
(Drucksachen 16/12188 Nr. A.26, 16/13412) 25300 B 


Tagesordnungspunkt 46: 

Beschlussempfehlung und Bericht des Aus- 
schusses für Arbeit und Soziales zu dem An- 
trag der Abgeordneten Dirk Niebel, 
Dr. Heinrich L. Kolb, Jens Ackermann, weite- 
rer Abgeordneter und der Fraktion der FDP: 
Neue effiziente Strukturen in der Arbeits- 
verwaltung - Auflösung der Bundesagen- 


tur für Arbeit 

(Drucksachen 16/2684, 16/12353) 25300 C 

Paul Lehrieder (CDU/CSU) 25300 C 

Katja Mast (SPD) 25301 D 

Dirk Niebel (FDP) 25303 A 

Kornelia Möller (DIE LINKE) 25304 B 

Brigitte Pothmer (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25305 B 


Tagesordnungspunkt 52: 

a) Antrag der Bundesregierung: Fortsetzung 
der Beteiligung bewaffneter deutscher 
Streitkräfte an der Friedensmission der 
Vereinten Nationen im Sudan (UNMIS) 
auf Grundlage der Resolution 1590 
(2005) des Sicherheitsrates der Verein- 
ten Nationen vom 24. März 2005 und 
Folgeresolutionen 

(Drucksache 16/13395) 25306 A 

b) Antrag der Bundesregierung: Fortsetzung 
der Beteiligung bewaffneter deutscher 
Streitkräfte an der AU/UN-Hybrid- 
Operation in Darfur (UNAMID) auf 
Grundlage der Resolution 1769 (2007) 
des Sicherheitsrates der Vereinten Na- 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


XV 


tionen vom 31. Juli 2007 und Folgereso- 
lutionen 

(Drucksache 16/13396) 25306 B 


Tagesordnungspunkt 48: 

Beschlussempfehlung und Bericht des Aus- 
wärtigen Ausschusses zu dem Antrag der Ab- 
geordneten Kerstin Müller (Köln), Irmingard 
Schewe-Gerigk, Marieluise Beck (Bremen), 
weiterer Abgeordneter und der Fraktion 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Sexuelle Ge- 
walt gegenüber Frauen in der Demokrati- 
schen Republik Kongo unverzüglich wirk- 


sam bekämpfen 

(Drucksachen 16/9779, I6/II250) 25306 C 

Anke Eymer (Lübeck) (CDU/CSU) 25306 C 

Brunhilde Irber (SPD) 25307 C 

Marina Schuster (FDP) 25309 A 

Hüseyin-Kenan Aydin (DIE LINKE) 25309 D 

Kerstin Müller (Köln) (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25310 D 


Zusatztagesordnungspunkt 10: 

Antrag der Abgeordneten Dorothee Bär, 

Wolfgang Börnsen (Bönstrup), Peter Albach, 
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der 
CDU/CSU sowie der Abgeordneten Monika 
Griefahn, Martin Dörmann, Siegmund 
Ehrmann, weiterer Abgeordneter und der 
Fraktion der SPD: Medien- und Onlinesucht 
als Suchtphänomen erforschen, Prävention 
und Therapien fördern 

(Drucksache 16/13382) 25311 D 

in Verbindung mit 


Tagesordnungspunkt 67 : 

j) Beschlussempfehlung und Bericht des 
Ausschusses für Kultur und Medien zu 
dem Antrag der Abgeordneten Grietje 
Bettin, Dr. Harald Terpe, Ekin Deligöz, 
weiterer Abgeordneter und der Fraktion 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Medien- 
abhängigkeit bekämpfen - Medienkom- 
petenz stärken 

(Drucksachen 16/7836, 16/11371) 25311 D 


Tagesordnungspunkt 50: 

Beschlussempfehlung und Bericht des Haus- 
haltsausschusses zu dem Antrag der Abgeord- 
neten Kerstin Andreae, Alexander Bonde, 
Christine Scheel, weiterer Abgeordneter und 
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: 


Kontrollrechte aus Bundesbeteiligungen 


strategisch nutzen 

(Drucksachen 16/11761, 16/12138) 25312 B 

Jochen-Konrad Fromme (CDU/CSU) 25312 C 

Bernhard Brinkmann (Hildesheim) 

(SPD) 25314 A 

Otto Fricke (FDP) 25315 A 

Dr. Herbert Schui (DIE LINKE) 25315 D 

Kerstin Andreae (B ÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25316 B 


Zusatztagesordnungspunkt 11 : 

Beschlussempfehlung und Bericht des Aus- 
schusses für Arbeit und Soziales 

- zu dem Antrag der Abgeordneten 

Irmingard Schewe-Gerigk, Markus Kurth, 

Brigitte Pothmer, weiterer Abgeordneter 
und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN: Erwerbsminderungsrente 

gerechter gestalten 

- zu dem Antrag der Abgeordneten 

Dr. Heinrich L. Kolb, Dr. Karl Addicks, 

Christian Ahrendt, weiterer Abgeordneter 
und der Fraktion der FDP: Absicherung 
für das Erwerbsunfähigkeitsrisiko ver- 
bessern 

(Drucksachen 16/12865, 16/10872, 16/13355) 25316 D 


Nächste Sitzung 25317 C 

Anlage 1 

Liste der entschuldigten Abgeordneten 25319 A 


Anlage 2 

Erklärungen nach § 3 1 GO zur Abstimmung 

über den 

- Antrag Gesetzliche Überregulierung der 
Patientenverfügung vermeiden 

- Entwurf eines Dritten Gesetzes zur Ände- 
rung des Betreuungsrechts 

- Entwurf eines Gesetzes zur Verankerung 
der Patientenverfügung im Betreuungs- 
recht (Patientenverfügungsgesetz - Pat- 
VerfG) 

- Entwurf eines Gesetzes zur Klarstellung 
der Verbindlichkeit von Patientenverfü- 
gungen (Patientenverfügungsverbindlich- 
keitsgesetz - PVVG) 

- Antrag Patientenverfügungen neu regeln - 
Selbstbestimmungsrecht und Autonomie 



XVI 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


von nichteinwilligungsfähigen Patienten 
stärken 

(Tagesordnungspunkt 6) 

Dr. Harald Terpe (BÜNDNIS 90/ 


DIE GRÜNEN) 25319 C 

Wolfgang Spanier (SPD) 25320 B 

Rolf Stöckel (SPD) 25320 B 


Anlage 3 

Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten 
Josef Göppel, Dr. Georg Nüßlein, Jens 
Koeppen, Norbert Schindler und Cajus Caesar 
(alle CDU/CSU) zur Abstimmung über die 
Beratung des Antrags: Zurückweisung des 
Einspruchs des Bundesrates gegen das Gesetz 
zur Änderung der Förderung von Biokraft- 
stoffen (Zusatztagesordnungspunkt 5) 25320 D 


Anlage 4 

Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten 
Dr. Axel Berg und Dr. Hermann Scheer (beide 
SPD) zur Abstimmung über die Beratung des 
Antrags: Zurückweisung des Einspruchs des 
Bundesrates gegen das Gesetz zur Änderung 
der Förderung von Biokraftstoffen (Zusatzta- 
gesordnungspunkt 5) 25321 B 


Anlage 5 

Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten 
Nina Hauer (SPD) zur Abstimmung über die 
Beratung des Antrags: Zurückweisung des 
Einspruchs des Bundesrates gegen das Gesetz 
zur Änderung der Förderung von Biokraft- 
stoffen (Zusatztagesordnungspunkt 5) 25321 C 


Anlage 6 

Erklärung der Abgeordneten Anita Schäfer 
(Saalstadt) (CDU/CSU) zur namentlichen Ab- 
stimmung über die Zurückweisung des Ein- 
spruchs des Bundesrates gegen das Gesetz zur 
Änderung der Förderung von Biokraftstoffen 
(Zusatztagesordnungspunkt 5) 25321 D 


Anlage 7 

Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten 
Manfred Grund, Uwe Schummer, Manfred 
Kolbe, Dr. Michael Luther, Rita Pawelski, 
Cajus Caesar, Ingrid Fischbach, Gerald Weiß 
(Groß-Gerau), Alois Karl, Veronika Bellmann 
und Willi Zylajew (alle CDU/CSU) zur Ab- 
stimmung über 


- den Entwurf eines Gesetzes zur Angemes- 
senheit der Vorstandsvergütung (VorstAG) 

- den Antrag: Professionalität und Effizienz 
der Aufsichtsräte deutscher Unternehmen 
verbessern 

- den Antrag: Exzesse bei Managergehäl- 
tem verhindern 

(Tagesordnungspunkt 7) 25322 A 


Anlage 8 

Erklärung des Abgeordneten Volker 
Schneider (Saarbrücken) (DIE LINKE) zur 
Abstimmung über die Beschlussempfehlung: 
Professionalität und Effizienz der Aufsichts- 
räte deutscher Unternehmen verbessern (Ta- 
gesordnungspunkt 7 b) 25323 B 


Anlage 9 

Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten 
Jerzy Montag, Kai Gehring, Grietje Staffelt, 

Monika Lazar, Wolfgang Wieland, Winfried 
Nachtwei, Silke Stokar von Neufom, 

Dr. Anton Hofreiter, Dr. Uschi Eid, Bärbel 
Höhn, Ute Koczy, Claudia Roth (Augsburg), 
Hans-Christian Ströbele und Undine Kurth 
(Quedlinburg) (alle BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN) zur Abstimmung über den Entwurf 
eines Gesetzes zur Bekämpfung der 
Kinderpomographie in Kommunikationsnet- 
zen (Tagesordnungspunkt 9) 25323 B 


Anlage 10 

Erklärung nach § 31 GO des Abgeordneten 
Wolfgang Spanier (SPD) zur Abstimmung 
über den Entwurf eines Gesetzes zur Bekämp- 
fung der Kinderpomographie in Kommunika- 
tionsnetzen (Tagesordnungspunkt 9) 25324 B 


Anlage 11 

Erklämng nach § 31 GO der Abgeordneten 
Ekin Deligöz, Christine Scheel, Priska Hinz 
(Herbom), Kerstin Müller (Köln), Sylvia 
Kotting-Uhl, Dr. Harald Terpe, Dr. Thea 
Dückert, Katrin Göring-Eckardt, Hans-Josef 
Fell und Cornelia Behm (alle BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) zur Abstimmung über den 
Entwurf eines Gesetzes zur Bekämpfung der 
Kinderpomographie in Kommunikationsnef- 
zen (Tagesordnungspunkt 9) 25324 C 


Anlage 12 

Erklämng nach § 31 GO des Abgeordneten 
Frank Schwabe (SPD) zur Abstimmung über 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


XVII 


den Entwurf eines Gesetzes zur Bekämpfung 
der Kinderpomographie in Kommunikations- 
netzen (Tagesordnungspunkt 9) 25325 B 


Anlage 13 

Erklärung naeh § 31 GO des Abgeordneten 
Ulrieh Kelber (SPD) zur Abstimmung über 
den Entwurf eines Gesetzes zur Bekämpfung 
der Kinderpomographie in Kommunikations- 
netzen (Tagesordnungspunkt 9) 25325 D 


Anlage 14 

Erklämng nach § 31 GO der Abgeordneten 
Marieluise Beck (Bremen) (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) zur Abstimmung über den 
Entwurf eines Gesetzes zur Bekämpfung der 
Kinderpomographie in Kommunikationsnet- 
zen (Tagesordnungspunkt 9) 25326 C 


Anlage 15 

Erklämng nach § 31 GO der Abgeordneten 
Monika Griefahn, Klaus Hagemann, Ewald 
Schürer, Peter Friedrich, Dr. Laie Akgün, 

Marco Bülow, Gabriele Frechen, Christian 
Carstensen, Ursula Mogg, Dr. Rainer 
Tabillion, Gabriele Hiller-Ohm, Gustav 
Herzog, Dr. Reinhold Hemker, Johannes Jung 
(Karlsmhe), Christoph Pries, Klaus Uwe 
Benneter, Helga Kühn-Mengel, Gabriele 
Lösekmg-Möller, Gregor Amann, Swen 
Schulz (Spandau), Florian Pronold, Lydia 
Westrich, Katja Mast, Petra Heß, Hilde 
Mattheis, Ute Kumpf, Angelika Graf (Rosen- 
heim), Gabriele Fograscher, Ulla Burchardt, 

Waltraud Lehn, Lothar Binding (Heidelberg), 

Dr. Eva Högl, Kurt Bodewig, Jella Teuchner, 

Dr. Axel Berg, Elke Ferner, Christel Humme 
und Peha Merkel (Berlin) (alle SPD) zur Ab- 
stimmung über den Entwurf eines Gesetzes 
zur Bekämpfung der Kinderpomographie in 
Kommunikationsnetzen (Tagesordnungspunkt 9) 25327 A 


Anlage 16 

Erklämng der Abgeordneten Dr. Peha Sihe 
(DIE LINKE) zur Abstimmung über die Be- 
schlussempfehlung zu dem von der Bundesre- 
giemng eingebrachten Entwurf eines Gesetzes 
zur Bekämpfung der Kinderpomographie in 
Kommunikationsnetzen (Tagesordnungspunkt 9) 25328 A 


Anlage 17 

Erklämng nach § 31 GO des Abgeordneten 
Volker Schneider (Saarbrücken) (DIE 
LINKE) zur Abstimmung über den Entwurf 


eines Gesetzes zur Ändemng des Waffenge- 
setzes (Tagesordnungspunkt 13 a) 25328 A 


Anlage 18 

Erklämng nach § 31 GO des Abgeordneten 
Detlef Müller (Chemnitz) (SPD) zur Abstim- 
mung über den Entwurf eines Gesetzes zu 
dem Vertrag vom 3. September 2008 zwi- 
schen der Bundesrepublik Deutschland und 
dem Königreich Dänemark über eine Feste 
Fehmambeltquerang (Tagesordnungspunkt 17) 25328 B 


Anlage 19 

Erklämng nach § 31 GO der Abgeordneten 
Behina Hagedorn, Dr. Margrit Wetzel, 

Dr. Wolfgang Wodarg, Christian Kleiminger, 

Monika Griefahn, Dr. Hermann Scheer, Iris 
Hoffmann (Wismar), Gabriele Hiller-Ohm, 

Detlef Müller (Chemnitz), Dirk Manzewski, 

Dr. Laie Akgün, Bmnhilde Irber und Martin 
Burkert (alle SPD) zur Abstimmung über den 
Entwurf eines Gesetzes zu dem Vertrag vom 
3. September 2008 zwischen der Bundesrepu- 
blik Deutschland und dem Königreich Däne- 
mark über eine Feste Fehmambeltquemng 
(Tagesordnungspunkt 17) 25328 D 


Anlage 20 

Erklämngen nach § 3 1 GO zur Abstimmung 
über den Entwurf eines Gesetzes zu dem Ver- 
hag vom 3. September 2008 zwischen der 
Bundesrepublik Deutschland und dem König- 
reich Dänemark über eine Feste Fehmambelt- 


quemng (Tagesordnungspunkt 17) 25330 A 

Ulrich Adam (CDU/CSU) 25330 A 

Susanne Jaffke-Witt (CDU/CSU) 25330 C 


Anlage 21 

Erklämng nach § 31 GO des Abgeordneten 
Eckhardt Rehberg (CDU/CSU) zur Abstim- 
mung über den Entwurf eines Gesetzes zu 
dem Vertrag vom 3. September 2008 zwi- 
schen der Bundesrepublik Deutschland und 
dem Königreich Dänemark über eine Feste 
Fehmambeltquerang (Tagesordnungspunkt 17) 25331 A 


Anlage 22 

Erklärung nach § 31 GO des Abgeordneten 
Arnold Vaatz (CDU/CSU) zur Abstimmung 
über den Entwurf eines Gesetzes zu dem Ver- 
trag vom 3. September 2008 zwischen der 
Bundesrepublik Deutschland und dem König- 
reich Dänemark über eine Feste Fehmambelt- 
querang (Tagesordnungspunkt 17) 


25331 C 



XVIII 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Anlage 23 

Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten 
Dr. Erika Ober (SPD) zur Abstimmung über 
den Entwurf eines Gesetzes zur Änderung 
arzneimittelrechtlicher und anderer Vorschrif- 
ten (Tagesordnungspunkt 25) 25331 C 


Anlage 24 

Erklärung nach § 31 GO des Abgeordneten 
Eike Hovermann (SPD) zur Abstimmung 
über den Entwurf eines Gesetzes zur Ände- 
rung arzneimittelrechtlicher und anderer Vor- 
schriften (Tagesordnungspunkt 25) 25332 A 


Anlage 25 

Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten 
Dr. Hans Georg Faust und Dr. Rolf 
Koschorrek (beide CDU/CSU) zur Abstim- 
mung über den Entwurf eines Gesetzes zur 
Änderung arzneimittelrechtlicher und ande- 
rer Vorschriften (Tagesordnungspunkt 25) . . . 25332 C 


Anlage 26 

Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung 
der Unterrichtung: Erster Integrationsindika- 
torenbericht (Tagesordnungspunkt 11) 


Dr. LaleAkgün (SPD) 25333 A 

Sibylle Laurischk (FDP) 25334 C 

Sevim Dagdelen (DIE LINKE) 25335 B 

Josef Philip Winkler (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25336 B 

Dr Maria Böhmer, Staatsministerin 

BK 25337 B 


Anlage 27 

Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung 
der Beschlussempfehlung und des Berichts: 
Befreiung von IHK-Beiträgen für Kleinst- 
und Kleinbetriebe bis zu 30 000 Euro Gewer- 
beertrag und grundlegende Reform der Indus- 
trie- und Handelskammern (Tagesordnungs- 


punkt 12) 

Andreas G Lämmel (CDU/CSU) 25338 C 

Andrea Wicklern (SPD) 25339 D 

Paul K Friedhoff (FDP) 25340 C 

Dr Barbara Höll (DIE LINKE) 25341 C 

Kerstin Andreae (B ÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25342 A 


Anlage 28 

zur Beratung der Großen Anfrage: Seniorin- 
nen und Senioren in Deutschland (Tagesord- 


nungspunkt 16) 

Johannes Singhammer (CDU/CSU) 25343 A 

Angelika Graf (Rosenheim) (SPD) 25343 D 

Wolfgang Spanier (SPD) 25344 D 

Sibylle Laurischk (FDP) 25345 D 

Elke Reinke (DIE LINKE) 25346 D 

Britta Haßelmann (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25347 D 

Dr Hermann Kues, Pari. Staatssekretär 

BMFSFJ 25348 B 


Anlage 29 

Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung 
der Beschlussempfehlung und des Berichts: 
Unsere Verantwortung für die ländlichen 


Räume (Tagesordnungspunkt 21) 

Klaus Hofbauer (CDU/CSU) 25349 B 

Dr. Gerhard Botz (SPD) 25350 C 

Dr. Christel Happach-Kasan (FDP) 25351 C 

Dr. Kirsten Tackmann (DIE LINKE) 25352 D 

Cornelia Behm (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25353 C 


Anlage 30 

Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung: 

- Beschlussempfehlung und Bericht zu dem 
Antrag: Biopatentrecht verbessern - Pa- 
tentierung von Pflanzen, Tieren und biolo- 
gischen Züchtungsverfahren verhindern 

- Beschlussempfehlung und Bericht zu der 
Unterrichtung: Bericht der Bundesregie- 
rung über die Auswirkungen des Gesetzes 
zur Umsetzung der Biopatentrichtlinie 


(Tagesordnungspunkt 20 a und b) 

Dr. Günter Krings (CDU/CSU) 25354 B 

Dr. Matthias Miersch (SPD) 25355 C 

Dr. Christel Happach-Kasan (FDP) 25356 C 

Dr. Petra Sitte (DIE LINKE) 25357 C 

Ulrike Höfken (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25359 A 

Alfred Hartenbach, Pari. Staatssekretär 

BMJ 25359 C 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


XIX 


Anlage 31 

Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung 
des Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung 
arzneimittelrechtlicher und anderer Vorschrif- 


ten (Tagesordnungspunkt 25) 

Dr. Wolf Bauer (CDU/CSU) 25360 B 

Dr. Marlies Volkmer (SPD) 25361 C 

Daniel Bahr (Münster) (FDP) 25362 B 

Frank Spieth (DIE LINKE) 25363 C 

Birgitt Bender (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25364 C 

Rolf Schwanitz, Pari. Staatssekretär 

BMG 25365 B 


Anlage 32 

Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung: 

- Beschlussempfehlung und Bericht: Poten- 
tiale von Migranten für den internationa- 
len Tourismus nutzen 

- Beschlussempfehlung und Bericht: 

- zu dem Antrag: Barrierefreien Touris- 
mus weiter fördern 

- zu dem Antrag: Barrierefreier Touris- 
mus für alle in Deutschland 

- Beschlussempfehlung und Bericht: 

- zu dem Antrag: Bauemhofurlaub und 
Landtourismus weiter fördern - Länd- 
liche Räume nachhaltig stärken 

- zu dem Antrag: Landurlaub und Ur- 
laub auf dem Bauernhof als Chance für 
einen umweltfreundlichen Tourismus 
in Deutschland nutzen 

- Beschlussempfehlung und Bericht: Poten- 
tiale von Tourismus und Sport erkennen 
und fördern 

- Beschlussempfehlung und Bericht: Refor- 
mationsjubiläum 2017 als welthistorisches 


Ereignis würdigen 

(Tagesordnungspunkt 27 a bis e) 

Uda Carmen Freia Heller (CDU/CSU) 25366 C 

Anita Schäfer (Saalstadt) (CDU/CSU) 25368 B 

Dr. Reinhold Hemker (SPD) 25369 D 

Gabriele Hiller-Ohm (SPD) 25370 C 

Engelbert Wistuba (SPD) 25371 C 

Jens Ackermann (FDP) 25372 A 

Dr. Ilja Seifert (DIE LINKE) 25373 A 

Bettina Herlitzius (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25374 C 


Anlage 33 

Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung: 

- Antrag: 60 Jahre Europarat 

- Unterrichtung durch die Bundesregiemng: 
Bericht der Bundesregiemng über die Tä- 
tigkeit des Europarats für die Zeit vom 
1. Januar bis 30. Juni 2008 

- Unterrichtung durch die Bundesregiemng: 
Bericht der Bundesregiemng über die Tä- 
tigkeit des Europarats vom 1. Juli bis 


31. Dezember 2008 

(Tagesordnungspunkt 29 a bis c) 

Eduard Lintner (CDU/CSU) 25375 B 

Renate Gradistanac (SPD) 25376 A 

Johannes Pflug (SPD) 25376 D 

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger 

(FDP) 25377 C 

Dr. Hakki Keskin (DIE LINKE) 25379 A 

Rainder Steenblock (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25379 B 


Anlage 34 

Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung 
des Berichts: Entwurf eines ... Strafrechtsän- 
demngsgesetzes - Bestechung und Bestech- 
lichkeit von Abgeordneten - (... StrÄndG) 
(Zusatztagesordnungspunkt 7) 

Siegfried Kauder (Villingen-Schwenningen) 


(CDU/CSU) 25380 B 

Joachim Stänker (SPD) 25380 D 

Jörg van Essen (FDP) 25381 C 

Wolfgang Neskovic (DIE LINKE) 25382 B 

Jerzy Montag (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25382 D 


Anlage 35 

Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung: 

- Entwurf eines Gesetzes zur Reform der 
Sachaufklämng in der Zwangsvollstre- 
ckung 

- Beschlussempfehlung und Bericht zu dem 
Antrag: Zwangsvollstreckung beschleuni- 
gen - Gläubigerrechte stärken 

- Entwurf eines Gesetzes über die Intemet- 
versteigemng in der Zwangsvollstreckung 

(Tagesordnungspunkt 31a und b und Zusatz- 
tagesordnungspunkt 8) 

Andrea Astrid Voßhoff (CDU/CSU) 25383 C 



XX 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Dirk Manzewski (SPD) 25384 D 

Mechthild Dyckmans (FDP) 25385 B 

Wolfgang Neskovic (DIE LINKE) 25386 C 

Jerzy Montag (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25387 B 

Alfred Hartenbach, Pari. Staatssekretär 

BMJ 25387 D 


Anlage 36 

Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung 
des Antrags: Internationale Kreditfinanzie- 
rung in der Entwicklungspolitik auf eine neue 
Grundlage stellen (Tagesordnungspunkt 33) 


Jürgen Klimke (CDU/CSU) 25388 C 

Stephan Hilsberg (SPD) 25390 A 

Hellmut Königshaus (FDP) 25391 A 

Heike Hänsel (DIE LINKE) 25391 D 

Thilo Hoppe (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25392 C 


Anlage 37 

Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung 
der Beschlussempfehlung und des Berichts zu 
den Anträgen: 

- Beschlussempfehlung und Bericht zu den 

Anträgen: 

- Die Situation von Frauenhäusem ver- 
bessern 

- Forderung nach einem Bericht der 
Bundesregierung über die Lage der 
Frauen- und Kinderschutzhäuser 

- Finanzierung von Frauenhäusem bun- 
desweit sicherstellen und losgelöst 
vom SGB II regeln 

- Gmndrechte schützen - Frauenhäuser 
sichern 

- Antrag: Für eine Absichemng von Frauen- 


und Kinderschutzhäusem 
(Tagesordnungspunkt 35) 

Ingrid Fischbach (CDU/CSU) 25393 D 

Michaela Noll (CDU/CSU) 25394 C 

Renate Gradistanac (SPD) 25395 D 

Garen Marks (SPD) 25396 C 

Sibylle Laurischk (FDP) 25397 C 

Dr. Kirsten Tackmann (DIE LINKE) 25398 B 

Irmingard Schewe-Gerigk (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25399 A 


Anlage 38 

Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung 
des Antrags: Der Zukunft eine Stimme geben - 
Für ein Wahlrecht von Geburt an (Tagesord- 


nungspunkt 39) 

Stephan Mayer (Altötting) (CDU/CSU) 25399 D 

Klaus Uwe Benneter (SPD) 25400 D 

Miriam Gruß (FDP) 25402 B 

Petra Pau (DIE LINKE) 25402 D 

Kai Gehring (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25403 A 


Anlage 39 

Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung 
des Entwurfs eines Gesetzes zur Stärkung der 
Sicherheit in der Informationstechnik des 


Bundes (Tagesordnungspunkt 41) 

Clemens Binninger (CDU/CSU) 25404 B 

Frank Hofmann (Volkach) (SPD) 25405 D 

Gisela Piltz (FDP) 25406 D 

Ulla Jelpke (DIE LINKE) 25408 A 

Wolfgang Wieland (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25409 A 


Anlage 40 

Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung 
der Beschlussempfehlung und des Berichts: 
Vorschlag für eine Richtlinie des Europäi- 
schen Parlaments und des Rates über die Ge- 
samtenergieeffizienz von Gebäuden (Neufas- 
sung) (inkl. 15929/08 ADD 1 bis 15929/08 
ADD 7) (ADD 1 und ADD 3 bis ADD 7 in 
Englisch) (Zusatztagesordnungspunkt 9) 


Volkmar Uwe Vogel (CDU/CSU) 25409 C 

Rainer Fornahl (SPD) 25410 B 

Patrick Döring (FDP) 25411 C 

Peter Hettlich (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25412 C 

Heidrun Bluhm (DIE LINKE) 25414 B 

Karin Roth, Pari. Staatssekretärin 

BMVBS 25415 A 


Anlage 41 

Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung 
der Anträge der Bundesregierung: 

- Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter 
deutscher Streitkräfte an der Friedensmis- 
sion der Vereinten Nationen im Sudan 
(UNMIS) auf Gmndlage der Resolution 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


XXI 


1590 (2005) des Sicherheitsrates der Ver- 
einten Nationen vom 24. März 2005 und 
Folgeresolutionen 

- Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter 
deutscher Streitkräfte an der AU/UN-Hy- 
brid-Operation in Darfur (UNAMID) auf 
Grundlage der Resolution 1769 (2007) des 
Sicherheitsrates der Vereinten Nationen 
vom 31. Juli 2007 und Folgeresolutionen 


(Tagesordnungspunkt 52 a und b) 

Jürgen Herrmann (CDU/CSU) 25415 D 

Brunhilde Irber (SPD) 25417 B 

Ursula Mogg (SPD) 25419 A 

Marina Schuster (FDP) 25419 C 

Heike Hänsel (DIE LINKE) 25420 C 

Kerstin Müller (Köln) (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25421 C 

Dr. h. c. Gernot Erler, Staatsminister 

AA 25422 C 


Anlage 42 

Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung: 

- Antrag: Medien- und Onlinesucht als 
Suchtphänomen erforschen, Prävention 
und Therapien fördern 

- Beschlussempfehlung und Bericht: Me- 
dienabhängigkeit bekämpfen - Medien- 
kompetenz stärken 

(Zusatztagesordnungspunkt 10 und Tagesord- 


nungspunkt 67 j) 

Dorothee Bär (CDU/CSU) 25423 B 

Monika Griefahn (SPD) 25424 A 


Jürgen Kucharczyk (SPD) 25424 D 

Christoph Waitz (FDP) 25425 C 

Dr. Lothar Bisky (DIE LINKE) 25426 C 

Grietje Staffelt (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25424 A 


Anlage 43 

Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung 
der Beschlussempfehlung und des Berichts zu 
den Anträgen: 

- Erwerbsminderungsrente gerechter gestal- 
ten 

- Absicherung für das Erwerbsunfähigkeits- 


risiko verbessern 
(Zusatztagesordnungspunkt 11) 

Peter Weiß (Emmendingen) (CDU/CSU) .... 25428 B 

Gregor Amann (SPD) 25428 D 

Dr. Heinrich L. Kolb (FDP) 25430 B 

Volker Schneider (Saarbrücken) 

(DIE LINKE) 25431 A 

Irmingard Schewe-Gerigk (BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 25431 C 


Anlage 44 

Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten 
Renate Schmidt (Nürnberg), Klaus 
Hagemann, Jürgen Kucharczyk, Ute Kumpf, 

Lothar Mark, Hilde Mattheis, Ortwin Runde, 

Dr. Hermann Scheer und Dr. Angelica 
Schwall-Düren (alle SPD) zur Abstimmung 
über den Entwurf eines Vierten Gesetzes zur 
Änderung des Sprengstoffgesetzes (Tagesord- 
nungspunkt 13 a) 25432 C 






Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25025 


227. Sitzung 


Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Beginn: 9.00 Uhr 


Präsident Dr. Norbert Lammert: 

Die Sitzung ist eröffnet. Guten Morgen, liebe Kolle- 
ginnen und Kollegen. Ich begrüße Sie herzlich. 

Bevor wir in unsere umfangreiche Tagesordnung ein- 
treten, habe ich einige Glückwünsche vorzutragen. Die 
Kollegen Bernd Schmidbauer und Hans-Christian 
Ströbele haben ihre 70. Geburtstage gefeiert. 

(Beifall) 

Man will es kaum für möglich halten. Aber da unsere 
Datenhandbücher im Allgemeinen sehr zuverlässig sind, 
muss ich von der Glaubwürdigkeit dieser Angaben aus- 
gehen. 

Ihre 60. Geburtstage haben der Kollege Christoph 
Strässer und die Bundesministerin Ulla Schmidt gefei- 
ert; 

(Beifall) 

ich höre, sie seien auch schön gefeiert worden, was wir 
damit ausdrücklich im Protokoll vermerkt haben. 

In die Glückwünsche einbeziehen möchte ich auch 
den Kollegen Hans-Ulrich Klose, der die zuvor Ge- 
nannten in den vergangenen Tagen altersmäßig überbo- 
ten hat. 

Interfraktionell ist vereinbart worden, die verbun- 
dene Tagesordnung um die in der Zusatzpunktliste auf- 
geführten Punkte zu erweitern: 

ZP 1 Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktionen 
CDU/CSU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN 

Die Lage im Iran nach den Präsidentschafts- 
wahlen 

(siehe 226. Sitzung) 

ZP 2 Beratung des Antrags der Bundesregierung 

Beteiligung deutscher Streitkräfte am Einsatz 
von NATO-AWACS im Rahmen der Interna- 
tionalen Sicherheitsunterstützungstruppe in 


Afghanistan (International Security Assis- 
tance Force, ISAF) unter Führung der NATO 
auf Grundlage der Resolutionen 1386 (2001) 
und folgender Resolutionen, zuletzt Resolution 
1833 (2008) des Sicherheitsrates der Vereinten 
Nationen 

- Drucksache 16/13377 - 

Überweisungsvorschlag: 

Auswärtiger Ausschuss (f) 

Rechtsausschuss 

Verteidigungsausschuss 

Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe 
Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und 
Entwicklung 

Haushaltsausschuss gemäß § 96 GO 

(siehe 226. Sitzung) 

ZP 3 Weitere Überweisungen im vereinfachten Ver- 
fahren 

(Ergänzung zu TOP 66) 

a) Beratung des Antrags der Abgeordneten Dr. Gesine 
Lötzsch, Dr. Dietmar Bartsch, Karin Binder, wei- 
terer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE 

Fünf Jahre Karenzzeit für Mitglieder der 
Bundesregierung 

- Drucksache 16/13366 - 

Überweisungsvorschlag: 

Rechtsausschuss 

b) Beratung des Antrags der Abgeordneten Klaus 
Emst, Volker Schneider (Saarbrücken), Dr. Barbara 
Höll, weiterer Abgeordneter und der Fraktion 
DIE LINKE 

Arbeitslosengeld I in der Krise befristet auf 
24 Monate verlängern 

-Drucksache 16/13368 - 

Überweisungsvorschlag: 

Ausschuss für Arbeit und Soziales (f) 

Ausschuss für Wirtschaft und Technologie 
Haushaltsausschuss 



25026 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Präsident Dr. Norbert Lammert 

c) Beratung des Antrags der Abgeordneten 

Christian Ahrendt, Gisela Piltz, Dr. Max Stadler, 
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP 

Verbot des Vereins „Hilfsgemeinschaft für na- 
tionale politische Gefangene nnd deren Ange- 
hörige“ prüfen 

- Drucksache 16/13369 - 

Überweisungsvorschlag: 

Innenausschuss (f) 

Rechtsausschuss 

d) Beratung des Antrags der Abgeordneten 

Dr. Barbara Höll, Werner Dreibus, Dr. Dagmar 
Enkelmann, weiterer Abgeordneter und der Frak- 
tion DIE LINKE 

Unschuldsvermutung muss auch im Arbeits- 
recht gelten - Verdachtskündigung gesetzlich 
ausschließen 

-Drucksache 16/13383 - 

Überweisungsvorschlag: 

Rechtsausschuss (f) 

Ausschuss für Arbeit und Soziales 

e) Beratung des Antrags der Abgeordneten Volker 
Beck (Köln), Kai Gehring, Irmingard Schewe- 
Gerigk, weiterer Abgeordneter und der Fraktion 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 

Für einen Nationalen Aktionsplan gegen Ho- 
mophobie 

- Drucksache 16/13394 - 

Überweisungsvorschlag: 

Innenausschuss (f) 

Rechtsausschuss 

Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 
Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe 
Ausschuss für Kultur und Medien 

f) Beratung des Antrags der Abgeordneten Winfried 
Hermann, Renate Künast, Hans-Christian Ströbele, 
weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜND- 
NIS 90/DIE GRÜNEN 

Bahnanbindung für den Flughafen Berlin Bran- 
denburg International optimieren und be- 
schleunigen 

-Drucksache 16/13397 - 

Überweisungsvorschlag: 

Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (f) 
Ausschuss für Tourismus 

g) Beratung des Antrags der Abgeordneten Ulrike 
Höfken, Bärbel Höhn, Cornelia Behm, weiterer 
Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/ 
DIE GRÜNEN 

Kein Genmais-Anbau gegen den Willen der 
Bürger in der EU 

-Drucksache 16/13398 - 

Überweisungsvorschlag: 

Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und 
Verbraucherschutz 

h) Beratung des Antrags der Abgeordneten Dr. Gerhard 
Schick, Birgitt Bender, Christine Scheel, weiterer 


Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/ (C) 
DIE GRÜNEN 

Grauen Kapitalmarkt durch einheitliches An- 
legerschutzniveau überwinden 

- Drucksache 16/13402 - 

Überweisungsvorschlag: 

Finanzausschuss (f) 

Rechtsausschuss 

Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und 
Verbraucherschutz 

ZP 4 Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion DIE 
LINKE 

Forderungen des bundesweiten Bildungsstreiks 
ernst nehmen 

ZP 5 Beratung des Antrags der Fraktionen der CDU/ 

CSU und SPD 

Zurückweisung des Einspruchs des Bundesra- 
tes gegen das Gesetz zur Änderung der Förde- 
rung von Biokraftstoffen 

- Drucksachen 16/11131, 16/11641, 16/12465, 
16/12466, 16/13080, 16/13362, 16/13389- 

ZP 6 Beratung des Antrags der Fraktionen der CDU/ 

CSU und der SPD 

Zurückweisung des Einspruchs des Bundesra- 
tes gegen das Gesetz zur Modernisierung von 
Verfahren im anwaltlichen und notariellen Be- 
rufsrecht, zur Errichtung einer Schlichtungs- 
stelle der Rechtsanwaltschaft sowie zur Ände- , . 
rung sonstiger Vorschriften ^ ' 

- Drucksachen 16/11385, 16/12717, 16/13082, 
16/13363, 16/13390 - 

ZP 7 Beratung des Berichts des Rechtsausschusses 
(6. Ausschuss) gemäß § 62 Abs. 2 der Geschäfts- 
ordnung zu dem von den Abgeordneten Jerzy 
Montag, Volker Beck (Köln), Monika Lazar, wei- 
teren Abgeordneten und der Fraktion BÜND- 
NIS 90/DIE GRÜNEN eingebrachten Entwurfs 
eines ... Strafrechtsänderungsgesetzes - Beste- 
chung und Bestechlichkeit von Abgeordneten - 
(... StrÄndG) 

-Drucksachen 16/6726, 16/13436- 
B erichterstattung : 

Abgeordneter Andreas Schmidt (Mülheim) 

ZP 8 Zweite und dritte Beratung des von der Bundesre- 
gierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes 
über die Internetversteigerung in der Zwangs- 
vollstreckung 

-Drucksache 16/12811 - 

Beschlussempfehlung und Bericht des Rechtsaus- 
schusses (6. Ausschuss) 

-Drucksache 16/13444- 

B erichterstattung : 

Abgeordnete Andrea Astrid Voßhoff 
Dirk Manzewski 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25027 


Präsident Dr. Norbert Lammert 

Mechthild Dyckmans 
Wolfgang Neskovic 
Jerzy Montag 

ZP 9 Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- 
richts des Ausschusses für Verkehr, Bau und 
Stadtentwicklung (15. Ausschuss) zu der Unter- 
richtung durch die Bundesregierung 

Vorschlag für eine Richtlinie des Enropäischen 
Parlaments nnd des Rates über die Gesamt- 
energieeffizienz von Gehänden (Nenfassnng) 
(inkl. 15929/08 ADD 1 his 15929/08 ADD 7) 
(ADD 1 nnd ADD 3 his ADD 7 in Englisch) 
KOM(2008) 780 endg.; Ratsdok. 15929/08 

- Drucksachen 16/12188 Nr. A.26, 16/13412 - 

B erichterstattung : 

Abgeordneter Volkmar Uwe Vogel 

ZP 10 Beratung des Antrags der Abgeordneten Dorothee 
Bär, Wolfgang Börnsen (Bönstrup), Peter Albach, 
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der 
CDU/CSU 

sowie der Abgeordneten Monika Griefahn, 
Martin Dörmann, Siegmund Ehrmatm, weiterer 
Abgeordneter und der Fraktion der SPD 

Medien- nnd Onlinesncht als Snchtphänomen 
erforschen, Prävention nnd Therapien fördern 

- Drucksache 16/13382 - 

ZP 11 Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- 
richts des Ausschusses für Arbeit und Soziales 
(11. Ausschuss) 

- zu dem Antrag der Abgeordneten Irmingard 
Schewe-Gerigk, Markus Kurth, Brigitte 
Pothmer, weiterer Abgeordneter und der Frak- 
tion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 

Erwerhsmindernngsrente gerechter gestal- 
ten 

- zu dem Antrag der Abgeordneten Dr. Heinrich 
L. Kolb, Dr. Karl Addicks, Christian Ahrendt, 
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der 
FDP 

Ahsichernng für das Erwerhsnnfähigkeitsri- 
siko verbessern 

-Drucksachen 16/12865, 16/10872, 16/13355- 
B erichterstattung : 

Abgeordneter Peter Weiß (Emmendingen) 

Von der Frist für den Beginn der Beratungen soll, so- 
weit erforderlich, abgewichen werden. 

Die Tagesordnungspunkte 23, 26, 37, 51, 56 und 59 
werden abgesetzt. Das entlastet die Tagesordnung durch- 
aus, führt aber - um zu einer realistischen Planung des 
heutigen Tages und der anschließenden Nacht beizutra- 
gen - immer noch zu einem voraussichtlichen Ende des 
Plenums weit nach Mitternacht. Ich werde gleich auch 


noch etwas zu den anstehenden namentlichen Abstim- (C) 
mungen sagen. 

Durch die Absetzung der gerade genannten Tagesord- 
nungspunkte ergeben sich einige Änderungen in der 
Reihenfolge: Der Tagesordnungspunkt 19 soll statt am 
Donnerstag nun morgen, am Freitag, nach dem Tages- 
ordnungspunkt 55 aufgerufen werden. Heute folgen der 
Tagesordnungspunkt 21 auf den Tagesordnungspunkt 18, 

25 auf 20, 27 auf 22, 29 auf 24, 31 auf 26, 33 auf 28 - es 
schreibt offenkundig niemand mit -, 

(Heiterkeit) 

35 auf 30, 39 auf 32, 41 auf 34, 43 auf 36, 45 auf 38, 47 
auf 40, 49 auf 42 sowie 52 auf 46. Morgen werden der 
Tagesordnungspunkt 61 nach dem Tagesordnungspunkt 58 
und die Tagesordnungspunkte 64 und 65 nach dem 
Tagesordnungspunkt 60 aufgerufen. 

Sie sehen, die Parlamentarischen Geschäftsführer ha- 
ben sich richtig Mühe gegeben und zum Ende der Legis- 
laturperiode alle Gestaltungsmöglichkeiten noch einmal 
in vollem Umfang ausgeschöpft. Wer eine aktualisierte 
Übersicht, vor allen Dingen für mögliche eigene Rede- 
beiträge, braucht, kann diese sowohl hier wie bei den 
Parlamentarischen Geschäftsführern einsehen. 

Der bisherige Ohne-Debatte-Punkt 67 j soll zusam- 
men mit dem Zusatzpunkt 10 aufgerufen werden und der 
bislang zur sofortigen Beschlussfassung vorgesehene 
Tagesordnungspunkt 67 y nunmehr ohne Debatte an den 
Auswärtigen Ausschuss überwiesen werden. 

Sind Sie mit diesen Vereinbarungen einverstanden? - 
Das ist offensichtlich der Fall. Dann ist das so beschlos- 
sen. 

Ich habe schon daraufhingewiesen, dass wir im Laufe 
des heutigen Tages bis hin zum späteren Abend eine 
Reihe von namentlichen Abstimmungen haben werden. 

Die ersten im Zusammenhang mit den Gesetzentwürfen 
zur Patientenverfügung werden voraussichtlich heute 
Nachmittag gegen 16 Uhr stattfinden. 

Ich rufe nun den Tagesordnungspunkt 4 auf: 

Abgabe einer Regierungserklärung durch den 
Bundesminister des Auswärtigen 

zum Europäischen Rat am 18. und 19. Juni 
2009 in Brüssel 

Hierzu liegt je ein Entschließungsantrag der Fraktion 
Die Linke sowie der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen 
vor. 

Nach einer interfraktionellen Vereinbarung sind für 
die Aussprache im Anschluss an die Regierungserklä- 
rung eineinviertel Stunden vorgesehen. - Ich höre keinen 
Widerspruch. Dann ist das so beschlossen. 

Das Wort zur Abgabe einer Regierungserklärung hat 
der Bundesminister des Auswärtigen, Frank-Walter 
Steinmeier. 


(Beifall bei der SPD) 



25028 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


(A) Dr. Frank-Walter Steinmeier, Bundesminister des 
Auswärtigen: 

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und 
Herren! „Europa in der Krise“ - manchmal mit Frage- 
zeichen, häufig genug mit Ausrufezeichen das sind, 
wenn man die europäischen Tageszeitungen der letzten 
Tage liest, die Überschriften, unter denen der Europäi- 
sche Rat heute und morgen in Brüssel zusammenkommt. 
Diese Krise ist, wohlgemerkt, keine hausgemachte euro- 
päische Krise, sondern eine globale Krise - wir haben 
aus anderem Anlass häufig genug in diesem Haus da- 
rüber gesprochen -, die keinen Bogen um Europa macht. 
Schlimmer noch: Die Krise hat Europa natürlich längst 
mit voller Wucht erfasst. Gerade das wird für Europa in 
diesen Zeiten zu einer Bewährungsprobe, weil wir eine 
solche Krise globalen Ausmaßes noch nie gemeinsam zu 
durchstehen hatten, weil nie gekannte Fliehkräfte an die- 
sem europäischen Integrationsprojekt ziehen und zerren 
und weil manche versucht sein könnten - Anzeichen da- 
für gibt es -, in nationale Denkmuster zurückzufallen. 

Deshalb sage ich: An der Reaktion auf diese Krise 
wird sich Europas Zukunftsfähigkeit erweisen. Ich 
füge hinzu: Wir als großes Land, wir als Teil der Grün- 
dergeneration dürfen nicht nur dabeistehen und zu- 
schauen, sondern wir haben eine ganz besondere Verant- 
wortung für Europa, für die Europäische Union. 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

Ich sage auch: Europa darf europäische Gemeinsam- 

(B) keit nicht durch Kleinmut aufs Spiel setzen. Gerade jetzt 
dürfen wir das große gemeinsame Ganze in Europa nicht 
aufs Spiel setzen, sondern wir müssen gerade in dieser 
Situation der Krise, gerade jetzt gemeinsam dafür arbei- 
ten, dass die Europäische Union überzeugendere Ant- 
worten auf die globale Krise findet, als wir sie im natio- 
nalstaatlichen Rahmen jemals finden würden. 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

Das ist die Ausgangslage für den Europäischen Rat 
heute und morgen. Ich könnte sogar sagen: Das ist die 
Ausgangslage für die europäische Politik der nächsten 
Monate und Jahre. Aber dieser Europäische Rat - Sie wis- 
sen es - steht natürlich jetzt, wenige Tage nach den Wah- 
len zum Europäischen Parlament, unter ganz besonde- 
ren Vorzeichen. Nicht alle, aber manche der europaweiten 
Trends, die wir bei den Wahlresultaten gesehen haben, 
müssen in der Tat zumindest jenem zu denken geben, dem 
ein demokratisches Europa wirklich am Herzen liegt. 
Zwei gesamteuropäische Aspekte sind es wohl, die uns 
aufrütteln müssen: Eine Wahlbeteiligung von 43 Prozent 
ist das eine. Dies ist die niedrigste Wahlbeteiligung seit 
Einführung der Direktwahlen zum Europäischen Parla- 
ment. Es gab zum anderen besorgniserregende Stimmen- 
gewinne der populistischen und europafeindlichen Par- 
teien. Das mag paradox sein; aber gerade hier hat ein 
Zuwachs im Europäischen Parlament stattgefunden. 

Das ist eine Herausforderung für alle diejenigen, de- 
nen an einem starken und geeinten Europa gelegen ist. 


Wir alle müssen uns dem stellen, dass ganz offensicht- (C) 
lieh viele Bürger an dem Mehrwert der Europäischen 
Union entweder für ihr Land oder für sich selbst zwei- 
feln. Auch Sie haben es in den Veranstaltungen gespürt: 

Die Idee der europäischen Integration, der Verweis auf 
die historischen Verdienste der Europäischen Union, 
wenn wir über Frieden und Stabilität in Europa reden, 
tragen allein noch nicht. Dieser Verweis reicht vor allen 
Dingen nicht, wenn es darum geht, das Vertrauen der 
Menschen in das Zukunftspotenzial dieser Europäischen 
Union wiederzugewinnen. Worum es geht - das ist an- 
spruchsvoller und tagesbezogener -, ist Folgendes: Wir 
müssen in der europäischen Politik jeden Tag und bei je- 
der Materie nachweisen, dass Europa bessere Antworten 
auf die Globalisierung bereithält als die, die wir natio- 
nalstaatlich geben können. 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

Deshalb stehen beim Europäischen Rat heute und 
morgen ganz zentrale Zukunftsfragen auf der Tages- 
ordnung, nämlich die Fragen, wie wir gemeinsam aus 
der Wirtschafts- und Finanzkrise herausfinden können, 
wie Europa seine Führungsrolle beim weltweiten Klima- 
schutz behalten kann und wie Europa zukünftig hand- 
lungsfähiger und demokratischer wird, aber vor allen 
Dingen die Erkenntnis, dass kein Mitgliedstaat für sich 
allein Wege aus dieser Wirtschafts- und Finanzkrise fin- 
den kann. 

Wir haben im vergangenen Dezember - darüber ist hier 
im Hause diskutiert worden - in Ergänzung der nationalen 
Anstrengungen auf europäischer Ebeue eiu Koujuuk- 
turprogramm beschlossen. Das muss jetzt wirken, und 
es wirkt. Diese Anstrengungen auf nationaler und europäi- 
scher Ebene haben natürlich Konsequenzen gehabt. Sie 
haben Löcher in den Haushalten der EU-Mitgliedstaaten 
hinterlassen. Europaweit ist die Neuverschuldung - Sie 
wissen das - riesig. Wir dürfen nicht ignorieren, dass wir 
auch für die zukünftigen Generationen Verantwortung 
tragen, und wir dürfen nicht ignorieren, dass die Men- 
schen angesichts dieser riesigen Neuverschuldung Angst 
vor Inflation, vor den Gefahren für die Geldwertsfabilität 
haben. Deshalb ist es gut, richtig und aus meiner Sicht 
auch notwendig, dass sich der Europäische Rat noch ein- 
mal mit der Rolle des Stabilitäts- und Wachstumspaktes 
befasst. 

Vor allem dürfen wir aber nicht vergessen, wo diese 
Krise ihren Ausgang genommen hat. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

Deshalb nehmen wir uns auf diesem Europäischen Rat 
ganz gezielt die Finanzmarktaufsicht vor. Wenn diese 
Finanzkrise eines gezeigt hat, dann, dass wirtschaftliche 
Freiheit ohne Grenzen und ohne Vernunft das Funda- 
ment unserer Gesellschaftsordnung gefährdet. Wir haben 
gesehen und gelernt: Der Markt braucht Regeln, und wir 
brauchen vor allen Dingen - der Finanzminister dieses 
Landes hat in den letzten Wochen häufig darauf hinge- 
wiesen - eine internationale Finanzordnung ohne Grau- 
zonen und schwarze Löcher. 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25029 


Bundesminister Dr. Frank-Walter Steinmeier 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU und des Abg. Rainder 
Steenblock [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) 

Ich glaube, wir sind gemeinsam mit anderen europäi- 
schen Partnern ganz erfolgreich gewesen. Wir haben es 
mit Frankreich auf dem G-20-Gipfel in London nicht nur 
geschafft, über die Frage einer Neureguliemng, einer 
neuen Überwachung der Finanzmärkte zu diskutieren, 
sondern auch, sie an ganz prominenter Stelle auf die in- 
ternationale Tagesordnung zu setzen. Wir wollen natür- 
lich nicht nur, dass dieses Thema auf der Tagesordnung 
bleibt, sondern auch, dass es von der Europäischen 
Union in Gänze vorangetrieben wird, dass die Europäi- 
sche Union an den vor uns liegenden Weichenstellungen 
tatsächlich mitwirkt. 

Jacques de Larosiere, der frühere französische Zen- 
tralbankchef, hat, wie wir finden, sehr gute Vorschläge 
zur Verbesserung der Finanzmarktaufsicht gemacht. Jetzt 
geht es darum - darum wird es auch auf diesem Gipfel 
gehen -, diese umzusetzen. Ich will nicht im Detail da- 
rauf eingehen. Ein wichtiges Element ist die Schaffung 
eines sogenannten Systemrisikorates, eines Rates, eines 
Gremiums, das sich ganz speziell mit der Entstehung sys- 
temischer Risiken auf dem Finanzmarkt beschäftigen 
soll. Wir werden uns dafür einsetzen, dass die Europäi- 
sche Zentralbank einem solchen Gremium, einem sol- 
chen Rat tatsächlich Vorsitzen kann. Wir werden uns um 
die Harmonisierung EU-weiter Aufsichtsmöglichkeiten 
bemühen, die wir in Ergänzung der nationalen Aufsichts- 
möglichkeiten, die weiterhin notwendig sind, brauchen, 
um noch größere Effizienz zu erzielen. 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU und der FDP) 

Wir haben es nicht nur mit einer Krise auf den Wirt- 
schafts- und Finanzmärkten zu tun, sondern auch - ich 
habe es vorhin gesagt - mit einer Gefahr für das gesamte 
europäische Gesellschaftsmodell. Die Antworten, die 
wir nach der Krise formulieren, müssen europäische 
Antworten sein, die auf der einen Seite natürlich in wirt- 
schaftlicher und finanzpolitischer Hinsicht, auf der ande- 
ren Seite aber auch in sozialer Hinsicht überzeugen. Das 
heißt, dass wir auch die Rahmenbedingungen für mehr 
Beschäftigung in Europa verbessern müssen. Das ist vor 
allem Aufgabe der Mitgliedstaaten der Europäischen 
Union. Aber auch der Europäische Rat wird sich heute 
und morgen damit befassen. Das ist auch gut so; denn 
das ist notwendig. 

(Beifall bei der SPD) 

Wenn es ein Thema gibt, an dem sich unsere Zukunft 
mehr als an irgendeinem Thema entscheiden wird, dann 
ist das die Klimapolitik. Deshalb steht die Klimapolitik 
auch auf diesem Europäischen Rat ganz oben auf der Ta- 
gesordnung. Ich versichere Ihnen: Die Bundesregierung 
kämpft dafür, dass es im Dezember dieses Jahres in Ko- 
penhagen gelingt, eine Einigung über ein internationales 
Klimaschutzabkommen zu erzielen. Wie Sie wissen, ist 
die EU in Vorleistung getreten. Wir haben uns verpflich- 
tet, den Umfang unserer C02-Emissionen bis zum 
Jahre 2020 um 20 Prozent zu reduzieren. Damals haben 


wir auch gesagt: Wir sind sogar bereit, den Umfang der (C) 
Reduzierung zu erhöhen, wenn andere Industrieländer 
und die Schwellenländer ebenfalls ihren Beitrag leisten. 

Internationale Lastenteilung auf der Grundlage von 
individueller Leistungsfähigkeit und Verursacherprinzip, 
das ist das Dreieck, in dem bis zum Dezember dieses 
Jahres in Kopenhagen ein Kompromiss, eine Lösung ge- 
funden werden muss. Das ist anspruchsvoll und schwie- 
rig genug; das gebe ich zu. Aber bis zum Europäischen 
Rat in Kopenhagen muss eine Lösung gefunden werden. 

(Beifall bei der SPD sowie des Abg. Dr. Andreas 
Schockenhoff [CDU/CSU]) 

Herr Präsident, meine Damen und Herren, die großen 
außenpolitischen Fragen, die anstehen, können wir na- 
türlich nur gemeinsam in der Europäischen Union ange- 
hen: Welche strategische Antwort brauchen wir, um ins- 
besondere auf die Lage in Afghanistan und Pakistan zu 
reagieren? Welchen Beitrag kann die Europäische Union 
nicht nur zur Stabilisierung der Situation im Nahen Os- 
ten leisten, sondern vielleicht auch bezüglich einer 
neuen Anstrengung im Hinblick auf den dortigen Frie- 
densprozess? Wie kann eine effektive Zusammenarbeit 
mit der neuen Regierung in den Vereinigten Staaten aus- 
sehen, die nicht nur von den einzelnen Mitgliedstaaten 
der Europäischen Union bzw. nicht nur von deutscher 
Seite ausgeht, sondern vor allen Dingen von der Euro- 
päischen Union? Wie kann man diese Zusammenarbeit 
effizienter als in der Vergangenheit gestalten? 

Wir leisten unseren Beitrag. Es kommt aber darauf an 
- das möchte ich betonen -, dass die EU, die Europäi- 
sche Union als Ganzes, an Handlungsfähigkeit und Be- 
deutung gewinnt. Wir alle wissen: Kein Mitgliedstaat 
der Europäischen Union ist in der Lage, Fragen von glo- 
balem Ausmaß, wie ich sie gerade genannt habe, allein 
zu beantworten. Nur zur Erinnerung, meine Damen und 
Herren: Das war der Grund für den Lissabon-Vertrag. 
Dahinter stand die Grunderkenntnis, dass die National- 
staaten allein nicht genug sind, sondern dass wir eine 
Europäische Union brauchen, die auf vielen Feldern und 
insbesondere in der Außenpolitik effizienter und hand- 
lungsfähiger isf. 

Was den Lissabon- Vertrag betrifft, so hoffe ich, ohne 
zu weit vorgreifen zu wollen, dass wir uns auf der Ziel- 
geraden befinden. Wir wollen, dass der Europäische Rat 
heute und morgen geeignete Weichenstellungen vor- 
nimmt, damit dieser Vertrag noch im Laufe dieses Jahres 
in Kraft treten kann. Ich bin zuversichtlich, dass dies ge- 
lingt. 26 der 27 zuständigen nationalen Parlamente ha- 
ben ihm inzwischen zugestimmt. Ich hoffe, dass wir den 
Ratifizierungsprozess in Deutschland erfolgreich ab- 
schließen können. Das Bundesverfassungsgericht wird 
am 30. Juni 2009, also in wenigen Tagen, entscheiden. 

Das größte Hindernis bleibt natürlich - ich sehe es an 
Ihren Gesichtem und entnehme es einzelnen Zumfen - 

(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Zumfe gibt es nicht mehr! Das ist 
Schnarchen, Herr Minister!) 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Bundesminister Dr. Frank-Walter Steinmeier 

(A) die ungelöste Situation in Irland. Sie wissen, dass sich 
der Europäische Rat bereits im Dezember mit der Situa- 
tion in Irland befasst hat. Er hat eine Reihe von Verein- 
barungen getroffen, die Irland eine erneute Durchfüh- 
rung des Referendums erlauben. Sie kennen die irischen 
Anliegen: im Wesentlichen ethische Fragen 

(Dr. Diether Dehrn [DIE LINKE]: Ach was! 
Soziale Fragen!) 

sowie Fragen des Familienrechts, auch der Abtreibung, 
des Steuerrechts und der Verteidigung. Dem soll durch 
rechtliche Garantien Rechnung getragen werden. An 
dieser Stelle geht es um rechtliche Klarstellungen; der 
Vertrag selbst wird nicht wieder aufgemacht. 

(Beifall bei der SPD sowie des Abg. Wolfgang 
Zoller [CDU/CSU]) 

Meine Damen und Herren, Sicherung der europäi- 
schen Handlungsfähigkeit, Vorangehen auf dem Weg zur 
Weltklimakonferenz, weltweite Finanzarchitektur - das 
sind die Fragen, die anstehen. 

Meines Erachtens spiegelt die Agenda dieses Euro- 
päischen Rates wider, was der Karlspreisträger und Eu- 
ropäer der ersten Stunde Hendrik Brugmans einmal pro- 
phezeit hat. Er hat gesagt: 

Weltpolitik . . . werden wir als Europäer gemeinsam - 
oder gar nicht mehr führen. 

Herzlichen Dank. 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten 

der CDU/CSU) 

(d) 

Präsident Dr. Norbert Lammert: 

Ich eröffne die Aussprache. Als erster Redner erhält 
der Kollege Dr. Guido Westerwelle für die FDP-Fraktion 
das Wort. 

(Beifall bei der FDP sowie des Abg. Dr. Andreas 
Schockenhoff [CDU/CSU]) 

Dr. Guido Westerwede (FDP): 

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Her- 
ren! Herr Bundesaußenminister, zunächst einmal ist Ihr 
Hinweis richtig, dass dies die erste europäische Debatte 
im Deutschen Bundestag seit der Wahl zum Europäi- 
schen Parlament ist. In diesem Zusammenhang sind 
zwei Dinge bemerkenswert. 

Erstens. Die Kräfteverhältnisse im Europäischen 
Parlament haben sich verändert; aus unserer Sicht glück- 
licherweise. Diese Ansicht wird nicht jeder teilen. Aus 
unserer Sicht ist vor allen Dingen erfreulich, dass dieje- 
nigen, die die Wirtschafts- und Finanzkrise als Vorwand 
nutzen wollten, um die soziale Marktwirtschaft abzuwi- 
ckeln, bei diesen Wahlen geschwächt wurden. 

(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

Das Zweite ist die Wahlheteiligung selbst. Meines 
Erachtens macht man es sich zu einfach, wenn man die- 
jenigen, die an der Wahl nicht teilgenommen haben, au- 
tomatisch als Skeptiker oder Gegner der Europäischen 


Union einstufl. Ich habe eher den Eindruck, dass eine 
sehr große Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger in 
Deutschland sehr wohl weiß, welchen Wert die Europäi- 
sche Union für Frieden, Wohlstand und Freiheit hat, dass 
aber eine ebenso große Mehrheit der Bürgerinnen und 
Bürger in Deutschland die Relevanz der Entscheidungen 
des Europäischen Parlaments auf den ersten Blick nicht 
erkennen kann. 

(Rainder Steenblock [BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN]: Das stimmt!) 

Deswegen ist zweierlei unsere Aufgabe. Erstens müs- 
sen wir kenntlich machen, dass die im Europäischen Par- 
lament getroffenen Entscheidungen auch für jede Bürge- 
rin und jeden Bürger in Deutschland von großer 
Bedeutung sind. Zweitens ist es notwendig, dass wir 
endlich die demokratischen Institutionen demokratisie- 
ren, damit in Europa die demokratische Legitimation für 
Entscheidungen wächst. Das ist unsere Aufgabe. 

(Beifall bei der FDP) 

Vor diesem Hintergrund ist die Subsidiarität das 
wichtigste Prinzip. Wir müssen wieder zu dem Prinzip 
zurückfinden: Europa soll sich auf das beschränken, was 
nur auf europäischer Ebene beschlossen werden kann. 
Was Europa nicht regeln muss, das soll es auch nicht re- 
geln dürfen. 

Wir wollen Europa für einen gemeinsamen Markt. 
Wir wollen es für Frieden. Wir wollen es für Stärke der 
Außenpolitik in der Welt. Wir wollen aber kein Europa, 
in dem sich eine nicht demokratisch legitimierte Be- 
hörde herausnimmt, den Bürgerinnen und Bürgern zu 
Hause vorzuschreiben, welche Leuchtmittel sie ein- 
schrauben dürfen und welche Glühbirnen verboten sind, 
meine sehr geehrten Damen und Herren. 

(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

Das ist nicht Aufgabe von Europa. 

Herr Bundesaußenminister, Sie haben zu Recht darauf 
hingewiesen, dass wir infolge der Wirtschafts- und Fi- 
nanzkrise auch die europäischen Kontrollstrukturen, die 
europäische Finanzmarktaufsicht verbessern müssen. 
Sie haben auch auf die Rolle der Europäischen Zen- 
tralbank hingewiesen. Ich glaube, man muss der Regie- 
rung Kohl/Genscher heute dankbar dafür sein, dass sie 
bei der Einführung des Euro eine so unabhängige Euro- 
päische Zentralbank konstituiert hat. Das war voraus- 
schauende Politik. 

(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

Ohne Europa wäre diese Finanzkrise sehr schnell 
auch zu einer wirklichen Währungskrise geworden. Die 
Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank hat ihren 
Wert. Dass wir gemeinsame Marktaufsichtsstrukturen 
brauchen, ist wahr. Wir haben Vorschläge dazu gemacht. 
Sie haben gesagt. Sie wollen bei der Finanzmarktauf- 
sicht die Rolle der Europäischen Zentralbank stärken. 
Das ist das, was Ihnen für Europa vorschwebt. Aber wie 
wollen Sie in Europa eine vernünftige Bankenaufsicht 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25031 


Dr. Guido Westerwelle 

(A) durchsetzen, wenn es Ihnen nicht einmal gelingt, hin- 
sichtlich der nationalen Neuregelung der Bankenaufsicht 
innerhalb der Regierungskoalition Einigkeit herzustel- 
len? 

(Beifall bei der FDP) 

Seit mehr als einem halben Jahr debattieren wir im Deut- 
schen Bundestag über die Notwendigkeit, die zersplit- 
terte deutsche Bankenaufsicht zusammenzufassen. Seit 
mehr als einem halben Jahr gelingt es Ihnen nicht, die 
Bankenaufsicht in Deutschland neu zu regeln. Wer in 
Europa Autorität haben will bei der Regelung der Ban- 
kenaufsicht, muss zuvor zeigen, dass er zu Hause, in 
Deutschland, seine Hausaufgaben machen kann. 

(Beifall bei der FDP) 

Schließlich, Herr Bundesaußenminister, bleibt die 
Frage, was in den letzten elf Jahren getan wurde. Sie 
können hier keine Regierungserklärung abgeben, dass 
wegen fehlender Regulierung Veränderungen bei der 
Bankenaufsicht notwendig sind, und heute und morgen 
beim Europäischen Rat so tun, also befänden Sie sich in 
einem Stadium der Unschuld. Sie tragen als Sozialdemo- 
kraten seit elf Jahren im Finanzministerium die Verant- 
wortung für die Finanz- und Bankenaufsicht. Warum ha- 
ben Sie nicht gehandelt? 

(Beifall bei der FDP sowie des Abg. Winfried 
Hermann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) 

Es ist Ihr Versagen, was hier heute auf der Tagesordnung 
steht. 

Meine Damen und Herren, wir alle wissen, dass Eu- 
ropa auch in der Außenpolitik mit einer Stimme spre- 
chen muss. Das sehen wir gerade in diesen Tagen bei der 
Debatte über den Iran. Ich glaube, es ist richtig, dass 
sich Europa hierzu äußert und sich einbringt. Es ist ver- 
nünftig, in der Außenpolitik wieder stärker mit einer 
Stimme zu sprechen. Wir wünschen Ihnen dafür Erfolg. 
Denn die junge Generation im Iran möchte Vertrauen in 
den Rechtsstaat haben können, möchte durch ihre Regie- 
rung nicht ihrer Möglichkeiten beraubt werden. 

Wir hoffen, dass auch von dem bevorstehenden Gip- 
fel ein gemeinsames europäisches Signal an diejenigen 
ausgeht, die im Augenblick unter Lebensgefahr auf der 
Straße für ihre Bürgerrechte und für die Demokratie 
streiten. Hoffentlich kann Europa es schaffen, mit einer 
Stimme aufzutreten. Das ist auch keine Einmischung in 
die inneren Angelegenheiten des Iran, das ist eine Ange- 
legenheit der Menschenrechte, und es gibt eine Pflicht 
zur Einmischung, wenn es um die Menschenrechte geht. 

(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU und der SPD) 

Wir unterstützen das Anliegen der Bundesregierung, 
die Inkraftsetzung des Lissabon-Vertrages zu beför- 
dern. Dieses Anliegen ist richtig. Wir verstehen nicht 
diejenigen, die - auch in Deutschland - den Lissabon- 
Vertrag ablehnen. Auch wir wissen, dass der Lissabon- 
Vertrag nicht das Gelbe vom Ei ist, nicht in allem perfekt 
ist. Aber wir erkennen, dass er einen wesentlichen Fort- 
schritt gegenüber dem Zustand, den wir haben, bringt. 


Vieles von dem, was Europa vorgeworfen wird, wird (C) 
durch den Lissabon- Vertrag reformiert. Wenn man in 
Europa das Beste nicht bekommen kann, dann soll man 
das Zweitbeste nehmen. 

(Beifall bei der FDP) 

Wir haben es geschafft, dass wir in Europa mittler- 
weile ein riesiger Binnenmarkt mit politischen Institutio- 
nen geworden sind. Das war ein Prozess für den Frie- 
den. Eine wesentliche Voraussetzung dieses Prozesses 
für den Frieden nach Jahrzehnten und Jahrhunderten des 
Krieges auf unserem Kontinent ist die Tatsache, dass 
sich kein Land über ein anderes erhebt. 

In den letzten Jahren haben wir sorgenvoll beobach- 
tet, dass sich die kleinen Länder mittlerweile oft genug 
nicht mehr auf gleicher Augenhöhe respektvoll behan- 
delt fühlen. Es gibt eine gute Lehre aus der Regierungs- 
zeit von Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher, 
nämlich die, dass in der Europapolitik Luxemburg eben 
nicht kleiner als Frankreich ist und dass alle Staaten, 
gleich welche geografische Größe oder welche Bevölke- 
rungszahl sie haben, gemeinsam und respektvoll auf 
gleicher Augenhöhe miteinander reden. 

Herr Bundesaußenminister, deswegen wäre es richtig, 
wenn Sie auch ein Wort an unsere kleineren Nachbarlän- 
der richten würden. Mit der Kavallerie droht man unse- 
ren Nachbarländern nicht. Das ist ein Thema der Außen- 
politik und nicht nur der Finanzpolitik. 

(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

(D) 

Das mag sich hier als Satire anhören, in diesen Ländern 
ist das aber von großer Bedeutung. Das zu beachten, ist 
auch notwendig; denn um unsere eigenen Interessen 
durchsetzen zu können, müssen wir auch auf die kleine- 
ren Länder setzen. 

Wie nötig das ist, werden wir bereits jetzt sehen, 
wenn es um die Personalentscheidungen geht. Herr 
Bundesaußenminister, dazu hätten wir in der Regie- 
rungserklärung gerne etwas gehört. 

(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Genau! - Rainder Steenblock [BÜND- 
NIS 90/DIE GRÜNEN]: Das stimmt!) 

Wie kann es sein, dass zu einem der wichtigsten Anlie- 
gen in den nächsten beiden Tagen, nämlich zu der Frage, 
wer in Europa wo was zu sagen hat, in der Regierungser- 
klärung kein einziges Wort verloren wird? Was ist das 
für eine Regierungserklärung? 

(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Wir als Parlamentarier werden doch veräppelt, wenn Sie 
zu der wichtigsten Frage hier nichts sagen. 

Warum sagen Sie dazu nichts? Sie sagen dazu nichts, 
weil Sie sich natürlich wieder nicht einig sind. Ich habe 
gehört, dass die stellvertretende Chefin der SPD-Frak- 
tion über den Präsidenten gesagt hat, dass Barroso kein 
starker Kommissionspräsident war. Wörtlich sagte sie: 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Dr. Guido Westerwelle 

Deswegen sind wir in der SPD dagegen, dass 
Barroso erneut Kommissionspräsident wird. 

Ist das die Haltung der Bundesregierung? 

(Volker Kauder [CDU/CSU]: Nein!) 

Hat die Bundesregierung überhaupt eine Haltung? 

(Heiterkeit - Zurufe von der CDU/CSU: Ja! - 
Rainder Steenblock [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Nicht eine, sondern mehrere!) 

- Es ist eine wirklich glückliche Stunde in diesem Parla- 
ment, dass wenigstens die Parlamentarier noch an diesen 
Unfug glauben. 

(Heiterkeit und Beifall bei der FDP) 

Es ist ein Treppenwitz, dass in einer Regierungserklä- 
rung nichts zu den künftigen Machtverhältnissen in Eu- 
ropa gesagt wird. Sie verhandeln längst und äußern sich 
dazu öffentlich, aber das Parlament soll dazu nichts er- 
fahren. Sie wollen, dass Europa in der Welt stark ist, in- 
dem wir mit einer Stimme sprechen - da haben Sie recht -, 
aber Deutschland ist in Europa nur stark, wenn wir eine 
Regierung haben, die mit einer Stimme spricht. Sie aber 
sind ein vielstimmiger Chor. Dadurch werden die deut- 
schen Interessen in Europa geschwächt. 

(Beifall bei der FDP) 

Präsident Dr. Norbert Lammert: 

Das Wort erhält nun der Kollege Dr. Andreas 
Schockenhoff für die CDU/CSU-Fraktion. 

Dr. Andreas Schockenhoff (CDU/CSU): 

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das 
ist die letzte europapolitische Debatte in dieser Legisla- 
turperiode, und damit haben wir Anlass, Bilanz zu zie- 
hen, aber auch nach vorne zu schauen. 

Durch die Themen, die beim EU-Gipfel heute und 
morgen eine wichtige Rolle spielen werden - die Bewäl- 
tigung der Wirtschafts- und Finanzkrise oder auch die 
Bekämpfung des Klimawandels -, werden wir in den 
kommenden Jahren und nicht nur in der kommenden Le- 
gislaturperiode erheblich gefordert. Deswegen ist es 
wichtig, dass wir uns dabei von einem klaren Kompass, 
von einer überzeugenden Idee leiten lassen. 

Wenn durch die Wirtschafts- und Finanzkrise eines 
bestätigt wurde, dann ist es die Stärke und Attraktivität 

des europäischen Modells der sozialen Marktwirt- 
schaft. 

Wir müssen den Erfolg unserer werte- und regelge- 
bundenen Wirtschaftsordnung in der Welt heraussteilen 
und für die Umsetzung ihrer Prinzipien eintreten. 

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) 

Das gilt sowohl gegenüber unregulierten Marktmecha- 
nismen als auch gegenüber Konzepten einer etatistischen 
Planwirtschaft. 

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion begrüßt deshalb 
sehr, dass die Bundeskanzlerin immer wieder diesen 
zentralen Leitgedanken europäischen Handelns für eine 


globale, dem Menschen dienende Wirtschaffs- und Fi- (C) 
nanzordnung hervorhebt und danach handelt. In den ers- 
ten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg war die 
Aufgabe Europas vor allem die Herstellung einer Frie- 
densordnung. Wir sind bei diesem Ziel weit vorange- 
kommen. 

Jetzt muss Europa zu seinem eigenen Schutz seine 
Kräfte und seine Stärke noch mehr nach außen wenden. 
Angesichts von Herausforderungen wie der Finanz- und 
Wirtschaftskrise oder des Klimawandels ist es die Auf- 
gabe der EU, die Stimme der sozialen Marktwirtschaft 
für eine internationale Ordnung nachhaltigen Wirtschaf- 
tens zu sein. Denn es gibt keine Alternative zu einer 
Wirtschaftsordnung, die auch auf den Grundsätzen be- 
ruht, dass die Würde des Menschen unantastbar ist, dass 
Kinderarbeit und Raubbau an der Natur nicht hingenom- 
men werden und dass wir soziale und ökologische Min- 
deststandards haben. Sonst werden wir in der Welt von 
morgen nicht so leben können, wie wir es wollen. Das ist 
der Gedanke, von dem wir uns leiten lassen und der un- 
ser Handeln bestimmt. 

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU so- 
wie des Abg. Kurt Bodewig [SPD]) 

Aktuell geht es darum, eine echte europäische Regu- 
lierung des Finanzsektors sicherzustellen. Wir müssen 
ein Finanzsystem schaffen, das unsere Sparer schützt, den 
Unternehmen und Arbeitnehmern verpflichtet ist und mit 
Blick auf Hedgefonds, Steueroasen oder Managergehäl- 
ter im Finanzsektor das europäische Vorbild für eine ver- 
antwortungsbewussfe internationale soziale Marktwirt- 
schaft darstellt. 

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) 

Wer dieses Ziel nach außen erreichen will, braucht 
zunächst einmal größtmögliche Geschlossenheit inner- 
halb der EU und vor allem ein gutes Vertrauensver- 
hältnis. Deshalb war es gut, dass die Bundeskanzlerin 
unmittelbar nach ihrem Amtsantritt wieder für Bere- 
chenbarkeit und Glaubwürdigkeit der deutschen Außen- 
politik, für ein Vertrauensverhältnis zu unseren Partnern 
und darauf aufbauend auch für Geschlossenheit inner- 
halb der EU gesorgt hat. Beides war 2005 nicht der Fall. 

Wenn man heute Bilanz zieht, dann muss noch einmal 
darauf hingewiesen werden, dass die Regierung 
Schröder Europa und die NATO gespalten hatte. 

(Axel Schäfer [Bochum] [SPD]: Unsinn!) 

- Ich erinnere nur an die Pressekonferenz von Chirac, 
Schröder und Putin, Herr Kollege, als eine neue Achse 
Paris-Berlin-Moskau ausgerufen wurde. Das hat die 
Geschlossenheit von NATO und EU nachhaltig zerstört. 

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU - 
Axel Schäfer [Bochum] [SPD]: Völlig ab- 
surd!) 

Ich erinnere auch an die Verhandlungen über die Ost- 
see-Pipeline, die vor 2005 über die Köpfe unserer mittel- 
europäischen Nachbarn hinweg vorangetrieben wurden. 
Damit wir uns richtig verstehen: Das Projekt ist im Inte- 
resse der gesamten EU unverzichtbar, aber die Art und 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25033 


Dr. Andreas Schoekenhoff 

(A) Weise, wie es von der Regierung Schröder betrieben 
wurde, hat die EU nicht geeint, sondern gespalten. 

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) 

Sie, Herr Außenminister, waren damals Kanzleramts- 
minister und tragen damit eine entscheidende Mitverant- 
wortung für diese Spaltungspolitik. Unsere Nachbarn 
sind darüber bis heute verunsichert. Wenn Sie jetzt in Ih- 
rer Budapester Rede - also in einem Nicht-Euroland - 
eine, so wörtlich, „engere Abstimmung in der Eurozone 
zu zentralen wirtschaftlichen Fragen, insbesondere zur 
Lohn-, Sozial- und Steuerpolitik“ fordern, dann ist das 
nicht nur unsensibel gegenüber dem Gastland, das nicht 
der Eurozone angehört; es birgt vor allem die Gefahr ei- 
ner neuen Spaltung. Zumindest ist es in seinen Konse- 
quenzen nicht zu Ende gedacht, Herr Außenminister. 

Wollen Sie wirklich, dass stabilitätsorientierte Länder 
wie Schweden oder Dänemark oder auch unser Nachbar- 
land Polen, das unter seinem Ministerpräsidenten Tusk 
eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik betreibt, bei zentra- 
len wirtschaftlichen Fragen außen vor bleiben, weil sie 
nicht in der Eurogruppe sind? Was heißt eigentlich „en- 
gere Abstimmung“? Entweder geht es um Information 
untereinander. Das braucht man nicht zu fordern; denn 
es ist heute schon möglich. Man muss es nur tun, und 
zwar ohne andere auszuschließen. Oder heißt „engere 
Abstimmung“, Vorentscheidungen zu treffen, die wir im 
Bundestag im Übrigen nur nachvollziehen könnten? Das 
ist eine Beschneidung unseres Haushaltsrechts und 
schon daher inakzeptabel. 

Nein, Herr Außenminister, die Zuständigkeit für die 
Haushalts-, Steuer- und Sozialpolitik liegt aus guten 
Gründen nach wie vor bei den Mitgliedstaaten. Es ist der 
einheitliche europäische Binnenmarkt, der die Grund- 
lage der Union aller Mitgliedstaaten bildet, sowohl de- 
rer, die bereits zum Euroraum gehören, als auch der 
Nicht-Eurostaaten. Die entscheidende Rolle bei der Ko- 
ordinierung der Wirtschafts- und Finanzpolitik muss der 
Rat der 27 Wirtschafts- und Finanzminister spielen. Al- 
les andere würde nur zu neuen Verwerfungen führen, die 
wir uns nicht leisten können. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

In diesem Zusammenhang begrüßen wir sehr, dass die 
Bundeskanzlerin die kleinen und mittleren EU- Staaten 
- Herr Westerwelle, Sie haben das soeben erwähnt - im- 
mer mitnimmt, wenn es um wichtige Entscheidungen 
geht. Ich möchte daran erinnern, dass die Bundeskanzle- 
rin Estland und Polen bei der Pressekonferenz zum EU- 
Russland-Gipfel in Samara vor laufenden Kameras in 
Schutz genommen hat. Das hat der Außenminister als 
Schaufensterpolitik bezeichnet. 

(Dr. Peter Struck [SPD]: Was erzählen Sie 
denn da?) 

Es handelt sich aber um die Wahrnehmung deutscher In- 
teressen. Wenn der Vertrag von Lissabon in Kraft tritt, 
finden in der EU künftig häufiger Mehrheitsentscheidun- 
gen statt. Deutschland könnte dabei sehr schnell in eine 
Minderheitenposition geraten. 


(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Wie bei der Arbeitszeitrichtlinie!) 

Deswegen ist es gerade im deutschen Interesse, die klei- 
nen und mittleren EU -Partner immer mitzunehmen, ei- 
nen fairen Interessenausgleich zu suchen, zu vermitteln 
und nicht zu spalten. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Die von der Bundeskanzlerin maßgeblich herbeige- 
führte Geschlossenheit in der EU und die neu geschaf- 
fene Vertrauensgrundlage waren die entscheidenden Vo- 
raussetzungen dafür, dass die Finanzierung der EU 
Ende 2005 sichergestellt werden konnte, dass die Ver- 
handlungen zum Lissabonner Vertrag während der deut- 
schen EU-Ratspräsidentschaft erfolgreich abgeschlossen 
wurden und dass unter deutschem und französischem 
EU-Vorsitz ein entschiedenes Bekenntnis zur Bekämp- 
fung des Klimawandels abgelegt wurde. 

Mit dem Klimapaket ist die Europäische Union die 
erste und bisher einzige Region in der Welt, die ehrgei- 
zige und rechtlich verbindliche Regeln verabschiedet 
hat, um zu verhindern, dass ein weltweiter Temperatur- 
anstieg von mehr als 2 Grad stattfindet. Es kommt jetzt 
darauf an, dass sich die anderen großen Industriestaaten 
genauso engagieren wie wir Europäer. Das gilt insbeson- 
dere für die USA. Den ermutigenden Worten von Präsi- 
dent Obama müssen nun auch überzeugende Taten fol- 
gen. 

Nur so werden wir erreichen, dass Schwellenländer 
wie China oder Indien ihren Beitrag leisten und wir im 
Dezember in Kopenhagen ein echtes weltweites Klima- 
abkommen beschließen können. Damit es dazu kommt, 
müssen alle Staaten noch erhebliche Anstrengungen un- 
ternehmen. Wir können aber heute schon sagen: Wir 
würden dieses Ziel nicht erreichen, wenn es nicht die 
treibende Kraft der Bundeskanzlerin für die führende 
Rolle der EU in der Klimapolitik gäbe. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Die Wahlen zum Europäischen Parlament haben in 
vielen EU-Ländem - nicht nur hier in Deutschland - 
wichtige Signale für die künftige Entwicklung gesetzt. 
Wir haben mit besonderem Interesse auf das Ergebnis in 
Irland geschaut. Aufgrund dieses Ergebnisses können 
wir hoffen, dass das erneute Referendum im Herbst den 
Weg für das Inkrafttreten des Lissabonner Vertrages frei 
machen wird. Der EU-Gipfel wird den irischen Wün- 
schen Rechnung tragen. 

Mit dem Lissabonner Vertrag werden wir einen Prä- 
sidenten des Enropäischen Rates bekommen. Ich bin 
davon überzeugt, dass dieser Präsident nicht nur für 
mehr Kontinuität und Effizienz der Arbeit des Europäi- 
schen Rates sorgen wird. Da er mindestens zweieinhalb 
Jahre amtiert, wird er die herausragende EU-Persönlich- 
keit werden. Als der europäische Präsident wird er eine 
halbe Milliarde EU-Bürger repräsentieren. Er wird daher 
auf gleicher Augenhöhe mit dem amerikanischen, dem 
chinesischen oder dem russischen Präsidenten stehen 
und besondere Aufmerksamkeit erhalten. 



25034 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Dr. Andreas Schockenhoff 

(A) Das wird aus meiner Sicht nicht nur mehr europäische 
Identität stiften; das wird auch die Möglichkeit bieten, 
bei künftigen europäischen Wahlen im Wahlkampf die 
Aufmerksamkeit auf die Persönlichkeiten und die Kan- 
didaten für die Spitze Europas zu konzentrieren. Da- 
durch wird die Wahl spannender, was vielleicht zu einer 
höheren Wahlbeteiligung führen wird. Ich finde, die 
Rolle des europäischen Präsidenten eröffnet eine 
Chance, mehr Interesse für Europa zu wecken. 

Die Regierung Merkel hat Vertrauen und Handlungs- 
fähigkeit in der Europäischen Union zurückgewonnen. 
Das ist die wichtigste Voraussetzung, um die enormen 
Herausforderungen der kommenden Jahre geschlossen 
und gemeinsam zu bewältigen. 

Vielen Dank. 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- 
neten der SPD) 

Präsident Dr. Norbert Lammert: 

Dr. Gregor Gysi ist der nächste Redner für die Frak- 
tion Die Linke. 

(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert 
Winkelmeier [fraktionslos]) 

Dr. Gregor Gysi (DIE LINKE): 

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und 
Herren! Der EU-Gipfel wird sich mit drei Themen befas- 
sen: mit der Finanz- und Wirtschaftskrise, mit dem Lis- 

(B) sabon- Vertrag und mit dem Klimaschutz. 

Zum Klimaschutz: Man kann deshalb auf wirkliche 
Veränderungen - und zwar in einem positiven Sinn - 
hoffen, weil Obama diesbezüglich offensichtlich eine 
gänzlich andere Politik macht als Bush. Ohne die USA 
kann man das Klima nicht retten und den Klimawandel 
nicht verhindern. Deshalb haben wir diesbezüglich Hoff- 
nung. 

Zur Finanz- und Wirtschaftskrise: Der Europäische 
Rat hat die Absicht, vorzuschlagen, auf keinen Fall mehr 
Konjunkturmaßnahmen durchzuführen. Ich muss Ihnen 
sagen: Ich finde diese Empfehlung der EU abenteuer- 
lich. 

(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert 
Winkelmeier [fraktionslos]) 

Wir haben die Talsohle der Krise noch gar nicht erreicht. 
Wir wissen noch gar nicht, wie viele Arbeitslose es 2010 
geben wird. Aber schon soll entschieden werden: Nichts 
mehr investieren! Was heißt „nichts mehr investieren, 
keine Konjunkturprogramme mehr“ überhaupt? Die Stu- 
denten sowie die Schülerinnen und Schüler gehen auf 
die Straße und streiken, weil wir ein unterdurchschnittli- 
ches Bildungssystem in Europa haben. Wir sollen nun 
aber im Europäischen Rat beschließen: Es gibt nicht 
mehr Geld für Bildung. - Das ist doch abenteuerlich; das 
geht nicht. 

(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert 
Winkelmeier [fraktionslos]) 


Nehmen wir als Beispiel die Binnenwirtschaft: Wir (C) 
brauchen endlich einen fiächendeckenden gesetzlichen 
Mindestlohn. Wir brauchen höhere Sozialleistungen. 

Wir brauchen höhere Renten, und zwar auch für die 
Wirtschaft; denn sonst wird immer weniger gekauft und 
werden immer weniger Dienstleistungen in Anspruch 
genommen - mit dem Ergebnis, dass die Binnenwirt- 
schaft weiter zusammenbricht. Ich kann diese Empfeh- 
lung bzw. - wenn es dazu kommt - diesen Beschluss 
des Europäischen Rates überhaupt nicht nachvollziehen. 

(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert 
Winkelmeier [fraktionslos]) 

Sie haben dazu nichts gesagt, Herr Außenminister. 

Im Übrigen will die Regierung selbst über 90 Mil- 
liarden Euro weitere Schulden für das Jahr 2009 aufneh- 
men. Sie verraten uns aber nicht, was Sie im Jahr 2010 
Vorhaben. Wir wissen zudem nicht, wie viele Schrottpa- 
piere unsere privaten Banken in ihren Bilanzen eigent- 
lich noch haben. Sind es nun über 800 Milliarden, über 
900 Milliarden oder über 1 000 Milliarden Euro? Wir 
bekommen keine Auskünfte. Wir alle sollen bis zum 
27. September nur vor uns hinhecheln. Danach werden 
wir Ihre Wahrheiten erfahren. Aber mir ist das zu spät, 
muss ich Ihnen sagen, Herr Bundesaußenminister. 

(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert 
Winkelmeier [fraktionslos]) 

Union und FDP beschließen in dieser Phase der Ent- 
wicklung Deutschlands auch noch Steuersenkungen. Das 
ist mehr als ein Zauberladen, den Sie da aufmachen wol- 
len. Das ist völlig absurd. (D) 

(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert 
Winkelmeier [fraktionslos]) 

Ich sage Ihnen, was nach dem 27. September passieren 
wird. Ich befürchte, dass man zwei Dinge machen wird: 

Man wird Sozialleistungen kürzen und natürlich Steuern 
erhöhen. Ich beschreibe Ihnen nun einmal, wie der Zeit- 
geist dafür organisiert wird. Zuerst gibt es einen Arbeit- 
geberverband, der sagt: Per 1. Januar 2011 muss die 
Mehrwertsteuer von 19 auf 25 Prozent erhöht werden. 

Dann kommt noch ein satanisches Argument: Wenn man 
das rechtzeitig beschließt und die Leute schon 2010 wis- 
sen, dass am 1. Januar 2011 alles teurer wird, dann kau- 
fen sie 2010 mehr ein, und das belebt die Binnenwirt- 
schafl. So die Theorie dieses Arbeitgeberverbandes. 

Dann kommt ein Institut aus Hamburg und sagt, man 
müsse doch zum 1. Januar 2011 die Mehrwertsteuer von 
19 auf 25 Prozent erhöhen, und bringt dasselbe Argu- 
ment. Dann kommt das Deutsche Institut für Wirt- 
schaftsforschung und sagt, man müsse doch zum 1. Ja- 
nuar 2011 die Mehrwertsteuer von 19 auf 25 Prozent er- 
höhen, und macht denselben Vorschlag. Was machen 
nun Union und SPD? Beide sagen: Das kommt gar nicht 
in die Tüte. 

(Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Das 
hatten wir schon!) 

Aber ehrlich, Herr Bundesaußenminister, ich fühle mich 
sehr an die Plakafe von 2005 „Keine Mehrwertsteuerer- 
höhung“ erinnert. Aus null wurden dann 3 Prozent- 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Dr. Gregor Gysi 

(A) punkte. Ich befurchte, dass wir dasselbe nach dem 
27. September erleben. 

(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert 
Winkelmeier [fraktionslos]) 

Nun komme ich zum nächsten Thema - auch das ist 
sehr ernst zum Lissabon-Vertrag. Sie haben die ge- 
ringe Wahlbeteiligung bei der Europawahl und eine ge- 
wisse EU-Skepsis kritisiert. Sie sagen aber nichts dazu, 
dass die Regierung das mitorganisiert. Ich will Ihnen 
dazu zwei Beispiele nennen. 

Das eine Beispiel ist: Alle Regierungen der EU versu- 
chen immer, Regelungen im Rahmen des Europarechts 
dort zu schaffen, wo sie meinen, national nicht weiterzu- 
kommen. Dann erleben die Bürgerinnen und Bürger, 
dass ihnen jeder zweite Bürgermeister jedes dritte Mal, 
wenn sie berechtigte Anträge stellen, erklärt, das gehe 
wegen des EU-Rechts leider nicht. 

(Zuruf von der CDU/CSU: Das habe ich noch 
nie gesagt, und ich bin Bürgermeister!) 

Wenn er das sagt, stimmt das in der Hälfte der Fälle, in 
der anderen Hälfte stimmt es nicht. Das verbessert das 
Image der EU im Sinn, im Denken und Fühlen der Men- 
schen nicht gerade. 

Das zweite Beispiel - das finde ich viel dramatischer - 
ist: Der Entwurf einer europäischen Verfassung wird 
vorgelegt. Dann sagen zwei Völker, nämlich Frankreich 
und die Niederlande, Nein. Daraufhin überlegen Sie 
nicht, eine bessere Verfassung zu entwickeln. Sie überle- 

(B) gen auch nicht, in allen Mitgliedsländern einen Volks- 
entscheid durchzuführen und überall eine Mehrheit zu 
erreichen, damit wir eine EU der Völker bekommen. 
Vielmehr überlegen Sie, wie Sie diesen Vertrag kosme- 
tisch leicht korrigieren, um zu verhindern, dass es in 
Frankreich und Holland noch einmal einen Volksent- 
scheid gibt. Das heißt. Sie überlegen, wie Sie eine EU 
der Regierungen schaffen, nicht eine EU der Völker. Ge- 
nau das haben wir kritisiert. 

(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert 
Winkelmeier [fraktionslos]) 

Eine Ausnahme hier ist Irland. In Irland muss es nun 
mal zwingend einen Volksentscheid geben. Prompt sagt 
die Bevölkerung Nein. 

(Axel Schäfer [Bochum] [SPD]: Abwarten!) 

Nun überlegen Sie sich, was Sie machen. Herr Außenmi- 
nister, Sie erklären: 26 Staaten haben diesen Vertrag rati- 
fiziert bzw. die Parlamente haben zugestimmt, oder man 
ist dabei, ihn zu ratifizieren. Die Bevölkerung wurde 
nicht gefragt. Schön. Dann sagen Sie: Mit Irland müssen 
wir ein Protokoll anfertigen und eine Regelung finden, 
damit die Bevölkerung auch Ja sagt. Wissen Sie, dass 
Sie damit alle 26 Ratifizierungsverhandlungen wieder 
infrage stellen? Wenn Sie jetzt Irland etwas zubilligen, 
müssen Sie bedenken, dass das von den anderen Ländern 
während der Ratifizierung nicht genehmigt worden ist. 

Jetzt müssten Sie, wenn Sie das rechtlich korrekt ma- 
chen wollen, noch einmal 26 Ratifizierungsverfahren 


einleiten. Das sollten Sie aber erst dann tun, wenn die 
irische Bevölkerung Ja gesagt hat. Eines geht nicht, 
nämlich dass Sie in Irland so lange abstimmen lassen, 
bis es eine Mehrheit für den Vertrag gibt. Gehen Sie 
doch einen anderen Weg! Schaffen Sie einen Vertrag, der 
mit Sicherheit die Zustimmung aller Völker der Europäi- 
schen Union finden wird! Das wäre der richtige Weg. 

(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert 
Winkelmeier [fraktionslos]) 

Ich möchte nun zwei Punkte ansprechen, die Sie mir 
einmal erklären müssten. Der erste Punkt ist: In Art. 42 
des Lissabon- Vertrages steht: 

Die Mitgliedstaaten verpflichten sich, ihre militäri- 
schen Fähigkeiten schrittweise zu verbessern. 

Warum, Herr Außenminister, kann in diesem Artikel 
nicht stehen: Die Mitgliedstaaten verpflichten sich, ab- 
zurüsten? Warum muss in dem Vertrag stehen, dass sie 
sich verpflichten, aufzurüsten? Weshalb muss man dazu 
Ja sagen? 

(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert 
Winkelmeier [fraktionslos]) 

Der zweite Punkt - das ist das stärkste Stück, finde 
ich -: Sie haben gesagt. Sie wollen eine internationale 
Finanzzone ohne Grauzonen und ohne schwarze Lö- 
cher. Daraufhin wurde sehr intensiv geklatscht. Neue 
Regulierungen und mehr Bankenaufsicht haben Sie ge- 
fordert. Was steht im Vertrag? In Kap. 4, nämlich in 
Art. 63, steht - das sage ich auch der FDP -: 

Im Rahmen der Bestimmungen dieses Kapitels sind 
alle Beschränkungen des Zahlungsverkehrs zwi- 
schen den Mitgliedstaaten sowie zwischen den Mit- 
gliedstaaten und dritten Ländern verboten. 

Sie haben im Lissabon-Vertrag jede Regulierung ausge- 
schlossen und behaupten hier das Gegenteil. 

(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert 
Winkelmeier [fraktionslos] - Axel Schäfer 
[Bochum] [SPD]: Unsinn!) 

Sie haben nicht einmal vor, das zu ändern, was dort gere- 
gelt ist. 

(Kurt Bodewig [SPD]: Die Ausgrenzung von 
Ländern ist verboten! Das ist wirklich Un- 
sinn!) 

- Sie können hier so viel herummaulen, wie Sie wollen. 
Ich weiß, dass Sie alle dem Vertrag zugestimmt haben. 

(Kurt Bodewig [SPD]: Zu Recht! - Rainder 
Steenblock [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: 

Aus guten Gründen haben wir zugestimmt!) 

Aber das Bundesverfassungsgericht entscheidet erst am 
30. Juni dieses Jahres. Danach unterhalten wir uns noch 
einmal neu. 

(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert 
Winkelmeier [fraktionslos] - Axel Schäfer 
[Bochum] [SPD]: Sehr gerne! Darauf kommen 
wir zurück!) 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Dr. Gregor Gysi 

(A) Vielleicht haben Sie doch das eine oder andere überse- 
hen. 

Ich komme zu einer weiteren Frage. Der Europäische 
Gerichtshof hat immer wieder Einschränkungen des 
Streikrechts bestätigt und erklärt, dass öffentliche Auf- 
träge nicht an Tariflöhne gebunden werden dürfen. Wa- 
rum? Im EU-Recht ist geregelt - keine Regelung im EU- 
Recht ist ohne Zustimmung der Bundesregierung ent- 
standen, weil dort das Einstimmigkeitsprinzip gilt -, 
dass die Kapitalfreiheit Vorrang vor sozialen Grund- 
rechten hat. Deshalb gibt es jetzt gemeinsame Erklärun- 
gen des DGB mit der SPD, mit den Linken und mit den 
Grünen, in denen gefordert wird, diese Regelung im Eu- 
roparecht umzudrehen und dafür zu sorgen, dass die so- 
zialen Grundrechte Vorrang vor der Kapitalfreiheit ha- 
ben. Nichts davon steht im Lissabon- Vertrag! Er ist 
nämlich noch unter dem neoliberalen Zeitgeist abge- 
schlossen worden. Das ist die Wahrheit. Deshalb müssen 
wir das korrigieren. 

(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert 

Winkelmeier [fraktionslos] - Rainder 

Steenblock [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: 

So ein Unfug!) 

Ich bin relativ sicher, dass wir in der Europäischen 
Union vorankommen, aber nicht auf der Basis der Kon- 
servativen und auch nicht auf der Basis des Neoliberalis- 
mus. Wir werden nur dann vorwärtskommen, wenn den 
Menschen soziale Sicherheit gewährt wird. Das heißt, 
die sozialen Grundrechte müssen endlich im Vorder- 
grund des Europarechts stehen, damit der Europäische 

(B) Gerichtshof nicht mehr so abenteuerliche Entscheidun- 
gen treffen kann, wie er das in der Vergangenheit getan 
hat. 

Danke schön. 

(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert 
Winkelmeier [fraktionslos]) 

Präsident Dr. Norbert Lammert: 

Nächster Redner ist der Kollege Kurt Bodewig für die 
SPD-Fraktion. 

(Beifall bei der SPD) 

Kurt Bodewig (SPD): 

Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ich 
habe leider häufig das Vergnügen, nach einem Redner 
der Linkspartei zu sprechen. Das zwingt mich dann im- 
mer zu Korrekturen: 

Der Art. 63 - eine sachliche Korrektur - verhindert 
nur, dass ein Land im Finanzsystem der EU ausgegrenzt 
wird. Es ist also völliger Unsinn, was der Kollege Gysi 
hier gesagt hat. 

(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU, der FDP 
und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Der zweite Punkt, der mich etwas mehr berührt, be- 
trifft die Frage des Umgangs der Partei Die Linke mit 
dem Vertrag von Lissabon. Ich will Ihnen eines sagen: 
Sie machen nichts anderes, als auf einer antieuropäi- 


schen Welle zu surfen. Sie müssen aufpassen, dass Sie (C) 
nicht in einer Schmuddelumgebung im Europäischen 
Parlament landen, wo eine ganze Reihe von nationalisti- 
schen Antieuropäem mit Ihren Argumenten Politik 
macht. Diese Ähnlichkeit sollten Sie einmal überdenken. 

Ich glaube, das hat etwas mit politischer Kultur zu tun. 

(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und dem 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Widerspruch 
bei der LINKEN) 

Deswegen werde ich noch eines sagen: Sie werden am 
30. Juni eine Watsche vom Bundesverfassungsgericht 
bekommen, die sich wirklich sehen lassen kann. 

(Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Das 
werden wir ja erleben! - Dr. Diether Dehrn 
[DIE LINKE]: Woher wissen Sie denn das?) 

Ich glaube und hoffe, dass zumindest das zu Vemunftan- 
sätzen führt. 

(Beifall bei der SPD) 

Ich will aber auch auf die anderen Debattenredner 
ganz kurz eingehen, bevor ich meine eigenen Anliegen 
einbringe. Zur FDP: Ich glaube, jeder hier ist für Subsi- 
diarität. Subsidiarität steht im Lissabon- Vertrag, und sie 
wird von keinem inffage gestellt. Ich will aber sehr deut- 
lich machen, dass die Mitgliedstaaten der Europäischen 
Union bewusst Themen, die vorher nicht Gemein- 
schaftsrecht waren, zum Gemeinschaftsrecht gemacht 
haben, weil sie gesagt haben: Die einzige politische Lö- 
sung, die machbar ist, ist eine europäische Lösung. - Ich 
glaube, das ist ein guter Ansatz. Das ist unser Umgang (D) 
mit Subsidiarität, und der ist vernünftig. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der CDU/ 

CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜ- 
NEN) 

Zu Herrn Kollegen Schockenhoff: Ich sagte noch zu 
meiner Kollegin: Das ist doch ein vernünftiger Kollege. - 
Als dann Ihre Rede begann, Herr Schockenhoff, war ich 
anderer Ansicht und wusste nicht mehr, in welcher Ko- 
alition wir sind. 

(Dr. Guido Westerwelle [FDP]: Das ist ja das 
Thema, das uns auch bewegt!) 

Ich will nur auf einen Punkt eingehen. Erklären Sie mir 
doch einmal, warum Ihre damalige Position der Unter- 
stützung des Irak-Kriegs, der von der Koalition der Wil- 
ligen geführt wurde, richtig war. 

(Dr. Andreas Schockenhoff [CDU/CSU]: Das 
ist doch eine absurde Unterstellung!) 

Ich kann Ihnen nur eines sagen: Was Bundeskanzler 
Gerhard Schröder damals gemacht hat, war ein Zeichen 
der Vernunft; denn dieser Irak-Krieg war ein einziges 
Desaster, und er führte dazu, dass der Nahe Osten dauer- 
haft destabilisiert wurde. 

(Beifall bei der SPD) 

Über diese Verantwortung müssen wir alle miteinander 
reden. Ich glaube, das war eine Fehlentscheidung, und 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25037 


Kurt Bodewig 

man darf historisch auch einmal etwas korrigieren; das 
sage ich allen. 

Ich möchte noch auf einen anderen Punkt kommen. 
Ich glaube, dass der Europäische Rat jetzt eine ganz 
wichtige Rolle spielt. Es gibt wirklich wichtige Themen. 
Ich erinnere daran, dass der Außenminister zu Beginn 
des Jahres ein Neun-Punkte-Programm über die Grund- 
züge des zweiten Konjunkturpakets und die Finanz- 
marktgrundzüge vorgelegt hat. Das wurde im 
Steinbrück/Steinmeier-Papier präzisiert. Es wurde 
dann von der G 20 fast eins zu eins übernommen. Ich 
finde, das ist ein guter Schritt, der sich sehen lassen kann 
und auf den man stolz sein kann. 

(Beifall bei der SPD) 

Es wurde das Thema Steuerentlastung angespro- 
chen. Ich glaube, es ist nicht die Zeit für Steuerentlastun- 
gen, es sei denn, alle diejenigen, die diese fordern, erklä- 
ren, wo sie Einsparungen vornehmen wollen. Wollen sie 
an die Sozialsysteme, wollen sie an die Rente, oder in 
welcher Form wollen sie agieren? Denn Steuerentlastun- 
gen werden nicht zusätzlich möglich sein. Ich freue mich 
auf Antworten; denn diese führen zu neuen Auseinan- 
dersetzungen. 

Ich glaube, dass der Rat richtig liegt, wenn er sich für 
eine europäische Finanzaufsicht ausspricht. So müssen 
die nationalen Finanzaufsichten koordiniert werden, es 
muss aber auch eine Risikoanalyse auf der Makroebene 
durch den geplanten Europäischen Ausschuss für Sys- 
temrisiken erfolgen. Wir brauchen das. Dies war ein Be- 
reich, der in der Vergangenheit vernachlässigt wurde, 
was dazu führte, dass die Finanzkrise in eine Wirt- 
schaftskrise mündete. Ich glaube, dass wir mit dem Kon- 
junkturprogramm der Krise weiter entgegenwirken kön- 
nen und wir irgendwann Licht am Ende des Tunnels 
sehen. Ich hoffe nicht, dass im Tunnel uns andere Züge 
entgegenkommen. 

Lassen Sie mich noch auf einen anderen Punkt einge- 
hen: Klima und Energie. Das Thema Klima und Ener- 
gie wird ein ganz zentrales Thema dieses Rates sein. Ich 
glaube, wir haben nur ein ganz kleines Zeitfenster. Der 
Klimawandel schreitet bedrohlich fort. Wir müssen die- 
ses Zeitfenster nutzen. Eine der ganz großen Aufgaben 
wird das sein, was der Außenminister beschrieben hat. 
Es muss uns nämlich gelingen, mit diesem Rat die Kon- 
ferenz von Kopenhagen vorzubereiten. Wir sollten nicht 
nur unsere eigenen Anstrengungen noch einmal be- 
schreiben, sondern darauf abzielen, die C02-Emissionen 
um 30 Prozent zu reduzieren, wenn es gelingt, andere In- 
dustrie- und Schwellenländer in diesen Prozess mit ein- 
zubeziehen. Das ist der richtige Weg. 

(Beifall bei der SPD) 

Ich kann Ihnen sagen, es ist jetzt auch die richtige Zeit. 
Der Wechsel in den USA war ein wichtiger Meilenstein 
auf dem Weg, ein Nachfolgeprogramm für das Kioto- 
Protokoll aufzustellen. Kopenhagen wird wichtig sein. 

Es wird übrigens nicht einfach sein, 1 92 Länder auf 
eine gemeinsame Position festzulegen. Ich warne davor, 
sich jetzt innerhalb der EU bei der Frage zu verhakein. 


wie der regionale Lastenausgleich erfolgen soll; ich bitte (C) 
Sie, auch beim Rat darauf zu achten. Das wäre in diesem 
Moment nämlich ein falsches Signal. Erst muss es gelin- 
gen, sich auf ein globales Ziel zu verständigen und die- 
ses zu verankern. Wenn dies nicht gelingt, dann wird 
diese Welt in weitere neue konkurrierende Blöcke zerfal- 
len, die nicht mehr den alten Blockkonfrontationen ent- 
sprechen. Es wird Ressourcenkonflikte in einem Aus- 
maß geben, das uns alle die Zukunft wirklich fürchten 
lässt. Einher damit gehen nicht nur Flüchtlingsbewegun- 
gen oder eine Ausdehnung der Sahelzone, vielmehr wer- 
den die Grundfesten der Gesellschaften in der Welt er- 
schüttert werden. Deswegen halte ich es für so wichtig, 
dieses Thema gut vorzubereiten und zum eigentlichen 
Schwerpunkt des Rates zu machen. 

(Beifall bei der SPD) 

Wir brauchen auch eine globale Tecbnologierevolu- 
tion. Deutschland hat vor zehn Jahren angefangen, er- 
neuerbare Energien und Energieeffizienz zu einem 
Schwerpunktthema zu machen. Bei diesen Themen sind 
wir jetzt sozusagen Weltmarktführer. Meiner Meinung 
nach hat jedes Land dieser Welt Anspruch auf eine preis- 
werte Form der Energiegewinnung. Hierbei voranzu- 
kommen, ist unsere große Aufgabe. 

Ich nenne ein nächstes Ziel, das auf dem Rat behan- 
delt wird: die Ostsee-Strategie. Sie ist ein großes Anlie- 
gen der schwedischen Ratspräsidentschaft. Ich selber bin 
ehrenamtlich Chairman des internationalen Baltic Sea 
Forums; das Thema ist auch mir also ein großes Anlie- 
gen. Es hat aber auch etwas mit der Integration in Eu- 
ropa zu tun. Der Ostsee-Raum bietet eigentlich nach (D) 
1989 das beste Beispiel für die Integration von Staaten: 

Diese waren bedroht, konnten sich dann aus dem sowje- 
tischen System befreien und schaffen es jetzt in einer 
stabilen europäischen Gemeinschaft, sich ökonomisch 
zu entwickeln. Hier weiter voranzukommen, ist eine der 
großen Aufgaben. Ich halte diese Ostsee-Kooperation 
für eine Erfolgsgeschichte; sie kann ein Modell für an- 
dere Meeresregionen in dieser Welt sein. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

Diese Region stellt einen großen Block innerhalb der EU 
dar, und wir sollten dies wirklich ernst nehmen. Wir soll- 
ten sagen: Die Ostsee-Strategie ist etwas, das uns hilft, 
auch die Kooperation in anderen Regionen zu bestärken, 
etwa im Schwarzmeer-Raum. Wenn sich auch Deutsch- 
land als maritimer Standort noch etwas weiterentwickelt, 
dann ist das eigentlich kein schlechtes Aushängeschild. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

Lassen Sie es mich auch an dieser Stelle noch einmal 
sagen: Meines Erachtens gibt es immer noch eine Spal- 
tung der Energieversorgung zwischen Ost und West. 

Es gibt wenig durchgehende Leitungsnetze, etwa in die 
baltischen Staaten. Hier müssen wir etwas tun. Entspre- 
chende Programme sowohl europäisch zu verankern wie 
auch anzureizen, ist eine große Aufgabe und wird die In- 
tegration Europas weiter voranbringen. 

(Rainder Steenblock [BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN]: Sehr wichtig!) 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Kurt Bodewig 

(A) Dazu gehört auch das Pipelineprojekt, das ich für sehr 
wichtig halte, denn es dient nicht nur unserem Land, 
sondern auch der Versorgung Westeuropas, also einer 
Solidarität, die das Zusammenwachsen der beiden gro- 
ßen Teile Europas fordert. 

Mir ist wichtig, dass auch Folgendes klar ist: Wir soll- 
ten selbstbewusst sagen, es gibt Interessen, auch deut- 
sche Interessen, aber bei allem steht im Mittelpunkt das 
Interesse an der Sicherheit der Energieversorgung in 
Europa. Wenn wir auf diesem Gebiet vorankommen, 
dann sind wir auch ein Vorbild für andere Konfliktberei- 
che in dieser Welt und zeigen, dass es Lösungsmöglich- 
keiten gibt, deren Verwirklichung zwar Zeit braucht, die 
aber dann auch nachhaltig sind. 

(Beifall bei der SPD) 

Da ich meine letzte Rede im deutschen Parlament 
halte, möchte ich noch einiges über die Zusammenarbeit 
in der vergangenen Zeit sagen. Meines Erachtens war es 
immer wichtig, dass in außen- und europapolitischen 
Fragen ein Konsens erreicht wurde, der so weit wie nur 
möglich ging. Antieuropäer einzubinden ist natürlich 
schwierig, aber der Rest konnte sich in sehr vielen wich- 
tigen Punkten zusammenfinden. Das war keine Selbst- 
verständlichkeit. Ich sehe darin einen guten Hinweis da- 
rauf, dass Deutschland aus der Kontinuität seiner 
Außenpolitik die eigentliche Kraft schöpft. 

(Dr. Peter Struck [SPD]: Ja!) 

Diese Kontinuität war nie durchbrochen. Deswegen ist 
es wichtig, dies auch einmal festzustellen, und ich 

(B) möchte dies auch mit einem Dank an den Außenminister 
verbinden. 

Lieber Herr Außenminister, lieber Frank, ich glaube, 
es war eine gute Zusammenarbeit. Gerade im Europa- 
ausschuss haben wir wirklich gut kooperiert. Die Verein- 
barung zwischen Bundesregierung und Bundestag ist ein 
sichtbares Zeichen dafür. Die Kollegen in vielen anderen 
europäischen Ländern schauen immer auf Deutschland 
und sagen, so etwas hätten wir auch gern. Insofern kann 
man sagen: Wir haben damit ein Stück europäischer Ge- 
schichte geschrieben. Herzlichen Dank! 

(Beifall bei der SPD) 

Ich möchte Ihnen auch für Ihre klare Stellungnahme 
nach den Ereignissen im Iran danken. Die vielen Toten 
dort sind schon erschütternd. Wahrscheinlich hat ein 
massiver Wahlbetrug stattgefunden. Ich fand es richtig, 
dass Sie den Botschafter einbestellt haben. Ich fand es 
richtig, dass die deutsche Bundesregierung nachgefragt 
und nachgehakt hat. Wir werden das Geschehen im Iran 
nicht von Europa aus verändern. Wenn sich jetzt Hun- 
derttausende Menschen treffen und sagen: „Gebt uns un- 
sere Stimme zurück“, dann kann ein verantwortliches 
Europa dazu beitragen, diesen Stimmen Gewicht zu ver- 
schaffen. Ich glaube, das ist die Position des ganzen 
Hauses. Es tut gut, dass wir alle gemeinsam an dieser 
Stelle Flagge zeigen. 

(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und der 
FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNIS- 
SES 90/DIE GRÜNEN) 


Ich möchte schließen mit einem Satz des wunderba- (C) 
ren Satirikers Karl Valentin, der vor etwa 100 Jahren ge- 
sagt hat: „Kunst ist schön, macht aber Arbeit.“ Ich 
glaube, das gilt auch für Europa. Europa isf schön, Eu- 
ropa ist wichtig, Europa macht Sinn; aber es macht auch 
eine Menge Arbeit. Wir sollten gemeinsam daran arbei- 
ten. 

Vielen Dank. 

(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und der 
FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNIS- 
SES 90/DIE GRÜNEN) 

Präsident Dr. Norbert Lammert: 

Lieber Kollege Bodewig, zu der von Ihnen gerade 
hervorgehobenen Zusammenarbeit im Hause, auch über 
Fraktionsgrenzen hinweg, und der Bereitschaft zum 
Kompromiss als Voraussetzung für gemeinsame Ent- 
scheidungsbildung haben Sie selber in Ihrer parlamenta- 
rischen Arbeit ganz wesentlich beigetragen. Dazu 
möchte ich Ihnen heute auch im Namen des Hauses 
herzlich danken und Ihnen für Ihre Zukunft alles Gute 
wünschen. 

(Beifall) 

Nun erhält der Kollege Jürgen Trittin das Wort für die 
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. 

Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): 

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die letzte 
Europawahl hat erstaunliche Erkenntnisse offenbart. Um 
18.15 Uhr am Wahlabend verkündete Horst Seehofer: 1^/ 
„Die CSU ist wieder da!“ Dabei müssen Herrn Seehofer 
wirklich alle Maßstäbe verrutscht sein: Sie hatte gerade 
8 Prozent Verlust eingefahren. 

(Dr. Peter Ramsauer [CDU/CSU]: Dass Sie 
sich so mit uns beschäftigen!) 

Man denke einmal daran zurück, was der Maßstab von 
Franz Josef Strauß war: 50 Prozent plus X für die CSU. 
Dennoch freut sich Herr Seehofer heute, dass sie in Eu- 
ropa nicht zur außerparlamentarischen Opposition ge- 
worden ist. Ich sage Ihnen von der CSU: Sie hätten es 
verdient; denn Sie haben einen Wahlkampf geführt, der 
mit Europa gar nichts zu tun hatte; er hat sich nämlich 
nur darauf beschränkt, antitürkische Vorurteile zu schü- 
ren. Das ist die Wahrheit. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
sowie bei Abgeordneten der SPD - Dr. Peter 
Ramsauer [CDU/CSU]: Sie reden wie der 
Blinde von der Farbe! Können Sie das Wort 
Bayern überhaupt buchstabieren? Sie können 
das Wort Bayern überhaupt nicht buchstabie- 
ren! Sie waren überhaupt nie in Bayern! Es 
will Sie da auch niemand!) 

Was Ihre europäische Haltung angeht, sind Ihre Äuße- 
rungen, Herr Ramsauer, in meinen Augen nicht besser 
als manches, was da von Oskar Lafontaine kommt. 

Wo wir schon über den Europawahlkampf sprechen, 
ist auch festzuhalten: Die CDU war nicht besser als die 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Jürgen Trittin 

(A) CSU. Ich habe mit großem Interesse gesehen, dass die 
CDU in diesem Europawahlkampf vor allen Dingen die 
Bundeskanzlerin plakatiert hat. Ich habe dann auf dem 
Wahlzettel nachgeschaut: Sie stand da gar nicht drauf; 
sie stand nicht zur Wahl. 

(Dr. Norbert Röttgen [CDU/CSU]: Gut, dass 
Sie nachgeguckt haben auf dem Wahlzettel! - 
Weitere Zurufe von der CDU/CSU) 

- Es freut mich, dass Sie das so aufregt. Wissen Sie, wa- 
rum? Eine Tätigkeit im Europaparlament wäre für die 
Bundeskanzlerin im Herbst ja eine schöne Anschlussbe- 
schäftigung gewesen. 

(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/ 
DIE GRÜNEN) 

Was jedoch nicht geht, ist, sich nach der Wahl darüber 
zu ereifern, dass wir eine schlechte Wahlbeteiligung hat- 
ten, nachdem man ausschließlich mit nationalen The- 
men, mit nationalen Politikern Wahlkampf betrieben 
hatte und das, was man für Europa vorhat, nicht offen- 
bart hat. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
sowie bei Abgeordneten der SPD) 

Wenn Sie in diesem Wahlkampf ehrlich gewesen wären, 
dann hätten Sie Friedrich Merz plakatieren müssen. 
Wenn Sie das jedoch getan hätten, dann hätten CDU und 
CSU - das garantiere ich Ihnen - nicht 6,7 Prozent, son- 
dern mehr als 10 Prozent verloren; denn niemand in Eu- 
ropa will nach dieser Finanzkrise, wie Herr Merz fordert, 
mehr Kapitalismus. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
sowie bei Abgeordneten der SPD - Volker 
Kauder [CDU/CSU]: Aber war „WUMS!“ ein 
tolles Thema für Europa? Rums! Bums! 
Wums!) 

Das, was CDU/CSU und auch die SPD gemacht haben — 

(Volker Kauder [CDU/CSU]: WUMS! 

WUMS!) 

- Herr Kauder, ich schicke alle Ihre Zwischenrufe an un- 
sere Agentur. Ich fürchte nur, dass sie dann mehr Geld 
verlangen wird, weil „WUMS!“ wirkt - zumindest bei 
der CDU/CSU. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
sowie bei Abgeordneten der SPD) 

Aber eine Politik, bei der man europäisch blinkt, aber 
in Wirklichkeit national abbiegt, also von Europa redet, 
aber im Kern nationale Politik macht, ist die falsche Ant- 
wort auf die europäische Situation. Wir brauchen ein 
starkes Europa. Entgegen Ihren Ausführungen, Herr 
Westerwelle, muss man klar sagen: Ein starkes Europa 
ist mehr als nur ein Binnenmarkt mit politischen Institu- 
tionen. 

(Dr. Guido Westerwelle [FDP]: Das habe ich 
natürlich nicht gesagt!) 

Es ist ein handlungsfähiges Europa, ein Europa, das eu- 
ropäisch gestalten kann. Gerade Europa ist die Antwort 


auf die Herausforderung durch die derzeitige Wirt- (C) 
Schafts- und Finanzkrise. 

Lieber Frank- Walter Steinmeier, normalerweise liegt 
eine Regierungserklärung am Abend vorher vor. Sie 
hat mich dieses Mal nicht erreicht, weil ich unterwegs 
war. 

(Dr. Guido Westerwelle [FDP]: Mich auch nicht! 

Ich war allerdings nicht unterwegs!) 

Ehrlich gesagt, war es aber nicht weiter schlimm, dass 
ich sie nicht bekommen habe. Ich habe nichts vermisst. 

Ich habe mich fast danach gesehnt, dass die Bundes- 
kanzlerin diese Regierungserklärung abgibt, obwohl 
auch sie - zumindest was Regierungserklärungen betrifft - 
keine begnadete Rednerin ist. 

(Volker Kauder [CDU/CSU]: Sie sind aber ein 
charmanter Kerl!) 

Von einer Regierungserklärung hätte ich mir eine 
Antwort auf die Frage erhofft, wie wir mit der Finanz- 
krise umgehen. 

(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/ 

DIE GRÜNEN) 

Wie ist der Stand der Debatte über die Schließung von 
Steueroasen, lieber Frank-Walter Steinmeier? Werden 
sie geschlossen, oder stemmt sich Gordon Brown immer 
noch dagegen und hält seine Hand über diesen rechts- 
freien Raum? Wie verhält es sich mit den Bürgschaften? 

Hat Herr Steinbrück endlich die Vergabe von Bürgschaf- 
ten an Banken daran geknüpft, dass sie keine Geschäfts- 
modelle mehr in Steueroasen pflegen? Warum haben Sie (D) 
an dieser Stelle immer noch nichts unternommen, indem 
Sie zum Beispiel Bürgschaften oder Kapitalbeteiligun- 
gen an deutschen Banken daran binden, dass diese auf- 
hören, zur Steuerhinterziehung und zur Nutzung von 
Steueroasen anzustiften? Hier ist noch nichts passiert. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Sie haben den Aspekt, ob es eine europäische Fi- 
nanzaufsicht geben wird, vorsichtig angesprochen. In 
einer Situation, in der Barack Obama in den USA den 
härtesten Gesetzentwurf zur Regulierung der Finanz- 
märkte vorlegt, lautet die offizielle Position der deut- 
schen Bundesregierung: Sie will eine dreigeteilte euro- 
päische Finanzaufsicht, 

(Volker Kauder [CDU/CSU]: WUMS!) 

sie will jedoch auf keinen Fall, dass die Zuständigkeit 
für die Großbanken auf die europäische Ebene verlagert 
wird. Dieser Bereich soll weiterhin in die Zuständigkeit 
der nationalen Aufsichten fallen. Sie machen nichts an- 
deres, als das System zu verfestigen, das uns in die Kata- 
s-trophe, in das Desaster mit der Hypo Real Estate oder 
der DEPFA geführt hat. Das ist falsch. Das ist nicht eu- 
ropäisch. Das ist national borniert. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

So blockiert der Finanzminister eine Richtlinie über 
internationale bzw. europäische Stresstests für europäi- 
sche Großhaukeu. Man muss sich an dieser Stelle ein- 
mal die Dimensionen klarmachen. Die Mitgliedstaaten 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Jürgen Trittin 

(A) der Europäischen Union haben mittlerweile Risiken in 
Höhe von 3 700 Milliarden Euro verbürgt. Diese Summe 
entspricht 30 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der 
Europäischen Union. In einer solchen Situation spricht 
sich nun die Bundesregierung gegen Stresstests für euro- 
päische Banken aus. Das ist verantwortungslos; das ist 
das Letzte. Man hätte mehr aus dieser Krise lernen sol- 
len. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 


Sie haben jetzt in besonderer Weise den Vorschlag 
von Präsident Obama gelobt. Auch wir von der Unions- 
fraktion wollen, dass die Bundesbank stärker in die Auf- 
sicht eingebunden wird. Aber es gibt da einen Unter- 
schied: Wollen Sie wirklich das von Obama 
vorgeschlagene System, nämlich die Aufsicht durch eine 
von der Regierung kontrollierte Bank, oder sind Sie mit 
(B) 

uns der Meinung, dass eine unabhängige Bank für die 
Kontrolle besser geeignet wäre? Ich warne jedenfalls da- 
vor, den Vorschlag von Obama auf unser Land zu über- 
tragen und so zu tun, als ob wir dieses Modell nachbil- 
den sollten. 

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP) 


(Dr. Guido Westerwelle [FDP]: Nein!) 

Genau das blockieren Sie. Das ist nicht im Interesse der 
Steuerzahler und nicht im Interesse Europas. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - 

Volker Kauder [CDU/CSU]: Sie haben ja 

keine Ahnung, Herr Trittin!) 

Wenn wir schon bei den Unterschieden zu den USA 
sind, Herr Kauder, will ich noch weitere Unterschiede an 
dieser Stelle anführen. Wir brauchen eine koordinierte 
europäische Wirtschaftspolitik. Diese Koordination 
wird zurzeit ausgerechnet von der größten Wirtschafts- 
macht Europas, der Bundesrepublik Deutschland, blo- 
ckiert. Sie haben sich allen Ansätzen, eine europäische 
Antwort auf die Krise zu geben, hier im Hause und im 
Europäischen Rat systematisch widersetzt. 

Ich kann Ihnen das an vielen Beispielen erläutern. 
Vielleicht wird das am Beispiel Klimaschutz, der schon 
angesprochen wurde, am deutlichsten. Frau Merkel, Sie 
haben gesagt: Mit mir wird es keine Klimaschutzbe- 
schlüsse geben, die in Deutschland Arbeitsplätze oder 
Investitionen gefährden. - Liebe Frau Bundeskanzlerin, 
gefährden niedrigere Verbrauchsstandards für Autos Ar- 
beitsplätze oder verbessern sie nicht vielmehr die Wett- 
bewerbsfähigkeit unserer Automobilindustrie auf den 
Märkten von morgen? Wer gefährdet denn Arbeitsplätze - 
Sie oder diejenigen, die für moderne Fahrzeuge eintre- 
ten? 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Sie, Frau Merkel und Herr Gabriel, haben beim Emis- 
sionshandel fast die gesamte Industrie mit Ausnahme des 
Kraftwerksbereichs vom Klimaschutz ausgenommen. 
Was haben Sie damit erreicht? Sie haben damit den Re- 
publikanern im US-Senat eine Entschuldigung geliefert; 
denn diese versuchen heute mit Verweis auf dieses Bei- 
spiel, die Klimapläne von Barack Obama zu blockieren. 
Das ist keine Vorreiterpolitik. Sie haben aus Deutschland 
einen Bremser beim Klimaschutz gemacht. Das ist die 
Wahrheit. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Schauen Sie sich einmal an, wie die Antwort auf die 
Krise in anderen Ländern aussieht: China investiert in 
den Aushau des Schieueuverkehrs Beträge in einer 
Größenordnung, die exakt dem Volumen des dritten 
Konjunkturprogramms der Bundesregierung entspre- 
chen. Sie haben deutschen Kommunen verboten, im 
Rahmen des Konjunkturprogramms auch nur einen Euro 
in den schienengebundenen Nahverkehr zu stecken. Das 
ist der Unterschied. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - 

Michael Roth [Heringen] [SPD]: Och Jürgen!) 

Andere Länder haben von uns gelernt. Sie aber gehen 
jetzt einen Schritt zurück, was Investitionen in diesem 
Bereich angeht. 

(Dr. Guido Westerwelle [FDP]: Ist die Lage in 
China vielleicht doch etwas schwächer?) 


Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): 

Lieber Herr Kollege Kauder, zunächst einmal muss 
man feststellen: Der Vorschlag von Barack Obama läuft 
darauf hinaus, den gesamten amerikanischen Banken- 
sektor zu regulieren. Jetzt kann man darüber streiten, wie 
groß die Unabhängigkeit der Zentralbank sein soll. Dazu 
gibt es in Ihrer Fraktion - ich erinnere an die letzte 
Rede von Frau Merkel zu diesem Thema - interessante 
Positionen, die nicht widerspruchsfrei sind. Entschei- 
dend ist, dass es für diesen Markt eine Regulierung aus 
einer Hand gibt. 

Ich habe davon gesprochen, dass es die Position der 
Bundesregierung ist, auf dem europäischen Binnenmarkt 
eine Regulierung zu implementieren, die zwischen Ban- 
ken, Finanzdienstleistem und Versichemngen unterschei- 
det. Dabei sollen europäische Unternehmen nicht der eu- 
ropäischen Aufsicht, sondern der jeweiligen nationalen 
Aufsicht unterstellt werden. Das ist der Unterschied zu 
dem Vorschlag aus den USA. Es geht nicht darum, wel- 
ches Maß an Unabhängigkeit die Zentralbank hat, son- 
dern dämm, dass wir eine Reguliemng für einen Markt 
aus einer Hand haben. 


Präsident Dr. Norbert Lammert: 

Herr Kollege Trittin, gestatten Sie eine Zwischen- 
frage des Kollegen Kauder? 

(Dr. Diether Dehrn [DIE LINKE]: „WUMS!“ 
kommt jetzt! - Zumf vom BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN: Er fragt nach „WUMS!“!) 

Volker Kauder (CDU/CSU): 

Herr Kollege Trittin, ich stimme Ihnen zu, dass wir 
eine Finanzmarktaufsicht brauchen. Die Koalition ist 
deshalb auch dabei, zu prüfen, welche Möglichkeit die 
beste ist. 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25041 


Jürgen Trittin 

(A) Ich kann die Reihe der Beispiele fortsetzen. Gehen 
wir einmal von China weg und schauen in die USA, lie- 
ber Herr Kollege Westerwelle. 

(Dr. Guido Westerwelle [FDP]: Ist ja eine 
Weltreise, Herr Kollege!) 

Die USA investieren zehnmal so viel gegen die Krise 
wie die Bundesrepublik Deutschland. Die USA wollen 
in den nächsten Jahren 5 Millionen neue grüne Jobs 
schaffen, so die amerikanische Regierung. Sie wollen bis 
zum Jahre 2020 1 Million Elektrofahrzeuge auf den 

Markt bringen. Aber was passiert in Deutschland? Wir 
organisieren den Ausverkauf von veralteter Technologie 
über eine Abwrackprämie. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - 
Michael Roth [Heringen] [SPD]: Das ist doch 
Quatsch!) 

Das Problem ist, dass Sie nicht vernünftig aufgestellt 
sind, um gegen die Krise anzugehen. Sie konzentrieren 
sich vielmehr darauf - wenn auch mit einem kleinen 
Schlenker; erst gestern haben Sie die Kurve bekommen -, 
Herrn Barroso durchzusetzen. 

Präsident Dr. Norbert Lammert: 

Herr Kollege Trittin, auch Sie müssten jetzt die Kurve 
bekommen. 

Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): 

Ich komme zum Schluss, Herr Präsident. - Ich will 
Ihnen noch eines sagen: Ich halte Jose Manuel Barroso 

(B) für dieses Amt nicht für geeignet. Er hat bisher nicht nur 
alle Initiativen zur Regulierung von Hedgefonds und zur 
Regulierung des europäischen Finanzmarktes massiv 
blockiert; er hat auch jahrelang selbst bescheidenste 
Fortschritte im Klimaschutz blockiert. Wenn CDU/CSU 
und SPD nun versuchen, diesen Kandidaten, wenn auch 
über einen Umweg, noch einmal durchzubringen, dann 
kündige ich an, dass wir Ihnen das nicht durchgehen las- 
sen. Es kann doch nicht sein, dass eine in Insolvenz be- 
findliche Koalition auf den letzten Metern noch Tatsa- 
chen schafft. 

Vielen Dank. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Präsident Dr. Norbert Lammert: 

Ich erteile das Wort dem Kollegen Michael Stübgen, 
CDU/CSU-Fraktion. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Michael Stübgen (CDU/CSU): 

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir 
befinden uns am Beginn eines wichtigen Europäischen 
Rates, von dessen Entscheidungen viel für die Zukunft 
Europas abhängen wird. 

(Rainder Steenblock [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Der entscheidet doch gar nichts!) 

Zudem - das ist in dieser Debatte schon mehrfach aufge- 
taucht - befinden wir uns wenige Tage nach der Neu- 


wahl des Europäischen Parlamentes. Nach solch einer 
Wahl, Herr Kollege Trittin, kann man sicherlich unter- 
schiedliche Auffassungen über die Wahlkampagnen der 
einzelnen Parteien haben. 

(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ich 
habe über die Ergebnisse geredet!) 

Ihre „WUMS!“-Kampagne war ja wenigstens noch wit- 
zig. Ob sie der Bedeutung Europas angemessen war, das 
würde ich allerdings in Zweifel ziehen. Hinzufügen 
möchte ich, dass ich die Kampagne der SPD nicht ein- 
mal für witzig hielt; aber das Wahlergebnis zeigt ja auch, 
dass Sie wohl noch lernen müssen, es in Zukunft anders 
und besser zu machen. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Entscheidend ist aber das Ergebnis der Europawahl. 
Ein Eingehen darauf habe ich auch bei den Aussagen des 
Bundesaußenministers vermisst. 

(Michael Roth [Heringen] [SPD]: Was Sie al- 
les vermisst haben!) 

Deswegen will ich noch einmal darauf zu sprechen kom- 
men. Das Ergebnis der Europawahl ist, dass die Euro- 
päische Volkspartei diese Wahl gewonnen hat, und 
zwar eindeutig. Die Europäische Volkspartei stellt 
264 Abgeordnete im Europäischen Parlament, über 
1 00 Abgeordnete mehr als die sozialistische Fraktion. 
Sie dürfen mir nicht übel nehmen, dass ich mich über 
dieses Ergebnis freue. 

(Beifall bei der CDU/CSU - Rainder Steenblock 
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das lag nicht 
an den deutschen Konservativen! - Michael 
Roth [Heringen] [SPD]: Habt ihr die Antieuro- 
päer dazugenommen?) 

Im Übrigen hat es solch einen großen Abstand seit der 
ersten Direktwahl 1979 noch nicht gegeben, und das ist 
schon ein Weilchen her. 

Wenn mit diesem Wahlergebnis die Bürger Europas 
entschieden haben, dass die Konservativen - also die Eu- 
ropäische Volkspartei - die Mehrheit im Europäischen 
Parlament bilden, ist es doch völlig selbstverständlich, 
dass die EVP einen konservativen Kommissionspräsi- 
denten fordert und sagt, sie will Manuel Barroso unter- 
stützen. 

(Rainder Steenblock [BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN]: Das sagt die Regierung, nicht das 
Parlament!) 

Ob Ihnen das gefällt oder nicht, Herr Trittin: Die Men- 
schen in Europa haben das entschieden. Wir haben 
nichts heimlich gemacht. Die EVP hat schon vor einem 
halben Jahr Herrn Barroso als Kommissionspräsidenten- 
anwärter für den Fall nominiert, dass sie die Wahl ge- 
winnt. Deswegen denke ich, dass die Zielrichtung der 
Europäischen Volkspartei richtig ist. 

(Kurt Bodewig [SPD]: Das ist doch absoluter 
Quatsch!) 

Wir müssen aber Folgendes bedenken: Das Europäi- 
sche Parlament hat sich noch nicht konstituiert; das wird 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Michael Stübgen 

erst am 14. Juli geschehen. Die Wahl des Kommissions- 
präsidenten sollte in engem Schulterschluss mit dem Eu- 
ropäischen Parlament erfolgen. Die Mehrheitsfindung 
wird schwierig sein; deshalb brauchen wir Zeit. Außer- 
dem müssen wir bedenken, dass wir uns nicht zwischen 
nichts und nirgends, sondern zwischen Nizza und Lissa- 
bon befinden. Der Nizza-Vertrag sieht andere Regelun- 
gen für die Inthronisierung der neuen Kommission vor 
als der Lissabon- Vertrag. Deshalb sind drei Dinge zu be- 
denken; ich glaube, wir und der Europäische Rat sind da 
auf dem richtigen Weg. 

Erstens. Ich halte es für richtig, dass der Europäische 
Rat plant, morgen ein klares politisches Signal für Barroso 
als Kommissionspräsidenten abzugeben. Herr Kollege 
Westerwelle, ich kann auch Ihrer Unwissenheit abhelfen: 
Die Bundesregierung unterstützt einmütig Herrn Barroso 
als Kandidaten für das Amt des Kommissionspräsiden- 
ten. 

(Dr. Guido Westerwelle [FDP]: Könnten wir 
das auch mal von der Bundesregierung erfah- 
ren? Sind Sie Mitglied der Bundesregierung?) 

- Nein, aber ich kann Ihnen das sagen, weil ich das weiß. 
Auch Sie werden das in den nächsten Stunden erfahren, 
wenn der Europäische Rat votiert. 

(Dr. Guido Westerwelle [FDP]: Was ihr so al- 
les wisst! - Michael Roth [Heringen] [SPD]: 

Also ich weiß das nicht, Herr Westerwelle! - 
Dr. Angelica Schwall-Düren [SPD] : Dafür 
müssen Sie erst einmal eine Mehrheit haben!) 

Zweitens. Wir müssen dem Europäischen Parlament 
Zeit geben, sich mit den Plänen von Herrn Barroso als 
Kommissionspräsidenten auseinanderzusetzen. 

Drittens müssen wir es schaffen, dass die neue Kom- 
mission, wenn unser Plan aufgeht und im Oktober bzw. 
spätestens im November der Lissabon- Vertrag in Kraft 
treten kann, nach den besseren, demokratischeren Maß- 
regeln des Lissabon- Vertrags eingesetzt wird. 

Ich denke, die Vorarbeiten, die der Europäische Rat 
heute und morgen hierfür leisten will, sind richtig. Für 
den Rest brauchen wir einfach noch Zeit. Zudem müssen 
zuvor noch ein paar wichtige Entscheidungen getroffen 
werden. 

Es ist schon viel über die Notwendigkeit der 
Bekämpfung der Finanz- und Wirtschaftskrise gesagt 
worden. Das, was für den Europäischen Rat vorbereitet 
wurde, ist grundsätzlich richtig. Ich will in der mir ver- 
bleibenden Zeit auf das eingehen, wovon ich meine, dass 
es für Europa nicht notwendig ist. 

Es geht um Folgendes: Die Europäische Kommission 
unter Barroso wollte schon auf dem letzten Europäi- 
schen Rat im Dezember ein eigenes Konjunkturpro- 
gramm in Höhe von 5 Milliarden Euro aufiegen. Man 
stelle sich vor: 5 Milliarden Euro für 27 EU-Mitglied- 
sfaaten, für fast 500 Millionen Menschen. Da ist schon 
der Name ein Etikettenschwindel. Nun soll es ein neues 
Konjunkturprogramm in Höhe von 19 Milliarden Euro 
geben, wie aus einer Mitteilung der Europäischen Kom- 
mission vom 3. Juni dieses Jahres hervorgeht. Was in 


dieser Mitteilung steht, klingt zunächst alles sehr gut: Es (C) 
soll Menschen, die ihren Arbeitsplatz verlieren, geholfen 
werden, sie in Qualifizierungsmaßnahmen einzuglie- 
dem. Es soll eine neue EU-Kreditfazilität eingeführt 
werden usw. 

Der Gipfel ist nun aber: Herr Spidla hat noch vor zwei 
Tagen auf einer Pressekonferenz erklärt, dies alles solle 
keinen zusätzlichen Cent kosten. Solche Märchenstun- 
den sollte uns, liebe Kolleginnen und Kollegen, die Eu- 
ropäische Kommission eigentlich für immer ersparen. 
Natürlich stimmt es nicht, wenn man es sich genau an- 
schaut, dass dieses Programm nichts kostet. Ziel ist im 
Kern, dass die Auszahlung der Mittel für den Europäi- 
schen Sozialfonds, die für die nächsfen sieben bis acht 
Jahre vorgesehen war, in den nächsten zwei Jahren 
durchgeführt werden soll. Dafür soll die wichtige diszi- 
plinierende Wirkung der Kofinanzierung aufgehoben 
werden. Das alles mag noch gehen; man muss jedoch se- 
hen: Im Ergebnis wird es in Europa eine Förderung nach 
dem Gießkannenprinzip geben. Meine Frage ist aber: 

Was machen wir, wenn wir alle ESF-Mittel, deren Aus- 
zahlung für die nächsfen sieben bzw. acht Jahre vorgese- 
hen war, in den nächsten zwei Jahren ausgeben, nach 
201 1? Es kann sich doch keiner ernsthaft vorstellen, dass 
es ab 2011 keinen Europäischen Sozialfonds mehr gibt 
und dass es nach 2011 die Notwendigkeit einer europäi- 
schen Sozialpolitik und entsprechender Fördermaßnah- 
men nicht mehr gibt. 

Deshalb begrüße ich, dass die Bundesregierung die- 
sen Plan der Europäischen Kommission auf dem letzten 
Sozialministerrat abgelehnt hat und Bundeskanzlerin 
Angela Merkel angekündigt hat, auf dem Europäischen ^ 
Rat Widerstand gegen dieses Programm vorzutragen. 

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit. 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- 
neten der SPD) 

Präsident Dr. Norbert Lammert: 

Der Kollege Michael Roth ist der nächste Redner für 
die SPD-Fraktion. 

(Beifall bei der SPD - Jürgen Trittin [BÜND- 
NIS 90/DIE GRÜNEN]: Michael, begründe 
mal, warum ihr für Barroso seid! - Dr. Guido 
Wesferwelle [FDP]: Der sagt jetzf auch etwas 
zu Barroso!) 

Michael Roth (Heringen) (SPD): 

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die 
dramatisch niedrige Wahlbeteiligung bei den Europa- 
wahlen muss jede engagierte Europäerin und jeden enga- 
gierten Europäer entsetzen. Wir sollten deshalb nicht 
einfach zur Tagesordnung übergehen. Ich begrüße es 
deshalb, dass einige Kolleginnen und Kollegen heute 
Morgen darauf Bezug genommen haben. Wir müssen uns 
im Deutschen Bundestag schon fragen: Was hat das mög- 
licherweise mit unserer politischen Arbeit in Berlin, im 
Bundestag zu tun? Wie können wir dazu beitragen - das 
lässt sich in keiner Wahlkampagne, die fünf Wochen 
währt, erledigen -, dass mehr Bürgerinnen und Bürger 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25043 


Michael Roth (Heringen) 

(A) bereit sind, sich an den wichtigen Wahlen zum Europäi- 
schen Parlament zu beteiligen, um damit die demokrati- 
sche Legitimation des europäischen Integrationsprojek- 
tes zu erhöhen? 

(Beifall bei der SPD) 

Präsident Dr. Norbert Lammert: 

Herr Kollege Roth, der Kollege Trittin würde Ihnen 
gerne eine Zwischenfrage stellen. 

(Ute Kumpf [SPD]: Der Kollege hat ja ein un- 
heimlich großes Redebedürfnis!) 

Michael Roth (Heringen) (SPD): 

Jetzt schon? - Gut, bitte. 

Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): 

Lieber Kollege Roth, können Sie die Aussagen von 
Herrn Stübgen bestätigen, dass auch mit der Fraktion der 
Sozialdemokraten abgestimmt worden ist, dass Sie die 
neue Präsidentschaft von Jose Manuel Barroso unterstüt- 
zen, und wie vereinbaren Sie, wenn es zutrifft, was Herr 
Stübgen sagt, dies mit den noch heute Morgen getätigten 
Äußerungen Ihres Spitzenkandidaten für die Europa- 
wahl, Herrn Schulz, in denen er Herrn Barroso nach- 
drücklich abgelehnt hat? Warum unterstützen deutsche 
Sozialdemokraten im Bundestag über die Koalition 
Herrn Barroso, während deutsche Sozialdemokraten im 
Europäischen Parlament gegen ihn sind? 

(B) 

Michael Roth (Heringen) (SPD): 

Lieber Herr Kollege Trittin, ich werde nicht den Feh- 
ler einiger Kolleginnen und Kollegen machen, hier das 
Amt des Regierungssprechers zu übernehmen. Ich kann 
Ihnen gerne sagen, was meine Fraktion und ich für rich- 
tig halten. Herr Kollege, ich nehme Ihre Frage gerne 
zum Anlass, dazu etwas zu sagen, weil die vorbereiten- 
den Aspekte der „Kreation“ des Kommissionspräsiden- 
ten etwas damit zu tun haben könnten, warum Bürgerin- 
nen und Bürger nicht in notwendigem Maße bereit 
waren, sich an den Wahlen zum Europäischen Parlament 
zu beteiligen. Dazu gehört für mich, dass wir endlich 
einmal für eine stärkere Übereinstimmung zwischen den 
Sonntagsreden und unserem konkreten Handeln von 
Montag bis Freitag sorgen. 

(Beifall bei der SPD - Dr. Guido Westerwelle 
[FDP]: Und das heißt?) 

- Ich werde Ihnen gleich sagen, was das heißt, Herr 
Westerwelle. 

(Dr. Guido Westerwelle [FDP]: Sagen Sie es Herrn 
Trittin! Er hat gefragt! Ich war es nicht!) 

Ich möchte das ein wenig einleiten. Das heißt für mich, 
dass der Geist des Vertrages von Lissabon schon jetzt 
gilt, auch wenn der Vertrag von Lissabon noch nicht in 
Kraft getreten ist. 

(Beifall bei der SPD) 


Deshalb kritisiert meine Fraktion es, dass sich Regie- (C) 
rungschefs, Staatschefs, offensichtlich auch einige Man- 
datsträgerinnen und Mandatsträger 

(Dr. Andreas Schockenhoff [CDU/CSU]: 

Außenminister!) 

vor den Wahlen zum Europäischen Parlament auf Herrn 
Barroso verständigt haben. Im Vertrag von Lissabon 
steht, dass die Nominierung des Kommissionspräsi- 
denten im Lichte der Wahlen zum Europäischen Parla- 
ment erfolgt. Deswegen verdient diese Wahl Respekt. 
Deswegen wäre es besser gewesen, wenn sich alle vor 
den Wahlen zum Europäischen Parlament zurückgehal- 
ten hätten. 

(Beifall bei der SPD) 

Meine Fraktion ist der Auffassung, dass wir jetzt eine 
kraftvolle, dynamische Persönlichkeit an der Spitze der 
Kommission brauchen. Deswegen können wir den Vor- 
schlag, der immer wieder gemacht wurde, nicht unter- 
stützen. Darüber entscheidet aber nicht die SPD-Bundes- 
tagsfraktion, auch nicht die Fraktion der CDU/CSU, 
sondern andere. Darüber entscheidet vor allem das Euro- 
päische Parlament und nicht wir. 

(Beifall bei der SPD - Jürgen Trittin [BÜND- 
NIS 90/DIE GRÜNEN]: Nur der Spitzenkan- 
didat der SPD, der entscheidet das!) 

Das Europäische Parlament bestätigt den Kommissions- 
präsidenten. Mein Vertrauen in die Kolleginnen und 
Kollegen der meisten Fraktionen im Europäischen Parla- 
ment ist so groß, dass ich davon überzeugt bin, dass sie 
die Wahl sicher etwas schwerer und ambitionierter ma- 
eben werden, als dies jetzt schon den Anschein hat. 

Präsident Dr. Norbert Lammert: 

Nun möchte Ihnen auch der Kollege Westerwelle eine 
Zwischenfrage stellen. Erfahrungsgemäß ist der Redner 
für die Verlängerung der Redezeit immer dankbar. Ich 
möchte nur daran erinnern, dass wir mit Blick auf die 
heutige, sehr ehrgeizige Tagesordnung auch eine Verein- 
barung über die Gesamtdauer dieser Debatte getroffen 
haben, an der wir uns gelegentlich orientieren sollten. 

Michael Roth (Heringen) (SPD): 

Gut. - Bitte schön. 

Dr. Guido Westerwelle (FDP): 

Aber, Herr Präsident, es geht doch um Europa. 

Präsident Dr. Norbert Lammert: 

Drum! 

(Heiterkeit) 

Dr. Guido Westerwelle (FDP): 

Das war eine - es fällt mir wirklich schwer, das zu sa- 
gen - sehr kluge Frage von Herrn Trittin; das ist mir 
richtig unangenehm. 

(Heiterkeit beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN) 

Sie haben minutenlang darauf geantwortet. 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


(A) Michael Roth (Heringen) (SPD): 

Das war doch nicht schlecht, was ich gesagt habe. 

Dr. Guido Westerwelle (FDP): 

Wenn Sie selbst davon überzeugt sind, so ist es we- 
nigstens einer in diesem Hause. 

(Heiterkeit bei der FDP und dem BÜND- 
NIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordne- 
ten der CDU/CSU) 

Michael Roth (Heringen) (SPD): 

Zu Ihnen komme ich gleich noch! 

Dr. Guido Westerwelle (FDP): 

Ja, natürlich. Wir fürchten uns auch schon. 

Herr Kollege, ich hätte die Frage von Ihnen gerne be- 
antwortet bekommen. Herr Trittin hat doch eine sehr ein- 
fache Frage gestellt: 

(Dr. Angelica Schwall-Düren [SPD]: Er hat sie 
doch beantwortet!) 

Unterstützt die SPD-Bundestagsfraktion die Wiederwahl 
von Herrn Barroso zum Präsidenten, ja oder nein, und 
hat der Bundesaußenminister die Unterstützung der 
SPD-Bundestagsfraktion, wenn er in den nächsten bei- 
den Tagen gemeinsam mit der Bundesregierung für die 
Wiederwahl von Herrn Barroso eintritt? Ich darf darauf 
aufmerksam machen, dass wir keine lyrische Europa- 
debatte abhalten, sondern auf eine Regierungserklärung 

(B) antworten, in der uns berichtet wurde, was in den nächs- 
ten beiden Tagen entschieden wird. 

Michael Roth (Heringen) (SPD): 

Im Hinblick auf die mahnenden Worte des Bundes- 
tagspräsidenten sage ich: Ja, die SPD-Bundestagsfrak- 
tion lehnt diesen Vorschlag ab. Ansonsten loben, ehren 
und preisen wir unseren Außenminister, weil er eine ex- 
zellente Arbeit leistet. 

(Beifall bei der SPD - Zurufe von der SPD: 

Sehr wahr! - Jochen-Konrad Fromme [CDU/ 
CSU]: Und tschüs!) 

Ich weiß nicht, was das für ein Verständnis von Parla- 
mentarismus ist, wenn Abgeordnete einen Abgeordneten 
fragen, was die Bundeskanzlerin, die auf dem Europäi- 
schen Rat offensichtlich das entscheidende Wort hat, 
dort sagen und tun wird. Das finde ich etwas merkwür- 
dig. Nicht nur ich, sondern auch andere Kolleginnen und 
Kollegen der SPD-Bundestagsfraktion haben in den ver- 
gangenen Stunden und Tagen das Entsprechende dazu 
gesagt. 

Lieber Herr Kollege Westerwelle, da Sie den Bundes- 
tagspräsidenten heute ermahnt und darauf hingewiesen 
haben, dass es sich um eine wichtige Europadebatte han- 
delt, muss ich Ihnen sagen: Diese Aussage passt nicht zu 
dem inhaltsleeren Beitrag, den Sie vorher in der Debatte 
geleistet haben. Wenn die einzigen mahnenden Worte, 
die Ihnen zu Europa einfallen, das Thema Glühbirnen 
betreffen, dann ist das ein sehr kleines Karo. Zu den 


wegweisenden Entscheidungen, die die Europäische (C) 
Union zu treffen hat, passt das überhaupt nicht. 

(Beifall bei der SPD sowie der Abg. Sylvia Kotting- 
Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) 

Ihre Rede war der Beitrag eines Wünsch-dir- was- Au- 
ßenministers und nicht besonders ambitioniert. Aber das 
müssen Sie und Ihre Fraktion natürlich selbst entschei- 
den. 

(Dr. Guido Westerwelle [FDP]: Das schaffen 
wir!) 

Das gebietet der Respekt. 

Ich erlaube mir noch einige Bemerkungen zu dem, 
was ich gerade unter dem Stichwort „Sonntagsreden“ 
beschrieben habe: Wie ich bereits deutlich gemacht 
habe, hielt ich es für falsch, dass sich einige Staats- und 
Regierungschefs schon vor der Europawahl auf Herrn 
Barroso festgelegt haben. Ich finde es auch problema- 
tisch, dass manche Staats- und Regierungschefs meinen, 
sie könnten bei irgendwelchen Kaffeegesprächen oder 
Abendessen über Ressortzuschnitte und die Zustän- 
digkeiten der Europäischen Kommission verhandeln. 

Im Vertrag von Lissabon heißt es ganz eindeutig: Für die 
Ressortzuschnitte und die Verteilung der Zuständigkei- 
ten ist der Kommissionspräsident zuständig. 

Darauf mache ich deshalb aufmerksam, weil wir alle 
mit Ausnahme der Linken engagiert für den Vertrag von 
Lissabon gestritten haben und für ihn eintreten. Ich 
hoffe, dass es uns gelingt, diese Regelung zu respektie- 
ren und das, was wir in unseren Reden immer wieder be- (D) 
kündet haben, mit konkreten Inhalten zu füllen. Der Ver- 
trag von Lissabon bringt uns voran. Allerdings dürfen 
wir uns nicht nur ein paar Punkte, die uns im Tagesge- 
schehen passen, heraussuchen. Vielmehr müssen wir da- 
für eintreten, dass das Europäische Parlament im Hin- 
blick auf die Zusammensetzung und Bestellung der 
Europäischen Kommission gestärkt wird und dass der 
Kommissionspräsident über die Ressortzuständigkeiten 
entscheidet. 

Zur Europawahl. Im Zusammenhang mit der Wahl- 
beteiligung und dem Wahlergebnis besorgt mich der Zu- 
wachs, den extremistische, nationalistische und populis- 
tische Kräfte und Parteien in der Europäischen Union 
erzielt haben. Das sollte jeden Demokraten und jeden 
engagierten Europäer beunruhigen, 

(Beifall bei der SPD) 

weil es um zentrale Grundwerte der Europäischen Union 
geht: um Toleranz, Freiheit, Solidarität und Rechtsstaat- 
lichkeit. 

Blicken wir einmal zurück: Es gab schon einmal eine 
Phase, in der junge Demokratien dem vereinten Europa 
beigetreten sind, nämlich Spanien, Griechenland und 
Portugal. Diese Länder sind durch ihren Beitritt zur da- 
maligen Europäischen Gemeinschaft stabilisiert worden, 
ihre Demokratien wurden gefestigt, und die Rechtsstaat- 
lichkeit konnte ausgebaut werden. Mich beunruhigen 
aber nicht nur die Entwicklungen in Mittel- und Osteu- 
ropa, sondern auch die Wahlergebnisse in den Niederlan- 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Michael Roth (Heringen) 

(A) den, wo rechtsextremistische und populistische Kräfte 
massive Zuwächse erzielt haben. 

Offen antisemitische Kräfte - nicht nur in Ungarn, 
sondern auch in anderen Staaten - und offen rechtsextre- 
mistische Kräfte haben Zuwächse erzielt und sind in Zu- 
kunft mit mehreren Abgeordneten im Europäischen Par- 
lament vertreten. Dazu dürfen wir nicht schweigen. 
Vielmehr müssen wir deutlich machen: Das ist mit den 
Grundwerten der Europäischen Union nie und nimmer in 
Übereinstimmung zu bringen. An dieser Stelle brauchen 
wir die Solidarität aller Demokraten in Europa. 

(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN sowie des Abg. Dr. Diether 

Dehrn [DIE LINKE]) 

Vor diesem Hintergrund frage ich den ansonsten von 
mir geschätzten Kollegen Michael Stübgen, wie er zu 
den Zahlen, die er genannt hat, gekommen ist. Ich weiß 
nicht, ob Sie stolz darauf sind, die Fini- und Berlusconi- 
Truppe zur EVP-Fraktion zu zählen. Wenn ich Ihre Zähl- 
weise richtig verstanden habe, haben Sie diese populisti- 
schen Kräfte aber zu Ihrer Fraktion im Europäischen 
Parlament gezählt. 

(Dr. Diether Dehrn [DIE LINKE]: Sehr wahr!) 

Nur so konnten Sie zu dem Ergebnis kommen, auf das 
Sie gerade sehr stolz hingewiesen haben. 

(Dr. Diether Dehrn [DIE LINKE]: Sehr wahr!) 
Jeder sollte erst einmal vor der eigenen Haustür kehren. 

Lassen Sie mich zum Schluss noch einen Aspekt er- 
wähnen, den ich im Hinblick auf den Weg, den die Euro- 
päische Union zukünftig einschlagen sollte, für wesent- 
lich erachte. Wir brauchen in der Europäischen Union 
neue kraftvolle Projekte, die diesem Integrationswerk 
Dynamik und Richtung weisen. Die Kolleginnen und 
Kollegen, die heute Morgen auf die USA hingewiesen 
haben, haben recht. Die USA sind inzwischen sowohl 
beim Klimaschutz als auch bei der Regulierung der 
Finanzmärkte offensichtlich viel ambitionierter, als wir 
es noch vor zwei oder drei Jahren für möglich gehalten 
hätten. 

Was die wirtschaftliche Dynamik anbelangt, muss 
man feststellen: Es gibt auf der Welt manche Regionen 
und Länder, zum Beispiel China - ich will China aller- 
dings nicht als Vorbild anführen -, die ein Tempo vor- 
legen, bei dem wir uns fragen müssen: Sind wir noch die 
dynamischste, wettbewerbsfähigste, ambitionierteste 
und kreativste Region der Welt? Oder müssen wir nicht 
möglicherweise neue Projekte auf den Weg bringen oder 
darüber nachdenken, die Projekte, die wir unter der deut- 
schen Ratspräsidentschaft dankenswerterweise - das ist 
auch Frank- Walter Steinmeier zu verdanken - auf den 
Weg gebracht haben, zum Beispiel im Klimaschutz, wei- 
terhin mit großer Ernsthaftigkeit zu verfolgen? 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

Diejenigen in diesem Hohen Hause, die argumentie- 
ren, Europa sei mitunter sehr beschwerlich und koste 
auch Geld, sollten sich bei jeder nationalen Option, die 


man ins Spiel bringt, fragen lassen müssen, ob eine rein (C) 
nationale Option langfristig gesehen für Deutschland 
besser, kostengünstiger, demokratischer und erfolgrei- 
cher ist. Ich bin mir hundertprozentig sicher: Wenn wir 
diese kritische Prüfung vornehmen, werden wir feststel- 
len, dass jeder finanzielle und politische Aufwand lohnt, 
die europäische Karte und nicht die nationale Karte zu 
spielen. Das liegt im deutschen und im europäischen In- 
teresse. 

(Beifall bei der SPD) 

Präsident Dr. Norbert Lammert: 

Ich erteile das Wort dem Kollegen Eduard Lintner, 
CDU/CSU-Fraktion. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Eduard Lintner (CDU/CSU): 

Herr Präsident! Meine lieben Kolleginnen und Kolle- 
gen! Ich freue mich, dass ich meine vermutlich letzte 
Rede im Deutschen Bundestag zum Thema Europäische 
Union halten kann. 

Diese Freude resultiert aus der gerade in letzter Zeit 
immer wieder gemachten Erfahrung, dass die Europäi- 
sche Union in vielen Teilen der Welt, vor allem bei den 
Völkern in unserer engeren und weiteren Nachbarschaft 
- praktisch von Island bis Zentralasien - als ein überaus 
attraktives Gebilde wahrgenommen wird. Sie steht für 
breit verteilten Wohlstand, überdurchschnittliche soziale 
Sicherheit, echte Demokratie, verlässliche Gewährleis- 
tung von Rechtsstaatlichkeit und die Geltung der Men- (D) 
schenrechte. Das Beispiel der EU lässt die Menschen in 
diesen Ländern auf persönliche Entfaltungsfreiheit 
und faire Chancenverteilung hoffen. 

Nicht immer - das wissen wir - entsprechen diese Er- 
wartungen der Realität bei uns. Außerdem sind sie dif- 
fus. Sie mobilisieren aber ungeheuer stark Sympathie 
und Dynamik in Richtung demokratisches Europa und 
mobilisieren so viele Menschen für das Ziel, Anschluss 
an dieses Europa zu finden. 

Meine Damen und Herren, wir müssen uns dieser 
Wirkung bewusst sein und bei unserem Tun in der EU 
und in Deutschland bedenken, dass wir solche Hoffnun- 
gen nicht enttäuschen dürfen, weil dann die Reaktionen 
Frustration und brüske Abwendung wären. 

Das bedeutet aber auch, dass mit jedem europäischen 
Gipfel - so auch mit dem jetzt bevorstehenden - von 
vielen Völkern große Erwartungen und Hoffnungen ver- 
bunden werden, denen unsere Politik im Rahmen des 
Möglichen gerecht werden muss. Das ist eine gewaltige 
Verantwortung, die auf den Schultern der beteiligten Re- 
gierungschefs ruht. 

Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich bei der Bun- 
desregierung, allen voran bei der Bundeskanzlerin, dafür 
bedanken, dass sie stets eine führende Rolle bei der Ge- 
staltung dieses Europas gespielt hat und das in Zukunft 
sicher weiter tun wird. 

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Eduard Lintner 

Solcher Verantwortung und Erwartungshaltung kann 
man nur gerecht werden, wenn die EU sich selbst in ei- 
ner Verfassung befindet, die es ihr erlaubt, sich auf diese 
Ziele zu konzentrieren, und man nicht gezwungen ist, 
sich mit aller Kraft dem Innenleben der EU zu widmen. 

In einer solchen Situation befinden wir uns derzeit. 
Der Vertrag von Lissabon hängt seit langer Zeit in der 
Schwebe. Der Ratifikationsprozess muss alsbald erfolg- 
reich zu Ende gebracht werden, 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

weil die mit dem Vertragswerk verbundenen Reformen 
Voraussetzung dafür sind, dass die notwendige Arbeits- 
und Entscheidungsfahigkeit gegeben ist, und die ganz in 
unserem Sinne liegende substanzielle Mitsprache des 
Europäischen Parlaments stärken. 

Meine Damen und Herren, es ist daher zu wünschen, 
dass es beim bevorstehenden Gipfel gelingt, den Vertrag 
von Lissabon voranzubringen, die richtigen personellen 
Weichenstellungen vorzunehmen, Vorreiter für den Kli- 
maschutz und die Neuordnung der Finanzmärkte zu sein, 
die eingegangenen strategischen Partnerschaften und 
Nachbarschaflspolitiken dynamisch und erfolgreich zu 
gestalten, die Visumsregelungen entgegenkommend an- 
zuwenden, 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

den Demokratisierungsprozess in Gang zu halten und 
voranzubringen sowie die wirtschaftliche Kooperation 
eng und für alle Beteiligten vorteilhaft zu gestalten. 

Die Fähigkeit dazu hat die EU, wie die Erfolge bei der 
Integration der neuen Mitgliedstaaten zeigen. Im Inte- 
resse unserer eigenen Zukunft wünsche ich, dass die 
Verantwortlichen in der EU auch beim kommenden Gip- 
fel und darüber hinaus die Fähigkeit haben, weiterhin 
der Motor zu sein und die richtigen Wege zu finden. 

Vielen Dank. 

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU, der 
SPD, der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Präsident Dr. Norbert Lammert: 

Das Wort erhält nun der Kollege Gert Weisskirchen, 
SPD-Fraktion. 

Gert Weisskirchen (Wiesloch) (SPD): 

Herr Präsident! Wenn ich darf, möchte ich heute gerne 
Glückwünsche überbringen an Jürgen Habermas, der 
heute seinen 80. Geburtstag feiert. Ich hoffe, dass alle in 
diesem Hause erkennen, welche große, historische Rolle 
dieser Philosoph nicht nur in Deutschland als Inspirator 
europäischen Denkens gespielt hat und noch spielt. 

Der kanadische Philosoph Charles Taylor hat, wie 
man heute in der Süddeutschen Zeitung lesen kann, eine 
wunderbare Laudatio auf Jürgen Habermas geschrieben: 

Er ist eine Inspiration für uns alle. 

In den 50 Jahren seiner wissenschaftlichen Arbeit hat 
Habermas für das gesfanden und gelebf, was Thomas 


Mann gesagt hat, als er zurückkam aus dem Land, in das (C) 
er vor Nazideutschland, vor Hitler hat fliehen müssen. 
Thomas Mann hat sich gewünscht, dass Deutschland 
nicht, wie die Nazis es wollten, versucht, Europa zu 
überwältigen, sondern dass Deutschland in Europa eine 
aktive Rolle übernimmt. Es geht nicht darum, ein deut- 
sches Europa zu schaffen, sondern ein europäisches 
Deutschland. Das hat Thomas Mann gesagt. 

Jürgen Habermas lebt das. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

In seinem wunderbaren Buch „Ach, Europa“, das letztes 
Jahr erschienen ist, hat Habermas genau beschrieben, 
was den inneren Kern des europäischen Projekts aus- 
macht, nämlich die internationalen Beziehungen in 
rechtliche Beziehungen zu verwandeln. Nicht mehr das 
Recht des Stärkeren soll sich durchsetzen, sondern die 
Stärke des Rechts. Dabei nimmt Habermas - wie kann es 
in diesem Zusammenhang anders sein? - den Grundge- 
danken von Immanuel Kant neu auf - und er führt ihn 
weiter aus -, dass aus einem Recht des Staates ein Welt- 
bürgerrecht werden muss, das allen Menschen als Welt- 
bürgern zusteht. 

Mein lieber Kollege Kampeter, wenn Sie den Lissa- 
bon-Vertrag lesen, finden Sie genau diesen Grundgedan- 
ken, der von Immanuel Kant schon vor mehr als 
200 Jahren formuliert worden ist, im europäischen 
Staatsbürgerbegriff wieder. Was hier im Lissabon- Ver- 
trag niedergelegt worden ist, ist ein qualitativer Sprung. 

Hier wird die Bilanz einer langjährigen europäischen 
Denktradition gezogen. (D) 

Wir dürfen die Schwierigkeiten, die wir in der Euro- 
päischen Union jeden Tag erkennen und über die wir uns 
häufig genug erregen können, nicht in kleiner Münze 
messen. Wir müssen - auch aus der Sicht eines Libera- 
len, Herr Westerwelle - den großen Sprung nach vorne, 
den dieser Vertrag darstellt, verteidigen und dafür sor- 
gen, dass der Lissabon- Vertrag überall durchgesetzt 
wird. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

Meine Sorge, Herr Außenminister, ist nicht Island. 
Island mag jetzt aus ökonomischen Interessen, ja, fast 
aus einem nationalen Egoismus heraus Mitglied der Eu- 
ropäischen Union werden wollen. Es ist kein schlechter 
Zug, dass man aus eigenen Interessen Mitglied der Euro- 
päischen Union wird. 

Meine wirkliche Sorge ist, dass die Probleme und 
Konflikte, die wir in Großbritannien gegenwärtig er- 
kennen, dazu führen könnten, dass das Inkrafttreten des 
Lissabon- Vertrags auf die lange Bank geschoben werden 
kann. Ich wünschte mir, dass die Kolleginnen und Kolle- 
gen in der Mutter des Parlamentarismus, in Westminster, 
allen möglichen Versuchungen widerstehen, diesen gro- 
ßen qualitativen Schwung, den wir nach einer langen 
Debatte gemeinsam erlebt haben, jetzt wieder zu verlie- 
ren. Das ist eine große Gefahr. 

Gerade die Bildung von Nationalstaaten zeige, sagt 
Jürgen Habermas - ich darf noch einmal an ihn anknüp- 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Gert Weisskirchen (Wiesloch) 

fen wie rechtliche Begriffe „erst mit Anschauung, 
Emotion und Gesinnung“ erfüllt wurden. Er fragt: 

Warum sollte sich die Hülse der längst eingeführten 
europäischen Staatsbürgerschaft nicht auf ähnliche 
Weise mit dem Bewusstsein füllen, dass alle euro- 
päischen Bürger inzwischen dasselbe politische 
Schicksal teilen? 

Das ist der innere Zusammenhang: Die sozialen Bin- 
dekräfte müssen neu entwickelt werden, damit - das ist 
vielleicht der wirkliche Indikator dafür, warum die 
Wahlbeteiligung am 7. Juni 2009 so dramatisch zurück- 
gegangen ist - das soziale Europa als ein neues gemein- 
sames Projekt der Europäer erfunden werden kann. 
Denn die Sorgen und Ängste der Menschen, die wir in 
der ökonomische Krise gegenwärtig erkennen müssen, 
können dazu führen, dass die politische Beteiligung der 
Menschen - gerade in Wahlakten zeigt sich das - zu- 
rückgeht. 

Die Vision der Europäischen Union muss auch die so- 
ziale Gerechtigkeit mit einbeziehen; denn - durch Soli- 
damosc wurde uns das gezeigt - es gibt keine Freiheit 
ohne Solidarität. Auch das ist ein europäischer Auftrag. 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU - Dr. Guido Westerwelle 
[FDP]: Oh Gott, was ist das doch für ein Paar!) 

Präsident Dr. Norbert Lammert: 

Ich schließe die Aussprache. 

Die letzten beiden Redner dieser Europadebatte ha- 
ben heute voraussichtlich zum letzten Mal von dieser 
Stelle aus das Wort ergriffen. Sie werden am Ende dieser 
Legislaturperiode nach einer außergewöhnlich langen 
Zugehörigkeit zum Deutschen Bundestag ihre Arbeit an 
anderer Stelle hoffentlich fortsetzen. 

Weil es in diesem Hause außergewöhnlich selten vor- 
kommt, dass jemand mehr als 30 Jahre lang ein solches 
Mandat wahmimmt, möchte ich den beiden Kollegen 
Eduard Lintner und Gert Weisskirchen 

(Dr. Guido Westerwelle [FDP]: Sie haben sich 
überhaupt nicht verändert!) 

ganz besonders herzlich für dieses außergewöhnlich 
lange und außergewöhnlich fruchtbare Engagement dan- 
ken und alle guten Wünsche für die Zukunft damit ver- 
binden. 

(Beifall) 

Herr Kollege Weisskirchen, im Übrigen wird es Sie 
hoffentlich beruhigen, dass ich die Glückwünsche an 
Herrn Professor Habermas auch im Namen des ganzen 
Hauses pünktlich übermittelt habe. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des 
BÜNDNISSES 90/DlE GRÜNEN) 

Wir kommen nun zur Abstimmung über die Ent- 
schließungsanträge . 

Wer stimmt für den Entschließungsantrag der Frak- 
tion Die Linke auf der Drucksache 16/13367? - Wer 
stimmt dagegen? - Wer enthält sich? - Damit ist dieser 
Entschließungsantrag abgelehnt. 


Wer stimmt für den Entschließungsantrag der Frak- (C) 
tion Bündnis 90/Die Grünen auf der Drucksache 
16/13391?- Wer stimmt dagegen? - Wer enthält sich? - 
Auch dieser Antrag ist mit Mehrheit abgelehnt. 

Ich rufe nun Tagesordnungspunkt 5 auf: 

Beratung des Antrags der Abgeordneten Klaus 
Emst, Dr. Lothar Bisky, Dr. Martina Bunge, wei- 
terer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE 

Staatsgarantie für die Sozialversicherungen - 
Schutzschirm für Menschen 

- Dmcksache 16/12857 - 

Überweisungsvorschlag: 

Haushaltsausschuss (f) 

Ausschuss für Arbeit und Soziales (f) 

Ausschuss fiir Wirtschaft und Technologie 
Ausschuss für Gesundheit 
Federführung strittig 

Nach einer interfraktionellen Vereinbamng sind für 
die Aussprache eineinviertel Stunden vorgesehen. - Ich 
höre hierzu keinen Widerspruch. Dann können wir so 
verfahren. 

Ich eröffne die Aussprache und erteile das Wort zu- 
nächst dem Kollegen Klaus Emst für die Fraktion Die 
Linke. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Klaus Ernst (DIE LINKE): 

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und 
Herren! Wieder einmal beschäftigen wir uns mit der 
Wirtschaftskrise in unserem Land. Allmählich werden 
die wahren Ausmaße dessen bekannt, was sich in unse- 
rem Land abspielt, und die wahren Zahlen werden offen- 
kundig. Dem Gemeinschaftsgutachten der Wirtschafts- 
forschungsinstitute zufolge haben wir im ersten Halbjahr 
2009 mit einem negativen Wachstum - also mit dem Ab- 
bau der Wirtschaftsleistung - von 7,2 Prozent und im 
zweiten Halbjahr mit einem Minus von 4,8 Prozent zu 
rechnen. 

Was macht die Bundesregiemng, und was macht die 
Kanzlerin? Im Fernsehen wurde uns eine Garantie für 
die Spareinlagen verkündet. Wir haben einen Schutz- 
schirm für die Banken mit einem Volumen von 
480 Milliarden Euro beschlossen. Wir erleben gleichzei- 
tig die Konzeptionslosigkeit bei dem Versuch, einzelne 
Unternehmen zu retten. Einerseits wird eine Bank wie 
die Commerzbank mit staatlicher Unterstützung am Le- 
ben erhalten, um die Einlagen der Aktionäre zu sichern. 
Andererseits haben wir die Streiterei der Bundesregie- 
rung über die Frage, wie mit Opel zu verfahren ist, und 
eine absolute Konzeptionslosigkeit und Handlungsunfä- 
higkeit gegenüber Arcandor erlebt. Wir haben ein Kon- 
junkturprogramm von circa 25 Milliarden Euro bezogen 
auf das Jahr, während sich das Bruttoinlandsprodukt um 
voraussichtlich 6 Prozent verringern wird. 

All das wird nicht einmal ansatzweise reichen, um die 
Probleme in unserem Lande zu lösen. 

(Beifall bei der LINKEN) 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Klaus Ernst 

(A) Die Arbeitslosigkeit steigt dramatisch. Gegenwärtig 
wird das alles noch überdeckt. Es wird nicht offensicht- 
lich, weil richtigerweise die Kurzarbeiterregelungen aus- 
gedehnt wurden. Das befürworten wir ausdrücklich. 
Aber wie lange kann das Instrument der Kurzarbeit Ihrer 
Meinung nach noch helfen? Wir müssen davon ausge- 
hen, dass sich in den nächsten Monaten und insbeson- 
dere nach der Bundestagswahl die Arbeitsmarktsituation 
dramatisch verändern und es in unserem Land zu einer 
steigenden Zahl von Arbeitslosen kommen wird, die die 
Situation in den letzten Jahren in den Schatten stellt. 

Wir wissen auch, wie der Anstieg der Arbeitslosen- 
zahlen zustande kommen wird. Die ersten, die in der 
Krise ihren Job verloren haben und nicht mehr durch ir- 
gendeine Form von Kurzarbeit vor Hartz IV geschützt 
sind, sind die Leiharbeiter. Bei Opel droht trotz aller 
Rettungsversuche der Abbau von Arbeitsplätzen. Auch 
beim Unternehmen Schäffler ist mit einem Arbeitsplatz- 
abbau zu rechnen. Bei meinem Besuch in Schweinfurt 
gestern wurde deutlich, dass auch in der EDV-Industrie 
inzwischen ein dramatischer Abbau von Arbeitsplätzen 
angedacht wird, dem nicht durch irgendeine Form von 
Kurzarbeit begegnet werden soll. 

Die Zahl der Pleiten steigt. Das daraus entstehende 
Problem müsste jedem zu denken geben. Wir werden er- 
leben, dass die Sozialversicherungen dramatische Finan- 
zierungsprobleme bekommen werden. Die Einnahmen 
werden sinken, weil es weniger Beitragszahler gibt, 
während die Ausgaben zum Beispiel der Bundesagentur 
für Arbeit steigen werden, weil sie die arbeitslosen Men- 



(Widerspruch des Abg. Peter Weiß [Emmen- 
dingen] [CDU/CSU]) 

- Ich weiß nicht, warum Sie den Kopf schütteln, Herr 
Weiß. Glauben Sie, die kriegen ihr Geld vom Weih- 
nachtsmann? 

(Beifall bei der LINKEN - Zuruf des Abg. Peter 
Weiß [Emmendingen] [CDU/CSU]) 

Selbstverständlich werden die Einnahmen sinken und 
die Ausgaben steigen. Das ist die Realität. Man muss 
schon auf einem anderen Stern leben, wenn man das 
nicht zur Kenntnis nimmt. 

Ich frage Sie alle, wie Sie dem Problem begegnen 
wollen. Was haben Sie vor? Was wollen Sie in der Situa- 
tion sinkender Einnahmen und steigender Ausgaben ma- 
chen, um den Menschen die Sicherheit zu geben, dass 
ihre Existenz nicht bedroht wird, wenn die Arbeitslosig- 
keit zunimmt? Was haben Sie dazu für Vorschläge? 

Der einzige Vorschlag, der zurzeit durch die Welt 
geistert, ist die Sicherung der Renten. Das ist gut und 
schön. Sie sollen nicht sinken. Ehrlicherweise müssten 
Sie aber dazusagen, dass die Renten in den nächsten vier 
oder fünf Jahren nicht mehr steigen werden. Das ist die 
Wahrheit. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Damit ist Ihr Konzept offengelegt, wie Sie die Krise 
bewältigen wollen. Nach Ihrer Vorstellung sollen die 


Menschen, die nichts mit den Ursachen der Krise zu tun (C) 
haben - nämlich die Beschäftigten, die Rentner und die 
Arbeitslosen -, für die Krise zahlen und sie bewältigen. 

Das ist eigentlich Ihr Konzept. Das macht die Konzep- 
tionslosigkeit, in der Sie sich befinden, deutlich. 

Das Handelsblatt schreibt am 27. April 2009: 

Allein bei der Arbeitslosen- und bei der Kranken- 
versicherung addieren sich Fehlbeträge von bis zu 
50 Mrd. Euro bis Ende kommenden Jahres. 

1,1 Millionen Kurzarbeiter kosten circa 9 Milliarden 
Euro. Wer soll das bezahlen? 

Jetzt will die Kanzlerin Mehrwertsteuererhöhungen 
ausschließen. Das ist ja klasse. Das hatten wir doch 
schon einmal, auch vonseiten der Sozialdemokraten. Ich 
habe die alten Flugblätter dabei, auf denen stand: 
Merkel- Steuer, das wird teuer. Oder: Ich kann mir 
Angela Merkel nicht leisten. Oder: Ich koste 2 Prozent 
mehr. - Das war vor der Wahl. Nach der Wahl waren es 
dann aber 3 Prozent. 

Vor der letzten Wahl haben die Sozialdemokraten ge- 
sagt: Es wird keine Heraufsetzung des Renteneintritts- 
alters geben. - Jetzt liegen wir bei einem Renteneintritts- 
alter von 67 Jahren. Glauben Sie denn, dass das, was Sie 
in Ihre Wahlprogramme schreiben, von der Bevölkerung 
wirklich ernst genommen wird? 

(Beifall bei der LINKEN - Dr. Dagmar 
Enkelmann [DIE LINKE]: Das kann man gar 
nicht ernst nehmen!) 

Dagegen sind die Münchhausen-Geschichten eine Aus- 
gebürt an Wahrheit. Glauben Sie tatsächlich, dass Sie 
noch jemand ernst nimmt, wenn Sie sagen, dass Sie eine 
Mehrwertsteuererhöhung ausschließen? Glauben Sie 
wirklich, dass Ihnen das jemand in dieser Republik, an- 
gesichts dessen, wie Sie mit den Bürgern in den letzten 
vier Jahren umgegangen sind, abnimmt? Wenn sich Herr 
Müntefering hinstellt und sagt, er findet es unfair, dass er 
an das erinnert wird, was er vor der Wahl gesagt hat, 
dann weiß doch der Bürger, dass er den Politikern über- 
haupt nicht trauen kann. 

(Beifall bei der LINKEN - Hans-Joachim 
Fuchtel [CDU/CSU]: Lafontaine! Dem kann 
man vertrauen!) 

- Ich weiß nicht, warum Sie sich so echauffieren. Es war 
doch letztendlich auch Ihre Partei, die sich an das, was 
sie vor der Wahl gesagt hat, nicht mehr erinnert. Inzwi- 
schen schreiben Sie sogar bei den Linken ab, was Sie 
vorher als populistisch bezeichnet haben, zum Beispiel 
bei der Kilometerpauschale. 

(Lachen der Abg. Waltraud Lehn [SPD]) 

Sie müssten an dieser Stelle ganz ruhig sein; das wollte 
ich Ihnen einmal sagen. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Weil Ihnen die Bürger nicht mehr trauen können, ha- 
ben wir einen Antrag vorgelegt, der ganz einfache Sätze 
enthält, die eigentlich jeder hier verstehen müsste. 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Klaus Ernst 

(Lachen der Abg. Waltraud Lehn [SPD] - 
Anton Schaaf [SPD]: In der Tat!) 

- Ich weiß, dass Sie es mit dem Einfachen nicht so ha- 
ben. Ich möchte es Ihnen aber einmal vorlesen, vielleicht 
macht es dann für Sie Sinn: 

Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregie- 
rung auf, . . . Kürzungen der sozialen Leistungen für 
die nächsten vier Jahre verbindlich auszuschlie- 
ßen; ... 

(Anton Schaaf [SPD]: Warum denn nicht für 
immer?) 

-und - 

für die aufgrund der Wirtschaftskrise entstehenden 
Defizite der Sozialversicherungen mit einer Staats- 
garantie zu bürgen. 

Was bedeutet das? Das bedeutet, dass sich alle Parteien 
hier im Bundestag verpflichten, 

(Peter Weiß [Emmendingen] [CDU/CSU]: Haben 
Sie die Sozialgesetze mal gelesen?) 

eines in dieser Krise nicht zu machen: dass wir, wenn die 
Rechnung nach der Bundestagswahl präsentiert wird, die 
Bürger zur Kasse bitten, dass wir die zur Kasse bitten, 
die von Sozialleistungen leben müssen, dass wir die 
Rentner zur Kasse bitten 

(Peter Weiß [Emmendingen] [CDU/CSU]: Wir 
entlasten den Bürger!) 

und dass wir schließlich die Arbeitslosenversicherungs- 
leistungen kürzen. - Das ist eine klare Ansage, 

(Beifall bei der LINKEN) 

die bewirken würde, dass die Menschen in unserem 
Land das, was wir sagen, ansatzweise ernst nehmen. 

(Peter Weiß [Emmendingen] [CDU/CSU]: Sie 
kann man nicht ernst nehmen!) 

Ich gehe davon aus, dass Sie unseren Antrag ablehnen 
werden. Sie werden sagen: Das ist purer Populismus. - 
Das sagen Sie aber zu allem. Hinterher schreiben Sie es 
dann aber ab. Das beeindruckt mich nicht mehr. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Ich kann Ihnen sagen: Die Bürger dieses Landes werden 
ernst nehmen, ob Sie tatsächlich bereit sind, eine Sozial- 
staatsgarantie abzugeben, und ob Sie bereit sind, vor 
der Wahl zu erklären: Nein, es gibt keine Sozialkürzun- 
gen. 

(Peter Weiß [Emmendingen] [CDU/CSU]: Sie 
nehmen Sie aber nicht ernst!) 

Wenn Sie das nicht tun, wissen die Bürger, dass Sie nach 
der Bundestagswahl im September die Rechnung für das 
präsentieren werden, was Sie jetzt noch verschleiern. 
Das ist die Wahrheit. 

Ich danke fürs Zuhören. 

(Beifall bei der LINKEN - Dr. Dagmar 
Enkelmann [DIE LINKE]: Ohne uns! Ohne 


die Linke! - Peter Weiß [Emmendingen] 
[CDU/CSU]: Dümmer geht es nimmer! - 
Markus Kurth (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN): Wir müssen noch beten, dass das nicht 
im Ausschuss beraten wird!) 

Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Nächster Redner ist der Kollege Steffen Kampeter für 
die CDU/CSU-Fraktion. 

Steffen Kampeter (CDU/CSU): 

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und 
Herren! Die soeben vorgetragene Rede und der Antrag 
der Linken haben gezeigt, dass wir eigentlich eine 
Grundsatzdebatte über Reformfähigkeit und Reformwil- 
ligkeit in Bezug auf unsere Sozialversicherungssysteme 
führen müssten. Es geht darüber hinaus auch um die 
grundsätzliche Regierungsfähigkeit bzw. Regierungs- 
unfähigkeit linker Parteien angesichts der enormen He- 
rausforderungen, die wir in den nächsten Jahren zu 
bewältigen haben. Durch die globale Wirtschafls- und 
Finanzkrise sind die Aufgaben nicht kleiner, sondern 
größer geworden. Die vor uns liegende demografische 
Entwicklung und unser Anspruch an eine humane, das 
Leben schützende und soziale Belange respektierende 
Gesellschaft - dies bleibt Aufgabe. 

Wenn ich die Rede von Herrn Emst Revue passieren 
lasse und den Antrag der Linken lese, dann stelle ich 
fest: Unter dem Begriff „Schutzschirm“ wird der völlige 
Stillstand aller Reformbemühungen in der Renten-, 
Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung ver- 
langt. 

(Frank Spieth [DIE LINKE]: Das ist Sozial- 
abbau!) 

Die Linke fordert die Politik tatsächlich auf, quasi 
eine Selbstblockade des Staates und der Sozialversiche- 
mng zu verfugen. Dies ist nichts anderes als ein Frontal- 
angriff auf die nachfolgenden Generationen. Die Soziali- 
siemng der Reformnotwendigkeiten in den sozialen 
Sichemngssystemen, wie sie die Linke fordert, wird von 
einer breiten Mehrheit in diesem Haus abgelehnt. 

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP) 

Der Vorschlag der Linken ist nicht nur populistisch, son- 
dern auch brandgefährlich und liegt nicht im Interesse 
der Bürgerinnen und Bürger. Diese erwarten - anders als 
hier vorgeschlagen - von der Politik Lernfähigkeit. Aus 
dem Schaden, der durch die Finanz- und Wirtschafts- 
krise entstanden ist, müssen wir klug werden. Wir müs- 
sen eine intelligente Reform anstoßen. 

(Beifall des Abg. Oskar Lafontaine [DIE 
LINKE]) 

Die Sozialisierung der Reformnotwendigkeiten ist 

nichts anderes als ein Verrat an den nachfolgenden Ge- 
nerationen; den lehnen wir ab. 

(Beifall des Abg. Kurt J. Rossmanith [CDU/ 
CSU]) 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Steffen Kampeter 

Wir müssen die vorhandenen Potenziale erkennen und 
nutzen sowie die Zukunft gestalten. Das, was Sie, meine 
Damen und Herren von der Linken, in Ihrem Antrag vor- 
tragen, ist ein politisches Versagen, eine Bankrotterklä- 
rung. Sie versagen vor den Herausforderungen, vor die 
uns die Krise stellt. 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- 
neten der SPD und der FDP) 

Wenn ich davon spreche, dass wir die Generationen- 
gerechtigkeit zum Maßstab der Reformen machen, dann 
bedeutet das: Wir stehen bei der langfristigen Finanzie- 
rung der Krankenversicherung, der Pflegeversicherung 
und der Rentenversicherung vor großen Herausforderun- 
gen. Die demografische Entwicklung und eine bessere 
medizinische Versorgung sind Punkte, mit denen wir uns 
befassen müssen. Ein langes, erfülltes Leben bei guter 
Gesundheit ist das, was wir uns alle wünschen. Wir wol- 
len, dass alle Bürgerinnen und Bürger an den medizini- 
schen Fortschritten teilhaben und bestmöglich versorgt 
werden. Aber die Finanzierung der Systeme wird eine 
zunehmend schwierigere Aufgabe. Einen gesellschaftli- 
chen Kampf Alt gegen Jung kann nur derjenige verhin- 
dern, der sowohl die Generationengerechtigkeit als auch 
die Sensibilität bei der Nachjustierung der Systeme zur 
Grundlage seiner Entscheidungen macht. Dies kann nur 
eine politische Kraft aus der Mitte der Gesellschaft; dies 
können nur Volksparteien. Dies darf man nicht linken 
Populisten überlassen. 

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) 

Dabei ist eines ganz klar: Wir haben auch in der zu 
Ende gehenden Legislaturperiode diese Aufgaben in 
großer Solidarität aller Interessengruppen bewältigt. Mit 
großer Zuverlässigkeit haben wir dort, wo es anstand, 
die sozialen Sicherungssysteme auch mit Steuermitteln 
stabilisiert. Dabei gehen wir aktuell so weit, Rentenkür- 
zungen per Gesetz auszuschließen, selbst wenn die Ein- 
kommen der Erwerbstätigen sinken sollten. Wir sollten 
an dieser Stelle auch würdigen, dass die junge Genera- 
tion dieses große Maß an Solidarität in dieser Krise auf- 
bringt. 

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) 

Was Sie von der Linken betreiben, ist ein übles Spiel 
mit der Angst, ein übles Spiel auf Kosten derer, die heute 
Leistungen beziehen und durch Ihre Panikmache verun- 
sichert werden. Es ist ein übles Spiel auf Kosten derer, 
die heute in die Kassen einzahlen und zu Recht erwarten, 
dass wir, die Politik, die Systeme zukunftssicher ma- 
chen. Ich will es in einem Satz zusammenfassen: Die ei- 
gentlichen politischen Spekulanten in der Krise sitzen 
auf der linken Seite dieses Hauses. 

(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

Wir brauchen eine umfassende Reformdebatte über 
die Zukunftsfähigkeit unserer sozialen Sicherungssys- 
teme und keine Schutzschirmillusionen. Die Bürgerin- 
nen und Bürger fragen: Welche Rezepte habt ihr zu 
bieten, um unsere soziale Absicherung langfristig zu ge- 
währleisten? Dabei gilt es, - 


Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Herr Kollege! 

Steffen Kampeter (CDU/CSU): 

- Fehler in den Strukturen zu beheben. 

Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Darf ich Sie unterbrechen? 

Steffen Kampeter (CDU/CSU): 

Das tun Sie bereits, Frau Präsidentin. 

Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Es tut mir leid, aber Sie waren so im Redefluss. Ich 
habe gedacht, der Satz sei schon beendet gewesen. - Der 
Kollege Emst hätte gerne eine Zwischenfrage gestellt. 

Steffen Kampeter (CDU/CSU): 

Der Kollege Emst kann gerne meine Redezeit durch 
eine Zwischenffage verlängern. 

Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Bitte, Herr Kollege. 

(Dirk Niebel [FDP]: Aber er soll kurz fragen, 
und Sie antworten bitte länger!) 

Kiaus Ernst (DIE LINKE): 

Ich verlängere Ihre Redezeit sehr gerne. - Sie haben 
über die prinzipielle Reformfähigkeit gesprochen. Ha- 
ben Sie denn Verständnis dafür, dass die Bürger, wenn 
sie das Wort „Reform“ hören, nicht mehr nur positiv ge- 
stimmt sind, weil sie in den letzten Jahren die Erfahmng 
gemacht haben, dass die Reformen letztendlich immer 
zu ihren Lasten gingen und dass es hinterher nicht besser 
war als zuvor? Haben Sie Verständnis dafür, dass die 
Bürger, wenn sie das Wort „Reform“ hören, inzwischen 
ihre Geldbörse festhalten, weil sie wissen, dass man ih- 
nen dort hineingreifen will? 

(Beifall bei der LINKEN) 

Steffen Kampeter (CDU/CSU): 

Herr Kollege Emst, wenn Sie die vergangenen Jahre 
bis zum Eintritt der Wirtschafts- und Finanzkrise in der 
Bundesrepublik Deutschland unter sozialen Gesichts- 
punkten betrachten, dann werden Sie feststellen: Es hat 
noch nie ein so dichtes Netz der sozialen Sichemngssys- 
teme wie in dieser Legislaturperiode gegeben. 

(Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: 

Glauben Sie das selbst?) 

Wir haben in den sozialen Sichemngssystemen eine 
so umfassende Reformpolitik durchgesetzt, dass wir so- 
gar einen Nachkriegsrekord bei der Beschäftigung hat- 
ten. 

(Zumf von der LINKEN: Was?) 

Es ist uns gelungen, in den vergangenen Jahren durch 
diese soziale Reformpolitik eine Integration von Pro- 
blemgmppen in den Arbeitsmarkt durchzuführen - bei- 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25051 


Steffen Kampeter 

(A) spielsweise der Jüngeren, der Älteren und der wenig 
Qualifizierten was dazu geführt hat, dass weit über 
40 Millionen Menschen in Deutschland eine Beschäfti- 
gung gefunden haben. Die Reformpolitik der sozialen 
Sichemngssysteme, des Steuersystems und auch anderer 
Bereiche hat zentral dazu beigetragen, dass wir jetzt in 
der Lage sind, dieser Krise zu begegnen und die Heraus- 
forderungen, die sich nicht nur in der Krise stellen, von 
einem starken Stück Deutschland aus anzugehen. 

Die Menschen, die dazu beigetragen haben, sitzen 
nicht nur in diesem Haus. Vielmehr sind das die Men- 
schen, die durch ihren Fleiß und ihre Arbeit diese starke 
wirtschaftliche Position unseres Landes geschaffen ha- 
ben. Diese sollten Sie nicht in der Art und Weise denun- 
zieren, 

(Klaus Emst [DIE LINKE]: Das habe ich 
überhaupt nicht getan!) 

wie Sie das in Ihren Reden und Fragen dauernd tun. 
Vielmehr sollten Sie anerkennen: Wir Deutsche sind ge- 
meinsam bereit, diese Herausfordemngen anzunehmen. 
Dieses Haus, dieser Deutsche Bundestag, wird alles Er- 
denkliche dafür tun, dass die Herausfordemngen der 
Krise sozialverträglich gemeistert werden können. - Das 
ist meine Antwort auf Ihre Frage. 

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU, der 
SPD und der FDP - Klaus Emst [DIE 
LINKE]: Sie haben meine Frage nicht beant- 
wortet!) 

Horst Köhler hat in seiner Berliner Rede eine sehr be- 

(B) achtliche Analyse über die Fehler in der Finanzwirt- 
schaft erstellt. Er hat uns ins Stammbuch geschrieben, 
dass die Misere, die wir an den Finanzmärkten erleben, 
das Ergebnis von mangelnder Transparenz, Laxheit, un- 
zureichender Aufsicht und von Risikoentscheidungen 
ohne persönliche Haftung ist. Er hat zu Recht gesagt, 
dass das, was wir jetzt erleben, das Ergebnis von Freiheit 
ohne Verantwortung ist. 

An dieser Stelle möchte ich eine Lanze für mehr 
Transparenz und persönliche Verantwortung auch in den 
Verwaltungsapparaten der Behörden und der Sozialver- 
sichemngen brechen. Erhebliche Leistungssteigemngen 
sind möglich, wenn wir moderne Managementmetho- 
den, wie beispielsweise das Benchmarking, auch im öf- 
fentlichen Sektor konsequent nutzen. Nur mit mehr 
Transparenz kann man Vertrauen stärken. 

Vor gut einem Jahr hat sich Bundesinnenminister 
Schäuble für das Benchmarking als enfscheidenden 
Schritt in der Verwaltungsmodernisierung eingesetzt. 
In den Verwaltungen, so Schäuble, mangele es an der 
Bereitschaft, sich öffentlich dem Wettbewerb zu stellen 
und eine Diskussion über Kosten und Leistungen zu füh- 
ren. Effizienzgewinne in Milliardenhöhe seien durch 
Leistungsvergleiche und eine Bereitschaft, vom Besten 
zu lernen, möglich. - Dies zeigt, dass Reformen in den 
sozialen Sichemngssystemen nicht den Abbau von 
sozialen Leistungen bedeuten. Sie bedeuten im Kern 
mehr soziale Absicherung für entsprechend weniger 
Geld oder - umgekehrt - zusätzliche Spielräume, um 
diese Reformdividende zu nutzen. 


Qualitätsprüfungen und Qualitätsvergleiche brauchen (C) 
wir für alle sozialen Sicherungssysfeme. Krankenhäuser 
werden geprüft und verglichen. In den letzten Tagen 
wurde von den Kassen ein Ärzte-TÜV gefordert. Wir ha- 
ben einen Pfiege-TÜV vereinbart. Pflegebedürftige 
Menschen und ihre Angehörigen wollen wissen, was in 
Pflegeheimen und ambulanten Pfiegediensten geleistet 
wird. Die Bürgerinnen und Bürger - das muss klar ge- 
sagt werden - sehen nicht ein, warum die Qualität sozia- 
ler Dienstleistungen einer Geheimniskrämerei unterlie- 
gen soll. Kundenfreundlichkeit und Wettbewerbsdenken 
müssen in die Einrichtungen und Amtsstuben einziehen. 

Ich will ein anderes Beispiel anführen. Wir haben 
über die Bundesagentur für Arbeit keinen Schutz- 
schirm gespannt. Vielmehr haben wir die Bundesagentur 
für Arbeit einem schweren und herausfordernden Re- 
formprozess unterworfen. Wir haben bei der Bundes- 
agentur für Arbeit gesehen, dass mehr Wettbewerb mehr 
Leistung bringt. Nach dem Vermittlungsskandal wurde 
die Bundesagentur grundlegend umgebaut. In der Ar- 
beitslosenversicherung haben mit der Führung durch 
Frank-Jürgen Weise betriebswirtschaftliche Grundsätze 
Einzug gehalten. Controlling und Benchmarking haben 
dazu geführt, dass jede Führungskraft für die Leistung 
seines Teams persönliche Verantwortung übernimmt. 
Transparenz führt zu Reformdruck und Innovation aus 
der Organisation heraus. 

Der Nutzen für Versicherte und für die Beschäfti- 
gungsuchenden war enorm. Seit 2004 wurden die Bei- 
träge gesenkt und die Vermittlungsleistungen zugleich 
deutlich gesteigert. Die Dauer der faktischen Arbeits- 
losigkeit wurde in den Agenturen für Arbeit um rund 
40 Prozent reduziert. Damit wird das Hauptinteresse ar- 
beitsloser Menschen bedient: eine professionelle und 
schnelle Vermittlung in einen neuen Job. 

Dieses Beispiel zeigt, dass durch Reformoptionen in 
den sozialen Sicherungssystemen, nicht aber durch 
Schutzschirme die Qualität der sozialen Dienstleistun- 
gen verbessert und unser soziales Netz ausgebaut wird. 

Das ist zukunftsweisende und verantwortliche Politik, 
die die Union vertritt. 

Es gibt im Übrigen einen ganz bemerkenswerten Vor- 
gang: In den Jobcentern, die die Langzeitarbeitslosen 
betreuen, gibt es nach wie vor große Defizite bei der 
Transparenz und der Zuordnung der Verantwortungsbe- 
reiche. Das ist nicht nur meine Meinung, sondern auch 
die Meinung der verantwortlichen Leistungsträger. In 
den vergangenen Wochen haben sowohl die Bundes- 
agentur für Arbeit als auch die kommunalen Spitzenver- 
bände deshalb Brandbriefe an alle Haushälter der Frak- 
tionen geschrieben: Die Jobcenter könnten besser 
geführt werden, wenn der faire Wettbewerb gefördert 
würde. Aber diesbezüglich warten wir noch auf die Ini- 
tiative des Bundesarbeitsministeriums. Die Qualität 
könnte für die Befroffenen verbessert werden. Wir kön- 
nen uns den jetzigen Zustand definitiv nicht leisten. Ich 
wünsche mir, dass der Bundesarbeitsminister diese Vor- 
schläge zum Benchmarking der Jobcenter aufgreift. In 
der freien Wirtschaft ist das ein ganz banaler Vorgang. 

Über Qualität und Leistung der Wettbewerber wird öf- 



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Steffen Kampeter 

(A) fentlich berichtet. Das ist ebenfalls eine Selbstverständ- 
lichkeit im Verbraucherschutz. Ich glaube, dass wir das 
auch im Bereich der Langzeitarbeitslosenverwaltung 
durchsetzen können. 

Auch dieses Beispiel zeigt: Wir haben noch einiges 
vor. Ich will nicht behaupten, dass die Reformbemühun- 
gen in den sozialen Sicherungssystemen durch die Große 
Koalition ans Ende gekommen sind. Vor mehr als einem 
Jahr hat Olaf Scholz noch angekündigt, die beste Ar- 
beitsvermittlung der Welt schaffen zu wollen. Heute 
scheint er schon mit der Durchführung einfacher Leis- 
tungsvergleiche überfordert zu sein. 

(Beifall bei der FDP - Widerspruch der Abg. 

Waltraud Lehn [SPD]) 

Mit dieser Laxheit wird man eine Reform der sozialen 
Sicherungssysteme nicht erreichen können. 

(Dirk Niebel [FDP]: Das war der erste richtige 
Satz!) 

Ich glaube, wir brauchen auch einen Jobcenter-TÜV. Die 
Kommunen und die Bundesagentur haben zu Recht an- 
gemahnt, dass die Qualität der Jobcenter ein öffentliches 
Thema sein muss. Dies sind wir allen Steuerzahlern und 
Beitragszahlem schuldig. Sie geben uns Geld, damit wir 
eine anständige Leistung erbringen. Darin besteht der 
Vertrag, den wir mit den Bürgerinnen und Bürgern ge- 
schlossen haben. Deswegen finde ich es unerträglich und 
unverantwortlich, wenn hier von den Linken diese Leis- 
tungen nicht ausreichend gewürdigt werden und der Ein- 

(B) druck erweckt wird, wenn man einfach einen Regen- 
schirm in die Hand nähme und ihn über den sozialen 
Sicherungssystemen aufspannte, wäre irgendein Pro- 
blem der deutschen Politik gelöst. 

(Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Bei 
den Banken waren Sie mit dem Schirm sehr 
fix!) 

Sie, die Krisenspekulanten, haben keine Alternative. Wir 
in der Großen Koalition stellen uns den Aufgaben in gro- 
ßer Verantwortung für die Menschen. Wir als Union 
werden dies auch weiterhin tun. 

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Das Wort hat der Kollege Dr. Heinrich Kolb für die 
FDP-Fraktion. 

(Beifall bei der FDP) 

Dr. Heinrich L. Koib (FDP): 

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 
Die Linke hat in dieser Legislaturperiode eine Reihe von 
Anträgen eingebracht, die in der Regel eines gemeinsam 
hatten: Sie erhoben teure Forderungen, hielten sich aber 
nicht lange mit der Frage auf, wie denn die Finanzierung 
dieser Wunschlisten erfolgen solle. 


(Beifall bei der FDP - Dr. Dagmar Enkelmann 
[DIE LINKE]: Oh doch! Spitzensteuersatz, 
Börsenumsatzsteuer ! ) 

Der heutige Antrag „Staatsgarantie für die Sozialver- 
sicherungen - Schutzschirm für Menschen“ stellt sozu- 
sagen die Krönung dieser Bemühungen dar; denn mitten 
in der schwersten Wirtschafts- und Finanzkrise in der 
Geschichte der Bundesrepublik geht es um nicht mehr 
und nicht weniger, als dass der Staat, egal was passiert, 
auf jeden Fall seine Leistungen für die Bürger auch in 
den nächsten Jahren uneingeschränkt und ungeschmälert 
fortführen soll. Herr Kollege Emst, schöner als mit die- 
sem Antrag kann man eigentlich nicht verdeutlichen, 
wes einfachen Geistes Kind die Linken sind. 

(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

Für mich wirft der Antrag einige Fragen auf: Wer ist 
eigentlich der Staat, an den sich diese Erwartungen rich- 
ten? Wer finanziert den Staat? 

(Dirk Niebel [FDP]: Die anderen!) 

Wo ist die Grenze der Belastbarkeit unseres Gemeinwe- 
sens? 

(Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: 

480 Milliarden verbrannt!) 

Kann man sich wirklich - Baron von Münchhausen, das 
ist nicht der Wirtschaftsminister, lässt grüßen - an den 
eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen? 

Meine Damen und Herren von den Linken, wenn ich 
mir einmal Ihren Kopf zerbreche, dann muss ich fragen: 
Greift Ihr Antrag am Ende nicht zu kurz? Kann es eine 
Leistungsgarantie geben, wenn es keine Beitragsgarantie 
gibt? Müsste man denen, die mit ihren Beiträgen das So- 
zialsystem finanzieren, nicht konsequenterweise auch 
das Einkommen garantieren? Muss man dann nicht allen 
Unternehmen den Bestand garantieren, damit diese Ein- 
kommen von den Arbeitnehmern auch tatsächlich erzielt 
werden können und sich nicht ein Einziger aufgrund der 
Krise schlechter stellt? 

(Carl-Ludwig Thiele [FDP]: Das ist saubere 
Dialektik!) 

Das sind Fragen, die deutlich machen, wie unausgegoren 
und wie wenig durchdacht dieser Antrag ist. Ich frage 
mich auch: Wie würde eigentlich ein Einzelner oder eine 
Familie in einer vergleichbaren Situation handeln? Je- 
denfalls nicht nach dem Motto: Wenn wir schon das 
Dach reparieren müssen, dann sollen die Kinder auch 
neue Computer bekommen. Der Einzelne und die Fa- 
milie schränken sich ein, wenn eine unvorhergesehene 
Ausgabe das Familienbudget belastet und den finanziel- 
len Spielraum einengt. Das, Frau Kollegin Lehn, müsste 
Ihnen eigentlich auch Ihre Tante Käthe und Ihr Onkel 
Otto als Maxime des finanziellen Handelns mitgegeben 
haben. 

(Heiterkeit) 

Ich bin gespannt, was Sie nachher sagen werden. 

(Anton Schaaf [SPD]: Die kommt noch!) 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25053 


Dr. Heinrich L. Kolb 

Warum, liebe Kolleginnen und Kollegen, glauben wir 
eigentlich, dass der Staat sich anders verhalten könnte 
oder dürfte als der Einzelne oder eine Familie? Nur des- 
halb, weil der Staat scheinbar unbegrenzt Schulden ma- 
chen kann, während dem Einzelnen die Bank früher oder 
später den Geldhahn zudreht? Kreditfähig ist der Staat 
nur deswegen, weil die Erwartung an künftige Genera- 
tionen ist, das Erbe werde schon nicht ausgeschlagen 
werden, auch wenn es hoch verschuldet ist, weil die Er- 
wartung ist, dass die kommenden Generationen schon 
treu und brav den heutigen Konsum mit ihrer künftigen 
Leistung nachträglich noch erarbeiten werden. 

Genau das, Herr Kollege Emst, ist der Punkt: Ihre Po- 
litik, die Politik der Linken, gibt vor, sozial zu sein, ist in 
Wahrheit aber unsozial, weil sie den Gmndsatz der Ge- 
nerationengerechtigkeit grob außer Acht lässt, weil sie 
den Konsum von heute bedingungslos mit der Staatsver- 
schuldung von morgen finanziert. 

(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

Nein, meine Damen und Herren, solche Schutzschirme 
taugen nichts. Es gilt das Wort von Milton Friedman: 
„There ain’t no such thing as a free lunch“; es gibt kein 
kostenloses Mittagessen, irgendeiner zahlt immer die 
Zeche. 

Das, hebe Kolleginnen und Kollegen von der Großen 
Koalition, sollten auch Sie sich hinter die Ohren schrei- 
ben; 

(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Haben Sie meine 
Rede nicht gehört, Herr Kollege?) 

denn auch Sie planen, Herr Kollege Kampeter, in dieser 
Woche noch zwei Schutzschirme, die sich als teurer Bu- 
merang erweisen können. Ich spreche von der ewigen 
Rentengarantie und der nochmaligen Erweiterung der 
Erstattungsregelung für Sozialversichemngsbeiträge für 
alle Arbeitnehmer eines Arbeitgebers ab dem siebten 
Monat Kurzarbeit. 

Herr Kampeter, ich empfehle Ihnen - das müssen Sie 
sich wirklich einmal anschauen - die Lektüre des Gut- 
achtens von Professor Raffelhüschen für die Initiative 
„Neue Soziale Marktwirtschaft“. 

(Joachim Poß [SPD]: Eine sehr interessante 
Organisation!) 

Ich sage Ihnen voraus, dass wir in der Rentenversiche- 
rung auf ein riesiges Desaster zusteuem. Der Beitrags- 
satz in der Rentenversichemng wird nicht nur nicht sin- 
ken - er sollte ja auf dem Weg in das Jahr 2020 von 
19,9 auf 19,1 Prozent zurückgehen -, sondern wird in 
naher Zukunft deutlich ansteigen. Das scheint mir unver- 
meidbar, und dazu hat der Kollege Peter Weiß eine 
Frage. 

Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Gestatten Sie eine Zwischenfrage des Kollegen? 

Dr. Heinrich L. Koib (FDP): 

Selbstverständlich; ich freue mich. 


Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Herr Kollege Weiß, bitte. 

Peter Weiß (Emmendingen) (CDU/CSU): 

Herr Kollege Dr. Kolb, würden Sie, da Sie soeben das 
Gutachten von Herrn Professor Raffelhüschen, Freiburg, 
erwähnt haben, erstens zur Kenntnis nehmen, dass das 
Gutachten nicht für die Initiative „Neue Soziale Markt- 
wirtschaft“ geschrieben wurde und auch von dieser nicht 
in Auftrag gegeben wurde, wiewohl Herr Professor 
Raffelhüschen Mitvorsitzender dieser Initiative ist? 

(Anton Schaaf [SPD]: Würde uns aber nicht 
wundem! - Weiterer Zumf von der SPD: 
Könnte man aber meinen!) 

Würden Sie zweitens dem Hohen Haus und der Öf- 
fentlichkeit mitteilen, dass im Gutachten von Herrn Pro- 
fessor Raffelhüschen ein Absinken der Löhne im Jahr 
2009, also in diesem Jahr, um 2,5 bis 3,5 Prozent unter- 
stellt wird? Ist dies auch die Hoffnung und Intention der 
FDP, dass es dieses Jahr tatsächlich zu einer Senkung der 
Löhne um 2,5 bis 3,5 Prozent kommt? Worauf gründen 
Sie diese Aussage, da doch die Bundesregierung in ih- 
rem Gutachten festhält, dass mit einem sinkenden Lohn- 
niveau in 2009 nicht zu rechnen ist? 

Dr. Heinrich L. Koib (FDP): 

Herr Kollege Peter Weiß, es trifft sich gut, dass ich 
zufälligerweise das Gutachten von Herrn Professor 
Raffelhüschen dabei habe. 

(Heiterkeit bei der FDP sowie bei Abgeordne- 
ten der CDU/CSU - Anton Schaaf [SPD]: 

Jetzt kennen wir auch den Auftraggeber!) 

Nachdem ich jetzt durch Ihre Frage etwas mehr Zeit 
habe, will ich gern noch den Titel dieses Gutachtens ver- 
lesen: „Tricksen an der Rentenformel - Rentenpolitik zu 
Lasten der Beitrags- und Steuerzahler“. Es ist sehr wohl 
für die Initiative „Neue Soziale Marktwirtschaft“ ge- 
schrieben; es steht hier: Kurzexpertise des Forschungs- 
zentrams Generationenverträge im Auftrag der Initiative 
„Neue Soziale Marktwirtschaft“. - Damit ist der erste 
Punkt abgehakt: Sie haben leider nicht recht. 

Zweiter Punkt. Natürlich hat Herr Professor Raftelhüschen 
Annahmen getroffen; sie finden sich auf Seite 3 dieses 
Gutachtens. Genau das haben wir auch am Montag in 
der Anhörung des Ausschusses am Ende diskutiert. Sie 
waren leider noch nicht da, weil Ihr Flugzeug Verspä- 
tung hatte. Es war sehr schön, zu sehen, wie Herr Rische 
von der Deutschen Rentenversicherung Bund sich ge- 
wunden hat. Auf die Frage, ob denn das alles noch zu- 
sammenpasse, antwortete er: Wenn die Annahmen der 
Bundesregierung zutreffen, ja; wenn die Annahmen der 
Wissenschaft zutreffen, nein. Nun ist leider die Erfah- 
rung - das muss ich sagen -, 

(Joachim Poß [SPD]: Seit wann ist Herr 
Raffelhüschen d i e Wissenschaft?) 

dass die Annahmen der Bundesregierung in den letzten 
zehn Jahren selten zugetroffen haben. 

(Beifall bei der FDP) 



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Dr. Heinrich L. Kolb 

(A) Deswegen muss ich sagen: Es ist leider davon auszu- 

gehen, dass das stimmt, was Professor Raffelhüschen äu- 
ßert. Übrigens meint nicht nur er - auch Professor 
Börsch-Supan aus Mannheim kommt zu dem gleichen 
Ergebnis -, dass die Rentenbeiträge in der nächsten Zeit 
deutlich ansteigen werden. Gleichzeitig - darin gebe ich 
dem Kollegen Emst sogar recht - werden die Rentner in 
den nächsten Jahren 

(Dirk Niebel [FDP]: Er muss noch die Frage beant- 
wortet kriegen, ob wir das gut finden!) 

- Das kann ich Ihnen sagen: Nein! - Danke für den Hin- 
weis; ich nehme damit die Beantwortung der Frage wie- 
der auf, Frau Präsidentin. 

(Heiterkeit bei der FDP und der CDU/CSU so- 
wie bei Abgeordneten der SPD) 

Nein, wir finden das nicht gut. Wir wollen keine Ren- 
tenkürzung. Wir haben ein großes Interesse daran, dass 
die Rentnerinnen und Rentner ein ausreichendes Ein- 
kommen haben. Nur, den Menschen ist nicht gedient, 
wenn man - wie Sie - Garantien für die nominale Höhe 
von Renten gibt, aber gleichzeitig das verfügbare Ein- 
kommen der Rentnerhaushalte durch eine Vielzahl von 
Maßnahmen - durch eine drastische Anhebung der Ein- 
kommensteuer, durch die Einführung der Verbeitragung 
von Direktversichemngen, Zusatzversorgungen und was 
auch immer - kürzt. Am Ende zählt, was ins Portemon- 
naie kommt, und da haben Sie in den letzten Jahren gna- 
denlos zugeschlagen. 

(Beifall bei der FDP - Steffen Kampeter 

(B) [CDU/CSU] : Was wollt ihr denn?) 

An die Adresse der Kolleginnen und Kollegen der 
SPD gerichtet, will ich hier noch sagen: Sie haben den 
Weg von Walter Riester - er wollte Nachhaltigkeit in der 
Rentenversichemng schaffen und die Lasten der demo- 
grafischen Altemng gerecht verteilen - längst verlassen. 
Ich sage Ihnen voraus: Wenn Sie das „Projekt 18“ wei- 
ter, von oben kommend, verfolgen, werden Sie hem- 
mungslos die Rente mit 67 kippen und damit das letzte 
Relikt der Agenda 2010 im Bereich der Sozialpolitik 
zum Verschwinden bringen. 

(Carl-Ludwig Thiele [FDP]: So ist es!) 

Ich empfehle wirklich jedem, den Beitrag von Franz 
Müntefering in der heutigen Ausgabe der Welt zu lesen. 
Franz Müntefering ist im Moment alles zuzutrauen und 
am Ende auch dieses. 

(Beifall bei der FDP) 

Ein Weiteres ist - das sei hier noch kurz erwähnt - die 
in letzter Minute noch einmal deutlich ausgeweitete Er- 
stattungsregelung ab dem siebten Monat bei der Kurzar- 
beiterregelung. Lange haben Sie sich, liebe Kolleginnen 
und Kollegen von der Großen Koalition, in einer positi- 
ven Arbeitsmarktentwicklung gesonnt - ich habe Ihre 
Reden noch im Ohr aber diese Entwicklung war nicht 
das Ergebnis Ihrer Politik; vielmehr haben Sie Windfall- 
Profits einer guten Weltkonjunktur mitgenommen. Jetzt, 
da Sie erkennen, dass Sie Ihre Hausaufgaben bei der Re- 
form des Arbeitsmarktes nicht gemacht haben, dass Sie 


nicht vorbereitet sind, dass Sie auch die Reform der so- 
zialen Sicherungssysteme nicht in Angriff genommen 
haben, versuchen Sie, sich über den Wahltag zu retten, 
indem Sie viel, viel Geld in die Hand nehmen. Diese 
Milliarden sind aber nicht Ihr Geld, sondern es ist das 
Geld der Beitragszahler und, wenn die Kasse in Nürn- 
berg leer ist, auch das Geld der Steuerzahler. Was Sie 
morgen beschließen wollen, ist die Lizenz für die Groß- 
unternehmen, die Kasse der Arbeitslosenversicherung 
auszuplündem; das sage ich hier in dieser Deutlichkeit. 

(Beifall bei der FDP) 

Man hat in den Sitzungen des Ausschusses für Arbeit 
und Sozialordnung, insbesondere in der Anhörung am 
Montag, sehr deutlich beobachten können: Die Große 
Koalition ist am Ende. Es wird Zeit, dass diese Vorstel- 
lung, die die Beitrags- und Steuerzahler viel Geld kostet, 
endlich beendet wird. 

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit. 

(Beifall bei der FDP) 

Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Nächste Rednerin ist die Kollegin Waltraud Lehn für 
die SPD-Fraktion. 

(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Was sagt Tante 
Käthe zu dem Thema?) 

Waltraud Lehn (SPD): 

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Der An- 
trag der Linken weckt in der Tat Erinnerungen an einen 
meiner zahlreichen Verwandten; aber diesmal ist es 
Onkel Theo. 

(Heiterkeit bei der FDP sowie bei Abgeordne- 
ten der CDU/CSU) 

Onkel Theo war klein, etwa so klein wie ich, und sein 
ganzes Leben wollte er größer sein, als er tatsächlich 
war. 

(Dirk Niebel [FDP]: So wie der Gysi!) 

Also hat er getrickst: Er trug ständig - bis hin zu den 
Hausschuhen - Plateausohlen. Onkel Theo sah die Welt 
sehr einseitig, und er war beseelt davon, diese Sicht allen 
zu verkünden. Im Brustton der Überzeugung konnte er, 
berauscht von sich selbst, vor allem Halbwahrheiten ver- 
treten - immer ein bisschen etwas Richtiges, aber immer 
auch ein bisschen etwas Falsches. 

Als ihm in der Praxis eines Hals-Nasen-Ohren-Arztes 
eröffnet wurde, dass seine Mandeln entfernt werden soll- 
ten, bekam Onkel Theo einen Riesenschreck und fragte: 
Mein Gott, machen Sie das jetzt nicht mehr in einem 
Krankenhaus? - Fortan sammelte er Unterschriften für 
den Erhalt der Krankenhäuser, und er verunsicherte da- 
mit die Menschen in der Stadt. Sie wussten ja nicht, wie 
schräg seine Überlegungen waren. Denn richtig war: 
Seine Mandeln mussten raus. Richtig war: Die Opera- 
tion sollte ambulant erfolgen. Falsch war, dass irgendein 
Krankenhaus bedroht war. 

So ist es mit dem Antrag der Linken. 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Waltraud Lehn 

(A) (Dirk Niebel [FDP]: Und mit der Regierung 

auch!) 

Sie tricksen und sind selbstverliebt in ihre meist einsei- 
tige Sicht der Dinge. Allerdings so harmlos wie Onkel 
Theo sind sie nicht; denn sie wollen verunsichern, sie 
wollen aufwiegeln, koste es, was es wolle, also um jeden 
Preis. 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU und der FDP - Dr. Dagmar 
Enkelmann [DIE LINKE]: Wir haben die Au- 
gen auf!) 

Richtig ist, dass wir uns in einer schweren Krise be- 
finden. Richtig ist auch, dass wir einen wirksamen 
Schutzschirm für Menschen spannen müssen; was wir 
im Übrigen - ich komme gleich darauf zu sprechen - 
auch tun. Die Vorschläge im Antrag der Linken sind je- 
doch falsch. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der 
CDU/CSU) 

Wir haben schon lange vor den Folgen eines ungezü- 
gelten Turbokapitalismus gewarnt. Ich erinnere nur an 
Franz Müntefering und die Heuschreckendebatte. 

(Dr. Barbara Höll [DIE LINKE]: Ihr habt das 
doch gemacht! - Zuruf der Abg. Dr. Dagmar 
Enkelmann [DIE LINKE]) 

Immer mehr Menschen verzweifeln an einem Finanz- 
markt, der nur noch auf schnellste und höchste Rendite 
setzt und in dem niemand mehr Verantwortung über- 

(B) nimmt. Die Aussage der Linken, dass wir für diesen Fi- 
nanzmarkt und die Banker 480 Milliarden Euro zahlen, 
ist grottenfalsch! 

Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Frau Kollegin, gestatten Sie eine Zwischenfrage der 
Kollegin Dr. Lötzsch? 

Waltraud Lehn (SPD): 

Immer. 

Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Bitte sehr. 

Dr. Gesine Lötzsch (DIE LINKE): 

Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Frau Kollegin Lehn, 
Sie sprachen Franz Müntefering und die Heuschrecken 
an. Erinnern Sie sich daran, wann in Deutschland die 
Hedgefonds, die Franz Müntefering liebevoll als Heu- 
schrecken bezeichnet hat, zugelassen wurden? Falls 
nicht, darf ich Sie daran erinnern, dass das im Jahr 2004 
war. Damals war Franz Müntefering Vorsitzender der 
SPD-Fraktion, und es regierte Rot-Grün in diesem Land. 

(Beifall bei der LINKEN - Zuruf von der Lin- 
ken: Genau so war es!) 

Waltraud Lehn (SPD): 

Auf Ihre Frage würde ich gerne zweifach antworten. 
Erstens. Heuschrecken als liebevoll zu bezeichnen, kann 


man - mit Verlaub - so nicht stehen lassen. Sie fressen (C) 
nämlich eine Menge kahl. Ich glaube, dass Franz 
Müntefering nicht die grüne Farbe gemeint hat, sondern 
die Tatsache, dass Heuschrecken alles abgrasen. 

Zweitens. Ja, ich glaube, dass wir in der Vergangen- 
heit auch Fehler gemacht haben. Das ist so. 

(Dr. Barbara Höll [DIE LINKE]: Dann korri- 
giert sie!) 

Derjenige, der nicht nur motzt und herumschreit, aufwie- 
gelt und zerstören will, der wird in seinem Leben auch 
Fehler machen. Es ist wichtig, daraufhinzuweisen, dass 
wir dabei sind, unsere Fehler an den entsprechenden 
Stellen zu korrigieren. 

(Widerspruch bei der LINKEN) 

Die Entfesselung, wie sie stattgefunden hat, haben ich 
und auch viele andere nicht erwartet; das gebe ich gerne 
zu. Wir sind nicht davon ausgegangen, dass Probleme in 
der Dimension entstehen würden, wie sie tatsächlich ent- 
standen sind. Wir sind eindeutig aufgefordert, zu han- 
deln. Ich finde, dass alle Minister, die wir stellen, ihre 
Arbeit sehr gut machen. 

Die Behauptung der Linken - ich sage das noch ein- 
mal -, dass wir für den Finanzmarkt und die Banker 
480 Milliarden Euro zahlen, ist falsch. Diese 480 Mil- 
liarden Euro, von denen die Linke spricht, stellen vor al- 
lem Garantieleistungen dar. Der Haushalt wird durch 
sie nicht automatisch belastet. Es wird mit dem guten 
Namen der Bundesrepublik Deutschland gebürgt. Bei all 
dem gilt: Die Märkte haben den Menschen zu dienen 
und nicht umgekehrt. ^ 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD - 
Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Wissen das die 
Menschen auch, Frau Kollegin?) 

Wir helfen nicht den Bankern, sondern wir sorgen dafür, 
dass Geld zum Beispiel an Unternehmen fließt, damit In- 
vestitionen getätigt werden können. Das ist notwendig, 
damit Arbeitsplätze geschaffen bzw. erhalten werden 
können. 

Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Frau Kollegin, ich muss Sie noch einmal unterbre- 
chen. Herr Kollege Emst hat eine Zwischenfrage. 

Waltraud Lehn (SPD): 

Er darf die Zwischenffage gleich stellen. Ich möchte 
meinen Gedankengang noch in zwei Sätzen abschließen. 

Unsere Hilfen sichern - auch das wird nicht erkannt - 
die Rücklagen von zum Beispiel Krankenkassen oder 
Vereinen, die den Banken gutgläubig ihr Geld zur Ver- 
wendung anvertraut haben. Deshalb noch einmal: Das, 
was wir tun, tun wir für die Menschen in Deutschland. 

(Beifall bei der SPD) 

Jetzt kann der Kollege seine Zwischenffage stellen. 

Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Herr Kollege Emst, bitte sehr. 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


(A) Klaus Ernst (DIE LINKE): 

Werte Kollegin, ich habe gerade gelernt, dass die 
480 Milliarden Euro, die wir beschlossen und denen Sie 
auch zugestimmt haben, den Haushalt nicht belasten, 
weil sie lediglich eine Garantie darstellen. Auch in unse- 
rem Antrag steht, dass wir keine Ausgaben beschließen 
sollten. Vielmehr sollen Defizite in der Sozialversiche- 
rung durch Bürgschaften in Form von Staatsgarantien 
ausgeglichen werden. Wir wollen also dasselbe, nämlich 
eine Garantie, wie Sie sie für Banken beschlossen haben. 

(Gerald Weiß [Groß-Gerau] [CDU/CSU]: Un- 
informiert!) 

Kann ich davon ausgehen, dass Sie zumindest dem zwei- 
ten Teil unseres Antrags ebenso freudig zustimmen, wie 
Sie für die Unterstützung der Banken gestimmt haben? 

(Beifall bei der LINKEN - Zuruf von der 
CDU/CSU: Massenproduktion mit hoher Aus- 
schussquote!) 

Waltraud Lehn (SPD): 

Hätten Sie noch ein bisschen abgewartet, hätten Sie 
gemerkt, dass ich darauf noch eingehen wollte. Durch 
die Beantwortung Ihrer Frage kann ich diesen Punkt 
schon jetzt erläutern. 

Die Banken brauchen einen Schutzschirm, damit 
Geld zur Verfügung gestellt wird. Ich sage sehr deutlich: 
Wenn die Banken den Unternehmen kein Geld mehr lei- 
hen, sie deswegen pleitegehen und Arbeitsplätze verlo- 
ren gehen, dann ist das eine sehr emstzunehmende Be- 

(B) drohung für unseren Arbeitsmarkt, der zurzeit ohnehin 
in einer schwierigen Lage ist. Wenn Sie das nicht erken- 
nen, dann sind Sie - mit Verlaub gesagt - in einer Art 
und Weise fehlgesteuert, die kaum zu beschreiben ist. 

(Klaus Emst [DIE LINKE]: Das beantwortet 
doch meine Frage nicht!) 

- Ich komme noch darauf 

Selbstverständlich ist eine gesicherte Rente wichtig. 
Selbstverständlich ist es wichtig, die Erwerbslosen in der 
ohnehin schweren Zeit der Arbeitslosigkeit zu unterstüt- 
zen. Selbstverständlich muss es eine funktionierende 
Pflege- und Krankenversichemng geben. Aber wir ha- 
ben sie doch! Wir müssen sie nicht erst schaffen. 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

Was soll dieses Gerede? Mit Ihrer Demagogie hetzen Sie 
die Menschen auf Es ist Ihre Absicht, damit die Men- 
schen zu vemnsichem. Sie tun das wider besseres Wis- 
sen. Darauf komme ich später in meiner Rede noch zu- 
rück. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der 
CDU/CSU - Klaus Emst [DIE LEslKE]: Meine 
Frage haben Sie noch nicht einmal ansatzweise 
beantwortet! - Dr. Dagmar Enkelmann [DIE 
LINKE]: Wie blind sind Sie eigentlich?) 

Wir haben noch viel vor. Es ist richtig, dass wir noch 
längst nicht alles erreicht haben. Wir wollen flexible 


Übergänge vom Erwerbsleben in die Rente ermöglichen. (C) 
Wir wollen die Arbeitslosenversichemng zu einer Ar- 
beitsversichemng weiterentwickeln. Wir wollen die 
Weiterbildung verstärkt fordern, was der Sichemng der 
Arbeitsplätze dient. Wir setzen uns für einen allgemein 
verbindlichen gesetzlichen Mindestlohn ein. 

(Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Ist 
doch abgelehnt!) 

Auf unseren Sozialstaat ist Verlass, und zwar auch in 
Krisenzeiten. Ich sage es noch einmal: Das gilt ganz be- 
sonders für die Rente. Die Renten steigen zum 1. Juli 
2009 - das wissen Sie doch - in Westdeutschland um 
2,41 Prozent und im Osten sogar um 3,38 Prozent. Das 
ist ein höherer Zuwachs, als die Arbeitnehmer und Ar- 
beitnehmerinnen in diesem Jahr haben werden. Ich sage 
es sehr klar: Die Renten steigen. Wem wollen Sie eigent- 
lich hier etwas in die Tasche lügen? 

(Dr. Barbara Höll [DIE LINKE]: Lügen? Un- 
verschämtheit!) 

Aus den USA - vielleicht meinen Sie, wir hätten Ver- 
hältnisse wie dort - erreichen uns ganz andere Nachrich- 
ten. Dort sind Milliarden aus den Pensionsfonds verloren 
gegangen. Dort ist es keine Seltenheit mehr, dass 80-Jäh- 
rige in Coffeeshops arbeiten müssen. Wir hingegen kön- 
nen unseren Rentnerinnen und Rentnern sagen: Die Ren- 
ten werden nicht nur nicht gekürzt, sondern sogar erhöht. 

Vertrauen in unser System schafft auch fair entlohnte 
Arbeit. Es darf natürlich nicht sein, dass manchem Bür- 
ger die Millionen ins Portemonnaie spmdeln, während 
anderswo für 3,50 oder 4 Euro die Stunde gearbeitet (D) 
werden muss. Deswegen sind Mindestlöhne ein zentra- 
les Anliegen der SPD. 

(Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Ist 
doch abgelehnt worden!) 

Da sind wir ein gutes Stück weitergekommen. Aber na- 
türlich sind wir noch nicht am Ende. Deswegen ist es 
notwendig, dass wir wieder mitregieren. Denn nur dann 
können Mindestlöhne eingeführt werden. 

(Klaus Emst [DIE LINKE]: Mit der FDP!) 

Der Schutz der Menschen in der Arbeitslosenversi- 
cherung ist verlässlich. Sie, Herr Emst, und auch Sie, 

Herr Kolb, haben über die Rücklage der Bundesagentur 
gesprochen. Diese Rücklage von 17 Milliarden Euro 

(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Schmilzt wie 
Schnee in der Sonne!) 

wurde für den Fall einer Krise angespart. Jetzt ist die 
Krise da, jetzt wird dieses Geld ausgegeben. Das muss 
niemand bedauern. Das ist genau der Sinn und Zweck 
dieser Rücklage gewesen. 

(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Wir sprechen 
uns am Ende des Jahres 2010 wieder, Frau 
Kollegin!) 

Horrorszenarien, so wie die Linke sie prophezeit, helfen 
nicht. Ich wiederhole: Sie haben nur einen Zweck, näm- 
lich die demagogische Vemnsichemng eines funktionie- 
renden Sozialstaates. 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25057 


Waltraud Lehn 

Schauen wir uns die Zahlen einmal sehr genau an. 
Dieses Jahr geben wir 155 Milliarden Euro für die so- 
ziale Sicherung aus. Diese Mittel wurden aktuell im ers- 
ten und zweiten Nachtragshaushalt aufgestockt. Viel- 
leicht hilft Ihnen von der Linken diese Information: Von 
100 Euro Steuern, die wir einnehmen in diesem Land, 
geben wir 70 Euro für soziale Leistungen aus, 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

mehr als 35 Euro für die Rentnerinnen und Rentner, 
30 Euro für Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe. 

Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Frau Kollegin, auch Frau Dr. Höll würde gern eine 
Zwischenfrage stellen. Gestatten Sie diese? 

(Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Jetzt reicht es doch langsam!) 

Waltraud Lehn (SPD): 

Ich glaube, jetzt ist es genug. Ich will Ihnen kein Fo- 
rum für Ihre demagogischen Reden bieten. Ich finde, 
was Sie sagen wollten, konnten Sie sagen. Jetzt muss 
auch mal gut sein. 

(Zuruf von der LINKEN : Weil Sie keine Ant- 
wort haben! - Peter Rauen [CDU/CSU]: Es 
reicht jetzt!) 

Ich sage Ihnen noch einmal: Mehr als 35 Euro davon 
fließen in die Rentenversicherung, 30 Euro in die Ar- 
beitslosenversicherung bzw. Arbeitslosenhilfe. Ist das 
kein Schutzschirm? In welchem Land der Welt wollen 
Sie so einen Schutzschirm noch einmal finden? 

(Beifall bei der SPD) 

Den Schutzschirm, den Sie für die Menschen fordern, 
gibt es längst. Er ist uns über 70 Prozent der Steuerein- 
nahmen wert. 

Eigentlich weiß ich ja, was Frau Höll fragen wollte. 

(Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Hell- 
seherische Fähigkeiten!) 

Die Linken sagen immer: Nehmt es doch von den Mil- 
lionären! Dazu will ich klar sagen: Ihre Forderungen be- 
laufen sich auf insgesamt 255 Milliarden Euro. Das kann 
jeder bei mir erfragen; das kann man öffentlich machen. 

(Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Da 
bin ich mal gespannt!) 

Wissen Sie, was das bedeutet? Von 100 Euro Steuern, 
die eingenommen werden, wollen die Linken 113 Euro 
ausgeben. Na bravo! 

(Beifall bei der SPD) 

Augenwischerei wie das Gerede von Steuererhöhungen 
für Besserverdienende können Sie dabei getrost weglas- 
sen. So viele Millionäre gibt es in ganz Deutschland 
nicht, die diese Luftschlösser bezahlen könnten. 

(Klaus Emst [DIE LINKE]: Das habt ihr doch 
selber im Programm! Das eigene Programm 
lesen!) 


Manchmal frage ich mich tatsächlich, was die Raupe (C) 
Nimmersatt gegen meine Kollegen ist. Die Linke will 
das Vertrauen der Bürger in unsere Sozialsysteme ähn- 
lich schnell vernichten wie die Raupe die Blätter. 

(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Aber die Raupe 
wurde am Ende ein Schmetterling! Das ist 
kein gutes Beispiel!) 

Die Zeit ist denkbar ungünstig, um solche Vemnsiche- 
mng zu schüren. Umso trauriger ist es, dass sich die An- 
träge der Linken nicht ähnlich schnell auf und davon 
machen wie der Schmetterling, in den die Raupe Nim- 
mersatt sich schließlich verwandelt. 

Herzlichen Dank. 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Zu einer Kurzintervention hat nun die Kollegin 
Dr. Höll das Wort. 

Dr. Barbara Höll (DIE LINKE): 

Danke, Frau Präsidentin. - Liebe Kollegin Lehn, an- 
scheinend haben Sie unseren Antrag, der so knapp und 
verständlich gefasst ist, nicht verstanden. Erstens ist fest- 
zuhalten, dass die Bundesagentur für Arbeit ihre Leis- 
tungen aus den Versichemngsbeiträgen der Arbeitneh- 
merinnen und Arbeitnehmer sowie der Arbeitgeberseite 
erbringt. Das sind also keine Steuergelder. 

(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN) 

Zweitens möchte ich wissen - diese Frage haben Sie 
nicht beantwortet -, warum wir für die Banken 480 Mil- 
liarden Euro zur Verfügung sfellen können, für Garantie- 
Übernahmen, aber auch für direkte Zahlungen. Wir alle 
wissen, dass das Geld - das zeigt sich schon jetzt bei 
konkreten Maßnahmen - der Bundesagentur nicht aus- 
reicht. Das Einzige, was Sie in Bezug darauf im Kon- 
junkturpaket Vorschlägen, ist, dass die Bundesagentur ei- 
nen Kredit aufnehmen darf, der gestundet wird und 
abgezahlt werden muss. Also werden durch Kürzungen 
der Leistungen wieder die Arbeitnehmerinnen und Ar- 
beitnehmer betroffen sein. Damit genau das nicht ein- 
tritt, fordern wir hier einen Schutzschirm. Dazu verlan- 
gen wir eine Stellungnahme. 

Ihr wiederholt vorgetragenes Argument, dass wir un- 
sere Vorschläge nicht finanzieren könnten, ist einfach 
Blödsinn. Sie sollten nicht wider besseres Wissen reden. 

Sie haben in Ihrem Bundestagswahlprogramm meines 
Erachtens eine Börsenumsatzsteuer verabschiedet. Diese 
haben wir 2007 hier eingebracht. Ich möchte sehen, wie 
Sie sie verwirklichen wollen, wenn nicht mit uns. Ei- 
gentlich müssten Sie da ehrlich sein. Oder wollen Sie 
das mit der Union oder mit der FDP machen? Das möch- 
ten wir mal sehen. 

(Beifall bei der LINKEN - Markus Kurth 
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die Linke 
will doch gar nicht regieren!) 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Dr. Barbara Höll 

Sie haben eine Erbschaftsteuer verabschiedet, bei der 
es nur darum ging, nicht mehr Geld einzunehmen und 
die wirklich Vermögenden im Endeffekt zu entlasten, 
statt sie in der jetzigen Krise heranzuziehen, zum Bei- 
spiel in Form einer Millionärssteuer. Sie müssen einmal 
sagen, warum Sie ablehnen, dass die Leute, die sich vor- 
her dumm und dämlich verdient haben, jetzt einen Bei- 
trag leisten. 

Wir bleiben dabei: Vermögensteuer, Börsenumsatz- 
steuer, Erbschaftsteuerreform müssen sein. Da hätten 
wir schon Vorschläge. Wenn man eine Reform der Ein- 
kommensteuer angeht, dann sozial gerecht. Das heißt, es 
muss eine Entlastung unten und eine Belastung oben ge- 
ben. Wir verlangen einen Schutzschirm. Die Menschen 
sollen die Sicherheit haben, dass ihre sozialen Leistun- 
gen nicht weiter gekürzt werden, obwohl sie Versiche- 
rungsbeiträge eingezahlt haben. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Frau Kollegin Lehn, bitte. 

Waltraud Lehn (SPD): 

Liebe Kolleginnen und Kollegen von den Linken, Sie 
haben eben gesagt, dass ich Sie für blöd halte. Sie sind 
nicht blöd. Dann wäre es einfach. Bedauerlicherweise 
sind Sie aber hetzerisch und demagogisch, und das ist 
unendlich schlimmer. Deswegen muss man sich leider 
mit Ihnen auseinandersetzen, was wir, wenn Sie nur blöd 
wären, nicht tun müssten. - Das ist das Erste, was ich sa- 
gen will. 

Das Zweite, was ich sagen will, ist - ich wiederhole 
mich jetzt -: Wenn wir von 100 Euro Steuereinnahmen 
70 Euro für den Sozialstaat und das soziale System zur 
Verfügung stellen, 

(Dr. Ilja Seifert [DIE LINKE]: Das haben wir 
schon mal gehört!) 

dann bedeutet das, dass wir sehr viel für die Menschen in 
diesem Land tun, und zwar verantwortungsbewusst und 
nach dem Prinzip, dass dem Schwächsten dabei zuerst 
geholfen werden muss. Die Arbeitslosenversicherung ist 
hier nicht eingerechnet. Ich weiß nicht, was Sie da mit- 
einander vermengen. Wenn von 225 Milliarden Euro 
Steuereinnahmen 155 Milliarden Euro für soziale Zwe- 
cke ausgegeben werden, dann ist das, was aus der Ren- 
tenkasse und der Arbeitslosenversicherung finanziert 
wird, darin nicht eingerechnet, 

(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Sehr wahr!) 

sondern dies ist Euro für Euro Geld, das aus dem Bun- 
deshaushalt kommt. 

Es ist bezeichnend, dass jemand wie Sie, Frau Höll, 
der im Finanzausschuss sitzt, das nicht weiß. 

(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Vielleicht 
sind die doch blöd! - Dirk Niebel [FDP]: Sit- 
zen allein reicht nicht! Man muss auch zuhö- 
ren!) 


Vielleicht sollte Ihnen zu denken geben, was ich Ihnen (C) 
zu Ihrem permanenten Röhrenblick gesagt habe, den Sie 
sich ständig selbst einreden und den Sie aufrechterhal- 
ten. Lernen Sie doch einfach einmal die Breite kennen 
und versteifen Sie sich nicht auf einzelne Dinge, mit de- 
nen Sie - mit Verlaub - nichts anderes Vorhaben, als sie 
demagogisch einzusetzen. 

(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) 

Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Nun hat das Wort die Kollegin Birgitt Bender für die 
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. 


Birgitt Bender (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): 

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Dieser 
Schwestemstreit zwischen Linkspartei und SPD hat ja 
etwas Rührendes; aber darauf möchte ich jetzt nicht wei- 
ter eingehen. 

(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Ich dachte. Sie 
seien in diesem Bund die Dritte!) 


Herr Kollege Emst, Sie haben gesagt. Sie wollten 
nichts von purem Populismus hören. Ich will Ihnen ei- 
nen Gefallen tun und Ihnen erklären, was der pure Popu- 
lismus Ihres Antrages real bedeutet. Wenn man sich 
diesen durchliest, dann fragt man sich, welches Gesell- 
schaftsbild die Linkspartei eigentlich hat. 

(Hans- Joachim Fuchtel [CDU/CSU]: Reiner 
Sozialismus!) 


Das ist recht einfach zu verstehen: Da gibt es ein paar 
Superreiche - das ist eine kleine Clique von Profiteuren 
dieser Krise -, und da gibt es eine große Masse von So- 
zialleistungsempfängem, die jetzt vor diesen Profiteuren 
beschützt und beschirmt werden müssen. 


(D) 


Sie scheinen aber etwas vergessen zu haben, Herr 
Emst - ich glaube nicht, dass Sie es nicht wissen; einem 
Gewerkschaftsfunktionär darf man dieses Wissen Zu- 
trauen -: Unsere Sozialversichemngssysteme sind bei- 
tragsfinanziert. Die Rentenbeiträge - Sie wollen ja die 
Rentner schützen - werden von denjenigen aufgebracht, 
die jetzt arbeiten. Diese Beiträge müssen gezahlt wer- 
den. Auch die Aldi- Verkäuferin an der Kasse zahlt Ren- 
tenbeiträge. 

(Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Und 
was kriegt sie am Ende dafür? 

Auch der Kurzarbeiter zahlt Rentenbeiträge. Wenn Sie 
wollen, dass es niemals Rentenkürzungen gibt, dann 
müssen Sie sagen, mit wie viel mehr diejenigen belastet 
werden sollen, die die Beiträge aufbringen. Dieser Mehr- 
belastung müssen Sie sich stellen. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, 
bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Ab- 
geordneten der FDP - Dr. Dagmar Enkelmann 
[DIE LINKE]: Unsere Vorschläge liegen alle 
auf dem Tisch!) 

Schauen Sie sich die anderen Systeme an: Für die Ge- 
sundheitsversorgung, für die Arbeifslosenversichemng 
zahlt man Beiträge, wobei man hofft, dass man niemals 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25059 


Birgitt Bender 

(A) krank oder arbeitslos wird. Dieses Risiko wird von allen 
Erwerbstätigen abgedeckt. Das heißt, es sind die poten- 
ziell Betroffenen, die zahlen; es sind letztendlich diesel- 
ben Menschen, die zahlen und die Leistungen bekom- 
men. Deswegen kann man nicht so tun, als würde man 
die Menschen auf der einen Seite schützen und auf der 
anderen nicht belasten können. Das funktioniert nicht. 

(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Sehr richtig!) 

Ich glaube, wenn man das doch tut, dann ist man nicht 
ehrlich. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
und bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordne- 
ten der FDP - Steffen Kampeter [CDU/CSU]: 

Dass ich bei Ihnen mal klatschen kann!) 

Sie schwätzen von einer Staatsgarantie. Die drohen- 
den Beitragserhöhungen sollen offenbar - ich weiß 
nicht, ob ganz oder teilweise - aus dem Steuersäckel ge- 
genfinanziert werden. Sie tun so, als würde eine solche 
Staatsgarantie von ein paar Reichen finanziert. Sie tun 
so, als würden Sie die Rechnung an die Familien Por- 
sche, Schaeffier und wie sie alle heißen schicken, die das 
dann schon zahlen würden. 

(Hans-Joachim Fuchtel [CDU/CSU]: Die ha- 
ben ja auch nichts mehr!) 

Aber wer zahlt denn Steuern? Man muss sich schon 
auch darüber unterhalten, dass es hier im Hause welche 
gibt, die meinen, man könne die Steuern senken. Herr 
Kolb, ich schaue in Richtung FDP. Das ist angesichts der 

(B) größten Staatsverschuldung aller Zeiten aber fernab je- 
der politischen Realität. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - 
Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Kann man! Wenn 
man den Aufschwung befördern möchte, sollte 
man das tun! - Carl-Ludwig Thiele [FDP]: 

Aber Sie wollen die Steuern ja erhöhen! - 
Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Das ist zumin- 
dest kein völlig falsches Konzept!) 

- Herr Kampeter, die Tatsache, dass die Kanzlerin dieses 
Konzept jetzt entdeckt hat, macht es auch nicht besser. 

Wir Grünen wollen in bestimmten Bereichen die 
Steuern erhöhen, weil wir nachhaltige Investitionen wol- 
len, zum Beispiel in Bildung, um dieses Land zukunfts- 
fähig zu machen. Dazu stehen wir. 

(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Das machen 
wir ohne Steuererhöhungen!) 

Aber so zu tun, als würden Steuern nicht von Leuten ge- 
zahlt, die Beiträge zahlen, das ist doch völlig irrwitzig. 

(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Stimmt!) 

Ein großer Teil derjenigen, die die Beiträge zu den So- 
zialversicherungen aufbringen, zahlt auch Steuern. Na- 
türlich möchte jeder möglichst wenig Beiträge und mög- 
lichst wenig Steuern zahlen. Aber die Rechnung dafür 
kommt immer an. Wenn man so tut, als gäbe es diese 
Rechnung nicht, und wenn man sich diesem Interessen- 
konfiikt nicht stellt, Herr Emst, dann ist man entweder 


dumm oder man betreibt Volksverdummung. Das Letz- (C) 
tere ist der Vorwurf, den ich hier erhebe. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, 
bei der SPD, der CDU/CSU und der FDP - 
Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Spekulanten 
der Krise sind das!) 

Es ist ja nicht so, dass die Garantien und die Nichtkür- 
zungen, die Sie hier fordern, schon alles sind, was man 
bei Ihnen finden kann. Sie haben uns in der letzten Sit- 
zungswoche mit 17 Anträgen zum Thema Rente be- 
schäftigt. In 17 Fällen sollten die Renten von Menschen 
im Osten dieser Republik erhöht werden. Gegenfinan- 
ziemng? Keine. Sie sind dafür, dass bei der Rente alle 
Dämpfungsfaktoren wieder herausgenommen werden. 
Gegenfinanziemng? Keine. Nachdem alles erhöht 
wurde, soll natürlich niemals gekürzt werden. Wie hoch 
soll der Rentenversichemngsbeitrag denn werden? 

22 Prozent? 25 Prozent? 

(Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: 28 Prozent sagen sie!) 

28 Prozent, so hoch würde er wohl sein. Sagt das die 
Linkspartei den Leuten? Ich glaube kaum. 

Bereits jetzt wird ein Drittel der Rentenausgaben über 
Steuern finanziert. 

Aus unserer Sicht gibt es durchaus einen Gmnd für 
zusätzliche Steuermittel, aber wir verbinden damit eine 
Reformvorstellung: Es droht nämlich Altersarmut bei 
denen, die jetzt lange arbeitslos oder Geringverdiener 
sind. Um diese Altersarmut zu verhindern, wollen wir, 
unterstützt durch Steuermittel, eine Garantierente für (D) 
diejenigen, die langjährig wenig verdient haben. Das 
wäre Zielgenauigkeit von Sozialleistungen und Bekämp- 
fung von Armut. Dazu würde ich gerne etwas von Ihnen 
hören. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Frau Kollegin, gestatten Sie eine Zwischenfrage des 
Kollegen Emst? 

Birgitt Bender (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): 

Nein, die haben jetzt genug gefragt. 

(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Sehr wahr!) 

Jetzt erzähle ich einmal etwas. 

Es gibt weiteren Reformbedarf, zum Beispiel im Be- 
reich der Gesundheitsversorgung. Auch Sie tragen das 
Wort „Bürgerversichemng“ vor sich her. Dabei geht es 
dämm - so stellen zumindest Grüne sich das vor -, dass 
alle Bürgerinnen und Bürger einbezogen werden und alle 
Einkommensarten zur Finanzierang beitragen. Aber die 
Belastungen dafür - da muss man einmal ehrlich sein - 
kommen nicht nur bei Herrn Ackermann an; das zahlen 
vielmehr alle Menschen, die Kapitaleinkünfte oder Miet- 
einkünfte haben, alle, die Einkünfte oberhalb der jetzi- 
gen Beitragsbemessungsgrenze erzielen. Sie werden sich 
wundem, wer alles dazugehört. Rentner mit Kapitalein- 
künften zum Beispiel gehören durchaus auch dazu. Sie 
aber tun so, als sei die Bürgerversichemng eine allge- 



25060 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Birgitt Bender 

meine Geldsammelstelle. Sie haben uns neulich einen 
Antrag vorgelegt, in dem Sie via Bürgerversicherung un- 
ter anderem den Ärzten und Apothekern höhere Einkom- 
men versprechen. So funktioniert das nicht. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
sowie bei Abgeordneten der SPD) 

Die Bürgerversicherung ist ein Beitrag zu mehr Ge- 
rechtigkeit bei der Finanzierung und ein Beitrag zu mehr 
Nachhaltigkeit, aber sie ist nicht das Füllhorn, mit dem 
man alle Interessenkonflikte, die es bei der Versorgung 
gibt, einfach so wegbügeln kann. So, wie Sie sich das 
vorstellen, sichert man nicht die Nachhaltigkeit der so- 
zialen Sicherungssysteme. So verhindert man nicht Ar- 
mut. Politik braucht Konzepte, nicht nur Versprechun- 
gen. Was Sie uns mit Ihren Anträgen hier liefern, ist das 
Wölkenkuckucksheim einer Partei, die beschlossen hat, 
nicht zu regieren. Selbst Monika Knoche, Mitglied Ihrer 
Fraktion, hat kürzlich darauf hingewiesen, dass der 
Linkspartei die Vision einer ökologisch-sozialen Erneue- 
rung fehlt. Das ist sehr präzise ausgedrückt. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
sowie bei Abgeordneten der SPD) 

Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Zu einer Kurzintervention hat der Kollege Emst das 
Wort. 

Klaus Ernst (DIE LINKE): 

Liebe Kollegin Bender, zwei Bemerkungen. 

Erstens. Sie sprachen von einem Beitragssatz zur 
Rentenversicherung in Höhe von 28 Prozent. 

(Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Ja! Das sagen Sie doch selber auch im- 
mer!) 

Ich weiß nicht, ob Ihnen entgangen ist, dass diese 
28 Beitragssatzpunkte schon heute zu zahlen sind. Zählt 
man die private Versicherung, die jeder Einzelne ab- 
schließen muss, um seinen Lebensstandard einigerma- 
ßen zu sichern, hinzu, liegt der Beitragssatz eines Arbeit- 
nehmers gegenwärtig nicht bei unter 10 Prozent, sondern 
bei ungefähr 16 Prozent. Berücksichtigt man dann noch 
den Arbeitgeberbeitrag, ist man sehr schnell bei einem 
Beitragssatz von 28 Prozent. Im Jahre 2030 werden wir 
einen Beitragssatz in dieser Größenordnung erreichen. 
Insofern bitte ich Sie, sich, bevor Sie Zahlen anführen, 
mit der Frage zu befassen, wie hoch die Belastung der 
Arbeitnehmer bereits heute ist. Dann würden Sie näm- 
lich zu anderen Ergebnissen kommen. 

Zweitens. Sie haben gesagt, unser Weltbild sei sehr 
einfach. Ich nehme zur Kenntnis, dass durch die Politik 
Ihrer Regierang, die auch Sie zu verantworten haben, die 
Spaltung unserer Gesellschaft größer geworden ist, die 
Armut in diesem Lande zugenommen hat und die Sozial- 
systeme heutzutage nicht mehr die Rolle spielen können, 
die sie in der Vergangenheit gespielt haben. Sie haben 
sie nämlich geschliffen, insbesondere im Rahmen der 
auch von Ihnen zu verantwortenden Hartz-Gesetze. 

Ich sage Ihnen: Mein Weltbild ist - da haben Sie recht - 
in der Tat sehr einfach: 


(Waltraud Lehn [SPD]: Ja! Das stimmt aller- 
dings!) 

In einem Land, das eines der reichsten Länder der Welt 
ist, muss es allen Menschen gut gehen. In einem solchen 
Land darf es nicht nur denjenigen gut gehen, die Ein- 
künfte aus Unternehmertätigkeit, Vermögen und Aktien- 
besitz beziehen. 

(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Was man sich 
von so einem braungebrannten Klassenkämp- 
fer alles anhören muss! Erstaunlich!) 

Die Grünen haben sich von ihren ursprünglichen Positio- 
nen verabschiedet. Es ist sehr bemerkenswert, dass ge- 
rade Sie zum Schluss Ihres Redebeitrags eine Aussage 
von Frau Knoche angeführt haben, da Frau Knoche die 
Grünen aus genau diesem Grunde verlassen hat. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Frau Kollegin Bender. 

Birgitt Bender (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): 

Das war wieder einmal ein schönes Beispiel für die 
Unseriosität Ihrer Argumentation. 

(Lachen bei Abgeordneten der LINKEN) 

Es stimmt nicht, dass für den Beitragssatz zur Renten- 
versicherung einschließlich der Riester-Rente schon 
heute 28 Prozent fällig sind. Würden Ihre Vorschläge 
umgesetzt, würde sich die Belastung der Beitragszahler 
maßgeblich erhöhen. Das sagen Sie den Bürgern aber 
nicht. Das, was Sie im Hinblick auf die Sozialversiche- 
rung Vorschlägen, ist das Gegenteil von Armutsbekämp- 
fung. 

Wir wollen, dass eine Garantierente eingeführt wird, 
um die Entstehung von Armut zu verhindern. Wir wollen 
darüber hinaus, dass eine Grundsicherung eingeführt 
wird, die diesen Namen verdient und deren Sätze weit 
über den jetzigen Hartz-IV- Sätzen liegen. Außerdem 
wollen wir, dass anders mit den Menschen, die solche 
Leistungen beziehen, umgegangen wird. 

Man muss feststellen, dass bei einigen Reformen, die 
wir, als wir an der Regierung beteiligt waren, mitgetra- 
gen haben - dazu stehen wir -, Nachbesserungsbedarf 
besteht. 

(Klaus Emst [DIE LINKE]: Aha! Dann reden 
Sie doch mal darüber!) 

Sie hingegen schlagen immer nur vor, eine Rolle rück- 
wärts zu machen. Sie sagen nicht, wie viel die Umset- 
zung Ihrer Vorschläge kosten würde und wer diese Kos- 
ten zu tragen hätte, sondern tun so, als könne die 
Rechnung immer an Dritte, die böse Kapitalisten sind, 
weitergeleitet werden. So kann man dieses Land nicht fit 
für die Zukunft machen. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
sowie bei Abgeordneten der SPD - Markus 
Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist 
wohl wahr! Die können das sowieso nicht!) 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Nächster Redner ist der Kollege Kurt Rossmanith für 
die CDU/CSU-Fraktion. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Kurt J. Rossmanith (CDU/CSU): 

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Kolleginnen 
und Kollegen! Das Thema, über das wir heute diskutie- 
ren, ist es in der Tat wert, diese Debatte zu fuhren. Der 
Antrag der Linken hingegen - das war, wie immer, zu er- 
warten - ist es natürlich nicht wert, behandelt zu werden. 
Denn wer, wie wir es heute Morgen beim Kollegen Emst 
erlebt haben, nicht mit Fakten und nicht ehrlich debat- 
tiert, sondern nur das Ziel verfolgt, demagogisch zu 
agieren - so hat es die Kollegin Lehn beschrieben -, 

(Klaus Emst [DIE LINKE]: Ja, ja! Was ist 
denn Ihr Vorschlag?) 

der wird der Bedeutung dieser Thematik nicht gerecht 

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) 

und der wird, lieber Kollege Emst, vor allem auch den 
Menschen in unserem Lande nicht gerecht. Um die Men- 
schen muss es uns aber gehen. Denn von ihnen, den Bür- 
gerinnen und Bürgern dieses Landes, wurden wir ge- 
wählt, 

(Klaus Emst [DIE LINKE]: Wir auch! Genau 
wie Sie!) 

um ehrlich und verantwortungsbewusst und nicht etwa 
volksverdummend für sie und zum Wohl unseres Landes 
tätig zu werden. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Wer dies verneint, weiß entweder nicht, wovon er 
spricht, oder er weiß sehr genau, wovon er spricht, und 
will ausschließlich als Demagoge aktiv sein. 

(Dirk Niebel [FDP]: Genauso ist es!) 

Aus der Krise, in der wir uns im Moment befinden 
und die durch die internationale Finanzkrise ausgelöst 
wurde, ist inzwischen eine Wirtschaftskrise entstanden. 
Dass diese Wirtschaftskrise aueh Auswirkungen auf un- 
sere Sozialversichemngssysteme hat, steht außer Frage. 
Ich kann hier Franz Müntefering zitieren, der zu einer 
anderen Thematik gesagt hat: Man muss nicht mehrere 
Studien abgeschlossen haben, sondern es genügt die 
Gmndschule, egal ob im Sauerland, im Allgäu oder wo 
auch sonst, um dies zu erkennen. 

(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Allgäu finde 
ich gut!) 

- Die Gmndschulen im Allgäu sind hervorragend. Des- 
halb sind die Leistungen der Allgäuer so gut. 

Wir haben, wenn man es so nennen will, einen Schirm 
gespannt. Sie sagen, wir wollten nur bei der Rente etwas 
bewegen. Der Bund haftet aber auch bei der Kranken- 
versicherung mit einem zinslosen Darlehen. Morgen 
wird der Nachtragshaushalt mit einem Umfang von ins- 
gesamt 4 Milliarden Euro in erster Lesung eingebracht, 
um das Defizit, das in diesem Jahr bereits 2,9 Milliarden 


Euro beträgt, auszugleichen. Wir haben schon längst ei- 
nen Schirm - man kann es so nennen - für die Sozialver- 
sicherungszweige gespannt; aber wir müssen im Auge 
behalten, dass die Sozialversicherungssysteme nach der 
Krise - wir alle sollten uns daran orientieren, die Krise 
so schnell wie möglich zu überwinden - ohne Liquidi- 
tätshilfen auskommen. Diese Systeme müssen sich sel- 
ber tragen; das ist unser Bestreben, wir alle sollten unser 
Handeln danach ausrichten. 

Heute Morgen haben wir mit der deutsch-brasiliani- 
schen Parlamentariergruppe sowie dem Vizeaußenminis- 
ter und dem Botschafter Brasiliens gesprochen. Eines 
der wesentlichen Themen war die internationale Krise: 
Wie ergeht es Brasilien und dem lateinamerikanischen 
Kontinent? Sie haben gesagt, sie seien natürlich davon 
betroffen, nur komme das Wort „Krise“ bei ihnen nicht 
vor; man müsse aus der aktuellen Situation das Beste 
machen und schauen, wie man dieses Tal schnellstens 
verlassen könne. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Man müsse - beide nannten diesen wesentlichen Punkt - 
den Menschen Mut machen. 

Wir haben von der Bevölkerung Verantwortung über- 
tragen bekommen. Viele von uns streben an, am 27. Sep- 
tember von den Bürgerinnen und Bürgern Verantwor- 
tung für die nächsten vier Jahre übertragen zu bekom- 
men. Wenn wir nur von der Krise reden und keine Ant- 
worten wissen, wenn wir nicht Zuversicht geben und 
sagen, dass wir alles tun, damit wir aus dem Tal heraus- 
kommen, wer soll dann Mut machen? 

(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Wer, wenn 
nicht wir?) 

Das ist in diesem Zusammenhang ein wesentlicher 
Punkt. 

Es ist wichtig, die Kosten der Sozialsysteme so gering 
wie möglich zu halten. Wir haben es in der Großen Ko- 
alition seit 2005 geschafft, die Lohnzusatzkosten unter 
40 Prozent zu senken. Wir müssen dafür Sorge tragen, 
dass es so bleibt. Deshalb sind Anträge wie jene, die Sie 
von der Fraktion der Linken stellen, in denen gesagt 
wird, irgendjemand werde es schon bezahlen, mehr als 
nur Effekthascherei; manch einer könnte sie als böswil- 
lig bezeichnen, weil sie auf die niederen Instinkte der 
Menschen abzielen. Ich muss Ihnen aber sagen: Die Bür- 
gerinnen und Bürger in unserem Lande fallen auf Ihre 
Versprechungen nicht herein. Die Menschen in unserem 
Land sind sehr intelligent und wissen ganz genau, wer 
was tut, wer ehrliche Arbeit, einen Beitrag zur Überwin- 
dung dieser schwierigen Situation leistet. Einen solehen 
Beitrag leisten Sie mit Sicherheit nicht. 

Morgen werden wir, was die Rentenversicherung an- 
belangt, Änderungen am Sozialgesetzbuch IV beschlie- 
ßen. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die 
Rentnerinnen und Rentner in diesem Lande in wenigen 
Tagen, am 1 . Juli, höhere Rentenleistungen erhalten wer- 
den: In den alten Bundesländern steigt die Rente um 
2,41 Prozent, in den neuen Bundesländern um 3,38 Pro- 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Kurt J. Rossmanith 

(A) zent. Das ist die höchste Rentensteigerung seit über 
zehn Jahren. 

(Volker Schneider [Saarbrücken] [DIE 
LINKE]: Das letzte Mal war 2002!) 

Das Einkommen, das den Rentnerinnen und Rentnern 
zur Verfügung steht, wird durch diese Erhöhung um 
5,6 Milliarden Euro steigen. 

(Volker Schneider [Saarbrücken] [DIE 
LINKE]: Was ist mit der Aussetzung des 
Riester-Faktors?) 

Wir müssen bei dieser Diskussion - das wurde heute 
nur kurz gestreift, vom Kollegen Kolb und von der Kol- 
legin Lehn - bedenken: Zu bezahlen haben das die Men- 
schen in diesem Lande, die arbeiten. 

(Klaus Emst [DIE LINKE]: Das ist doch eine 
Binsenweisheit! Ihre Vorschläge genauso!) 

Das Steueraufkommen fällt nicht wie Manna vom 
Himmel, die Steuern wollen gezahlt werden. Die Frau 
Kollegin Bender hat dargestellt, wer alles Steuern zu 
zahlen hat. Dafür tragen wir Verantwortung. 

Versprechungen in Hülle und Fülle abzugeben, ist 
leicht. Doch wer politische Verantwortung trägt, weiß: 
Es geht dämm, verantwortungsvoll mit der Schaffens- 
kraft, mit der Leistung der Bürgerinnen und Bürger um- 
zugehen, damit unser Land aus der Situation, in der wir 
uns im Moment befinden, herauskommt. Gemeinsam 
müssen wir diese Krise überwinden, wir, die Politik, und 

(B) ihr, liebe Bürgerinnen und Bürger, mit eurem Fleiß und 
eurer Leistungsbereitschaft, aber auch mit Mut und Zu- 
versicht. So sollte es auch in Zukunft sein. 

Ich bedanke mich bei Ihnen für die Aufmerksamkeit. 
Ich bedanke mich auch bei denjenigen - es sind ja nicht 
mehr allzu viele -, die mich in diesem Parlament 
29 Jahre ertragen haben; denn ich gehe davon aus, dass 
dies heute meine letzte Rede sein wird. 

(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Wie soll das 
ohne dich gehen, Kurt?) 

- Der Politik, lieber Heinz Kolb, werde ich verbunden 
bleiben. 

(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP] : Wir kommen im 
Allgäu vorbei!) 

Ich werde dem einen oder der anderen, wenn gewünscht, 
Ratschläge geben. Ein bisschen Berlin, dieses Zigeuner- 
leben zwischen Bayern und Berlin 

(Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU, 
der SPD und der FDP - Dr. Peter Ramsauer 
[CDU/CSU]: Protest!) 

werde ich weiter in Kauf nehmen. 

Herzlichen Dank, und Ihnen alles Gute und Gottes 
Segen! 

(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, der FDP 
und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 


Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Herr Kollege Rossmanith, Sie gehören diesem Haus 
nun fast 30 Jahre an und haben in diesen fast 30 Jahren 
im Parlament ganz unterschiedliche Funktionen wahrge- 
nommen, auch an führender Stelle, viele Jahre davon im 
Haushaltsausschuss, mit einer enormen Arbeitsbelas- 
tung. Ich möchte Ihnen dafür sehr herzlich danken und 
Ihnen für das weitere Arbeiten - in Berlin oder wo auch 
immer - alles Gute wünschen. 

(Beifall) 

Nun hat das Wort der Kollege Heinz-Peter Haustein 
für die FDP-Fraktion. 

(Beifall bei Abgeordneten der FDP) 

Heinz-Peter Haustein (FDP): 

Verehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Da- 
men und Herren! Der Antrag der Linken trägt den Titel 
„Staatsgarantie für die Sozialversicherungen - Schutz- 
schirm für Menschen“. Das ist pure Polemik; denn im 
ersten Moment könnte man meinen, dieser Antrag sei 
nichts Schlechtes. 

(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Aber dieser Mo- 
ment ist sehr kurz!) 

Gestern war der 17. Juni, sodass wir hier der Opfer 
des Volksaufstandes in der DDR gedacht haben. Damals 
ging es mit Panzern gegen Demonstranten, eiskalt. Ich 
habe gestern das Stasigefängnis Hohenschönhausen be- 
sucht und mir mit Herrn Kürschner angeschaut, was dort 
abgegangen ist. Da wurden Leute dafür, dass sie zwei 
Spiegel- Ari\ke\ bei sich haften, zu fünf Jahren Gefängnis 
verurteilt. 

Dabei habe ich an die Linke gedacht. Die Linke ist die 
Nachfolgepartei der SED. Sie hat nach wie vor das 
gleiche geistige Element wie damals diese Leute: Marx, 
Engels, Lenin, 

(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU - Volker Schneider [Saarbrü- 
cken] [DIE LINKE]: Kennen Sie den Unter- 
schied zwischen den Blockparteien und den 
Liberalen? - Klaus Emst [DIE LINKE]: Ich 
komme aus Bayern!) 

Klassenkampf pur, Verstaatlichung, Gleichschaltung, 
Maulkorb. Sie sitzen heute hier im Bundestag, dank un- 
serer Demokratie. 

(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

Und da reden Sie von Schutzschirmen! Von Schutzschir- 
men verstehen Sie nichts, von Schutzwällen, von Mau- 
ern und Stacheldraht - Sie haben die Mauer ja als „anti- 
faschistischen Schutzwall“ bezeichnet - dagegen schon. 

(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU - Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: 

Wer Schutzschirme fordert, baut auch Schutz- 
wälle! - Dr. Dagmar Enkelmann [DIE 
LINKE]: Ganz große Geschütze haben Sie da 
herausgeholt!) 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25063 


Heinz-Peter Haustein 

Das muss man sich einmal durch den Kopf gehen lassen. 
Deshalb ist Ihr Antrag untauglich und einfach nur 
schlimm. 

Sie behaupten in Ihrem Antrag, die Bankenrettung 
habe lediglich der Sicherung der Rendite von vermögen- 
den Menschen gedient. Das ist falsch. Es ging um den 
Schutz der Spareinlagen, der kleinen Sparer und der 
Leute insgesamt und nicht um einen Schutz für vermö- 
gende Anleger, was hier immer wieder behauptet wird. 
Sie betreiben hier Demagogie, und das lässt sich auch 
nicht mehr ändern. 

Von einem funktionierenden Bankensystem profitie- 
ren wir alle. 

(Beifall bei der FDP sowie des Abg. Kurt J. 
Rossmanith [CDU/CSU]) 

Wir als FDP 

(Klaus Emst [DIE LINKE]: Besonders!) 

haben dem zugestimmt, weil wir etwas für unser Land 
übrig haben, weil wir Patrioten sind und unser Land lie- 
ben. Es war richtig, diesem Bankenrettungspaket, das 
ein Rettungspaket für die Spareinlagen der Menschen 
war, zuzustimmen. 

(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU sowie 
des Abg. Joachim Poß [SPD]) 

Ihre Idee funktioniert nicht; das wurde ja weltweit 
durch diesen Feldversuch des Sozialismus gezeigt. Ir- 
gendwann haben die Menschen Freiheit verlangt, und 
durch die Pleite des Staates - auch rein wirtschaftlich 
zum Ende der DDR-Zeit - wurde einfach bewiesen: Das 
funktioniert nicht. 

(Beifall bei der FDP) 

Wir als FDP fordern, dass die Lohnnebenkosten im 
Rahmen bleiben. Besser wäre es, wenn man sie senken 
würde; denn wer bringt die Steuern letztlich auf? 

(Elke Ferner [SPD]: Sie wollen die Kranken- 
kassen abschaffen!) 

Das sind die Menschen, aber vor allem der Mittelstand. 
Gerade dieser Mittelstand wird bei uns hier im Lande 
stiefmütterlich behandelt. 

(Beifall bei der FDP) 

Die Lohnnebenkosten, durch die er immens belastet 
wird, sind nicht so sehr gesenkt worden, wie immer be- 
hauptet wird; denn bei diesen unter 40 Prozent wird von 
unseren Kollegen der Großen Koalition ja einiges ver- 
gessen. 

Wir setzen genau bei der Mitte, beim Mittelstand, 

(Eva Bulling- Schröter [DIE LINKE]: Beim 
Mittelmaß!) 

an und sagen: Das Sozialste überhaupt und das beste So- 
zialsystem ist die Schaffung von Arbeitsplätzen. Dafür 
stehen und kämpfen wir. 

(Beifall bei der FDP - Völker Schneider [Saar- 
brücken] [DIE LINKE]: Darin war die FDP ja 


sehr erfolgreich! - Gegenmf des Abg. Dirk 
Niebel [FDP]: Von uns reden zwei Unterneh- 
mer, die wissen, wie man Arbeitsplätze 
schafft!) 

Wenn jemand kränkelt, dann braucht er Arzneien und 
Vitamine. Das beste Vitamin für einen kränkelnden 
Menschen und für diese Wirtschaft ist ein einfaches, 
niedriges und gerechtes Steuersystem. Das Wort „ein- 
fach“ muss einmal unterstrichen werden. Solange noch 
90 Prozent aller Steuergesetze hier in Deutschland gel- 
ten, ist doch etwas falsch. 

(Beifall bei Abgeordneten der FDP) 

Schon durch eine Vereinfachung des Steuersystems 
würde mehr Geld in die Kasse gespült werden. Wenn wir 
unser Steuerkonzept durchbringen werden, dann bedeu- 
tet das ja nicht, dass es insgesamt weniger Steuereinnah- 
men gibt. Man muss die Leute nur motivieren und ihnen 
wieder Lust auf Arbeit machen, und man muss den Un- 
ternehmen wieder Lust machen, etwas zu unternehmen, 
und darf sie nicht gängeln. 

(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

Liebe Freunde, in 101 Tagen haben Sie die Möglich- 
keit, darüber abzustimmen. In diesem Sinne ein herzli- 
ches Glückauf aus dem Erzgebirge. 

(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU und des Abg. Dr. Harald Terpe 
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) 

Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Das Wort hat der Kollege Anton Schaaf für die SPD- 
Fraktion. 

(Beifall bei Abgeordnefen der SPD) 

Anton Schaaf (SPD): 

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Herr 
Emst, liebe Kolleginnen und Kollegen von den Linken, 
was ist es denn anderes als eine Staatsgarantie, wenn wir 
jährlich Steuergelder in Höhe von 80 Milliarden Euro in 
die Rentenkasse einzahlen, damit die Renten, die Ren- 
tenleistungen und all das, was damit verbunden ist, 
monatlich an die Rentnerinnen und Rentner ausgezahlt 
werden können? Was ist es denn anderes als eine Staats- 
garantie, wenn man diese 80 Milliarden Euro nicht über 
Beiträge, sondern als Sozialstaat über Steuern finanziert? 
Es ist natürlich eine Staatsgarantie, dass die Renten und 
die Leistungen, die damit verbunden sind, jeden Monat 
garantiert werden. Was ist das denn sonst? 

Was ist es denn anderes als eine Staatsgarantie, wenn 
zur Finanziemng des Gesundheitsfonds steigende Steu- 
ergelder zur Verfügung stehen, damit es für die Men- 
schen bezahlbar bleibt? Was ist es denn anderes als eine 
Staatsgarantie, wenn man so etwas tut? 

Was ist es denn anderes als ein gesetzlich verbriefter 
Leistungsanspmch, der sich aus den Arbeitslosenversi- 
cherungsbeiträgen ergibt? Der Anspmch, der darin 
steht, ist gesetzlich verbrieft. Ich brauche das im Deut- 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Anton Schaaf 

(A) sehen Bundestag sehliehtweg nieht noeh einmal zusätz- 
lieh zu besehließen. 

(Beifall bei der SPD - Dr. Heinrieh L. Kolb 
[FDP]: Die SPD ist sehon viel weiter als die 
Linken!) 

Was ist denn mit den Leistungen nach dem SGB II? 
Selbstverständlich sind sie gesetzlich geregelt und für je- 
den beanspruchbar. Sie sind nicht infrage gestellt. Ich 
habe hier im Deutschen Bundestag keinen Antrag gese- 
hen, mit dem die Leistungen nach dem SGB II oder an- 
dere inffage gestellt werden. Was soll also dieser Antrag, 
wenn der Staat seinen sozialen Verpflichtungen sowieso 
nachkommt? 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der 
CDU/CSU) 

Von daher hat der eine oder andere Vorredner hier an 
dieser Stelle wirklich absolut Recht. Sie machen hier 
ohne jeden Zweifel etwas ganz Eindeutiges. 

(Abg. Klaus Emst [DIE LINKE] meldet sich 
zu einer Zwischenfrage) 

- Nein, Herr Emst, ich lasse keine Zwischenfrage mehr 
zu. Die Kollegin Bender hat nämlich völlig recht: Sie ha- 
ben einen plakativen, nichtssagenden und überflüssigen 
Antrag zu diesem Thema gestellt und schon viel zu viel 
Redezeit über Ihre Fragen in Anspmch genommen. Von 
daher beschränke ich mich hier auf das, was ich zu sagen 
habe. 


(Beifall der Abg. Dr. Martina Krogmann 
(B) [CDU/CSU]) 

Dazu möchte ich kurz Herrn Kampeter ansprechen. 
Herr Kampeter, wenn Sie sagen, dass der Arbeitsminis- 
ter in der Frage, wie das Benchmarking bei der BA 
noch verbessert werden kann - in der Tat ist noch einiges 
zu tun, weil es um enorme Umstrukturierangsprozesse 
geht, die ihre Zeit brauchen -, seiner Aufgabe nicht 
nachgekommen ist, dann muss ich darauf hinweisen, 
dass alle Vorschläge, die der Arbeitsminister gemacht 
hat, zurzeit von der CDU/CSU blockiert werden. 

(Beifall bei der SPD - Steffen Kampeter 
[CDU/CSU]: Das stimmt doch gar nicht! - 
Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: So funktioniert 
das also in der Koalition! Jetzt wundert mich 
nichts mehr!) 

Das muss man in aller Deutlichkeit sagen. 

Ich habe heute Morgen schon wahrgenommen, wie 
versucht wurde, den Bundesaußenminister zu kritisieren. 

(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Eine Rede macht 
noch keinen Kanzler, Herr Kollege!) 

Das wird wohl bis zum Ende der Legislaturperiode, die 
nur noch eine Sitzungswoche umfasst, zum üblichen Stil 
werden. 

(Dirk Niebel [FDP]: Sagen Sie doch mal was 
zum Wirtschaftsminister!) 

Dann will ich aber etwas dazu sagen. Die sozialdemo- 
kratischen Ministerinnen und Minister in der Bundesre- 


gierung haben in der Frage, wie man diese Krise bewäl- (C) 
tigt - wofür es keine Blaupausen gibt -, ihre Arbeit 
gemacht, zum Beispiel der Arbeitsminister mit dem Vor- 
schlag zum Kurzarbeitergeld. Das war doch niemand 
anders als der sozialdemokratische Arbeitsminister. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD - 
Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Wo sind denn die 
großartigen Minister, Herr Schaaf? Fehlan- 
zeige!) 

Das Kurzarbeitergeld ist eine Erfolgsgeschichte gerade 
dieser Republik. Weltweit wird abgefragt, wie wir Deut- 
schen das mit dem Kurzarbeitergeld machen. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

Ich sage in aller Deutlichkeit: Ich bin der festen Über- 
zeugung - darin sind wir uns wahrscheinlich beide einig, 

Herr Kampeter -, dass wir ohne unsere Regelungen zum 
Kurzarbeitergeld über ganz andere Arbeitslosenzahlen 
reden müssten als jetzt. Das ist doch wohl unbestritten 
wahr. 


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Das Desinteresse 
der Regierung spricht Bände!) 

Weil es mir wichtig ist, will ich etwas zu dem Schutz- 
schirm sagen, der hier auch gefordert wird. 

(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Den Schutzschirm 
brauchen wir für die Steuerzahler!) 


Man kann plakativ sagen: Wir brauchen einen Schutz- 
schirm für die Menschen. Was aber heißt das konkret? 
Ich meine, die erste und vornehmste Aufgabe ist der Ver- 
such, zu verhindern, dass in dieser Krise massenhaft 
Menschen arbeitslos werden. Arbeit zu sichern ist der 
beste Schutzschirm, den wir den Menschen zurzeit bie- 
ten können. Das ist für mich der zentrale Punkt. 


(D) 


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

Sie sind nämlich diejenigen, die die Beiträge aufbringen 
und unsere sozialen Sicherungssysteme leistungsfähig 
erhalten. Je mehr Arbeit es gibt und je mehr Menschen 
eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ha- 
ben, desto sicherer sind unsere sozialen Sicherungssys- 
teme. Sie werden nicht durch plakative Anträge sicherer, 
mit denen Sie Sozialleistungen ohne Ende versprechen, 
sondern nur dadurch, dass es in diesem Land Arbeit gibt. 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

Dazu leisten Sie in keiner Weise einen Beitrag. Das ha- 
ben andere getan, nämlich diese Regierung und die sie 
tragende Koalition mit der Ahwrackprämie, die ökolo- 
gisch in der Tat beanstandet werden kann, aber arbeits- 
marktpolitisch mit Sicherheit nicht. 

Es waren sozialdemokratische Minister, die ein Kon- 
junkturprogramm für die Kommunen aufgelegt ha- 
ben, für das der Bund 10 Milliarden Euro investiert. 
Wem nutzt dieses Konjunkturprogramm? Es nutzt den 
kleinen und mittelständischen Unternehmen vor Ort und 
sichert dort Arbeitsplätze. Das ist der Hintergrund. Das 
ist der Schutzschirm für die Menschen in diesem Lande. 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Anton Schaaf 

(A) (Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

Deswegen brauchen wir Ihre Vorschläge dazu mit Si- 
cherheit nicht. 

Ob das alles letzten Endes ausreicht, kann in einer Art 
Kaffeesatzleserei durchaus erst einmal bezweifelt wer- 
den. Aber das eine oder andere hat schon gut gewirkt, 
zum Beispiel die Kurzarbeit oder die Abwrackprämie. 
Das kommunale Investitionsprogramm beginnt langsam 
zu wirken und wird sicherlich auch noch seine nötigen 
Erfolge zeitigen. Davon bin ich fest überzeugt. 

Sie haben wieder einmal plakativ die 480 Milliarden 
Euro für den Bankenrettungsschirm angesprochen. Dann 
sollten Sie den Menschen auch sagen, dass der Schutz- 
schirm für die Banken nicht nur irgendwelche Einlagen 
der Aktionäre sichert - das ist nämlich in der Regel gar 
nicht der Fall; da, wo wir unmittelbar helfen, gibt es 
strenge Auflagen für die Hilfen -, sondern auch der öf- 
fentlichen Hand, zum Beispiel der Kommunen oder der 
Deutschen Rentenversicherung Bund. Hätten wir das al- 
les vor die Wand fahren lassen, dann hätte das mit Si- 
cherheit einen größeren volkswirtschaftlichen Schaden 
zur Folge gehabt als den, den wir unter Umständen 
- wenn man Kaffeesatzleserei betreibt - durch die 
480 Milliarden Euro für Schutzmaßnahmen zu konsta- 
tieren haben. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

Aus meiner Sicht ist es der Sache nicht angemessen, so 
plakativ damit umzugehen. 

(B) Was die Hedgefonds angeht - auch das bringen Sie 
immer wieder vor -, ist festzustellen, dass in diesem 
Land einige wenige Hedgefonds ansässig sind: In der Tat 
haben wir sie damals geöffnet. Das ist richtig. Der Druck 
war enorm. Er ist übrigens nicht nur durch internationale 
Finanzhaie oder Ähnliches auf Deutschland entstanden, 
sondern auch von politischer Seite im Inland, 

(Klaus Emst [DIE LINKE]: Aber nicht von 
uns!) 

und zwar durch die damalige Opposition. 

(Klaus Emst [DIE LINKE]: Aber nicht von 
uns!) 

Die Regeln, die wir damit verbunden haben, sind aber so 
stringent, dass es in Deutschland nur einige wenige 
Hedgefonds gibt; in der City of London dagegen sind es 
2 000. Das ist der zentrale Unterschied. Sie siedeln sich 
bei uns weniger an. Man kann aber die internationalen 
Finanzströme weniger kontrollieren; denn die sozialde- 
mokratisch geführte Bundesregiemng wurde damals in 
Gieneagles durch Regelungen von beispielsweise den 
Amerikanern und den Briten ausgebremst. Dass man das 
nicht alleine machen kann, stellen wir jetzt fest. 

Lassen Sie mich noch zwei Sachen ansprechen, die 
mir wichtiger sind. In Bezug auf Arcandor liegt seit 
Montag ein Ergebnis vor, das der ein oder andere poli- 
tisch gewollt hat. Ich sage denen, die das Modell Insol- 
venz präferiert haben und es mit der Aussage, dass Insol- 
venz auch Chancen bedeutet, verbunden haben: Aus 


meiner Sicht haben die jetzt eine herausragende und be- (C) 
sondere Verantwortung für die Arbeitnehmerinnen und 
Arbeitnehmer bei Arcandor. Ich fordere Sie auf, diese 
wahrzunehmen. 

(Beifall bei der SPD) 

Ich weiß nicht, ob heute das Thema Bildung im Laufe 
des Tages noch eine Rolle spielen wird. Deshalb möchte 
ich einen kurzen Satz dazu sagen. 

(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Dazu findet 
gleich eine Aktuelle Stunde statt, Herr Kol- 
lege!) 

- Ich möchte es trotzdem ansprechen; denn in der Aktu- 
ellen Stunde rede ich nicht. - Gestern haben weit über 
200 000 junge Menschen für bessere Bildungschancen 
und damit verbunden für bessere Zukunftschancen de- 
monstriert. 

(Kurt J. Rossmanith [CDU/CSU]: Einen 
Holzmann-Effekt können wir uns nicht noch 
mal leisten!) 

Man sollte das ernster nehmen, als das die eine oder an- 
dere Ministerin gestern in der Kommentiemng getan hat. 

Wir nehmen die jungen Menschen ernst. 

(Beifall bei der SPD) 

Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Herr Kollege, achten Sie bitte auf die Redezeit. Sie ist 
bereits überschritten. 

(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Herr Kollege, 

Ihre Redezeit!) 

Anton Schaaf (SPD): 

Ich bin beim letzten Satz, Frau Präsidentin. - Lieber 
Kollege Emst, ich möchte noch etwas ansprechen, das 
mich in letzter Zeit bewegt hat, obwohl ich mich mit 
dem Innenleben der Linken eigentlich weniger auseinan- 
dersetze. 

(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Sie können 
doch jetzt keine neue Sache anfangen!) 

Sie haben sich in den letzten Jahren hier bei fast jeder 
Debatte als die Hüter der Arbeitnehmerschaft generiert. 

Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Herr Kollege Schaaf, achten Sie bitte auf die Rede- 
zeit. Ein Satz ist vorbei. 

Anton Schaaf (SPD): 

Was ich zu meinem Bedauern feststelle, ist, dass die 
Linke auf ihrer Landesliste alle Gewerkschafter abge- 
semmelt hat und wir demnächst nur noch in der SPD Ge- 
werkschafter haben werden. 

(Beifall bei der SPD - Dr. Heinrich L. Kolb 
[FDP]: Bei der SPD ist aber auch einiges im 
Gange bei der Listenaufstellung!) 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Nun hat das Wort der Kollege Hans-Joachim Fuchtel 
für die CDU/CSU-Fraktion. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Hans-Joachim Fuchtei (CDU/CSU): 

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wenn 
diese Diskussion nicht in der Öffentlichkeit stattfinden 
würde, würde ich nicht noch einmal auf die Linke einge- 
hen. Nachdem Sie aber versuchen, dieses Forum zu nut- 
zen, will ich Ihnen jedoch sagen: Sie kommen mir so vor 
wie manche Leute auf dem Fußballfeld. 

(DirkNiebel [FDP]: Hooligans heißen die!) 

Manche Exemplare stehen dort am Strafraum und war- 
ten, bis irgendwann der Ball kommt. Mit möglichst we- 
nig Aufwand spielen sie dann den Ball ins Tor. 

(Peter Friedrich [SPD]: Abstauber!) 

Genau so verhalten Sie sich. Sie sind politische Abstau- 
ber von der übelsten Sorte, 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

und zwar deswegen, weil Sie die Leute mit Wissen und 
Wollen verunsichern. Das tun Sie aber nicht aus Sorge 
um die Leute, sondern um Ihr politisches Süppchen zu 
kochen. Das ist das Motiv Ihres Handelns am heutigen 
Tag. 

(Beifall bei der CDU/CSU - Klaus Emst [DIE 
LINKE]: Nur diffamieren, ohne jedes Argu- 
ment! Das ist Ihr Stil!) 

Vor diesem Hintergmnd kann ich Ihnen nur sagen: 
Dieses politische Süppchen ist versalzen. Die Koalition 
braucht sich mit Sicherheit von Ihnen nicht sagen zu las- 
sen, was im sozialen Bereich zu tun ist. Es wurde näm- 
lich sehr viel getan. 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- 
neten der SPD) 

Als Haushälter sage ich: Die Zahlen sprechen für sich. 
Es stehen 303 Milliarden Euro zur Verfügung, von denen 
annähernd die Hälfte für Soziales vorgesehen ist. 

(Zuruf des Abg. Klaus Emst [DIE LINKE]) 

- Wie soll denn das gehen? Ist ein Staat erst ein Sozial- 
staat, wenn 100 Prozent oder sogar 150 Prozent des ge- 
samten Geldes ausgegeben werden? 

(Klaus Emst [DIE LINKE] : Können Sie nicht 
lesen? Es geht um die Garantie!) 

- Herr Emst, Sie reden nicht ernst; das muss ich Ihnen 
sagen. Sie sollten lieber mhig sein. 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- 
neten der SPD - Klaus Emst [DIE LINKE]: 

Und Sie reden Quatsch!) 

Viele Rentnerinnen und Rentner sind durch das Ge- 
schwätz, das wir gerade gehört haben, wahrscheinlich 
vemnsichert. 


(Klaus Emst [DIE LINKE]: Durch Ihre Poli- 
tik!) 

Ich möchte daher nun zur Sache kommen. In § 214 
Abs. 1 Sozialgesetzbucb VI steht: 

Reichen in der allgemeinen Rentenversichemng die 
liquiden Mittel der Nachhaltigkeitsrücklage nicht 
aus, die Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen, leistet 
der Bund den Trägem der Rentenversichemng der 
Arbeiter und der Angestellten eine Liquiditätshilfe 
in Höhe der fehlenden Mittel (Bundesgarantie). 

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) 

Hier ist die Garantie im Gesetz gesichert. Als Ihre 
Vorgänger, deren Geld Sie gerne genommen haben, um 
dann im politischen Raum so aufzutreten wie heute, 
noch nicht einmal an der Macht waren, gab es bereits 
diese Regelung. Das stand schon in der Reichsversiche- 
mngsordnung von 1911 und wurde dann übernommen. 
Diese Regelung hat alles überlebt - zum Beispiel die 
Wähmngsreform und die Rentenreform von 1957 - und 
hat auch in der heutigen Zeit Bestand. Das ist die Wahr- 
heit. Darauf können sich die Renterinnen und Rentner in 
Deutschland verlassen. 

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) 

Das gilt auch für die Arbeitslosenversichemng, § 364 
Abs. 1 des SGB III, oder die Krankenversichemng, 
§271 Abs. 3 Satz 1 des SGB V. Überall gibt es die glei- 
che Gmndlage und herrscht Klarheit, dass dieser Staat 
den Sozialstaat schützt, und zwar mit voller Macht, und 
dafür sorgt, dass die Schwächeren in der Gesellschaft 
auf jeden Fall unter dem Schutzschirm sind, der hier an- 
gemahnt wird. Das ist das Wichtigste, das wir heraus- 
steilen müssen. 

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) 

Wenn Sie eine ordnungspolitische Diskussion wollen, 
kann ich nur sagen: Solange auf dem etwas erhöhten Sitz 
eine Bundeskanzlerin Merkel sitzt, so lange werden wir 
dem Sozialismus eine Absage erteilen, die Prinzipien der 
sozialen Marktwirtschaft würdigen und sie auch nutzen, 
um in der aktuellen Krise wieder zu Festigkeit zu kom- 
men und für die Zukunft zu sorgen. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Herr Kollege Fuchtel, gestatten Sie eine Zwischen- 
frage des Kollegen Dr. Kolb? 

Hans-Joachim Fuchtei (CDU/CSU): 

Ich bin es gewohnt, dass der Kollege versucht, — 

(Heiterkeit bei der CDU/CSU und der SPD - 
Zumf von der CDU/CSU: Einen ganzen Satz, 
bitte!) 

Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Bitte, Herr Kollege Dr. Kolb. 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Dr. Heinrich L. Koib (FDP): 

Ich darf den Satz vervollständigen: Sie sind es ge- 
wohnt, dass der Kollege Kolb versucht, Licht in das 
Dunkel zu bringen. - Stimmen Sie mir zu, dass die von 
Ihnen beschriebenen Staatsgarantien so funktionieren, 
dass in der Regel das Darlehen im Laufe des Jahres ge- 
währt wird, dass es aber schon im nächsten Jahr zurück- 
gezahlt werden muss - in der Krankenversicherung erst 
ab 2011 - und dass dafür die Sozialversicherungsbei- 
träge angepasst werden müssen, dass diese Garantien 
also nicht kostenlos sind, sondern nur eine vorüberge- 
hende Liquiditätshilfe darstellen? 

Hans-Joachim Fuchtel (CDU/CSU): 

Lieber Herr Kollege Kolb, wir waren schon zusam- 
men in einer Koalition. Damals haben Sie das alles wun- 
derbar gefunden und mitgetragen. Sie wollen doch nicht 
behaupten, dass Sie das künftig nicht mehr mittragen 
würden, wenn Sie wieder einmal in der Regierung sein 
sollten. 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- 
neten der SPD - Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: 

Es geht um die Frage „kostenlos oder nicht?“!) 

- Mehr braucht man dazu vielleicht nicht zu sagen. 

(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Es sollte Ja hei- 
ßen!) 

Opportunismus muss man auf allen Seiten etwas Einhalt 
gebieten, auch aufseiten der FDP, die ansonsten heute 
schon sehr Richtiges gesagt hat. 

Ich möchte die letzte Minute, die mir verbleibt, nut- 
zen, um der Kollegin Lehn für ihre Arbeit zu danken. 
Sie war in den letzten Jahren mein Kontrapart in dieser 
Koalition. Sie scheidet nun nach 15 Jahren aus dem Bun- 
destag aus. Soweit ich mit ihr Zusammenarbeiten durfte, 
hat sie immer gezeigt, dass sie eine Sozialpolitikerin mit 
Augenmaß ist - sie hat zehn Geschwister -, die das 
Handwerkszeug von der Pike auf gelernt hat. Wir haben 
gespürt, dass ihr soziales Engagement von Herzen kam. 
Alles Gute, liebe Waltraud! 

Vielen Dank. 

(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, der FDP 
und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt: 

Frau Kollegin Lehn, wie ich gerade höre, kandidieren 
Sie nicht mehr. Ich möchte Ihnen ganz herzlich für Ihr 
Engagement in vier Legislaturperioden danken. In die- 
sen Jahren haben Sie engagiert in den Ausschüssen und 
im Plenum mitgearbeitet. Herzlichen Dank! Alle unsere 
guten Wünsche begleiten Sie. 

(Beifall) 

Letzter Redner in dieser Debatte ist nun der Kollege 
Peter Friedrich für die SPD-Fraktion. 

Peter Friedrich (SPD): 

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 
Ich kann leider mit keinem Onkel Otto und keiner Tante 


Käthe dienen. Insofern werden wir noch eine Weile auf (C) 
einen Ersatz für Waltraud Lehn warten müssen. 

(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Sie wird uns 
wirklich fehlen! Das kann ich Ihnen schon 
jetzt sagen!) 

Ich will nur zu dem Fußballvergleich eines anmerken, 

Herr Fuchtel. Auch mit meinen eingeschränkten fußbal- 
lerischen Fähigkeiten bin ich mir bewusst, dass Abstau- 
bertore auch zählen. Deswegen ist es notwendig, sich in 
der Sache mit dem auseinanderzusetzen, was von der 
Linken eben vorgetragen wurde. 

Der wesentliche soziale Schutz für die Menschen in 
Deutschland ist, dass Menschen füreinander einstehen, 
dass Menschen für Menschen da sind, dass es organi- 
sierte Solidarität gibt. Es geht eben nicht um abstrakte 
Gruppen, sondern darum, dass Menschen füreinander 
einstehen. 

(Beifall bei der SPD) 

Dieses Grundprinzip hilft uns jetzt. Schauen wir uns die 
Auswirkungen der Krise in anderen Ländern an. Herr 
Kolb, Sie sollten hier in Ihrer Argumentation der Red- 
lichkeit halber hinzufügen, wozu Ihre Vorstellungen von 
Sozialstaatlichkeit in der Krise führen. Das können wir 
in den Ländern beobachten, die auf eine reine Kapital- 
deckung umgestellt haben. Daran sieht man, dass der 
Schutz durch die sozialen Sicherungssysteme, auf den 
etwa Rentner, Kranke und Arbeitslose angewiesen sind, 
nur durch die unmittelbare Solidarität von Menschen 
füreinander gewährleistet werden kann. 

(Beifall bei der SPD) 

Wenn man sich mit dem Antrag der Linksfraktion 
auseinandersetzt, stellt sich die Frage: Was meinen Sie 
eigentlich mit Staatsgarantie? Ist das irgendetwas Ab- 
straktes? Sind denn die Menschen, die sich Leistungsan- 
sprüche selber erarbeitet haben, mit Bürgschaften zufrie- 
den? Sicherlich nicht. Schauen wir uns doch die einzel- 
nen sozialen Sicherungssysteme an. Faktisch gibt es 
diese Staatsgarantie dadurch, dass die Menschen ver- 
briefte Ansprüche gegenüber den Sozialversicherungen 
haben und dass wir hier im Plenum, in den Sozialversi- 
cherungen und in der Selbstverwaltung dafür verant- 
wortlich sind, eine ausreichende Finanzierung zu ge- 
währleisten. Das ist ein permanenter Prozess politischer 
Gestaltung, nicht eine abstrakte Regelung in Form eines 
Briefes, der über die Theke geschoben wird. 

(Beifall bei der SPD) 

In Ihrer Begründung greifen Sie ausgerechnet das 
Thema Gesundheit auf Man kann der Konstruktion des 
Gesundheitsfonds einiges vorwerfen. 

(Birgitt Bender [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Ja!) 

Aber was man dem Fonds sicher nicht vorwerfen kann, 
ist eine fehlende Garantie für die Einnahmen der Kran- 
kenkassen. Ich möchte gerne wissen: Wie wäre denn die 
Situation der großen Versorgerkassen ohne die garantier- 
ten Einnahmen des Fonds? Das Spektrum der Beitrags- 
sätze ginge munter auseinander, und es käme zu Wände- 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Peter Friedrich 

(A) rungsbewegungen. Ob die Steigerungen der Ausgaben 
bei Krankenhäusern, Ärzten und Arzneimitteln zu ver- 
kraften wären und ob die Versorgung gewährleistet wäre, 
scheint mir äußerst fraglich. Deswegen halte ich es für 
völlig falsch, als Begründung gerade den Gesundheits- 
fonds anzuführen. 

Ihnen geht es im Kern gar nicht um Staatsgarantien. 
Sie möchten vielmehr den Schutzschirm, den wir über 
dem Finanzmarkt aufgespannt haben, gegen die Frage 
der sozialen Sicherung ausspielen. Darum geht es Ihnen 
tatsächlich. Ich habe versucht, mitzuzählen: Mindestens 
zwölfmal ist aus Ihren Reihen „480 Milliarden für die 
Banken!“ gerufen worden. 

(Klaus Emst [DIE LINKE]: Genau!) 

Sie spielen die Anleger und Arbeitnehmer gegen die 
Leistungsempfänger aus, die auf Leistungen angewiesen 
sind. Genau das machen Sie: Sie spielen die Menschen 
gegeneinander aus. 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

Die Rentnerin, die ihren Notgroschen bei einer Bank 
angelegt hat und jetzt auf dieses Geld angewiesen ist - 
ist das kein Mensch? Der Schüler, für den die Tanten und 
Onkel eine Ausbildungsversicherung abgeschlossen ha- 
ben, die wir mit absichem - ist das etwa kein Mensch? 
Der Handelsvertreter, der eine Kapitallebensversiche- 
rung abgeschlossen hat, weil er bei Wind und Wetter und 
auch nachts durch die Landschaft fahren muss - ist das 

(B) etwa kein Mensch? Die Krankenschwester, die eine Be- 
rufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen hat und de- 
ren Versicherung das Geld auch bei Hypo Real Estate 
angelegt hat - ist das etwa kein Mensch? So kann man 
nicht miteinander umgehen. Hören Sie auf, so zu tun, als 
würden die einen in Plüsch gebettet und hätten die ande- 
ren die Lasten alleine zu tragen. 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU, der FDP und des BÜNDNIS- 
SES 90/DIE GRÜNEN) 

Sie gehen aber noch weiter und beziehen sich auch 
auf das Konjunkturprogramm. Ich frage Sie: Der Stu- 
ckateurgeselle, der jetzt durch die Gebäudesanierangs- 
programme einen Auftrag hat - ist das nicht jemand, um 
dessen Arbeitsplatz wir uns bemühen sollten? Die 
473 mittelständischen Betriebe, die jetzt einen Kredit 
von der KfW als Absicherung erhalten haben - sind das 
nicht Arbeitsplätze, um die man kämpfen sollte? Der Ar- 
beiter beim Automobilzulieferer, der von der Abwrack- 
prämie profitiert, weil er jetzt aus der Kurzarbeit heraus- 
kommt - ist das kein Mensch, für den es sich zu 
kämpfen lohnt? Sie stellen das in Ihrem Antrag ganz be- 
wusst gegeneinander. Das ist zynisch. 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

Es ist genau der gleiche Zynismus, wenn die Arcandor- 
Pleite im CDU-Vorstand als politischer Erfolg gefeiert 
wird. Beides ist zynisch. 


Es geht darum, dass wir um jeden Arbeitsplatz kämp- (C) 
fen, sei es mit einem Bankenrettungsschirm, sei es mit 
einem Fonds für notleidende Unternehmen, die von der 
Krise betroffen sind, sei es durch Steuerzuschüsse, mit 
denen wir dafür sorgen, dass die Sozialversicherungssys- 
teme sicher sind. Es wurde schon mehrfach erwähnt: 

Wenn Sie sehen, wie viel Geld wir aus dem Bundeshaus- 
halt in die sozialen Sicherungssysteme hineinpumpen 
und auch noch hineinpumpen werden, dann macht das 
deutlich, dass es ein Rettungssystem auf Steuerbasis 
längst gibt. Es funktioniert jeden Tag, und zwar schon 
seit vielen Jahren. 

Wir werden weiter daran arbeiten müssen, die Steuer- 
finanzierung auszuweiten. Bei der Krankenversicherung 
machen wir es bereits. Wir werden auch weiterhin die 
Renten mittels einer Steuerfinanzierung vernünftig absi- 
chem. Deswegen ist der Steuersenkungswettlauf, der 
zwischen CDU/CSU und FDP ausgebrochen ist, wirk- 
lich eine Gefahr für die soziale Sicherheit in diesem 
Land. 

(Beifall bei der SPD) 

Wenn man auf der einen Seite beschließt - wir haben 
mitgestimmt, und auch ich bin dafür -, die Schulden zu 
begrenzen, dann kann man auf der anderen Seite nicht 
das bewusste Ausbluten des Staates in Kauf nehmen und 
gleichzeitig den Menschen soziale Sicherheit verspre- 
chen. Das passt nicht zueinander. 

(Beifall bei der SPD) 

Eine der wesentlichen sozialen Fragen - darauf wurde 
schon hingewiesen - haben Sie in Ihrem Papier über- (D) 
haupt nicht erwähnt. Die wesentliche soziale Frage ist 
doch, wie es mit dem Bildungsland Deutschland weiter- 
geht. Das ist die zentrale Frage, wenn es dämm geht, wie 
wir jedem Menschen eine Chance eröffnen können, dass 
er eigenständig für sich selbst sorgen kann. Ich bin für 
einen Sozialstaat, der die Menschen gegen die großen 
Risiken des Lebens absichert, aber dieser Sozialstaat 
muss die Menschen dazu befähigen, wieder eigenständig 
werden zu können. Sie haben ein Verständnis von Sozi- 
alstaat, der ausschließlich aus Opfern besteht. Für diese 
sind Sie zuständig - darin besteht die Arbeitsteilung -, 
bei allem anderen, zum Beispiel wie das Sozialprodukt 
erwirtschaftet werden soll, halten Sie sich fein heraus. 

Wir brauchen Investitionen in Bildung, um die Wirt- 
schaftskraft in Deutschland überhaupt zu erhalten und 
das Niveau der sozialen Sichemng auf Dauer zu gewähr- 
leisten. Wir brauchen eine soziale Sichemng, die alle 
einschließt. Deshalb geht es um Bürgerversichemng, um 
Bildung und um die Rettung von Arbeitsplätzen da, wo 
es uns möglich ist. 

Herzlichen Dank. 

(Beifall bei der SPD) 

Vizepräsidentin Gerda Hasseifeidt: 

Ich schließe die Aussprache. 

Interfraktionell wird Überweisung der Vorlage auf 
Dmcksache 16/12857 an die in der Tagesordnung aufge- 
fuhrten Ausschüsse vorgeschlagen. Strittig ist jedoch die 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25069 


Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt 

(A) Federführung. Die Fraktionen der CDU/CSU und der 
SPD wünsehen Federführung beim Haushaltsaussehuss, 
die Fraktion Die Linke wünseht die Federführung beim 
Aussehuss für Arbeit und Soziales. Wir stimmen zu- 
näehst über den Überweisungsvorschlag der Fraktion 
Die Linke ab, das heißt Federführung beim Ausschuss 
für Arbeit und Soziales. Wer stimmt für diesen Überwei- 
sungsvorschlag? - Wer isf dagegen? - Enthaltungen? - 
Dann ist der Überweisungsvorschlag mit großer Mehr- 
heit abgelehnt. 

Nun stimmen wir über den Überweisungsvorschlag 
der Fraktionen der CDU/CSU und der SPD ab, das heißt 
Federführung beim Haushalfsausschuss. Wer stimmt für 
diesen Überweisungsvorschlag? - Wer isf dagegen? - 
Enthaltungen? - Der Überweisungsvorschlag ist mit gro- 
ßer Mehrheit angenommen. 

Nun kommen wir zu einer Reihe von Abstimmungen, 
bei denen ich Sie um Konzentration bitte. 

Ich rufe die Tagesordnungspunkte 66 a bis 66 g und 
67 y sowie die Zusatzpunkte 3 a bis 3 h auf: 

66 a) Beratung des Antrags der Abgeordneten Priska 
Hinz (Herbom), Kerstin Andreae, Christine 
Scheel, weiterer Abgeordneter und der Fraktion 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 

Innovationskraft von kleinen nnd mittleren 
Unternehmen dnrch stenerliche Fördernng ge- 
zielt stärken 

- Drucksache 16/12894 - 

(B) Überweisungsvorschlag: 

Finanzausschuss (f) 

Ausschuss für Bildung, Forschung und 
Technikfolgenabschätzung (f) 

Ausschuss für Wirtschaft und Technologie 

Haushaltsausschuss 

Federführung strittig 

b) Beratung des Antrags der Abgeordneten Paul 
Schäfer (Köln), Monika Knoche, Hüseyin-Kenan 
Aydin, weiterer Abgeordneter und der Fraktion 
DIE LINKE 

Keine Sonderstellnng der Bnndeswehr an 
Schnlen 

- Drucksache 16/13060 - 

Überweisungsvorschlag: 

Verteidigungsausschuss (f) 

Auswärtiger Ausschuss 
Ausschuss für Bildung, Forschung und 
Technikfolgenabschätzung 
Ausschuss für Kultur und Medien 

c) Beratung des Antrags der Abgeordneten Volker 
Beck (Köln), Marieluise Beck (Bremen), Birgitt 
Bender, weiterer Abgeordneter und der Fraktion 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 

Menschenrechtsverletzungen durch Unterneh- 
men verhindern 

-Drucksache 16/13180 - 

Überweisungsvorschlag: 

Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe (f) 
Rechtsausschuss 


Ausschuss für Wirtschaft und Technologie 
Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und 
Entwicklung 

d) Beratung des Antrags der Abgeordneten Winfried 
Hermann, Peter Hettlich, Bettina Herlitzius, wei- 
terer Abgeordneter und der Fraktion 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 

Neue Standards für die Ahgasuntersuchung 
einführen 

-Drucksache 16/13181 - 

Überweisungsvorschlag: 

Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (f) 

Ausschuss für Wirtschaft und Technologie 

Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit 

e) Beratung des Antrags der Abgeordneten 
Dr. Martina Bunge, Klaus Emst, Dr. Dietmar 
Bartsch, weiterer Abgeordneter und der Fraktion 
DIE LINKE 

Auch Verletztenrenten früherer NVA-Angehö- 
riger der DDR anrechnungsfrei auf die 
Grundsicherung für Arheitsuchende stellen 

-Dmcksache 16/13182 - 

Überweisungsvorschlag: 

Ausschuss für Arbeit und Soziales (f) 

Innenausschuss 

Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 

f) Beratung des Antrags der Abgeordneten Klaus 
Riegert, Wolfgang Bosbach, Norbert Barthle, 
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der 
CDU/CSU 

sowie der Abgeordneten Dagmar Freitag, Swen 
Schulz (Spandau), Dr. Peter Danckert, weiterer 
Abgeordneter und der Fraktion der SPD 
sowie der Abgeordneten Detlef Parr, Dr. Max 
Stadler, Christian Ahrendt, weiterer Abgeordne- 
ter und der Fraktion der FDP 

Unterstützung der Bewerbung der Landes- 
hauptstadt München zur Ausrichtung der 
XXIII. Olympischen und XII. Paralympischen 
Winterspiele 2018 

-Dmcksache 16/13481 - 

Überweisungsvorschlag: 

Sportausschuss (f) 

Auswärtiger Ausschuss 
Innenausschuss 

Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung 
Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit 
Ausschuss für Tourismus 
Ausschuss für Kultur und Medien 
Haushaltsausschuss 

g) Beratung der Unterrichtung durch die Bundes- 
regiemng 

Stadtentwicklnngshericht 2008 

-Dmcksache 16/13130 - 

Überweisungsvorschlag: 

Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (f) 
Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit 
Ausschuss für Tourismus 
Ausschuss für Kultur und Medien 



25070 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt 

(A) 67 y) Beratung des Antrags der Fraktionen FDP und 

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 

Verfahren gegen Michail Chodorkowski he- 
gleiten, Rechtsstaatlichkeit in Rnssland stär- 
ken 

-Drucksache I6/I337I- 

Überweisungsvorschlag: 

Auswärtiger Ausschuss 

ZP 3 a) Beratung des Antrags der Abgeordneten 
Dr. Gesine Lötzsch, Dr. Dietmar Bartsch, Karin 
Binder, weiterer Abgeordneter und der Fraktion 
DIE LINKE 

Fünf Jahre Karenzzeit für Mitglieder der 
Bnndesregiernng 

- Drucksache 16/13366 - 

Überweisungsvorschlag: 

Rechtsausschuss 

b) Beratung des Antrags der Abgeordneten Klaus 

Emst, Volker Schneider (Saarbrücken), 

Dr. Barbara Höll, weiterer Abgeordneter und der 
Fraktion DIE LINKE 

Arheitslosengeld I in der Krise befristet anf 
24 Monate verlängern 

-Dmcksache 16/13368 - 

Überweisungsvorschlag: 

(B) Ausschuss für Arbeit und Soziales (f) 

Ausschuss für Wirtschaft und Technologie 
Haushaltsausschuss 

c) Beratung des Antrags der Abgeordneten 

Christian Ahrendt, Gisela Piltz, Dr. Max Stadler, 
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP 

Verbot des Vereins „Hilfsgemeinschaft für na- 
tionale politische Gefangene nnd deren Ange- 
hörige“ prüfen 

- Dmcksache 16/13369 - 

Überweisungsvorschlag: 

Innenausschuss (f) 

Rechtsausschuss 

d) Beratung des Antrags der Abgeordneten 

Dr. Barbara Höll, Werner Dreibus, Dr. Dagmar 
Enkelmann, weiterer Abgeordneter und der Frak- 
tion DIE LINKE 

Unschuldsvermutung muss auch im Arbeits- 
recht gelten - Verdachtskündigung gesetzlich 
ausschließen 

-Dmcksache 16/13383 - 

Überweisungsvorschlag: 

Rechtsausschuss (f) 

Ausschuss für Arbeit und Soziales 

e) Beratung des Antrags der Abgeordneten Volker 
Beck (Köln), Kai Gehring, Irmingard Schewe- 


Gerigk, weiterer Abgeordneter und der Fraktion (C) 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 

Für einen Nationalen Aktionsplan gegen Ho- 
mophobie 

- Dmcksache 16/13394 - 

Überweisungsvorschlag: 

Innenausschuss (f) 

Rechtsausschuss 

Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 
Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe 
Ausschuss für Kultur und Medien 

1) Beratung des Antrags der Abgeordneten Winfried 
Hermann, Renate Künast, Hans-Christian 
Ströbele, weiterer Abgeordneter und der Fraktion 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 

Bahnanbindung für den Flughafen Berlin 
Brandenburg International optimieren und 
beschleunigen 

- Dmcksache 16/13397 - 

Überweisungsvorschlag: 

Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (f) 

Ausschuss fiir Tourismus 

g) Beratung des Antrags der Abgeordneten Ulrike 
Höfken, Bärbel Höhn, Cornelia Behm, weiterer 
Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN 

Kein Genmais-Anbau gegen den Willen der 
Bürger in der EU 

- Dmcksache 16/13398 - (D) 

Überweisungsvorschlag: 

Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und 
Verbraucherschutz 

h) Beratung des Antrags der Abgeordneten 
Dr. Gerhard Schick, Birgitt Bender, Christine 
Scheel, weiterer Abgeordneter und der Fraktion 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 

Grauen Kapitalmarkt durch einheitliches An- 
legerschutzniveau überwinden 

- Dmcksache 16/13402 - 

Überweisungsvorschlag: 

Finanzausschuss (f) 

Rechtsausschuss 

Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und 
Verbraucherschutz 

Es handelt sich um Überweisungen im vereinfach- 
ten Verfahren ohne Debatte. Zunächst kommen wir zu 
einer Überweisung, bei der die Federführang strittig ist. 

Tagesordnungspunkt 66 a. Interfraktionell wird die 
Überweisung des Antrags der Fraktion Bündnis 90/Die 
Grünen betreffend die steuerliche Fördemng von kleinen 
und mittleren Unternehmen auf Dmcksache 16/12894 an 
die in der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse vorge- 
schlagen. Die Fraktionen der CDU/CSU und der SPD 
wünschen Federfühmng beim Finanzausschuss, die 
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen wünscht Federfühmng 
beim Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfol- 
genabschätzung. 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25071 


Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt 

Auch hier stimmen wir zunächst über den Überwei- 
sungsvorschlag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ab, 
das heißt Federführung beim Ausschuss für Bildung, For- 
schung und Technikfolgenabschätzung. Wer stimmt für 
diesen Überweisungsvorschlag? - Wer isf dagegen? - 
Enthaltungen? - Der Überweisungsvorschlag ist mit gro- 
ßer Mehrheit abgelehnt. 

Nun stimmen wir über den Überweisungsvorschlag 
der Fraktionen der CDU/CSU und der SPD ab, das heißt 
Federführung beim Finanzausschuss. Wer stimmt für 
diesen Überweisungsvorschlag? - Wer isf dagegen? - 
Enthaltungen? - Der Überweisungsvorschlag ist mit gro- 
ßer Mehrheit angenommen. 

Wir kommen jetzt zu den unstrittigen Überweisun- 
gen, und zwar betreffend die Tagesordnungspunkte 66 b 
bis 66 g und 67 y sowie die Zusatzpunkte 3 a bis 3 h. In- 
terfraktionell wird vorgeschlagen, die Vorlagen an die in 
der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse zu überwei- 
sen. Sind Sie damit einverstanden? - Das ist der Fall. 
Dann sind die Überweisungen so beschlossen. 

Ich rufe nun die Tagesordnungspunkte 67 a bis 67 i, k 
bis X sowie z bis ii auf Es handelt sich um die Be- 
schlussfassung zu Vorlagen, zu denen keine Ausspra- 
che vorgesehen ist. 

Tagesordnungspunkt 67 a: 

Zweite und dritte Beratung des von der Bundesre- 
gierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes 
zur Einführung des elektronischen Rechtsver- 
kehrs und der elektronischen Akte im Grund- 
huchverfahren sowie zur Änderung weiterer 
grundhuch-, register- und kostenrechtlicher 
Vorschriften (ERVGBG) 

- Drucksache 16/12319 - 

Beschlussempfehlung und Bericht des Rechtsaus- 
schusses (6. Ausschuss) 

- Drucksache 16/13437 - 
B erichterstattung : 

Abgeordnete Andrea Astrid Voßhoff 
Dr. Carl-Christian Dressei 
Mechthild Dyckmans 
Wolfgang Neskovic 
Jerzy Montag 

Der Rechtsausschuss empfiehlt in seiner Beschluss- 
empfehlung auf Drucksache 16/13437, den Gesetzent- 
wurf der Bundesregierung auf Drucksache 16/12319 in 
der Ausschussfassung anzunehmen. Ich bitte diejenigen, 
die dem Gesetzentwurf in der Ausschussfassung zustim- 
men wollen, um das Handzeichen. - Gibt es Gegenstim- 
men? - Enthaltungen? - Der Gesetzentwurf ist damit in 
zweiter Beratung mit den Stimmen des ganzen Hauses 
angenommen. 

Wir kommen zur 

dritten Beratung 

und Schlussabstimmung. Ich bitte diejenigen, die dem 
Gesetzentwurf zustimmen wollen, sich zu erheben. - Ist 
jemand dagegen? - Enthaltungen? - Der Gesetzentwurf 


ist damit auch in dritter Beratung einstimmig angenom- (C) 
men. 

Tagesordnungspunkt 67 b: 

Zweite und dritte Beratung des von der Bundesre- 
gierung eingebrachten Entwurfs eines Ersten 
Gesetzes zur Änderung des Geschmacksmus- 
tergesetzes 

- Drucksache 16/12586 - 

Beschlussempfehlung und Bericht des Rechtsaus- 
schusses (6. Ausschuss) 

-Drucksache 16/13435 - 

B erichterstattung : 

Abgeordnete Dr. Günter Krings 
Dirk Manzewski 

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger 
Wolfgang Neskovic 
Jerzy Montag 

Der Rechtsausschuss empfiehlt in seiner Beschluss- 
empfehlung auf Drucksache 16/13435, den Gesetzent- 
wurf der Bundesregierung auf Drucksache 16/12586 in 
der Ausschussfassung anzunehmen. Ich bitte diejenigen, 
die dem Gesetzentwurf in der Ausschussfassung zustim- 
men wollen, um das Handzeichen. - Gegenstimmen? - 
Enthaltungen? - Der Gesetzentwurf ist damit in zweiter 
Beratung mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen, der 
Fraktion der FDP und der Fraktion Bündnis 90/Die Grü- 
nen bei Enthaltung der Fraktion Die Linke angenom- 
men. 

(D) 

Dritte Beratung 

und Schlussabstimmung. Ich bitte diejenigen, die dem 
Gesetzentwurf zustimmen wollen, sich zu erheben. - 
Wer ist dagegen? - Enthaltungen? - Der Gesetzentwurf 
ist mit dem gleichen Stimmenverhältnis in dritter Bera- 
tung angenommen. 

Tagesordnungspunkt 67 c: 

Zweite und dritte Beratung des von der Bundesre- 
gierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes 
zu der Geufer Fassuug vom 2. Juli 1999 (Geu- 
fer Akte) des Haager Abkommeus vom 6. No- 
vember 1925 über die iuteruatiouale Eiutra- 
guug gewerblicher Muster uud Modelle 

-Drucksache 16/12591 - 

Beschlussempfehlung und Bericht des Rechtsaus- 
schusses (6. Ausschuss) 

- Drucksache 16/13434 - 

B erichterstattung : 

Abgeordnete Dr. Günter Krings 
Dirk Manzewski 

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger 
Wolfgang Neskovic 
Jerzy Montag 

Der Rechtsausschuss empfiehlt in seiner Beschluss- 
empfehlung auf Drucksache 16/13434, den Gesetzent- 
wurf der Bundesregierung auf Drucksache 16/12591 an- 



25072 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt 

(A) zunehmen. Ich bitte diejenigen, die dem Gesetzentwurf 
zustimmen wollen, um das Handzeichen. - Wer ist dage- 
gen? - Enthaltungen? - Der Gesetzentwurf ist damit in 
zweiter Beratung mit den Stimmen der Koalitionsfrak- 
tionen, der Fraktion der FDP und der Fraktion 
Bündnis 90/Die Grünen bei Enthaltung der Fraktion Die 
Linke angenommen. 

Dritte Beratung 

und Schlussabstimmung. Ich bitte diejenigen, die dem 
Gesetzentwurf zustimmen wollen, sich zu erheben. - 
Wer ist dagegen? - Enthaltungen? - Der Gesetzentwurf 
ist mit dem gleichen Stimmenverhältnis wie bei der 
zweiten Lesung auch in dritter Beratung angenommen. 

Tagesordnungspunkt 67 d: 

Zweite und dritte Beratung des von der Bundesre- 
gierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes 
zu deu Beschlüsseu vom 24. September 2004 
zur Äuderuug des Rotterdamer Übereiukom- 
meus vom 10. September 1998 über das Ver- 
fabreu der vorberigeu Zustimmuug uacb lu- 
keuotuissetzuog für bestimmte gefäbrliche 
Cbemikalieu sowie Pflauzeuscbutz- uud 
Schädliogsbekämpfuugsmittel im iuteruatio- 
ualeu Haudel 

-Drucksache 16/13110- 

Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschus- 
ses für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicher- 
heit (16. Ausschuss) 

(B) - Drucksache 16/13413 - 

B erichterstattung : 

Abgeordnete Ingbert Liebing 
Heinz Schmitt (Landau) 

Angelika Brunkhorst 
Eva Bulling- Schröter 
Sylvia Kotting-Uhl 

Der Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktor- 
sicherheit empfiehlt in seiner Beschlussempfehlung auf 
Drucksache 16/13413, den Gesetzentwurf der Bundesre- 
gierung auf Drucksache 16/13110 anzunehmen. Ich bitte 
diejenigen, die dem Gesetzentwurf zustimmen wollen, 
um das Handzeichen. - Ist jemand dagegen? - Enthal- 
tungen? - Der Gesetzentwurf ist damit in zweiter Bera- 
tung einstimmig angenommen. 

Wir kommen zur 

dritten Beratung 

und Schlussabstimmung. Ich bitte diejenigen, die dem 
Gesetzentwurf zustimmen wollen, sich zu erheben. - 
Gegenstimmen? - Enthaltungen? - Der Gesetzentwurf 
ist auch in dritter Beratung einstimmig angenommen. 

Tagesordnungspunkt 67 e: 

Zweite und dritte Beratung des von der Bundesre- 
gierung eingebrachten Entwurfs eines Vierten 
Gesetzes zur Änderung des Rindfleischetiket- 
tierungsgesetzes 

-Drucksache 16/13112- 


Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschus- (C) 
ses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbrau- 
cherschutz (10. Ausschuss) 

- Drucksache 16/13374 - 
Berichterstattung : 

Abgeordnete Franz- Josef Holzenkamp 
Dr. Wilhelm Priesmeier 
Hans-Michael Goldmann 
Dr. Kirsten Tackmatm 
Ulrike Höfken 

Der Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und 
Verbraucherschutz empfiehlt in seiner Beschlussempfeh- 
lung auf Drucksache 16/13374, den Gesetzentwurf der 
Bundesregierung auf Drucksache 16/13112 in der Aus- 
schussfassung anzunehmen. Ich bitte nun diejenigen, die 
dem Gesetzentwurf in der Ausschussfassung zustimmen 
wollen, um das Handzeichen. Ist jemand dagegen? - 
Enthaltungen? - Der Gesetzentwurf ist damit in zweiter 
Beratung einstimmig angenommen. 

Wir kommen zur 

dritten Beratung 

und Schlussabstimmung. Ich bitte diejenigen, die dem 
Gesetzentwurf zustimmen wollen, sich zu erheben. - Ist 
jemand dagegen? - Enthaltungen? - Der Gesetzentwurf 
ist damit einstimmig angenommen. 

Tagesordnungspunkt 67 f: 

Zweite Beratung und Schlussabstimmung des 
von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs 
eines Gesetzes zu der Änderung des Überein- 
kommens vom 25. Juni 1998 über den Zugang 
zu Informationen, die Öffentlichkeitsbeteili- 
gung an Entscheidungsverfahren und den Zu- 
gang zu Gerichten in Umweltangelegenheiten 
(Erstes Aarhus-Änderungs-Übereinkommen) 

- Drucksache 16/13115- 

Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschus- 
ses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbrau- 
cherschutz (10. Ausschuss) 

-Drucksache 16/13401 - 

B erichterstattung : 

Abgeordnete Dr. Max Lehmer 
Gustav Herzog 
Dr. Christel Happach-Kasan 
Dr. Kirsten Tackmann 
Ulrike Höfken 

Der Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und 
Verbraucherschutz empfiehlt in seiner Beschlussempfeh- 
lung auf Drucksache 16/13401, den Gesetzentwurf der 
Bundesregierung auf Drucksache 16/13115 anzuneh- 
men. Ich bitte diejenigen, die dem Gesetzentwurf zu- 
stimmen wollen, sich zu erheben. - Wer ist dagegen? - 
Enthaltungen? - Der Gesetzentwurf ist damit einstimmig 
angenommen. 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25073 


Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt 

Wir kommen zum Tagesordnungspunkt 67 g: 

Zweite und dritte Beratung des von den Fraktio- 
nen der CDU/CSU und der SPD eingebrachten 
Entwurfs eines Fünften Gesetzes znr Andernng 
des Weingesetzes 

-Drueksaehe 16/13158 - 

Besehlussempfehlung und Berieht des Aussehus- 
ses für Ernährung, Landwirtsehaft und Verbrau- 
ehersehutz (10. Aussehuss) 

- Drucksache 16/13420 - 

B erichterstattung : 

Abgeordnete Julia Klöckner 
Gustav Herzog 
Dr. Volker Wissing 
Dr. Kirsten Tackmann 
Ulrike Höfken 

Der Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und 
Verbraucherschutz empfiehlt in seiner Beschlussempfeh- 
lung auf Drucksache 16/13420, den Gesetzentwurf der 
Fraktionen der CDU/CSU und der SPD auf Druck- 
sache 16/13158 in der Ausschussfassung anzunehmen. 
Ich bitte nun diejenigen, die dem Gesetzentwurf in der 
Ausschussfassung zustimmen wollen, um das Handzei- 
chen. - Ist jemand dagegen? - Enthaltungen? - Der Ge- 
setzentwurf ist damit in zweiter Beratung mit den Stim- 
men des ganzen Hauses angenommen. 

Wir kommen zur 

dritten Beratung 

und Schlussabstimmung. Ich bitte diejenigen, die dem 
Gesetzentwurf zustimmen wollen, sich zu erheben. - 
Gegenstimmen? - Enthaltungen? - Der Gesetzentwurf 
ist einstimmig angenommen. 

Tagesordnungspunkt 67 h: 

- Zweite und dritte Beratung des von den Frakti- 
onen der CDU/CSU und der SPD eingebrach- 
ten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung 
des Gesetzes über die Sicherung der Baufor- 
derungen 

- Drucksache 16/13159- 

- Zweite und dritte Beratung des von der Bun- 
desregierung eingebrachten Entwurfs eines Ge- 
setzes zur Änderung des Gesetzes über die 
Sicherung der Bauforderungen 

-Drucksachen 16/13345, 16/13376- 

Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschus- 
ses für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung 
(15. Ausschuss) 

-Drucksache 16/13415- 

B erichterstattung : 

Abgeordneter Peter Hettlich 

Der Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwick- 
lung empfiehlt unter Nr. 1 seiner Beschlussempfehlung 
auf Drucksache 16/13415, den Gesetzentwurf der 


Fraktionen der CDU/CSU und der SPD auf Druck- (C) 
Sache 16/13159 in der Ausschussfassung anzunehmen. 

Ich bitte diejenigen, die dem Gesetzentwurf in der Aus- 
schussfassung zustimmen wollen, um das Handzeichen. - 
Gegenstimmen? - Enthaltungen? - Der Gesetzentwurf 
ist damit in zweiter Beratung angenommen mit den 
Stimmen der Koalitionsfraktionen, der FDP-Fraktion 
und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen bei Gegenstim- 
men der Fraktion Die Linke. 

Dritte Beratung 

und Schlussabstimmung. Ich bitte diejenigen, die dem 
Gesetzentwurf zustimmen wollen, sich zu erheben. - 
Wer ist dagegen? - Enthaltungen? - Der Gesetzentwurf 
ist damit angenommen mit dem gleichen Stimmenver- 
hältnis wie bei der zweiten Lesung. 

Nun kommen wir zur Abstimmung über die Be- 
schlussempfehlung zu dem von der Bundesregierung 
eingebrachten Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des 
Gesetzes über die Sicherung der Bauforderungen. Es 
handelt sich um den gleichen Gesetzentwurf, allerdings 
von der Bundesregierung eingebracht. Der Ausschuss 
für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung empfiehlt un- 
ter Nr. 2 seiner Beschlussempfehlung auf Druck- 
sache 16/13415, den Gesetzentwurf der Bundesregie- 
rung auf Drucksachen 16/13345 und 16/13376 für erle- 
digt zu erklären. Gleichwohl müssen wir über diese Be- 
schlussempfehlung abstimmen. Wer dafür ist, den bitte 
ich um das Handzeichen. - Ist jemand dagegen? - Ent- 
hält sich jemand? - Die Beschlussempfehlung ist ein- 
stimmig angenommen. 

(D) 

Tagesordnungspunkt 67 i: 

Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- 
richts des Ausschusses für Wirtschaft und Tech- 
nologie (9. Ausschuss) zu dem Antrag der Abge- 
ordneten Rainer Brüderle, Martin Zeil, Dr. Karl 
Addicks, weiterer Abgeordneter und der Fraktion 
der FDP 

Privatisierung öffentlicher Aufgaben zur Stär- 
kung der sozialen Marktwirtschaft 

-Drucksachen 16/7735, 16/10504- 

B erichterstattung : 

Abgeordneter Dr. Georg Nüßlein 

Der Ausschuss empfiehlt in seiner Beschlussempfeh- 
lung auf Drucksache 16/10504, den Antrag der Fraktion 
der FDP auf Drucksache 16/7735 abzulehnen. Wer 
stimmt für diese Beschlussempfehlung? - Wer ist dage- 
gen? - Enthaltungen? - Die Beschlussempfehlung ist 
mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen, der Fraktion 
der Linken und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen bei 
Gegenstimmen der FDP-Fraktion angenommen. 

Tagesordnungspunkt 67 k: 

Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- 
richts des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz 
und Reaktorsicherheit (16. Ausschuss) 

- zu dem Antrag der Abgeordneten Lutz 
Heilmann, Eva Bulling- Schröter, Hans-Kurt 



25074 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt 

Hill, weiterer Abgeordneter und der Fraktion 
DIE LINKE 

Wirksame Begrenzung des COj-Ausstoßes 
neuer Personenkraftwagen 

- zu dem Antrag der Abgeordneten Winfried 
Hermann, Bettina Herlitzius, Peter Hettlich, 
weiterer Abgeordneter und der Fraktion 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 

Ambitionierte europäische Emissionsnor- 
men für mehr Klimaschutz im Straßenver- 
kehr 

-Drucksachen 16/9307, 16/9105, 16/12728- 

B erichterstattung : 

Abgeordnete Jens Koeppen 
Detlef Müller (Chemnitz) 

Michael Kauch 
Lutz Heilmann 
Hans-Josef Fell 

Der Ausschuss empfiehlt unter Buchstabe a seiner 
Beschlussempfehlung auf Drucksache 16/12728 die Ab- 
lehnung des Antrags der Fraktion Die Linke auf Druck- 
sache 16/9307 mit dem Titel „Wirksame Begrenzung des 
C02-Ausstoßes neuer Personenkraftwagen“. Wer stimmt 
für diese Beschlussempfehlung? - Wer ist dagegen? - 
Enthaltungen? - Die Beschlussempfehlung ist mit den 
Stimmen der Koalitionsfraktionen und der FDP-Fraktion 
bei Gegenstimmen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen 
und der Fraktion Die Linke angenommen. 

Unter Buchstabe b seiner Beschlussempfehlung emp- 
fiehlt der Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reak- 
torsicherheit die Ablehnung des Antrags der Fraktion 
Bündnis 90/Die Grünen auf Drucksache 16/9105 mit 
dem Titel „Ambitionierte europäische Emissionsnor- 
men für mehr Klimaschutz im Straßenverkehr“. Wer 
stimmt für diese Beschlussempfehlung? - Wer ist dage- 
gen? - Enthaltungen? - Die Beschlussempfehlung ist 
mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen und der FDP- 
Fraktion bei Gegenstimmen der Fraktion Bündnis 90/ 
Die Grünen und der Fraktion Die Linke angenommen. 

Tagesordnungspunkt 67 1: 

Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- 
richts des Ausschusses für Familie, Senioren, 
Frauen und Jugend (13. Ausschuss) zu dem An- 
trag der Abgeordneten Britta Haßelmann, Grietje 
Staffelt, Ekin Deligöz, weiterer Abgeordneter 
und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 

Medienkompetenz Älterer stärken - Die digi- 
tale Klnft schließen 

-Drucksachen 16/11365, 16/13070- 

B erichterstattung : 

Abgeordnete Markus Grübel 
Jürgen Kucharczyk 
Sibylle Laurischk 
Diana Golze 
Ekin Deligöz 


Der Ausschuss empfiehlt in seiner Beschlussempfeh- (C) 
lung auf Drucksache 16/13070, den Antrag der Fraktion 
Bündnis 90/Die Grünen auf Drucksache 16/11365 abzu- 
lehnen. Wer stimmt für diese Beschlussempfehlung? - 
Wer ist dagegen? - Enthaltungen? - Die Beschlussemp- 
fehlung ist mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen 
bei Gegenstimmen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen 
und Enthaltung der Fraktion der FDP und der Fraktion 
Die Linke angenommen. 

Tagesordnungspunkt 67 m: 

Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- 
richts des Ausschusses für Wirtschaft und Tech- 
nologie (9. Ausschuss) zu dem Antrag der Abge- 
ordneten Rainer Brüderle, Markus Löning, 

Dr. Karl Addicks, weiterer Abgeordneter und der 
Fraktion der FDP 

Wettbewerbspolitik als Fundament der Sozia- 
len Marktwirtschaft stärken 

-Drucksachen 16/7522, 16/13147- 

B erichterstattung : 

Abgeordneter Dr. Georg Nüßlein 

Der Ausschuss empfiehlt in seiner Beschlussempfeh- 
lung auf Drucksache 16/13147, den Antrag der Fraktion 
der FDP auf Drucksache 16/7522 abzulehnen. Wer 
stimmt für diese Beschlussempfehlung? - Wer ist dage- 
gen? - Enthaltungen? - Die Beschlussempfehlung ist 
mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen, der Fraktion 
Bündnis 90/Die Grünen und der Fraktion Die Linke bei 
Gegenstimmen der FDP-Fraktion angenommen. 

Tagesordnungspunkt 67 n: 

Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- 
richts des Rechtsausschusses (6. Ausschuss) zu 
dem Antrag der Abgeordneten Volker Beck 
(Köln), Monika Lazar, Kai Gehring, weiterer Ab- 
geordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN 

Zivilgesellschaftliches Engagement gegen 
Rechtsextremismns gesetzlich schützen - 
Rechtsprechnng znr Verwendnng von Kenn- 
zeichen verfassnngswidriger Organisationen 
answerten 

-Drucksachen 16/3202, 16/13467- 

B erichterstattung : 

Abgeordnete Daniela Raab 
Dr. Peter Danckert 
Jörg van Essen 
Wolfgang Neskovic 
Jerzy Montag 

Der Ausschuss empfiehlt in seiner Beschlussempfeh- 
lung auf Drucksache 16/13467, den Antrag der Fraktion 
Bündnis 90/Die Grünen auf Drucksache 16/3202 für er- 
ledigt zu erklären. Wer stimmt für diese Beschlussemp- 
fehlung? - Ist jemand dagegen? - Enthält sich jemand? - 
Die Beschlussempfehlung ist einstimmig angenommen. 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25075 


Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt 

Tagesordnungspunkt 67 o: 

Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- 
richts des Ausschusses für Wirtschaft und Tech- 
nologie (9. Ausschuss) zu dem Antrag der Abge- 
ordneten Martin Zeil, Rainer Brüderle, Paul K. 
Friedhoff, weiterer Abgeordneter und der Frak- 
tion der FDP 

Kompetenzen des Bnndeskartellamts weiter- 
entwickeln 

-Drucksachen 16/8078, 16/13361 - 
B erichterstattung : 

Abgeordneter Reinhard Schultz (Everswinkel) 

Der Ausschuss empfiehlt in seiner Beschlussempfeh- 
lung auf Drucksache 16/13361, den Antrag der Fraktion 
der FDP auf Drucksache 16/8078 abzulehnen. Wer 
stimmt für diese Beschlussempfehlung? - Wer ist dage- 
gen? - Enthält sich jemand? - Die Beschlussempfehlung 
ist mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen, der Frak- 
tion Bündnis 90/Die Grünen und der Fraktion Die Linke 
bei Gegenstimmen der FDP-Fraktion angenommen. 

Tagesordnungspunkt 67 p: 

Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- 
richts des Ausschusses für Bildung, Forschung 
und Technikfolgenabschätzung (18. Ausschuss) 

- zu dem Antrag der Abgeordneten Cornelia 
Pieper, Uwe Barth, Patrick Meinhardt, weiterer 
Abgeordneter und der Fraktion der FDP 

Wissenschaftsfreiheitsgesetz einführen - 
Mehr Freiheit nnd Verantwortnng für das 
dentsche Wissenschaftssystem 

- zu dem Antrag der Abgeordneten Priska Hinz 
(Herbom), Kai Gehring, Grietje Bettin, weite- 
rer Abgeordneter und der Fraktion BÜND- 
NIS 90/DIE GRÜNEN 

Wissenschaftssystem öffnen - Mehr Qnalität 
dnrch mehr verantwortliche Selhststene- 
rnng nnd Kooperation 

-Drucksachen 16/7858, 16/8221, 16/13356- 

B erichterstattung : 

Abgeordnete Michael Kretschmer 
Rene Röspel 
Cornelia Pieper 

Volker Schneider (Saarbrücken) 

Priska Hinz (Herbom) 

Der Ausschuss empfiehlt unter Nr. 1 seiner Be- 
schlussempfehlung auf Drucksache 16/13356 die Ableh- 
nung des Antrages der Fraktion der FDP auf Drucksache 
16/7858 mit dem Titel „Wissenschaftsfreiheitsgesetz 
einfuhren - Mehr Freiheit und Verantwortung für das 
deutsche Wissenschaftssystem“. Wer stimmt für diese 
Beschlussempfehlung? - Wer ist dagegen? - Enthält sich 
jemand? - Die Beschlussempfehlung ist damit bei Ge- 
genstimmen der FDP-Fraktion mit den Stimmen aller 
anderen Fraktionen angenommen. 


Unter Nr. 2 seiner Beschlussempfehlung empfiehlt (C) 
der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfol- 
genabschätzung die Ablehnung des Antrags der Fraktion 
Bündnis 90/Die Grünen auf Drucksache 16/8221 mit 
dem Titel „Wissenschaftssystem öffnen - Mehr Qualität 
durch mehr verantwortliche Selbststeuerung und Koope- 
ration“. Wer stimmt für diese Beschlussempfehlung? - 
Wer ist dagegen? - Enthaltungen? - Die Beschlussemp- 
fehlung ist mit den Stimmen der Koalitionsffaktionen 
und der FDP-Fraktion bei Gegenstimmen der Fraktion 
Bündnis 90/Die Grünen und Enthaltung der Fraktion Die 
Linke angenommen. 

Tagesordnungspunkt 67 q: 

Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- 
richts des Ausschusses für Menschenrechte und 
humanitäre Hilfe (17. Ausschuss) zu dem Antrag 
der Abgeordneten Burkhardt Müller-Sönksen, 
Michael Kauch, Florian Toncar, weiterer Abge- 
ordneter und der Fraktion der FDP 

Menschenrechte von Leshen, Schwnlen, Bi- 
sexnellen nnd Transgendern in Dentschland 
nnd weltweit schützen 

-Drucksachen 16/12886, 16/13414- 

B erichterstattung : 

Abgeordnete Jürgen Klimke 
Angelika Graf (Rosenheim) 

Burkhardt Müller-Sönksen 
Michael Leutert 
Josef Philip Winkler 

Der Ausschuss empfiehlt in seiner Beschlussempfeh- (^) 
lung auf Drucksache 16/13414, den Antrag der Fraktion 
der FDP auf Drucksache 16/12886 abzulehnen. Wer 
stimmt für diese Beschlussempfehlung? - Wer ist dage- 
gen? - Wer enthält sich? - Die Beschlussempfehlung ist 
damit mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen bei Ge- 
genstimmen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen sowie 
der FDP-Fraktion und bei Enthaltung der Fraktion Die 
Linke angenommen. 

Tagesordnungspunkt 67 r: 

Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- 
richts des Ausschusses für Verkehr, Bau und 
Stadtentwicklung (15. Ausschuss) zu dem Antrag 
der Abgeordneten Dr. Anton Hoffeiter, Undine 
Kurth (Quedlinburg), Bettina Herlitzius, weiterer 
Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN 

Bundeswildwegeplan als Ergänzung zum Bun- 
desverkehrswegeplan 

-Drucksachen 16/7145, 16/9529- 

B erichterstattung : 

Abgeordneter Jörg Vogelsänger 

Der Ausschuss empfiehlt in seiner Beschlussempfeh- 
lung auf Drucksache 16/9529, den Antrag der Fraktion 
Bündnis 90/Die Grünen auf Drucksache 16/7145 abzu- 
lehnen. Wer stimmt für diese Beschlussempfehlung? - 
Wer ist dagegen? - Enthaltungen? - Die Beschlussemp- 
fehlung ist mit den Stimmen der Koalitionsffaktionen 



25076 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt 

(A) bei Enthaltung der FDP-Fraktion und Gegenstimmen der 
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und der Fraktion Die 
Linke angenommen. 

Tagesordnungspunkt 67 s: 

Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- 
richts des Ausschusses für Wirtschaft und Tech- 
nologie (9. Ausschuss) zu dem Antrag der Abge- 
ordneten Kerstin Andreae, Hans-Josef Fell, 
Winfried Hermann, weiterer Abgeordneter und 
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 

Einheitliches Stromnetz schaffen - Unabhän- 
gige Netzgesellschaft gründen 

-Drucksachen 16/9798, 16/11843 - 

B erichterstattung : 

Abgeordneter Dr. Joachim Pfeiffer 

Der Ausschuss empfiehlt in seiner Beschlussempfeh- 
lung auf Drucksache 16/11843, den Antrag der Fraktion 
Bündnis 90/Die Grünen auf Drucksache 16/9798 abzu- 
lehnen. Wer stimmt für diese Beschlussempfehlung? - 
Wer isf dagegen? - Enthaltungen? - Die Beschlussemp- 
fehlung ist damit mit den Stimmen der Koalitionsfraktio- 
nen und der FDP-Fraktion bei Gegenstimmen der Frak- 
tion Bündnis 90/Die Grünen und bei Enthaltung der 
Fraktion Die Linke angenommen. 

Tagesordnungspunkt 67 t: 

Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- 
richts des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz 

(B) und Reaktorsicherheit (16. Ausschuss) zu dem 
Antrag der Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl, 
Dr. Harald Terpe, Cornelia Behm, weiterer Abge- 
ordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN 

Schutz vor Emissionen aus Laserdruckern, 
Laserfax- und Kopiergeräten 

-Drucksachen 16/5776, 16/12468- 

B erichterstattung : 

Abgeordnete Jens Koeppen 
Detlef Müller (Chemnitz) 

Michael Kauch 
Lutz Heilmann 
Sylvia Kotting-Uhl 

Der Ausschuss empfiehlt in seiner Beschlussempfeh- 
lung auf Drucksache 16/12468, den Antrag der Fraktion 
Bündnis 90/Die Grünen auf Drucksache 16/5776 abzu- 
lehnen. Wer stimmt für diese Beschlussempfehlung? - 
Wer isf dagegen? - Enthaltungen? - Die Beschlussemp- 
fehlung ist damit mit den Stimmen der Koalitionsfraktio- 
nen bei Gegenstimmen der Fraktion Bündnis 90/Die 
Grünen sowie der Fraktion Die Linke und bei Enthaltung 
der Fraktion der FDP angenommen. 

Tagesordnungspunkt 67 u: 

Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- 
richts des Ausschusses für Wirtschaft und Tech- 
nologie (9. Ausschuss) zu dem Antrag der Abge- 
ordneten Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn, Ute 


Koczy, Kerstin Andreae, weiterer Abgeordneter (C) 
und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 

Korruptionshekämpfung hei Hermeshürg- 
schaften 

-Drucksachen 16/11211, 16/13153 - 

B erichterstattung : 

Abgeordneter Dr. Herbert Schui 

Der Ausschuss empfiehlt in seiner Beschlussempfeh- 
lung auf Drucksache 16/13153, den Antrag der Fraktion 
Bündnis 90/Die Grünen auf Drucksache 16/11211 abzu- 
lehnen. Wer stimmt für diese Beschlussempfehlung? - 
Wer isf dagegen? - Enthaltungen? - Die Beschlussemp- 
fehlung ist angenommen mit den Stimmen der Koali- 
tionsfraktionen und der FDP-Fraktion bei Gegenstim- 
men der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und der 
Fraktion Die Linke. 

Tagesordnungspunkt 67 v: 

Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- 
richts des Ausschusses für Ernährung, Landwirt- 
schaft und Verbraucherschutz (10. Ausschuss) zu 
dem Antrag der Abgeordneten Undine Kurth 
(Quedlinburg), Cornelia Behm, Ulrike Höfken, 
weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜND- 
NIS 90/DIE GRÜNEN 

Einführung einer Positivliste zur Haltung von 
Tieren im Zirkus 

- Drucksachen 16/12864, 16/13206 - 

B erichterstattung : 

Abgeordnete Dr. Peter Jahr 
Dr. Wilhelm Priesmeier 
Hans-Michael Goldmann 
Dr. Kirsten Tackmann 
Nicole Maisch 

Der Ausschuss empfiehlt in seiner Beschlussempfeh- 
lung auf Drucksache 16/13206, den Antrag der Fraktion 
Bündnis 90/Die Grünen auf Drucksache 16/12864 abzu- 
lehnen. Wer stimmt für diese Beschlussempfehlung? - 
Wer isf dagegen? - Enthaltungen? - Die Beschlussemp- 
fehlung ist angenommen mit den Stimmen der Koali- 
tionsfraktionen bei Gegenstimmen der Fraktion Bünd- 
nis 90/Die Grünen und der FDP sowie bei Enthaltung 
der Fraktion Die Linke. 

Tagesordnungspunkt 67 w: 

Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- 
richts des Ausschusses für Ernährung, Landwirt- 
schaft und Verbraucherschutz (10. Ausschuss) zu 
dem Antrag der Abgeordneten Ulrike Höfken, 
Undine Kurth (Quedlinburg), Bärbel Höhn, wei- 
terer Abgeordneter und der Fraktion BÜND- 
NIS 90/DIE GRÜNEN 

Die gewerbliche Haltung von Mast- und 
Zuchtkaninchen in Deutschland und der Eu- 
ropäischen Union deutlich verbessern 

-Drucksachen 16/12307, 16/13208 - 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25077 


Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt 

B erichterstattung : 

Abgeordnete Dr. Peter Jahr 
Dr. Wilhelm Priesmeier 
Hans-Michael Goldmann 
Dr. Kirsten Tackmann 
Ulrike Höfken 

Der Ausschuss empfiehlt in seiner Beschlussempfeh- 
lung auf Drucksache 16/13208, den Antrag der Fraktion 
Bündnis 90/Die Grünen auf Drucksache 16/12307 abzu- 
lehnen. Wer stimmt für diese Beschlussempfehlung? - 
Wer ist dagegen? - Enthaltungen? - Die Beschlussemp- 
fehlung ist damit angenommen mit den Stimmen der Ko- 
alitionsfraktionen und der FDP-Fraktion bei Gegenstim- 
men der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und der 
Fraktion Die Linke. 

Tagesordnungspunkt 67 x: 

Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- 
richts des Ausschusses für Wirtschaft und Tech- 
nologie (9. Ausschuss) zu dem Antrag der Abge- 
ordneten Dr. Thea Dückert, Sylvia Kotting-Uhl, 
Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn, weiterer Abge- 
ordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN 

Umweltberichterstattung in die Gemein- 
schaftsdiagnose und Begutachtung der ge- 
samtwirtschaftlichen Entwicklung aufnehmen 

-Drucksachen 16/11649, 16/13250- 

B erichterstattung : 

Abgeordneter Dr. Axel Berg 

Der Ausschuss empfiehlt in seiner Beschlussempfeh- 
lung auf Drucksache 16/13250, den Antrag der Fraktion 
Bündnis 90/Die Grünen auf Drucksache 16/11649 abzu- 
lehnen. Wer stimmt für diese Beschlussempfehlung? - 
Wer isf dagegen? - Enthaltungen? - Die Beschlussemp- 
fehlung ist angenommen mit den Stimmen der Koali- 
tionsfraktionen und der FDP-Fraktion bei Gegenstim- 
men der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und der 
Fraktion Die Linke. 

Tagesordnungspunkt 67 z: 

Beratung des Antrags der Fraktionen der CDU/ 
CSU und der SPD 

Abstufung nicht mehr fernverkehrsrelevanter 
Bundesfernstraßen 

- Drucksache 16/13387 - 

Wer stimmt für diesen Antrag? - Wer ist dagegen? - 
Enthaltungen? - Der Antrag ist angenommen mit den 
Stimmen der Koalitionsfraktionen, der Fraktion der FDP 
und der Fraktion Die Linke bei Enthaltung der Fraktion 
Bündnis 90/Die Grünen. 

Wir kommen zu den Tagesordnungspunkten 67 aa bis 
67 ii; das sind die Beschlussempfehlungen des Petitions- 
ausschusses. 


Tagesordnungspunkt 67 aa: 

Beratung der Beschlussempfehlung des Petitions- 
ausschusses (2. Ausschuss) 

Sammelübersicht 576 zu Petitionen 

-Drucksache 16/13191 - 

Wer stimmt dafür? - Ist jemand dagegen? - Enthal- 
tungen? - Die Sammelübersicht 576 ist damit einstim- 
mig angenommen. 

Tagesordnungspunkt 67 bb: 

Beratung der Beschlussempfehlung des Petitions- 
ausschusses (2. Ausschuss) 

Sammelübersicht 577 zu Petitionen 

- Drucksache 16/13192 - 

Wer stimmt dafür? - Wer ist dagegen? - Enthaltun- 
gen? - Die Sammelübersicht 577 ist angenommen mit 
den Stimmen der Koalitionsfraktionen und der FDP- 
Fraktion bei Gegenstimmen der Fraktion Die Linke und 
Enthaltung der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. 

Tagesordnungspunkt 67 cc: 

Beratung der Beschlussempfehlung des Petitions- 
ausschusses (2. Ausschuss) 

Sammelübersicht 578 zu Petitionen 

-Drucksache 16/13193 - 

Wer stimmt dafür? - Ist jemand dagegen? - Enthal- 
tungen? - Die Sammelübersicht 578 ist einstimmig an- 
genommen. 

Tagesordnungspunkt 67 dd: 

Beratung der Beschlussempfehlung des Petitions- 
ausschusses (2. Ausschuss) 

Sammelübersicht 579 zu Petitionen 

- Drucksache 16/13194 - 

Wer stimmt dafür? - Dagegen? - Enthaltungen? - Die 
Sammelübersicht 579 ist angenommen mit den Stimmen 
der Koalitionsfraktionen, der FDP-Fraktion und der 
Fraktion Die Linke bei Gegenstimmen der Fraktion 
Bündnis 90/Die Grünen. 

Tagesordnungspunkt 67 ee: 

Beratung der Beschlussempfehlung des Petitions- 
ausschusses (2. Ausschuss) 

Sammelübersicht 580 zu Petitionen 

-Drucksache 16/13195 - 

Wer stimmt dafür? - Wer ist dagegen? - Enthaltun- 
gen? - Die Sammelübersicht 580 ist angenommen mit 
den Stimmen der Koalitionsfraktionen und der FDP- 
Fraktion sowie der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen bei 
Gegenstimmen der Fraktion Die Linke. 



25078 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt 

Tagesordnungspunkt 67 ff: 

Beratung der Beschlussempfehlung des Petitions- 
ausschusses (2. Ausschuss) 

Sammelübersicht 581 zu Petitionen 

-Drucksache 16/13196 - 

Wer stimmt dafür? - Wer ist dagegen? - Enthaltun- 
gen? - Die Sammelübersicht 581 ist angenommen mit 
den Stimmen der Koalitionsfraktionen und der FDP- 
Fraktion bei Gegenstimmen der Fraktion Bündnis 90/ 
Die Grünen und Enthaltung der Fraktion Die Linke. 

Tagesordnungspunkt 67 gg: 

Beratung der Beschlussempfehlung des Petitions- 
ausschusses (2. Ausschuss) 

Sammelübersicht 582 zu Petitionen 

-Drucksache 16/13197 - 

Wer stimmt dafür? - Wer ist dagegen? - Enthält sich 
jemand? - Die Sammelübersicht 582 ist damit angenom- 
men mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen und der 
FDP-Fraktion bei Gegenstimmen der Fraktion Bünd- 
nis 90/Die Grünen und der Fraktion Die Linke. 

Tagesordnungspunkt 67 hh: 

Beratung der Beschlussempfehlung des Petitions- 
ausschusses (2. Ausschuss) 

Sammelübersicht 583 zu Petitionen 

-Drucksache 16/13198 - 

Wer stimmt dafür? - Wer ist dagegen? - Wer enthält 
sich? - Die Sammelübersicht 583 ist damit angenommen 
mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen und der Frak- 
tion Bündnis 90/Die Grünen bei Gegenstimmen der 
Fraktion der FDP und der Fraktion Die Linke. 

Nun haben wir noch Tagesordnungspunkt 67 ii: 

Beratung der Beschlussempfehlung des Petitions- 
ausschusses (2. Ausschuss) 

Sammelübersicht 584 zu Petitionen 

-Drucksache 16/13199 - 

Wer stimmt dafür? - Wer isf dagegen? - Enthält sich 
jemand? - Die Sammelübersicht 584 ist damit angenom- 
men mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen gegen 
die Stimmen der Oppositionsfraktionen. 

Ich bedanke mich herzlich für die Konzentration und 
die gute Begleitung bei diesen Abstimmungen. 

(Ulla Burchardt [SPD]: Gute Leitung!) 

Ich komme nun zum Zusatzpunkt 4: 

Aktuelle Stunde 

auf Verlangen der Fraktion DIE LINKE 

Forderungen des bundesweiten Bildungs- 
streiks ernst nehmen 

Ich eröffne die Aussprache. Als erste Rednerin hat 
das Wort die Kollegin Cornelia Hirsch für die Fraktion 
Die Linke. 


(Beifall bei der LINKEN) 

Cornelia Hirsch (DIE LINKE): 

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 
ln den letzten Tagen waren weit über 200 000 Schülerin- 
nen und Schüler, Auszubildende und Studierende auf der 
Straße. Sie fordern mehr Geld für Bildung, selbsfbe- 
stimmtes Lernen, bessere Schulen und Hochschulen. 

(Zuruf von der CDU/CSU: Insbesondere in 
Berlin!) 

Die Linke sagt: Diese Bildungsstreikwoche ist schon 
jetzt ein Erfolg; denn den Studierenden, den Schülerin- 
nen und Schülern und den Auszubildenden ist das gelun- 
gen, was die Placebo- und Sonntagsredenpolitik der Re- 
gierung mit Bildungsreisen und Bildungsgipfeln nicht 
vermocht hat, nämlich endlich Bewegung in die bil- 
dungspolitische Debatte zu bringen. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Das ist längst überfällig. Wir brauchen eine grundle- 
gende Bildungsreform. 

(Stefan Müller [Erlangen] [CDU/CSU]: Da sind 
wir mal auf Ihre Vorschläge gespannt!) 

Die Linke hat diese Aktuelle Stunde beantragt, weil es 
uns wichtig ist, dass die berechtigten Forderungen der 
Jugendlichen nicht einfach verpuffen und nur zu neuen 
Sonntagsreden führen, sondern emsf genommen werden. 

Wenn wir uns die bisherigen Reaktionen anschauen, 
so scheint dies leider wieder einmal nicht der Fall zu 
sein. Ich beginne einmal mit den Reaktionen aus der 
Union und allen voran der Bundesbildungsministerin 
Annette Schavan, die bei dieser Debatte leider nicht an- 
wesend ist. Sie sagt, diese Proteste seien zum Teil ges- 
trig. Sie wirft den Studierenden vor, dass sie mit ihrer 
Kritik am Bachelor- und Mastersystem den kompletten 
europäischen Hochschulraum infrage stellen, was diese 
doch nicht allen Ernstes tun könnten. 

Liebe Regierung, liebe Kolleginnen und Kollegen 
von der Union, aus unserer Sicht ist das, was die Minis- 
terin tut, gestrig. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Offensichtlich kennt sie die wahren Zustände an den 
Hochschulen nicht. Sie sollte mehr vor Ort sein. Dann 
würde sie sehen, dass alle zentralen Versprechungen des 
Bologna-Prozesses gebrochen wurden. 

Sie haben gesagt, es solle mehr Mobilität geben. Sie 
haben gesagt, es solle eine bessere Lehre geben. Die Stu- 
dierenden stellen nun ganz konkret fest, dass ihre Studien- 
gänge unstudierbar werden, dass sie nach dem Bachelor 
die Hochschule verlassen sollen und kein Masterstudium 
mehr aufhehmen können, dass es weniger Qualität statt 
mehr Qualität gibt und nicht einmal mehr ein Wechsel in- 
nerhalb Deutschlands möglich ist. Das zeigt doch, dass 
die Kritik berechtigt und notwendig ist. An dieser Situa- 
tion muss sich etwas ändern. Die Regierung könnte etwas 
mehr tun, als nur zu sagen, es handele sich um „gestrige“ 
Proteste. 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25079 


Cornelia Hirsch 

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten 
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) 

In eine ganz andere Riehtung gehen die Reaktionen 
aus der SPD. 

(Ulla Burehardt [SPD]: Da bin ich jetzt ge- 
spannt!) 

Dort spricht man von Solidarität und Unterstützung für 
diese Forderungen. An dieser Stelle müssen wir sagen: 
Das ist zu einem großen Teil unglaubwürdig. 

(Christel Humme [SPD]: Wo waren Sie die 
letzten Jahre?) 

Ich möchte das an einem Beispiel deutlich machen, an 
der Forderung „Mehr Geld für Bildung!“, was eine der 
zentralen Forderungen der Streikenden ist. Mehr Geld 
für Bildung - Sie sagen, dass Sie diese Forderung unter- 
stützen. In der letzten Sitzungswoche haben wir hier 
über die Föderalismusreform II abgestimmt. Die Schul- 
denbremse ist auch mit den Stimmen Ihrer Fraktion im 
Grundgesetz verankert worden. 

(Ulla Burchardt [SPD]: Da verwechseln Sie 
aber ein paar Dinge, liebe Kollegin! Ein biss- 
chen grober Unfug war das!) 

Diese Schuldenbremse bedeutet weniger Geld für Bil- 
dung. Das haben sämtliche Sachverständigen in den An- 
hörungen deutlich gemacht. Wir halten es für grundver- 
kehrt, dass Sie sich hinstellen und sagen: „Schön, dass 
ihr euch engagiert, wir unterstützen das, und ihr habt un- 
sere Solidarität“, da Sie im konkreten politischen Han- 
deln das Gegenteil machen. 

(Beifall bei der LINKEN - Ulla Burchardt 
[SPD]: Das hat Ihnen nicht gepasst!) 

Wenn es Ihnen wirklich darum geht, mehr Geld für 
die Bildung bereitzustellen, dann wären Forderungen 
wie die, die die Linke aufgestellt hat, angebracht: eine 
Gemeinschaflsaufgabe Bildungsfinanzierung, ein Natio- 
naler Bildungspakt, mindestens 7 Prozent des Bruttoin- 
landsprodukts für Bildung bereitstellen. Das wären For- 
derungen gewesen, denen Sie hätten zustimmen müssen, 
anstatt eine weitere Runde bildungspolitischer Sonntags- 
reden einzuleiten. 

(Willi Brase [SPD]: Sie hätten beim BAföG 
zustimmen sollen!) 

Ein letztes Beispiel - darüber habe ich mich fast am 
meisten amüsiert -: Stefan Müller, der nach mir spre- 
chen wird, hat sich darüber mokiert, dass die Studieren- 
den, die Auszubildenden, die Schülerinnen und Schüler 
einfach nur im Park sitzen und vor den Karren linker Or- 
ganisationen gespannt würden. 

(Michael Kretschmer [CDU/CSU]: Das ist 
doch so!) 

Lieber Kollege, ich kann Ihnen wirklich nur empfehlen, 
sich so ein Bildungsprotestcamp einmal vor Ort anzu- 
schauen. Dann würden Sie vielleicht erfahren, um was es 
bei diesen Protesten auch geht, nämlich um eine emanzi- 
patorischere Bildung, um ein selbstbestimmteres Lernen. 


(Michael Kretschmer [CDU/CSU]: Wenn Sie 
sich jetzt einmal selbstbestimmt hinsetzen 
würden!) 

Ich glaube, dass wir den Jugendlichen das durchaus Zu- 
trauen sollten und nicht nur davon ausgehen sollten, dass 
Bildung nur dann erfolgreich ist, wenn man den Jugend- 
lichen Wissensinhalte eintrichtert. 

Die Linke findet es richtig, dass mit diesem Bildungs- 
protest der Aufschlag gemacht wurde und dieser hier 
ernst genommen wird. Wir wollen uns ernsthaft einen 
Kopf darüber machen und nicht nur den Jugendlichen 
auf die Schulter klopfen. Wir wollen ein Recht auf Bil- 
dung für wirklich alle durchsefzen. 

Besfen Dank. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: 

Stefan Müller hat jetzt das Wort für die CDU/CSU- 
Fraktion. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Stefan Müller (Erlangen) (CDU/CSU): 

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 
Frau Kollegin Hirsch, Sie haben uns vorgetragen, was 
wir alle schon gewusst haben, nämlich das, was wir in 
den letzten Tagen zu dem sogenannten Bildungsstreik 
gesagt haben. Was Sie wollen, haben Sie uns leider vor- 
enthalten. 

(Cornelia Hirsch [DIE LINKE]: Da haben Sie 
nicht zugehört!) 

Sie hätten lieber mehr zu Ihren Vorschlägen sagen sol- 
len, als sich hier hinzustellen und etwas zu kritisieren, 
was Sie selber mit angestiftet haben. 

Ich finde es schon spannend, dass Sie und Ihre Ju- 
gendorganisation Mitinitiatoren dieses sogenannten Bil- 
dungsstreiks sind. Dann sagen Sie auch noch: Wenn 
schon gestreikt wird, dann muss es besonders schlimm 
sein, dann muss sich auch das Parlament damit beschäf- 
tigen. Das finde ich wirklich sehr bemerkenswert. 

(Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: 

Über Hunderttausende von Menschen!) 

Das Thema dieser Aktuellen Stunde heißt: Forderun- 
gen des bundesweiten Bildungsstreiks ernst nehmen. Ich 
kann für die CDU/CSU-Fraktion sagen, dass wir alle 
Anliegen ernst nehmen und wir es insbesondere ernst 
nehmen, wenn Menschen für politische Anliegen kämp- 
fen; ausdrücklich ja. 

(Volker Schneider [Saarbrücken] [DIE 
LINKE]: Das liest sich aber ein bisschen an- 
ders! - Cornelia Hirsch [DIE LINKE]: Das hat 
man nicht mitbekommen!) 

Natürlich sind die Anliegen, die vorgetragen werden, 
sehr vielschichtig. Man kann einzelne Punkte ja durch- 
aus einmal durchgehen. Wenn es darum geht, kleinere 
Klassen einzurichten und mehr Lehrer einzustellen, be- 
steht volle Zustimmung. Natürlich muss an den Schulen 



25080 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Stefan Müller (Erlangen) 

(A) diesbezüglich noch viel passieren. Natürlich gibt es noch 
Hausaufgaben, die die Bundesländer zu erledigen haben. 

Sie sprachen Fehlentwicklungen im Bologna-Prozess 
an. Ich glaube, wir können heute noch gar nicht abschlie- 
ßend sagen, ob es Fehlentwicklungen gibt. 

(Michael Kretschmer [CDU/CSU]: Eben!) 

Wenn sich nach zwei oder drei Jahren Fehlentwicklun- 
gen herausstellen würden, würde doch niemand von uns 
sagen, dass man diese nicht abstellen muss. Deswegen 
muss man aber nicht das ganze System infrage stellen. 
Das darf man nicht. Es geht nämlich in die richtige Rich- 
tung. Wir brauchen auf europäischer und internationaler 
Ebene eine Vergleichbarkeit. Das ist altemativlos. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Zu den Studiengebühren. Ich respektiere, dass es zum 
Thema Studiengebühren unterschiedliche Auffassungen 
gibt. Eines glaube ich aber nicht: dass Studiengebühren 
allein über Chancengerechtigkeit entscheiden. Wie es 
um die Chancengerechtigkeit bestellt ist, entscheidet 
sich viel früher, zum Beispiel im vorschulischen Be- 
reich, und nicht erst bei der Aufnahme eines Studiums. 

(Christel Humme [SPD]: Die Leute müssen 
für die Studiengebühren arbeiten gehen!) 

Im Übrigen macht es keinen Sinn, in Ländern, in denen 
es gar keine Studiengebühren gibt, dagegen zu demon- 
strieren. 

Teilweise führen wir wieder einmal Debatten von vor- 

(B) gestern, auch in diesem Fall. All die Strukturdebatten, 
die wir uns immer noch leisten, bringen uns überhaupt 
nicht weiter, erst recht nicht in Ländern und Regionen, in 
denen uns allein die demografische Entwicklung zwingt, 
andere und neue Wege zu beschreiten. Wenn wir aber 
immer nur Diskussionen über die Strukturen führen, 
bringt uns das nicht weiter. 

Jetzt komme ich auf die Forderung nach mehr Mitbe- 
stimmung der Studierenden zu sprechen. Ich habe mit 
mehr Beteiligung der Studierenden kein Problem. Aber 
vielleicht sollten wir uns, bevor wir über noch mehr Mit- 
bestimmung diskutieren, erst einmal näher mit der Frage 
befassen: Warum ist die Beteiligung an Wahlen zu Stu- 
dentenparlamenten in den meisten Fällen nicht höher als 
30 Prozent? 

Ich sage noch einmal: Wir, die CDU/CSU, nehmen 
die Forderungen, die erhoben werden, ernst. Wir nehmen 
auch ernst, dass auf Missstände aufmerksam gemacht 
wird und gegen diese Missstände protestiert wird. Wer 
konsequent ist, müsste aber auch auf einen ganz anderen 
Missstand aufmerksam machen, der uns in diesen Tagen 
ebenfalls beschäftigt. Ich zumindest frage mich: Warum 
wird nicht kritisiert, dass Plätze an Berliner Gymnasien 
künftig per Losentscheid vergeben werden? 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- 
neten der FDP - Monika Grütters [CDU/ 
CSU]: Genau! Das ist völliger Unsinn!) 

Auch mit diesem Thema sollten wir uns auseinanderset- 
zen. Diese Regelung führt nämlich in die völlig falsche 


Richtung. Ich würde mir wünschen, dass diejenigen, die (C) 
jetzt Bildungsstreiks initiieren, sich auch einmal zu die- 
sem Thema äußern. Aber hier ist leider Fehlanzeige. Da- 
ran wird deutlich, dass es Ihnen eher um politische Stim- 
mungsmache und weniger um die Sache geht. Ich finde 
das nicht in Ordnung. Im Gegenteil, ich finde, das ist un- 
verantwortlich. 

Frau Hirsch, Sie haben einige wesentliche Punkte an- 
gesprochen. Dass das, was ich gerade gesagt habe - dass 
es Ihnen nicht in erster Linie um die Sache geht -, richtig 
ist, beweist ein Artikel in einer Streikzeitung, den Sie 
verfasst haben. Darin heißt es - ich zitiere -, „dass die 
Hochschulen einen erheblichen Beitrag für die Militari- 
sierungspolitik der Bundesregierung und der NATO leis- 
ten.“ 

(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN) 

Was das mit Bildungspolitik zu tun haben soll, kann ich 
nicht nachvollziehen. 

(Widerspruch bei der LINKEN) 

In einem anderen Artikel heißt es - ich zitiere noch- 
mals -, „dass es nur einen Weg gibt, diese Übel“, ge- 
meint ist der Kapitalismus, „loszuwerden, nämlich den, 
ein sozialistisches Wirtschaftssystem zu etablieren ...“. 

Auch daran wird deutlich: Es geht Ihnen in erster Linie 
um Klassenkampf, wobei allerdings keine Schulklassen 
gemeint sind, sondern etwas ganz anderes. Das, was Sie 
hier machen, ist ausschließlich politische Agitation. Das 
wird der Sache nicht gerecht. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Es gibt einige Begleiterscheinungen, die zu hinterfra- 
gen sind. So heißt es in einem Aufruf zum Bildungs- 
streik in Berlin in einem Veranstaltungshinweis - ich zi- 
tiere noch einmal -: 

Im Sommer sind Parks irgendwie tausendmal at- 
traktiver als Schulen. Darum setzen wir uns lieber 
in den Mauerpark. . . . Bringt alles mit, was für ei- 
nen netten Streik-Tag im Park von Nutzen sein 
kann. 

Dass es in einem Park bei schönem Wetter schöner ist als 
in der Schule, kann ich nachvollziehen. Dass es schöner 
ist, bei schönem Wetter in einem Park zu sitzen als hier 
in einer Aktuellen Stunde, die Sie beantragt haben, zu re- 
den, kann ich auch nachvollziehen. Hier tut allerdings je- 
der von uns seine Pflicht. Allerdings fällt es mir schwer, 
nachzuvollziehen, was das mit der Vertretung von Bil- 
dungsinteressen zu tun haben soll. 

(Monika Grütters [CDU/CSU]: Jawohl!) 

Die Liste solcher Beispiele ließe sich fortsetzen. So 
ist zum Beispiel von geplanten Banküberfällen die Rede. 

(Cornelia Hirsch [DIE LINKE]: Ja! Heute! 

Eine gute Aktion!) 

Man sollte einmal darüber nachdenken, ob das vielleicht 
sogar Straftaten oder schwere Eingriffe in die Rechte 
Dritter sind. 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25081 


Stefan Müller (Erlangen) 

(Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: 

Oh! Oh!) 

Ich wiederhole: Wir nehmen die Anliegen der Studie- 
renden ernst. Sie dürfen aber nicht vergessen, dass ge- 
rade diese Bundesregierung, diese Große Koalition, in 
den letzten vier Jahren mehr für die Bildungspolitik ge- 
tan hat als manch eine Regierung zuvor. Das wird im 
Übrigen auch daran deutlich, dass wir alle die Fortset- 
zung der Bund-Länder-Programme unterstützt haben. 
Wir sollten sachorientiert darüber diskutieren, was sich 
in der Bildungspolitik verändern muss, anstatt hier ir- 
gendwelchen Zirkus zu veranstalten. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: 

Jetzt spricht Cornelia Pieper für die FDP-Fraktion. 

(Beifall bei der FDP) 

Cornelia Pieper (FDP): 

Sehr verehrte Präsidentin! Meine Damen und Herren! 
Ich glaube, wir sollten erst einmal festhalten, dass es be- 
eindruckend ist, dass die Mehrheit der Schülerinnen und 
Schüler und der Studierenden, die gestern auf die Straße 
gegangen sind, in einer friedlichen Demonstration für 
bessere Bildungsbedingungen in Deutschland eingetre- 
ten sind. 

(Beifall bei der FDP, dem BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN und der LINKEN sowie bei Abge- 
ordneten der CDU/CSU und der SPD) 

Ich finde, das ist in einer demokratischen Gesellschaft 
grundsätzlich anerkennenswert. 

Natürlich haben wir in Deutschland immense Bil- 
dungsmängel. Das wird uns immer wieder, nicht nur in 
internationalen Studien, aufgezeigt. Natürlich gibt es 
Schwierigkeiten - wir alle wissen das - bei der Umstel- 
lung auf die neuen Studiengänge Bachelor und Master. 
Wir müssen einfach feststellen, dass diese Debatte für 
unser Land unverzichtbar ist. Ich halte es einfach für 
wichtig, dass wir in den Parlamenten nicht nur Worte 
machen, sondern endlich auch Taten folgen lassen, wenn 
es um mehr Bildungsinvestitionen und um Entscheidun- 
gen für mehr Freiheit der Hochschulen und Schulen in 
diesem Lande geht. 

Ich vermisse in diesem Hause das leidenschaftliche 
Plädoyer der Bundesregierung. 

(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten 
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) 

Heute haben wir, wenngleich auf Antrag der Linken - ich 
komme noch auf Sie zu sprechen -, eine Aktuelle Stunde 
zum Bildungsstreik. Ich erwarte einfach, dass sich die 
Bildungsministerin dazu äußert, erst recht hier im Hohen 
Hause, wenn fast 200 000 junge Menschen draußen auf 
der Straße stehen. Ich bedauere sehr, dass die Bildungs- 
ministerin heute nicht da ist. 

(Beifall bei der FDP, der LINKEN und dem 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Ab- 
geordneten der SPD) 


Frau Hirsch, Sie wettern hier gegen zu geringe Bil- (C) 
dungsinvestitionen. Die Linkspartei regiert in Berlin mit 
und ist daher für den Bildungsabbau im Land Berlin mit- 
verantwortlich. Wo waren Vertreter der Linkspartei aus 
dem Berliner Senat gestern bei den Demonstrationen, 
bei denen es um den Berliner Bildungshaushalt ging? 

Die Opposition war da; Sie waren nicht dabei. Man 
sollte nicht mit Steinen werfen, wenn man selbst im 
Glashaus sitzt. 

(Beifall bei der FDP, der CDU/CSU und dem 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Ich glaube, dass sich dieses Thema nicht für ideologi- 
sche Grabenkämpfe eignet. Wir sollten endlich damit 
aufhören! Wir müssen dieses schablonenhafte Denken 
überwinden. Ich halte aber auch nichts davon, dass diese 
friedlichen Streiks für mehr Bildungsinvestitionen von 
einigen linksradikalen Gruppen in Deutschland zur 
Durchsetzung ihrer politischen Interessen missbraucht 
werden. 

(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU sowie 
des Abg. Dr. Emst Dieter Rossmann [SPD]) 


Ich halte es für ein Zeichen mangelnden Geschichts- 
verständnisses, wenn radikale Gmppen während der 
Ausstellung zum Arbeiteraufstand des 17. Juni den 
Landtag in Mainz stürmen, wenn die FU in Berlin be- 
setzt wird, es dabei letztendlich zu Vandalismus kommt 
und Gelder zur Verfügung gestellt werden müssen, um 
die Schäden zu beheben, die dann für Investitionen in 
Bildung und Forschung fehlen. Das ist nicht die De- (D) 
monstration für eine bessere Bildungspolitik in Deutsch- 
land, die ich mir vorstelle. Wir sollten uns, was die Ideo- 
logisierang anbelangt, sehr in Acht nehmen. 

Wir brauchen starke Botschafter für mehr Bildungsin- 
vestifionen. Gute Bildung kostet viel, schlechte noch viel 
mehr; 

(Beifall bei der FDP) 

das sollten wir uns immer wieder vor Augen führen. Die 
Große Koalition lobt sich zwar an dieser Stelle. Eine 
namhafte Zeitung aus Berlin hat diese Woche aber zehn 
Bildungssünden benannt. Damnter fiel nicht nur der Bil- 
dungsmangel an Schulen und Hochschulen - ich will die 
Bildungssünden nicht alle aufzählen -, sondern auch der 
Bildungsmangel in Kindertagesstätten oder in der Wei- 
terbildung. Ich will daran erinnern, dass die Ausgaben 
der öffentlichen Haushalte für Weiterbildung zwischen 
1999 und 2005 um 20 Prozent reduziert worden sind, 
und das, obwohl wir in diesem Hause des Öfteren über 
einen Paradigmenwechsel zur Wissensgesellschaft, zum 
lebenslangen Lernen sprechen. 

(Beifall bei der FDP) 

Da stelle ich mir einfach eine andere Prioritätensetzung 
vor. 

Um bei der Prioritätensetzung zu bleiben: Die Men- 
schen draußen und die Zuschauer hier im Hohen Hause, 
im Bundestag, sollten wissen, dass der Bundeshaushalt 
lediglich 3 Prozent für Bildung und Forschung vorsieht 


Das darf auch nicht sein. 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Cornelia Pieper 

(A) und fast die Hälfte des Bundeshaushaltes für Sozialaus- 
gaben reserviert ist. Das ist die falsche Prioritätenset- 
zung. 

(Dr. Emst Dieter Rossmann [SPD]: Was ist 
denn Ihre Alternative? Ist das Ihre Alterna- 
tive? Wollen Sie Sozialabbau für Bildung? - 
Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: 

Sie will sogar Steuersenkungen!) 

- Herr Rossmann, ich glaube, wir müssen endlich um- 
denken. Für mich ist bessere Bildungspolitik die eigent- 
liche, präventive Sozialpolitik. Je früher wir in die Köpfe 
investieren, je besser die Ausbildung von jungen Men- 
schen in diesem Land ist, desto besser ist das für unsere 
Sozialsysteme, deren Kosten heute explodieren. 

(Katja Mast [SPD]: Sagen Sie das mal den Rentne- 
rinnen und Rentnern in unserem Land!) 

Die Sozialkosten explodieren auch deshalb, weil wir 
zu wenig in die Bildung sozialer Randgruppen investie- 
ren. 

Das Thema Bildung ist für mich ein Thema der sozia- 
len Gerechtigkeit und der Zukunflsinvestitionen in 
Deutschland. Es gehört ganz oben auf die Prioritäten- 
liste. 

(Dr. Emst Dieter Rossmann [SPD]: Sozialab- 
bau für Bildung, ist das Ihre Linie?) 

- Sozialabbau für Bildung ist nicht unsere Linie, Herr 
Rossmann. 

(Uwe Barth [FDP], an den Abg. Dr. Emst 
Dieter Rossmann [SPD] gewandt: Sie spielen 
gerade beides gegeneinander aus, Herr 
Rossmann!) 

Aber durch Ihre Bildungspolitik, auch in den Ländern, 
hat Sozialabbau stattgefunden. 

(Dr. Emst Dieter Rossmann [SPD]: Was haben 
Sie eben gefordert? - Ulla Burchardt [SPD]: 

Was haben Sie in Nordrhein-Westfalen, Frau 
Kollegin?) 

Es sind nämlich zu wenig Bildungsinvestitionen auf den 
Weg gebracht worden. 

Ich sage noch einmal: Wenn wir etwas bewegen wol- 
len, meine Damen und Herren hier im Hohen Haus, dann 
müssen wir Bildung als gesamtgesellschaftliche Auf- 
gabe begreifen und mehr tun. Bildung ist nicht nur eine 
Aufgabe des Bundes, sondern auch der Länder, die ja 
insbesondere für die Schulen und Hochschulen Verant- 
wortung tragen. 

Vielen Dank. 

(Beifall bei der FDP) 

Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: 

Christel Humme hat jetzt das Wort für die SPD-Frak- 
tion. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 


Christel Humme (SPD): 

Frau Präsidentin! Liebe Kollegen! Liebe Kollegin- 
nen! Wenn 240 000 Schülerinnen und Schüler, Studen- 
tinnen und Studenten auf die Straße gehen, eine Aktions- 
woche ausmfen und uns zu Recht fragen: „Was wird aus 
mir? Was wird aus unseren Bildungschancen?“, dann ha- 
ben sie ein Recht darauf, konkrete Antworten zu bekom- 
men, Frau Pieper und Herr Müller. 

Sie von der Linkspartei betreiben die übliche 
Schwarz-Weiß-Malerei, tun so, als ob nur Sie wüssten, 
in welche Richtung es gehen muss. Das ist unglaubwür- 
dig, und das nehmen Ihnen die jungen Leute auch nicht 
ab, ebenso wenig wie die Überschrift, die Sie für die 
heutige Aktuelle Stunde gewählt haben. 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU - Stefan Müller [Erlangen] 
[CDU/CSU]: Bis jetzt war das, was Sie gesagt 
haben, gut!) 

- Herr Müller, Sie behaupten. Sie nähmen die Studentin- 
nen und Schülerinnen, die Studenten und Schüler ernst. 
Wie können Sie dann behaupten, da wird Stimmung ge- 
macht? 

(Stefan Müller [Erlangen] [CDU/CSU]: Die 
Linken!) 

Wie können Sie behaupten, dass es den Schülerinnen 
und Schülern und den Studentinnen und Studenten nicht 
um Bildung geht, sondern um Party? Damit sprechen Sie 
ihnen die Ernsthaftigkeit ab, nehmen sie nicht ernst. 

(Monika Grütters [CDU/CSU]: Das tun sie 
teilweise selber nicht! Er hat das zitiert! Das 
war nicht seine Erfindung! - Gegenmf des 
Abg. Volker Schneider [Saarbrücken] [DIE 
LINKE]: Das liest sich in der Süddeutschen 
Zeitung ganz anders!) 

Das sollte man auf keinen Fall tun. 

Frau Hirsch, ich weiß nicht, wo Sie die letzten Jahre 
waren. Ich sage für die SPD-Bundestagsfraktion ganz 
stolz: Ohne die SPD hätte es in der bildungspolitischen 
Landschaft in den letzten Jahren keinen frischen Wind 
gegeben, 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

keine Ganztagsschulen, keinen Kitaausbau, nicht mehr 
Studienplätze, keine Sanierung von Kitas, Schulen und 
Hochschulen und keine Fortsetzung der Hochschul- und 
Wissenschaftsinitiative, vor allen Dingen aber keine 
zweimalige Erhöhung des BAfÖGs. Das hat die SPD 
durchgesetzt. Das waren keine Sonntagsreden, das wa- 
ren unsere konkreten Antworten auf notwendige Verbes- 
serungen in der Bildungslandschaft. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD - Stefan 
Müller [Erlangen] [CDU/CSU]: Allein haben 
Sie das nicht beschließen können!) 

Klar ist, Frau Pieper - andere haben das auch gesagt -: 
Wir stehen vor großen Herausforderungen. Unser Bil- 
dungssystem ist nach wie vor unterfinanziert. Wir brau- 
chen mehr Geld. Wir haben nach wie vor ein Bildungs- 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Christel Humme 

(A) System, das ausgrenzt, höchst selektiv ist, viel zu 
undurchlässig ist und wenn, dann nur von oben nach un- 
ten, nicht aber von unten nach oben. 

Schauen wir uns die Forderungen der Protestbewe- 
gung konkret an! Ich möchte gerne fünf Punkte aufgrei- 
fen, die zu diesen Forderungen gehören. 

Erstens. Die jungen Leute warnen davor, Bildung nur 
noch unter ökonomischen Gesichtspunkten zu betrach- 
ten. - Ja, Bildung ist mehr als ein ökonomisches Gut. 
Wir sagen: Bildung ist ein Menschenrecht, ein Wert an 
sich. Es geht dabei um Lebenschancen und Teilhabe. In- 
sofern teilen wir die Auffassung der jungen Menschen 
voll und ganz. 

Zweitens. Die jungen Menschen warnen vor einer zu- 
nehmenden Privatisierung der Bildung. - Sie haben 
recht damit. Die Verkürzung der Schulzeit an den Gym- 
nasien - schauen wir uns das einmal an! - führt dazu, 
dass die Eltern immer mehr Geld für Nachhilfeunterricht 
ausgeben. Eine Studie belegt, dass bis zu 3 Milliarden 
Euro pro Jahr für Nachhilfe ausgegeben werden. Wenn 
das der Fall ist, dann ist mit unserem Bildungssystem et- 
was nicht in Ordnung. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

Drittens. Die jungen Leute fordern, dass Bildung eine 
öffentliche Aufgabe bleibt. - Auch dem stimmen wir zu. 
Es ist die Aufgabe des Staates, für ausreichende Kifa- 
plätze, gufe Schulen und offene Hochschulen zu sorgen. 

(Beifall bei Abgeordnefen der SPD) 

(B) Das gilt - keine Frage - auch für die Ausgestaltung von 
Bachelor und Master. Da müssen wir gegenüber der Kul- 
tusministerkonferenz den Anspruch haben, dass kontrol- 
liert wird, was gut ist und was schlecht ist, und dass die 
Hausaufgaben gemacht werden. 

Es bleibt natürlich die Aufgabe des Staates, für den 
sozialen Ausgleich zu sorgen. Darum denke ich, dass der 
vierte Punkt sehr wichtig ist. Die jungen Leute fordern, 
keine Studiengebühren zu erheben. 

(Beifall bei der SPD) 

Es gibt kein unsozialeres Ausschlusskriterium als Stu- 
diengebühren. 

(Stefan Müller [Erlangen] [CDU/CSU]: Das 
ist Quatsch! Warum steigen dann die Studie- 
rendenzahlen?) 

Darum gibt es in keinem SPD-regierten Land allgemeine 
Studiengebühren. 

(Beifall bei der SPD) 

Der fünfte und letzte Punkt, den ich erwähnen 
möchte, ist die finanzielle Ausstattung, die Sie ja auch 
schon angesprochen haben, Frau Pieper. Die jungen 
Leute sagen: Wir brauchen mehr Geld und mehr Bil- 
dungsinvestitionen. - Dem können wir voll zustimmen. 
Wir haben das 10-Prozent-Ziel. 10 Prozent des Bruttoin- 
landsprodukts wollen wir zukünftig für Bildung und For- 
schung ausgeben. 

(Cornelia Pieper [FDP]: Wir auch!) 


Das isf eine Riesenkraflanstrengung, vor allen Dingen (C) 
unter den gegebenen Bedingungen der Krise; das ist 
überhaupt keine Frage. 

(Cornelia Pieper [FDP]: Richtig!) 

Deshalb kann ich es überhaupt nicht verstehen - das 
sage ich in Richtung der rechten Seite des Hauses -, dass 
man die Forderung stellt, die Steuern stärker zu senken. 

Das ist für mich an dieser Stelle völlig unverständlich. 

(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN sowie des Abg. Volker 
Schneider [Saarbrücken] [DIE LINKE]) 

Ich glaube, wir haben ein viel besseres Konzept. Wir 
sagen: Wenn mehr Geld zur Verfügung gesfellt wird, 
dann muss dies mit einem Bildungssoli auch gerecht fi- 
nanziert werden. - Das ist unsere Antwort auf die Forde- 
rung, mehr Geld in die Bildung zu investieren. 

(Cornelia Pieper [FDP]: Dafür braucht man 
Steuereinnahmen, und damit hat man auch 
mehr Geld für die Bildung!) 

Ich komme zum Schluss. - Ich denke, wir sollten die 
Jugendlichen, die auf der Straße sind und viele Fragen 
haben, tatsächlich ernst nehmen. Wir sollten ihnen Ant- 
worten geben. Unsere Antworten heißen: mehr Bil- 
dungsinvestitionen, die gerecht finanziert sind, keine 
Studiengebühren, weniger Privatisierung und mehr staat- 
liche Verantwortung. - Ich denke, das sind richtige und 
konkrete sozialdemokratische Antworten. 

Schönen Dank. 

(D) 

(Beifall bei der SPD) 

Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: 

Jetzt hat Kai Gehring für Bündnis 90/Die Grünen das 
Wort. 

Kai Gehring (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): 

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 

Ich bin froh darüber, dass Schülerinnen und Schüler so- 
wie Studierende ihren Unmut über die Bildungsmisere in 
unserem Land in diesen Tagen mit kreativen und bunten 
Aktionen auf die Straße tragen. Das ist erst einmal eine 
positive Meldung, zumal sonst an vielen anderen Stellen 
über die Politikfeme von Jugendlichen lamentiert wird. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
und bei der SPD sowie des Abg. Volker 
Schneider [Saarbrücken] [DIE LINKE]) 

Für den bundesweiten Bildungsstreik gibt es in der 
Tat sehr gute Gründe: Durch die vielerorts schlechten 
Lembedingungen an unseren Schulen, Universitäten und 
Fachhochschulen sind viele junge Menschen bedrückt 
und empört; denn sie sind die Leidtragenden von 
schlechten und falsch gemachten Bildungsreformen. 
Deshalb ist der laute Ruf nach einer neuen Bildungsof- 
fensive überfällig. Deshalb isf es so wichtig, einen Kurs- 
wechsel einzuleiten. 

Unser Bildungssystem ist heute ungerecht, demotivie- 
rend und noch immer chronisch unterfinanziert. Pro Jahr 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Kai Gehring 

(A) fehlen zum OECD-Durchschnitt bis zu 20 Milliarden 
Euro. Unser Bildungssystem darf deshalb nicht länger 
Spitzenreiter in sozialer Auslese bleiben, sondern es 
müssen eine individuelle Förderung ermöglicht und glei- 
che Chancen und Aufstiegsmöglichkeiten für alle ge- 
währleistet werden. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DlE GRÜNEN 
sowie bei Abgeordneten der SPD) 

Die Tendenz, vor allem seitens der FDP und der 
Union, die Bildung rein marktwirtschaftlichen Kriterien 
zu unterwerfen, führt in die Sackgasse. 

(Stefan Müller [Erlangen] [CDU/CSU]: Das 
wollen wir überhaupt nicht! Wer behauptet das 
denn? Das ist falsch!) 

Sie sagen in Nordrhein-Westfalen: Privat vor Staat. - 
Das ist das falsche Rezept für Bildungsreformen, und 
das muss man hier auch klar festhalten. 


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DlE GRÜNEN 
und bei der SPD) 

Wir Grüne wollen dagegen eine gute öffentliche Finan- 
zierung unseres Bildungs- und Hochschulsystems si- 
cherstellen. Dafür schlagen wir unter anderem einen Bil- 
dungssoli vor. 


(B) 


Auch ein vielgliedriges Schulsystem wie in Nord- 
rhein-Westfalen ist nicht mehr zukunflsfähig. Wir wol- 
len eine Schule für alle Kinder und alle Jugendlichen in 
unserem Land, weil so individuelle Förderung besser ge- 
lingen kann und soziale Selektivität verringert wird. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DlE GRÜNEN - 
Emst Burgbacher [FDP]: Oh, oh!) 


- Schauen Sie sich die Gewinnerländer bei der PISA- 
Studie und die schlechten Ergebnisse in Nordrhein- 
Westfalen unter der jetzigen schwarz-gelben Landesre- 
gierung an! 


(Uwe Barth [FDP]: Hamburg zum Beispiel!) 


Wichtig ist auch, dass Studiengebühren kritisch hin- 
terfragt werden; denn sie schrecken vom Studium ab. 
Deshalb wollen wir sie abschaffen bzw. verhindern. 
Auch durch Studienplatzmangel und Zugangshürden 
werden die Wege auf den Campus verbaut. Deshalb for- 
dern wir 500 000 zusätzliche Studienplätze in den nächs- 
ten fünf Jahren und eine gerechtere Studienfinanziemng 
mit einem Zwei-Säulen-Modell. 


Kurzum: Wir Grüne wollen mehr Geld, wir wollen 
aber auch bessere Strukturen und eine höhere Qualität in 
unserem Bildungssystem insgesamt erreichen: von der 
Kita über die duale Ausbildung bis hin zur Weiterbil- 
dung. 

Die derzeitige Protestkultur und -bereitschaft sind 
eine Chance auf eine neue gesellschaftliche Bewegung 
und eine breitere Bildungsdebatte in unserem Land, was 
wir uns als Bildungspolitiker geradezu wünschen. Des- 
halb sage ich insbesondere in Richtung der Union: Die 
junge Generation braucht Aufmerksamkeit und Respekt 
für ihre Fordemngen statt Häme und Ignoranz. 


Herr Müller, auch ich habe Ihre Pressemitteilung mit (C) 
Freude gelesen. Sie stellen fest, dass man durch die Pro- 
teste von der Ausbildung abgehalten wird. Zu Bildung 
gehört aber auch Freiheit, und zwar nicht zuletzt die 
Freiheit, in einer Aktionswoche darüber nachzudenken 
und zu diskutieren, wie unser Bildungssystem besser ge- 
staltet werden kann. 

(Stefan Müller [Erlangen] [CDU/CSU]: Aber 
nicht darüber, wie man Hörsäle besetzt! Sagen 
Sie doch mal etwas zur Besetzung von Hörsä- 
len! Ist das auch Freiheit?) 

Solche Freiräume für Engagement und kritische Re- 
flexion sind wertvoll und wichtig. Genau diese Zeitfens- 
ter und Freiräume werden durch die Schul- und Studien- 
zeitverkürzung immer enger. Das ist ein wichtiger Punkt. 

Wir sind nicht gegen eine Schulzeit- oder Studienzeit- 
verkürzung. Die Bologna-Reform oder das Abitur nach 
zwölf Jahren sind aber in vielen Ländern handwerklich 
schlecht umgesetzt worden. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DlE GRÜNEN 
und bei der SPD sowie der Abg. Cornelia 
Pieper [FDP]) 

Die Verkürzungen gingen eben nicht mit einer Ent- 
frachtung der Curricula oder der Studienordnung einher. 

Sie brachten nicht mehr Qualität, sondern oftmals mehr 
Druck und eine höhere Arbeitsbelastung. Genau dieser 
zentrale Konstruktionsfehler muss behoben werden. 
Schule und Studium brauchen mehr zeitliche Flexibili- 
tät, zum Beispiel sieben- oder achtsemestrige Bachelor- 
Studiengänge. 

Auch ich möchte an Frau Schavan gerichtet feststel- (B) 
len, dass die Forderungen der Demonstrierenden nicht 
gestrig sind. Die junge Generation ist nicht gegen die 
Vision eines europäischen Hochschulraums; sie lebt das 
längst. Keine Generation zuvor war so mobil, flexibel 
und offen fürs Ausland. Sie beklagt aber die schlechten 
Studienbedingungen und die teils miserable Umsetzung 
der Bologna-Reform nach dem Motto „Verschulen, Ver- 
dichten, Umbenennen“. Darauf kann man nicht einfach 
antworten: Wir haben alles richtig gemacht. - Diese Stu- 
dienstrukturreform braucht dringend eine Reform. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DlE GRÜNEN) 

„Wäre die Bildung eine Bank, hättet ihr sie längst ge- 
rettet“, wurde auf den Demonstrationen skandiert. Das 
mögen Sie populistisch finden; es zeigt aber das Problem- 
bewusstsein der Schüler und Studierenden. Einerseits 
wird immer gesagt, dass das Geld für dringende Bil- 
dungsreformen fehlt. Andererseits bewirkt die Große Ko- 
alition für Banken- und Untemehmensrettungsschirme 
sowie für unausgegorene Konjunkturpakefe - zum Bei- 
spiel mal eben 5 Milliarden Euro für eine aberwifzige 
Abwrackprämie - 

(Widerspruch bei der CDU/CSU und der SPD - 
Katja Mast [SPD]: Das machen alle nach!) 

eine beispiellose Rekordneuverschuldung. Die junge 
Generation merkt doch, dass die Prioritäten offensicht- 
lich falsch gesetzt und die Generationengerechtigkeit 
massiv verletzt werden. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DlE GRÜNEN) 



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Kai Gehring 

Wenn man darüber hinaus noch Steuersenkungen ä la 
FDP und CDU/CSU vornehmen will, dann frage ich 
mich, wie Sie die Forderung nach höheren Bildungsin- 
vestitionen Umsetzen wollen. Dann fahrt doch der Bun- 
deshaushalt völlig vor die Wand. 

Auch Union und SPD haben zulasten künftiger Gene- 
rationen verbockt, dass der Bund in der Bildungspolitik 
wirkungsvolle Impulse setzen kann. Die Föderalismus- 
reform war bildungspolitisch absoluter Murks. Daher 
muss das weitreichende Kooperationsverbot zwischen 
Bund und Ländern im Bildungsbereich fallen. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
und bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten 
der SPD - Dr. Emst Dieter Rossmann [SPD]: 

Das wird Hamburg jetzt mit durchkämpfen! - 
Gegenmf der Abg. Ulla Burchardt [SPD]: Die 
hatten sich jetzt schon bei der Föderalismusre- 
form II profiliert!) 

Wir sind der Auffassung, dass nur gemeinsam der Kraft- 
akt gelingen kann, einen Kurswechsel für einen gesamt- 
staatlichen Bildungsaufbmch einzuleiten. 

Wenn wir die genannten Schritte in der nächsten Le- 
gislaturperiode angehen und umsetzen, dann war der 
bundesweite Bildungsstreik ein Erfolg. 

Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: 

Herr Kollege. 

Kai Gehring (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): 

Ja. - Diesen Erfolg wünsche ich sowohl den Protes- 
tierenden als auch uns. 

Vielen Dank. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: 

Michael Kretschmer spricht jetzt für die CDU/CSU- 
Fraktion. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Michaei Kretschmer (CDU/CSU): 

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Es gibt 
keinen Politikbereich, der mit so viel Ideologie aufgela- 
den ist wie die Bildung. Das wird auch heute wieder 
deutlich. Man muss sich über die Wortbeiträge vor allen 
Dingen vonseiten der Linken wundem. Wenn ich höre 
„Ökonomisiemng der Bildung“ oder „Bildung als öf- 
fentliches Gut“ oder „sozialer Ausgleich“, 

(Beifall bei der LINKEN) 

dann muss ich darauf hinweisen, dass all das in diesem 
Land Realität ist. 

(Lachen bei der LINKEN) 

- Ich weiß nicht, in welchem Land der Welt, wenn nicht 
in Deutschland, das Realität sein soll. 

(Stefan Müller [Erlangen] [CDU/CSU]: Auf 
Kuba nicht!) 


Diese Debatte ist richtig und notwendig. Wenn sie tat- (C) 
sächlich geführt wird, um nachzudenken und um neue 
Ideen hervorzubringen, ist sie auch hilfreich. Was hier 
gemacht wird, geht aber komplett am Thema Bildung in 
diesem Land vorbei. Die Herausfordemngen können mit 
Begriffen wie „demografische Entwicklung“ oder „Glo- 
balisierang“ oder „Wissensgesellschaft“ beschrieben 
werden. Die Frage lautet aber: Was müssen wir tun, da- 
mit Junge und Ältere diesen Herausfordemngen gerecht 
werden? Wie können wir sicherstellen, dass sie in einer 
sich verändernden Welt bestehen können? Dafür müssen 
wir die Voraussetzungen schaffen. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Wir haben in den vergangenen Monaten und Jahren 
viel Gutes erreicht. Natürlich muss das Bildungssystem, 
insbesondere das Hochschulsystem, stets weiterentwi- 
ckelt werden. Deswegen muss man immer Fragen stel- 
len. Man muss aber auch zur Kenntnis nehmen, dass Gu- 
tes und Richtiges passiert ist. Es ist aber bösartig und 
geht an der Sache vorbei, wenn die Leute, die vor Mona- 
ten und Jahren - im Übrigen zu Recht - bemängelt ha- 
ben, dass die Schulgebäude nicht in Ordnung sind, dass 
es zu wenige Kindergärten gibt und dass die Turnhallen 
nicht in Ordnung sind, uns vorwerfen, dass dieses gewal- 
tige Konjunkturpaket, welches den Fokus ganz klar auf 
Bildung legt, am Bedarf vorbeigeht. Im Gegenteil: Das 
Konjunkturpaket ist ein gewaltiger Kraftakt und wird da- 
für sorgen, gerade im Bereich der Bildung vernünftige 
Bedingungen zu schaffen. Es ist gut, dass wir das ge- 
macht haben. 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- (D) 
neten der SPD) 

Ein weiterer Punkt geht völlig an der Sache vorbei. Es 
gibt drei Pakte: die Exzellenzinitiative, den Hochschul- 
pakt und den Pakt für Forschung und Innovationen; sie 
haben einen Umfang von 18 Milliarden Euro. Das ist 
eine gewaltige Leistung von Bund und Ländern. 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- 
neten der SPD) 

Es ist ein Beweis dafür, dass der Föderalismus funktio- 
niert und dass dieses Land auf Zukunft setzt. Dann kom- 
men aber manche und sagen: Das ist völlig an der Sache 
vorbei. Wir wollen das nicht. Das ist nur für die Elite. - 
Es handelt sich aber um eine großartige Sache. Es ist 
toll, das Deutschland so etwas macht und wir es hinbe- 
kommen haben. 

Es geht noch weiter. Ich höre immer wieder von ein- 
zelnen Debatten, zum Beispiel von der Debatte in Berlin. 

Dort soll das Abitur bzw. der Zugang zum Gymnasium 
verlost werden. Das kann doch nicht wahr sein! Das ist 
doch nicht Ihr Emst! 

(Monika Grütters [CDU/CSU]: In Berlin bei 
Rot-Rot ist das wahr! Die meinen das ernst! - 
Ulla Burchardt [SPD]: Machen Sie sich sach- 
kundig! Hier wird kein Abitur verlost!) 

Dieselben Leute kommen dann und machen uns Vor- 
würfe. Das gibt es in keinem anderen Land auf der Welt. 

Die Leute fragen sich, ob wir noch ganz dicht sind. 



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Michael Kretschmer 

(A) Diese Leute sagen uns dann, wie Bildung organisiert 
wird. Ich sage Ihnen ganz deutlich: Bildung ist eine Sa- 
che der Länder. Ich als Sachse bin froh darüber, dass ich 
mit dem Bildungssystem von Berlin nichts zu tun habe. 
Wir wollen das nicht haben. 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- 
neten der FDP) 

Wir wollen ein vernünftiges Bildungssystem. Wir 
wollen den Föderalismus, gerade im Bildungsbereich. 
Mit denjenigen, die willig sind, gemeinsam etwas zu tun, 
schaffen wir mehr Qualität im Bildungsbereich. Qualität 
setzt sich durch. Länder wie Berlin werden aber ganz 
schnell zurückfallen. Hoffentlich werden die Verant- 
wortlichen wegen der Experimente, die mit jungen Leu- 
ten gemacht werden, abgewählt. Denn das ist nicht in 
Ordnung. 

(Mechthild Rawert [SPD]: Was haben Sie 
denn gegen Berlin? - Swen Schulz [Spandau] 
[SPD]: So ein alberner Quatsch!) 

Ich möchte noch auf einige Punkte eingehen, die im- 
mer wieder angesprochen werden. Wir haben zu Recht 
gesagt, dass wir die Abiturquote erhöhen wollen. Wir 
müssen aber gleichzeitig die Frage stellen, was ein Abi- 
turient am Ende seiner Schulzeit können muss. Wir wol- 
len mehr Studenten der Natur- und Ingenieurwissen- 
schaften haben. Wir müssen aber die Frage beantworten, 
was ein junger Mann oder eine junge Frau können muss, 
um dieses Studium zu absolvieren. Deshalb müssen wir 
über die Ziele und Inhalte des Bildungssystems reden. 

(B) Bevor wir über Strukturen reden, müssen wir über Leis- 
tungen reden. Die jetzt geführte Debatte hat etwas Des- 
truktives, weil sie sich nicht mit den eigentlichen Inhal- 
ten beschäftigt, sondern nur an der Oberfläche 
entlangschrammt. 

Von Bundesland zu Bundesland gibt es große Unter- 
schiede. Manche Länder sind im PISA- Vergleich ganz 
vom gelandet und somit auf dem Niveau Finnlands. An- 
dere Länder bewegen sich auf dem Bildungsniveau von 
Mexiko. Ich wünsche mir eine Debatte, die sich damit 
ernsthaft auseinandersetzt. Erschreckenderweise stellt 
man fest, dass die jungen Leute dort, wo linke Ideolo- 
gien am Werk sind und wo es nicht um Leistung geht, 
schlechtere Chancen haben. 

(Swen Schulz [Spandau] [SPD]: Ihr seid ja so 
sachlich, so ganz ohne Ideologie!) 

Das ist eine Wahrheit, die angesprochen werden muss. 

Über eines bin ich wirklich froh: Alle Versuche, im 
Rahmen des Bildungsstreiks die jungen Leute aufzuput- 
schen und zu instmmentalisieren, haben nicht gefruchtet. 
In aller Regel waren es friedliche Diskussionen. Man 
kann sich auf die deutsche Jugend verlassen, und das ist 
gut so. 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- 
neten der SPD - Zumfe von der SPD: „Die 
deutsche Jugend“? - Mechthild Rawert [SPD]: 

Sind Sie jetzt auch verlassen? Sie sind doch 
eindeutig noch jung!) 


Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: (C) 

Volker Schneider hat jetzt das Wort für die Fraktion 
Die Linke. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Volker Schneider (Saarbrücken) (DIE LINKE): 

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 

Herr Kretschmer, was Sie hier erzählen, ist das eine. Was 
Sie aber im Vorfeld verbreitet haben, ist etwas ganz an- 
deres. Ein Beispiel: Dass so viele an den Demonstratio- 
nen teilgenommen haben, ist doch bestimmt nicht Ihr 
Verdienst. In Baden- Württemberg beispielsweise sind 
Schülerinnen und Schüler massiv mit Repressionen für 
den Fall bedroht worden, dass sie an den Demonstrationen 
teilnehmen. Schuld daran ist ein Kultusminister Ihrer 
Partei, nämlich Helmut Rau. Das ist die Politik, die Sie 
hier betreiben. 

(Beifall bei der LINKEN sowie der Abg. Katja 
Mast [SPD]) 

Die Resonanz auf diesen Bildungsstreik quer durch 
die Bevölkerung ist nicht nur im linken Lager, wie die 
Union das nennt, mehr als positiv. Selbst die Präsidentin 
der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel, 
hat gesagt, sie könne gut nachvollziehen, dass viele Stu- 
dierende ihre Situation nicht akzeptieren könnten und für 
eine Verbesserung der Studienbedingungen auf die 
Straße gingen. Auch das Institut der deutschen Wirt- 
schaft sagt, dass die Protestaktionen wichtig seien und 
die bildungspolitischen Anstrengungen insbesondere im 
Hinblick auf die sogenannten bildungsfemen Schichten 
und Migranten zu verstärken seien: 

Mehr Bildung insbesondere bei diesen Gruppen ver- 
bessert deren soziale Lage und schafft mehr Wachs- 
tumspotenziale für die gesamte Volkswirtschaft. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Der Präsident des Deutschen Studentenwerks, Rolf 
Dobischat, hat gesagt: 

Unterfinanzierte Hochschulen und Studentenwerke; 
Studiengebühren, aber viel zu wenige Stipendien; 
eines der sozial selektivsten Hochschulsysteme 
weltweit. Studierende, die sich als „Kunden“ ihrer 
Hochschule und nicht als Mitgestalter begreifen sol- 
len; Stress und Leistungsdruck in überfrachteten 
Bachelor-Studiengängen: Es gibt viele gute Gründe, 
um zu protestieren. 

Dem haben wir als Linke kaum noch etwas hinzuzufü- 
gen. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Frauke Hass kommt in einem Kommentar der Frank- 
furter Rundschau sogar zu dem Ergebnis: 

Es werden sich selbst bei intensiver Suche in den 
politischen Zirkeln der Republik nur wenige finden, 
die diese Kritik rundweg zurückweisen würden. 

Weit gefehlt, Frau Hass! Die Union scheint, abgesehen von 
dem, was sie hier erzählt, gegen derlei Einsichtsfähigkeit 
einigermaßen resistent zu sein. Der Bildungsministerin 



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Volker Schneider (Saarbrücken) 

muss man fast das Kompliment machen, dass sie immer- 
hin die Argumente der Studierenden aufgegriffen hat. 
Allerdings komme ich nach der Lektüre ihres Interviews 
im Deutschlandfunk zu dem Ergebnis, dass diejenigen, die 
gestrig sind, auf der anderen Seite des Mikrofons saßen. 

(Beifall der Abg. Dr. Emst Dieter Rossmann 
[SPD] und Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN]) 

Was ist denn sonst aus der Union zu hören? Man muss 
wirklich genau hinschauen. Die Schüler-Union äußert 
sich, im Zweifelsfall auch ohne irgendwelche Informatio- 
nen zu haben. Ich frage, wie ich denn sonst Folgendes 
verstehen darf: 

Bald haben wir Zustände wie Ende der 60er-Jahre. 
Linksradikale Ideologen stellen unseren Rechtsstaat 
infrage. Wann auch bundesweit die ersten Autos wie 
in Frankreich oder in Berlin brennen, ist mittlerweile 
nur noch eine Frage der Zeit. . . . Linke Gewalt darf 
kein Fomm finden. Wir fordern daher ein hartes 
Einschreiten der Polizei! 

Woher hat denn die Schüler-Union diese Information: 
etwa aus der Abteilung „Panik und Propaganda“ des 
Hauses Schäuble? Das Einzige, was ich aus den 60er- 
Jahren wieder zu entdecken vermag, ist der Stil der 
Hetze, wie er seinerzeit von der Springer-Presse betrie- 
ben wurde. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Da wollen natürlich auch die christdemokratischen 
Studenten nicht zurückstehen. Sie schreiben in ihrer 
Presseerklämng, Bildungsstreiks seien nur etwas für 
Dumme. Ich frage mich nur, auf welcher Seite die Dum- 
men tatsächlich zu finden sind, insbesondere wenn der 
RCDS behauptet, die Fordemng „Bildung für alle“ habe 
am Ende zum Ergebnis gehabt, dass Deutschland eines 
der sozial undurchlässigsten Bildungssysteme weltweit 
habe. Das erweckt bei mir den Eindruck, dass Intelligenz 
in Deutschland allein nicht zwingend ausreicht, um stu- 
dieren zu können, insbesondere wenn man auf der Schat- 
tenseite der Gesellschaft geboren ist; das habe ich schon 
gewusst. Aber bei dieser Erklämng des RCDS fällt mir 
auf, dass man, wenn man auf der Sonnenseite des Le- 
bens geboren wurde, durchaus studieren kann, wenn es 
an jeglicher Intelligenz fehlt. 

(Beifall bei der LINKEN - Dr. Stephan Eisei 
[CDU/CSU]: Wo sind Sie denn geboren?) 

- Das darf ich Ihnen sagen: Ich bin auf der Schattenseite 
dieser Gesellschaft geboren. Wenn Sie das interessiert, 
können wir uns einmal privat unterhalten. 

Könnte man diese beiden Beispiele noch mit Naivität 
oder einem Mangel an politischer Erfahrung entschuldigen, 
billige ich Ihnen, Herr Kollege Müller, das nicht zu. 
Wenn Sie behaupten, linke Gruppen und Gewerkschaften 
wollten mit Musikfestivals, Partys und vorgetäuschten 
Banküberfällen Studierende von der Ausbildung femhal- 
ten, sind Sie offensichtlich völlig uninformiert darüber, 
auf welche vielfältige und fantasievolle Art und Weise 
die Protestierenden ihre Aktionen gestalten. Gehen Sie 
zur Humboldt-Universität, und sehen Sie, was dort ge- 


macht wird, um sich von einer verschulten Bildung in 
Bachelor-Studiengängen zu verabschieden und endlich 
wieder etwas selbstbestimmt zu machen. 

(Stefan Müller [Erlangen] [CDU/CSU]: Sehr 
fantasievoll, Herr Schneider!) 

Ich komme zum Schluss. Wir Linke unterstützen die 
Forderung dieses Bildungsstreiks, wobei wir zusätzlich 
auch den Bereich der Weiterbildung in die Kritik einbe- 
ziehen. Wir Linke sind der Auffassung, dass es höchste 
Zeit wurde, der Kritik einer verfehlten Bildungspolitik in 
einer sichtbaren Form des Protests Ausdruck zu verleihen. 
Wir Linke haben genug von einer Politik folgenloser 
bildungspolitischer Sonntagsreden aus der Abteilung: 
Reden ist Silber, Handeln ist Blech. Wir Linke hoffen, 
dass dieser Bildungsstreik kein einmaliges Ereignis 
bleibt, sondern daraus eine dauerhafte Bewegung wird, 
die die Politik zum Handeln zwingt. 

Danke für Ihre Aufmerksamkeit. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: 

Ulla Burchardt spricht für die SPD-Fraktion. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

Ulla Burchardt (SPD): 

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und 
Herren! Ich finde manches ganz richtig, was der Kollege 
Schneider angeführt hat. Ich muss Ihnen aber sagen: So, 
wie Sie und Ihre Kollegin Hirsch geredet haben, müssen 
Sie sehr aufpassen, um nicht in einen Verdacht zu geraten: 
Man nimmt die jungen Leute nicht ernst, wenn man sie 
als Staffage für die eigene Profilierung gebraucht. 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten 
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) 

Ich habe im Vorfeld - diejenigen, die die Agenturmel- 
dungen verfolgen, werden das mitbekommen haben - auch 
für meine gesamte Fraktion die Initiative zum Bildungs- 
streik begrüßt. Nachdem wir jetzt gesehen haben, welch 
riesengroße Bewegung auf die Beine gestellt worden ist, 
muss ich ganz persönlich sagen: All denen, die dafür 
veranfwortlich sind, zolle ich großen Respekt. Da haben 
junge Menschen ehrenamtlich und ohne Einschaltung 
teurer Agenturen, wie manche Protestierende vor diesem 
Haus das machen, eine riesengroße Sache auf die Beine 
gestellt und sich so bundesweit Gehör verschafft. Das ist 
wirklich eine tolle Leistung. Diese möchte ich an dieser 
Stelle auch für meine gesamte Fraktion ausdrücklich an- 
erkennen. 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der 
LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜ- 
NEN - Volker Schneider [Saarbrücken] [DIE 
LINKE]: Von wegen „Party“!) 

Ich habe es ausdrücklich begrüßt, dass junge Menschen 
ihr Grundrecht wahmehmen und sich für ihre eigenen Be- 
lange einsefzen. Das passierf viel zu selten. Ich kann nur 
alle ermuntern, das weiter zu tun. Wenn sie sich für mehr 
und bessere Bildung einsefzen, dann tun sie das nicht nur 



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Ulla Burchardt 

im eigenen Interesse und zum eigenen Nutzen, sondern 
fiir die gesamte Gesellschaft. Deswegen haben sie wirk- 
lich jeglichen Respekt, jegliche Würdigung und, wie ich 
denke, auch Dank verdient. 

Ich will an dieser Stelle aber auch ausdrücklich die 
Übergriffe und den Vandalismus gestern im Dortmunder 
Rathaus kritisieren. Es war schlimm, was dort passiert 
ist: 200 Chaoten haben das Rathaus verwüstet, die Mit- 
arbeiter haben sich in ihre Räume geflüchtet, weil sie 
Angst hatten, bedroht zu werden. Alle anderen Gruppen 
vom Bündnis haben sich eindeutig davon distanziert und 
waren sehr erschrocken. Aber, meine Kolleginnen und 
Kollegen, insbesondere Cornelia Pieper: Man darf sol- 
che Ausfälle nun wirklich nicht dafür missbrauchen, 
um das ernsthafte Anliegen der Initiatoren und der über 
200 000 friedlich Protestierenden zu diskreditieren. 

(Uwe Barth [FDP]: Das hat die Kollegin 
Pieper nicht getan!) 

Das ist nicht legitim. Genauso wenig können Sie einem 
Fußballverein vorwerfen, dass nach Fußballspielen Chao- 
ten randalieren. 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten 
der LINKEN) 

Die jungen Leute befinden sich mit ihrer Kritik und 
ihren Forderungen in bester Gesellschaft: Wir haben 
noch am Dienstag mit dem Vorsitzenden der Experten- 
kommission „Forschung und Innovation“ in einer kleinen 
Runde des Ausschusses gesprochen. Das jüngste Gutach- 
ten liegt vor. Darin wird abermals nachdrücklich darauf 
hingewiesen, was das Problem ist - auch die Demonstran- 
ten legen ihren Finger in diese Wunde -: Das deutsche 
Bildungssystem ist chronisch unterfinanziert und hoch- 
gradig selektiv. - Auf diese Expertise haben sich auch 
andere schon mehrfach bezogen, und sie ist bereits 
mehrfach bestätigt worden. Es ist Zeit, die Probleme 
ernsthaft anzugehen. 

Vor diesem Hintergrund muss ich sagen, dass die Kritik 
aus der Union - dazu ist heute schon mehrfach etwas ge- 
sagt worden - bemerkenswert gewesen ist. Ich fand die 
Wortwahl, liebe Kollegen - das ist alles in Ihren Presse- 
mitteilungen nachzulesen -, nämlich „dumm“, „faul“, 
„ewig gestrig“, völlig daneben. 

(Stefan Müller [Erlangen] [CDU/CSU]: Das 
waren nicht meine Worte!) 

Man hat den Eindruck, dass dies eine Verweigerung ist; 
man will sich nicht mit den Sachargumenten auseinan- 
dersetzen. Das ist das klassische rhetorische Muster: 
Wenn man sich mit der Sache nicht auseinandersetzen 
will, dann schlägt man mit allen rhetorischen Mitteln auf 
den anderen ein. 

(Beifall bei der SPD - Stefan Müller [Erlangen] 
[CDU/CSU]: Das ist Unsinn, was Sie erzählen!) 

Herr Kretschmer, Sie haben den anderen Ideologie 
vorgeworfen. Da muss ich Ihnen allerdings sagen: Sie 
sitzen im Glashaus, und das hat schon sehr viele Sprünge 
bekommen. Was Sie als Union machen, ist die Zementie- 
rung von Ideologie. Sie sind doch dafür veranf wörtlich. 


dass immer noch junge Menschen durch das dreigliedrige (C) 
Schulsystem aussortiert werden und dass durch Studien- 
gebühren verhindert wird, dass junge Menschen aus 
finanzschwachen Familien studieren können. 

(Stefan Müller [Erlangen] [CDU/CSU]: Ist das 
keine Ideologie, was Sie hier erzählen?) 

Daran halten Sie doch fest. Das aber ist nicht mehr ratio- 
nal, das ist nur noch ideologisch. 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Bei uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten 
laufen die jungen Leute mit vielen ihrer Forderungen 
offene Türen ein. Natürlich muss man im Detail über 
manches reden. Natürlich wollen wir die Bologna-Be- 
schlüsse nicht über Bord werfen, aber Fakt ist genauso, 
dass überhastete und falsch eingeführte Reformen wie 
auch G 8 das Bildungswesen nicht unbedingt fitter ma- 
chen, sondern junge Leute krank. Auch das können Sie 
beim DSW nachlesen. 

Für uns ist ganz klar: Bildung ist Menschenrecht, 
Bildung ist öffentliches Gut, Bildung darf nicht den 
Zwängen des Marktes unterworfen und nicht zur Ware 
werden. Wir wollen dafür sorgen, dass Herkunft, Geld- 
beutel und Stadtviertel keine Sperrriegel mehr für die 
Realisierung des Rechts auf Bildung sind. Das ist nicht 
für alle so realisierbar, Herr Kretschmer. Die Realität 
und die Lebenserfahrung zeigen etwas ganz anderes. Wir 
fördern die Freiheit des Zugangs zu allen Stufen des 
Bildungssystems, nicht abstrakt, sondern sehr konkret. (D) 
Überall da, wo wir regieren und Einfluss nehmen, 

(Michael Kretschmer [CDU/CSU]: In Berlin 
beispielsweise und in Bremen!) 

in der Vergangenheit und in der Gegenwart, machen wir 
dies auch ganz praktisch. 

(Beifall bei der SPD) 

Ich nenne als Stichworte die Gebührenfreiheit von der 
Kita bis zur Hochschule. In keinem SPD-regierten Land 
gibt es Studiengebühren. In Rheinland-Pfalz und Berlin 
ist in einem ersten Schritt das letzte Kita- Jahr beitrags- 
frei gemacht worden. Wir wollen mehr Geld für Bildung 
und mehr Qualifät. Im Rahmen der Föderalismusreform I 
haben wir möglich gemacht, dass es die Hochschulpakte I 
und II gibt. Die Union ist in Deckung gegangen und 
kommt wie immer erst dann wieder hervor, wenn man 
die Flagge schwingen und sagen kann: Wir haben etwas 
Tolles erreicht. - Wir haben das als Koalition dann tat- 
sächlich zusammen hinbekommen. Wir haben das Kon- 
junkturprogramm mit dem Schwerpunkt Bildung von 
der Kita bis zur Hochschule initiiert und die Detailarbeit 
gemacht. Sie hingegen haben sich auf das Fahneschwin- 
gen beschränkt. Ich finde es aber schön, dass wir es hinbe- 
kommen haben, deshalb sei es Ihnen gegönnt. Wir haben 
in der rot-grünen Koalition 4 Milliarden Euro für die 
Ganztagsschule und jetzt 4 Milliarden Euro für die früh- 
kindliche Bildung in den nächsten Jahren mobilisiert. 

Wir haben das sowohl in der rot-grünen als auch in der 
rot-schwarzen Koalition hinbekommen. Das zeigt die 



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Ulla Burchardt 

(A) Kontinuität und die Ernsthaftigkeit. Frau Kollegin 
Hirsch, manchmal muss man Kompromisse machen. 
Das kann man anderen zum Vorwurf machen, aber das 
ist, wenn man so will, nun mal das Dilemma, aber auch 
das Gute daran, wenn man regiert. Wenn man nur auf der 
Barrikade sitzt, kann man nichts im Interesse der Men- 
schen verändern. 

(Beifall bei der SPD) 

Natürlich wollen wir mehr Geld mobilisieren. Wir 
wollen den Bildungssoli statt Steuersenkungen und So- 
zialabbau. Wir haben dafür gesorgt, dass es das Schul- 
starterpaket gibt: 100 Euro zum Schuljahresbeginn. Das 
haben wir gegen den anfänglichen Widerstand der Union 
erreicht, die das Schulstarterpaket erst nur bis zum zehnten 
Schuljahr zahlen wollte. Was das alles bedeutet, muss 
ich hier nicht weiter ausführen. Wir haben durchgesetzt, 
dass das Geld bis zum Abi gezahlt wird. Wir stehen für 
den Erhalt und den Ausbau des BAföG Das wurde in 
zwei Koalitionen sichtbar, der rot-grünen und der 
schwarz-roten. Wir wollen das BAföG weiterentwickeln. 
Wir wollen das Schüler-BAföG und die Anhebung der 
Altersgrenzen, und wir wollen das Master-BAföG wie 
das Meister-BAföG im Rahmen eines Erwachsenenbil- 
dungsförderungsgesetzes. Wir haben nachweisbar konkrete 
Schritte gemacht. Wir haben mit unserem Regierungs- 
programm die Blaupause für den weiteren Ausbau der 
Bildungsrepublik gelegt. 

Nun kommt es wirklich darauf an, - 

Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: 

Frau Kollegin, es wird jetzt auch darauf ankommen, 
dass Sie zum Ende kommen. 

Ulla Burchardt (SPD): 

- einen neuen Bildungskonsens in unserem Land zu 
begründen. Dafür brauchen wir die Schüler und die Stu- 
dierenden als Experten in eigener Sache. Ich habe sie in 
meinem Wahlkreis Dortmund eingeladen. Auch viele 
meiner Kollegen haben das in ihrem Wahlkreis getan. 
Ich kann Sie nur alle ermuntern, das auch zu tun und den 
Dialog konkret vor Ort zu führen. 

Danke. 

(Beifall bei der SPD) 

Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: 

Marcus Weinberg hat jetzt das Wort für die CDU/ 
CSU-Fraktion. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Marcus Weinberg (CDU/CSU): 

Vielen Dank. - Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen 
und Herren! Ich möchte gerne zu Beginn auf Frau Hirsch 
und die sogenannten Sonntagsreden eingehen. Ich erwarte 
von Ihnen keine objektive Wahrnehmung der Dinge, die 
wir in den letzten vier Jahren verändert haben. Ich finde 
das, was Sie sagen, schon etwas despektierlich. Wenn in 
den nächsten Monaten junge Menschen, die bisher keinen 
Schulabschluss haben, eine Qualifizierungsmaßnahme 


bekommen, dann war das für diese Menschen keine (C) 
Sonntagsrede; das ist das Ergebnis der Qualifizierungs- 
offensive. Wenn im Herbst mehr junge Menschen einen 
Ausbildungsvertrag bekommen, dann war das keine 
Sonntagsrede für die jungen Menschen; das isf das Er- 
gebnis des Ausbildungspaktes. Wenn in wenigen Jahren 
mehr Menschen studieren können, dann ist das das Er- 
gebnis des Hochschulpaktes und keine Sonntagsrede. 

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) 

Wenn in wenigen Monaten begonnen wird. Schulen und 
Kitas mit Mitteln des Bundes zu sanieren, dann war das 
für die betroffenen Einrichtungen keine Sonntagsrede; 
das ist das Ergebnis der Handlungen der letzten vier 
Jahre der Großen Koalition. 

Es werden - Kollege Kretschmer hat es deutlich ge- 
macht -, 18 Milliarden Euro bis 2015 zusätzlich ausge- 
geben. So viel wurde noch nie vonseiten des Bundes in 
den Bereich von Bildung und Forschung investiert. 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- 
neten der SPD) 

Man sollte wenigstens versuchen, objektiv zu sein und 
anzuerkennen, was geleistet wurde. 

Ich möchte zu den Schulstrukturen kommen. Das ist 
eine ewige Diskussion. Frau Kollegin Burchardt, ich 
frage mich: Gibt es eigentlich eine schlimmere Maß- 
nahme als das Los, um Menschen auszusortieren? 

(Beifall bei der CDU/CSU - Ulla Burchardt 
[SPD]: Nein, gibt es nicht!) 

Das aber ist das Berliner Beispiel. 

Nun kann man darüber nachdenken, wie man dazu 
kommt, den weiteren Schulwerdegang eines Kindes über 
einen Losentscheid zu bestimmen. 

(Monika Grütters [CDU/CSU]: Die Entschei- 
dung über ein ganzes Leben wird dem Zufall 
überlassen!) 

Das macht natürlich nur dann Sinn, wenn alle Schulen 
gleichgemacht werden, wenn Sie kein Gymnasium, 
keine Gesamtschulen, keine Haupt- und keine Realschu- 
len mehr haben. 

(Monika Grütters [CDU/CSU]: Das wollen die 
ja gern!) 

Weil Kollege Barth nach der Hamburger Situation 
fragte, werde ich gleich etwas dazu sagen, wie wir dort 
versuchen, einen gesellschaftlichen und politischen 
Kompromiss hinzubekommen, der auch inhaltlich be- 
gründbar ist. 

Aber die Fortführung des Projektes einer Schule für 
alle wird dazu führen - Sie haben ja auf den Begriff Mit- 
bestimmung Wert gelegt -, dass es keine Mitbestim- 
mung mehr gibt, denn dann werden die Eltern gar nicht 
mehr die Möglichkeit haben, über den Weg der Mitbe- 
stimmung aus einer Bildungsvielfalt auszusuchen. 

(Ulla Burchardt [SPD]: Sind die anderen euro- 
päischen Länder undemokratisch?) 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Marcus Weinberg 

(A) Ihr Projekt einer Schule für alle verkennt, dass wir in 
Deutschland eine gewachsene Tradition von verschiede- 
nen Schulformen und einzelnen Schulen haben. 

(Katja Mast [SPD]: Bedauerlicherweise mit 
schlechten Ergebnissen!) 

Goethe-Gesamtschule oder Lessing-Gymnasium sind 
nicht nur Beispiele für verschiedene Schulformen, son- 
dern auch für eine gewachsene Tradition und eine ge- 
wachsene Vielfalt. Die Eltern haben heute die Möglich- 
keit, zu entscheiden, welche Profile und welche 
Schwerpunkte sie für ihre Kinder auswählen wollen. 

(Cornelia Hirsch [DIE LINKE]: Das gilt für 
die Ganztagsschule genauso!) 

Das werden Sie mit Ihrer Schule für alle zerstören. 

Diesen gesellschaftlichen Dissens versuchen wir ge- 
sellschaftlich zu lösen, und zwar in Form des Hamburger 
Modells, Kollege Barth, das von Herrn Gehring auch an- 
gesprochen wurde. Das in Hamburg praktizierte Modell 
ist meines Erachtens das richtige Modell. Wir müssen 
doch nach 30 Jahren endlich aufhören, darüber zu disku- 
tieren, welche Schulstruktur nun die richtige ist. 

(Ulla Burchardt [SPD]: Ja, genau! Endlich ein- 
mal verändern!) 

Lassen Sie uns doch versuchen, über Qualität und In- 
halte zu reden, und lassen Sie uns dann möglicherweise 
ein Modell entwickeln, bei dem beide Seiten aufeinander 
zugehen. 

(B) Ich mache keinen Hehl daraus: Das Modell der jetzi- 
gen sogenannten Primarschule war für uns von der CDU 
sehr problematisch. Aber wir haben klargemacht: Wir 
wollen die individuelle Förderung des Kindes in den 
Vordergrund stellen. Ebenso haben wir als CDU klarge- 
macht, dass die Tradition und die Profile, also das, was 
sich im System an Schulen entwickelt hat, erhalten blei- 
ben müssen. Ich bin überzeugt, damit erreichen wir ei- 
nen gesellschaftlichen und, wie ich glaube, guten Kon- 
sens. Das ist möglicherweise auch ein Modell, das uns 
helfen kann, die Diskussion über die Schulstruktur end- 
lich zu beenden. 

Als weiteren Punkt möchte ich den Bildungsgipfel 
ansprechen, weil es in diesem Zusammenhang meines 
Erachtens immer wieder falsche Darstellungen gibt. Na- 
türlich kann man die Erwartungshaltung haben, dass bei 
einem Bildungsgipfel bis zur Fußnote hinein dekliniert 
wird, was denn nun passieren soll. Diese Erwartungshal- 
tung ist nach meinem Dafürhalten in einem Konstrukt 
aus 16 verschiedenen Ländern und dem Bund falsch. Al- 
lerdings meine ich, dass der Bildungsgipfel klare und 
richtige Signale gesetzt hat. In welche Richtung wird es 
nun gehen? 

Der erste Punkt wurde bereits angesprochen. Da ha- 
ben alle ein Alleinstellungsmerkmal. Es geht um die Er- 
höhung der Bildungsausgaben auf 10 Prozent des Brut- 
toinlandsprodukts bis 2015. Ich halte es für richtig, dies 
zu definieren, um nicht sozusagen einem Wettbewerb 
Tür und Tor zu öffnen, wer denn Erster war bzw. wer als 
Erster geschrien hat. 


Zweiter Punkt: Dieser Bildungsgipfel hat von der 
frühkindlichen Bildung in der Vorschule bis hin zur Wei- 
terbildung einen klaren Katalog definiert. 

Das Besondere an diesem Bildungsgipfel ist, dass 
durch ihn - gerade, weil er von der Bundeskanzlerin or- 
ganisiert wurde - ein deutliches politisches Zeichen ge- 
setzt wurde. So wird jetzt darüber diskutiert, die Anzahl 
der Schulabgänger ohne Abschluss zu halbieren, oder 
darüber, die Quote derer, die ihre Ausbildung abbrechen, 
zu halbieren. Das sind sehr klare und richtige Ziele. De- 
ren Umsetzung wird in den nächsten Monaten und Jah- 
ren von uns begutachtet werden, um herauszufinden, 
was tatsächlich passiert. 

Ich bin überzeugt, dass man dann im Rückblick fest- 
halten kann, dass wir in den vier Jahren gerade hinsicht- 
lich der Bildung, der Innovation und der Forschung sehr 
viel erreicht haben. Ebenso wird festzustellen sein, dass 
wir jetzt den Aufschlag dafür gegeben haben, dass neue 
Wege gegangen werden und möglicherweise gewisse 
Modelle, die man regional entwickelt hat und die inhalt- 
lich, gesellschaftlich und politisch begründbar sind, in 
diese Bildungsdiskussion aufgenommen werden. In we- 
nigen Jahren wird dann zu analysieren sein, welche 
Wege wir insgesamt gehen wollen. 

Meines Erachtens waren die letzten vier Jahre erfolg- 
reich. Trotzdem - Kollege Müller hat ja nichts anderes 
gesagt - nehmen wir selbstverständlich die Forderungen 
derjenigen, die sich jetzt auf der Straße für Bildung ein- 
setzen, emsf. 

(Lachen der Abg. Cornelia Hirsch [DIE 
LINKE]) 

Ich glaube, dies trifft auf jeden hier im Haus zu; dies ist 
wohl unbestritten. Das werden wir auch in Zukunft tun. 
Allerdings erwarten wir auch eine konstruktive Herange- 
hensweise derjenigen, die betroffen sind. Dabei mag es 
hier und da noch Defizite geben. 

Herzlichen Dank. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: 

Jetzt spricht der Kollege Dr. Emst Dieter Rossmann 
für die SPD-Fraktion. 

(Beifall bei der SPD) 

Dr. Ernst Dieter Rossmann (SPD): 

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 
Eine polemische Sequenz muss ich mir zu Anfang gön- 
nen: 

(Monika Grütters [CDU/CSU]: Das hätte uns 
auch gewundert, wenn nicht!) 

Mit Blick auf die Demonstrationen sprach der RCDS 
von einem „dummen Mob“, Kollege Müller sprach von 
„einem schönen Tag im Park“, und Frau Schavan be- 
nutzte das Wort „gestrig“. Dergleichen muss nicht sein. 
Ich freue mich, dass wir in der heutigen Debatte eine 
ernsthafte Wende vollzogen haben. Auffällig ist, dass 
man - FDP, CDU, quer durch alle Reihen - offensicht- 



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Dr. Ernst Dieter Rossmann 

(A) lieh aufgrund der großen Zahl der Demonstranten sowie 
der Ernsthaftigkeit und der Friedlichkeit, mit der sie ihre 
Forderungen vortragen, jetzt vernünftig debattiert - das 
ist gut -, weshalb die Situation so ist und welche 
Schlussfolgerungen wir zu ziehen haben. 

In Bezug auf die Ernsthaftigkeit möchte ich das noch 
etwas verständlicher machen: Professor Gruss von der 
Max-Planck-Gesellschaft hat in die Debatte den Gedan- 
ken eingebracht, dass dieser Protest eigentlich zur Un- 
zeit komme; schließlich habe die Große Koalition zu- 
sammen mit den Ländern erst am 4. Juni beschlossen, 
zusätzlich 18 Milliarden Euro für Bildung und For- 
schung zur Verfügung zu stellen. Es sei dahingestellt, ob 
der Begriff „Unzeit“ wirklich zutreffend ist. Ich meine, 
passender ist der Begriff „Ungleichzeitigkeit“. Die Un- 
gleichzeitigkeit hat nämlich viele junge Menschen, 
Schüler, Studenten, Lehrer und Eltern, dazu bewogen, 
bei dieser bildungspolitischen Protestwoche mitzuma- 
chen. Mit Ungleichzeitigkeit ist hier gemeint, dass zur 
Auffechterhaltung des Finanzsystems ganz schnell etwas 
geschieht, während es ganz lange dauert, bis mehr Geld 
für das Bildungssystem zur Verfügung gestellt wird, und 
das, obwohl wir sagen, das Bildungssystem sei das 
Wichtigste. 

(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 

Man merkt zwar, dass es in Deutschland Menschen 
gibt, die aus ökonomischen und auch aus humanisti- 
schen Gründen wollen, dass jeder eine Chance hat, dass 
es keine soziale Selektion und keine Unterschiedlichkeit 

(B) 

in den Bildungszugängen mehr gibt - Stichwort „Bil- 
dungsland Deutschland“ -, stellt aber fest, wenn man 
sich die Praxis anschaut, dass immer noch die einen 
leichter als die anderen an die Hochschule gehen kön- 
nen, dass die einen bessere Schulen als die anderen besu- 
chen, dass es immer noch viele Widerstände dagegen 
gibt, wirklich eine Schule für alle zu schaffen. Diese Un- 
gleichzeitigkeit - oben wird das eine verkündet, und in 
der Praxis erlebt man etwas ganz anderes - treibt so viele 
Menschen in den Protest. 

(Beifall bei der SPD) 

Es wird immer wieder gesagt: Es muss ganz schnell 
gehen, damit wir den Anschluss nicht verlieren. In Wirk- 
lichkeit reden wir über Dinge, die 2013 und 2014 passie- 
ren sollen. So sagt der Wissenschaftsrat: Initiativen für 
eine bessere Lehre an den Hochschulen, efwa durch 
mehr fachdidaktische Zentren, würden bestimmt nicht so 
schnell ergriffen werden; angefangen werden soll erst 
2014 in ganz kleinen Schritten. Aber dann haben viele 
schon fertig studiert! Sowohl an der Schule als auch an 
der Hochschule möchte man schon jetzt bessere Bedin- 
gungen und eine gute Lehre. Es hegt also an dieser Wi- 
dersprüchlichkeit, dass es diese Proteste gibt. 

Kollege Kretschmer, es nützt nichts, auf die Zielvor- 
gaben von 7 Prozent und 3 Prozent zu rekurrieren und zu 
bekunden, dass man gemeinsam die öffentliche Bildung 
stärken wolle, wenn eine ganz andere Entwicklung in 
der Realität wahrgenommen wird. So merken die Eltern: 
Die Kosten für Krippen und Kindertagessfätten sind 


hoch. So merken die Familien, wie feuer Nachhilfe isf (C) 
und dass der Besuch von Privatschulen immer mehr 
Geld kostet, dass überall Studiengebühren eingeführt 
werden und dass zahlreiche weitere Kosten zu decken 
sind. Ich verweise darauf, dass der private Anteil an der 
Weiterbildung erstmals größer ist als der öffentliche An- 
teil. Die Menschen hoffen zwar darauf, dass der öffentli- 
che Sektor gestärkt wird; sie fürchten aber, dass die Ent- 
wicklung in eine andere Richtung verläuft. 

Beispielsweise könnte die Entwicklung darauf hi- 
nauslaufen, dass Sozialausgaben gekürzt und Bildungs- 
investitionen gefördert werden - das ist ja zum Beispiel 
das Anliegen der FDP. 

(Uwe Barth [FDP]: Sie versuchen jetzt, gegen- 
einander auszuspielen! Damit machen Sie ge- 
nau das, was Sie uns vorwerfen!) 

Dieser Weg ist auf Selektion ausgerichtet. 

Auch redet man gerne von öffentlichen Finanzen, 
möchte aber in Wirklichkeit privates Geld in die öffentli- 
che Finanzierung hineinfließen lassen, um so das Ziel 
des 10-Prozent-Anteils zu erreichen. 

Um all dem vorzubeugen, finden diese Proteste statt. 
Deshalb ist damit auch eine ganz klare politische Ansage 
verbunden: Glaubwürdigkeit lässt sich nicht daran mes- 
sen, ob wir uns nun auf 16 Milliarden Euro oder 
18 Milliarden Euro festlegen. Glaubwürdigkeit gewinnt 
man vielmehr, wenn man - ich will keinen Adressaten 
nennen, weil meine Äußerungen dann gleich als Wahl- 
kampf denunziert würden - zum Beispiel auf einem Un- (D) 
temehmertag sagt 

(Uwe Barth [FDP]: Bis jetzt war Ihre Rede so 
schön sachlich!) 

- darf ich meinen Gedanken zu Ende bringen? -: Ihr 
wollt doch etwas für Bildung und Forschung tun; des- 
halb erwarten wir von euch, dass ihr dafür eintretet, dass 
diejenigen, die ganz viel Geld haben, einen Solidarbei- 
trag von in Höhe von 1,5 Prozent leisten. Wer da dafür 
wirbt, wo es am schmerzhaftesten ist und wo er am we- 
nigsten auf Zustimmung stößt, dass Großes nicht nur 
versprochen, sondern auch materiell unterlegt wird, 
schafft Glaubwürdigkeit. Das ist das, was die Menschen 
einfordem, die jetzt demonstrieren. 

(Beifall bei der SPD) 

Diese Menschen erwarten zugleich, dass die Wirt- 
schaft keine zusätzlichen Forderungen stellt; vielmehr 
kann die Wirtschaft zum Beispiel dadurch einen ganz 
konkreten Beitrag leisten, dass sie sich dazu verpflichtet, 

600 000 zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen. 

Nicht alle, die davon profitieren, demonstrieren mit; aber 
auch für deren Interessen wird demonstriert, und sie sind 
uns mindestens so wichtig wie Schüler, Studenten und 
andere. Auch diejenigen, die in beruflicher Bildung sind, 
dürfen nicht alleingelassen werden. 

(Beifall bei der SPD) 

Das sind die wichtigsten Punkte. 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Dr. Ernst Dieter Rossmann 

Ich komme zum Schluss. Diese Bewegung ist offen, 
diffus. Manche beklagen, dass es gar keine Ansprech- 
partner gibt. Gut wäre es, wenn wir Parlamentarier oder 
auch jede Fraktion für sich sagen würden: Wir bieten uns 
zum direkten Gespräch an. Wir haben keine Angst da- 
vor, „in den Park zu gehen“. Wir haben keine Angst vor 
dem „dummen Mob“. Wir haben keine Angst vor sehr 
kritischen Hochschullehrern. Nein, wir als Fraktionen 
bieten uns für Gespräche an, jeder vor Ort an Schulen 
oder Hochschulen. Das bringt Bindung und drückt die 
Ernsthaftigkeit unserer Vorhaben aus. Herr Kollege 
Müller, ich sehe, dass Sie nicken. Es könnte also etwas 
Gemeinsames werden. 

Danke schön. 

(Beifall bei der SPD) 

Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: 

Monika Grütters hat jetzt das Wort für die CDU/CSU- 
Fraktion. 

Monika Grütters (CDU/CSU): 

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Um es 
vorweg zu sagen: Ich habe Verständnis für den Frust, der 
sich bei den jungen Leuten über die, wie auch ich finde, 
oft zu miesen Bedingungen an den Hochschulen in 
Deutschland angestaut hat. Ich habe auch Verständnis 
für den einen oder anderen cleveren Protest, für einen 
demonstrativ artikulierten Willen, etwas zu verbessern. 
Das kennen wir ja alle aus unserer eigenen Studienzeit; 

(Dr. Emst Dieter Rossmann [SPD]: Donner- 
wetter!) 

denn damals war die Situation nicht besser, aber auch 
nicht schlimmer, als sie heute ist. Ich habe aber kein Ver- 
ständnis für manche Aktionen, die hier genannt wurden, 
und ich habe erst recht kein Verständnis für einen Streik; 
denn ich finde es absurd, etwas zu bestreiken, was man 
gerne haben möchte. 

An anderer Stelle - das kommt nicht häufig vor -, bin 
ich mit Ihnen einer Meinung, Herr Rossmann. Sie haben 
den Begriff der Ungleichzeitigkeit genannt. Ich sage: 
Wir haben es hier mit einem Ritual zu tun, das sich in der 
Bundesrepublik seit Jahrzehnten regelmäßig wiederholt. 

(Christel Humme [SPD]: Schlimm genug, dass 
sich das immer wieder wiederholt!) 

- Wenn Sie den Vorwurf auf sich beziehen, dann ist das 
Ihre Sache. Ich habe das nicht so gemeint. Ich stelle le- 
diglich fest, dass es kaum ein Thema gibt, bei dem An- 
spmch und Wirklichkeit so weit auseinanderliegen wie 
beim Thema Bildung. Das ist seit Jahrzehnten so. Über 
dieses Phänomen müssen wir uns Gedanken machen. Es 
geht immer wieder um Bildung, Bildung, Bildung. Da- 
rauf verweisen wir alle seit Jahrzehnten, nicht nur in 
Sonntagsreden, sondern auch bei jeder anderen Gelegen- 
heit. Wir alle sind uns im Übrigen einig, dass wir in einer 
globalen Wirtschaftskrise in Bildung investieren wollen. 

(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Taten sind gefordert!) 


Auf der anderen Seite - das müssen Sie sich alle an- (C) 
hören, weil Sie alle, bis auf die Grünen, in den Ländern 
mitregieren - stehen Schüler, Lehrer, Eltern und Profes- 
soren und beklagen sich seit 30 Jahren über dieselben 
Phänomene: überforderte Lehrer, schlechte Ausstattung, 
überfüllte Hörsäle, zu wenig Förderung, zu wenig Forde- 
rung, blödsinnige Losverfahren bei der Aufnahme zum 
Gymnasium oder einfach zu wenig Geld. Wir reformie- 
ren immer weiter. 

(Katja Mast [SPD]: Wir haben auch etwas vor- 
zuweisen in den Ländern! - Cornelia Hirsch 
[DIE LINKE]: Wie ist es denn mit den Stu- 
diengebühren in den Ländern?) 

Aber wir müssen uns nach 30 Jahren - auch Sie, Frau 
Hirsch, die Sie vielleicht noch nicht dabei waren - auch 
fragen, wo wir heute, viele Bildungsoffensiven später, 
stehen: eben da, wo die Proteste schon in den 70er-Jah- 
ren angefangen haben - zumindest, was die Unzufrie- 
denheit der Betroffenen angeht. 

Vielleicht sind es ja gar nicht die Reformen, die am 
Ende wirklich etwas verbessern; auf dem Feld der Bil- 
dung wird ja häufig nur noch ideologisch diskutiert. 
Vielleicht fehlt es an etwas anderem, nämlich an Konti- 
nuität, Verlässlichkeit, Berechenbarkeit und Beständig- 
keit. 

Die Debatte, die gestern zum Thema Bachelor geführt 
worden ist - Stichwort Bologna-Prozess -, ist ein beson- 
ders signifikantes Beispiel für meine These. Obwohl die 
Studiengänge noch nicht vollständig umgewandelt sind (D) 
- es sind gerade einmal 75 Prozent -, wird schon dage- 
gen protestiert. Wenn man nicht wenigstens im Bereich 
der Bildung einen etwas längeren Atem hat, dann wer- 
den wir dieses Ritual nicht abschütteln können. 

Ich finde es toll, dass auf der Zuschauertribüne relativ 
viele junge Leute sitzen und auf diese Weise Interesse an 
der Debatte zeigen. Zu Ihrer Information möchte ich sa- 
gen: Die Bundesregierung, die für Bildung nicht zustän- 
dig ist - Bildung ist nach wie vor Sache der Länder -, 
hat in den letzten Jahren mehr, als sie eigentlich dürfte, 
getan. Die Ausgaben für Bildung und Forschung wurden 
um ein Viertel auf fast 10 Milliarden Euro gesteigert. 

(Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: 

Für die Abwrackprämie 5 Milliarden! Sie zu 
beschließen, hat eine Nacht gedauert!) 

Ich finde, dass das dazugehört, gerade auch, weil Frau 
Pieper sich bei den Leistungen der Großen Koalition et- 
was vertan hat. Entgegen ihren Aussagen ist somit fest- 
zuhalten: Es wurde mehr abgebaut als aufgebaut. 

So haben wir auch im Zuge der BAfÖG-Reform, die 
häufig genug von Finanzminister Steinbrück torpediert 
worden ist, die Bedarfssätze um mehr als 10 Prozent er- 
höht. Die Zahl der Geförderten ist heute um 75 000 Stu- 
dierende gestiegen. 

(Dr. Emst Dieter Rossmann [SPD]: Das ist nicht 
richtig! Wir haben das durchgesetzt!) 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Monika Grütters 

(A) - Herr Rossmann, wir hatten mehr Probleme mit Herrn 
Steinbrück als mit den Forderungen von Frau Schavan. 
Das zu sagen, gehört zur Wahrheit dazu. 

(Beifall bei der CDU/CSU - Widerspruch bei 
der SPD) 

Wir geben derzeit jährlich fast 2,2 Milliarden Euro für 
Ausbildungsforderung aus sozialen Gründen aus. Den 
einkommensunabhängigen Studienkredit, um den ges- 
tern gerungen wurde, gibt es längst. 

Übrigens steht in unserem Wahlprogramm, dass 
10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Bildung aus- 
gegeben werden soll, laut Ihrem sollen es gerade einmal 
7 Prozent sein. Das muss in aller Deutlichkeit gesagt 
werden. 

(Dr. Barbara Hendricks [SPD]: Sieben plus 
drei macht zehn, Frau Kollegin!) 

- Das steht in Ihrem Programm. Da isl von 7 Prozent die 
Rede. Ich kann Ihnen sogar die entsprechende Seitenzahl 
nennen. 

(Swen Schulz [Spandau] [SPD]: Das ist unter 
Ihrem Niveau!) 

- Es isl unter Ihrem Niveau, so elwas in das Wahlpro- 
gramm zu schreiben. Ich kann Ihnen das genau nachwei- 
sen. 

(Ulla Burchardt [SPD]: Sieben plus drei ergibt 
zehn!) 

Auf den Hochschulpakt, die Exzellenzinitiative und 
den Pakt für Forschung und Innovation will ich jetzt 
nicht weiter eingehen und komme noch zu einem ande- 
ren Punkt. Viele haben Probleme mit dem Begriff Elite. 
In diesem Zusammenhang ist auch die Forderung nach 
Abschaffung von Bachelor und Masler zu sehen. Zur 
Angsl vor der Elite will ich Folgendes sagen: 

Den 87 Millionen Euro, die von den Stiftungen an ta- 
lentierte Studenten in Form von Stipendien ausgereicht 
werden, stehen 2,2 Milliarden Euro Ausgaben für 
BAföG gegenüber. Hier kann man also kaum von Elite- 
fÖrderung sprechen. Es wäre allerdings gut, wenn man 
den Anteil der Stipendiaten erhöhen würde. 

40 Prozent eines Jahrgangs - da sind wir weiter als 
vor 30 Jahren - gehen heute auf eine Universität. Das 
heißt, die Unis sind für die Bildung eines großen Teils 
der deutschen Bevölkerung zuständig. Man kann ange- 
sichts dieser Zahl vielleicht nicht von Elite, aber von ei- 
ner Gruppe mit gehobenem Bildungsstandard sprechen. 
Das ist ein Erfolg der Bildungspolitik der letzten 
30 Jahre. 

Erlauben Sie mir zum Schluss, den protestierenden 
Studenten einen Rat zu geben, die unter anderem eine 
Demokratisierung und Stärkung der Mit- und Selbstver- 
waltung fordern: Sie sollten zur Wahl gehen, wenn es 
um ihr eigenes Studentenparlament geht! 

(Zurufe von der SPD: Oh!) 

An der letzten Wahl der Humboldt-Universität, die ges- 
tern bestreikt wurde, haben nur 6, 1 Prozent der Studen- 


ten teilgenommen. Ich kann den Studenten nur sagen: (C) 
Wir tun hier das Unsrige, tun Sie das Ihre! 

Ich danke Ihnen. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: 

Jetzt hat Katja Mast das Wort für die SPD-Fraktion. 

(Beifall bei der SPD) 

Katja Mast (SPD): 

Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kolle- 
gen! Liebe Frau Kollegin Grütters, Lesen hilft. Aber Zu- 
Ende-Lesen ist auch wichtig. In unserem Wahlprogramm 
steht: 7 Prozent für Bildung und 3 Prozent für For- 
schung. Addieren wir das zusammen, ergeben sich 
10 Prozent. Deshalb ist das, was Sie gerade gesagt ha- 
ben, so nicht richtig. Um uns richtig zitieren zu können, 
müssen Sie schon unser gesamtes Wahlprogramm lesen. 

Aber dafür haben Sie ja noch bis zur Stimmabgabe am 
27. September Zeit. 

In der Aktuellen Stunde zum Bildungsstreik reden zu 
dürfen, ist für mich eine besondere Ehre. Bildung isl 
Menschenrecht. Das steht so im SPD-Regierungspro- 
gramm, und zwar aus gutem Grund. Denn wer am Rand 
steht und von dort weg will, schafft das zuallererst durch 
Bildung. Bildung ist der Schlüssel für gesellschaftlichen 
Aufstieg, für einen Job und für die eigene Zukunft. Das 
habe ich persönlich erfahren, da meine eigene Bildungs- 
karriere nur durch sozialdemokratische Politik möglich (D) 
war. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

Hauptschule, Gymnasium, Berufsausbildung, Stu- 
dium und Weiterbildung: So war das bei mir. Das war 
nicht von Anfang an so angelegt; keines meiner drei Ge- 
schwister hat studiert. Meine Mutter hat uns vier Kinder 
alleine durchgebracht. Ich habe früh erfahren, dass Bil- 
dungstüren immer wieder neu geöffnet werden müssen. 

Das ist der Grund, warum ich heute für die Sozialdemo- 
kratische Partei Deutschlands hier stehe und für Chan- 
cengerechtigkeit im Bildungssystem kämpfe. Denn der 
Aufstieg durch Bildung ist nicht eine Floskel, sondern 
politisches Programm der SPD, und das nicht erst seit 
gestern, sondern schon seit über 140 Jahren. 

(Beifall bei der SPD) 

Es ist deshalb gut, dass junge Menschen heute auf der 
Straße für Bildung streiken. Denn sie wissen: Es ist Bil- 
dung, die ihnen Zukunflschancen ermöglicht. Das ist der 
Grund, weshalb die SPD mit Leidenschaft die Bildungs- 
errungenschaften wie die Studienförderung BAföG ver- 
teidigt und ausbaut - es gab zwei Erhöhungen - und er- 
reichen will, dass Bildung gebührenfrei für alle ist, und 
zwar von der Kindertagesstätte bis zur Hochschule. Das 
steckt hinter unserer Wertvorstellung: Bildung ist Men- 
schenrecht. 

Lassen Sie uns die Situation in den Ländern an- 
schauen, wo Sozialdemokraten mit in der Regierung 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Katja Mast 

(A) sind: keine Studiengebühren in Berlin, Mecklenburg- 
Vorpommern, Brandenburg und Bremen. 

(Dr. Emst Dieter Rossmann [SPD]: Schles- 
wig-Holstein!) 

- Auch Schleswig-Holstein. - Lassen Sie uns jetzt noch 
anschauen, wie es beim sozialdemokratischen Bildungs- 
champion Rheinland-Pfalz aussieht, wo die SPD alleine 
regiert: keine Studiengebühren und noch in diesem Jahr 
für Kinder ab drei Jahre überhaupt keine Kita-Gebühren 
mehr 

(Beifall bei der SPD) 

und für Kinder ab zwei Jahre ab nächstem Jahr keine 
Kita-Gebühren mehr. Das ist konkrete Bildungs- und 
Aufstiegspolitik. 

Aber das Thema Bildung betrifft nicht nur Kindergar- 
ten, Schule und Hochschule, sondern auch die Bemfs- 
ausbildung. Das dürfen wir nicht vergessen. Wir brau- 
chen gerade in der Finanz- und Wirtschaftskrise 
mindestens 600 000 neue Ausbildungsverträge. 

(Beifall bei der SPD) 

Das erwarten wir von der Wirtschaft; denn die Ausbil- 
dung der Fachkräfte ist zuallererst ihre Aufgabe. Aber 
ganz so einfach machen wir uns das nicht. Wir helfen, 
wo es geht - ab morgen hoffentlich unbürokratisch auch 
den sogenannten Insolvenzauszubildenden; denn mor- 
gen beschließen wir das entsprechende Gesetz. Die Aus- 

(B) zubildenden können nichts dafür, wenn ihre Ausbildung 
nicht weitergeführt werden kann, weil die Firma insol- 
vent geht. Wir helfen ihnen über die Bundesagentur für 
Arbeit, die ihnen einen Ausbildungsbonus geben kann. 
Das hilft in der Krise, das hilft den jungen Menschen, 
und das hilft, eine Zukunft im Betrieb zu haben. 

Jetzt denkt sicher jeder: Was hat das mit dem Men- 
schenrecht auf Bildung, wie es bei der SPD heißt, zu tun? 
Sehr viel; denn Rechte werden in konkreten Taten gemes- 
sen und nicht auf dem Papier. Hier eröffnet die Große Ko- 
alition auf sozialdemokratische Initiative hin neue Hil- 
fen, um einen Schutzschirm für Ausbildungsplätze zu 
spannen. Das wurde in dieser Legislaturperiode oft deut- 
lich, und zwar besonders im Verantwortungsbereich un- 
seres sozialdemokratischen Bundesministers Olaf 
Scholz, der sich für die Bildung sehr einsetzt. 

(Beifall bei der SPD) 

Zum Beispiel haben wir für jeden das lebenslange Recht 
auf Nachholen des Hauptschulabschlusses eingeführt, 
zum Beispiel den Ausbildungsbonus für Altbewerber ge- 
schaffen und zum Beispiel das Schulbedarfspaket für 
Kinder in Arbeitslosengeld-II-Empfänger-Haushalten in 
Höhe von jährlich 100 Euro beschlossen. 

Bildung für alle statt Privilegien für wenige - das ist 
die Richtschnur unseres Handelns. Wir wollen aber 
mehr. Wir wollen eine Stärkung der Schulsozialarbeit 
und Berufsorientierung an jeder Schule und für alle über 
20 Jahre eine garantierte Berufsausbildung. 


Um in Bildung investieren zu können, wollen wir et- (C) 
was mehr von den Steuern deijenigen, die sich das leis- 
ten können. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

Dafür fehlt heute noch die Mehrheit. Aber das ist Bil- 
dungspolitik, die den jungen Menschen, die heute strei- 
ken und ihr Zukunftsrecht einfordem, die Chancenge- 
rechtigkeit gibt, die sie brauchen, damit sie den 
Generationenvertrag erfüllen können. Jedem streikenden 
Jugendlichen rufe ich zu: Denkt am 27. September auch 
daran, wenn ihr zur Wahl geht! Bildungspolitik braucht 
jede Stimme. 

Glück auf! 

(Beifall bei der SPD) 

Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: 

Damit schließe ich die Aussprache und beende die 
Aktuelle Stunde. 

Ich rufe jetzt die Tagesordnungspunkte 6 c sowie 6 a 
und b auf: 

c) Beratung des Antrags der Abgeordneten Hubert 
Hüppe, Beatrix Philipp, Dr. Norbert Lammert 
und weiterer Abgeordneter 

Gesetzliche Überregulierung der Patienten- 
verfügung vermeiden 

- Drucksache 16/13262 - 

a) - Zweite und dritte Beratung des von den Abge- (D) 
ordneten Joachim Stünker, Michael Kauch, 

Dr. Lukrezia Jochimsen und weiteren Abge- 
ordneten eingebrachten Entwurfs eines Drit- 
ten Gesetzes zur Änderung des Betreu- 
ungsrechts 

- Drucksache 16/8442 - 

- Zweite und dritte Beratung des von den Abge- 
ordneten Wolfgang Bosbach, Rene Röspel, 
Katrin Göring-Eckardt und weiteren Abge- 
ordneten eingebrachten Entwurfs eines 

Gesetzes zur Verankerung der Patienten- 
verfügung im Betreuungsrecht (Patienten- 
verfügungsgesetz - PatVerfG) 

-Drucksache 16/11360- 

- Zweite und dritte Beratung des von den Abge- 
ordneten Wolfgang Zöller, Dr. Hans Georg 
Faust, Dr. Herta Däubler-Gmelin und weite- 
ren Abgeordneten eingebrachten Entwurfs 
eines Gesetzes zur Klarstellung der Ver- 
bindlichkeit von Patientenverfügungen 
(Patientenverfügungsverbindlichkeitsge- 
setz - PVVG) 

-Drucksache 16/11493 - 

Beschlussempfehlung und Bericht des Rechtsaus- 
schusses (6. Ausschuss) 

-Drucksache 16/13314- 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25095 


Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt 

B erichterstattung : 

Abgeordneter Ute Granold 

Joachim Stünker 

Christoph Strässer 

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger 

Wolfgang Neskovic 

Jerzy Montag 

b) Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- 
richts des Rechtsausschusses (6. Ausschuss) zu 
dem Antrag der Abgeordneten Michael Kauch, 
Dr. Max Stadler, Sabine Leutheusser- 
Schnarrenberger, weiterer Abgeordneter und der 
Fraktion der FDP 

Patientenverfügungen neu regeln - Selbstbe- 
stimmungsrecht und Autonomie von nichtein- 
willigungsiahigen Patienten stärken 

-Drucksachen 16/397, 16/13314 - 

B erichterstattung : 

Abgeordnete Ute Granold 

Joachim Stünker 

Christoph Strässer 

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger 

Wolfgang Neskovic 

Jerzy Montag 

Dazu werden wir später mehrere namentliche Ab- 
stimmungen durchführen. 

Nach einer interfraktionellen Vereinbarung soll ein- 
einviertel Stunden debattiert werden. Diese Zeit soll 
nach dem Stärkeverhältnis der Unterstützer der vier 
Gruppeninitiativen verteilt werden. - Dazu sehe ich kei- 
nen Widerspruch. Dann ist das so beschlossen. 

Ich eröffne die Aussprache und erteile das Wort dem 
Kollegen Christoph Strässer für die Gruppe Stünker und 
andere. 

(Beifall des Abg. Rolf Stöckel [SPD]) 

Christoph Strässer (SPD): 

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe 
Kolleginnen und Kollegen! Dieser Tag könnte ein guter 
Tag werden, nicht nur für den Deutschen Bundestag 
- das wäre schon sehr schön -, sondern auch für Millio- 
nen von Menschen, von Bürgerinnen und Bürgern in die- 
sem Land, die darauf warten, dass wir - ich sage es ein- 
mal etwas platt - endlich zu Potte kommen in diesem 
Hohen Hause. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der FDP 
und der LINKEN) 

Ich sage ganz klar, dass ich für viele der Debatten 
großes Verständnis habe; denn wir reden wirklich über 
ziemlich fundamentale Fragen. Kein Verständnis mehr 
habe ich hingegen dafür, dass es nach einer Debatten- 
dauer von vielen Jahren in diesem Land noch relevante 
Gruppen gibt - in diesem Hause, aber zum Beispiel auch 
in Gestalt der Bundesärztekammer -, die sagen, wir 
bräuchten keine Regelung, weil alles klar sei und weil 
durch eine Regelung nur überreguliert werde. Wie das 
zusammenpassen soll, ist ein Aspekt. Der andere aber 


ist: Wer noch heute, nachdem wir mindestens seit 2003, (C) 
seit einem berühmten Urteil des Bundesgerichtshofs, 
ernsthaft über die Frage der Reichweite und der Wirkung 
von Patientenverfügungen streiten, sagt: „Wir brauchen 
kein Gesetz, wir brauchen keine Regulierung“, der hat 
mindestens die Diskussion der letzten sechs Jahre ver- 
schlafen und sollte sich angesichts dessen einmal besin- 
nen. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der FDP, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Ich möchte in aller Kürze auf den sogenannten 
Stünker-Entwurf - aufgrund der Debatten, die wir hier 
geführt haben, sind noch einige Veränderungen vorge- 
nommen worden - eingehen. Ich glaube - das ist meine 
feste Überzeugung und auch die der Kolleginnen und 
Kollegen, die diesen Entwurf unterstützen -, dass er dem 
Ziel, das in vielen Debatten geäußert worden ist, zuletzt 
in der Sachverständigenanhörung vor wenigen Wochen 
in diesem Hause, und das die meisten in diesem Hohen 
Hause erreichen wollen, nämlich ein selbstbestimmtes 
Sterben, Selbstbestimmung und Menschenwürde am 
Ende eines Lebens zu ermöglichen, am nächsten kommt 
und die beste Form der Umsetzung darstellt. 

Die wichtigste und zentrale Botschaft - ich lasse die 
Punkte, in denen es Übereinstimmung gibt, wie Form- 
vorschriften und Regelungen im Betreuungsrecht, außen 
vor -, die von diesem Gesetzentwurf ausgeht, ist nach 
meiner Überzeugung: Wir nehmen den Willen von Men- 
schen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt im Zustand 
der vollen Entscheidungsfähigkeit eine Entscheidung für (^) 
die Zukunft getroffen haben, ernst, auch wenn sie aktuell 
in einer Situation sind, in der sie nicht mehr selber ent- 
scheiden können. Das ist die Kembotschaft unseres Ge- 
setzentwurfes. Er entspricht dem Grundsatz der Selbst- 
bestimmung und der Beachtung der Menschenwürde 
auch am Ende eines Lebens am meisten. Das ist meine 
Überzeugung. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der FDP, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Ich möchte den Kemunterschied, den es aus meiner 
Sicht zum sogenannten Bosbach/Röspel-Entwurf gibt, 
darstellen, weil ich glaube, dieser Punkt ist maßgeblich 
dafür, zu welcher Entscheidung man sich in diesem Ho- 
hen Hause auch unter Einbeziehung Ihres Entwurfes, 

Herr Kollege Zöller, durchringen wird. Der Kernpunkt 
unseres Entwurfs ist, dass die Patientenverfügung, der 
entweder schriftlich oder durch Auslegung eines mut- 
maßlichen Willens festgestellte Wille, auch dann gelten 
muss, wenn die Krankheit, um die es geht, und der 
Krankheitszustand, um den es geht, nicht irreversibel 
zum Tode führen. Das ist die klare Botschaft. Ich betone: 

Ich will keine Zweiklassenwillenserklärung, keine Zwei- 
klassenselbstbestimmung. Es soll gelten, was jemand 
aufgeschrieben hat. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der FDP, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 



25096 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Christoph Strässer 

Ferner möehte ich einen Punkt anfiihren, der viel- 
leicht fiir Klarheit sorgen kann. Dem Stünker-Entwurf 
wurde im Rahmen der Debatte vorgehalten, es gebe zwi- 
schen der Abfassung einer Patientenverfügung und der 
letztendlichen Inkraftsetzung und Durchführung dieser 
Patientenverfügung einen Automatismus. Ich habe es 
schon damals für falsch gehalten, als dies gesagt wurde. 
Nach der Sachverständigenanhörung - ich darf Sie bit- 
ten, sich das einmal anzuschauen - haben wir einen 
neuen § 1901 b BGB vorgesehen, in dem sehr klar aus- 
geführt wird, dass es diesen Automatismus definitiv 
nicht gibt. Vielmehr wird vorgeschrieben, dass es ein 
Gespräch zwischen Arzt und Betreuer geben muss und 
dass infolge dieses Gespräches die Frage gestellt werden 
wird: Setzen wir die Patientenverfügung um, oder setzen 
wir sie nicht um? Ich glaube, das ist das Gegenteil von 
Automatismus. Ich hoffe, dass es Ihnen mit dieser neuen 
Formulierung in unserem Gesetzentwurf möglich wird, 
diesem Gesetzentwurf zuzustimmen. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der FDP, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Letzter Punkt. Ich weiß, eine Patientenverfügung ist 
nicht alles. Wir brauchen - ich bin sehr froh darüber, 
dass es jetzt auch bei der spezialisierten ambulanten Pal- 
liativversorgung Fortschritte gibt und die Kassen da ei- 
nen Sprung gemacht haben - eine Verbesserung der 
Schmerztherapie und eine bessere Förderung der Hos- 
pizbewegung. In diesem Kontext spielt die Patientenver- 
fügung eine wichtige Rolle. 

Ich bitte Sie ganz herzlich darum, am Ende dieser De- 
batte unserem Entwurf zuzustimmen. Das erwarten sehr 
viele Menschen in diesem Land. Wir in diesem Hohen 
Hause tun ihnen einen großen Gefallen. 

Herzlichen Dank. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der FDP, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: 

Der Kollege Rene Röspel hat jetzt das Wort. 

Rene Röspei (SPD): 

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und 
Herren! Zwei Jahre nach dem Tod meiner Großmutter 
frage ich mich noch heute, ob wir alles richtig gemacht 
haben. Sie war eine Frau, die nie in ein Pflegeheim 
wollte, eine Frau, die nie in den Rollstuhl wollte, weil sie 
dies für entwürdigend und beschämend hielt. 

Kurz vor ihrem 90. Geburtstag musste sie ins Pflege- 
heim, und es kam der Tag, an dem sie ihren Besuch am 
Teich mit ihren geliebten Urenkeln nur noch im Roll- 
stuhl schaffte. Ja, wir haben gegen den Willen verstoßen, 
den meine gesunde Großmutter ausgedrückt hat, aber 
nicht gegen den Willen der Erkrankten gehandelt. Sicher 
bin ich, dass wir zu ihrem Wohl gehandelt haben. Ver- 
mutlich haben wir das Selbstbestimmungsrecht der ge- 
sunden Frau verletzt, nicht aber das der erkrankten. 
Wäre es andersherum besser gewesen? 


Das ist nicht der einzige Fall, aber der mir nächste, (C) 
bei dem ich erlebt habe, dass scheinbar unverrückbare 
und feststehende Positionen eines Menschen sich im 
Laufe einer Krankheit veränderten und neue, andere Le- 
bensperspektiven hinzukamen. 

Solche Konflikte gibt es sicherlich nicht in den Fäl- 
len, in denen die Krankheitsverläufe tödlich sind, Hei- 
lung nicht mehr möglich ist und medizinische Behand- 
lung das Sterben nur verlängern würde. Eine solche oder 
ähnlich lautende Formulierung findet sich in vielen Pa- 
tientenverfügungen, sowohl in der Christlichen Patien- 
tenverfügung - der bin ich auf Veranstaltungen am 
häufigsten begegnet - als auch in der des Bundesminis- 
teriums der Justiz. Die Formulierung „tödlich verlau- 
fende Krankheit“ ist eine Selbstbeschränkung, die von 
vielen Menschen gewählt wird, um vor Fehlinterpreta- 
tionen sicher zu sein. Diese Formulierung entspricht 
auch der Reichweitenbeschränkung, die im Entwurf von 
Bosbach, Röspel und anderen für die einfache Patienten- 
verfügung vorgesehen ist. Die Patientenverfügung wird 
verbindlich. Diese Reichweitenbeschränkung wird sehr 
häufig kritisiert. 

Die Frage ist allerdings, wie sich ein Patient entschei- 
den würde, wenn die Krankheit heilbar wäre und er wie- 
der gesund werden könnte. Wenn es darum geht, so zu 
entscheiden, wie der Patient jetzt in dieser Situation ent- 
scheiden würde, wenn er es denn könnte, wenn das die 
zentrale Aufgabe ist, dann ist die entscheidende Frage, 
wie wir sicherstellen, dass einerseits nicht diejenigen 
verlieren, die sich in der konkreten Situation anders ent- 
scheiden würden, als sie es als gesunder Mensch in ihrer 
Patientenverfügung aufgeschrieben haben, weil ihre Pa- ^ ' 
tientenverfügung umgesetzt wird, und wie wir anderer- 
seits sicherstellen, dass der Wille derjenigen durchge- 
setzt wird, die sich in der aktuellen Situation trotz 
Heilungschancen und anderer möglicherweise lebensbe- 
jahender Bewertungen des Betreuers einen Handlungs- 
abbruch wünschen würden. Aus meiner Sicht lassen die 
anderen Gesetzentwürfe dieses Problem letztlich offen 
und interpretationslähig und werden zu mehr Unsicher- 
heit führen. 

Der Gesetzentwurf der Gruppe Bosbach, Röspel, 
Göring-Eckardt und andere sieht als Lösung die qualifi- 
zierte Patientenverfügung vor. Als Reaktion auf die An- 
hörung, in der das kritisiert wurde, haben wir die notari- 
elle Beurkundung gestrichen. Wir sehen die qualifizierte 
Patientenverfügung vor. Wer sich ärztlich beraten lässt, 
der kann unabhängig von Art und Stadium der Erkran- 
kung - diesbezüglich unterscheidet sich unser Entwurf 
nicht vom Stünker-Entwurf - die medizinische Behand- 
lung beenden lassen. 

(Joachim Stünker [SPD]: Aber nur mit vor- 
mundschaftlicher Genehmigung!) 

Ich sehe darin keine bürokratische Hürde, was uns 
häufig vorgeworfen wird, sondern einen Sicherungs- und 
Erklärungsmechanismus. Wer nach ärztlicher Beratung 
sagt: „Ja, ich weiß, was meine Patientenverfügung be- 
deufef, und ja, ich will, dass das so umgesefzf wird“, er- 
hält mit dem Entwurf Bosbach und Röspel mehr Sicher- 
heit, dass sein Wille erkannt und umgesetzt wird. 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25097 


Rene Röspel 

Ich bitte Sie, Ihre parlamentarische Verantwortung 
heute wahrzunehmen und für einen der Gesetzentwürfe 
zu stimmen. Ich glaube, wir sind es den Menschen im 
Lande schuldig, dass es eine Entscheidung gibt. Ich bitte 
Sie abschließend, für den Gesetzentwurf Bosbach und 
Röspel zu stimmen. 

Vielen Dank. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der CDU/ 

CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜ- 
NEN) 

Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: 

Das Wort hat Wolfgang Zoller. 

Wolfgang Zöller (CDU/CSU): 

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 
Die Diskussion, die in der letzten Zeit über die Patien- 
tenverfügung geführt wurde, hat eine positive Auswir- 
kung: Noch nie zuvor wurde so viel und so intensiv über 
Patientenverfügungen geredet und diskutiert. Das hat lo- 
gischerweise große Erwartungen geweckt. Außerdem 
hat diese Diskussion bei sehr vielen Betroffenen, die be- 
reits eine Patientenverfügung haben, zu einer großen 
Verunsicherung geführt: Gilt sie noch, oder gilt sie nicht 
mehr? 

Vielen Menschen flößt die Vorstellung, am Lebens- 
ende Objekt einer hochtechnisierten Medizin zu sein, 
nach wie vor Angst ein. Hinzu kommt, dass es viele 
Menschen gibt, die der Auffassung sind, man brauche 
überhaupt keine gesetzliche Regelung. 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, aus all diesen Grün- 
den haben wir einen Gesetzentwurf vorgelegt, der nur 
das regelt, was unbedingt notwendig ist, um die derzei- 
tige gute Praxis rechtssicher zu gestalten. Die zentralen 
Punkte unseres Gesetzentwurfes sind: 

Erstens. Die in der Praxis bestehende Rechtsunsicher- 
heit im Hinblick auf die Verbindlichkeit der Patienten- 
verfügung wird beseitigt. 

Zweitens. Der Wille des Patienten ist zu respektieren. 
Die Patientenverfügung ist grundsätzlich verbindlich. 
Sowohl der ausdrücklich erklärte als auch der zu ermit- 
telnde mutmaßliche Wille des Patienten wirken nach 
Verlust der Einwilligungsfähigkeit fort. 

Drittens. Die Patientenverfügung soll in der Regel 
dem Erfordernis der Schriftform nachkommen. Dies ist 
unserem Gesetzentwurf zufolge jedoch nicht zwingend 
erforderlich. Die Wirksamkeit der Patientenverfügung 
ist auch bei mündlicher Ausdrucksweise gegeben. 

Viertens. Vor der Erstellung einer Patientenverfügung 
soll eine ärztliche Beratung über Krankheitsbilder, Mög- 
lichkeiten der medizinischen Behandlung und die Folgen 
des Abbruchs oder der Nichtvomahme von Behand- 
lungsmaßnahmen erfolgen. Damit nicht aus Kostengrün- 
den auf eine Beratung verzichtet wird, werden ihre Kos- 
ten von der gesetzlichen Krankenversicherung getragen. 

Fünftens. Auch bei Vorliegen einer Patientenverfü- 
gung erfolgt immer eine individuelle Ermittlung des ak- 


tuellen Patientenwillens. Diese Regelung trägt der Tatsa- (C) 
che Rechnung, dass sich aufgrund des medizinischen 
Fortschritts neue Behandlungsmöglichkeiten ergeben 
können, von denen der Patient zu dem Zeitpunkt, als er 
seine Patientenverfügung verfassf hat, noch nichts wis- 
sen konnte. 

Sechstens. Wir wollen keinen Automatismus, sondern 
eine individuelle Betrachtung. Die Vielfalt der denkba- 
ren Situationen am Lebensende entzieht sich nämlich ei- 
ner pauschalen Betrachtung und lässt sich deshalb auch 
nicht bis ins Details regeln. Das Sterben ist nun einmal 
nicht normierbar. Eine gesetzliche Regelung darf des- 
halb keinen Automatismus, der auf eine buchstabenge- 
rechte Umsetzung und Ausführung gerichtet ist, in Gang 
setzen. 

Siebtens. Es muss ein Dialog der Beteiligten stattfin- 
den. Die Umsetzung des Patientenwillens in der konkret 
eingetretenen Behandlungs Situation soll ein dialogischer 
Prozess zwischen Arzt und rechtlichem Vertreter sein. In 
diesen dialogischen Prozess können nahestehende Perso- 
nen, Pfiegekräfte oder Mitglieder von Behandlungsteams 
beratend einbezogen werden. Wir sind fest davon über- 
zeugt: Durch diesen dialogischen Prozess zwischen den 
Beteiligten zur Ermittlung des Patientenwillens wird der 
Patientenautonomie und dem Lebensschutz gleicherma- 
ßen Rechnung getragen. 

Meine sehr geehrten Damen und Herren, lassen Sie 
mich an dieser Stelle insbesondere den Kolleginnen 
Dr. Däubler-Gmelin und Knoche sowie dem Kollegen 
Dr. Faust Dank sagen, die mit uns gemeinsam versucht 
haben, über die Parteigrenzen hinweg eine tragfähige (D) 
Lösung zu finden. 

Unser Vorschlag war von Anfang an als Mittelweg 
angelegt. Im Anschluss an die Anhörung sind wir den 
Initiatoren der beiden anderen Gesetzentwürfe an zwei 
Stellen, auf die sie in der Anhörung Wert gelegt haben, 
entgegengekommen. Wir haben die Hoffnung, eine sinn- 
volle gesetzliche Regelung im Sinne der Betroffenen zu 
treffen, nicht aufgegeben. 

Meine sehr geehrten Damen und Herren, lassen Sie 
mich noch eine persönliche Bitte anschließen. Ich bitte 
uns alle: Unterlassen wir gegenseitige Schuldzuweisun- 
gen nach dem Motto, die einen seien ausschließlich für 
den Lebensschufz, die anderen ausschließlich für die 
Selbsfbestimmung zuständig. Diese Frage ist als Gewis- 
sensffage angelegt, daher sollten wir gegensätzliche 
Auffassungen respektieren. 

Vielen Dank. 

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und 
der SPD sowie der Abg. Monika Knoche [DIE 
LINKE]) 

Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: 

Der Kollege Hubert Hüppe spricht als Nächster. 

Hubert Hüppe (CDU/CSU): 

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 

Vor fünf Jahren hat die Enquete-Kommission „Recht 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Hubert Hüppe 

(A) und Ethik der modernen Medizin“ einen Zwischenbe- 
richt zum Thema Patientenverfiigung vorgelegt. Damals 
habe ich als stellvertretender Vorsitzender der Enquete- 
Kommission dem Vorschlag, eine umfassende gesetzli- 
che Regelung zu schaffen, zugestimmt. Seitdem gab es 
viele Beratungen hier im Parlament, in den Ausschüssen 
und auf vielen öffentlichen Veranstaltungen. Ich habe 
meine Meinung geändert. 

Je länger ich mich mit dem Thema beschäftigte, umso 
mehr kamen mir Zweifel, dass ein Gesetz die Situation 
besser machen würde, als sie jetzt ist. Viele von denen, 
die meinen Antrag, auf eine rechtliche Regelung zu ver- 
zichten, unterzeichnet haben, hatten vorher bei anderen 
Anträgen unterschrieben; aber auch sie haben in den Ge- 
sprächen mit Praktikern erfahren, dass man den Versuch, 
etwas zu regeln, das man nicht regeln kann, nicht unter- 
nehmen sollte. 

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und 
der LINKEN) 

Je mehr man mit den Menschen spricht, die nah am 
Patienten sind, umso mehr kommen die Zweifel. Deswe- 
gen ist es nicht verwunderlich, dass uns die Bundesärzte- 
kammer warnt, eine rechtliche Regelung zu treffen. In- 
zwischen hat auch der Deutsche Hospiz- und Palliativ- 
Verband davor gewarnt, ein Gesetz zu beschließen. Die 
Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie 
hat gesagt, wir sollten kein Gesetz schaffen. Vor allem 
Patienten- und Angehörigengruppen wie die Deutsche 
Alzheimer-Gesellschaft haben gesagt - das ist für mich 

(B) am wichtigsten -, dass man kein Gesetz schaffen solle, 
weil die Situation dadurch eher schlechter als besser 
werde. Inzwischen haben auch die Kirchen vor einer ge- 
setzlichen Regelung gewarnt. Ich erwähne das, weil 
viele dieser Gruppen in der Vergangenheit eine gesetzli- 
che Regelung gefordert haben. 

Ich bitte die Kollegen Strässer und Röspel, Folgendes 
zu akzeptieren: Man kann seiner parlamentarischen Ver- 
antwortung auch dadurch gerecht werden, dass man zu 
dem Schluss kommt, eine rechtliche Regelung sei nicht 
so gut ist wie eine nichtrechtliche. Zumindest das sollten 
Sie verstehen. 

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und 
der LINKEN) 

Ich finde es sehr seltsam, wenn in der Öffentlichkeit 
- nicht von Parlamentariern, aber von anderen - gesagt 
wird, es sei ein Armutszeugnis, wenn dieses Parlament 
heute kein Gesetz verabschieden würde, wenn man 
nichts zustande bekäme. Es kann nicht sein, dass Men- 
schen sagen: Besser ein schlechtes Gesetz als kein Ge- 
setz! Wer in diesem Fall, bei einer Frage, bei der es um 
Leben oder Tod geht, lieber ein schlechtes Gesetz als gar 
kein Gesetz wünscht, hat die Dimension der Frage nicht 
verstanden. 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Herr Kollege Hüppe, der Kollege Stöckel würde 
gerne eine Zwischenfrage stellen. 


Hubert Hüppe (CDU/CSU): (C) 

Nein, ich möchte im Zusammenhang weitersprechen. 

Die Änderungen an den Gesetzentwürfen, die in den 
letzten Jahren immer wieder vorgenommen wurden - so- 
gar jetzt, quasi in letzter Minute, werden Änderungen 
vorgenommen -, zeigen, dass die Befürworter einer ge- 
setzlichen Regelung im Zweifel sind, ob man für das Le- 
bensende, das vielleicht nicht zu regeln ist, wirklich Re- 
gelungen treffen sollte. 

Die Überdehnung des Konzeptes der Patientenverfü- 
gung bleibt ein großes Problem. Es ist problematisch, zu 
glauben, man könne im Vorhinein, möglicherweise Jahre 
vorher, tausend verschiedene Situationen, die eintreten 
können, die vielen Dimensionen einer Erkrankung be- 
stimmen. Ich glaube, man kann nicht voraussehen, in 
welcher Lebenssituation man sich befinden wird, wie 
man - Herr Röspel hat es dargestellt - als Kranker da- 
rüber denken wird, welche Perspektiven es gibt. 

Patientenverfügungen sind ein wichtiges Instrument, 
um ein Indiz zu erhalten. Ich halte es aber für falsch, zu 
glauben, man könne Jahre im Voraus für eine spätere Si- 
tuation bestimmen: Wenn A und B eintreten, ist C rich- 
tig; ohne weitere Überprüfung kann man auf lebensver- 
längemde Maßnahmen verzichten. 

Ich will - das ist mir sehr wichtig - noch etwas zum 
Gesetzentwurf Stünker und andere sagen. Im Gesetzent- 
wurf Stünker und andere ist für Patientenverfügungen 
keine Reichweitenbegrenzung vorgesehen. Das ist ge- 
fährlich genug. Was ich aber für noch gefährlicher halte, 
ist, dass mit ihm auch viele andere Fälle geregelt werden 
sollen, nämlich die 90 Prozent der Fälle, dass keine Pa- (D) 
tientenverfügung vorhanden ist, und ein großer Teil der 
restlichen 10 Prozent der Fälle, dass zwar eine Patienten- 
verfügung vorhanden isf, zur Situation aber nicht passt. 

Es heißt in diesem Gesetzentwurf: Wenn sich Be- 
treuer und Arzt einig sind, kann selbst dann ohne Reich- 
weitenbegrenzung der mutmaßliche Wille genommen 
und auf eine lebensverlängemde Maßnahme verzichtet 
werden, und das ohne gerichtliche Überprüfung. Meine 
Damen und Herren, das ist eine gefährliche Regelung. In 
§ 1904 BGB - den Sie nicht verändern wollen - steht: 

Wenn der Betreuer der Meinung ist, dass eine lebenser- 
haltende Operation durchgeführt werden sollte, diese 
aber Gefahr für Leben und Gesundheit des Patienten 
birgt - wohlgemerkt: diese Maßnahme soll das Leben 
retten -, ist die Genehmigung des Vormundschaftsge- 
richts erforderlich. Dann ist es geradezu abstrus, wenn 
dann, wenn auf die Maßnahme verzichtet wird - der Pa- 
tient also stirbt -, Arzt und Betreuer das Recht haben, 
über Leben oder Tod zu entscheiden. Das halte ich nicht 
für richtig, ich halte es sogar für gefährlich. 

(Beifall bei Abgeordnefen der CDU/CSU und 
der LINKEN) 

Ich bin in Hospizen gewesen - wir haben bei uns ein 
Wachkomazentrum -, ich habe mir das vor Ort ange- 
schaut. Man muss mit den Menschen sprechen, um zu 
erfahren, wie die Realität ist. Stellen Sie sich vor, eine 
verwitwete, demente Frau, schlecht versichert, schlech- 
tes Einkommen, kommt ins Heim. Dann wird ein Be- 
rufsbetreuer eingesetzt. Wenn er keine Vorbildung hat. 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25099 


Hubert Hüppe 

(A) bekommt er pro Stunde 23 Euro. Im Monat kann er zwei 
Stunden ansetzen. Und dieser Betreuer soll mit dem neu 
behandelnden Arzt eine Entscheidung über Leben oder 
Tod der Patientin treffen? Das kann nicht richtig sein. 
Hier muss zumindest eine gerichtliche Überprüfung 
stattfinden. 

Meine Damen und Herren, die jahrelange Debatte hat 
gezeigt: Das Sterben kann man nicht bis in die letzte Mi- 
nute regeln, schon gar nicht mit Gesetzen. Ich appelliere 
an Sie: Seien wir mutig als Parlament und geben wir zu, 
dass wir uns übernommen haben, dass das Sterben nicht 
zu regeln ist! Versuchen wir, dass Liebe und Angenom- 
menheit dazu führen, dass sich Menschen nicht unnötig 
lange quälen müssen! Das schafft man aber nicht per Ge- 
setz, da hilft nur Zuwendung. 

Vielen Dank. 

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und 
der LINKEN) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Das Wort hat der Kollege Michael Kauch. 

Michael Kauch (FDP): 

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Bereits 
2004 und 2006 haben die Liberalen im Deutschen Bun- 
destag Anträge für eine Stärkung von Patientenverfü- 
gungen eingebracht. Sechs Jahre lang geht die Diskus- 
sion inzwischen, sechs Jahre lang warten die Menschen 
darauf, dass dieses Hohe Haus endlich eine Entschei- 
dung trifft. Ich bin froh, dass wir heute zu einer Abstim- 

(B) mung kommen. 

(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Es stimmt nicht, dass eine gesetzliche Klarstellung 
der Verbindlichkeit einer Patientenverfügung das Ster- 
ben verrechtlichen würde. Der Arzt darf schon heute 
nicht machen, was er will. Lieber Herr Hüppe, nicht wer 
die Macht am Krankenbett hat, darf entscheiden, es gibt 
bereits heute Richterrecht. Was Sie kritisieren, ist zum 
Teil geltende Rechtslage. 

(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Doch dieses Richterrecht ist widersprüchlich, Ärzte und 
Patienten sind verunsichert. Deshalb brauchen wir eine 
Klarstellung im Gesetz: im Interesse der Patienten, aber 
auch im Interesse der Ärzte, die für ihre Tätigkeit 
Sicherheit brauchen. 

(Dr. Stephan Eisei [CDU/CSU]: Die Ärzte- 
kammer ist doch dagegen!) 

- Es sind nicht alle Ärzte dagegen; da können Sie noch 
so viele einzelne Personen hervorheben. 

Meine Damen und Herren, Patientenverfügungen sind 
ein wichtiger Baustein für Selbstbestimmung am Le- 
bensende, sie sind aber nur ein Baustein. Genauso gehö- 
ren medizinische Versorgung und mehr menschliche Zu- 
wendung dazu. Fürsorge und Selbstbestimmung dürfen 


nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wir brauchen (C) 
Fürsorge und Selbstbestimmung für die Patientinnen und 
Patienten. 

(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Durch die moderne Medizin wurden Möglichkeiten 
geschaffen, die man sich vor 50 Jahren noch nicht vor- 
stellen konnte. Ob das für jemanden ein Geschenk oder 
eine Qual isf, kann wirklich nur jeder Einzelne für sich 
selbst entscheiden. 

Wir haben auch keine naive Vorstellung von Selbstbe- 
stimmung. Mit einer Patientenverfügung verfüge ich na- 
türlich etwas für die Zukunft. Das geschieht immer unter 
Unsicherheit. Was ist aber die Alternative zu dieser Ent- 
scheidung oder Verfügung unter Unsicherheit, wenn ich 
das nicht anerkenne? Die Alternative ist, dass jemand 
Drittes entscheidet. Dies tut er, auch wenn er wohlmei- 
nend ist, möglicherweise gegen den Willen des Patien- 
ten. Die Fremdbestimmung des Menschen ist also die 
Alternative. 

Mit dem vorliegenden Entwurf, den ich gemeinsam 
mit Joachim Stünker und anderen Kollegen erarbeitet 
habe, wollen wir eben keine Beschränkung der Reich- 
weite. Wir wollen das Vormundschaftsgericht nur in den 
Konfliktfällen einschalten, und wir wollen vor allem 
eine Bürokratisierung des Sterbens verhindern, wie dies 
durch den Bosbach-Entwurf zu befürchten ist. 


Was passiert denn, wenn man Ihre Formvorschriften 
nicht einhält? Die Menschen werden dann zwangsbehan- 
delt. 


(D) 


(Beifall bei Abgeordneten der FDP und der 
SPD) 

Was bedeutet das? Dann wird wiederbelebt, beatmet, 
Blut übertragen, und es werden Magensonden gelegt, 
und zwar gegen den ausdrücklichen Willen des Patien- 
ten, nur weil Sie Formvorschriften vorgeben, die mögli- 
cherweise nicht eingehalten werden. Das ist gegen die 
Lebensrealität älterer Menschen in diesem Land gerich- 
tet. 


(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD 
und der LINKEN) 

Wir wollen auch keine Hintertüren im Gesetz. Bei Ih- 
nen gibt es ja noch die Klausel, dass der Mensch viel- 
leicht anders entschieden hätte, wenn er gewusst hätte, 
dass sich die Medizin weiterentwickelt hat. Deshalb soll 
die Patientenverfügung nicht beachtet werden. 

(Joachim Stünker [SPD]: Genau!) 

An dieser Stelle kann ich nur sagen: Es gibt noch Men- 
schen in diesem Land, die nicht Professoren in der medi- 
zinischen Forschung sind. Auch diese haben ein Anrecht 
auf Selbstbestimmung. Wer gibt Ihnen denn die Garan- 
tie, dass der Arzt weiß, dass sich der Mensch dann wirk- 
lich anders entschieden hätte? 

(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 



25100 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Michael Kauch 

Lassen Sie mich hinzufiigen: Es gibt bei unserem Ent- 
wurf keinen Automatismus. Der aktuelle Wille ist ent- 
scheidend. Passt die Lebenssituation, haben sich die 
Umstände tatsächlich erkennbar geändert? All das muss 
einbezogen werden. 

Niemand muss eine Patientenverfügung abfassen; 
wer sich aber dafür entscheidet, festzulegen, was ihm 
wichtig ist, der hat auch den Anspruch darauf, dass die- 
ses Parlament seinen Willen achtet. Werden Sie diesem 
Anspruch bei der späteren Abstimmung bitte gerecht. 

Vielen Dank. 

(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Ich gebe der Kollegin Katrin Göring-Eckardt das 
Wort. 

Katrin Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN): 

Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Sehr verehrte 
Frau Präsidentin! Es scheint mir, dass wir heute so er- 
schöpft und zum Teil auch angefasst über die Patienten- 
verfügung diskutieren wie noch nie in diesem Haus. 

Die einen haben überlegt, verhandelt, Gruppen gebil- 
det und Kompromisse geschlossen, die von manchen 
auch wieder aufgekündigt wurden, die anderen haben 
diskutiert und gefragt: sich selbst, die jeweils anderen 
und vor allem und ganz oft auch diejenigen, um die es 
geht. Wenn man sich heute die Nachrichtenlage an- 
schaut, dann scheint es am Ende nur noch um die Ab- 
stimmungsreihenfolge und darum zu gehen, ob über- 
haupt abgestimmt werden muss. 

Gibt es nicht Momente, in denen kein Beschluss bes- 
ser ist als einer, der irgendwie halbherzig ist, der nicht 
ganz meiner Position entspricht oder den ich vielleicht 
für gefährlich halte, wie das Herr Hüppe sagt? Zum 
Letzten: Ja, das kann sein. 

Wir müssen heute nicht beschließen, weil wir sechs 
Jahre lang verhandelt haben, 

(Beifall des Abg. Hubert Hüppe [CDU/CSU]) 

wir müssen heute auch nicht beschließen, weil das Ende 
der Legislaturperiode naht, und wir müssen auch nicht 
beschließen, weil so viele so intensiv daran gearbeitet 
haben. 

(Rolf Stöckel [SPD]: Sondern weil Millionen 
das fordern!) 

Das ist lebendiger Parlamentarismus. 

Warum sollten wir das aber doch tun? Eines wissen 
wir eigentlich alle: Es gibt extrem viel Unsicherheit da- 
rüber, wie die Gesetzeslage ist. Es gibt eine Unsicherheit 
bei Ärztinnen und Ärzten - auch das muss man hier 
deutlich sagen -, zum Teil auch darüber, was heute tat- 
sächlich schon möglich ist. Unsicherheit gibt es auch bei 
Freunden und Verwandten von Schwerkranken, ehren- 


amtlichen Hospizhelfem und Hospizhelferinnen und bei (C) 
denen, die selbst eine Patientenverfügung in Erwägung 
ziehen oder schon angefertigt haben und sich absichem 
wollen. 

Ich denke, die Debatte lohnt sich vor allem deswegen. 

Ich plädiere noch einmal für den Enfwurf, der versucht, 
zu bedenken, was bedacht werden muss, zu regeln, was 
geregelt werden muss, anderes aber nicht regelt und es 
der individuellen Situation überlässt. Ich bin froh, dass 
wir in unserem Entwurf von einer notariellen Regelung 
Abstand genommen haben. Auch das gehört zu dem An- 
liegen, nicht zu regeln, was nicht unbedingt geregelt 
werden muss. 

Zur Entlastung in der entsprechenden Situation gehört 
aber auf jeden Fall, dass Abläufe und Verfahrensweisen 
klar sind. Wer redet, wer wird gefragt, und wer entschei- 
det am Ende? Uns ist es wichtig, dass das Verfahren als 
Dialog begriffen wird. Es ist ein Dialog zwischen Be- 
treuer, Arzt und Angehörigen und auch den Pflegekräf- 
ten. Denn oft erleben sie den Patienten oder die Patientin 
am intensivsten. 

Als Ergebnis dieses Prozesses ist aber klar, wer ent- 
scheidet, wenn der Patient oder die Patientin das nicht 
mehr können, nämlich der Bevollmächtigte oder der Be- 
treuer, und zwar auf Augenhöhe mit dem Arzt als dessen 
Gegenüber. Denn es ist gerade nicht der Arzt, der allein 
entscheiden sollte. 

Wir regeln deswegen die Instrumente von Vorsorge- 
vollmacht und Betreuungs Verfügung eigenständig im .y-., 
Gesetzentwurf und stärken - das ist sehr wichtig - die ^ 
Position der Vertrauensperson. Um Unsicherheiten abzu- 
bauen, muss deutlich werden, dass die Vertrauensperson 
nicht für sich und nicht nach ihrer Intention entscheidet, 
sondern die Aufgabe hat, dem Willen des Patienten oder 
der Patientin Gehör zu verschaffen, ihnen eine Stimme 
zu geben und ihrer Selbstbestimmung Ausdruck zu ver- 
leihen. Genau darum geht es. 

(Joachim Stünker [SPD]: Ja! Genau darum 
geht es!) 

Klar ist aber auch, dass Automatismus das Letzte ist, 
was der individuellen Situation eines Schwerstkranken 
gerecht wird. Jeder endgültigen Entscheidung gehen 
Fragen und die Suche nach Anhaltspunkten voraus, ob 
die beschriebene Situation nun eingetreten ist und ob 
das, was in der Patientenverfügung fesfgehalten wurde, 
wirklich dem aktuellen Willen entspricht. Dabei kann es 
nicht nur um den Blick aufs Papier gehen, sondern es 
muss nach dem Menschen in der Situation gehen, in der 
er oder sie gerade ist. Genau dafür - um das zu erkennen - 
isf es notwendig, dass wir die Möglichkeit berücksichti- 
gen, dass sich der aktuelle Wille geändert haben kann. 

Wir müssen aber auch respektieren, dass jemand, der 
sich beraten lassen hat - wir wollen, dass diese Leistung 
von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen 
wird -, die Möglichkeit hat, seinen Willen zu bestätigen. 

Das muss akzeptiert werden. Übrigens glaube ich, dass 
die Beratung als GKV-Leistung entscheidend und wich- 
tig ist. 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25101 


Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Frau Kollegin. 

Katrin Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN): 

Denn sie gewährleistet, dass wir uns sehr viel stärker 
mit Tod und Sterben auseinandersetzen. 

Wenn wir heute zu einem Beschluss kommen, dann 
sind wir nicht am Ende der Diskussion, sondern am An- 
fang dessen, was wir zu den Fragen von Tod und Sterben 
regeln müssen. 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Frau Kollegin. 

Katrin Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN): 

Letzten Endes geht es um die Würde. Dafür werden 
wir als Menschen in der Gesellschaft noch viel tun müs- 
sen und auch noch das eine oder andere Gesetz zu be- 
schließen haben. 

Vielen Dank. 

(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNIS- 
SES 90/DIE GRÜNEN, der CDU/CSU und 
der SPD) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Nächste Rednerin ist die Kollegin Dr. Lukrezia 
Jochimsen. 

(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN) 

Dr. Lukrezia Jochimsen (DIE LINKE): 

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 
Liebe Zuhörer und Zuhörerinnen! Unser Lebensende hat 
sich völlig verändert. Den natürlichen Tod gibt es nicht 
mehr, hat Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe festge- 
stellt. Viel häufiger sei der Tod nach langwieriger Be- 
handlung. Weil das so ist, müssen wir für diese Lebens- 
phase Rechtssicherheit schaffen, und zwar für jene 
Millionen Menschen, die diese Rechfssicherheit drin- 
gend wollen. 

(Beifall bei Abgeordnefen der LINKEN und 
der SPD) 

Schätzungen zufolge werden jedes Jahr in den Kran- 
kenhäusern in 400 000 bis 600 000 Fällen medizinische 
Entscheidungen am Sterbebett notwendig. Wer da das 
Selbstbestimmungsrecht ernst nimmt, muss dem Patien- 
ten für jede Krankheitsphase das Recht zugestehen, über 
Einleitung oder Abbruch einer lebenserhaltenden oder 
das Sterben verlängernden Maßnahme selbst zu ent- 
scheiden. Diese Rechtssicherheit gibt der Stünker-Ent- 
wurf, für den ich hier im Namen von über 
30 Kolleginnen und Kollegen der Linksfraktion spreche. 
In diesem Entwurf wird genau und ganz bewusst nach 
Art und Stadium der Erkrankung differenziert. 

Viele Menschen haben die Befürchtung, am Ende ih- 
res Lebens der Intensivmedizin hilflos ausgeliefert zu 


sein, die die physische Lebenserhaltung in den Vorder- (C) 
grund stellt. Millionen von ihnen haben deshalb Patien- 
tenverfügungen verfasst. Rechtsverbindlich sind diese 
aber nicht. Ob Ärzte oder Betreuer sie umsetzen, ist of- 
fen. Insofern kann ich - bei allem Respekt - die Ansicht 
derjenigen Abgeordneten nicht teilen, die meinen, man 
solle am besten alles so lassen, wie es ist. 

Wissen Sie, wie es ist? 140 000 Emährungssonden 
werden jedes Jahr in Deutschland gelegt, zwei Drittel 
davon bei Bewohnern von Pflegeheimen. Diesem Pati- 
entenkreis gehören nach Schätzungen 400 000 bis 
500 000 Menschen an. Die Frankfurter Allgemeine 
Sonntagszeitung hat in einem Dossier vom Juni 2008 
festgestellt, dass die Zwangsemährung Sterbender in 
Deutschland zum medizinischen Standard wird. Das ist 
die Realität. Sie steht im scharfen Kontrast zu dem, was 
die Menschen wollen. Der Vorstand der Deutschen Hos- 
piz Stiftung, Eugen Brysch, hat öffentlich erklärt: 

Wir erleben in der Praxis täglich, dass die Men- 
schen, die bei uns Rat einholen, künstliche Ernäh- 
rung kategorisch ablehnen. Dahinter steht die Angst 
vor einem jahrelangen Dahinvegetieren, vor einem 
Leben ohne Lebensqualität, das nur durch die Ma- 
gensonde auffechterhalten wird. Dieser Angst gilt 
es zu begegnen. 

(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN, der 
SPD, der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Diese Angst müsste für uns Verpflichtung sein, die Ver- 
hältnisse, so wie sie sind, zu verändern und endlich 
Rechtssicherheit zu schaffen, damit Menschen selbstbe- 
stimmt sterben können, wenn sie es wollen; wohlge- 
merkt: wenn Sie es wollen. Niemand muss oder soll eine 
Patientenverfügung verfassen. Wer findet, dass es gut ist, 
wie es ist, dem wird nichts aufgedrängt. 

(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN, der 
SPD, der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Aber den anderen, die selbstbestimmt über ihren 
Körper verfügen möchten, auch wenn sie dies nicht 
mehr artikulieren können, muss der Gesetzgeber dies er- 
möglichen. Jede Person, die eine Patientenverfügung 
verfasst hat, muss sicher sein, dass diese geachtet und 
umgesetzt wird. Dabei geht unser Gesetzentwurf von ei- 
nem Dialog zwischen Arzt und Betreuer aus. Der Arzt 
muss zunächst prüfen, welche Maßnahmen mit Blick auf 
den Zustand und die Prognose des Patienten indiziert 
sind. Dann müssen diese Maßnahmen unter Berücksich- 
tigung des verbindlichen Patientenwillens erörtert wer- 
den. Der Patientenwille ist also ausschlaggebend. 

Wichtig ist, dass die Anwendbarkeit der Verfügung 
daraufhin überprüft wird, ob sie dem aktuellen Willen 
entspricht. Es gibt also keinen Automatismus im 
Stünker-Entwurf Ich bitte Sie, das einmal zur Kenntnis 
zu nehmen. 

(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN, der 
SPD, der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 



25102 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Dr. Lukrezia Jochimsen 

Dadurch, dass man immer von „Automatismus“ re- 
det, wird es doch nicht wahrer. Ganz wichtig ist schließ- 
lich: Das Vormundschaftsgericht muss nur bei Zweifeln 
am Patientenwillen oder bei Missbrauchsverdacht einge- 
schaltet werden. 

„Die Politik versagt vor dem Sterben“ - diesen Vor- 
wurf hat uns Parlamentariern der Palliativmediziner Pro- 
fessor Borasio kürzlich in einem 754Z-Artikel gemacht, 
weil trotz jahrelanger Arbeit bisher keine gesetzliche Re- 
gelung für Patientenverfügungen geschaffen wurde. 
Ärzte, Betreuer und viele Kranke, aber auch Gesunde 
warten darauf „Die Politik versagt vor dem Sterben“ - 
meine ganze Hoffnung richtet sich darauf, dass sich das 
mit dem heutigen Tag ändert und Selbstbestimmung und 
Fürsorge am Ende des Lebens ermöglicht werden. 

Ich danke Ihnen. 

(Beifall bei der LINKEN, der SPD und der 
FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNIS- 
SES 90/DIE GRÜNEN) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Nächster Redner ist der Kollege Otto Fricke. 

Otto Fricke (FDP): 

Frau Präsidentin! Meine lieben Kolleginnen und Kol- 
legen! Frau Kollegin Jochimsen, wenn es einen Beweis 
dafür gibt, dass das Parlament vor dem Sterben nicht 
versagt, dann ist es, unabhängig davon, wie die heutige 
Abstimmung ausgeht, diese Debatte, wie sie bisher ge- 
führt wird. Das muss das Parlament auch einmal nach 
draußen deutlich machen. 

(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der CDU/ 

CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜ- 
NEN) 

Heute ist mit Lord Dahrendorf jemand gestorben, der 
für ein FDP-Mitglied sehr große Bedeutung hat. 

(Fritz Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: 
Nicht nur für ein FDP-Mitglied, Herr Kol- 
lege!) 

Zu seinem 80. Geburtstag ist in der FAZ ein Artikel er- 
schienen, der die schöne Überschrift „Die Freiheit, sich 
anders zu entscheiden“ trägt. Das ist der Kern, um den es 
geht, nämlich die Angst, sich falsch entschieden zu ha- 
ben und es nicht mehr rückgängig machen zu können. 

(Joachim Stünker [SPD]: Nein!) 

Das ist die Angst der Menschen, Herr Kollege Stünker. 
Ich rede nicht von den juristischen Kategorien wie Sie, 
sondern von der Angst, die mir in Gesprächen begegnet. 
Wenn ich mich entscheide, dann will ich, dass das gilt. 
Aber ich will immer die Hoffnung haben, mich nicht 
falsch zu entscheiden. 

(Joachim Stünker [SPD]: Dann können Sie wi- 
derrufen!) 

In einem immerwährenden Dialog muss sich jeder damit 
auseinandersetzen. 


Vor diesem Hintergrund sage ich an die Adresse von 
Herrn Hüppe und des Ärztepräsidenten: Es gibt schon 
rechtliche Regelungen. Es geht nicht um die Frage: kein 
Gesetz oder ein schlechtes Gesetz. Es gelten bereits Ge- 
setze. Neben der Menschenrechtskonvention gibt es das 
Grundgesetz, das auch aufgrund der Drittwirkung von 
Grundrechten für das Verhältnis des Patienten zum Arzt 
gilt. 

(Joachim Stünker [SPD]: Das Betreuungs- 
recht!) 

- Das Betreuungsrecht auch. - Mir geht es darum, das 
ganz hoch anzusetzen. Deshalb verweise ich auf die Ver- 
fassung. Nun müssen wir uns fragen, ob wir es präzisie- 
ren können. Wir können auf keinen Fall ganz präzise 
sein. Wir können nicht den Einzelfall regeln. Das sollten 
wir als Gesetzgeber erst gar nicht versuchen. Aber kön- 
nen wir es besser machen, oder sollten wir es bei dem 
belassen, was ist? Ich glaube, die weit überwiegende 
Mehrheit ist genauso wie ich der Meinung: Wir haben 
eine Verpflichtung, es zu regeln, um den Bürgern grö- 
ßere Sicherheit zu geben. 

(Beifall bei Abgeordneten der FDP und der 
CDU/CSU - Hubert Hüppe [CDU/CSU]: Eine 
Scheinsicherheit ! ) 

- Nichts im Leben ist vollständig sicher, Kollege Hüppe. 
So ist das nun einmal. Man kann im nächsten Moment 
die Treppe herunterfallen und sich verletzen. Das müs- 
sen wir hinnehmen. Das ist Teil der Begrenztheit der 
Kontrolle unserer eigenen Existenz. Wir als Gesetzgeber 
haben aber die Aufgabe, den Bürgern gegenüber dafür 
zu sorgen, dass es in möglichst wenigen Fällen passiert 
und dass sie möglichst viele Leitplanken haben, die sie 
dabei stützen, das Leben verantwortungsvoll zu führen. 

Der Unterschied - deswegen setze ich mich für den 
Bosbach-Entwurf ein - wird für mich in der Frage der 
Abstufung deutlich. Kann man sagen, dass es sich bei 
der Freiheit der Selbstbestimmung im Bereich der Pa- 
tientenverfügung immer um die gleiche Freiheit handelt? 
Ich sage Ihnen: Nein, denn sie ist von unterschiedlichen 
Verantwortungen geprägt. Wenn es sich um den Einzel- 
nen mit Blick auf sich selber handelt, dann ist es viel- 
leicht die gleiche Verantwortung. Aber was ist, wenn die 
Krankheit nicht tödlich verläuft? Dann ist das größte 
Problem für die Angehörigen und die Umwelt, die Frage 
zu beantworten: Kann ich bei diesem Menschen, der nun 
ohne Bewusstsein ist - um diesen Fall geht es -, loslas- 
sen? Wir als Gesetzgeber müssen Hilfen geben und dies 
ermöglichen. Aber es darf sich nicht einfach nur um eine 
selbstentschiedene, sondern muss sich um eine selbstbe- 
stimmte Beantwortung der Frage handeln, die sich der 
Patient in seiner Patientenverfügung gesfellt hat. 

(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der CDU/ 

CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜ- 
NEN) 

Selbstbestimmt bedeutet, möglichst genau zu wissen, 
was man macht. Deswegen haben wir immer wieder 
festgestellt - ich erinnere an die Debatte über Spätabtrei- 
bungen, ohne einen Vergleich zu ziehen -: Es bedarf ei- 
ner Abstufung. Je schwerwiegender und sfärker der Ein- 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25103 


Otto Fricke 

(A) griff in die Grundrechte und das Leben ist - es macht 
nun einmal einen Unterschied aus, ob es sich um einen 
tödlichen Verlauf handelt oder nicht desto mehr ist der 
einzelne Bürger als Grundrechtsträger und verantwor- 
tungsvoller Mensch auch anderen gegenüber verpflich- 
tet, sich damit auseinanderzusetzen. Deswegen glaube 
ich, dass man bei der Frage unterscheiden muss, wie 
man verantwortungsvoll mit einer Patientenverfügung, 
die gelten soll, umgehen muss. 

Herzlichen Dank. 

(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der CDU/ 

CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜ- 
NEN) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Nächste Rednerin ist die Kollegin Dr. Marlies 
Volkmer. 

Dr. Marlies Volkmer (SPD): 

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 
Jahrelang gab es Debatten und Anhörungen. Wir haben 
uns durch Berge von Papier mit juristischen, medizini- 
schen und ethischen Argumentationen durchgearbeitet. 
Heute müssen wir Verantwortung übernehmen. Heute 
müssen wir entscheiden. 

Wir brauchen eine gesetzliche Regelung zur Patien- 
tenverfügung. Das hat nicht zuletzt die Anhörung am 
4. März dieses Jahres im Deutschen Bundestag sehr 
deutlich gemacht. Eine gesetzliche Regelung liegt im In- 

(B) teresse von Patientinnen und Patienten; denn sie wollen 
sicher sein, dass ihr verfügter Wille tatsächlich umge- 
setzt wird. 

Als Ärztin sage ich Ihnen: Eine gesetzliche Regelung 
liegt auch im Interesse der Pflegenden und der Ärztinnen 
und Ärzte. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der FDP, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Auch sie wollen die Sicherheit, dass sie nicht mit straf- 
rechtlicher Verfolgung rechnen müssen, wenn sie zum 
Beispiel die künstliche Ernährung oder die Flüssigkeits- 
zufuhr bei einem Menschen abbrechen, der das verfügt 
hat. Deshalb finde ich Ihren Antrag, Herr Hüppe, gera- 
dezu vermessen und auch unverantwortlich, 

(Julia Klöckner [CDU/CSU]: Ach!) 

nach dieser Diskussion auf eine gesetzliche Regelung zu 
verzichten. 

(Dr. Stephan Eisei [CDU/CSU]: Etwas mehr 
Respekt voreinander! - Fritz Kuhn [BÜND- 
NIS 90/DIE GRÜNEN]: Was ist denn daran 
vermessen? Das ist eine Position, die man ein- 
nehmen kann!) 

Natürlich geht es nicht nur um eine gesetzliche Rege- 
lung. Es geht darum, dem Selbstbestimmungsrecht der 
Menschen Geltung zu verschaffen, unabhängig vom 
Krankheitsstadium. Das ist eine eindeutige Position ge- 


genüber dem patemalistischen Prinzip: Der Arzt wird (C) 
schon wissen, was für mich das Richtige ist. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der FDP, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Ich werde heute dem sogenannten Stünker-Entwurf 
zustimmen, obgleich ich zunächst Bedenken geäußert 
und einen Änderungsantrag initiiert habe, der auch Ge- 
genstand der Anhörung war. Hintergrund für meine Zu- 
stimmung sind die vorgeschlagenen Änderungen im jetzt 
vorliegenden Entwurf Sie tragen meinen Einwendungen 
zum großen Teil Rechnung. Im jetzigen Entwurf ist die 
Rolle des Arztes bei der Entscheidungsfindung gemein- 
sam mit dem Betreuer oder Vorsorgebevollmächtigten 
klar herausgearbeitet worden. Dieser dialogische Pro- 
zess gewährleistet, dass eine automatische Umsetzung 
der schriftlichen Verfügung durch den Betreuer ausge- 
schlossen ist. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der FDP, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Es ist schade, dass keine Formulierung im Gesetzes- 
text gefunden werden konnte, die die Bedeutung der Be- 
ratung vor der Abfassung der Patienten Verfügung zum 
Ausdruck bringt. Aber immerhin gibt es jetzt in der Be- 
gründung einen ausführlichen Hinweis auf die Bedeu- 
tung der Beratung vor Abfassung einer Patientenverfü- 
gung, damit ebendiese Patientenverfügung wirklich 
hinreichend konkret ist. Ich bin froh darüber, dass dies 
im Entwurf enthalten ist. Ich möchte jedem raten, vor 
Abfassung einer Patientenverfügung eine qualifizierte 
Beratung wahrzunehmen. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

Ich bin gefragt worden, warum ich nicht dem 
Bosbach/Röspel-Entwurf meine Stimme gebe, der eine 
ärztliche Beratungspfiicht enthält und mittlerweile auch 
nicht mehr die Beglaubigung durch einen Notar vorsieht. 

Das Problem des Bosbach/Röspel-Entwurfs ist es, dass 
die Selbstbestimmung des Patienten unzulässig einge- 
schränkt wird. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der FDP, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Werden die Kriterien einer qualifizierten Verfügung 
nicht erfüllt, dann ist die Verfügung nur bei zum Tode 
führenden Erkrankungen gültig. Wenn dieser Gesetzent- 
wurf angenommen würde, würde sich die Situation für 
alle Beteiligten schlechter darstellen als heute. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der FDP, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Der Zöller/Faust-Entwurf misst dem Arzt einen zu 
großen Entscheidungsspielraum zu. Es werden denkbare 
Behandlungsmöglichkeiten nur „unter Berücksichti- 
gung“ des Patientenwillens geprüft. Das Grundrecht der 
Selbstbestimmung verlangt, dass eine verbindliche Pa- 
tientenverfügung strikt zu beachten ist. Der Zöller-Ent- 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Dr. Marlies Volkmer 

(A) Wurf öffnet der freien Auslegung Tür und Tor. Davon ab- 
gesehen, muss eine Patienten Verfügung dem Zöller- 
Entwurf zufolge nicht schriftlich vorliegen. Patienten 
müssen aber vor Fremdbestimmung und Umdeutungen 
ihrer Patientenverfügung geschützt werden. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der FDP, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Deshalb ist die Schriftform keine überflüssige Formalie, 
sondern eine Wirksamkeitsvoraussetzung. 

Ziel muss eine gesetzliche Regelung der Patienten- 
verfügung sein, die Rechtsklarheit und Rechtssicherheit 
schafft und das Selbstbestimmungsrecht der Patientinnen 
und Patienten stärkt. Deswegen stimmen Sie bitte dem 
Stünker-Entwurf zu. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der FDP, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN - Volker Kauder [CDU/CSU]: Nie!) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Das Wort hat der Kollege Norbert Geis. 

Norbert Geis (CDU/CSU): 

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und 
Herren! Herr Kollege Strässer hat bereits dargelegt, dass 
die Patientenverfügung für zwei Phasen Geltung haben 
soll, nämlich die Phase der zum Tod führenden Krank- 
heit - man könnte vielleicht, wenn man es enger sieht, 
„Sterbephase“ sagen - und die Phase der schweren 
1“/ Erkrankung, die aber noch nicht zum Tod führt, sondern 
in der der Mensch weiterleben kann. Das sind die zwei 
Elemente, über die wir nachdenken müssen, wenn es um 
die Patientenverfügung geht. 

Für die erste Phase und für die zweite Phase geht es 
um die Durchsetzung des Selbstbestimmungsrechts. Herr 
Kollege Fricke hat eben eine sehr feine Unterscheidung 
zwischen Selbstbestimmung und Selbstentscheidung 
getroffen. Sind wir immer so selbstbestimmt, wie wir 
glauben? 

(Joachim Stünker [SPD]: Genau!) 

Lieber Herr Stünker, wir sind von unseren kulturellen 
Vorstellungen, von unserer Erziehung und von unseren 
Eltern abhängig; wir sind abhängig von unseren Lehrern 
und von den Menschen, die uns umgeben und deren 
Erwartungen wir erfüllen wollen; wir sind abhängig von 
den Einflüssen der Medien und von allen möglichen 
Dingen. Von diesen Faktoren wird unsere Entscheidung 
bestimmt. Wir sind nicht so selbstbestimmt, wie wir zu 
sein glauben. Ich meine, dass dieser Gedanke hier ein- 
mal Erwähnung finden muss. 

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU - 
Joachim Stünker [SPD]: Der Arzt aber auch 
nicht!) 

Der zweite Punkt ist, dass alle drei Entwürfe im Hin- 
blick auf die Phase der zum Tode führenden Krankheit in 
etwa übereinstimmen. Alle drei Entwürfe besagen, dass 
es in dieser Phase darauf ankommt, dass der Wille des 


Menschen, der nicht an Schläuchen hängen will, der (C) 
nicht will, dass sein Sterben unnötig hinausgezögert wird, 
der nicht so behandelt werden will, dass das Sterben noch 
länger dauert, als es ohnehin schon andauert, respektiert 
wird. Alle drei Entwürfe wollen übereinstimmend nicht, 
dass ein Mensch nur noch das Objekt der ärztlichen 
Behandlung ist, wenn dadurch keine Besserung mehr 
eintritt. Aber wir unterscheiden uns hinsichtlich der 
zweiten Phase bei der Frage, ob der Patientenwille, der 
einmal in gesunden Tagen verfügt worden ist, auch noch 
gilt, wenn der Patient in eine Phase eintritt, in der er 
schwer krank ist und in der er seine Entscheidungsfähig- 
keit verloren hat, in der er aber noch leben kann. Hier 
kommt der Bosbach-Entwurf, wenn ich es richtig sehe, 
dem Grundsatz des Lebensschutzes und dem Grundsatz 
der Selbstbestimmung und einem vernünftigen Aus- 
gleich zwischen beiden am nächsten. Warum? 

Der Stünker-Entwurf, aber auch der Zöller-Entwurf 
sehen vor, dass auch in dieser Phase unbedingt an der 
einmal verfügten Entscheidung festgehalten werden 
muss. Die Entscheidung wurde aber oft in einer Lebens- 
phase getroffen, in der der Mensch noch volle Teilhabe 
hatte und voll ins gesellschaftliche Leben integriert war, 
in der er noch sportlich und aktiv sein konnte, in der er 
nach der Ideologie des Erfolgs und des Wohlbefindens 
lebte. In dieser Phase trifft er die Entscheidung, weil er 
nicht will, dass er am Ende, wenn er nicht mehr ent- 
scheidungsfähig isf, aber noch leben kann, den Ärzten, 
den Apparaten und vielleicht auch der Verwandtschaft 
ausgesetzt ist. Wir sind der Auffassung - dabei stützen wir 
uns auf die Erfahrung der Palliativmedizin -, dass ein 
Mensch, der eine Entscheidung in der Phase des vollen ' 
Lebens, die ich beschrieben habe, für die Phase getroffen 
hat, in der er noch weiterleben kann, aber schwer beein- 
trächtigt ist, trotzdem an seinem Leben festhalten will, 
wenn er in diese Phase hineingerät. Das soll die Regel 
sein, sagen uns die Ärzte. Er will weiterleben, selbst 
wenn die Voraussetzungen vorliegen, die er vorher in der 
Patientenverfügung niedergelegt hat. Sie, Herr Stünker, 
sagen in Ihrem Entwurf in Übereinstimmung mit dem 
Bosbach- wie auch dem Zöller-Entwurf: Wenn er sich so 
gegen seine eigene Entscheidung von damals richtet, 
dann muss das berücksichtigt werden. 

Aber mit welchem Recht sagen wir dann, dass das keine 
Geltung für denjenigen haben soll, der enfscheidungsun- 
fähig isf und in eine solche Situation gerät? Wie ist denn 
das möglich? Ist es ausgeschlossen, dass er seinen Willen 
geändert und lediglich nicht mehr die Fähigkeit hat, dies 
zu kommunizieren? Wir wissen, dass es in dieser Phase 
an der mangelnden Kommunikationsfähigkeit liegt. Die 
Leute haben ein Innenleben, kommen damit aber nicht 
mehr nach außen, und wir kommen nicht hinein, sagen 
uns die Ärzte. 

Das müssen wir meiner Meinung nach berücksichtigen, 
im Interesse des Lebens und im Interesse des Patienten. 

Es geht nicht um Bevormundung, es geht nicht darum, 
dass wir, dem Gesetz der Kirchen folgend, sagen, niemand 
dürfe sein Leben aus der Hand geben, nur vom Schöpfer 
dürfe es ihm genommen werden. Nicht darum geht es, 
sondern um die Achtung des Selbstbestimmungsrechts, - 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25105 


Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Herr Kollege! 

Norbert Geis (CDU/CSU): 

- um die Beachtung der Möglichkeit, dass er es sich 
doch noch anders überlegt hat. Der Forderung, dies zu 
beachten, kommt der Bosbach-Entwurf am nächsten. 
Deshalb bitte ich Sie, diesen Entwurf zu unterstützen. 

Danke schön. 

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU, des 
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der 
FDP) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Ich gebe das Wort dem Kollegen Jerzy Montag. 

Jerzy Montag (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): 

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 
Das Schicksal zweier Frauen lässt mich seit Monaten 
nicht los und beschäftigt mich immer wieder, wenn es 
um die Patienten Verfügung geht. 

Die erste hieß Martha Crawford von Bülow; sie nannte 
sich immer Sunny von Bülow. Sie ist im Dezember 1980 
ins Koma gefallen und starb 28 Jahre später, vor sieben 
Monaten, am 6. Dezember 2008, ohne je wieder das 
Bewusstsein erlangt zu haben. Ihr Fall ist weltberühmt 
geworden, weil ihr Ehemann zweimal wegen angeblich 
versuchten Mordes vor Gericht stand. Darüber sind Bücher 
geschrieben und Filme gedreht worden. 

Die zweite Frau hieß Eluana Englaro und war Italie- 
nerin. Sie war 21 Jahre alt, als sie am 18. Januar 1992 
bei Glatteis mit einem Auto von der Straße abkam und 
frontal gegen eine Mauer prallte. Nach dem Unfall fiel 
sie ins Koma. Zwei Jahre später erklärten die Ärzte, ihr 
Zustand sei irreversibel. Sie verstarb vor fünf Monaten, 
am 9. Februar 2009, nach 17 Jahren im Koma. 

Jahrelang hat ihr Vater für das Sterberecht der Tochter 
gekämpft, weil diese, so der Vater, niemals in einem sol- 
chen Zustand hätte am Leben gehalten werden wollen. 
Die Gerichte in Mailand haben dem Vater recht gegeben, 
ebenso das Verfassungsgericht in Rom. In einer Nacht- 
und-Nebel-Aktion hat Berlusconi versucht, mit einer Not- 
verordnung dem italienischen Verfassungsgericht in den 
Arm zu fallen. Dies ist zum Glück misslungen. Daraufhin 
haben die Ärzte die künstliche Ernährung erst reduziert 
und dann beendet. 

Meine Damen und Herren, ich bin heute sicherer denn 
je, dass wir den Gesetzentwurf von Kollegen Stünker und 
anderen brauchen. Denn er würde bewirkt haben, dass 
diese beiden Frauen, wenn sie eine Patientenverfügung 
geschrieben hätten, dieses Leid nicht über 17 oder 28 Jahre 
hätten erleiden müssen. 

(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNIS- 
SES 90/DIE GRÜNEN, der SPD, der FDP und 
der LINKEN) 

Wie viele von uns habe ich in den letzten Monaten an 
vielen Veranstaltungen teilgenommen, an Gesprächsrunden 


über Patientenverfügungen. Die letzte fand vor zwei Wo- (C) 
eben bei der Arbeiterwohlfahrt in München statt. Dort 
waren 40 bis 50 ältere Menschen, und meine Erfahrung 
ist: Kein einziger hatte Angst davor, dass er sich, wenn er 
eine Patientenverfügung schreibt und man diese beachtet, 
vielleicht doch in einem entscheidungsunfähigen Zustand 
anders entschließen würde. Alle, mit denen ich gespro- 
chen habe, hegten vielmehr die Befürchtung: Um Gottes 
willen, wenn es mit mir einmal zu Ende geht, will ich 
nicht, dass ihr mich an Schläuche hängt. Ich will das 
nicht! - Das haben die Menschen uns gesagt, und deswegen 
brauchen wir jetzt eine gesetzliche Regelung. 

(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNIS- 
SES 90/DIE GRÜNEN, der SPD, der FDP und 
der LINKEN) 

Hans Küng hat im Februar 2009 einen erschütternden 
Bericht über seine Beobachtungen bei seinem Freund 
und Nachbarn Walter Jens veröffentlicht. 

(Volker Kauder [CDU/CSU]: Walter Jens lebt 
noch!) 

- Er lebt noch, ja, natürlich. - Der Bericht von Hans 
Küng endet mit einem Appell an die Juristen und vor allem 
an die Politik, also an uns Abgeordnete: Bringen Sie bitte 
zügig gesetzliche Regelungen einer streng verbindlichen 
Patientenverfügung auf den Weg, die von allen Instanzen 
unbedingt respektiert werden. Liebe Kolleginnen und Kol- 
legen, meine feste Überzeugung ist: Nach jahrelangen 
quälenden, aber notwendigen Debatten ist jetzt eine Ent- 
scheidung notwendig. Wir müssen sie fällen. 

(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNIS- (D) 
SES 90/DIE GRÜNEN, der SPD, der FDP und 
der LINKEN) 

Wir sind uns im Grundsatz über die Achtung der 
selbstverantworteten Entscheidung einig - ich will da 
keine falschen Fronten aufbauen aber die Unterschiede 
liegen im Kleingedruckten, und das Kleingedruckte ist 
nicht in unserem Gesetzentwurf, dem Stünker-Gesetz- 
entwurf, enthalten, sondern im Bosbach-Gesetzentwurf 
Im vorderen Teil dieses Entwurfs wird zwar die Achtung 
vor der Entscheidung beschrieben, aber durch die im 
hinteren Teil aufgeführten Ausnahmen kann alles rück- 
gängig gemacht werden. 

(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNIS- 
SES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der LIN- 
KEN) 

Ich sage Ihnen: Wenn wir den Bosbach-Gesetzentwurf 
verabschiedeten, wäre das die allerschlechteste Lösung, 
die wir den Menschen anbieten können. Wir würden so 
den jetzigen Zustand verschlechtern. 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir müssen uns 
jetzt entscheiden. Deswegen bitte ich Sie um Zustimmung 
zu unserem Vorschlag. Er achtet die Selbstbestimmung. 

Er enthält keinerlei Automatismus. Er fördert und verhin- 
dert nicht das Gespräch mit dem Arzt und den Angehöri- 
gen. Nach unserem Gesetzentwurf werden Gerichte nur 
dann eingeschaltet, wenn es unbedingt nötig ist. An Sie, 

Herr Zöller, gerichtet: Durch die Schriftform, die wir im 
Gegensatz zu Ihnen verlangen, schützt unser Vorschlag 



25106 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Jerzy Montag 

(A) tatsächlich vor Unklarheiten und übereilten Entschei- 
dungen. 

Danke schön. 

(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNIS- 
SES 90/DIE GRÜNEN, der SPD, der FDP und 
der LINKEN) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Ich gebe das Wort dem Kollegen Markus Grübel. 

Markus Grübel (CDU/CSU): 

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und 
Kollegen! Welche Ziele verfolgen die vorliegenden Ent- 
würfe? Die Verrechtlichung oder Bürokratisierung des 
Sterbens auf jeden Fall nicht, Herr Kollege Kauch. So 
einzigartig wie das Leben ist auch das Sterben. Wer 
wollte das in diesem Hause ernsthaft bestreiten? In dieser 
schwierigen ethischen und rechtlichen Frage schuldet 
der Gesetzgeber den Beteiligten ein Höchstmaß an 
Rechtssicherheit, vor allem den Schwerstkranken, aber 
auch den Angehörigen, den Ärzten, den Pflegekräften, 
den Betreuern und den Bevollmächtigten. Für sie müssen 
wir Klarheit schaffen über Wirksamkeit und Reichweite 
von Patientenverfügungen, über Form und Verfahrens- 
fragen. 

Wir haben seit langem eine Rechtsprechung des BGH 
in Straf- und Zivilsachen. Diese Rechtsprechung wird 
entweder heftig kritisiert oder ganz unterschiedlich inter- 
pretiert. Ich möchte ein Beispiel aus diesem Hohen 

(B) Hause geben. Kollege Stünker schrieb im April 2005 in 
seine Begründung, dass er entgegen der Auffassung des 
BGH in seiner Entscheidung vom 17. März 2003 keine 
Reichweitenbeschränkung will. Er wollte also ein Gesetz, 
um die falsche Rechtsprechung des BGH abzuändem. In 
der Orientierungsdebatte am 29. März 2007 sagte Kollege 
Stünker dann: 

Deshalb postuliert die heutige Rechtsprechung ... 
keine Reichweitenbeschränkung . . . 

Er ist also für ein Gesetz, das im Einklang mit der Recht- 
sprechung des BGH steht. Wenn schon der rechtspolitische 
Sprecher einer großen Volkspartei die gleiche Rechtspre- 
chung verschieden interpretiert, wie soll dann ein Arzt 
oder Betreuer wissen, was eigentlich gilt? 

Viele setzen auf die richterliche Rechtsfortbildung. 
Aber die Gerichte haben uns doch eindeutig gesagt, dass 
sie an die Grenzen richterlicher Rechtsfortbildung 
gekommen sind, dass es eben nicht die Aufgabe der 
Gerichte ist, die Rechtsprechung dort fortzuentwickeln, 
wo der Gesetzgeber, also wir in diesem Hohen Hause, 
bewusst keine Regelung trifft. Die Gerichte haben uns 
mehrfach aufgefordert, endlich Klarheit zu schaffen. Da- 
her müssen wir uns der Verantwortung stellen, auch 
wenn die Materie ebenso umstritten wie kompliziert ist. 

Für die Regelungen stehen uns gemäß unserer Verfas- 
sung zwei absolute Werte zur Verfügung: auf der einen 
Seite das Selbstbestimmungsrecht, auf der anderen Seite 
der Lebensschutz. Keiner dieser Werte hat Vorrang vor 
dem anderen. Darum sind wir aufgefordert, einen scho- 


nenden Ausgleich zwischen diesen beiden Werten her- (C) 
beizuführen. Dieser schonende Ausgleich ist im Entwurf 
von Bosbach, Röspel, Fricke und Göring-Eckardt am 
besten gelungen. 

Wir wollen erstens das Selbstbestimmungsrecht stär- 
ken, zweitens sicherstellen, dass das Wohl des Patienten 
gerade dann Beachtung findet, wenn er in seinen 
schwersten Stunden in ganz besonderer Weise auf die 
Fürsorge anderer angewiesen ist, und drittens den Le- 
bensschutz in angemessener Weise berücksichtigen. 

Dies erscheint zwar selbstverständlich, ist aber hoch um- 
stritten. 

Im Grunde müssen wir uns zwei Fragen stellen: Ers- 
tens. Sind der aktuelle Wille und der vorausverfügte 
Wille das Gleiche? Ist es das Gleiche, ob ich ein Ge- 
spräch mit einem Arzt führe oder ob ich auf dem Tisch 
ein Papier liegen habe, auf dem ich ein Kreuz machen 
und unterschreiben muss? 

(Zuruf von der SPD: Sie wissen doch, dass das 
anders aussieht!) 

Jeder weiß, dass das ein Unterschied ist. Darum brau- 
chen wir eine Regelung, die diesem Unterschied Rech- 
nung trägt. 

Zweitens muss man sich die Frage stellen: Ist es in 
der ethischen und damit in der rechtlichen Bewertung 
ein Unterschied, ob es sich bei einem Behandlungsab- 
bruch oder einem Behandlungsverzicht, der zum Tode 
führt, um einen Menschen mit einer unheilbaren Krank- 
heit handelt, die unaufhaltsam zum Tode führt, bzw. um 
einen Menschen, der sein Bewusstsein verloren hat ohne 
jede Aussicht, das Bewusstsein wiederzuerlangen, oder 
ob es sich um einen Menschen handelt, der eine heilbare 
Krankheit hat, die nicht zum Tode führt, bzw. um einen 
Menschen, der sein Bewusstsein verloren hat, bei dem 
aber Aussicht darauf besteht, dass er sein Bewusstsein 
wiedererlangt? Wer behauptet, dass hier ein ethischer 
Unterschied besteht, muss zu dem Ergebnis kommen, 
dass es rechtlich unterschiedlicher Regelungen bedarf 
Das kommt im Gesetzentwurf des Kollegen Bosbach 
und anderer zum Ausdruck. 

(Beifall der Abg. Katrin Göring-Eckardt 
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) 

Der Entwurf des Kollegen Stünker differenziert nicht, 

Frau Kollegin Jochimsen, sondern er regelt im Grunde 
genommen beides gleich. Darum haben wir für die 
Masse der Fälle eine einfache Patientenverfügung vorge- 
sehen, ohne Hürden, und für die sehr geringe Zahl der 
anderen Fälle die qualifizierte Patientenverfügung. Der 
Gesefzentwurf verlangt, dass in diesen Fällen, also bei 
einer heilbarer Krankheit, bei einer Krankheit, die nicht 
zum Tode führt, oder bei Wachkoma mit Hoffnung auf 
Bewusstseinswiedererlangung, ein beratendes Gespräch 
mit dem Arzt stattfindet. Das dient der Selbstbestim- 
mung des Patienten. Es dient der Sicherstellung, dass der 
Patient sich bei der Formulierung seiner Patientenverfü- 
gung nichf gefäuscht hat. Es dient dem Lebensschutz. In 
anderen Bereichen würden wir sagen, dass es dem Ver- 
braucherschutz dient. 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25107 


Markus Grübel 

(Beifall des Abg. Rene Röspel [SPD]) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Herr Kollege. 

Markus Grübel (CDU/CSU): 

Auch das beratende Konzil ist keine Bürokratisie- 
rung. Vielmehr dient es der Selbstbestimmung, weil da- 
durch besser deutlich wird, was der Patient wollte. Man 
muss die nahen Angehörigen sowie die Alten- und Kran- 
kenpfleger - die mitunter eine nähere Beziehung zum 
Patienten haben als der Arzt - fragen, ob der Patient an 
der Patientenverfügung festhalten will, wie der Patient 
sie gemeint hat oder ob er möglicherweise seine Patien- 
tenverfügung widerrufen hat, ohne dass sie aus der Pati- 
entenakte gestrichen wurde. 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Herr Kollege. 

Markus Grübel (CDU/CSU): 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, gehen Sie den Weg 
der Rechtssicherheit mit, der den Lebensschutz und die 
Selbstbestimmung miteinander verbindet, ohne große 
Hürden aufzubauen. Stimmen Sie für den Gesetzentwurf 
des Kollegen Bosbach. 

Herzlichen Dank. 

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU, der 
SPD und der FDP) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Ich gebe das Wort der Kollegin Sabine Leutheusser- 
Schnarrenberger. 

(Beifall bei Abgeordneten der FDP und der 
SPD) 

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP): 

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kol- 
legen! Ungefähr 9 Millionen Menschen haben eine Pa- 
tientenverfügung verfasst. Das ist die Einschätzung des 
Hospizvereins. Das heißt, sie haben eine Patientenverfü- 
gung formuliert, weil sie Angst haben, dass sie in einer 
schwierigen gesundheitlichen Situation so behandelt 
werden, wie das vielleicht ein Dritter für gut befindet. 
Vielmehr wollen die Menschen selbst vorgeben, wie sie 
behandelt werden, was mit ihnen passiert oder was eben 
nicht mit ihnen passieren soll. 

Unsere Beratung und Abstimmung heute Nachmittag 
müssen dazu führen, dass für diese 9 Millionen Men- 
schen Rechtssicherheit einkehrt. 

(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD und 
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) 

Das bedeutet, dass dem Willen dieser Menschen, den sie 
mit oder ohne Beratung und unter Einbeziehung von 
Freunden, Verwandten, Pfiegekräften, Ärzten und Pfar- 
rern niedergelegt haben, entsprochen wird. Dieser Wille 
muss aber auch dann respektiert werden, wenn sie sich 
allein überlegt haben, was mit ihnen für den Fall passie- 


ren soll, dass sie nicht mehr in der Lage sind, ihre Mei- (C) 
nung zum Ausdruck zu bringen. 

Wir müssen diese Rechtssicherheit hersteilen und vie- 
len Menschen Mut machen, sich schon im gesunden Zu- 
stand darüber Gedanken zu machen, was mit ihnen pas- 
sieren kann. Wir müssen diese Menschen in die Lage 
versetzen, ihre Selbstbestimmung auszuüben und ihren 
Willen niederzulegen. Auch dieses Signal geht von die- 
ser Debatte aus. Die Entscheidung, die nachher vom 
Deutschen Bundestag getroffen wird, muss dies gewähr- 
leisten. 

(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Ich werbe für den Entwurf von Herrn Stünker und 
Kollegen. Denn dieser Entwurf - das haben viele Redner 
bereits gesagt - enthält die klare Aussage, dass der for- 
mulierte Wille oder das, was aus der Verfügung heraus 
als Wille zu verstehen ist, auch dann durchgesetzt wer- 
den muss, wenn sich der betreffende Mensch im Zustand 
der Einwilligungsunfähigkeit befindet. Es darf nicht 
sein, dass ein Dritter Überlegungen darüber anstellt, was 
hätte sein können. Wer seinen Willen formuliert hat, will 
die Sicherheit haben, dass dieser Wille nachher von den 
von ihm beauftragten Personen auch durchgesetzt wird. 

(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Ich möchte nicht, dass ein Dritter beispielsweise mit 
einer anderen religiösen Überzeugung, mit einem ande- (D) 
ren kulturellen Hintergrund oder mit anderen ethischen 
Vorstellungen sagt, was aus seiner Sicht das Beste für 
mich wäre. Niemand weiß nämlich, wie sich ein anderer 
entscheiden würde; niemand kann einem anderen einen 
Willen bzw. eine Willensänderung unterstellen. 

(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Wir wollen mit unserem Entwurf dazu beitragen, dass 
diejenigen, die sich für eine Patientenverfügung ent- 
scheiden -jeder hat das Recht, es nicht zu tun -, Rat in 
Anspruch nehmen können, wenn sie es möchten. Viel- 
leicht führt das dazu, dass in einer Verfügung manches 
verständlicher formuliert würde. Aber das Verfassen ei- 
ner solchen Verfügung darf nichf davon abhängen, ob 
der Betreffende die Zeit hat, sich von einem Arzt beraten 
zu lassen. Dies kann sich nämlich unter Umständen über 
Monate hinziehen. Vielleicht möchte sich der Betref- 
fende auch mit jemandem beraten, der zwar kein Arzt 
ist, der aber entsprechende Kenntnisse bzw. Erfahrungen 
hat, weil er intensiv Pflege betreibt, sei es ehrenamtlich 
oder hauptamtlich. 

(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Es muss doch auch möglich sein, mit Vertretern von 
Hospizvereinen zu sprechen. Wir können keine Zwangs- 
beratung vorschreiben. Deswegen haben wir, ausgehend 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Sabine Leutheusser-Schnarrenberger 

von der Anhörung, Wert darauf gelegt - das war für die 
Unterstützer des Vorschlags des Kollegen Stünker ganz 
wichtig diesen dialogischen Prozess im Gesetzentwurf 
zu verankern. Das kann vielleicht dazu beitragen, dass 
manche Bedenken von einigen Kollegen, denen dieser 
Punkt ganz wichtig ist, überwunden werden. 

Lassen Sie mich eine letzte Bemerkung machen. Wir 
alle haben viele Eingaben und Briefe erhalten; darunter 
waren auch Briefe von Ärzten. Es gibt keinen formellen 
Beschluss der Bundesärztekammer. Der Präsident der 
Bundesärztekammer hat seine Auffassung vertreten. Es 
ist sein gutes Recht, uns diese mitzuteilen. Aber wie 
viele Ärzte gibt es, die tagtäglich Dramen erleben! 

(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Diese fordern uns auf: Bitte entscheidet euch und schafft 
eine gesetzliche Grundlage! Das empfinde ich als einen 
wichtigen Auftrag. 

Vielen Dank. 

(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Ich gebe das Wort der Kollegin Herta Däubler- 
Gmelin. 

Dr. Herta Däubier-Gmeiin (SPD): 

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 
Ich glaube, die langen Diskussionen, die hier zum Teil 
beklagt wurden, haben sich insgesamt positiv auf unsere 
Debattenkultur und auch auf den Umgang mit Patienten- 
verfügungen ausgewirkt. Man konnte es sehen: Viele 
Redner haben anderen ein bisschen mehr zugehört als 
sonst; das finde ich gut. Bei manchem Redner hat man 
das Zuhören auch etwas vermisst; aber insgesamt gese- 
hen haben sich die langen Debatten gelohnt. 

Lassen Sie mich als Schirmherrin der deutschen Hos- 
pizbewegung eine Vorbemerkung machen. Ich finde es 
großartig, wie viel unterstützende Worte bezüglich Hos- 
pizversorgung, Palliativmedizin, Hilfe beim Leiden und 
Sterben aus diesem Haus nach außen gedrungen sind. 
Wir haben eine Menge erreicht. Aber ich glaube, wir 
müssen noch sehr viel mehr tun, 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der 
LINKEN) 

übrigens nicht nur in gesetzlicher Hinsicht. Vielmehr 
müssen wir denjenigen danken, die heute schon als 
Ärzte, Schwestern oder ehrenamtliche Sterbebegleiterin- 
nen und Sterbebegleiter tagtäglich mit Leidenden und 
Sterbenden menschlich umgehen, und sie ermutigen, das 
weiter zu tun. Außerdem müssen wir dafür sorgen, dass 
diejenigen, die das noch nicht tun, endlich die nötigen 
Informationen erhalten. Denn wir wissen doch genau, 
dass die Schwierigkeiten, die Kollegin Jochimsen darge- 
stellt hat, weniger auf das Fehlen von Gesetzen als viel- 
mehr auf das Fehlen von Informationen und das Nicht- 


umsetzen der vorhandenen rechtlichen Verpflichtungen (C) 
zurückzuführen sind. Hier wird ungeachtet der gesetzli- 
chen Regelung, die dieses Haus heute beschließen wird, 
noch eine Menge zu tun sein. Meine Bitte ist: Lassen Sie 
uns das gemeinsam nicht aus dem Auge verlieren! 

Ich finde es sehr gut, dass man an vielen Reden in die- 
sem Hause spürte, dass die Redner selber in schweren 
Krankheiten, auf Intensivstationen oder in Grenzerfah- 
rungen anderer Art erlebt haben, was dann wirklich 
zählt: menschliche Zuwendung, Vertrauen und Hilfe. 

Flotte Reden, pauschalierte Gesetzentwürfe oder gut 
klingende Sprüche wie „Die Politik versagt vor dem 
Sterben“ hingegen werden hier völlig bedeutungslos. Es 
muss darum gehen, den Menschen - den Betroffenen, 
den Angehörigen, aber auch den Ärztinnen und Ärzten, 
Schwestern und Pfiegem - zu helfen. Dabei dürfen wir 
allerdings nicht den Eindruck erwecken, als könnten wir 
durch ein Gesetz jegliche Unsicherheit abschaffen; das 
ist nur sehr begrenzt möglich. 

Wir müssen auch deutlich sagen, dass Patientenverlü- 
gungen bereits heute rechtsverbindlich sind. Sie gelten 
bereits heute. Die Probleme liegen nicht in der fehlenden 
Rechtsverbindlichkeit, sondern darin, dass viele Men- 
schen die nötigen Informationen noch nicht erhalten 
oder noch nicht verarbeitet haben. 

Aber wenn wir über ein neues Gesetz reden wollen, 
muss es einige Anforderungen erfiillen. Dazu gehört ers- 
tens, dass nur das geregelt wird, was sinnvollerweise ge- 
regelt werden kann, und nicht mehr. Das tut der Entwurf, 
den ich mit unterschrieben habe und für den ich werbe. , , 
Dieser Gesetzentwurf lässt jede Patientenverlügung gel- ^ ' 
ten. Die Kollegin Volkmer hat verlangt, eine Patienten- 
verlügung müsse auf jeden Fall in schriftlicher Form 
vorliegen, weil alles andere Fremdbestimmung bedeute. 

Dazu sage ich: Natürlich ist es besser, wenn die Patien- 
tenverlügungen in schriftlicher Form vorliegen, wie das 
heute schon bei Millionen der Fall ist. Aber warum sollte 
eine klare, nachweisbare Patientenverlügung nur des- 
halb nicht gelten, weil sie nicht schriftlich vorliegt? 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der CDU/ 

CSU und der LINKEN) 

Wer für die Selbstbestimmung des Patienten eintritt, 
muss sich das doch fragen lassen. 

Zweitens ist wichtig, dass in jedem Einzelfall geprüft 
wird, ob die Patientenverlügung mit der Lage, in der sich 
der Patient befindet und die entschieden werden muss, in 
Einklang steht. Lassen Sie mich unterstreichen: Ich bin 
sehr froh, dass das jelzt auch im Stünker- Entwurf klarge- 
stellt wurde. Der Grund, warum wir auf die Klarstellung 
gedrängt haben, ist nicht, dass wir Ärzten oder Pfiegem 
misstrauten; das tun wir in keiner Weise. Aber wir wis- 
sen ganz genau, dass in einer älter werdenden Gesell- 
schaft die ökonomischen Zwänge schon heute in eine be- 
stimmte Richtung drängen. In diese Richtung wollen wir 
nicht. Wir wollen auch nicht - um das sehr deutlich zu 
sagen -, dass dieser Gesetzentwurf am Ende des Lebens 
gegen das Leben missbraucht werden kann. 

(Unmhe) 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Frau Kollegin, ich will Sie nicht unterbrechen. Ich 
möchte die Kolleginnen und Kollegen nur bitten, die 
Ernsthaftigkeit dieses Themas zu würdigen und die 
Plätze einzunehmen. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

Dr. Herta Däubier-Gmeiin (SPD): 

Wenn wir einen Gesetzentwurf machen, dann - dies 
ist mein dritter Punkt - will ich einen, der Vertrauen zwi- 
schen den Betroffenen und den Angehörigen sowie den 
Ärzten fördert. Das ist einer der wichtigsten Punkte. Ich 
habe schon erwähnt, dass sich Leiden und Sterben einer 
pauschalierenden Regelung entziehen. Was bleibt dann 
aber? Dann bleibt nur dieses Vertrauensverhältnis zwi- 
schen Ärzten und Pflegepersonal auf der einen und Lei- 
denden und ihren Angehörigen auf der anderen Seite. 
Das müssen wir stärken. Das tut unser Gesetzentwurf 

Wenn ich dies alles zusammennehme - jede Patien- 
tenverfügung gilt; es gibt keinen Automatismus, nicht 
mehr Regeln, als man sinnvollerweise regeln kann, und 
vor allen Dingen eine Förderung des Vertrauensverhält- 
nisses -, dann entspricht unser Gesetzentwurf diesen 
Anforderungen. Und er hält, was er verspricht. 

Herzlichen Dank. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der CDU/ 
CSU, der LINKEN und des BÜNDNIS- 
SES 90/DIE GRÜNEN) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Bevor ich das Wort dem Kollegen Stünker gebe, 
möchte ich Sie bitten, Ihre Gespräche außerhalb des Ple- 
narsaals fortzusetzen und hier im Plenarsaal wirklich zu- 
zuhören. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der FDP, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Joachim Stünker (SPD): 

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 
Lassen Sie mich zum Ende der heute sehr sorgfältig ge- 
führten Debatte auf den Kern unserer Diskussion 
zurückkommen. Es geht bei unserer Entscheidung letzt- 
endlich um das verfassungsrechtlich garantierte Selbst- 
bestimmungsrecht jedes einzelnen Menschen. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der LIN- 
KEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜ- 
NEN) 

Art. 2 unserer Verfassung sagt: 

Jeder hat das Recht auf . . . körperliche Unversehrt- 
heit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. 

Ich füge hinzu: Die Menschen haben einen Anspruch 
darauf, dass dieses Selbstbestimmungsrecht nicht nur in 
der Verfassung steht, sondern auch im Alltag eingehalten 
wird. 


(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der FDP, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Ausschließlich darum geht es bei unserer Entscheidung. 
Es geht nicht darum - wie der Kollege Hüppe formuliert 
hat -, wie ein schmerzfreies Sterben gesichert werden 
kann. Nein, darum geht es nicht. Jeder Patient hat das 
Recht, sich für oder gegen eine medizinische Behand- 
lung zu enfscheiden und gegebenenfalls deren Umfang 
zu bestimmen. Jeder Patient hat aber auch das Recht, sei- 
ner Krankheit den natürlichen Verlauf zu lassen und die 
Möglichkeiten der modernen Medizin und der Apparate- 
medizin nicht für sich in Anspruch zu nehmen. Denn un- 
ser Grundgesefz postuliert gerade keine Pflicht, das ei- 
gene Leben unter Ausnutzung aller Mittel so lange wie 
möglich zu erhalten. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der FDP 
und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) 

Das ist das Selbstbestimmungsrecht und das Men- 
schenbild unseres Grundgesetzes. Dieses Selbstbestim- 
mungsrecht wäre entwertet, wenn es nur so lange unein- 
geschränkt gelten sollte, wie ich mich als Patient klar 
und deutlich selber äußern kann. Wenn ich mich selber 
äußern kann, kommt keiner auf die Idee, mir zu sagen: 
Du hast dich möglicherweise falsch entschieden. - Es 
muss deshalb Gültigkeit auch für die Lebenssituation ha- 
ben, in der ich mich nicht mehr äußern kann, für die ich 
aber deshalb vorsorglich in einer Patientenverfügung 
meine Willensbestimmung niedergelegt habe. 

Diese Diskussion führt der Gesetzgeber im Grunde 
seit 20 Jahren, nämlich seitdem wir im Jahre 1992 mit 
dem Betreuungsrecht das alte Vormundschaftsrecht ab- 
gelöst haben, 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

wonach die Menschen entmündigt wurden, weil sie nicht 
mehr in der Lage waren, ihre persönlichen Angelegen- 
heiten zu regeln. Heute gibt es das Betreuungsrecht. Ein 
Betreuer wird bestellt. Dieser entscheidet nicht danach, 
was er für richtig hält, sondern danach, was der Wille 
des Betreuten ist. Das ist heute ausdrücklich geltendes 
Recht. 

Herr Kollege Hüppe, Sie malen in Ihren Reden und 
Interviews die Gefahr an die Wand, dass nach dem 
Stünker- Entwurf der Arzt und der Betreuer zukünftig bei 
der Feststellung des mutmaßlichen Willens entscheiden 
könnten, ob ein Mensch - wie Sie sagen - sterben 
müsse. Dazu kann ich Ihnen nur sagen: Das ist heute gel- 
tende Rechtslage unseres Betreuungsrechts. Im Grunde 
treffen der Betreuer und der Arzt diese Entscheidung. 
Die Patientenverfügung schafft hier ein Korrektiv und ist 
das Gegenteil von dem, was Sie überall in Deutschland 
erzählen. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der FDP, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Menschen, die 
eine Entscheidung selbstbestimmt getroffen haben, ha- 
ben einen Anspruch auf Rechtssicherheit. Die Menschen 



25110 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Joachim Stünker 

(A) haben in einem Reehtsstaat Ansprueh darauf, dass der 
Staat ihnen Reehtssieherheit gewährt. Diese haben sie 
heute nieht. Trotz mehrerer Urteile des Bundesgeriehts- 
hofes, in denen es heißt: „Dem Patientenwillen ist Gel- 
tung zu versehaffen“, trotz der Riehtlinien der Bundes- 
ärztekammer, dass die Patientenautonomie zu aehten ist, 
haben wir keine Reehtssieherheit, wie die Diskussion 
der letzten Jahre deutlieh gezeigt hat. 

Wir brauehen nieht mehr darüber zu diskutieren, wo- 
ran das liegt. Es ist ganz einfaeh so, weil im Betreuungs- 
reeht damals nieht geregelt wurde, wie es bei Entsehei- 
dungen am Ende des Lebens ist. Wer sieh einmal die 
Mühe maeht, die Materialien durehzulesen, wird fest- 
stellen, dass die Kolleginnen und Kollegen damals über 
genau die Fragen diskutiert haben, über die aueh wir seit 
seehs Jahren diskutieren. Da sie sieh damals nieht ent- 
seheiden konnten, haben sie keine Regelung in das Ge- 
setz hineingesehrieben. Die Entwieklung hat uns aber 
gezeigt, dass es notwendig ist, dass wir jetzt endlieh eine 
klare Regelung ins Gesetz sehreiben. Wir brauehen kein 
Riehterreeht, sondern wir - der Gesetzgeber, dieses 
Hohe Haus - müssen die Voraussetzungen sehaffen, die 
erfüllt sein müssen, damit eine Patientenverfügung ver- 
pfliehtend und gültig ist. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der CDU/ 
CSU, der FDP, der LINKEN und des BÜND- 
NISSES 90/DIE GRÜNEN) 

Darum müssen wir heute hier die Kraft aufbringen 

- ieh bitte darum -, zu einer Entseheidung zu kommen. 
Es darf nieht dazu kommen, dass es wieder keine Ent- 
seheidung gibt, weil keiner der vorliegenden Entwürfe 
eine Mehrheit findet; 

(Volker Kauder [CDU/CSU]: Aueh keine Ent- 
seheidung ist eine Entseheidung!) 

denn die Mensehen draußen im Land warten auf die 
Reehtssieherheit, von der ieh gesproehen habe. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der CDU/ 
CSU, der FDP, der LINKEN und des 
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) 

Wenn ieh von Reehtssieherheit spreehe, dann meine ieh 
damit aueh, dass wir keine Regelung sehaffen dürfen, 
die neue Reehtsunsieherheiten und nur vermeintlieh 
Reehtssieherheit sehafft. 

Ieh will auf den Entwurf der Kollegen Bosbaeh, 
Rüspel und anderer im Einzelnen nieht eingehen; das ist 
sehon getan worden. Ieh will nur eine Fallgestaltung 
nennen, um zu verdeutliehen, wie genau man hinsehauen 
muss bei dem, was da ins BGB, Betreuungsreeht, ge- 
sehrieben werden soll. Was bedeutet es, wenn eine quali- 
fizierte Patientenverfügung, die ärztlieh dokumentiert ist 

- die notarielle Beurkundung ist ja nieht mehr vorgese- 
hen -, einer vormundsehaftliehen Genehmigung bedarf, 
damit der Patientenwille umgesetzt werden kann? Was 
maeht der Arzt, bis die Genehmigung des Vormund- 
sehaflsgeriehts vorliegt? Wie lange dauert die Genehmi- 
gung? Auf weleher Grundlage soll das Gerieht entsehei- 
den? Auf der Grundlage eines Stüeks Papier, der 
Patientenverfügung? Das Gerieht entseheidet, obwohl es 
den Mensehen, um den es geht, nieht kennt. 


Nein, entseheiden müssen diejenigen, die mit dem (C) 
Mensehen zu tun haben, um den es geht und der die Pa- 
tientenverfügung gesehrieben hat: der Arzt und der Be- 
treuer oder der Bevollmäehtigte. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der CDU/ 

CSU, der FDP, der LINKEN und des BÜND- 
NISSES 90/DIE GRÜNEN) 

Wenn diese zu dem Ergebnis kommen, dass das, was 
aufgesehrieben wurde, aueh der aktuelle Wille ist, dass 
die gegenwärtige Lebens- und Behandlungssituation 
derjenigen entsprieht, für die damals Vorsorge getroffen 
wurde, dann entseheiden sie, ob die Patientenverfügung 
umzusetzen ist. Das allein ist praktiseh und lebensnah. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der FDP, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Ieh will auf die vielen Haftungsprobleme nieht einge- 
hen, die, wenn der Bosbaeh-Entwurf Gesetz würde, wie 
eine Flut auf die Mensehen und die Geriehte zukommen 
würden. Ieh kann nur sagen: Allein zum Sehutz der 
Ärzte, damit sie nieht in neue Haflungsprobleme kom- 
men - darum wollen sie das nieht, darum lehnen sie die- 
sen Gesetzentwurf ab -, darf dieser Entwurf kein Gesetz 
werden. 

Lassen Sie mieh noeh ein paar Bemerkungen zu dem 
Entwurf des Kollegen Zoller und der Kollegin Däubler- 
Gmelin maehen. Ursprünglieh waren wir uns sehr nahe. 
Positiv ist, dass dieser Entwurf genauso wie unserer 
keine Reiehweitenbegrenzung vorsieht und von daher 
die ganzen Probleme, die ieh kurz anzureißen versueht ' 
habe, nieht entstehen können. Leider fehlt in Ihrem Ent- 
wurf aber die Sehriftform, und leider haben Sie, was ieh 
überhaupt nieht verstanden habe, naeh der Anhörung 
zwei Änderungen vorgenommen, die neue Reehtsunsi- 
eherheiten produzieren würden. Ieh will sie Ihnen nen- 
nen. In der entspreehenden Vorsehrift steht heute jetzt 
neu: 

Soweit dies erforderlieh ist, willigt der Betreuer in 
die vorgesehlagene medizinisehe Behandlungsmaß- 
nahme ein . . . 

Das wäre eine erneute Erforderliehkeitsklausel. Diese 
haben wir vor gut zwei Jahren aus Art. 72 der Verfas- 
sung herausgenommen haben. Erforderlieh vom Grund- 
satz her und für jede einzelne Maßnahme, oder was soll 
das heißen? Wann ist die Einwilligung nieht erforder- 
lieh? Was gesehieht, wenn die Einwilligung nieht erfor- 
derlieh ist? Behandelt der Arzt dann ohne Einwilligung 
des Betreuers oder des Bevollmäehtigten? Wo bleibt im 
Ergebnis die Patientenautonomie? Diese Fragen werden 
in Ihrem Gesetzentwurf nieht beantwortet. Die Geriehte 
müssten darüber entseheiden. 

Die zweite Regelung, die sieh zunäehst einmal gut an- 
hört, lautet: 

Vor der Erriehtung 

- gemeint ist die Erriehtung einer Patientenverfügung - 
soll eine ärzfliehe Beratung . . . erfolgen. 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25111 


Joachim Stünker 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, man muss wissen, 
was in der Sprache des Gesetzes „soll“ heißt. In der 
Sprache des Gesetzes heißt „soll“: Du musst, wenn du 
kannst, und nur dann, wenn du nicht kannst, musst du 
nicht. - Das heißt, die Ausnahmefalle, in denen es darum 
geht, wann man rechtzeitig vorher eine ärztliche Bera- 
tung in Anspruch nehmen kann, werden eine Fülle von 
Unsicherheiten mit sich bringen und eine Fülle neuer 
Fragen aufwerfen, über die letzten Endes wieder Ge- 
richte entscheiden müssen. Die Menschen haben wie- 
derum nicht die Sicherheit, dass ihr in einer Patienten- 
verfügung bestimmter Wille auch gelten wird. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der FDP, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Diese Sicherheit sowohl für den Arzt als auch für den 
Patienten bietet unser Gesetzentwurf Er trägt meinen 
Namen, aber viele Kolleginnen und Kollegen aus vier 
Fraktionen dieses Hauses haben daran mitgewirkt. Bei 
diesen Kolleginnen und Kollegen möchte ich mich für 
ihre Unterstützung recht herzlich bedanken. 

Zum Schluss, Frau Präsidentin, möchte ich noch zwei 
Anmerkungen machen. 

Erstens. Auch die Kollegen Bosbach und Zöller ha- 
ben ihre Gesetzentwürfe aus ehrenwerten Motiven so 
verfasst, wie sie sie verfasst haben. Herr Kollege Grübel, 
Sie begründen Ihre Auffassung immer, indem Sie auf die 
Lebensschutzpflicht des Staates verweisen. Aber ich 
sage Ihnen: In verfassungsrechtlicher Hinsicht begehen 
Sie einen gravierenden Denkfehler. Die Begründung, 
hier müsse ein Ausgleich vorgenommen werden, trägt 
verfassungsrechtlich nicht. Denn eine Abwägung zwi- 
schen Selbstbestimmung und Lebensschutz ist nach gel- 
tender Rechtsprechung dann, wenn es sich um den glei- 
chen Grundrechtsträger handelt, nicht möglich. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der FDP, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Hier handelt es sich um den Grundrechtsträger Patient, 
der von seinem Selbstbestimmungsrecht Gebrauch ge- 
macht hat. Der Staat hat in diesem Fall kein Recht, ihm 
im Interesse des Lebensschutzes vorzuschreiben, seine 
Entscheidung noch einmal zu überdenken. 

Meine zweite und letzte Anmerkung. Vor zwei Jahren 
haben viele deutsche Ärzte den sogenannten Lahrer Ko- 
dex verfasst. Im Rahmen eines Kongresses haben viele 
führende Mediziner, vor allen Dingen Palliativmedizi- 
ner, aber auch Ärzte, die jeden Tag am Operationstisch 
stehen, eine Art Selbstverpflichtung unterschrieben. Der 
Lahrer Kodex lautet wie folgt: 

Falls ein Patient entscheidungsunfähig ist, werde 
ich eine vorher ... vorgelegte Patientenverfügung 
respektieren, sofern diese aktuell und auf die gege- 
bene Situation anwendbar ist. 

Nichts anderes besagt auch der Stünker-Gesetzent- 
wurf, der Ihnen heute zur Abstimmung vorliegt. Die 
Menschen wollen diese Regelung. Auch die breite 
Mehrheit der Ärzte will diese Regelung. Ich bitte Sie da- 
her um Zustimmung. 


Danke schön. (C) 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der FDP, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Zu einer Kurzintervention gebe ich das Wort dem 
Kollegen Bosbach. 

Wolfgang Bosbach (CDU/CSU): 

Herr Kollege Stünker, wenn ich Sie richtig verstanden 
habe, haben Sie gerade gesagt, der Gesetzentwurf des 
Kollegen Zöller und der Gesetzentwurf, der von mir un- 
terstützt wird, würden zwar ehrenwerte Motive wider- 
spiegeln, seien aber leider verfassungswidrig, da in mei- 
nem Gesetzentwurf differenziert wird zwischen 
unheilbaren Erkrankungen, also zwischen Krankheiten, 
die irreversibel sind und einen tödlichen Verlauf haben, 
und Krankheitssituationen, in denen man nach einem 
ärztlichen Heileingriff wieder ein bewusstes, gesundes 
und erfülltes Leben führen kann. Außerdem haben Sie 
ausgeführt, der Staat dürfe dann, wenn derselbe Grund- 
rechtsträger betroffen sei, keine Hürden zum Schutz des 
Lebens und der Gesundheit, die das Selbstbestimmungs- 
recht einschränken würden, auferlegen. Das war Ihre 
These. 

In der Transplantationsmedizin beurteilt der Deutsche 
Bundestag dies fundamental anders. Bei einer Organ- 
spende unter Lebenden müssen insgesamt acht Bedin- 
gungen erfüllt sein; unter anderem muss eine ärztliche 
Beratung stattgefunden haben. Außerdem hat der Bun- (D) 
destag, haben wir alle sieben weitere Hürden errichtet. 

Wir waren nämlich der Auffassung: Eine Organspende 
ist mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden, 
und darüber müssen wir den Spender zu seinem Schutz 
aufklären. - 

Nie hat bei diesem Thema auch nur eine Kollegin 
oder ein Kollege im Deutschen Bundestag behauptet, 
dass die Pflicht zur ärztlichen Aufklärung über die ge- 
sundheitlichen Risiken einer Organspende verfassungs- 
rechtlich problematisch sei. 

Hier sprechen wir nicht über die ärztliche Beratung 
bei einem irreversiblen tödlichen Krankheitsverlauf, 
sondern darüber - und das empfinden viele als Zumu- 
tung -, dass jemand über sein Leben verfügt. Für den 
Fall des Falles, dass die Betroffenen doch nicht unheil- 
bar erkrankt sind, wollen wir allerdings festlegen, dass 
sie sich vor dieser Verfügung bitte ärztlich beraten las- 
sen. 

Wir können doch nicht ernsthaft die Verfügung über 
ein Organ, beispielsweise eine Niere, für so risikoreich 
halten, dass wir eine Zwangsberatung vorschreiben, 
während wir in dem Fall, in dem jemand über sein Leben 
verfügt, sagen: Ja, so ist es eben; wer schreibt, der 
bleibt. - Das nennen wir dann Selbstbestimmung. Ich 
halte dies für einen Widerspruch. 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- 
neten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 



25112 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Wolfgang Bosbach 

Es geht nicht um eine verfassungswidrige Beschrän- 
kung des Selbstbestimmungsrechts. Von dem Selbst- 
bestimmungsrecht kann der Mensch dann Gebrauch 
machen, wenn er ärztlichen Rat eingeholt hat, aufgeklärt 
ist, seine Situation kennt und weiß, für welche Situation 
er welche Verfügung trifft. Das ist keine Einschränkung 
des Selbstbestimmungsrechts, sondern Schutz zum 
Wohle des Patienten. Auch für diesen Schutz muss die- 
ser Gesetzgeber Sorge tragen. 

Danke schön. 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- 
neten der SPD, der LINKEN und des BÜND- 
NISSES 90/DIE GRÜNEN) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Herr Kollege Stünker. 

Joachim Stünker (SPD): 

Herr Kollege Bosbach, es ist schon gut, dass Sie zum 
Schluss noch einmal in die Diskussion eingreifen. Ich 
habe nicht davon gesprochen, dass Ihr Entwurf verfas- 
sungswidrig sei - dazu würde ich mich nicht hergeben -, 
sondern meine Bedenken geäußert. Was verfassungswid- 
rig ist - das haben wir neulich bei der Anhörung wieder 
gehört -, entscheidet letztendlich das Bundesverfas- 
sungsgericht, wenn es angerufen wird. Wir haben hier 
unsere Abwägungen zu treffen. Ich habe nur darauf hin- 
gewiesen, dass ich Zweifelsfälle sehe, die zu neuer 
Rechtsunsicherheit und gerade nicht zu Rechtssicherheit 
führen. 

Nun komme ich zu Ihrem Beispiel mit der Organ- 
transplantation und meiner Aussage, dass eine Abwä- 
gung hier nicht möglich sei. Das ist überhaupt kein 
Widerspruch. Der Unterschied ist folgender: Bei der Pa- 
tientenverfügung geht es um einen einzigen Rechtsträger 

- allein um mich, Stünker, der ich sie verfasst habe -, 
während bei der Organspende mindestens zwei Personen 
beteiligt sind, 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD - Wider- 
spruch bei der CDU/CSU) 

nämlich derjenige, der ein Organ hergibt, und deijenige, 
dem dieses Organ eingepflanzt werden soll. 

(Wolfgang Bosbach [CDU/CSU]: Der Emp- 
fänger wird doch nicht beraten! - Weitere Zu- 
rufe von der CDU/CSU) 

- Darf ich meinen Gedanken zu Ende führen? - Das Or- 
gan wird doch entnommen, um es einem anderen Men- 
schen einzusetzen. Also ist ein Dritter daran beteiligt. 

(Volker Kauder [CDU/CSU]: Das hat doch nichts 
mit der Selbstbestimmung zu tun!) 

- Sie können so viel schreien, wie Sie wollen, Herr Kol- 
lege Kauder. - Das ist verfassungsrechtlich nicht das 
Gleiche. 

(Volker Kauder [CDU/CSU]: Ich brauche 
keine Belehrung von Ihnen!) 


- Dann schreien Sie doch nicht dazwischen. - Das ist (C) 
verfassungsrechtlich nicht das Gleiche. Verfassungs- 
rechtlich besteht ein elementarer Unterschied, 

(Volker Kauder [CDU/CSU]: Blödsinn!) 

den Sie in vielen Kommentaren nachlesen können. Mit 
dieser Frage haben wir uns im Vorfeld ja sehr lange be- 
schäftigt. Immer dann, wenn ein Dritter ins Spiel 
kommt, kann der Staat nämlich selbstverständlich ent- 
sprechende Voraussetzungen und Einschränkungen ver- 
langen. 

(Zuruf von der CDU/CSU: Das passt über- 
haupt nicht zusammen!) 

- Entschuldigen Sie; das gilt genauso bei der Frage des 
Schwangerschaftsabbruchs. Natürlich kann der Staat 
beim Schwangerschaftsabbruch diese Grenzen einzie- 
hen, weil es im Ergebnis auch um das werdende Leben 
und nicht nur um die Schwangere geht. Das ist der ver- 
fassungsrechtliche Unterschied. 

Von daher sehe ich den Widerspruch, den Sie erken- 
nen, nicht und bitte nach wie vor um Zustimmung. 

Danke schön. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der FDP, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Ich schließe die Aussprache. 

Bevor wir mit den Abstimmungen beginnen, bitte ich 
um Ihre Aufmerksamkeit für einige Hinweise zum Ab- 
stimmungsverfahren. 

Zur Abstimmung stehen fünf Vorlagen zur Regelung 
der Patientenverfügungen. Es handelt sich um die 
Gesetzentwürfe: der Abgeordneten Stünker, Kauch, 

Dr. Jochimsen und weiterer Abgeordneter auf Druck- 
sache 16/8442; der Abgeordneten Bosbach, Röspel, 
Göring-Eckardt und weiterer Abgeordneter auf Druck- 
sache 16/11360; der Abgeordneten Zöller, Dr. Faust, 

Dr. Däubler-Gmelin, Knoche und weiterer Abgeordneter 
auf Drucksache 16/11493; sowie um die Anträge der 
Fraktion der FDP auf Drucksache 16/397 und der Abge- 
ordneten Hüppe, Philipp, Dr. Lammert und weiterer Ab- 
geordneter auf Drucksache 16/13262. 

Ich weise darauf hin, dass zu diesen Abstimmungen 
mehrere Erklärungen nach § 31 unserer Geschäftsord- 
nung vorliegen.') 

Der Rechtsausschuss hat in seiner Beschlussempfeh- 
lung auf Drucksache 16/13314 empfohlen, über die ge- 
nannten Gesetzentwürfe in der Ausschussfassung sowie 
über den Antrag der Fraktion der FDP einen Beschluss 
herbeizuführen. Eine darüber hinausgehende Beschluss- 
empfehlung hat der Ausschuss dazu nicht abgegeben. 


') Anlage 2 



Deutscher Bundestag - 1 6. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 25113 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner 


(A) Es ist vereinbart, zunächst über den Antrag der 
Gruppe Hüppe in einer einfachen Abstimmung zu ent- 
scheiden. Sollte dieser Antrag eine Mehrheit finden, 
wird über die anderen Vorlagen nicht mehr abgestimmt. 

Findet der Antrag der Gruppe Hüppe keine Mehrheit, 
müssen wir zunächst über die Reihenfolge der Abstim- 
mungen über die Gesetzentwürfe entscheiden. Zur Ab- 
stimmungsreihenfolge liegen zwei Geschäftsordnungs- 
anträge vor: ein Vorschlag der Gruppe Stünker, Kauch, 
Dr. Jochimsen, Montag sowie ein Vorschlag der Gruppe 
Bosbach, Röspel, Göring-Eckardt, Fricke und der 
Gruppe Zoller, Dr. Faust, Dr. Däubler-Gmelin, Knoche. 

Die Abstimmung über diese beiden Vorschläge 
erfolgt im Stimmzettelverfahren, bei dem Sie die Mög- 
lichkeit haben, sich für eine der beiden Reihenfolgealter- 
nativen zu entscheiden. Weiterhin haben Sie die Mög- 
lichkeit, sich zu enthalten. Insgesamt können Sie auf 
dem Stimmzettel nur ein Kreuz machen. Es handelt sich 
dabei um eine namentliche Abstimmung mit all ihren 
Konsequenzen. 

(Heiterkeit) 

Es ist vereinbart, nach dem Vorschlag, der die meisten 
Stimmen erhält, zu verfahren. - Ich sehe. Sie sind mit 
der Verfahrensweise einverstanden. Dann ist das so be- 
schlossen. 

Die Abstimmung über die Gesetzentwürfe erfolgt na- 
mentlich in zweiter und gegebenenfalls auch in dritter 
' ' Beratung. Wird ein Gesetzentwurf angenommen, wird 
über die verbleibenden Vorlagen nicht mehr abgestimmt. 
Nach jeder namentlichen Abstimmung wird die Sitzung 
bis zur Vorlage des Abstimmungsergebnisses unterbro- 
chen. 

Über den Antrag der Fraktion der FDP auf Druck- 
sache 16/397 wird nur dann - in einfacher Abstimmung - 
abgestimmt, wenn vorher keine Vorlage angenommen 
wurde. 

Wir kommen nun zur Abstimmung über den Antrag 
der Abgeordneten Hubert Hüppe, Beatrix Philipp, 
Dr. Norbert Lammert und weiterer Abgeordneter auf 
Drucksache 16/13262 mit dem Titel „Gesetzliche Über- 
regulierung der Patientenverfügung vermeiden“. Wer 
stimmt für diesen Antrag? - Wer stimmt dagegen? - Ent- 
haltungen? - Der Antrag ist mit Mehrheit des Hauses ab- 
gelehnt. 


Wir kommen nun zur Abstimmung über die beiden (C) 
Geschäftsordnungsanträge zur Reihenfolge der Abstim- 
mung über die drei Gesetzentwürfe. Die Abstimmung 
erfolgt per Stimmzettelverfahren. Es besteht die Mög- 
lichkeit, einen der beiden Vorschläge oder Enthaltung 
gegenüber beiden Vorschlägen auf dem Stimmzettel an- 
zukreuzen. 

Denken Sie bitte daran, Ihren Namen mit eventuellem 
Ortszusatz sowie Ihre Fraktion in gut lesbaren Druck- 
buchstaben auf den Stimmzettel zu schreiben. Stimmzet- 
tel ohne Namen, mit mehr als einem Kreuz oder anderen 
Zusätzen sind ungültig. Die Stimmzettel wurden bereits 
im Saal verteilt. Sollten Sie noch keinen Stimmzettel ha- 
ben, können Sie diesen von den Plenarassistenten erhal- 
ten. 

Ich bitte die Schriftführerinnen und Schriftführer, die 
vorgesehenen Plätze einzunehmen. Sind die Plätze an 
den Urnen besetzt? - Das ist der Fall. 

Ich eröffne die Abstimmung. - 

Ist ein Mitglied des Hauses anwesend, das seine 
Stimme noch nicht abgegeben hat? - Das ist nicht der 
Fall. Ich schließe die Abstimmung und bitte die Schrift- 
führerinnen und Schriftführer, mit der Auszählung zu 
beginnen. 

Bis zum Vorliegen des Ergebnisses unterbreche ich 
die Sitzung. 

(Unterbrechung von 16.11 bis 16.25 Uhr) 

(D) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Die unterbrochene Sitzung ist wiedereröffnet. 

Bitte, Kolleginnen und Kollegen, nehmen Sie Ihre 
Plätze ein. 

Ich gebe das von den Schriftführerinnen und Schrift- 
führern ermittelte Ergebnis der namentlichen Abstim- 
mnng über die Geschäftsordnungsanträge zur Abstim- 
mungsreihenfolge bei den Entwürfen der Gesetze zur 
Regelung der Patientenverfügung bekannt: abgegebenen 
Stimmen 573. Auf den Vorschlag A, die Reihenfolge 
Zöller/Bosbach/Stünker, entfielen 309 Stimmen. Auf 
den Vorschlag B, die Reihenfolge Stünker/Bosbach/ 
Zöller, entfielen 258 Stimmen, ungültige Stimmen 6, 
Enthaltungen keine. Es soll nach dem Vorschlag, der die 
meisten Stimmen erhalten hat, verfahren werden. Dies 
ist Vorschlag A, die Reihenfolge Zöller/Bosbach/ 
Stünker. 


Endgültiges Ergebnis 

Abgegebene Stimmen: 

davon 

Vorschlag A: 

572; 

309 

Vorschlag A 

SPD 

Gregor Amann 

Rainer Arnold 

Emst Bahr (Neuruppin) 
Doris Barnett 

Dr. Hans-Peter Bartels 

Klaus Barthel 

Uwe Beckmeyer 

Klaus Uwe Benneter 

Dr. Axel Berg 

Ute Berg 

Petra Bierwirth 

Vorschlag B: 

258 

Dr. h. c. Gerd Andres 

Sören Bartol 

Lothar Binding (Heidelberg) 

enthalten: 

0 

Niels Annen 

Sabine Bätzing 

Volker Blumentritt 

ungültig: 

5 

Ingrid Arndt-Brauer 

Dirk Becker 

Kurt Bodewig 



25114 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner 


Clemens Bollen 
Gerd Bollmann 
Dr. Gerhard Botz 
Klaus Brandner 
Bernhard Brinkmann 
(Hildesheim) 

Edelgard Bulmahn 
Marco Bülow 
Ulla Burchardt 
Martin Burkert 
Dr. Michael Bürsch 
Christian Carstensen 
Marion Caspers-Merk 
Dr. Peter Danckert 
Karl Diller 
Martin Dörmann 
Dr. Carl-Christian Dressei 
Elvira Drobinski-Weiß 
Garreit Duin 
Detlef Dzembritzki 
Sebastian Edathy 
Siegmund Ehrmann 
Dr. h. c. Gemot Erler 
Petra Emstberger 
Karin Evers-Meyer 
Annette Faße 
Elke Ferner 
Gabriele Fograscher 
Rainer Fomahl 
Gabriele Frechen 
Dagmar Freitag 
Peter Friedrich 
Sigmar Gabriel 
Martin Gerster 
Iris Gleiche 
Renate Gradistanac 
Angelika Graf (Rosenheim) 
Dieter Grasedieck 
Monika Griefahn 
Kerstin Griese 
Gabriele Groneberg 
Achim Großmann 
Wolfgang Grotthaus 
Wolfgang Gunkel 
Hans-Joachim Hacker 
Bettina Hagedorn 
Klaus Hagemann 
Alfred Hattenbach 
Michael Hartmann 
(Wackernheim) 

Nina Hauer 
Hubertus Heil 
Dr. Reinhold Hemker 
Rolf Hempelmann 
Dr. Barbara Hendricks 
Gustav Herzog 
Petra Heß 

Gabriele Hiller-Ohm 
Stephan Hilsberg 
Petra Hinz (Essen) 

Gerd Höfer 

Iris Hoffmann (Wismar) 
Frank Hofmann (Volkach) 
Dr. Eva Högl 
Klaas Hübner 
Christel Humme 
Lothar Ibrügger 
Bmnhilde Irber 


Johannes Jung (Karlsruhe) 

Josip Juratovic 

Johannes Kahrs 

Ulrich Kasparick 

Dr. h. c. Susanne Kästner 

Ulrich Kelber 

Christian Kleiminger 

Hans-Ulrich Klose 

Astrid Klug 

Dr. Bärbel Koller 

Fritz Rudolf Körper 

Rolf Kramer 

Anette Kramme 

Nicolette Kressl 

Volker Kröning 

Dr. Hans-Ulrich Krüger 

Angelika Krüger-Leißner 

Jürgen Kucharczyk 

Helga Kühn-Mengel 

Ute Kumpf 

Dr. Uwe Küster 

Christine Lambrecht 

Christian Lange (Backnang) 

Waltraud Lehn 

Helga Lopez 

Gabriele Lösekmg-Möller 
Dirk Manzewski 
Caren Marks 
Katja Mast 
Markus Meckel 
Petra Merkel (Berlin) 

Ulrike Merten 
Dr. Matthias Miersch 
Ursula Mogg 
Marko Mühlstein 
Detlef Müller (Chemnitz) 
Gesine Multhaupt 
Franz Müntefering 
Dr. Rolf Mützenich 
Andrea Nahles 
Dr. Erika Ober 
Thomas Oppermann 
Holger Ortei 
Heinz Paula 
Johannes Pflug 
Joachim Poß 
Christoph Pries 
Dr. Wilhelm Priesmeier 
Florian Pronold 
Dr. Sascha Raabe 
Mechthild Rawert 
Steffen Reiche (Cottbus) 
Gerold Reichenbach 
Dr. Carola Reimann 
Christel Riemann- 
Hanewinckel 
Walter Riester 
Dr. Emst Dieter Rossmann 
Karin Roth (Esslingen) 
Ortwin Runde 
Marlene Rupprecht 
(Tuchenbach) 

Anton Schaaf 
Axel Schäfer (Bochum) 
Bernd Scheelen 
Marianne Schieder 
Otto Schily 

Ulla Schmidt (Aachen) 


Silvia Schmidt (Eisleben) 
Heinz Schmitt (Landau) 
Carsten Schneider (Erfurt) 
Olaf Scholz 
Reinhard Schultz 
(Everswinkel) 

Swen Schulz (Spandau) 
Ewald Schürer 
Frank Schwabe 
Dr. Angelica Schwall-Düren 
Rolf Schwanitz 
Rita Schwarzelühr-Sutter 
Wolfgang Spanier 
Dr. Margrit Spielmann 
Dieter Steinecke 
Ludwig Stiegler 
Rolf Stöckel 
Christoph Strässer 
Dr. Peter Stmck 
Joachim Stünker 
Dr. Rainer Tabillion 
Jörg Tauss 
Jella Teuchner 
Dr. h. c. Wolfgang Thierse 
Jörn Thießen 
Franz Thönnes 
Rüdiger Veit 
Simone Violka 
Jörg Vogelsänger 
Dr. Marlies Volkmer 
Hedi Wegener 
Petra Weis 
Gunter Weißgerber 
Gert Weisskirchen 
(Wiesloch) 

Hildegard Wester 
Lydia Westrich 
Dr. Margrit Wetzel 
Andrea Wicklein 
Heidemarie Wieczorek-Zeul 
Dr. Dieter Wiefelspütz 
Waltraud Wolff 
(Wolmirstedt) 

Heidi Wright 
Uta Zapf 
Manfred Zöllmer 
Brigitte Zypries 

FDP 

Jens Ackermann 
Dr. Karl Addicks 
Daniel Bahr (Münster) 

Uwe Barth 
Angelika Brunkhorst 
Emst Burgbacher 
Patrick Döring 
Mechthild Dyckmans 
Jörg van Essen 
Ulrike Flach 
Paul K. Friedhoff 
Horst Friedrich (Bayreuth) 
Dr. Edmund Peter Geisen 
Dr. Wolfgang Gerhardt 
Joachim Günther (Plauen) 
Dr. Christel Happach-Kasan 
Elke Hoff 
Birgit Homburger 
Michael Kauch 


Dr. Heinrich L. Kolb 
Gudrun Kopp 
Sibylle Laurischk 
Harald Leibrecht 
Sabine Leutheusser- 
Schnarrenberger 
Dr. Erwin Lotter 
Jan Mücke 

Burkhardt Müller-Sönksen 
Dirk Niebel 
Hans-Joachim Otto 
(Frankfurt) 

Detlef Parr 

Cornelia Pieper 

Gisela Piltz 

Frank Schäffler 

Dr. Konrad Schily 

Marina Schuster 

Dr. Max Stadler 

Dr. Rainer Stinner 

Carl-Ludwig Thiele 

Florian Toncar 

Christoph Waitz 

Dr. Guido Westerwelle 

Dr. Claudia Winterstein 

Dr. Volker Wissing 

Hartfrid Wolff (Rems-Murr) 

DIE LINKE 

Hüseyin-Kenan Aydin 
Dr. Dietmar Bartsch 
Karin Binder 
Eva Bulling-Schröter 
Dr. Martina Bunge 
Roland Claus 
Dr. Diether Dehrn 
Dr. Dagmar Enkelmann 
Diana Golze 
Dr. Gregor Gysi 
Lutz Heilmann 
Dr. Barbara Höll 
Dr. Lukrezia Jochimsen 
Katja Kipping 
Jan Körte 
Katrin Kunert 
Michael Leutert 
Ulla Lötzer 
Dr. Gesine Lötzsch 
Ulrich Maurer 
Komelia Möller 
Kersten Naumann 
Wolfgang Neskovic 
Petra Pau 
Bodo Ramelow 
Volker Schneider 
(Saarbrücken) 

Dr. Herbert Schui 
Dr. Petra Sitte 
Frank Spieth 
Dr. Kirsten Tackmann 
Dr. Axel Troost 
Alexander Ulrich 
Jörn Wunderlich 

BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN 

Kerstin Andreae 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25115 


Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner 


Marieluise Beck (Bremen) 

Helmut Brandt 

Steffen Kampeter 

Birgitt Bender 

Dr. Ralf Brauksiepe 

Alois Karl 

Alexander Bonde 

Monika Brüning 

Bernhard Kaster 

Ekin Deligöz 

Georg Brunnhuber 

Volker Kauder 

Dr. Thea Dückert 

Cajus Caesar 

Siegfried Kauder (Villingen- 

Dr. Uschi Eid 

Gitta Connemann 

Schwenningen) 

Kai Gehring 

Leo Dautzenberg 

Jürgen Klimke 

Bettina Herlitzius 

Hubert Deittert 

Julia Klöckner 

Priska Hinz (Herbom) 

Alexander Dobrindt 

Jens Koeppen 

Ulrike Höfken 

Thomas Dörflinger 

Dr. Kristina Köhler 

Dr. Anton Hofreiter 

Marie-Luise Dött 

(Wiesbaden) 

Bärbel Höhn 

Maria Eichhorn 

Manfred Kolbe 

Ute Koczy 

Dr. Stephan Eisei 

Norbert Königshofen 

Sylvia Kotting-Uhl 

Anke Eymer (Lübeck) 

Dr. Rolf Koschorrek 

Undine Kurth (Quedlinburg) 

Ilse Falk 

Thomas Kossendey 

Monika Lazar 

Dr. Hans Georg Faust 

Michael Kretschmer 

Anna Lührmann 

Enak Ferlemann 

Günther Krichbaum 

Nicole Maisch 

Ingrid Fischbach 

Dr. Günter Krings 

Jerzy Montag 

Hartwig Fischer (Göttingen) 

Dr. Martina Krogmann 

Kerstin Müller (Köln) 

Dirk Fischer (Hamburg) 

Dr. Hermann Kues 

Winfried Nachtwei 

Axel E. Fischer (Karlsmhe- 

Dr. Karl A. Lamers 

Brigitte Pothmer 

Land) 

(Heidelberg) 

Claudia Roth (Augsburg) 

Dr. Maria Flachsbarth 

Andreas G. Lämmel 

Krista Säger 

Klaus-Peter Flosbach 

Dr. Norbert Lammert 

Manuel Sarrazin 

Herbert Frankenhauser 

Helmut Lamp 

Elisabeth Scharfenberg 

Dr. Hans-Peter Friedrich 

Katharina Landgraf 

Irmingard Schewe-Gerigk 

(Hof) 

Dr. Max Lehmer 

Grietje Staffelt 

Erich G. Fritz 

Paul Lehrieder 

Rainder Steenblock 

Jochen-Konrad Fromme 

Ingbert Liebing 

Silke Stokar von Neufom 

Dr. Michael Fuchs 

Eduard Lintner 

Dr. Wolfgang Strengmann- 

Hans-Joachim Fuchtel 

Patricia Lips 

Kuhn 

Dr. Peter Gauweiler 

Dr. Michael Luther 

Hans-Christian Ströbele 

Dr. Jürgen Gehb 

Thomas Mahlberg 

Wolfgang Wieland 

Norbert Geis 

Stephan Mayer (Altötting) 


Eberhard Gienger 

Wolfgang Meckelburg 

fraktionslose 

Michael Glos 

Dr. Michael Meister 

Abgeordnete 

Josef Göppel 

Laurenz Meyer (Hamm) 

Henry Nitzsche 

Peter Götz 

Maria Michalk 

Gert Winkelmeier 

Dr. Wolfgang Götzer 

Dr. h. c. Hans Michelbach 


Ute Granold 

Philipp Mißfelder 

Vorschlag B 

Reinhard Grindel 

Dr. Eva Möllring 

Hermann Gröhe 

Marlene Mortler 

CDU/CSU 

Michael Grosse-Brömer 

Dr. Gerd Müller 

Markus Grübel 

Carsten Müller 

Ulrich Adam 

Manfred Grund 

(Braunschweig) 

Ilse Aigner 

Monika Grütters 

Stefan Müller (Erlangen) 

Peter Albach 

Olav Gutting 

Michaela Noll 

Peter Altmaier 

Holger Haibach 

Dr. Georg Nüßlein 

Thomas Bareiß 

Gerda Hasselfeldt 

Franz Obermeier 

Norbert Barthle 

Ursula Heinen 

Eduard Oswald 

Dr. Wolf Bauer 

Uda Carmen Freia Heller 

Henning Otte 

Günter Baumann 

Michael Hennrich 

Rita Pawelski 

Emst-Reinhard Beck 

Jürgen Herrmann 

Ulrich Petzold 

(Reutlingen) 

Bernd Heynemann 

Dr. Joachim Pfeiffer 

Veronika Bellmann 

Emst Hinsken 

Sibylle Pfeiffer 

Dr. Christoph Bergner 

Christian Hirte 

Beatrix Philipp 

Otto Bernhardt 

Robert Hochbaum 

Ronald Pofalla 

Clemens Binninger 

Klaus Hofbauer 

Ruprecht Polenz 

Renate Blank 

Franz- Josef Holzenkamp 

Daniela Raab 

Peter Bleser 

Joachim Hörster 

Thomas Rachel 

Antje Blumen thal 

Anette Hübinger 

Hans Raidel 

Dr. Maria Böhmer 

Hubert Hüppe 

Dr. Peter Ramsauer 

Jochen Borchert 

Susanne Jaffke-Witt 

Peter Rauen 

Wolfgang Börnsen 

Dr. Peter Jahr 

Eckhardt Rehberg 

(Bönstmp) 

Dr. Hans-Heinrich Jordan 

Katherina Reiche (Potsdam) 

Wolfgang Bosbach 

Dr. Franz Josef Jung 

Klaus Riegert 

Klaus Brähmig 

Andreas Jung (Konstanz) 

Dr. Heinz Riesenhuber 

Michael Brand 

Hans-Werner Kammer 

Franz Römer 


Johannes Röring 
Kurt J. Rossmanith 
Dr. Norbert Röttgen 
Dr. Christian Ruck 
Albert Rupprecht (Weiden) 
Peter Rzepka 
Anita Schäfer (Saalstadt) 
Hermann- Josef Scharf 
Dr. Wolfgang Schäuble 
Hartmut Schauerte 
Dr. Andreas Scheuer 
Karl Schiewerling 
Norbert Schindler 
Bernd Schmidbauer 
Christian Schmidt (Fürth) 
Andreas Schmidt (Mülheim) 
Ingo Schmitt (Berlin) 

Dr. Andreas Schockenhoff 
Dr. Oie Schröder 
Bernhard Schulte-Drüggelte 
Uwe Schummer 
Wilhelm Josef Sebastian 
Kurt Segner 
Marion Seih 
Bernd Siebert 
Thomas Silberhom 
Johannes Singhammer 
Jens Spahn 
Erika Steinbach 
Christian Freiherr von Stetten 
Gero Storjohann 
Andreas Storm 
Max Straub inger 
Matthäus Streb 1 
Thomas Strobl (Heilbronn) 
Lena Strothmann 
Michael Stübgen 
Hans Peter Thul 
Antje Tillmann 
Dr. Hans-Peter Uhl 
Arnold Vaatz 
Volkmar Uwe Vogel 
Andrea Astrid Voßhoff 
Gerhard Wächter 
Marco Wanderwitz 
Kai Wegner 
Marcus Weinberg 
Peter Weiß (Emmendingen) 
Gerald Weiß (Groß-Gerau) 
Ingo Wellenreuther 
Karl-Georg Wellmann 
Annette Widmann-Mauz 
Klaus-Peter Willsch 
Willy Wimmer (Neuss) 
Elisabeth Winkelmeier- 
Becker 

Wolfgang Zöller 
Willi Zylajew 

SPD 

Dr. Laie Akgün 
Willi Brase 
Eike Hovermann 
Karin Kortmann 
Emst Kranz 
Lothar Mark 
Hilde Mattheis 
Sönke Rix 



25116 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner 


(A) Rene Röspel 

Michael Roth (Heringen) 
Ottmar Schreiner 
Jörg-Otto Spüler 
Andreas Weigel 
Engelbert Wistuba 
Dr. Wolfgang Wodarg 

FDP 

Otto Fricke 
Heinz-Peter Haustein 
Hellmut Königshaus 


Heinz Lanfermann 
Michael Link (Heilbronn) 
Patrick Meinhardt 

DIE LINKE 

Sevim Dagdelen 
Klaus Ernst 
Heike Hansel 
Cornelia Hirsch 
Ulla Jelpke 
Dr. Hakki Keskin 


Monika Knoche 
Oskar Lafontaine 
Dr. Norman Paech 
Elke Reinke 
Paul Schäfer (Köln) 
Dr. Ilja Seifert 

BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN 

Cornelia Behm 
Hans-Josef Fell 
Katrin Göring-Eckardt 


Britta Haßelmann 
Winfried Hermann 
Peter Hettlich 
Thilo Hoppe 
Fritz Kuhn 
Renate Künast 
Markus Kurth 
Omid Nouripour 
Christine Scheel 
Dr. Gerhard Schick 
Dr. Harald Terpe 
Jürgen Trittin 
Josef Philip Winkler 


(C) 


(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der 
LINKEN) 

Wir kommen zur Abstimmung über den von den Ab- 
geordneten Wolfgang Zoller, Dr. Hans Georg Faust, 
Dr. Herta Däubler-Gmelin, Monika Knoche und weite- 
ren Abgeordneten eingebrachten Entwurf eines Gesetzes 
zur Klarstellung der Verbindlichkeit von Patientenverfü- 
gungen in der Ausschussfassung, Drucksachen 16/11493 
und 16/13314. Wir stimmen nun über den Gesetzentwurf 
in der Ausschussfassung namentlich ab. 

Ich bitte die Schriftführerinnen und Schriftführer, die 
vorgesehenen Plätze einzunehmen. - Sind die Plätze an 
den Urnen besetzt? - Das ist der Fall. Ich eröffne die Ab- 
stimmung. 

Ist ein Mitglied des Hauses anwesend, das seine 
Stimme noch nicht abgegeben hat? - Das ist nicht der 
Fall. Ich schließe die Abstimmung und bitte die Schrift- 


führerinnen und Schriftführer, mit der Auszählung zu 
beginnen. 

Bis zum Vorliegen des Ergebnisses der namentlichen 
Abstimmung unterbreche ich die Sitzung. 

(Unterbrechung von 16.30 bis 16.36 Uhr) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Die unterbrochene Sitzung ist wieder eröffnet. 

Ich gebe das von den Schriftführerinnen und Schriftfüh- 
rem ermittelte Ergebnis der namentlichen Abstimmnng 
über den Gesetzentwurf der Abgeordneten Wolfgang 
Zöller, Dr. Hans Georg Faust, Dr. Herta Däubler-Gmelin 
und weiterer Abgeordneter - Entwurf eines Gesetzes zur 
Klarstellung der Verbindlichkeit von Patientenverfügun- 
gen - bekannt: abgegebene Stimmen 571. Mit Ja haben (D) 
gestimmt 77, mit Nein haben gestimmt 486, Enthaltun- 
gen 8. Der Gesetzentwurf ist damit in zweiter Beratung 
abgelehnt. 


Endgültiges Ergebnis 


Abgegebene Stimmen: 

571; 

davon 


ja: 

77 

nein: 

486 

enthalten: 

8 


Ja 

CDU/CSU 

Ulrich Adam 
Peter Altmaier 
Dr. Christoph Bergner 
Clemens Binninger 
Wolfgang Börnsen 
(Bönstrup) 

Dr. Ralf Brauksiepe 
Monika Brüning 
Gitta Connemann 
Alexander Dohrindt 
Anke Eymer (Lübeck) 
Dr. Hans Georg Faust 
Enak Ferlemann 


Hartwig Fischer (Göttingen) 
Herbert Frankenhauser 
Dr. Hans-Peter Friedrich 
(Hof) 

Jochen-Konrad Fromme 
Dr. Jürgen Gehb 
Eberhard Gienger 
Josef Göppel 
Holger Haibach 
Robert Hochbaum 
Klaus Hofbauer 
F ranz- Josef Holzenkamp 
Dr. Rolf Koschorrek 
Thomas Kossendey 
Michael Kretschmer 
Dr. Martina Krogmann 
Helmut Lamp 
Dr. Max Lehmer 
Paul Lehrieder 
Eduard Lintner 
Patricia Lips 
Thomas Mahlberg 
Wolfgang Meckelburg 
Maria Michalk 
Dr. h. c. Hans Michelbach 


Marlene Mortler 
Carsten Müller 
(Braunschweig) 

Dr. Georg Nüßlein 
Franz Obermeier 
Henning Otte 
Rita Pawelski 
Dr. Joachim Pfeiffer 
Ronald Pofalla 
Ruprecht Polenz 
Hans Raidel 

Katherina Reiche (Potsdam) 
Franz Römer 
Peter Rzepka 
Hermann- Josef Scharf 
Hartmut Schauerte 
Dr. Andreas Scheuer 
Bernd Schmidbauer 
Ingo Schmitt (Berlin) 

Dr. Oie Schröder 
Kurt Segner 
Marion Seih 
Bernd Siebert 
Thomas Silberhom 
Jens Spahn 


Christian Freiherr von Stetten 
Gero Storjohann 
Max Straubinger 
Matthäus Streb 1 
Wolfgang Zöller 
Willi Zylajew 

SPD 

Dr. Herta Däubler-Gmelin 
Eike Hovermann 
Dr. Wolfgang Wodarg 

DIE LINKE 

Sevim Dagdelen 
Heike Hänsel 
Ulla Jelpke 
Monika Knoche 
Oskar Lafontaine 
Dr. Norman Paech 
Paul Schäfer (Köln) 

fraktionsloser 

Abgeordneter 

Henry Nitzsche 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25117 


Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner 


(A) Nein 

CDU/CSU 

Ilse Aigner 
Peter Albach 
Thomas Bareiß 
Norbert Barthle 
Dr. Wolf Bauer 
Günter Baumann 
Emst-Reinhard Beck 
(Reutlingen) 

Veronika Bellmann 

Otto Bernhardt 

Renate Blank 

Peter Bleser 

Antje Blumen thal 

Dr. Maria Böhmer 

Jochen Borchert 

Wolfgang Bosbach 

Klaus Brähmig 

Michael Brand 

Helmut Brandt 

Georg Brunnhuber 

Cajus Caesar 

Leo Dautzenberg 

Hubert Deittert 

Thomas Dörflinger 

Marie-Luise Dött 

Maria Eichhorn 

Dr. Stephan Eisei 

Ilse Falk 

Ingrid Fischbach 

Dirk Fischer (Hamburg) 

Axel E. Fischer (Karlsmhe- 

(B) Land) 

Dr. Maria Flachsharth 
Klaus-Peter Floshach 
Erich G. Fritz 
Dr. Michael Fuchs 
Hans-Joachim Fuchtel 
Dr. Peter Gauweiler 
Norbert Geis 
Peter Götz 
Dr. Wolfgang Götzer 
Ute Granold 
Reinhard Grindel 
Hermann Gröhe 
Michael Grosse-Brömer 
Markus Grübel 
Manfred Grund 
Olav Gutting 
Gerda Hasselfeldt 
Ursula Heinen 
Uda Carmen Freia Heller 
Jürgen Herrmann 
Bernd Heynemann 
Emst Hinsken 
Christian Hirte 
Joachim Hörster 
Anette Hübinger 
Hubert Hüppe 
Susanne Jaffke-Witt 
Dr. Peter Jahr 
Dr. Hans-Heinrich Jordan 
Andreas Jung (Konstanz) 
Dr. Franz Josef Jung 
Hans-Werner Kammer 
Steffen Kampeter 


Alois Karl 
Bernhard Kaster 
Siegfried Kauder (Villingen- 
Schwenningen) 

Volker Kauder 
Jürgen Klimke 
Julia Klöckner 
Jens Koeppen 
Dr. Kristina Köhler 
(Wiesbaden) 

Manfred Kolbe 
Norbert Königshofen 
Günther Krichbaum 
Dr. Günter Krings 
Dr. Hermann Kues 
Dr. Karl A. Lamers 
(Heidelberg) 

Andreas G. Lämmel 
Dr. Norbert Lammert 
Katharina Landgraf 
Ingbert Liehing 
Dr. Michael Luther 
Stephan Mayer (Altötting) 
Dr. Michael Meister 
Laurenz Meyer (Hamm) 
Philipp Mißfelder 
Dr. Eva Möllring 
Stefan Müller (Erlangen) 

Dr. Gerd Müller 

Michaela Noll 

Eduard Oswald 

Ulrich Petzold 

Sibylle Pfeiffer 

Beatrix Philipp 

Daniela Raab 

Dr. Peter Ramsauer 

Peter Rauen 

Eckhardt Rehberg 

Klaus Riegert 

Dr. Heinz Riesenhuber 

Johannes Röring 

Kurt J. Rossmanith 

Dr. Norbert Röttgen 

Dr. Christian Ruck 

Albert Rupprecht (Weiden) 

Anita Schäfer (Saalstadt) 

Dr. Wolfgang Schäuble 
Dr. Annette Schavan 
Karl Schiewerling 
Norbert Schindler 
Andreas Schmidt (Mülheim) 
Dr. Andreas Schockenhoff 
Bernhard Schulte-Drüggelte 
Uwe Schummer 
Wilhelm Josef Sebastian 
Johannes Singhammer 
Erika Steinbach 
Thomas Strobl (Heilhronn) 
Lena Strothmann 
Michael Stübgen 
Hans Peter Thul 
Antje Tillmann 
Dr. Hans-Peter Uhl 
Arnold Vaatz 
Volkmar Uwe Vogel 
Andrea Astrid Voßhoff 
Gerhard Wächter 
Marco Wanderwitz 


Kai Wegner 
Marcus Weinberg 
Peter Weiß (Emmendingen) 
Gerald Weiß (Groß-Gerau) 
Ingo Wellenreuther 
Karl-Georg Wellmann 
Anette Widmann-Mauz 
Klaus-Peter Willsch 
Willy Wimmer (Neuss) 
Elisabeth Winkelmeier- 
Becker 

Dagmar Wöhrl 

SPD 

Dr. Laie Akgün 
Gregor Amann 
Dr. h. c. Gerd Andres 
Niels Annen 
Ingrid Arndt-Brauer 
Rainer Arnold 
Emst Bahr (Neuruppin) 
Doris Bamett 
Dr. Hans-Peter Bartels 
Klaus Barthel 
Sören Bartol 
Sabine Bätzing 
Dirk Becker 
Uwe Beckmeyer 
Klaus Uwe Benneter 
Dr. Axel Berg 
Ute Berg 
Petra Bierwirth 
Lothar Binding (Heidelberg) 
Volker Blumentritt 
Kurt Bodewig 
Clemens Bollen 
Gerd Bollmann 
Dr. Gerhard Botz 
Klaus Brandner 
Willi Brase 
Bernhard Brinkmann 
(Hildesheim) 

Edelgard Bulmahn 
Marco Bülow 
Ulla Burchardt 
Martin Burkert 
Dr. Michael Bürsch 
Christian Carstensen 
Marion Caspers-Merk 
Dr. Peter Danckert 
Karl Diller 
Martin Dörmann 
Dr. Carl-Christian Dressei 
Elvira Drohinski- Weiß 
Garreit Duin 
Detlef Dzemhritzki 
Sebastian Edathy 
Siegmund Ehrmann 
Dr. h. c. Gemot Erler 
Petra Emstberger 
Karin Evers-Meyer 
Annette Faße 
Elke Ferner 
Gabriele Fograscher 
Rainer Fomahl 
Gabriele Frechen 
Dagmar Freitag 
Peter Friedrich 


Sigmar Gabriel 
Martin Gerster 
Iris Gleiche 
Renate Gradistanac 
Angelika Graf (Rosenheim) 
Dieter Grasedieck 
Kerstin Griese 
Gabriele Groneberg 
Achim Großmann 
Wolfgang Grotthaus 
Wolfgang Gunkel 
Hans-Joachim Hacker 
Bettina Hagedorn 
Klaus Hagemann 
Alfred Hartenbach 
Michael Hartmann 
(Wackernheim) 

Nina Hauer 
Hubertus Heil 
Dr. Reinhold Hemker 
Rolf Hempelmann 
Dr. Barbara Hendricks 
Gustav Herzog 
Petra Heß 

Gabriele Hiller-Ohm 
Stephan Hilsberg 
Petra Hinz (Essen) 

Gerd Höfer 

Iris Hoffmann (Wismar) 

Frank Hofmann (Volkach) 

Dr. Eva Högl 

Klaas Hübner 

Christel Humme 

Lothar Ibrügger 

Bmnhilde Irber 

Johannes Jung (Karlsruhe) 

Josip Juratovic 

Johannes Kahrs 

Ulrich Kasparick 

Dr. h. c. Susanne Kästner 

Ulrich Kelber 

Christian Kleiminger 

Hans-Ulrich Klose 

Astrid Klug 

Dr. Bärbel Koller 

Fritz Rudolf Körper 

Karin Kortmann 

Rolf Kramer 

Anette Kramme 

Emst Kranz 

Nicolette Kressl 

Volker Kröning 

Angelika Krüger-Leißner 

Dr. Hans-Ulrich Krüger 

Jürgen Kucharczyk 

Helga Kühn-Mengel 

Ute Kumpf 

Dr. Uwe Küster 

Christine Lambrecht 

Christian Lange (Backnang) 

Waltraud Lehn 

Helga Lopez 

Gabriele Lösekmg-Möller 
Dirk Manzewski 
Lothar Mark 
Caren Marks 
Katja Mast 
Hilde Mattheis 



25118 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne 

Markus Meckel 
Petra Merkel (Berlin) 

Ulrike Merten 
Dr. Matthias Miersch 
Ursula Mogg 
Marko Mühlstein 
Detlef Müller (Chemnitz) 
Gesine Multhaupt 
Franz Müntefering 
Dr. Rolf Mützenich 
Andrea Nahles 
Dr. Erika Ober 
Thomas Oppermann 
Floiger Ortei 
Fleinz Paula 
Johannes Pflug 
Joachim Poß 
Christoph Pries 
Dr. Wilhelm Priesmeier 
Florian Pronold 
Dr. Sascha Raabe 
Mechthild Rawert 
Steffen Reiche (Cottbus) 

Gerold Reichenbach 
Dr. Carola Reimann 
Christel Riemann- 
Hanewinckel 
Walter Riester 
Sönke Rix 
Rene Röspel 

Dr. Emst Dieter Rossmann 
Karin Roth (Esslingen) 

Michael Roth (Heringen) 
Ortwin Runde 
Marlene Rupprecht 
(Tuchenbach) 

Anton Schaaf 

Axel Schäfer (Bochum) 

Bernd Scheelen 
Marianne Schieder 
Otto Schily 

Ulla Schmidt (Aachen) 

Silvia Schmidt (Eisleben) 

Heinz Schmitt (Landau) 

Carsten Schneider (Erfurt) 

Olaf Scholz 
Ottmar Schreiner 
Reinhard Schultz 
(Everswinkel) 

Swen Schulz (Spandau) 

Ewald Schürer 

Frank Schwabe 

Dr. Angelica Schwall-Düren 

Dr. Martin Schwanholz 

Rolf Schwanitz 

Rita Schwarzelühr-Sutter 

Wolfgang Spanier 

Dr. Margrit Spielmann 

Jörg-Otto Spüler 

Dieter Steinecke 

Ludwig Stiegler 

Rolf Stöckel 

Christoph Strässer 

Dr. Peter Stmck 

Joachim Stünker 

Dr. Rainer Tabillion 

Jörg Tauss 


Kästner 

Jella Teuchner 
Dr. h. c. Wolfgang Thierse 
Jörn Thießen 
Franz Thönnes 
Rüdiger Veit 
Simone Violka 
Jörg Vogelsänger 
Dr. Marlies Volkmer 
Hedi Wegener 
Andreas Weigel 
Petra Weis 
Gunter Weißgerber 
Gert Weisskirchen 
(Wiesloch) 

Hildegard Wester 
Lydia Westrich 
Dr. Margrit Wetzel 
Andrea Wicklein 
Heidemarie Wieczorek-Zeul 
Dr. Dieter Wiefelspütz 
Engelbert Wistuba 
Waltraud Wolff 
(Wolmirstedt) 

Heidi Wright 
Uta Zapf 
Manfred Zöllmer 
Brigitte Zypries 

FDP 

Jens Ackermann 
Dr. Karl Addicks 
Uwe Barth 
Angelika Brunkhorst 
Emst Burgbacher 
Patrick Döring 
Mechthild Dyckmans 
Jörg van Essen 
Ulrike Flach 
Otto Fricke 
Paul K. Friedhoff 
Horst Friedrich (Bayreuth) 
Dr. Edmund Peter Geisen 
Dr. Wolfgang Gerhardt 
Miriam Gmß 
Joachim Günther (Plauen) 
Dr. Christel Happach-Kasan 
Heinz-Peter Haustein 
Elke Hoff 
Birgit Homburger 
Michael Kauch 
Dr. Heinrich L. Kolb 
Hellmut Königshaus 
Gudrun Kopp 
Heinz Lanfermann 
Sibylle Laurischk 
Harald Leibrecht 
Sabine Leutheusser- 
Schnarrenberger 
Michael Link (Heilbronn) 
Dr. Erwin Lotter 
Patrick Meinhardt 
Jan Mücke 

Burkhardt Müller-Sönksen 
DirkNiebel 
Hans-Joachim Otto 
(Frankfurt) 


Detlef Parr 

Cornelia Pieper 

Gisela Piltz 

Frank Schäffler 

Dr. Konrad Schily 

Marina Schuster 

Dr. Max Stadler 

Dr. Rainer Stinner 

Carl-Ludwig Thiele 

Florian Toncar 

Christoph Waitz 

Dr. Guido Westerwelle 

Dr. Claudia Winterstein 

Dr. Volker Wissing 

Hartfrid Wolff (Rems-Murr) 

DIE LINKE 

Hüseyin-Kenan Aydin 
Dr. Dietmar Bartsch 
Karin Binder 
Eva Bulling-Schröter 
Dr. Martina Bunge 
Roland Claus 
Dr. Diether Dehrn 
Dr. Dagmar Enkelmann 
Klaus Ernst 
Diana Golze 
Dr. Gregor Gysi 
Lutz Heilmann 
Dr. Barbara Höll 
Dr. Lukrezia Jochimsen 
Dr. Hakki Keskin 
Katja Kipping 
Jan Körte 
Katrin Kunert 
Michael Leutert 
Ulla Lötzer 
Dr. Gesine Lötzsch 
Ulrich Maurer 
Komelia Möller 
Kersten Naumann 
Wolfgang Neskovic 
Petra Pau 
Bodo Ramelow 
Elke Reinke 
Volker Schneider 
(Saarbrücken) 

Dr. Herbert Schui 
Dr. Ilja Seifert 
Dr. Petra Sitte 
Frank Spieth 
Dr. Kirsten Tackmann 
Dr. Axel Troost 
Alexander Ulrich 
Jörn Wunderlich 

BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN 

Kerstin Andreae 
Marieluise Beck (Bremen) 
Cornelia Behm 
Birgitt Bender 
Alexander Bonde 
Ekin Deligöz 
Dr. Thea Dückert 
Dr. Uschi Eid 


Hans Josef Fell 
Kai Gehring 
Katrin Göring-Eckardt 
Britta Haßelmann 
Bettina Herlitzius 
Winfried Hermann 
Peter Hettlich 
Priska Hinz (Herbom) 
Ulrike Höfken 
Dr. Anton Hofreiter 
Bärbel Höhn 
Thilo Hoppe 
Ute Koczy 
Sylvia Kotting-Uhl 
Fritz Kuhn 
Renate Künast 
Undine Kurth (Quedlinburg) 
Markus Kurth 
Monika Lazar 
Anna Lührmann 
Nicole Maisch 
Jerzy Montag 
Kerstin Müller (Köln) 
Winfried Nachtwei 
Omid Nouripour 
Brigitte Pothmer 
Claudia Roth (Augsburg) 
Krista Säger 
Manuel Sarrazin 
Elisabeth Scharfenberg 
Christine Scheel 
Irmingard Schewe-Gerigk 
Dr. Gerhard Schick 
Grietje Staffelt 
Rainder Steenblock 
Silke Stokar von Neufom 
Dr. Wolfgang Strengmann- 
Kuhn 

Hans-Christian Ströbele 
Dr. Harald Terpe 
Jürgen Trittin 
Wolfgang Wieland 
Josef Philip Winkler 

fraktionsloser 

Abgeordneter 

Gert Winkelmeier 

Enthalten 

CDU/CSU 

Michael Glos 
Monika Grütters 
Michael Hennrich 
Thomas Rachel 
Christian Schmidt (Fürth) 
Andreas Storm 

FDP 

Daniel Bahr (Münster) 

DIE LINKE 

Cornelia Hirsch 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25119 


Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner 

Wir kommen nun zur Abstimmung über den von den 
Abgeordneten Wolfgang Bosbaeh, Rene Röspel, Katrin 
Göring-Eckardt und weiteren Abgeordneten eingebrachten 
Entwurf eines Gesetzes zur Verankerung der Patienten- 
verfügung im Betreuungsrecht in der Ausschussfassung, 
Drucksachen 16/11360 und 16/13314. 

Hierzu liegt ein Änderungsantrag der Abgeordneten 
Katrin Göring-Eckardt, Dr. Harald Terpe, Josef Philip 
Winkler und weiterer Abgeordneter vor, über den wir zu- 
erst abstimmen. Wer stimmt für den Änderungsantrag 
auf Drucksache 16/13379? - Wer stimmt dagegen? - 
Enthaltungen? - Der Änderungsantrag ist mit der Mehr- 
heit der Stimmen des Hauses abgelehnt. 

Wir stimmen nun über den Gesetzentwurf in der 
Ausschussfassung namentlich ab. Ich bitte die Schrift- 
führerinnen und Schriftführer, die vorgesehenen Plätze 
einzunehmen. Sind die Plätze an den Urnen besetzt? - 
Das ist der Fall. Ich eröffne die Abstimmung. 

Ist ein Mitglied des Hauses anwesend, das seine 
Stimme noch nicht abgegeben hat? - Das ist nicht der 


Fall. Ich schließe die Abstimmung und bitte die Schrift- (C) 
führerinnen und Schriftführer, mit der Auszählung zu 
beginnen. 

Bis zum Vörliegen des Ergebnisses der namentlichen 
Abstimmung unterbreche ich die Sitzung. 

(Unterbrechung von 16.40 bis 16.46 Uhr) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Die unterbrochene Sitzung ist wieder eröffnet. 

Ich gebe das von den Schriftführerinnen und Schrift- 
führern ermittelte Ergebnis der namentlichen Abstim- 
mnng über den Gesetzentwurf der Abgeordneten 
Wolfgang Bosbaeh, Rene Röspel, Katrin Göring-Eckardt 
und weiterer Abgeordneter - Entwurf eines Gesetzes zur 
Verankerung der Patientenverfügung im Betreuungs- 
recht - bekannt: abgegebene Stimmen 566. Mit Ja haben 
gestimmt 220, mit Nein haben gestimmt 344, Enthaltun- 
gen 2. 


Endgültiges Ergebnis 


Abgegebene Stimmen: 

566; 

davon 


ja: 

220 

nein: 

344 

enthalten: 

2 


Ja 

CDU/CSU 

Ulrich Adam 
Ilse Aigner 
Peter Altmaier 
Thomas Bareiß 
Norbert Barthle 
Dr. Wolf Bauer 
Günter Baumann 
Emst-Reinhard Beck 
(Reutlingen) 
Veronika Bellmann 
Dr. Christoph Bergner 
Otto Bernhardt 
Peter Bleser 
Antje Blumen thal 
Dr. Maria Böhmer 
Wolfgang Börnsen 
(Bönstmp) 
Wolfgang Bosbaeh 
Klaus Brähmig 
Michael Brand 
Helmut Brandt 
Dr. Ralf Brauksiepe 
Georg Brunnhuber 
Cajus Caesar 
Gitta Connemann 
Leo Dautzenberg 
Hubert Deittert 
Alexander Dobrindt 
Thomas Dörflinger 


Marie-Luise Dött 
Maria Eichhorn 
Anke Eymer (Lübeck) 

Ilse Falk 
Enak Ferlemann 
Ingrid Fischbach 
Hartwig Fischer (Göttingen) 
Dirk Fischer (Hamburg) 
Axel E. Fischer (Karlsmhe- 
Land) 

Dr. Maria Flachsbarth 
Klaus-Peter Flosbach 
Dr. Hans-Peter Friedrich 
(Hof) 

Dr. Michael Fuchs 
Hans-Joachim Fuchtel 
Dr. Peter Gauweiler 
Dr. Jürgen Gehb 
Norbert Geis 
Eberhard Gienger 
Michael Glos 
Josef Göppel 
Peter Götz 
Dr. Wolfgang Götzer 
Ute Granold 
Reinhard Grindel 
Hermann Gröhe 
Michael Grosse-Brömer 
Markus Grübel 
Monika Grütters 
Olav Gutting 
Holger Haibach 
Gerda Hasselfeldt 
Ursula Heinen 
Uda Carmen Freia Heller 
Bernd Heynemann 
Emst Hinsken 
Christian Hirte 
Robert Hochbaum 
Klaus Hofbauer 
F ranz- Josef Holzenkamp 


Joachim Hörster 
Anette Hübinger 
Susanne Jaffke-Witt 
Dr. Peter Jahr 
Dr. Hans-Heinrich Jordan 
Dr. Franz Josef Jung 
Hans-Werner Kammer 
Alois Karl 
Bernhard Kaster 
Siegfried Kauder (Villingen- 
Schwenningen) 

Volker Kauder 
Julia Klöckner 
Jens Koeppen 
Dr. Kristina Köhler 
(Wiesbaden) 

Manfred Kolbe 
Norbert Königshofen 
Thomas Kossendey 
Günther Krichbaum 
Dr. Günter Krings 
Dr. Hermann Kues 
Dr. Karl A. Lamers 
(Heidelberg) 

Andreas G. Lämmel 
Dr. Norbert Lammert 
Helmut Lamp 
Katharina Landgraf 
Dr. Max Lehmer 
Paul Lehrieder 
Ingbert Liebing 
Eduard Lintner 
Patricia Lips 
Dr. Michael Luther 
Stephan Mayer (Altötting) 
Wolfgang Meckelburg 
Dr. Michael Meister 
Laurenz Meyer (Hamm) 
Maria Michalk 
Dr. h. c. Hans Michelbach 
Dr. Eva Möllring 


Marlene Mortler 
Stefan Müller (Erlangen) 

Dr. Gerd Müller 

Dr. Georg Nüßlein 

Franz Obermeier 

Eduard Oswald 

Henning Otte 

Rita Pawelski 

Ulrich Petzold 

Sibylle Pfeiffer 

Beatrix Philipp 

Daniela Raab 

Thomas Rachel 

Hans Raidel 

Peter Rauen 

Eckhardt Rehberg 

Klaus Riegert 

Dr. Heinz Riesenhuber 

Franz Römer 

Johannes Röring 

Kurt J. Rossmanith 

Dr. Christian Ruck 

Albert Rupprecht (Weiden) 

Peter Rzepka 

Anita Schäfer (Saalstadt) 

Hermann- Josef Scharf 

Hartmut Schauerte 

Dr. Annette Schavan 

Dr. Andreas Scheuer 

Karl Schiewerling 

Norbert Schindler 

Bernd Schmidbauer 

Christian Schmidt (Fürth) 

Andreas Schmidt (Mülheim) 

Ingo Schmitt (Berlin) 

Dr. Andreas Schockenhoff 
Bernhard Schulte-Drüggelte 
Uwe Schummer 
Wilhelm Josef Sebastian 
Kurt Segner 
Bernd Siebert 


(D) 



25120 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner 


Thomas Silberhom 
Johannes Singhammer 
Erika Steinbach 
Christian Freiherr von Stetten 
Andreas Storm 
Matthäus Streb 1 
Thomas Strobl (Heilbronn) 
Lena Strothmann 
Michael Stübgen 
Hans Peter Thul 
Antje Tillmann 
Dr. Hans-Peter Uhl 
Arnold Vaatz 
Volkmar Uwe Vogel 
Andrea Astrid Voßhoff 
Gerhard Wächter 
Marco Wanderwitz 
Kai Wegner 
Marcus Weinberg 
Peter Weiß (Emmendingen) 
Gerald Weiß (Groß-Gerau) 
Ingo Wellenreuther 
Karl-Georg Wellmann 
Anette Widmann-Mauz 
Klaus-Peter Willsch 
Willy Wimmer (Neuss) 
Elisabeth Winkelmeier- 
Becker 
Willi Zylajew 

SPD 

Dr. Laie Akgün 

Sabine Bätzing 

Willi Brase 

Marco Bülow 

Dr. Herta Däubler-Gmelin 

Christian Kleiminger 

Karin Kortmann 

Emst Kranz 

Helga Lopez 

Lothar Mark 

Hilde Mattheis 

Sönke Rix 

Rene Röspel 

Dr. Emst Dieter Rossmann 
Michael Roth (Heringen) 
Ottmar Schreiner 
Jörg-Otto Spüler 
Dr. h. c. Wolfgang Thierse 
Andreas Weigel 
Engelbert Wistuba 
Waltraud Wolff 
(Wolmirstedt) 

FDP 

Otto Fricke 
Heinz-Peter Haustein 
Hellmut Königshaus 
Michael Link (Heilbronn) 
Patrick Meinhardt 
Christoph Waitz 

DIE LINKE 

Cornelia Hirsch 


BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN 

Cornelia Behm 
Hans Josef Fell 
Katrin Göring-Eckardt 
Britta Haßelmann 
Winfried Hermann 
Peter Hettlich 
Ulrike Höfken 
Thilo Hoppe 
Fritz Kuhn 
Renate Künast 
Markus Kurth 
Omid Nouripour 
Christine Scheel 
Dr. Gerhard Schick 
Rainder Steenblock 
Dr. Wolfgang Strengmann- 
Kuhn 

Dr. Harald Terpe 
Jürgen Trittin 
Josef Philip Winkler 

Nein 

CDU/CSU 

Peter Albach 
Clemens Binninger 
Renate Blank 
Jochen Borchert 
Dr. Stephan Eisei 
Dr. Hans Georg Faust 
Herbert Frankenhauser 
Erich G. Fritz 
Jochen-Konrad Fromme 
Manfred Grund 
Michael Hennrich 
Jürgen Herrmann 
Hubert Hüppe 
Andreas Jung (Konstanz) 
Steffen Kampeter 
Jürgen Klimke 
Dr. Rolf Koschorrek 
Michael Kretschmer 
Dr. Martina Krogmann 
Thomas Mahlberg 
Philipp Mißfelder 
Carsten Müller 
(Braunschweig) 

Michaela Noll 
Dr. Joachim Pfeiffer 
Ronald Pofalla 
Ruprecht Polenz 
Dr. Peter Ramsauer 
Katherina Reiche (Potsdam) 
Dr. Norbert Röttgen 
Dr. Wolfgang Schäuble 
Dr. Oie Schröder 
Jens Spahn 
Gero Storjohann 
Max Straubinger 
Dagmar Wöhrl 
Wolfgang Zöller 

SPD 

Gregor Amann 


Dr. h. c. Gerd Andres 
Niels Annen 
Ingrid Arndt-Brauer 
Rainer Arnold 
Emst Bahr (Neuruppin) 
Doris Bamett 
Dr. Hans-Peter Bartels 
Klaus Barthel 
Sören Bartol 
Dirk Becker 
Uwe Beckmeyer 
Klaus Uwe Benneter 
Dr. Axel Berg 
Ute Berg 
Petra Bierwirth 
Lothar B inding (Heidelberg) 
Volker Blumentritt 
Kurt Bodewig 
Clemens Bollen 
Gerd Bollmann 
Dr. Gerhard Botz 
Klaus Brandner 
Bernhard Brinkmann 
(Hildesheim) 

Edelgard Bulmahn 
Ulla Burchardt 
Martin Burkert 
Dr. Michael Bürsch 
Christian Carstensen 
Marion Caspers-Merk 
Dr. Peter Danckert 
Karl Diller 
Martin Dörmann 
Dr. Carl-Christian Dressei 
Elvira Drobinski-Weiß 
Garreit Duin 
Detlef Dzembritzki 
Sebastian Edathy 
Siegmund Ehrmann 
Dr. h. c. Gemot Erler 
Petra Emstberger 
Karin Evers-Meyer 
Annette Faße 
Elke Ferner 
Gabriele Fograscher 
Rainer Fomahl 
Gabriele Frechen 
Dagmar Freitag 
Peter Friedrich 
Sigmar Gabriel 
Iris Gleiche 
Renate Gradistanac 
Angelika Graf (Rosenheim) 
Dieter Grasedieck 
Kerstin Griese 
Gabriele Groneberg 
Achim Großmann 
Wolfgang Grotthaus 
Wolfgang Gunkel 
Hans-Joachim Hacker 
Bettina Hagedorn 
Klaus Hagemann 
Alfred Hartenbach 
Michael Hartmann 
(Wackernheim) 

Nina Hauer 
Hubertus Heil 
Dr. Reinhold Hemker 


Rolf Hempelmann 
Dr. Barbara Hendricks 
Gustav Herzog 
Petra Heß 

Gabriele Hiller-Ohm 
Stephan Hilsberg 
Petra Hinz (Essen) 

Gerd Höfer 

Iris Hoffmann (Wismar) 

Frank Hofmann (Volkach) 

Dr. Eva Högl 

Eike Hovermann 

Klaas Hübner 

Christel Humme 

Lothar Ibrügger 

Bmnhilde Irber 

Johannes Jung (Karlsruhe) 

Josip Juratovic 

Johannes Kahrs 

Ulrich Kasparick 

Dr. h. c. Susanne Kästner 

Ulrich Kelber 

Hans-Ulrich Klose 

Astrid Klug 

Dr. Bärbel Koller 

Fritz Rudolf Körper 

Rolf Kramer 

Anette Kramme 

Nicolette Kressl 

Volker Kröning 

Angelika Krüger-Leißner 

Dr. Hans-Ulrich Krüger 

Jürgen Kucharczyk 

Helga Kühn-Mengel 

Ute Kumpf 

Dr. Uwe Küster 

Christine Lambrecht 

Christian Lange (Backnang) 

Waltraud Lehn 

Gabriele Lösekmg-Möller 

Dirk Manzewski 

Caren Marks 

Katja Mast 

Markus Meckel 

Petra Merkel (Berlin) 

Ulrike Merten 
Dr. Matthias Miersch 
Ursula Mogg 
Marko Mühlstein 
Detlef Müller (Chemnitz) 
Gesine Multhaupt 
Franz Müntefering 
Dr. Rolf Mützenich 
Andrea Nahles 
Dr. Erika Ober 
Thomas Oppermann 
Holger Ortei 
Heinz Paula 
Johannes Pflug 
Joachim Poß 
Christoph Pries 
Dr. Wilhelm Priesmeier 
Florian Pronold 
Dr. Sascha Raabe 
Mechthild Rawert 
Steffen Reiche (Cottbus) 
Gerold Reichenbach 
Dr. Carola Reimann 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25121 


Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner 


Christel Riemarm- 
Hanewinckel 
Walter Riester 
Karin Roth (Esslingen) 
Ortwin Runde 
Marlene Rupprecht 
(Tuchenbach) 

Anton Schaaf 
Axel Schäfer (Bochum) 
Bernd Scheelen 
Marianne Schieder 
Otto Schily 

Ulla Schmidt (Aachen) 
Silvia Schmidt (Eisleben) 
Heinz Schmitt (Landau) 
Carsten Schneider (Erfurt) 
Olaf Scholz 
Reinhard Schultz 
(Everswinkel) 

Swen Schulz (Spandau) 
Ewald Schürer 
Frank Schwabe 
Dr. Angelica Schwall-Düren 
Rolf Schwanitz 
Rita Schwarzelühr-Sutter 
Wolfgang Spanier 
Dr. Margrit Spielmann 
Dieter Steinecke 
Ludwig Stiegler 
Rolf Stöckel 
Christoph Strässer 
Dr. Peter Struck 
Joachim Stünker 
Dr. Rainer Tabillion 
Jörg Tauss 
Jella Teuchner 
Jörn Thießen 
Franz Thönnes 
Rüdiger Veit 
Simone Violka 
Jörg Vogelsänger 
Dr. Marlies Volkmer 
Hedi Wegener 
Petra Weis 
Gunter Weißgerber 
Gert Weisskirchen 
(Wiesloch) 

Hildegard Wester 
Lydia Westrich 
Dr. Margrit Wetzel 


Andrea Wicklein 
Heidemarie Wieczorek-Zeul 
Dr. Dieter Wiefelspütz 
Dr. Wolfgang Wodarg 
Heidi Wright 
Uta Zapf 
Manfred Zöllmer 
Brigitte Zypries 

FDP 

Jens Ackermann 
Dr. Karl Addicks 
Daniel Bahr (Münster) 

Uwe Barth 
Angelika Brunkhorst 
Emst Burgbacher 
Patrick Döring 
Mechthild Dyckmans 
Jörg van Essen 
Ulrike Flach 
Paul K. Friedhoff 
Horst Friedrich (Bayreuth) 
Dr. Edmund Peter Geisen 
Dr. Wolfgang Gerhardt 
Miriam Gmß 
Joachim Günther (Plauen) 
Dr. Christel Happach-Kasan 
Elke Hoff 
Birgit Homburger 
Michael Kauch 
Dr. Heinrich L. Kolb 
Gudrun Kopp 
Heinz Lanfermann 
Sibylle Laurischk 
Harald Leibrecht 
Sabine Leutheusser- 
Schnarrenberger 
Dr. Erwin Lotter 
Jan Mücke 

Burkhardt Müller-Sönksen 
DirkNiebel 
Hans-Joachim Otto 
(Frankfurt) 

Detlef Parr 
Cornelia Pieper 
Gisela Piltz 
Frank Schäffler 
Dr. Konrad Schily 
Marina Schuster 


Dr. Max Stadler 
Dr. Rainer Stinner 
Carl-Ludwig Thiele 
Florian Toncar 
Dr. Guido Westerwelle 
Dr. Claudia Winterstein 
Dr. Volker Wissing 
Hartfrid Wolff (Rems-Murr) 

DIE LINKE 

Hüseyin-Kenan Aydin 
Dr. Dietmar Bartsch 
Karin Binder 
Eva Bulling-Schröter 
Dr. Martina Bunge 
Roland Claus 
Sevim Dagdelen 
Dr. Diether Dehrn 
Dr. Dagmar Enkelmann 
Klaus Ernst 
Diana Golze 
Dr. Gregor Gysi 
Heike Hänsel 
Lutz Heilmann 
Dr. Barbara Höll 
Ulla Jelpke 

Dr. Lukrezia Jochimsen 
Dr. Hakki Keskin 
Katja Kipping 
Monika Knoche 
Jan Körte 
Katrin Kunert 
Oskar Lafontaine 
Michael Leutert 
Ulla Lötzer 
Dr. Gesine Lötzsch 
Ulrich Maurer 
Komelia Möller 
Kersten Naumann 
Wolfgang Neskovic 
Dr. Norman Paech 
Bodo Ramelow 
Elke Reinke 
Paul Schäfer (Köln) 

Volker Schneider 
(Saarbrücken) 

Dr. Herbert Schui 
Dr. Ilja Seifert 
Dr. Petra Sitte 


Frank Spieth 
Dr. Kirsten Tackmann 
Dr. Axel Troost 
Alexander Ulrich 
Jörn Wunderlich 

BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN 

Kerstin Andreae 
Marieluise Beck (Bremen) 
Birgitt Bender 
Alexander Bonde 
Ekin Deligöz 
Dr. Thea Dückert 
Dr. Uschi Eid 
Kai Gehring 
Bettina Herlitzius 
Priska Hinz (Herbom) 

Dr. Anton Hofreiter 
Bärbel Höhn 
Ute Koczy 

Undine Kurth (Quedlinburg) 
Monika Lazar 
Anna Lührmann 
Nicole Maisch 
Jerzy Montag 
Kerstin Müller (Köln) 
Winfried Nachtwei 
Claudia Roth (Augsburg) 
Krista Säger 
Manuel Sarrazin 
Elisabeth Scharfenberg 
Irmingard Schewe-Gerigk 
Grietje Staffelt 
Silke Stokar von Neufom 
Hans-Christian Ströbele 
Wolfgang Wieland 

fraktionslose 

Abgeordnete 

Henry Nitzsche 
Gert Winkelmeier 

Enthalten 

CDU/CSU 

Monika Brüning 
Marion Seih 


Der Gesetzentwurf ist damit in zweiter Beratung ab- 
gelehnt. Wir kommen nun zur Abstimmung über den 
von den Abgeordneten Joachim Stünker, Michael 
Kauch, Dr. Lukrezia Jochimsen und weiteren Abgeord- 
neten eingebrachten Entwurf eines Dritten Gesetzes zur 
Änderung des Betreuungsrechts in der Ausschussfas- 
sung, Drucksachen 16/8442 und 16/13314. Wir stimmen 
über den Gesetzentwurf in der Ausschussfassung na- 
mentlich ab. Ich bitte die Schriftführerinnen und Schrift- 
führer, die vorgesehenen Plätze einzunehmen. - Sind die 
Plätze an den Urnen besetzt? - Das ist der Fall. Ich er- 
öffne die Abstimmung. 


Ist ein Mitglied des Hauses anwesend, das seine 
Stimme noch nicht abgegeben hat? - Das ist nicht der 
Fall. Ich schließe die Abstimmung und bitte die Schrift- 
führerinnen und Schriftführer, mit der Auszählung zu 
beginnen. 

Bis zum Vorliegen des Ergebnisses der namentlichen 
Abstimmung unterbreche ich die Sitzung. 

(Unterbrechung von 16.50 bis 16.56 Uhr) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Die unterbrochene Sitzung ist wieder eröffnet. 



25122 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner 

(A) Ich gebe das von den Schriftführerinnen und Schrift- 
führern ermittelte Ergebnis der namentlichen Abstim- 
mnng über den Gesetzentwurf der Abgeordneten 
Joachim Stünker, Michael Kauch, Dr. Lukrezia 
Jochimsen und weiterer Abgeordneter - Entwurf eines 


Dritten Gesetzes zur Änderung des Betreuungsrechts - 
bekannt: abgegebene Stimmen 566. Mit Ja haben ge- 
stimmt 320, mit Nein haben gestimmt 241, Enthaltungen 5. 
Der Gesetzentwurf ist damit in zweiter Beratung ange- 
nommen. 


Endgültiges Ergebnis 


Abgegebene Stimmen: 

566; 

davon 


ja: 

320 

nein: 

241 

enthalten: 

5 


Ja 

CDU/CSU 
Dagmar Wöhrl 

SPD 

Dr. Laie Akgün 
Gregor Amann 
Dr. h. c. Gerd Andres 
Niels Annen 
Ingrid Arndt-Brauer 
Rainer Arnold 
Emst Bahr (Neuruppin) 
Doris Bamett 
Dr. Hans-Peter Bartels 
Klaus Barthel 
(B) Sören Bartol 
Sabine Bätzing 
Dirk Becker 
Uwe Beckmeyer 
Klaus Uwe Benneter 
Dr. Axel Berg 
Ute Berg 
Petra Bierwirth 
Lothar Binding (Heidelberg) 
Volker Blumentritt 
Kurt Bodewig 
Clemens Bollen 
Gerd Bollmann 
Dr. Gerhard Botz 
Klaus Brandner 
Bernhard Brinkmann 
(Hildesheim) 

Edelgard Bulmahn 
Marco Bülow 
Ulla Burchardt 
Martin Burkert 
Dr. Michael Bürsch 
Christian Carstensen 
Marion Caspers-Merk 
Dr. Peter Danckert 
Dr. Herta Däubler-Gmelin 
Karl Diller 
Martin Dörmann 
Dr. Carl-Christian Dressei 
Elvira Drobinski-Weiß 
Garreit Duin 
Detlef Dzembritzki 
Sebastian Edathy 
Siegmund Ehrmann 


Dr. h. c. Gemot Erler 
Petra Emstberger 
Karin Evers-Meyer 
Annette Faße 
Elke Ferner 
Gabriele Fograscher 
Rainer Fomahl 
Gabriele Frechen 
Dagmar Freitag 
Peter Friedrich 
Sigmar Gabriel 
Martin Gerster 
Iris Gleiche 
Renate Gradistanac 
Angelika Graf (Rosenheim) 
Dieter Grasedieck 
Kerstin Griese 
Gabriele Groneberg 
Achim Großmann 
Wolfgang Grotthaus 
Wolfgang Gunkel 
Hans-Joachim Hacker 
Bettina Hagedorn 
Klaus Hagemann 
Alfred Hartenbach 
Michael Hartmann 
(Wackernheim) 

Nina Hauer 
Hubertus Heil 
Dr. Reinhold Hemker 
Rolf Hempelmann 
Dr. Barbara Hendricks 
Gustav Herzog 
Petra Heß 

Gabriele Hiller-Ohm 
Stephan Hilsberg 
Petra Hinz (Essen) 

Gerd Höfer 

Iris Hoffmann (Wismar) 
Frank Hofmann (Volkach) 
Dr. Eva Högl 
Klaas Hübner 
Christel Humme 
Lothar Ibrügger 
Bmnhilde Irber 
Johannes Jung (Karlsmhe) 
Josip Juratovic 
Johannes Kahrs 
Ulrich Kasparick 
Dr. h. c. Susanne Kästner 
Ulrich Kelber 
Christian Kleiminger 
Hans-Ulrich Klose 
Astrid Klug 
Dr. Bärbel Koller 
Fritz Rudolf Körper 
Karin Kortmann 
Rolf Kramer 
Anette Kramme 
Emst Kranz 


Nicolette Kressl 
Volker Kröning 
Angelika Krüger-Leißner 
Dr. Hans-Ulrich Krüger 
Jürgen Kucharczyk 
Helga Kühn-Mengel 
Ute Kumpf 
Dr. Uwe Küster 
Christine Lambrecht 
Christian Lange (Backnang) 
Waltraud Lehn 
Helga Lopez 

Gabriele Lösekmg-Möller 
Dirk Manzewski 
Lothar Mark 
Caren Marks 
Katja Mast 
Hilde Mattheis 
Markus Meckel 
Petra Merkel (Berlin) 

Ulrike Merten 
Dr. Matthias Miersch 
Ursula Mogg 
Marko Mühlstein 
Detlef Müller (Chemnitz) 
Gesine Multhaupt 
Franz Müntefering 
Dr. Rolf Mützenich 
Andrea Nahles 
Dr. Erika Ober 
Thomas Oppermann 
Holger Ortei 
Heinz Paula 
Johannes Pflug 
Joachim Poß 
Christoph Pries 
Dr. Wilhelm Priesmeier 
Florian Pronold 
Mechthild Rawert 
Steffen Reiche (Cottbus) 
Gerold Reichenbach 
Dr. Carola Reimann 
Christel Riemann- 
Hanewinckel 
Walter Riester 
Karin Roth (Esslingen) 
Michael Roth (Heringen) 
Ortwin Runde 
Marlene Rupprecht 
(Tuchenbach) 

Anton Schaaf 
Axel Schäfer (Bochum) 
Bernd Scheelen 
Marianne Schieder 
Otto Schily 

Ulla Schmidt (Aachen) 
Silvia Schmidt (Eisleben) 
Heinz Schmitt (Landau) 
Carsten Schneider (Erfurt) 
Olaf Scholz 


Reinhard Schultz 
(Everswinkel) 

Swen Schulz (Spandau) 
Ewald Schürer 
Frank Schwabe 
Dr. Angelica Schwall-Düren 
Dr. Martin Schwanholz 
Rolf Schwanitz 
Rita Schwarzelühr-Sutter 
Wolfgang Spanier 
Dr. Margrit Spielmann 
Jörg-Otto Spüler 
Dieter Steinecke 
Ludwig Stiegler 
Rolf Stöckel 
Christoph Strässer 
Dr. Peter Stmck 
Joachim Stünker 
Dr. Rainer Tabillion 
Jörg Tauss 
Jella Teuchner 
Dr. h. c. Wolfgang Thierse 
Jörn Thießen 
Franz Thönnes 
Rüdiger Veit 
Simone Violka 
Jörg Vogelsänger 
Dr. Marlies Volkmer 
Hedi Wegener 
Petra Weis 
Gunter Weißgerber 
Gert Weisskirchen 
(Wiesloch) 

Hildegard Wester 
Lydia Westrich 
Dr. Margrit Wetzel 
Andrea Wicklein 
Heidemarie Wieczorek-Zeul 
Dr. Dieter Wiefelspütz 
Dr. Wolfgang Wodarg 
Waltraud Wolff 
(Wolmirstedt) 

Heidi Wright 
Uta Zapf 
Manfred Zöllmer 
Brigitte Zypries 

FDP 

Jens Ackermann 
Dr. Karl Addicks 
Daniel Bahr (Münster) 

Uwe Barth 
Angelika Brunkhorst 
Emst Burgbacher 
Patrick Döring 
Mechthild Dyckmans 
Jörg van Essen 
Ulrike Flach 
Paul K. Friedhoff 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25123 


Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner 


(A) Horst Friedrich (Bayreuth) 
Dr. Edmund Peter Geisen 
Dr. Wolfgang Gerhardt 
Miriam Gruß 
Joachim Günther (Plauen) 
Dr. Christel Happach-Kasan 
Elke Hoff 
Birgit Homburger 
Michael Kauch 
Dr. Heinrich L. Kolb 
Hellmut Königshaus 
Gudrun Kopp 
Sibylle Laurischk 
Harald Leibrecht 
Sabine Leutheusser- 
Schnarrenberger 
Dr. Erwin Lotter 
Jan Mücke 

Burkhardt Müller-Sönksen 
DirkNiebel 
Hans-Joachim Otto 
(Frankfurt) 

Detlef Parr 
Cornelia Pieper 
Gisela Piltz 
Frank Schäffler 
Dr. Konrad Schily 
Marina Schuster 
Dr. Max Stadler 
Dr. Rainer Stinner 
Carl-Ludwig Thiele 
Florian Toncar 
Christoph Waitz 
Dr. Guido Westerwelle 
Dr. Claudia Winterstein 
' ' Dr. Volker Wissing 

Hartfrid Wolff (Rems-Murr) 

DIE LINKE 

Hüseyin-Kenan Aydin 
Dr. Dietmar Bartsch 
Karin Binder 
Eva Bulling-Schröter 
Dr. Martina Bunge 
Roland Claus 
Dr. Diether Dehrn 
Dr. Dagmar Enkelmann 
Klaus Ernst 
Diana Golze 
Dr. Gregor Gysi 
Lutz Heilmann 
Dr. Barbara Höll 
Dr. Lukrezia Jochimsen 
Dr. Hakki Keskin 
Katja Kipping 
Jan Körte 
Katrin Kunert 
Oskar Lafontaine 
Michael Leutert 
Ulla Lötzer 
Dr. Gesine Lötzsch 
Ulrich Maurer 
Komelia Möller 
Kersten Naumann 
Wolfgang Neskovic 
Dr. Norman Paech 
Bodo Ramelow 
Paul Schäfer (Köln) 


Volker Schneider 
(Saarbrücken) 

Dr. Herbert Schui 
Dr. Petra Sitte 
Frank Spieth 
Dr. Kirsten Tackmann 
Dr. Axel Troost 
Alexander Ulrich 
Jörn Wunderlich 

BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN 

Kerstin Andreae 
Marieluise Beck (Bremen) 
Birgitt Bender 
Alexander Bonde 
Ekin Deligöz 
Dr. Thea Dückert 
Dr. Uschi Eid 
Kai Gehring 
Bettina Herlitzius 
Priska Hinz (Herbom) 
Ulrike Höfken 
Dr. Anton Hofreiter 
Bärbel Höhn 
Ute Koczy 
Sylvia Kotting-Uhl 
Undine Kurth (Quedlinburg) 
Monika Lazar 
Anna Lührmann 
Nicole Maisch 
Jerzy Montag 
Kerstin Müller (Köln) 
Winfried Nachtwei 
Claudia Roth (Augsburg) 
Krista Säger 
Manuel Sarrazin 
Elisabeth Scharfenberg 
Irmingard Schewe-Gerigk 
Grietje Staffelt 
Silke Stokar von Neufom 
Dr. Wolfgang Strengmann- 
Kuhn 

Hans-Christian Ströbele 
Wolfgang Wieland 

fraktionsloser 

Abgeordneter 

Gert Winkelmeier 

Nein 

CDU/CSU 

Ulrich Adam 
Ilse Aigner 
Peter Albach 
Peter Altmaier 
Thomas Bareiß 
Norbert Barthle 
Dr. Wolf Bauer 
Günter Baumann 
Emst-Reinhard Beck 
(Reutlingen) 

Veronika Bellmann 
Dr. Christoph Bergner 
Otto Bernhardt 
Clemens Binninger 


Renate Blank 
Peter Bleser 
Antje Blumen thal 
Dr. Maria Böhmer 
Jochen Borchert 
Wolfgang Börnsen 
(Bönstrup) 

Wolfgang Bosbach 
Klaus Brähmig 
Michael Brand 
Helmut Brandt 
Dr. Ralf Brauksiepe 
Monika Brüning 
Georg Brunnhuber 
Cajus Caesar 
Gitta Connemann 
Leo Dautzenberg 
Hubert Deittert 
Alexander Dobrindt 
Thomas Dörflinger 
Marie-Luise Dött 
Maria Eichhorn 
Dr. Stephan Eisei 
Anke Eymer (Lübeck) 

Ilse Falk 

Dr. Hans Georg Faust 
Enak Ferlemann 
Ingrid Fischbach 
Hartwig Fischer (Göttingen) 
Dirk Fischer (Hamburg) 
Axel E. Fischer (Karlsmhe- 
Land) 

Dr. Maria Flachsbarth 
Klaus-Peter Flosbach 
Herbert Frankenhauser 
Dr. Hans-Peter Friedrich 
(Hof) 

Erich G. Fritz 
Jochen-Konrad Fromme 
Dr. Michael Fuchs 
Hans-Joachim Fuchtel 
Dr. Peter Gauweiler 
Dr. Jürgen Gehb 
Norbert Geis 
Eberhard Gienger 
Michael Glos 
Josef Göppel 
Peter Götz 
Dr. Wolfgang Götzer 
Ute Granold 
Reinhard Grindel 
Hermann Gröhe 
Michael Grosse-Brömer 
Markus Grübel 
Manfred Grund 
Monika Grütters 
Olav Gutting 
Holger Haibach 
Gerda Hasselfeldt 
Ursula Heinen 
Uda Carmen Freia Heller 
Michael Hennrich 
Jürgen Herrmann 
Bernd Heynemann 
Emst Hinsken 
Christian Hirte 
Robert Hochbaum 
Klaus Hofbauer 
Franz-Josef Holzenkamp 
Joachim Hörster 


Anette Hübinger (C) 

Hubert Hüppe 

Susanne Jaffke-Witt 

Dr. Peter Jahr 

Dr. Hans-Heinrich Jordan 

Andreas Jung (Konstanz) 

Dr. Franz Josef Jung 
Hans-Werner Kammer 
Steffen Kampeter 
Alois Karl 
Bernhard Kaster 
Siegfried Kauder (Villingen- 
Schwenningen) 

Volker Kauder 
Jürgen Klimke 
Julia Klöckner 
Jens Koeppen 
Dr. Kristina Köhler 
(Wiesbaden) 

Manfred Kolbe 
Norbert Königshofen 
Dr. Rolf Koschorrek 
Thomas Kossendey 
Günther Krichbaum 
Dr. Günter Krings 
Dr. Martina Krogmann 
Dr. Hermann Kues 
Dr. Karl A. Lamers 
(Heidelberg) 

Andreas G. Lämmel 
Dr. Norbert Lammert 
Helmut Lamp 
Katharina Landgraf 
Dr. Max Lehmer 
Paul Lehrieder 
Ingbert Liebing 
Eduard Lintner 
Patricia Lips 
Dr. Michael Luther 
Thomas Mahlberg 
Stephan Mayer (Altötting) 
Wolfgang Meckelburg 
Dr. Michael Meister 
Laurenz Meyer (Hamm) 

Maria Michalk 
Dr. h. c. Hans Michelbach 
Philipp Mißfelder 
Dr. Eva Möllring 
Marlene Mortler 
Carsten Müller 
(Braunschweig) 

Stefan Müller (Erlangen) 

Dr. Gerd Müller 
Michaela Noll 
Dr. Georg Nüßlein 
Franz Obermeier 
Eduard Oswald 
Henning Otte 
Rita Pawelski 
Ulrich Petzold 
Dr. Joachim Pfeiffer 
Sibylle Pfeiffer 
Beatrix Philipp 
Ronald Pofalla 
Ruprecht Polenz 
Daniela Raab 
Thomas Rachel 
Hans Raidel 
Dr. Peter Ramsauer 
Peter Rauen 



25124 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner 


(A) Eckhardt Rehberg 

Katherina Reiche (Potsdam) 
Klaus Riegert 
Dr. Heinz Riesenhuber 
Franz Römer 
Johannes Röring 
Kurt J. Rossmanith 
Dr. Norbert Röttgen 
Dr. Christian Ruck 
Albert Rupprecht (Weiden) 
Peter Rzepka 
Anita Schäfer (Saalstadt) 
Hermann- Josef Scharf 
Dr. Wolfgang Schäuble 
Hartmut Schauerte 
Dr. Annette Schavan 
Dr. Andreas Scheuer 
Karl Schiewerling 
Norbert Schindler 
Bernd Schmidbauer 
Christian Schmidt (Fürth) 
Andreas Schmidt (Mülheim) 
Ingo Schmitt (Berlin) 

Dr. Andreas Schockenhoff 
Dr. Oie Schröder 
Bernhard Schulte-Drüggelte 
Uwe Schummer 
Wilhelm Josef Sebastian 
Kurt Segner 
Marion Seih 
Bernd Siebert 
Thomas Silberhom 


Johannes Singhammer 
Jens Spahn 
Erika Steinbach 
Christian Freiherr von Stetten 
Gero Storjohann 
Andreas Storm 
Max Straubinger 
Matthäus Streb 1 
Thomas Strobl (Heilbronn) 
Lena Strothmann 
Michael Stübgen 
Hans Peter Thul 
Antje Tillmann 
Dr. Hans-Peter Uhl 
Arnold Vaatz 
Volkmar Uwe Vogel 
Andrea Astrid Voßhoff 
Gerhard Wächter 
Marco Wanderwitz 
Kai Wegner 
Marcus Weinberg 
Peter Weiß (Emmendingen) 
Gerald Weiß (Groß-Gerau) 
Ingo Wellenreuther 
Karl-Georg Wellmann 
Anette Widmann-Mauz 
Klaus-Peter Willsch 
Willy Wimmer (Neuss) 
Elisabeth Winkelmeier- 
Becker 

Wolfgang Zöller 
Willi Zylajew 


SPD 

Willi Brase 
Eike Hovermann 
Sönke Rix 
Rene Röspel 
Ottmar Schreiner 
Andreas Weigel 

FDP 

Otto Fricke 
Heinz-Peter Haustein 
Heinz Lanfermann 
Michael Link (Heilbronn) 
Patrick Meinhardt 

DIE LINKE 

Sevim Dagdelen 
Heike Hänsel 
Ulla Jelpke 
Monika Knoche 
Elke Reinke 
Dr. Ilja Seifert 

BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN 

Cornelia Behm 
Hans Josef Fell 
Katrin Göring-Eckardt 
Britta Haßelmann 
Peter Hettlich 


Thilo Hoppe 
Fritz Kuhn 
Renate Künast 
Markus Kurth 
Christine Scheel 
Dr. Gerhard Schick 
Dr. Harald Terpe 
Jürgen Trittin 
Josef Philip Winkler 

fraktionsloser 

Abgeordneter 

Henry Nitzsche 

Enthalten 

SPD 

Dr. Emst Dieter Rossmann 
Engelbert Wistuba 

DIE LINKE 

Cornelia Hirsch 

BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN 

Winfried Hermann 
Rainder Steenblock 


(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der FDP, 
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Dritte Beratung 

und Schlussabstimmung. Auch hier ist namentliche Ab- 
stimmung verlangt. Ich weise die Kolleginnen und Kol- 
legen darauf hin, dass gleich im Anschluss über die Zu- 
rückweisung der Einsprüche des Bundesrates ebenfalls 
namentlich abgestimmt wird. Ich bitte also, die Kolle- 
ginnen und Kollegen im Saal zu bleiben. 

Ich bitte die Schriftführerinnen und Schriftführer, die 
vorgesehenen Plätze einzunehmen. Sind die Plätze an 
den Urnen besetzt? - Das ist der Fall. Ich eröffne die Ab- 
stimmung. 

Vizepräsident Dr. h. c. Woifgang Thierse: 

Haben alle anwesenden Mitglieder des Hauses ihre 
Stimme abgegeben? - Das ist offensichtlich der Fall. 


Dann schließe ich die Abstimmung und bitte die Schrift- 
führerinnen und Schriftführer, mit der Auszählung zu 
beginnen. Bis zum Vorliegen des Ergebnisses der na- 
mentlichen Abstimmung unterbreche ich die Sitzung. 

(Unterbrechung von 17.00 bis 17.07 Uhr) 

Vizepräsident Dr. h. c. Woifgang Thierse: 

Die unterbrochene Sitzung ist wieder eröffnet. 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bitte um Ihre 
Aufmerksamkeit. Ich gebe das von den Schriftführerin- 
nen und Schriftführern ermittelte Ergebnis der nament- 
lichen Schlnssabstimmnng über den Entwurf eines 
Dritten Gesetzes zur Änderung des Betreuungsrechts der 
Abgeordneten Stünker, Kauch, Dr. Jochimsen und weite- 
rer Abgeordneter bekannt: abgegebene Stimmen 555. 
Mit Ja haben gestimmt 317, mit Nein haben gestimmt 
233, Enthaltungen 5. Der Gesetzentwurf ist in dritter Be- 
ratung angenommen. 


Endgültiges Ergebnis 


Ja 

Gregor Amatm 

Klaus Barthel 

Abgegebene Stimmen: 

555; 


Dr. h. c. Gerd Andres 

Sören Bartol 

CDU/CSU 

Niels Annen 

Sabine Bätzing 

davon 


Dagmar Wöhrl 

Ingrid Arndt-Brauer 

Dirk Becker 

ja: 

318 

Rainer Arnold 

Uwe Beckmeyer 

nein: 

232 

SPD 

Emst Bahr (Neuruppin) 
Doris Bamett 

Klaus Uwe Benneter 
Dr. Axel Berg 

enthalten: 

5 

Dr. Laie Akgün 

Dr. Hans-Peter Bartels 

Ute Berg 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25125 


Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse 


Petra Bierwirth 
Lothar Binding (Heidelberg) 
Volker Blumentritt 
Kurt Bodewig 
Clemens Bollen 
Gerd Bollmann 
Dr. Gerhard Botz 
Bernhard Brinkmann 
(Hildesheim) 

Edelgard Bulmahn 
Marco Bülow 
Ulla Burchardt 
Martin Burkert 
Dr. Michael Bürsch 
Christian Carstensen 
Marion Caspers-Merk 
Dr. Peter Danckert 
Karl Diller 
Martin Dörmann 
Dr. Carl-Christian Dressei 
Elvira Drobinski-Weiß 
Garreit Duin 
Detlef Dzembritzki 
Sebastian Edathy 
Siegmund Ehrmann 
Dr. h. c. Gemot Erler 
Petra Emstberger 
Karin Evers-Meyer 
Annette Faße 
Elke Ferner 
Gabriele Fograscher 
Rainer Fomahl 
Gabriele Frechen 
Dagmar Freitag 
Peter Friedrich 
Sigmar Gabriel 
Martin Gerster 
Iris Gleiche 
Renate Gradistanac 
Angelika Graf (Rosenheim) 
Dieter Grasedieck 
Kerstin Griese 
Achim Großmann 
Wolfgang Grotthaus 
Wolfgang Gunkel 
Hans-Joachim Hacker 
Bettina Hagedorn 
Klaus Hagemann 
Alfred Hartenbach 
Michael Hartmann 
(Wackernheim) 

Nina Hauer 
Hubertus Heil 
Dr. Reinhold Hemker 
Rolf Hempelmann 
Dr. Barbara Hendricks 
Gustav Herzog 
Petra Heß 

Gabriele Hiller-Ohm 
Stephan Hilsberg 
Petra Hinz (Essen) 

Gerd Höfer 

Iris Hoffmann (Wismar) 
Frank Hofmann (Volkach) 
Dr. Eva Högl 
Eike Hovermann 
Klaas Hübner 
Christel Humme 
Lothar Ibrügger 
Bmnhilde Irber 


Johannes Jung (Karlsmhe) 

Josip Juratovic 

Johannes Kahrs 

Ulrich Kasparick 

Dr. h. c. Susanne Kästner 

Ulrich Kelber 

Christian Kleiminger 

Hans-Ulrich Klose 

Astrid Klug 

Dr. Bärbel Kofler 

Fritz Rudolf Körper 

Karin Kortmann 

Rolf Kramer 

Anette Kramme 

Emst Kranz 

Nicolette Kressl 

Volker Kröning 

Angelika Krüger-Leißner 

Dr. Hans-Ulrich Krüger 

Jürgen Kucharczyk 

Helga Kühn-Mengel 

Ute Kumpf 

Dr. Uwe Küster 

Christine Lambrecht 

Christian Lange (Backnang) 

Waltraud Lehn 

Helga Lopez 

Gabriele Lösekmg-Möller 
Dirk Manzewski 
Lothar Mark 
Caren Marks 
Katja Mast 
Hilde Mattheis 
Markus Meckel 
Petra Merkel (Berlin) 

Ulrike Merten 
Dr. Matthias Miersch 
Ursula Mogg 
Marko Mühlstein 
Detlef Müller (Chemnitz) 
Gesine Multhaupt 
Franz Müntefering 
Dr. Rolf Mützenich 
Andrea Nahles 
Dr. Erika Ober 
Thomas Oppermann 
Holger Ortei 
Heinz Paula 
Johannes Pflug 
Joachim Poß 
Christoph Pries 
Dr. Wilhelm Priesmeier 
Dr. Sascha Raabe 
Mechthild Rawert 
Steffen Reiche (Cottbus) 
Gerold Reichenbach 
Dr. Carola Reimann 
Christel Riemann- 
Hanewinckel 
Walter Riester 
Karin Roth (Esslingen) 
Michael Roth (Heringen) 
Ortwin Runde 
Marlene Rupprecht 
(Tuchenbach) 

Anton Schaaf 
Axel Schäfer (Bochum) 
Bernd Scheelen 
Marianne Schieder 
Otto Schily 


Ulla Schmidt (Aachen) 
Silvia Schmidt (Eisleben) 
Heinz Schmitt (Landau) 
Carsten Schneider (Erfurt) 
Olaf Scholz 
Reinhard Schultz 
(Everswinkel) 

Swen Schulz (Spandau) 
Ewald Schürer 
Frank Schwabe 
Dr. Angelica Schwall-Düren 
Dr. Martin Schwanholz 
Rolf Schwanitz 
Rita Schwarzelühr-Sutter 
Wolfgang Spanier 
Dr. Margrit Spielmann 
Jörg-Otto Spüler 
Dieter Steinecke 
Rolf Stöckel 
Christoph Strässer 
Dr. Peter Stmck 
Joachim Stünker 
Dr. Rainer Tabillion 
Jörg Tauss 
Jella Teuchner 
Dr. h. c. Wolfgang Thierse 
Jörn Thießen 
Franz Thönnes 
Rüdiger Veit 
Simone Violka 
Jörg Vogelsänger 
Dr. Marlies Volkmer 
Hedi Wegener 
Petra Weis 
Gunter Weißgerber 
Gert Weisskirchen 
(Wiesloch) 

Hildegard Wester 
Lydia Westrich 
Dr. Margrit Wetzel 
Andrea Wicklein 
Heidemarie Wieczorek-Zeul 
Dr. Dieter Wiefelspütz 
Engelbert Wistuba 
Dr. Wolfgang Wodarg 
Waltraud Wolff 
(Wolmirstedt) 

Heidi Wright 
Uta Zapf 
Manfred Zöllmer 
Brigitte Zypries 

FDP 

Jens Ackermann 
Dr. Karl Addicks 
Daniel Bahr (Münster) 

Uwe Barth 
Angelika Brunkhorst 
Emst Burgbacher 
Patrick Döring 
Mechthild Dyckmans 
Jörg van Essen 
Ulrike Flach 
Paul K. Friedhoff 
Horst Friedrich (Bayreuth) 
Dr. Edmund Peter Geisen 
Dr. Wolfgang Gerhardt 
Miriam Gruß 
Joachim Günther (Plauen) 


Dr. Christel Happach-Kasan (C) 
Elke Hoff 
Birgit Homburger 
Michael Kauch 
Dr. Heinrich L. Kolb 
Hellmut Königshaus 
Gudrun Kopp 
Sibylle Laurischk 
Harald Leibrecht 
Sabine Leutheusser- 
Schnarrenberger 
Dr. Erwin Lotter 
Jan Mücke 

Burkhardt Müller- Sönksen 
Dirk Niebel 
Hans-Joachim Otto 
(Frankfurt) 

Detlef Parr 

Cornelia Pieper 

Gisela Piltz 

Frank Schäffler 

Dr. Konrad Schily 

Marina Schuster 

Dr. Max Stadler 

Dr. Rainer Stinner 

Carl-Ludwig Thiele 

Florian Toncar 

Christoph Waitz 

Dr. Guido Westerwelle 

Dr. Claudia Winterstein 

Dr. Volker Wissing 

Hartfrid Wolff (Rems-Murr) 


DIE LINKE 

Hüseyin-Kenan Aydin 
Dr. Dietmar Bartsch 
Karin Binder 
Eva Bulling-Schröter 
Dr. Martina Bunge 
Roland Claus 
Dr. Diether Dehrn 
Dr. Dagmar Enkelmann 
Klaus Ernst 
Diana Golze 
Dr. Gregor Gysi 
Lutz Heilmann 
Dr. Barbara Höll 
Dr. Lukrezia Jochimsen 
Dr. Hakki Keskin 
Katja Kipping 
Jan Körte 
Katrin Kunert 
Oskar Lafontaine 
Michael Leutert 
Ulla Lötzer 
Dr. Gesine Lötzsch 
Ulrich Maurer 
Komelia Möller 
Kersten Naumann 
Wolfgang Neskovic 
Dr. Norman Paech 
Bodo Ramelow 
Paul Schäfer (Köln) 
Volker Schneider 
(Saarbrücken) 

Dr. Herbert Schui 
Dr. Petra Sitte 
Frank Spieth 
Dr. Kirsten Tackmann 



25126 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse 


Dr. Axel Troost 
Alexander Ulrich 
Jöm Wunderlich 

BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN 

Kerstin Andreae 
Birgitt Bender 
Alexander Bonde 
Ekln Deligöz 
Dr. Thea Dückert 
Dr. Uschi Eid 
Kai Gehring 
Bettina Herlitzius 
Priska Hinz (Herbom) 
Ulrike Höfken 
Dr. Anton Hofreiter 
Bärbel Höhn 
Ute Koczy 
Sylvia Kotting-Uhl 
Undine Kurth (Quedlinburg) 
Monika Lazar 
Anna Lührmann 
Nicole Maisch 
Jerzy Montag 
Kerstin Müller (Köln) 
Winfried Nachtwei 
Claudia Roth (Augsburg) 
Krista Säger 
Manuel Sarrazin 
Elisabeth Scharfenberg 
Irmingard Schewe-Gerigk 
Grietje Staffelt 
Silke Stokar von Neufom 
Dr. Wolfgang Strengmann- 
Kuhn 

Hans-Christian Ströbele 
Jürgen Trittin 
Wolfgang Wieland 

fraktionsloser 

Abgeordneter 

Gert Winkelmeier 

Nein 

CDU/CSU 

Ulrich Adam 
Ilse Aigner 
Peter Albach 
Peter Altmaier 
Thomas Bareiß 
Norbert Barthle 
Dr. Wolf Bauer 
Günter Baumann 
Emst-Reinhard Beck 
(Reutlingen) 

Veronika Bellmann 
Dr. Christoph Bergner 
Otto Bernhardt 
Clemens Binninger 
Renate Blank 
Antje Blumen thal 
Dr. Maria Böhmer 
Jochen Borchert 
Wolfgang Börnsen 
(Bönstmp) 

Wolfgang Bosbach 


Klaus Brähmig 
Michael Brand 
Helmut Brandt 
Dr. Ralf Brauksiepe 
Monika Brüning 
Georg Brunnhuber 
Cajus Caesar 
Gitta Connemann 
Leo Dautzenberg 
Hubert Deittert 
Alexander Dobrindt 
Thomas Dörflinger 
Marie-Luise Dött 
Maria Eichhorn 
Dr. Stephan Eisei 
Anke Eymer (Lübeck) 

Ilse Falk 

Dr. Hans Georg Faust 
Enak Ferlemann 
Ingrid Fischbach 
Hartwig Fischer (Göttingen) 
Dirk Fischer (Hamburg) 
Axel E. Fischer (Karlsmhe- 
Land) 

Dr. Maria Flachsbarth 
Klaus-Peter Flosbach 
Herbert Frankenhauser 
Dr. Hans-Peter Friedrich 
(Hof) 

Erich G. Fritz 
Jochen-Konrad Fromme 
Dr. Michael Fuchs 
Hans-Joachim Fuchtel 
Dr. Peter Gauweiler 
Dr. Jürgen Gehb 
Norbert Geis 
Eberhard Gienger 
Michael Glos 
Josef Göppel 
Peter Götz 
Dr. Wolfgang Götzer 
Ute Granold 
Reinhard Grindel 
Hermann Gröhe 
Michael Grosse-Brömer 
Markus Grübel 
Manfred Grund 
Monika Grütters 
Olav Gutting 
Holger Haibach 
Gerda Hasselfeldt 
Ursula Heinen 
Uda Carmen Freia Heller 
Michael Hennrich 
Jürgen Herrmann 
Bernd Heynemann 
Emst Hinsken 
Christian Hirte 
Robert Hochbaum 
Klaus Hofbauer 
F ranz- Josef Holzenkamp 
Joachim Hörster 
Anette Hübinger 
Hubert Hüppe 
Susanne Jaffke-Witt 
Dr. Peter Jahr 
Dr. Hans-Heinrich Jordan 
Andreas Jung (Konstanz) 

Dr. Franz Josef Jung 
Hans-Werner Kammer 


Steffen Kampeter 
Alois Karl 
Bernhard Kaster 
Siegfried Kauder (Villingen- 
Schwenningen) 

Volker Kauder 
Jürgen Klimke 
Julia Klöckner 
Jens Koeppen 
Dr. Kristina Köhler 
(Wiesbaden) 

Manfred Kolbe 
Norbert Königshofen 
Dr. Rolf Koschorrek 
Thomas Kossendey 
Günther Krichbaum 
Dr. Günter Krings 
Dr. Martina Krogmann 
Dr. Hermann Kues 
Dr. Karl A. Lamers 
(Heidelberg) 

Andreas G. Lämmel 
Dr. Norbert Lammert 
Helmut Lamp 
Katharina Landgraf 
Dr. Max Lehmer 
Paul Lehrieder 
Ingbert Liebing 
Eduard Lintner 
Patricia Lips 
Dr. Michael Luther 
Thomas Mahlberg 
Stephan Mayer (Altötting) 
Wolfgang Meckelburg 
Dr. Michael Meister 
Laurenz Meyer (Hamm) 
Maria Michalk 
Dr. h. c. Hans Michelbach 
Philipp Mißfelder 
Dr. Eva Möllring 
Marlene Mortler 
Carsten Müller 
(Braunschweig) 

Stefan Müller (Erlangen) 

Dr. Gerd Müller 

Michaela Noll 

Dr. Georg Nüßlein 

Franz Obermeier 

Eduard Oswald 

Henning Otte 

Rita Pawelski 

Ulrich Petzold 

Dr. Joachim Pfeiffer 

Sibylle Pfeiffer 

Beatrix Philipp 

Ronald Pofalla 

Ruprecht Polenz 

Daniela Raab 

Hans Raidel 

Dr. Peter Ramsauer 

Peter Rauen 

Eckhardt Rehberg 

Katherina Reiche (Potsdam) 

Klaus Riegert 

Dr. Heinz Riesenhuber 

Franz Römer 

Johannes Röring 

Dr. Norbert Röttgen 

Dr. Christian Ruck 

Albert Rupprecht (Weiden) 


Peter Rzepka 
Anita Schäfer (Saalstadt) 
Hermann- Josef Scharf 
Dr. Wolfgang Schäuble 
Hartmut Schauerte 
Dr. Annette Schavan 
Dr. Andreas Scheuer 
Karl Schiewerling 
Norbert Schindler 
Bernd Schmidbauer 
Christian Schmidt (Fürth) 
Andreas Schmidt (Mülheim) 
Ingo Schmitt (Berlin) 

Dr. Andreas Schockenhoff 
Dr. Oie Schröder 
Bernhard Schulte-Drüggelte 
Uwe Schummer 
Wilhelm Josef Sebastian 
Kurt Segner 
Marion Seib 
Thomas Silberhom 
Johannes Singhammer 
Erika Steinbach 
Christian Freiherr von Stetten 
Gero Storjohann 
Andreas Storm 
Max Straub inger 
Matthäus Streb 1 
Thomas Strobl (Heilbronn) 
Lena Strothmann 
Michael Stübgen 
Hans Peter Thul 
Antje Tillmann 
Arnold Vaatz 
Volkmar Uwe Vogel 
Andrea Astrid Voßhoff 
Gerhard Wächter 
Marco Wanderwitz 
Kai Wegner 
Marcus Weinberg 
Peter Weiß (Emmendingen) 
Gerald Weiß (Groß-Gerau) 
Ingo Wellenreuther 
Karl-Georg Wellmann 
Anette Widmann-Mauz 
Klaus-Peter Willsch 
Willy Wimmer (Neuss) 
Elisabeth Winkelmeier- 
Becker 

Wolfgang Zöller 
Willi Zylajew 

SPD 

Willi Brase 
Sönke Rix 
Rene Röspel 
Ottmar Schreiner 
Andreas Weigel 

FDP 

Otto Fricke 
Heinz-Peter Haustein 
Heinz Lanfermann 
Michael Link (Heilbronn) 
Patrick Meinhardt 

DIE LINKE 

Sevim Dagdelen 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25127 


Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse 


Heike Hänsel 
Ulla Jelpke 
Monika Knoche 
Elke Reinke 
Dr. Ilja Seifert 

BÜNDNIS 90/ 
DIE GRÜNEN 

Cornelia Behm 
Hans Josef Fell 


Katrin Göring-Eckardt 
Britta Haßelmann 
Thilo Hoppe 
Fritz Kuhn 
Renate Künast 
Markus Kurth 
Christine Scheel 
Dr. Gerhard Schick 
Dr. Harald Terpe 
Josef Philip Winkler 


fraktionsloser 

Abgeordneter 

Henry Nitzsche 

Enthalten 

SPD 


DIE LINKE 

Cornelia Hirsch 

BÜNDNIS 90/ 
DIE GRÜNEN 

Winfried Hermann 
Peter Hettlich 


Dr. Emst Dieter Rossmann Rainder Steenblock 


(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der FDP und 
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) 

Damit ist, liebe Kolleginnen und Kollegen, dieser Ta- 
gesordnungspunkt beendet. 

Ich rufe die Zusatzpunkte 5 und 6 auf: 

ZP 5 Beratung des Antrags der Fraktionen der CDU/ 
CSU und der SPD 

Zurückweisung des Einspruchs des Bundes- 
rates gegen das Gesetz zur Änderung der För- 
derung von Biokraftstoffen 

- Drucksachen I6/III3I, I6/II64I, 16/12465, 
16/12466, 16/13080, 16/13362, 16/13389- 

ZP 6 Beratung des Antrags der Fraktionen der CDU/ 
CSU und der SPD 

Zurückweisung des Einspruchs des Bundes- 
rates gegen das Gesetz zur Modernisierung 
von Verfahren im anwaltlichen und notariellen 
Berufsrecht, zur Errichtung einer Schlich- 
tungsstelle der Rechtsanwaltschaft sowie zur 
Änderung sonstiger Vorschriften 

- Drucksachen 16/11385, 16/12717, 16/13082, 
16/13363, 16/13390 - 

Der Präsident des Bundesrates hat schriftlich mitge- 
teilt, dass der Bundesrat in seiner Sitzung am 12. Juni 
2009 beschlossen hat, gegen das Gesetz zur Änderung 
der Förderung von Biokraftstoffen und gegen das Gesetz 
zur Modernisierung von Verfahren im anwaltlichen und 
notariellen Berufsrecht, zur Errichtung einer Schlich- 
tungsstelle der Rechtsanwaltschaft sowie zur Änderung 
sonstiger Vorschriften Einspruch einzulegen. Wir kom- 
men jetzt zu zwei namentlichen Abstimmungen über 
Anträge der Fraktionen der CDU/CSU und der SPD auf 
Zurückweisung von Einsprüchen des Bundesrates. 

Zunächst Abstimmung über den Antrag der Fraktionen 
der CDU/CSU und der SPD auf Zurückweisung des Ein- 
spruchs des Bundesrates gegen das Gesetz zur Änderung 
der Förderung von Biokraftstotfen, Drucksache 16/13389. 
Nach Art. 77 Abs. 4 Satz 1 des Grundgesetzes bedarf die 
Zurückweisung des Einspruchs des Bundesrates, der mit 
der Mehrheit seiner Stimmen erfolgt ist, der Mehrheit 
der Mitglieder des Deutschen Bundestages. Das sind 
mindestens 307 Stimmen. Wer den Einspruch zurück- 
weisen will, muss mit Ja stimmen. 


Zur Abstimmung liegen mehrere Erklärungen nach 
§31 der Geschäftsordnung vor.') 

Ich bitte nun die Schriftführerinnen und Schriftführer, 
die vorgesehenen Plätze einzunehmen. Ist das erfolgt? - 
Dann eröffne ich die Abstimmung. 

Haben alle Mitglieder des Hauses ihre Stimme abge- 
geben? - Das ist offensichtlich der Fall. Dann schließe 
ich die Abstimmung und bitte die Schriftführerinnen und 
Schriftführer, mit der Auszählung zu beginnen. Das Er- 
gebnis der Abstimmung wird Ihnen später bekanntgege- 
ben. 2) 

Wir kommen jetzt zu Zusatzpunkt 6: Abstimmung über 
den Antrag der Fraktionen der CDU/CSU und der SPD 
auf Zurückweisung des Einspruchs des Bundesrates ge- 
gen das Gesetz zur Modernisierung von Verfahren im an- 
waltlichen und notariellen Berufsrecht, zur Errichtung ei- 
ner Schlichtungsstelle der Rechtsanwaltschaft sowie zur 
Änderung sonstiger Vorschriften, Drucksache 16/13390. 
Nach Art. 77 Abs. 4 Satz 2 des Grundgesetzes bedarf die 
Zurückweisung des Einspruchs des Bundesrates, der mit 
zwei Dritteln seiner Stimmen beschlossen wurde, einer 
Mehrheit von zwei Dritteln, mindestens aber der Mehr- 
heit der Mitglieder des Deutschen Bundestages. Wer den 
Einspruch zurückweisen will, muss mit Ja stimmen. 

Ich bitte die Schriftführerinnen und Schriftführer, die 
vorgesehenen Plätze einzunehmen. Ist das erfolgt? - Das 
ist der Fall. Dann eröffne ich die Abstimmung. 

Haben alle Mitglieder des Hauses ihre Stimme abge- 
geben? - Das ist offensichtlich der Fall. Dann schließe 
ich die Abstimmung und bitte die Schriftführerinnen und 
Schriftführer, mit der Auszählung zu beginnen. Das Er- 
gebnis der Abstimmung wird Ihnen später bekannt gege- 
ben. 3) 

Wir setzen die Beratungen fort. 

Ich rufe die Tagesordnungspunkte 7 a bis 7 c auf: 

a) Zweite und dritte Beratung des von den Fraktionen 
der CDU/CSU und der SPD eingebrachten Ent- 
wurfs eines Gesetzes zur Angemessenheit der 
Vorstandsvergütung (VorstAG) 

-Drucksache 16/12278 - 


*) Anlagen 3 bis 5 

Ergebnis Seite 25 1 30 C 
Ergebnis Seite 25132 D 



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Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse 

Beschlussempfehlung und Bericht des Rechtsaus- 
schusses (6. Ausschuss) 

-Drucksache 16/13433 - 

B erichterstattung : 

Abgeordnete Dr. Jürgen Gehb 
Klaus Uwe Benneter 
Joachim Stünker 
Mechthild Dyckmans 
Wolfgang Neskovic 
Jerzy Montag 

b) Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- 
richts des Rechtsausschusses (6. Ausschuss) zu 
dem Antrag der Abgeordneten Mechthild 
Dyckmans, Dr. Karl Addicks, Christian Ahrendt, 
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP 

Professionalität und Effizienz der Aufsichts- 
räte deutscher Unternehmen verhessern 

-Drucksachen 16/10885, 16/13433 - 

B erichterstattung : 

Abgeordnete Dr. Jürgen Gehb 
Klaus Uwe Benneter 
Joachim Stünker 
Mechthild Dyckmans 
Wolfgang Neskovic 
Jerzy Montag 

c) Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- 
richts des Finanzausschusses (7. Ausschuss) zu 
dem Antrag der Abgeordneten Christine Scheel, 
Kerstin Andreae, Birgitt Bender, weiterer Abge- 
ordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN 

Exzesse hei Managergehältern verhindern 

-Drucksachen 16/12112, 16/13425- 

B erichterstattung : 

Abgeordnete Christine Scheel 

Nach einer interfraktionellen Vereinbarung ist für die 
Aussprache eine Stunde vorgesehen. - Ich höre keinen 
Widerspruch. Dann ist so beschlossen. 

Ich eröffne die Aussprache und erteile dem Kollegen 
Joachim Poß für die SPD-Fraktion das Wort. 

(Beifall bei der SPD) 

Joachim Poß (SPD): 

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Im An- 
schluss an die Debatte über das für uns alle sicherlich 
sehr bewegende Thema Patientenverfügung wenden wir 
uns jetzt einem anderen Thema zu, das man zwar nicht 
damit vergleichen kann, das aber in den letzten Jahren 
für große Aufregung in unserer Gesellschaft gesorgt hat: 
der Angemessenheit von Vorstandsvergütungen und Ma- 
nagergehältem. 

Dass die Managergehälter geradezu explodiert sind, 
ist nicht erst durch die Finanzkrise zu einem Problem ge- 
worden. Allerdings hat die Finanzkrise dieses Problem 
ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Nicht umsonst wird 


kritisiert, dass die Entlohnungspraxis der Banken in den (C) 
jüngsten Vorschlägen von US-Präsident Obama ausgespart 
wurde, und das, obwohl die irrwitzige Höhe der Bonus- 
zahlungen, wie die Ergebnisse vieler Untersuchungen 
gezeigt haben, einer der entscheiden Gründe dafür war, 
dass letztlich unverantwortliche Risiken eingegangen 
wurden. 

Nichtsdestotrotz wäre es zu kurz gegriffen, würde 
man den Blick nur auf die Finanzkrise richten. Seit rund 
15 Jahren vollzieht sich auch in Deutschland ein Prozess, 
in dessen Verlauf sich die Höhe der Managergehälter, 
insbesondere die Höhe der Vorstandsvergütungen, von der 
Höhe der Durchschnittseinkommen zunehmend abkoppelt. 

Die Kluft nimmt stetig zu. Betrug die Relation früher 
rund 20 : 1, so war bei den DAX-Vorstandsvorsitzenden 
bei Ausbruch der Krise im Durchschnitt ein Verhältnis 
von etwa 45 : 1 erreicht. 

Diese Entwicklung beunruhigt die Menschen. Dabei 
geht es nicht um Neid oder um eine emotionale Überreak- 
tion auf die aktuelle Finanzkrise. Nein, meine Damen 
und Herren, dieses Thema geht viel tiefer. Letztlich geht 
es um die Fragen, in was für einer Gesellschaft wir künf- 
tig leben wollen 

(Beifall bei der SPD sowie des Abg. Otto 
Bernhardt [CDU/CSU]) 

und wie das Produkt gemeinsamer Arbeit in unseren Unter- 
nehmen verteilt werden soll. 

Die Menschen spüren, dass etwas nicht stimmt, wenn 
viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer trotz Vollzeit- 
beschäfligung auf ergänzende Unterstützung angewiesen (D) 
sind, während gleichzeitig einige wenige, die an der Spitze 
stehen, millionenschwere Bonuszahlungen einstreichen. 

Um die soziale Akzeptanz unserer Wirtschaftsordnung zu 
gewährleisten, ist es erforderlich, dafür zu sorgen, dass 
Lohn und Leistung für alle Menschen in einem vernünf- 
tigen Verhältnis zueinander stehen. 

Wenn dieses Verhältnis grundlegend gestört ist und 
die üblichen Verfahren der Lohnfindung versagen, wie 
wir es zurzeit sowohl am oberen als auch am unteren 
Rand der Lohnskala erleben, ist der Gesetzgeber gefragt. 
Genau deshalb haben wir Sozialdemokraten uns stark für 
Mindestlöhne engagiert. Aus diesem Grund arbeiten wir 
seit Ende 2007 intensiv auf strengere gesetzliche Rege- 
lungen für Managergehälfer hin. 

(Beifall bei der SPD) 

Die heutige Verabschiedung dieses Gesetzes ist ein 
entscheidender Schritt auf diesem Weg. Die Beharrlich- 
keit, mit der wir dieses Thema verfolgt haben - zunächst 
intern und seit letztem Sommer in der Koalition -, hat 
sich gelohnt. Vor gerade einmal einem Jahr, als wir un- 
sere Vorschläge im Parteipräsidium der SPD beschlossen 
haben, haben viele noch gespottet. Heute werden wir die 
meisten dieser Vorschläge in Gesetzesform gießen. Dazu 
kommen einige weitere Maßnahmen, auf die wir uns in 
den gemeinsamen Beratungen der Koalition verständigen 
konnten. 

Insgesamt liegt jetzt ein Paket vor, das in der Anhörung 
des Rechtsausschusses Ende Mai bei den Experten von 



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Joachim Poß 

(A) Wissenschaft, Rechtsprechung und Gewerkschaften breite 
Zustimmung gefunden hat. Dabei wurde die vom Bundes- 
justizministerium geleistete Formulierungsarbeit beson- 
ders gelobt. Dieses Lob wollte ich jetzt eigentlich der 
Ministerin persönlich aussprechen. Das ist im Moment 
leider nicht möglich. 

(Alfred Hartenbach, Pari. Staatssekretär: Sie 
kommt gleich!) 

Ich bitte die Vertreter ihres Hauses, das weiterzugeben. 
Jedenfalls im Namen meiner Fraktion - ich nehme an, 
dass die CDU/CSU es nicht anders sieht - bedanke ich 
mich ausdrücklich für die gufe Formulierungsarbeif, die 
vom Haus geleistef wurde. 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

Die offenkundige Schwachstelle bei der Festsetzung 
der Vorstandsgehälter hat zuletzt Hilmar Köpper - der es 
wohl wissen muss - in der Zeit vom 10. Juni 2009 klar 
und deutlich benannt. Nach seiner Aussage sind die Auf- 
sichtsräte die eigentliche Schwachstelle. Ihnen obliegt es 
nach dem Aktiengesetz, für eine angemessene Vor- 
sfandsvergütung zu sorgen. Wir wollen auch, dass das so 
bleibt. Allerdings möchten wir in Zukunft von den Auf- 
sichtsräten mehr Transparenz, mehr Verantwortung und 
mehr Sensibilität bei der Vorstandsvergütung sehen. 

Dem Erreichen dieses Ziels dienen sämtliche Maß- 
nahmen dieses Gesetzes. Wir setzen gerade nicht den 
Gesetzgeber an die Stelle der Aufsichtsräte, wie in den 
Medien oft zu lesen war, sondern nehmen die Aufsichts- 
räte - das gilt für die Verfrefer der Arbeitnehmerseite 
ebenso wie für die Vertreter der Kapitalseite - in die 
Pflicht. Mitbestimmung heißt auch Mitverantwortung, 
gerade auch bei der Frage der Vorstandsvergütung. 

(Beifall bei der SPD) 

Wir wollen, dass mit geheimen Kungelrunden 
Schluss ist. Künftig muss der Aufsichtsrat als ganzes 
Gremium über die Vorstandsverträge entscheiden - und 
nicht mehr nur ein kleiner Präsidial- oder Personalaus- 
schuss. Das bedeutet mehr Verantwortung für jedes ein- 
zelne Aufsichtsratsmitglied, zumal wir zugleich deren 
individuelle Haftung für den Fall einer nicht angemessenen 
Vergütungsfestsetzung schärfer gefasst haben. 

Was unter einer angemessenen Vergütung zu verste- 
hen ist, wird stärker konkretisiert. Insbesondere wird 
klargestellt, dass sich die Vergütung am nachhaltigen 
Untemehmenserfolg ausrichten soll. Für variable Vergütun- 
gen soll eine mehrjährige Bezugsperiode gelten. Aktien- 
optionen sollen erst nach vier statt bisher zwei Jahren 
eingelöst werden können. Der Aufsichtsrat soll zudem 
eine Obergrenze für die variable Vergütung für außerge- 
wöhnliche Enfwicklungen festlegen. 

Durch die Vorschrift für den Aufsichtsrat, eine nach- 
trägliche Herabsetzung von Vorstandsvergütungen in 
dem Fall vorzunehmen, dass ein Unternehmen in wirt- 
schaftliche Schwierigkeiten gerät, wird der Aufsichtsrat 
verschärft in die Pflicht genommen. Auch ist künftig in 
einem Zeitraum von drei Jahren nach Ausscheiden eines 


Vorstandsmitglieds gegebenenfalls eine Herabsetzung (C) 
der Versorgungsbezüge möglich. 

Ein Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat des- 
selben Unternehmens soll erst nach einer Frist von zwei 
Jahren erlaubt sein; es sei denn, dass der Wechsel von 
Großaktionären - insbesondere bei Familiengesellschaf- 
ten - ausdrücklich gewünscht wird. 

Außerdem wollen wir, dass hohen Vorstandsgehältem 
in Zukunft auch ein höheres Haftungsrisiko bei Fehlver- 
halten gegenübersteht. 

(Beifall bei der SPD) 

Deshalb muss der Aufsichtsrat beim Abschluss sogenann- 
ter D&O-Versicherungen, die bei Schäden, die durch 
Fehlverhalten von Managern entstanden sind, eintreten, 
einen Selbstbehalt von mindestens anderthalb Jahresfix- 
gehältem vorsehen, der von den Vorständen selbst zu 
tragen ist. 

Schließlich fordern wir mehr Transparenz bei der indivi- 
duellen Gehaltsoffenlegung gegenüber den Anteilseignern 
sowie der Öffentlichkeit, insbesondere was die Versor- 
gungsbezüge angeht. 

Zudem sollen die Anteilseigener die Möglichkeit be- 
kommen, in der Hauptversammlung einen den Aufsichtsrat 
nicht bindenden Beschluss zu Vergütungsfragen zu fassen. 

Meine Damen und Herren, dieses in beharrlicher Arbeit 
entstandene Gesetz mit seinen vermeintlich kleinteiligen 
Änderungen des Aktien- und Handelsrechts mag auf den 
ersten Blick weniger ambitioniert wirken als manche 
schneidig vorgetragene Forderung nach einer gesetzlichen 
Deckelung der Gehälter. 

Ich verschweige auch nicht, dass wir Sozialdemokraten 
in diesem Gesetz gerne zwei weitere Maßnahmen unter- 
gebracht hätten: erstens eine Begrenzung des steuerlichen 
Betriebsausgabenabzugs für Vorstandsgehälter und Abfin- 
dungen oberhalb 1 Million Euro und zweifens die explizite 
und gleichrangige Verpflichtung der Unternehmen auf die 
Interessen von Anteilseignern, Mitarbeiterinnen und 
Mitarbeitern und auf das Wohl der Allgemeinheit. Es 
darf nicht, wie sich das in den letzten Jahren immer mehr 
breitgemacht hat, nur um den Shareholder- Value gehen! 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

Diese Ziele konnten wir in der Koalition jetzt nicht 
durchsetzen. Die SPD wird aber weiter dafür kämpfen. 

Ich bin überzeug!, dass das Gesefz, das heute vorliegt, 
dafür sorgen wird, dass in den Mitbestimmungsgremien 
über Managergehälter künftig viel offener und intensiver 
diskutiert werden muss. Wir alle, die Initiatoren wie die 
Kritiker dieses Gesetzes, haben es in der Hand, diese 
Diskussion in Zukunft immer wieder in die Öffentlichkeit 
und damit ins Bewusstsein der Menschen zu tragen. Nur 
durch Öffentlichkeit und Transparenz werden wir den 
- auch und gerade in den oberen Etagen - erforderlichen 
Mentalitätswechsel herbeiführen können. 

Ich betone: Der dringend erforderliche Mentalitäts- 
wechsel steht noch aus. Der Brief, mit dem die Auf- 
sichtsratsvorsitzenden zahlreicher DAX-Untemehmen 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Joachim Poß 

(A) das Gesetz in letzter Minute stoppen wollten, atmet noch 
genau den Geist der Arroganz und Ignoranz, der auch 
am Beginn der Finanzkrise stand und sich jetzt langsam 
wieder aus der Deckung wagt. Da dürfen wir als Politik 
nicht mitmachen. 

(Beifall bei der SPD) 

Dieser Geist, diese Mentalität spricht aus dem bereits 
erwähnten Interview in der Zeit, in dem Herr Köpper 
versucht, die Zahlung der Bonusmillionen an seine Bör- 
senhändler dadurch zu beschönigen, dass diese Menschen 
mit 50 Jahren zwar reich, aber leer seien. Wie kann eine 
Krankenschwester, ein Bauarbeiter, eine Erzieherin, die 
sich nach 30 Jahren harter Arbeit ohne jeden Bonus auch 
bisweilen leer fühlen mögen, einen solchen Satz anders 
empfinden als als blanken Hohn? 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der 
CDU/CSU) 

Ich würde mir wünschen, dass Herr Köpper dies noch 
einmal bedenkt, wenn er jetzt den Vorsitz im Aufsichts- 
rat der HSH Nordbank antritt. Dieses Gesetz wird auch 
ihn zwingen, Gehaltsfragen mit seinen Kolleginnen und 
Kollegen im Aufsichtsrat künftig offener und in dem Be- 
wussfsein größerer Verantwortung zu diskutieren. 

Ministerin Zypries ist jetzt da; so kann ich mich auch 
noch einmal persönlich für die hervorragende Arbeit ihres 


Hauses bedanken und die Erwartung äußern, dass die (C) 
Bundesregierung, wie sie es uns versprochen hat, den 
Corporate-Govemance-Kodex für Unternehmen in Bun- 
desbesitz bzw. mit Bundesbeteiligung - dieser Punkt ist 
im Kabinett zweimal abgesetzt worden - zügig vorlegt. 

Wir wollen ja nicht mit unterschiedlichen Maßstäben 
messen. Wir erwarten, dass da jetzt etwas kommt. 

Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen für die 
Aufmerksamkeit. 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

Vizepräsident Dr. h. c. Woifgang Thierse: 

Ich will zwischendurch zu Zusatzpunkt 5 zurückkom- 
men und das von den Schriftführerinnen und Schriftfüh- 
rern ermittelte Ergebnis der namentlichen Abstim- 
mnng über den Antrag der Fraktionen der CDU/CSU 
und SPD auf Zurückweisung des Einspruchs des Bun- 
desrats gegen das Gesetz zur Änderung der Förderung 
von Biokraftstoffen - das ist die Drucksache 16/13389 - 
bekannt geben: abgegebene Stimmen 558. Mit Ja haben 
gestimmt 384, mit Nein haben gestimmt 167, Enthaltun- 
gen 7. Der Antrag ist gemäß Art. 77 Abs. 4 Satz 1 des 
Grundgesetzes mit der erforderlichen Mehrheit ange- 
nommen. 


(B) Endgültiges Ergebnis 

Abgegebene Stimmen: 
davon 

ja: 

nein: 

enthalten: 

Ja 

CDU/CSU 

Ulrich Adam 
Ilse Aigner 
Peter Albach 
Peter Altmaier 
Thomas Bareiß 
Norbert Barthle 
Dr. Wolf Bauer 
Günter Baumann 
Emst-Reinhard Beck 
(Reutlingen) 

Dr. Christoph Bergner 
Otto Bernhardt 
Renate Blank 
Peter Bleser 
Antje Blumen thal 
Dr. Maria Böhmer 
Jochen Borchert 
Wolfgang Börnsen 
(Bönstmp) 

Wolfgang Bosbach 
Klaus Brähmig 
Helmut Brandt 


Dr. Ralf Brauksiepe 
556; Monika Brüning 

Georg Brunnhuber 
Gitta Connemann 
Leo Dautzenberg 
Hubert Deittert 
8 Alexander Dobrindt 
Thomas Dörflinger 
Marie-Luise Dött 
Maria Eichhorn 
Dr. Stephan Eisei 
Anke Eymer (Lübeck) 

Ilse Falk 

Dr. Hans Georg Faust 
Enak Ferlemann 
Ingrid Fischbach 
Hartwig Fischer (Göttingen) 
Axel E. Fischer (Karlsmhe- 
Land) 

Klaus-Peter Flosbach 
Herbert Frankenhauser 
Dr. Hans-Peter Friedrich 
(Hof) 

Erich G. Fritz 
Jochen-Konrad Fromme 
Dr. Michael Fuchs 
Hans-Joachim Fuchtel 
Dr. Peter Gauweiler 
Dr. Jürgen Gehb 
Norbert Geis 
Eberhard Gienger 
Peter Götz 
Dr. Wolfgang Götzer 
Ute Granold 


Reinhard Grindel 
Hermann Gröhe 
Michael Grosse-Brömer 
Markus Grübel 
Manfred Grund 
Monika Grütters 
Olav Gutting 
Holger Haibach 
Gerda Hasselfeldt 
Ursula Heinen 
Michael Hennrich 
Jürgen Herrmann 
Bernd Heynemann 
Emst Hinsken 
Christian Hirte 
Klaus Hofbauer 
Franz-Josef Holzenkamp 
Joachim Hörster 
Anette Hübinger 
Hubert Hüppe 
Susanne Jaffke-Witt 
Dr. Hans-Heinrich Jordan 
Andreas Jung (Konstanz) 

Dr. Franz Josef Jung 
Hans-Werner Kammer 
Steffen Kampeter 
Alois Karl 
Bernhard Kaster 
Siegfried Kauder (Villingen- 
Schwenningen) 

Volker Kauder 
Jürgen Klimke 
Julia Klöckner 


Dr. Kristina Köhler 
(Wiesbaden) 

Norbert Königshofen 
Dr. Rolf Koschorrek 
Thomas Kossendey 
Günther Krichbaum 
Dr. Günter Krings 
Dr. Martina Krogmann 
Dr. Hermann Kues 
Dr. Karl A. Lamers 
(Heidelberg) 

Andreas G. Lämmel 
Dr. Norbert Lammert 
Paul Lehrieder 
Ingbert Liebing 
Eduard Lintner 
Patricia Lips 
Dr. Michael Luther 
Thomas Mahlberg 
Stephan Mayer (Altötting) 
Wolfgang Meckelburg 
Dr. Michael Meister 
Laurenz Meyer (Hamm) 
Maria Michalk 
Dr. h. c. Hans Michelbach 
Philipp Mißfelder 
Dr. Eva Möllring 
Carsten Müller 
(Braunschweig) 

Stefan Müller (Erlangen) 
Dr. Gerd Müller 
Michaela Noll 
Henning Otte 
Rita Pawelski 


(D) 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse: 


Ulrich Petzold 

Sibylle Pfeiffer 

Beatrix Philipp 

Ronald Pofalla 

Ruprecht Polenz 

Daniela Raab 

Hans Raidel 

Dr. Peter Ramsauer 

Peter Rauen 

Eckhardt Rehberg 

Katherina Reiche (Potsdam) 

Klaus Riegert 

Dr. Heinz Riesenhuber 

Franz Römer 

Dr. Norbert Röttgen 

Dr. Christian Ruck 

Albert Rupprecht (Weiden) 

Peter Rzepka 

Anita Schäfer (Saalstadt) 

Hermann- Josef Scharf 

Dr. Wolfgang Schäuble 

Hartmut Schauerte 

Dr. Annette Schavan 

Dr. Andreas Scheuer 

Karl Schiewerling 

Bernd Schmidbauer 

Andreas Schmidt (Mülheim) 

Ingo Schmitt (Berlin) 

Dr. Andreas Schockenhoff 
Dr. Oie Schröder 
Bernhard Schulte-Drüggelte 
Uwe Schummer 
Wilhelm Josef Sebastian 
Kurt Segner 
Marion Seih 
Bernd Siebert 
Johannes Singhammer 
Erika Steinbach 
Gero Storjohann 
Andreas Storm 
Max Straub inger 
Matthäus Streb 1 
Lena Strothmann 
Michael Stübgen 
Hans Peter Thul 
Antje Tillmann 
Dr. Hans-Peter Uhl 
Arnold Vaatz 
Volkmar Uwe Vogel 
Andrea Astrid Voßhoff 
Gerhard Wächter 
Marco Wanderwitz 
Kai Wegner 
Marcus Weinberg 
Peter Weiß (Emmendingen) 
Gerald Weiß (Groß-Gerau) 
Ingo Wellenreuther 
Karl-Georg Wellmann 
Anette Widmann-Mauz 
Klaus-Peter Willsch 
Willy Wimmer (Neuss) 
Elisabeth Winkelmeier- 
Becker 

Dagmar Wöhrl 
Willi Zylajew 

SPD 

Dr. Laie Akgün 


Gregor Amann 
Dr. h. c. Gerd Andres 
Niels Annen 
Ingrid Arndt-Brauer 
Rainer Arnold 
Emst Bahr (Neuruppin) 
Doris Bamett 
Dr. Hans-Peter Bartels 
Klaus Barthel 
Sören Bartol 
Sabine Bätzing 
Dirk Becker 
Uwe Beckmeyer 
Klaus Uwe Benneter 
Ute Berg 
Petra Bierwirth 
Lothar Binding (Heidelberg) 
Volker Blumentritt 
Kurt Bodewig 
Clemens Bollen 
Gerd Bollmann 
Dr. Gerhard Botz 
Klaus Brandner 
Willi Brase 
Bernhard Brinkmann 
(Hildesheim) 

Edelgard Bulmahn 
Marco Bülow 
Ulla Burchardt 
Martin Burkert 
Dr. Michael Bürsch 
Christian Carstensen 
Marion Caspers-Merk 
Dr. Peter Danckert 
Karl Diller 
Martin Dörmann 
Dr. Carl-Christian Dressei 
Elvira Drobinski-Weiß 
Garreit Duin 
Detlef Dzembritzki 
Sebastian Edathy 
Siegmund Ehrmann 
Dr. h. c. Gemot Erler 
Petra Emstberger 
Karin Evers-Meyer 
Annette Faße 
Elke Ferner 
Gabriele Fograscher 
Rainer Fomahl 
Gabriele Frechen 
Dagmar Freitag 
Peter Friedrich 
Sigmar Gabriel 
Martin Gerster 
Iris Gleiche 
Renate Gradistanac 
Angelika Graf (Rosenheim) 
Dieter Grasedieck 
Kerstin Griese 
Achim Großmann 
Wolfgang Grotthaus 
Wolfgang Gunkel 
Hans-Joachim Hacker 
Bettina Hagedorn 
Klaus Hagemann 
Alfred Hattenbach 
Michael Hartmann 
(Wackernheim) 


Nina Hauer 
Hubertus Heil 
Dr. Reinhold Hemker 
Rolf Hempelmann 
Dr. Barbara Hendricks 
Gustav Herzog 
Petra Heß 

Gabriele Hiller-Ohm 
Stephan Hilsberg 
Petra Hinz (Essen) 

Gerd Höfer 

Iris Hoffmann (Wismar) 

Frank Hofmann (Volkach) 

Dr. Eva Högl 

Eike Hovermann 

Klaas Hübner 

Christel Humme 

Lothar Ibrügger 

Bmnhilde Irber 

Johannes Jung (Karlsmhe) 

Josip Juratovic 

Johannes Kahrs 

Ulrich Kasparick 

Dr. h. c. Susanne Kästner 

Ulrich Kelber 

Christian Kleiminger 

Hans-Ulrich Klose 

Astrid Klug 

Dr. Bärbel Kofler 

Fritz Rudolf Körper 

Karin Kortmann 

Rolf Kramer 

Anette Kramme 

Emst Kranz 

Nicolette Kressl 

Volker Kröning 

Angelika Krüger-Leißner 

Dr. Hans-Ulrich Krüger 

Jürgen Kucharczyk 

Helga Kühn-Mengel 

Ute Kumpf 

Dr. Uwe Küster 

Christine Lambrecht 

Christian Lange (Backnang) 

Waltraud Lehn 

Helga Lopez 

Gabriele Lösekmg-Möller 
Dirk Manzewski 
Lothar Mark 
Caren Marks 
Katja Mast 
Hilde Mattheis 
Markus Meckel 
Petra Merkel (Berlin) 

Ulrike Merten 
Dr. Matthias Miersch 
Ursula Mogg 
Detlef Müller (Chemnitz) 
Gesine Multhaupt 
Franz Müntefering 
Dr. Rolf Mützenich 
Andrea Nahles 
Dr. Erika Ober 
Thomas Oppermann 
Holger Ortei 
Heinz Paula 
Johannes Pflug 
Joachim Poß 


Christoph Pries 
Dr. Wilhelm Priesmeier 
Florian Pronold 
Dr. Sascha Raabe 
Mechthild Rawert 
Steffen Reiche (Cottbus) 
Gerold Reichenbach 
Dr. Carola Reimann 
Christel Riemann- 
Hanewinckel 
Walter Riester 
Sönke Rix 
Rene Röspel 

Dr. Emst Dieter Rossmann 
Karin Roth (Esslingen) 
Michael Roth (Heringen) 
Ortwin Runde 
Anton Schaaf 
Axel Schäfer (Bochum) 
Bernd Scheelen 
Marianne Schieder 
Otto Schily 

Ulla Schmidt (Aachen) 
Silvia Schmidt (Eisleben) 
Heinz Schmitt (Landau) 
Carsten Schneider (Erfurt) 
Ottmar Schreiner 
Reinhard Schultz 
(Everswinkel) 

Swen Schulz (Spandau) 
Ewald Schürer 
Frank Schwabe 
Dr. Angelica Schwall-Düren 
Dr. Martin Schwanholz 
Rolf Schwanitz 
Rita Schwarzelühr-Sutter 
Wolfgang Spanier 
Dr. Margrit Spielmann 
Jörg-Otto Spüler 
Dieter Steinecke 
Rolf Stöckel 
Christoph Strässer 
Dr. Peter Stmck 
Joachim Stünker 
Dr. Rainer Tabillion 
Jörg Tauss 
Jella Teuchner 
Dr. h. c. Wolfgang Thierse 
Jörn Thießen 
Franz Thönnes 
Rüdiger Veit 
Simone Violka 
Jörg Vogelsänger 
Dr. Marlies Volkmer 
Hedi Wegener 
Andreas Weigel 
Petra Weis 
Gunter Weißgerber 
Gert Weisskirchen 
(Wiesloch) 

Hildegard Wester 
Dr. Margrit Wetzel 
Andrea Wicklein 
Heidemarie Wieczorek-Zeul 
Dr. Dieter Wiefelspütz 
Engelbert Wistuba 
Dr. Wolfgang Wodarg 



25132 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse: 


Waltraud Wolff 
(Wolmirstedt) 

Heidi Wright 
Uta Zapf 
Manfred Zöllmer 
Brigitte Zypries 

Nein 

CDU/CSU 

Clemens Binninger 

Michael Brand 

Cajus Caesar 

Dr. Maria Flachsbarth 

Michael Glos 

Josef Goppel 

Dr. Peter Jahr 

Jens Koeppen 

Manfred Kolbe 

Helmut Lamp 

Dr. Max Lehmer 

Marlene Mortler 

Dr. Georg Nüßlein 

Franz Obermeier 

Dr. Joachim Pfeiffer 

Johannes Röring 

Norbert Schindler 

Thomas Silberhom 

Christian Freiherr von Stetten 

Thomas Strobl (Heilbronn) 

SPD 

Dr. Axel Berg 

FDP 

Jens Ackermann 
Dr. Karl Addicks 
Daniel Bahr (Münster) 

Uwe Barth 
Rainer Brüderle 
Angelika Brunkhorst 
Emst Burgbacher 
Patrick Döring 
Mechthild Dyckmans 
Jörg van Essen 
Ulrike Flach 
Otto Fricke 
Paul K. Friedhoff 
Horst Friedrich (Bayreuth) 
Dr. Edmund Peter Geisen 
Dr. Wolfgang Gerhardt 


Miriam Gmß 
Joachim Günther (Plauen) 
Dr. Christel Happach-Kasan 
Heinz-Peter Haustein 
Elke Hoff 
Birgit Homburger 
Michael Kauch 
Dr. Heinrich L. Kolb 
Hellmut Königshaus 
Gudrun Kopp 
Heinz Lanfermann 
Sibylle Laurischk 
Harald Leibrecht 
Sabine Leutheusser- 
Schnarrenberger 
Michael Link (Heilbronn) 
Dr. Erwin Lotter 
Patrick Meinhardt 
Jan Mücke 

Burkhardt Müller-Sönksen 
DirkNiebel 
Hans-Joachim Otto 
(Frankfurt) 

Detlef Parr 
Cornelia Pieper 
Gisela Piltz 
Frank Schäffler 
Dr. Konrad Schily 
Marina Schuster 
Dr. Hermann Otto Solms 
Dr. Max Stadler 
Dr. Rainer Stinner 
Carl-Ludwig Thiele 
Florian Toncar 
Christoph Waitz 
Dr. Guido Westerwelle 
Dr. Claudia Winterstein 
Dr. Volker Wissing 
Hartfrid Wolff (Rems-Murr) 

DIE LINKE 

Hüseyin-Kenan Aydin 
Dr. Dietmar Bartsch 
Karin Binder 
Eva Bulling-Schröter 
Dr. Martina Bunge 
Roland Claus 
Sevim Dagdelen 
Dr. Diether Dehrn 
Dr. Dagmar Enkelmann 
Klaus Ernst 
Diana Golze 


Dr. Gregor Gysi 
Heike Hänsel 
Lutz Heilmann 
Cornelia Hirsch 
Dr. Barbara Höll 
Ulla Jelpke 

Dr. Lukrezia Jochimsen 
Dr. Hakki Keskin 
Katja Kipping 
Monika Knoche 
Jan Körte 
Katrin Kunert 
Oskar Lafontaine 
Michael Leutert 
Ulrich Maurer 
Komelia Möller 
Kersten Naumann 
Wolfgang Neskovic 
Dr. Norman Paech 
Bodo Ramelow 
Elke Reinke 
Paul Schäfer (Köln) 

Dr. Herbert Schui 
Dr. Ilja Seifert 
Dr. Petra Sitte 
Frank Spieth 
Dr. Kirsten Tackmann 
Dr. Axel Troost 
Alexander Ulrich 
Jörn Wunderlich 

BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN 

Kerstin Andreae 

Marieluise Beck (Bremen) 

Cornelia Behm 

Birgitt Bender 

Alexander Bonde 

Ekin Deligöz 

Dr. Thea Dückert 

Dr. Uschi Eid 

Hans Josef Fell 

Kai Gehring 

Katrin Göring-Eckardt 

Britta Haßelmann 

Bettina Herlitzius 

Winfried Hermann 

Peter Hettlich 

Priska Hinz (Herbom) 

Ulrike Höfken 

Dr. Anton Hofreiter 

Bärbel Höhn 


Thilo Hoppe 
Ute Koczy 
Sylvia Kotting-Uhl 
Fritz Kuhn 
Renate Künast 
Undine Kurth (Quedlinburg) 
Markus Kurth 
Monika Lazar 
Anna Lührmann 
Nicole Maisch 
Jerzy Montag 
Kerstin Müller (Köln) 
Winfried Nachtwei 
Claudia Roth (Augsburg) 
Krista Säger 
Manuel Sarrazin 
Elisabeth Scharfenberg 
Christine Scheel 
Irmingard Schewe-Gerigk 
Dr. Gerhard Schick 
Grietje Staffelt 
Rainder Steenblock 
Silke Stokar von Neufom 
Dr. Wolfgang Strengmann- 
Kuhn 

Hans-Christian Ströbele 
Dr. Harald Terpe 
Jürgen Trittin 
Wolfgang Wieland 
Josef Philip Winkler 

fraktionslose 

Abgeordnete 

Henry Nitzsche 
Gert Winkelmeier 

Enthalten 

CDU/CSU 

Veronika Bellmann 
Uda Carmen Freia Heller 
Robert Hochbaum 
Katharina Landgraf 
Eduard Oswald 

SPD 

Gabriele Groneberg 
Marko Mühlstein 
Lydia Westrich 


Ich komme zu Zusatzpunkt 6 und gebe auch dazu das 
von den Schriftführerinnen und Schriftführern ermittelte 
Ergebnis der namentlichen Abstimmnng über den An- 
trag der Fraktionen der CDU/CSU und SPD auf Zurück- 
weisung des Einspruchs des Bundesrats gegen das Gesetz 
zur Modernisierung von Verfahren im anwaltlichen und 


notariellen Berufsrecht, zur Errichtung einer Schlich- 
tungsstelle der Rechtsanwaltschaft sowie zur Änderung 
sonstiger Vorschriften - das ist die Drucksache 16/13390 - 
bekannt: abgegebene Stimmen 549. Mit Ja haben ge- 
stimmt 548, mit Nein hat gestimmt einer - oder eine. 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25133 


Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse: 
(A) Endgültiges Ergebnis 

Abgegebene Stimmen: 


davon 

ja: 

nein: 

Ja 

CDU/CSU 

Ulrich Adam 
Ilse Aigner 
Peter Albach 
Thomas Bareiß 
Norbert Barthle 
Dr. Wolf Bauer 
Günter Baumann 
Emst-Reinhard Beck 
(Reutlingen) 

Veronika Bellmann 
Dr. Christoph Bergner 
Otto Bernhardt 
Clemens Binninger 
Renate Blank 
Peter Bleser 
Antje Blumen thal 
Dr. Maria Böhmer 
Jochen Borchert 
Wolfgang Börnsen 
(Bönstmp) 

Wolfgang Bosbach 
Klaus Brähmig 
Michael Brand 
Helmut Brandt 
(B) Dr. Ralf Brauksiepe 
Monika Brüning 
Georg Brunnhuber 
Cajus Caesar 
Gitta Connemann 
Leo Dautzenberg 
Hubert Deittert 
Alexander Dobrindt 
Thomas Dörflinger 
Marie-Luise Dött 
Maria Eichhorn 
Dr. Stephan Eisei 
Anke Eymer (Lübeck) 

Ilse Falk 

Dr. Hans Georg Faust 
Enak Ferlemann 
Ingrid Fischbach 
Hartwig Fischer (Göttingen) 
Axel E. Fischer (Karlsmhe- 
Land) 

Dr. Maria Flachsbarth 
Klaus-Peter Flosbach 
Herbert Frankenhauser 
Dr. Hans-Peter Friedrich 
(Hof) 

Erich G. Fritz 
Jochen-Konrad Fromme 
Dr. Michael Fuchs 
Hans-Joachim Fuchtel 
Dr. Peter Gauweiler 
Dr. Jürgen Gehb 
Norbert Geis 
Eberhard Gienger 
Josef Göppel 


Peter Götz 

549 ; Dr. Wolfgang Götzer 
Ute Granold 
Reinhard Grindel 
Hermann Gröhe 
Michael Grosse-Brömer 
Markus Grübel 
Manfred Grund 
Monika Grütters 
Olav Gutting 
Holger Haibach 
Gerda Hasselfeldt 
Ursula Heinen 
Uda Carmen Freia Heller 
Michael Hennrich 
Jürgen Herrmann 
Bernd Heynemann 
Emst Hinsken 
Christian Hirte 
Robert Hochbaum 
Klaus Hofbauer 
F ranz- Josef Holzenkamp 
Joachim Hörster 
Anette Hübinger 
Hubert Hüppe 
Susanne Jaffke-Witt 
Dr. Peter Jahr 
Dr. Hans-Heinrich Jordan 
Andreas Jung (Konstanz) 

Dr. Franz Josef Jung 
Hans-Werner Kammer 
Steffen Kampeter 
Alois Karl 
Bernhard Kaster 
Siegfried Kauder (Villingen- 
Schwenningen) 

Volker Kauder 
Jürgen Klimke 
Julia Klöckner 
Jens Koeppen 
Dr. Kristina Köhler 
(Wiesbaden) 

Manfred Kolbe 
Norbert Königshofen 
Dr. Rolf Koschorrek 
Thomas Kossendey 
Günther Krichbaum 
Dr. Günter Krings 
Dr. Martina Krogmann 
Dr. Hermann Kues 
Dr. Karl A. Lamers 
(Heidelberg) 

Andreas G. Lämmel 
Dr. Norbert Lammert 
Helmut Lamp 
Katharina Landgraf 
Dr. Max Lehmer 
Paul Lehrieder 
Ingbert Liebing 
Eduard Lintner 
Patricia Lips 
Dr. Michael Luther 
Thomas Mahlberg 
Stephan Mayer (Altötting) 
Wolfgang Meckelburg 
Dr. Michael Meister 
Laurenz Meyer (Hamm) 
Maria Michalk 


Dr. h. c. Hans Michelbach 
Philipp Mißfelder 
Dr. Eva Möllring 
Marlene Mortler 
Carsten Müller 
(Braunschweig) 

Stefan Müller (Erlangen) 

Dr. Gerd Müller 

Michaela Noll 

Dr. Georg Nüßlein 

Franz Obermeier 

Eduard Oswald 

Henning Otte 

Rita Pawelski 

Ulrich Petzold 

Dr. Joachim Pfeiffer 

Sibylle Pfeiffer 

Beatrix Philipp 

Ronald Pofalla 

Ruprecht Polenz 

Daniela Raab 

Hans Raidel 

Dr. Peter Ramsauer 

Peter Rauen 

Eckhardt Rehberg 

Katherina Reiche (Potsdam) 

Klaus Riegert 

Dr. Heinz Riesenhuber 

Franz Römer 

Johannes Röring 

Dr. Norbert Röttgen 

Dr. Christian Ruck 

Peter Rzepka 

Anita Schäfer (Saalstadt) 

Hermann- Josef Scharf 

Dr. Wolfgang Schäuble 

Hartmut Schauerte 

Dr. Annette Schavan 

Dr. Andreas Scheuer 

Karl Schiewerling 

Norbert Schindler 

Bernd Schmidbauer 

Christian Schmidt (Fürth) 

Andreas Schmidt (Mülheim) 

Ingo Schmitt (Berlin) 

Dr. Andreas Schockenhoff 
Dr. Oie Schröder 
Bernhard Schulte-Drüggelte 
Uwe Schummer 
Wilhelm Josef Sebastian 
Kurt Segner 
Marion Seib 
Bernd Siebert 
Thomas Silberhom 
Johannes Singhammer 
Erika Steinbach 
Christian Freiherr von Stetten 
Gero Storjohann 
Andreas Storm 
Max Straub inger 
Matthäus Streb 1 
Thomas Strobl (Heilbronn) 
Lena Strothmann 
Michael Stübgen 
Hans Peter Thul 
Antje Tillmann 
Dr. Hans-Peter Uhl 
Arnold Vaatz 


Volkmar Uwe Vogel 
Andrea Astrid Voßhoff 
Gerhard Wächter 
Marco Wanderwitz 
Kai Wegner 
Marcus Weinberg 
Peter Weiß (Emmendingen) 
Gerald Weiß (Groß-Gerau) 
Ingo Wellenreuther 
Karl-Georg Wellmann 
Anette Widmann-Mauz 
Klaus-Peter Willsch 
Willy Wimmer (Neuss) 
Elisabeth Winkelmeier- 
Becker 

Dagmar Wöhrl 
Willi Zylajew 

SPD 

Dr. Laie Akgün 
Gregor Amann 
Niels Annen 
Ingrid Arndt-Brauer 
Rainer Arnold 
Emst Bahr (Neuruppin) 
Doris Bamett 
Dr. Hans-Peter Bartels 
Klaus Barthel 
Sören Bartol 
Sabine Bätzing 
Dirk Becker 
Uwe Beckmeyer 
Klaus Uwe Benneter 
Dr. Axel Berg 
Ute Berg 
Petra Bierwirth 
Lothar Binding (Heidelberg) 
Volker Blumentritt 
Kurt Bodewig 
Clemens Bollen 
Gerd Bollmann 
Dr. Gerhard Botz 
Klaus Brandner 
Willi Brase 
Bernhard Brinkmann 
(Hildesheim) 

Edelgard Bulmahn 
Marco Bülow 
Ulla Burchardt 
Martin Burkert 
Dr. Michael Bürsch 
Christian Carstensen 
Marion Caspers-Merk 
Dr. Peter Danckert 
Karl Diller 
Martin Dörmann 
Dr. Carl-Christian Dressei 
Elvira Drobinski-Weiß 
Garreit Duin 
Detlef Dzembritzki 
Sebastian Edathy 
Siegmund Ehrmann 
Dr. h. c. Gemot Erler 
Petra Emstberger 
Karin Evers-Meyer 
Annette Faße 
Elke Ferner 
Gabriele Fograscher 



25134 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse: 


Rainer Fomahl 
Gabriele Frechen 
Dagmar Freitag 
Peter Friedrich 
Sigmar Gabriel 
Martin Gerster 
Iris Gleicke 
Renate Gradistanac 
Dieter Grasedieck 
Kerstin Griese 
Gabriele Groneberg 
Achim Großmann 
Wolfgang Grotthaus 
Wolfgang Gunkel 
Hans-Joachim Hacker 
Bettina Hagedorn 
Klaus Hagemann 
Alfred Hattenbach 
Michael Hartmann 
(Wackernheim) 

Nina Hauer 
Hubertus Heil 
Dr. Reinhold Hemker 
Rolf Hempelmann 
Dr. Barbara Hendricks 
Gustav Herzog 
Petra Heß 

Gabriele Hiller-Ohm 
Stephan Hilsberg 
Petra Hinz (Essen) 

Gerd Höfer 

Iris Hoffmann (Wismar) 

Frank Hofmann (Volkach) 

Dr. Eva Högl 

Eike Hovermann 

Klaas Hübner 

Christel Humme 

Lothar Ibrügger 

Brunhilde Irber 

Johannes Jung (Karlsruhe) 

Josip Juratovic 

Johannes Kahrs 

Ulrich Kasparick 

Dr. h. c. Susanne Kästner 

Ulrich Kelber 

Christian Kleiminger 

Hans-Ulrich Klose 

Astrid Klug 

Dr. Bärbel Koller 

Fritz Rudolf Körper 

Karin Kortmann 

Rolf Kramer 

Anette Kramme 

Emst Kranz 

Nicolette Kressl 

Völker Kröning 

Angelika Krüger-Leißner 

Dr. Hans-Ulrich Krüger 

Jürgen Kucharczyk 

Helga Kühn-Mengel 

Ute Kumpf 

Dr. Uwe Küster 

Christine Lambrecht 

Christian Lange (Backnang) 

Waltraud Lehn 

Helga Lopez 

Gabriele Lösekmg-Möller 
Dirk Manzewski 


Lothar Mark 
Caren Marks 
Katja Mast 
Hilde Mattheis 
Markus Meckel 
Petra Merkel (Berlin) 

Ulrike Merten 
Dr. Matthias Miersch 
Ursula Mogg 
Marko Mühlstein 
Detlef Müller (Chemnitz) 
Gesine Multhaupt 
Franz Müntefering 
Dr. Rolf Mützenich 
Andrea Nahles 
Dr. Erika Ober 
Thomas Oppermann 
Holger Ortei 
Heinz Paula 
Johannes Pflug 
Joachim Poß 
Christoph Pries 
Dr. Wilhelm Priesmeier 
Florian Pronold 
Dr. Sascha Raabe 
Mechthild Rawert 
Steffen Reiche (Cottbus) 
Gerold Reichenbach 
Christel Riemann- 
Hanewinckel 
Walter Riester 
Sönke Rix 
Rene Röspel 

Dr. Emst Dieter Rossmann 
Karin Roth (Esslingen) 
Michael Roth (Heringen) 
Ortwin Runde 
Marlene Rupprecht 
(Tuchenbach) 

Anton Schaaf 
Axel Schäfer (Bochum) 
Bernd Scheelen 
Marianne Schieder 
Otto Schily 

Ulla Schmidt (Aachen) 
Silvia Schmidt (Eisleben) 
Heinz Schmitt (Landau) 
Carsten Schneider (Erfurt) 
Ottmar Schreiner 
Reinhard Schultz 
(Everswinkel) 

Swen Schulz (Spandau) 

Ewald Schürer 

Frank Schwabe 

Dr. Angelica Schwall-Düren 

Dr. Martin Schwanholz 

Rolf Schwanitz 

Rita Schwarzelühr-Sutter 

Wolfgang Spanier 

Dr. Margrit Spielmann 

Jörg-Otto Spüler 

Dieter Steinecke 

Rolf Stöckel 

Christoph Strässer 

Dr. Peter Stmck 

Dr. Rainer Tabillion 

Jörg Tauss 

Jella Teuchner 


Dr. h. c. Wolfgang Thierse 
Jörn Thießen 
Franz Thönnes 
Rüdiger Veit 
Simone Violka 
Jörg Vogelsänger 
Dr. Marlies Volkmer 
Hedi Wegener 
Andreas Weigel 
Petra Weis 
Gunter Weißgerber 
Gert Weisskirchen 
(Wiesloch) 

Hildegard Wester 
Lydia Westrich 
Dr. Margrit Wetzel 
Andrea Wicklein 
Dr. Dieter Wiefelspütz 
Engelbert Wistuba 
Dr. Wolfgang Wodarg 
Waltraud Wolff 
(Wolmirstedt) 

Heidi Wright 
Uta Zapf 
Manfred Zöllmer 
Brigitte Zypries 

FDP 

Jens Ackermann 
Dr. Karl Addicks 
Daniel Bahr (Münster) 

Uwe Barth 
Rainer Brüderle 
Angelika Brunkhorst 
Emst Burgbacher 
Patrick Döring 
Mechthild Dyckmans 
Jörg van Essen 
Ulrike Flach 
Otto Fricke 
Paul K. Friedhoff 
Horst Friedrich (Bayreuth) 
Dr. Edmund Peter Geisen 
Dr. Wolfgang Gerhardt 
Miriam Gruß 
Joachim Günther (Plauen) 
Dr. Christel Happach-Kasan 
Heinz-Peter Haustein 
Elke Hoff 
Birgit Homburger 
Michael Kauch 
Dr. Heinrich L. Kolb 
Hellmut Königshaus 
Gudrun Kopp 
Heinz Lanfermann 
Sibylle Laurischk 
Harald Leibrecht 
Sabine Leutheusser- 
Schnarrenberger 
Michael Link (Heilbronn) 
Dr. Erwin Lotter 
Patrick Meinhardt 
Jan Mücke 

Burkhardt Müller-Sönksen 
DirkNiebel 
Hans-Joachim Otto 
(Frankfurt) 


Cornelia Pieper 

Gisela Piltz 

Frank Schäffler 

Dr. Konrad Schily 

Marina Schuster 

Dr. Hermann Otto Solms 

Dr. Max Stadler 

Dr. Rainer Stinner 

Carl-Ludwig Thiele 

Florian Toncar 

Christoph Waitz 

Dr. Guido Westerwelle 

Dr. Claudia Winterstein 

Dr. Volker Wissing 

Hartfrid Wolff (Rems-Murr) 

DIE LINKE 

Hüseyin-Kenan Aydin 
Dr. Dietmar Bartsch 
Karin Binder 
Eva Bulling-Schröter 
Dr. Martina Bunge 
Roland Claus 
Sevim Dagdelen 
Dr. Diether Dehrn 
Dr. Dagmar Enkelmann 
Klaus Ernst 
Diana Golze 
Dr. Gregor Gysi 
Heike Hänsel 
Lutz Heilmann 
Cornelia Hirsch 
Dr. Barbara Höll 
Ulla Jelpke 

Dr. Lukrezia Jochimsen 
Dr. Hakki Keskin 
Katja Kipping 
Monika Knoche 
Jan Körte 
Oskar Lafontaine 
Michael Leutert 
Ulrich Maurer 
Komelia Möller 
Kersten Naumann 
Wolfgang Neskovic 
Dr. Norman Paech 
Bodo Ramelow 
Elke Reinke 
Paul Schäfer (Köln) 

Volker Schneider 
(Saarbrücken) 

Dr. Herbert Schui 
Dr. Ilja Seifert 
Dr. Petra Sitte 
Frank Spieth 
Dr. Kirsten Tackmann 
Dr. Axel Troost 
Alexander Ulrich 
Jörn Wunderlich 

BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN 

Kerstin Andreae 
Marieluise Beck (Bremen) 
Cornelia Behm 
Birgitt Bender 
Alexander Bonde 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25135 


Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse: 


(A) Ekin Deligöz 

Dr. Thea Dückert 
Dr. Uschi Eid 
Hans Josef Fell 
Kai Gehring 
Katrin Göring-Eckardt 
Britta Haßelmann 
Bettina Herlitzius 
Winfried Hermann 
Peter Hettlich 
Priska Hinz (Herbom) 
Ulrike Höfken 
Dr. Anton Hofreiter 
Bärbel Höhn 


Thilo Hoppe 

Ute Koczy 

Sylvia Kotting-Uhl 

Fritz Kuhn 

Renate Künast 

Undine Kurth (Quedlinburg) 

Markus Kurth 

Monika Lazar 

Anna Lührmann 

Nicole Maisch 

Jerzy Montag 

Kerstin Müller (Köln) 

Winfried Nachtwei 

Claudia Roth (Augsburg) 


Krista Säger 
Manuel Sarrazin 
Elisabeth Scharfenberg 
Christine Scheel 
Irmingard Schewe-Gerigk 
Dr. Gerhard Schick 
Grietje Staffelt 
Rainder Steenblock 
Silke Stokar von Neufom 
Dr. Wolfgang Strengmann- 
Kuhn 

Hans-Christian Ströbele 
Dr. Harald Terpe 
Jürgen Trittin 


Wolfgang Wieland 
Josef Philip Winkler 

fraktionsloser 

Abgeordneter 

Gert Winkelmeier 


Nein 

fraktionsloser 

Abgeordneter 

Henry Nitzsche 


(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der 
CDU/CSU) 

Der Antrag ist mit der gemäß Art. 77 Abs. 4 Satz 2 des 
Grundgesetzes erforderlichen Mehrheit angenommen. 

So weit die Unterbrechung dieses Tagesordnungs- 
punktes. Jetzt fahren wir fort mit dem Kollegen Hartfrid 
Wolff für die FDP-Fraktion. 

(Beifall bei der FDP) 

Hartfrid Wolff (Rems-Murr) (FDP): 

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Freiheit 
und Verantwortung zusammenzubringen, ist die wesent- 
(B) liehe Herausforderung unserer Gesellschaft - auch in- 
nerhalb der aktuellen wirtschaftlichen Situation. Herr 
Kollege Poß, Staatsdirigismus ist der falsche Weg. Er ist 
ineffektiv und widerspricht der sozialen Marktwirt- 
schaft. 

(Joachim Stünker [SPD]: Oh!) 

Es gilt eindeutig, Exzesse, wie sie in der Bankenkrise 
sichtbar wurden, zukünftig zu verhindern. Es gilt aber 
auch, an den Grundwerten der sozialen Marktwirtschaft 
festzuhalten. 

(Joachim Poß [SPD]: Machen wir ja!) 

Die soziale Marktwirtschaft lebt von der Vertragsfreiheit 
und der Verantwortungsübemahme für unsere Gesell- 
schaft. Jeder, der ein Unternehmen gründet oder ein Un- 
ternehmen leitet, hat Verantwortung für seine Mitarbei- 
ter, seine Vertragspartner und seine Umwelt. Diese 
Verantwortung gilt es zu stärken. 

(Beifall bei der FDP) 

Deshalb ist der Grundsatz richtig, auch bei Vergü- 
tungsstrukturen oder bei der Kontrolle der Manager auf 
nachhaltige, längerfristige Ziele zu setzen. Kurzfristiges, 
allein am Aktienkurs ausgerichtetes Denken ist ein ver- 
fehltes Modell. 

(Beifall bei der FDP) 

Das Bild des verantwortlich Handelnden, des am Eigen- 
tümerinteresse ausgerichteten Untemehmenslenkers, 
wie bei einem Familienuntemehmen, ist zukunftswei- 


send. Wir brauchen diejenigen, die bereit sind, Verant- 
wortung zu übernehmen. Ihnen darf diese Tätigkeit auch 
nicht verbaut werden. 

Einige der Ansatzpunkte in dem Gesetzentwurf gehen 
in die richtige Richtung. Die CDU/CSU-SPD-Koalition 
setzt aber zu sehr auf staatliche Eingriffsmechanismen. 

(Dr. Max Stadler [FDP]: Wie immer!) 

Die FDP geht einen anderen Weg. Wir wollen den Ei- 
gentümer stärken. 

(Beifall bei der FDP) 

Der Eigentümer oder der Anteilseigner eines Unterneh- 
mens zahlt die Vorstandsvergütungen. Er ist auf eine ef- 
fiziente Kontrolle des Vorstands durch den Aufsichtsrat 
und vor allem auf transparente Vergütungsstrukturen an- 
gewiesen. Der Gesetzentwurf hierzu ist ernüchternd. 

(Lachen des Abg. Joachim Stünker [SPD]) 

In der gesamten Diskussion muss klar getrennt wer- 
den zwischen den Unternehmen, die in der letzten Zeit 
Staatshilfen in Anspruch genommen haben, und den Un- 
ternehmen, die die Finanz- und Wirtschaftskrise nicht 
zuletzt durch ein gutes Management aus eigener Kraft 
überstehen. Zu Recht unterliegen Unternehmen des Fi- 
nanzsektors, die Stabilisierungsmaßnahmen des Staates 
nach dem Finanzmarktstabilisierungsgesetz in Anspruch 
nehmen, besonderen Anforderungen. Es ist in der Öf- 
fentlichkeit nicht vermittelbar, dass Banken, die hohe 
Verluste gemacht haben und sich unter den Schutzschirm 
des Staates begeben, weiterhin hohe Boni an ihre Mitar- 
beiter zahlen. 

Hohe Gehälter, ein hoher Bonus, hohe Abfindungen 
trotz Managementfehlem: Hier muss im Rahmen des 
Dienstverhältnisses klar nachjustiert werden. Korrektu- 
ren sind erforderlich. Verträge ohne entsprechende Vor- 
gaben sollten der Vergangenheit angehören. Genau datür 
brauchen wir mehr Transparenz und mehr Mitentschei- 
dungsmöglichkeiten der Eigentümer oder der Anteilseig- 
ner. 

(Beifall bei der FDP) 

Ihnen gehört die Gesellschaft. Sie zahlen die Vergütun- 
gen und die Aufwendungen und brauchen mehr Rechte. 



25136 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Hartfrid Wolff (Rems-Murr) 

(A) Nach Auffassung der FDP soll deshalb die Hauptver- 
sammlung die Grundsätze der Vergütungsstruktur für die 
Untemehmensführung und die Leitlinien für Manager- 
gehälter bei börsennotierten Unternehmen zukünftig 
selbst festsetzen können. 

(Beifall bei der FDP) 

Unverbindliche Beschlüsse, wie sie die Koalition vor- 
sieht, helfen nicht weiter. Die Hauptversammlung muss 
letztendlich mit einfacher Mehrheit auch über die Veröf- 
fentlichung der Gehälter entscheiden können. 

(Rainer Brüderle [FDP]: Richtig!) 

Die Gesamtbezüge des einzelnen Vorstandsmitglieds 
müssen bereits nach geltendem Recht in einem angemes- 
senen Verhältnis zu seinen Aufgaben und zur Lage der 
Gesellschaft stehen. Die Koalition will durch ihren Ge- 
setzentwurf nun noch zusätzlich festlegen, dass die übli- 
che Vergütung nicht ohne besondere Gründe überschrit- 
ten werden darf Eine solche übliche Vergütung gibt es 
nicht. Gilt hier, was in der angloamerikanischen Wirt- 
schaft oder vielleicht sogar in der chinesischen Wirt- 
schaft üblich ist? Müssen hier wieder viele Berater be- 
auftragt werden, um die übliche Vergütung feststellen zu 
können? Diese Vorgabe ist schlichtweg unbestimmt. 

Klar ist: Es ist nicht die Aufgabe des Staates, zu be- 
stimmen, welche Leistung einer Person für ein Unter- 
nehmen wie viel wert ist. Wir begrüßen ausdrücklich, 
dass in Zukunft der gesamte Aufsichtsrat Verantwortung 
für die Vörstandsgehälter übernehmen muss. Gerade bei 
Aktienoptions- und Bonimodellen sind in der Vergan- 

(B) genheit Fehler gemacht worden, die für die Unterneh- 
men zum Teil zu unkalkulierbaren Risiken geführt ha- 
ben. Vergütungsmodelle müssen daher stärker am 
dauerhaften Erfolg des Unternehmens ausgerichtet wer- 
den. 

(Beifall bei der FDP) 

Der Aufsichtsrat ist Anwalt der Eigentümer. Insofern 
ist eine Stärkung der Aufsichtsräte richtig. Das Ver- 
trauen in diese internen Kontrolleure muss wachsen. Die 
Unabhängigkeit und Professionalität der Aufsichtsräte 
ist dabei entscheidend. Sie müssen die Möglichkeit er- 
halten, ihr Mandat wirksam ausüben zu können. Deshalb 
befürwortet die FDP zum Beispiel eine klare Begren- 
zung der Zahl der Aufsichtsratsmandate und für kapital- 
marktorientierte Unternehmen auch eine klare Karenz- 
zeit zwischen einer Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender 
und einer späteren Tätigkeit im Aufsichtsrat. Interessen- 
kollisionen dürfen nicht auftreten. 

(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

Hier ist die Koalition schlicht zu weich. 

Die Einschränkung, wonach die Karenzzeit für bishe- 
rige Vorstandsmitglieder nicht gelten soll, wenn der Vor- 
schlag von Aktionären gemacht wird, die mindestens 
25 Prozent der Stimmrechte halten, dürfte die Regel zur 
Ausnahme machen. Das Quorum ist so niedrig gewählt, 
dass diese Regelung vermutlich ins Leere läuft. 

(Dr. Max Stadler [FDP]: So ist es!) 


Die Haftung der Vorstände von Kapitalgesellschaften (C) 
ist in Deutschland bereits unmissverständlich geregelt 
und im internationalen Vergleich sehr weitgehend. Ent- 
scheidend ist, dass eventuelle Ansprüche tatsächlich gel- 
tend gemacht werden. 

(Dr. Jürgen Gehb [CDU/CSU]: Das ist das 
Hauptproblem!) 

Auch hierfür ist ein unabhängiger professioneller Auf- 
sichtsrat erforderlich. Der vorgesehene Selbstbehalt bei 
der Managerhaftung ist dabei eher ein wirkungsloses In- 
strument, wenn es darum geht, die persönliche Haftung 
zu erhöhen. 

Mit dem Corporate Govemance Kodex von 2001 ist 
ein Weg gewählt worden, mit dem flexibel auf aktuelle 
Entwicklungen reagiert werden kann. Mit der Entspre- 
chenserklärung nach § 161 Aktiengesetz ist eine ver- 
bindliche Form gefunden worden, Transparenz über die 
Firmenpolitik zu schaffen. Dieses flexible Instrument 
darf in Zukunft nicht entwertet werden. Leider haben Sie 
aber den Weg dahin durch den Gesetzentwurf zum Teil 
schon eingeschlagen. 

Unter Abwägung all dieser Aspekte bleibt für die 
FDP nur der Schluss, dass der Gesetzentwurf nicht ge- 
eignet ist, die erkannten Probleme wirksam anzugehen. 

In einigen Bereichen geht der Gesetzentwurf deutlich zu 
weit, in anderen ist er etwas zu zaghaft. Die Stärkung der 
Eigentümerrechte und der Unabhängigkeit, die Profes- 
sionalisierung der Aufsichtsräte und die Anerkennung 
des Corporate Govemance Kodex werden im Koalitions- 
entwurf vernachlässigt. Deshalb lehnt die FDP den Ge- 
setzentwurf ab. ^ 

(Beifall bei der FDP) 

Vizepräsident Dr. h. c. Woifgang Thierse: 

Das Wort hat nun Kollege Jürgen Gehb für die CDU/ 
CSU-Fraktion. 

Dr. Jürgen Gehb (CDU/CSU): 

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die De- 
batte zu diesem Thema kann man hochemotional aus 
dem Bauch oder rational mit kühlem Kopf und klarem 
Verstand führen. 

(Hartfrid Wolff [Rems-Murr] [FDP]: Letzteres 
ist viel besser, Herr Kollege!) 

Leider wird sie von einigen nur geführt, um den Bauch 
zu bedienen, und das insbesondere auf Parteitagen, um 
sich dann genussvoll im Applaus des Parteivolks zu son- 
nen. 

Ich könnte jetzt auch von diesem Platz aus donnernd 
die Zuschauer auf den Besucherrängen und vor dem 
Fernsehgerät oder ganz allgemein die Bürger fragen: 

(Irmingard Schewe-Gerigk [BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN]: Ja! Bitte schön!) 

Finden Sie es richtig, dass die Chefs von Eon oder 
Porsche oder auch die Fußballspieler Ronaldo und 
Ibrahimovic so hohe Gehälter bekommen? Finden Sie 
das in Ordnung? Ist das gerecht? 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25137 


Dr. Jürgen Gehb 

(A) Das findet sicherlich keiner gerecht. Nicht nur jeder 
Normalverdiener, sondern jeder Normalsterbliche wird 
das unglaublich, irrsinnig, aberwitzig, verrückt oder un- 
anständig finden. Das haben wir alles schon gehört. Es 
ist richtig: Das ist irrwitzig und aberwitzig. Ist es aber 
die Aufgabe des Gesetzgebers, überall für die Mores 

- für Sitte und Anstand - zu sorgen? Ich glaube, das ist 
nicht seine Aufgabe. 

Ich teile die Empörung und habe Verständnis dafür. 
Nicht nur ich, sondern auch Industrieführer und Reprä- 
sentanten des Handwerks haben dafür Verständnis. Aber 
eine gesetzliche Begrenzung oder Festlegung von Mana- 
gergehältem ist bisher nicht vorgesehen und soll auch 
nicht vorgesehen werden. 

Deshalb will ich das Refrainspielchen des Kanzler- 
kandidaten der SPD beim letzten Parteitag 

(Joachim Poß [SPD]: Was erzählen Sie denn 
da?) 

nach dem Muster „,War der Kasper schon da?‘ - Das 
Volk ruft: ,Ja!“‘ in einem Punkt korrigieren. Steinmeier 
fragt: „Wer hat sich die Begrenzung der Managergehäl- 
ter ausgedacht?“ - Die SPD antwortet: „Die SPD!“ 

(Gabriele Frechen [SPD]: Genau!) 

- Richtig. - Steinmeier fragt weiter: „Wer hat sie durch- 
gesetzt?“ - Das Volk grölt wieder: „Die SPD!“ - Gott sei 
Dank ist das nicht richtig. 

Herr Poß, Sie haben heute selbst gesagt, dass Sie als 
Gesetzgeber keine Festsetzung und keine Begrenzung 

(B) haben wollen. Sie wollen die Rahmenbedingungen und 
die Gesichtspunkte, nach denen sich ein Aufsichtsrat zu 
richten hat, ändern. 

(Joachim Poß [SPD]: Ich habe nie etwas ande- 
res gesagt!) 

Die Spanier und der Präsident von Real Madrid, Herr 
Perez, wollen nicht, dass das spanische Parlament das 
Gehalt von Ronaldo festsetzt. 

(Dr. Barbara Höll [DIE LINKE]: Der ist auch 
kein Manager! Der ist Fußballspieler!) 

Auch wir wollen nicht, dass den Fußballspielern, Opern- 
sängern oder Vorstandsmitgliedern von uns gesagt wird, 
wie viel sie zu verdienen haben. Das können wir bei den 
Beamten und den Beschäftigten des öffentlichen Diens- 
tes machen, aber nicht in der freien Wirtschaft. 

(Beifall bei der CDU/CSU - Dr. Barbara 
Hendricks [SPD]: Das haben wir auch nie ver- 
langt!) 

Allerdings - da gebe ich Ihnen recht - macht uns das, 
was sich insbesondere durch die Finanzkrise gezeigt hat, 
nicht blind vor der Notwendigkeit, das gegenwärtige Re- 
gelwerk des Aktiengesetzes, § 87 Abs. 1 und Abs. 2 
etwa, zu konkretisieren, ln der Zeitung liest man dau- 
ernd, dass die Haftung der Vorstände mit dem neuen Ge- 
setz verschärft wird. Das halte ich für ein Märchen. 
Meine Damen und Herren, wir haben de lege lata schon 
die schärfste Haftung auf der ganzen Welt, ln § 93 des 
Aktiengesetzes steht: Die Vorstände haben die Sorgfalt 


des gewissenhaften Geschäftsleiters anzuwenden. - Es (C) 
handelt sich also nicht um die übliche Sorgfalt in eige- 
nen Angelegenheiten, die berühmte diligentia quam in 
suis - es geht darum, nicht wie ein Hallodri zu Hause al- 
les herumliegen zu lassen es handelt sich um eine 
scharfe Haftung bei jeder Form des Verschuldens. Daran 
ändern wir gar nichts. 

Sie haben den Nagel auf dem Kopf getroffen, Herr 
Kollege von der FDP. Die Schwachstelle ist im Grunde 
genommen die Frage, wer die Haftung geltend macht. 

Die Aufsichtsräte müssten sie geltend machen. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Es gibt das alte Sprichwort: Wo kein Kläger, da kein 
Richter. - Es kommt also auch auf die Besetzung der 
Aufsichtsräte an. Ich habe schon in der ersten Lesung 
gesagt, dass es in diesem Kartell zum Teil inzestuöse 
Merkmale gibt. Da sagt der eine: Beißt du mich nicht, 
beiß ich dich nicht. - Das ist eindeutig eine der 
Schwachstellen. An die sind wir natürlich nicht herange- 
gangen. 

(Dr. Barbara Höll [DIE LINKE]: Ach?) 

Das ist auch nicht so leicht; denn es gibt gesetzliche 
und verfassungsrechtliche Begrenzungen. Alles andere 
ist eine Konkretisierung der gegenwärtigen Gesetzes- 
lage, die ich für richtig halte. Sie hebelt unsere Privat- 
autonomie weiß Gott nicht aus. 

Ich bin der Letzte, der sagt, dass ein Gesetz dann gut 
ist, wenn es keinem gefällt. Hier muss man aber sagen: 

Dem einen geht es zu weit, dem anderen geht es nicht (D) 
weit genug. Wahrscheinlich haben wir mit dem Mittel- 
weg eine Lösung gefunden, die dem Problem immerhin 
auf den Pelz rückt. Ich bin weit davon entfernt, zu glau- 
ben, dass wir die Auswüchse, die wir zu beklagen haben, 
mit diesem Gesetz auf null reduzieren. Wir können sie 
aber minimieren. 

Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich schützend 
vor die 14 000 Aktiengesellschaften stellen, die nicht 
alle Blutegel sind, die alle aussaugen; so habe ich das 
neulich in einer Presseerklärung gelesen. Warum stehen 
wir denn nach 60 Jahren so gut da? Erstens haben wir 
fleißige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Zweitens 
haben wir überwiegend - mindestens zu 95 Prozent - 
anständige Lenker und Denker in den Unternehmen, die 
dazu beigetragen haben, dass Deutschland ein prosperie- 
rendes Gemeinwesen ist. 

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP) 

Deswegen sollten wir aufpassen, dass wir das Kind 
nicht mit dem Bade ausschütten, unseren inneren Kom- 
pass nicht verlieren und das Koordinatensystem nicht 
restlos aus der Balance bringen. Ich finde, wir haben 
eine Regelung mit einer Langzeitanreizwirkung getrof- 
fen. Es ist nicht so, dass der Topmanager des 
Jahres 2009 garantiert deijenige ist, dessen Unterneh- 
men 2010 den Bach runtergeht - Stichwort: Strohfeuer -, 
weil die Aktienoptionen und die hohen Buchgewinne 
schnell realisiert wurden. Statt zwei Jahre sind es nun 
vier Jahre. Das ist ein kleiner Dämpfer. 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Dr. Jürgen Gehb 

Wir haben auch gesagt: Wenn die Leute rausgeflogen 
sind und die Kurse steigen, werden nicht schon nach ei- 
nem Jahr Boni ausgezahlt. - Denn jetzt gibt es eine Be- 
messungsgrundlage von drei Jahren. Das alles kann man 
doch nicht für schlecht halten. Das hat die Koalition her- 
vorragend hinbekommen. 

Herr Poß, wir wollten eben keine steuerliche Decke- 
lung bei der Auszahlung von Managergehältem. Wir 
wollten auch nicht sozusagen in einer Präambel zum Ak- 
tiengesetz den eher schwer justiziablen Begriff „ein Un- 
ternehmen zum Wohle der Allgemeinheit führen“ veran- 
kern. Das mag sich alles gut anhören. 

Aber das würde wiederum die Privatautonomie - wie 
wir finden: auf verfassungsrechtlich bedenklicher Art 
und Weise - einengen. 

Deswegen sind wir zu einem anderen Ergebnis ge- 
kommen. Die Arbeitsgruppe hat in einer tollen Beset- 
zung besonders früh angefangen. Als sich die anderen 
erst noch zum dritten Mal zu Hause umgedreht haben, 
haben wir schon zusammengesessen und haben beraten, 
und zwar unter tatkräftiger Mitwirkung des Justizminis- 
teriums und der Mitarbeiter dort, liebe Brigitte Zypries, 
sowie unserer Leute, namentlich von Otto Bernhardt, der 
sich als unser Finanzexperte schon in allen möglichen 
Gremien mit den Managergehältem befasst hat, aber 
auch von Herrn Poß und Herrn Stünker. 

Ich finde, wir haben einen Gesetzentwurf auf den 
Weg gebracht, der es verdient, heute mit großer Mehr- 
heit angenommen zu werden, damit die Leute wissen: 
Wir verschließen nicht die Augen vor Auswüchsen, 
scheren aber auch nicht alle Manager über einen Kamm. 

Vielen Dank. 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- 
neten der SPD) 

Vizepräsident Dr. h. c. Woifgang Thierse: 

Das Wort hat Kollegin Barbara Höll für die Fraktion 
Die Linke. 

(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN) 

Dr. Barbara Höll (DIE LINKE): 

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und 
Kollegen! Es ist wie immer: Zuerst schlagen Sie die 
große Trommel, heraus kommt aber ein leises Pfeifen im 
Wald. Der von der Großen Koalition eingebrachte Ent- 
wurf eines Gesetzes zur Angemessenheit der Vorstands- 
vergütung ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, 
bleibt aber insgesamt Flickwerk; das muss man einfach 
so konstatieren. Jetzt, in der Krise, trifft es wieder ein- 
mal die Beschäftigten am schwersten. Die Manager da- 
gegen sind selbst jetzt recht erfolgreich bei der Verteidi- 
gung ihrer absolut überhöhten Ansprüche. 

Beispiel Arcandor: 53 000 Frauen und Männer stehen 
vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes, unter anderem weil 
der Exvorstandsvorsitzende, Herr Middelhoff, bei 
Karstadt als gleichzeitiger Miteigentümer der Immobi- 
lien für unverschämt hohe Mieten gesorgt hat, um sich 
daran zu bereichern, Mieten, die zum Tod jedes Unter- 


nehmens führen müssen. „Was sind das für Zustände?“, (C) 
frage ich Sie. 

Bleiben wir bei diesem Konzern. Das Manager Ma- 
gazin vom 12. Juni berichtet, dass der aktuelle Arcan- 
dor-Chef, Karl-Gerhard Eick, eine Gehaltsgarantie in 
Höhe von 2 Millionen Euro pro Jahr für die nächsten 
fünf Jahre hat. Insgesamt handelt es sich um über 
10 Millionen Euro. Die bekommt er auch bei vorzeiti- 
gem Ausscheiden. 

(Joachim Poß [SPD]: Das alles soll zukünftig 
nicht mehr möglich sein!) 

Seine Vergütung ist vom Insolvenzverfahren nicht betrof- 
fen, weil das Gehalt vom Großaktionär Sal. Oppenheim 
garantiert wird. Da kann sich die Verkäuferin bei 
Karstadt in Leipzig doch nur verarscht fühlen! 

(Beifall bei der LINKEN) 

Für sie und ihre Kolleginnen und Kollegen bei Arcan- 
dor gibt es so etwas nicht. Das Management hat vielen 
Quelle-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern Ende letzten 
Jahres den Abschluss eines freiwilligen Aufhebungsver- 
trages nahegelegt. Gelockt wurden sie mit einer erhöh- 
ten, 130-prozentigen Abfindung. Nach der Anmeldung 
zur Insolvenz gelten die Abfindungen nun jedoch als In- 
solvenzmasse und werden demzufolge nicht gezahlt. 
Gleichzeitig müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbei- 
ter, die unterzeichnet haben, Angst haben, ob sie über- 
haupt in den Insolvenzsozialplan des Konzerns kommen. 
Schließlich haben sie die Aufhebungsverträge freiwillig 
unterschrieben. Es kann ihnen passieren, dass sie nun 
ohne alles dastehen: ohne Abfindung und ohne Einbezie- (D) 
hung in den Sozialplan. Herr Middelhoff und Herr Eick 
haben ihren Hintern im Trockenen. Sie stört das nicht. 

Aber ich frage Sie: Wo leben wir denn, dass das möglich 
ist? Wie zum Hohn bezeichnet der Arcandor-Chef Eick 
seinen Kontrakt noch als faire Vereinbarung. 

(Volker Schneider [Saarbrücken] [DIE LINKE]: 

Aus seiner Sicht mag das stimmen!) 

Das ist nur ein Beispiel für die Selbstgerechtigkeit und 
Dreistigkeit der Manager. Mehr Transparenz allein reicht 
daher nicht aus, Managereinkünfle zu begrenzen. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Das ist einfach ein Schwachpunkt, sowohl des Gesetz- 
entwurfs als auch der Anträge von FDP und Grünen. 

Wir begrüßen im Gesetzentwurf der Koalition, dass 
die Managerhaftpfiichtversicherungen einen Selbstbe- 
halt vorsehen müssen. Aber diese Maßnahme kann nach 
Ansicht der Sachverständigen nur greifen, wenn den 
Managern gleichzeitig verboten wird, sich von diesem 
Selbstbehalt durch eine Rückversicherung zu befreien. 

Das wäre dann kein wirklicher Selbstbehalt. Das fehlt in 
dem Koalitionsentwurf; das muss man einfach feststel- 
len. 

Nach Ihrem Gesetzentwurf - das wurde mehrfach ge- 
sagt - sollen Manager ihre Boni in Form von Aktienop- 
tionen nun frühestens nach vier Jahren zu Geld machen 
können. Das ist, wenn auch halbherzig, immerhin besser 
als die moralischen Appelle, die wir in letzter Zeit hören 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25139 


Dr. Barbara Höll 

(A) konnten, beispielsweise Anfang Februar von Finanzmi- 
nister Steinbrück. Norbert Röttgen hat im vergangenen 
November gesagt: 

Zur moralischen Verantwortung gehört es deshalb 
nun, diese kurzfristigen Bonussysteme abzuschaf- 
fen. 

Damals hat er das gesagt; jetzt haben Sie sich nicht dazu 
durchringen können. Das ist die Realität. 

Die Bezahlung der Manager mit Aktienoptionen ist 
der Brandbeschleuniger für die Orientierung am kurz- 
fristigen Profit. 

(Joachim Poß [SPD]: Genau das wird doch ge- 
ändert! Man kann es nicht verbieten! Man 
kann es nur langfristig gestalten!) 

Deshalb gehören diese Aktienoptionen schlicht und ein- 
fach verboten. Dies hat Ihnen die Fraktion Die Linke be- 
reits im Mai 2006, vor drei Jahren, vorgeschlagen, lange 
bevor Ihnen überhaupt diese Gedanken kamen. Warum 
verbieten Sie das nun nicht einfach? 

(Dr. Barbara Hendricks [SPD]: Sie wissen es 
doch selber besser! - Joachim Poß [SPD]: 
Wissen Sie das wirklich nicht besser, oder täu- 
schen Sie nur?) 

Ein Schelm, der denkt, dass das Managerinteresse bei Ih- 
nen höher im Kurs steht als das der Beschäftigten! 

(Dr. Jürgen Gehb [CDU/CSU]: Heute die Ge- 
hälter, morgen die Preise und übermorgen die 

(B) Mieten - wie in der Ostzone!) 

Sie haben es im Gesetzentwurf versäumt - Herr Gehb 
hat sich eben dafür gelobt -, die Frage der Üblichkeit der 
Managervergütung unmissverständlich an das Lohn- und 
Gehaltsgefüge des Unternehmens zu binden. Das wäre 
möglich gewesen. 

(Joachim Poß [SPD]: Das kann der Aufsichts- 
rat doch machen!) 

Heute jubelt das Handelsblatt: 

Von ersten unausgegorenen Plänen ist zum Glück 
nicht viel übrig geblieben. Etwa von der Forderung, 
für Managervergütungen per Gesetz Obergrenzen 
festzulegen. 

Warum denn nicht? 

(Joachim Poß [SPD]: Das wollte doch keiner!) 

Wir haben Ihnen das bereits im Oktober 2006 und im Ja- 
nuar 2008 vorgeschlagen. 

(Joachim Poß [SPD]: Das ist doch verfas- 
sungswidrig!) 

Wir haben Ihnen den Vorschlag unterbreitet, das Zwan- 
zigfache des Arbeitsentgeltes eines Arbeitnehmers oder 
einer Arbeitnehmerin der untersten Lohngruppe als 
Maßstab zu nehmen. Ich glaube, das ist für alle normal 
denkenden Menschen plausibel: Der Manager sollte 
nicht mehr als das Zwanzigfache des durchschnittlichen 
Arbeitsentgeltes der untersten Lohngruppe verdienen. 


(Joachim Poß [SPD]: Das können die Auf- 
sichtsräte doch machen! Die stärken wir ja ge- 
rade!) 

Wir sind froh, dass sich die Grünen wenigstens unse- 
rer Forderung nach einer Begrenzung der steuerlichen 
Abzugsfähigkeit von Abfindungen angeschlossen haben; 
aber bei Ihnen in der Koalition hat auch das keine Mehr- 
heit gefunden. Sie lehnen das ab. 

Herr Röttgen hatte in einem Interview im November, 
auf das ich schon verwiesen habe, einen Geistesblitz: 

Ich lerne daraus, dass es zu kurz gesprungen ist, 
wenn wir die Krise jetzt mit ein paar neuen Regeln 
und Managerschelte aufarbeiten. Wenn wir dabei 
stehen bleiben, kommt die nächste Krise bestimmt. 

Recht hat er! Sie sind aber stehen geblieben; diesem 
Vorwurf müssen Sie sich aussetzen. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Wir fordern endlich wirksame Schritte. Ein paar Beruhi- 
gungstropfen sind einfach zu wenig. 

Wir als Linke werden uns heute bei der Abstimmung 
enthalten, um zu honorieren, dass Sie wenigstens nach- 
gedacht haben und ansatzweise in die richtige Richtung 
gegangen sind. 

(Dr. Jürgen Gehb [CDU/CSU]: Das ist hono- 
rig!) 

Was Sie hier vorlegen, ist aber absolut zu wenig. Wenn 
wir vorankommen wollen, müssen Sie endlich unsere 
Vorschläge aufgreifen. Haben Sie Mut, nicht nur immer 
bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern oder bei 
den Rentnern zu kürzen, sondern die Manager zur Ver- 
antwortung zu ziehen! 

Ich danke Ihnen. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Vizepräsident Dr. h. c. Woifgang Thierse: 

Das Wort hat nun Kollegin Thea Dückert für die Frak- 
tion Bündnis 90/Die Grünen. 

Dr. Thea Dückert (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): 

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 
Selbstverständlich birgt dieses Thema der überhöhten 
Managergehälter, -Vergütungen und -abfindungen, zu- 
mal in der Krise, eine hohe gesellschaftliche Spreng- 
kraft, und zwar nicht nur, weil es sich um kein Einzel- 
phänomen handelt, weil Manager neben Bankern 
überhöhte Vergütungen erhalten. Vielmehr fällt dieses 
Phänomen mit einem anderen zusammen - das wird vie- 
len Menschen sichtbar -: Diese Manager mit ihren ho- 
hen Gehältern sind häufig zugleich für eine völlig kurz- 
fristig ausgelegte Untemehmenspolitik verantwortlich, 
die heute, in der Krise, zu immer mehr Arbeitsplatzver- 
lusten führt. 

(Dr. Jürgen Gehb [CDU/CSU]: Das stimmt!) 

Der Manager steht aber dank seines hohen Gehalts im 
Trockenen, erhält vielleicht noch eine Abfindung, wäh- 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Dr. Thea Dückert 

(A) rend die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Re- 
gen stehen. Um dieses Problem müssen wir uns küm- 
mern. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
sowie bei Abgeordneten der SPD) 

Das wollen Sie ebenfalls. Auch Sie haben sich verbal 
empört und viel Wut über diesen Zustand gezeigt. Aber, 
liebe Kolleginnen und Kollegen von der Union und von 
der SPD, das scheint mir doch keine echte Empörung zu 
sein; denn Ihr Gesetz ist vor dem Hintergrund der Pro- 
blematik eine echte Enttäuschung. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN so- 
wie der Abg. Dr. Barbara Höll [DIE LINKE] - 
Joachim Poß [SPD]: Was?) 

- Ja, es ist wachsweich formuliert, und es hat ganz viele 
Hintertüren. Sie haben sich auf einen Minimalkonsens 
geeinigt, der aber - wenn man das genauer betrachtet, er- 
kennt man das - nicht dazu führen wird, dass sich das 
Verhalten der Manager an Nachhaltigkeit und Langfrist- 
perspektiven orientiert. Schauen wir uns die Vorschläge 
an: Sie schlagen vor - das wurde vorhin schon erwähnt -, 
dass die Aktienoptionen statt nach zwei Jahren nun erst 
nach vier Jahren eingelöst werden können. Das hat mit 
Langfristorientierung nichts zu tun, gerade wenn man in 
Krisenzyklen denkt. Sie haben zwar einen ganz netten 
Ansatz und benennen das Problem richtig - das will ich 
konstatieren -, aber Sie agieren nicht mutig genug. 

(B) (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Es ist wichtig, dass wir etwas tun, weil wir sehen, 
dass trotz freiwilliger Vereinbarungen und trotz der Cor- 
porate-Govemance-Diskussionen die Selbstreguliemng 
an vielen Stellen nicht greift. Wir müssen weitergehen, 
aber auch das tun Sie nicht. Wir brauchen eine Gehalts- 
struktur, bei der nur ein kleiner Teil des Gehalts variabel 
ist, also an den Erfolg geknüpft ist. Wir brauchen eine 
Gehaltsstruktur, bei der Erfolge und Misserfolge Ein- 
fluss auf das Gehalt haben und Manager durch Malusse 
zur Kasse gebeten werden, wenn Misserfolge erzielt 
oder falsche Entscheidungen getroffen werden. So etwas 
müssen wir in den Vergütungsstrukturen verankern. Wir 
brauchen eine Balance zwischen dem Erfolg und dem 
Misserfolg bzw. den Fehlem, die Manager zu verantwor- 
ten haben. 

Es gibt ein weiteres Problem. Es geht nicht nur dä- 
mm, dass wir mit den Strakturen richtige Anreize für die 
Manager setzen, sondern auch dämm, dass die Allge- 
meinheit nicht über das Steuersystem - die überhöhten 
Managervergütungen und Abfindungen können steuer- 
lich geltend gemacht werden - zur Kasse gebeten wird. 
Die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler können durch 
die Stmkturen, die wir heute haben, für überhöhte Mana- 
gervergütungen ins Obligo genommen werden. Das geht 
nicht. Die Möglichkeit, Managergehälter als Be- 
triebsausgaben abzusetzen, muss begrenzt werden. Wir 
schlagen vor, eine Summe in Höhe von 500 000 Euro 
jährlich festzulegen. 


Ähnliches gilt auch für die steuerliche Absetzbarkeit (C) 
von Abfindungen. Es geht nicht nur um Vergütungen, 
sondern es geht auch um den goldenen Handschlag. 

(Joachim Poß [SPD]: Das ist unser Vorschlag 
gewesen!) 

- Herr Poß, das ist Ihr Vorschlag. Ich finde es schön, 
dass Sie sich unserem Vorschlag anschließen. 

(Joachim Poß [SPD]: Ihrem Vorschlag? Wir 
haben 2007 unser Konzept erarbeitet, gnädige 
Frau!) 

Sie haben ein Gesetz vorgelegt, in dem das nicht vor- 
kommt. Wir fordern das ein. Setzen Sie sich in der Ko- 
alition durch, und beschließen Sie die notwendigen steu- 
errechtlichen Ändemngen! 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Es geht aber auch dämm - das wurde schon angespro- 
chen -, dass der Manager selber mit seinem privaten 
Einkommen haftbar gemacht wird, wenn er Schaden 
vemrsacht, beispielsweise weil er falsche Informationen 
gegeben oder Leute aufs Glatteis geführt hat. Auch in 
solchen Fällen brauchen wir eine Selbstbeteiligung des 
Managers an den Schadenersatzzahlungen. Das müssen 
wir über die Versichemngsbeiträge und die Haftungsre- 
gelung sicherstellen. Sie waren an dieser Stelle ein Stück 
weit aktiv - das will ich gerne anerkennen -, aber Sie ha- 
ben die neuen Regelungen zur Managerhaftpfiichtversi- 
chemng, die Sie vorschlagen, nur auf das Festgehalt be- 
zogen. Durch diese Begrenzung eröffnen Sie wiedemm 
die Möglichkeit, dass die Manager diese Regelung um- (D) 
gehen und damit letzten Endes nicht mit ihrem privaten 
Vermögen in die Haftung genommen werden. 

Auf einen weiteren Punkt möchte ich zum Schluss 
noch eingehen, der durchaus in die richtige Richtung 
geht, nämlich die Bestimmung, dass der gesamte Auf- 
sichtsrat über die Vorstandsverträge entscheiden muss. 

Aber das reicht uns bei weitem nicht aus. Eigentlich 
sollte die Aktionärsversammlung die Möglichkeit be- 
kommen, einen finanziellen Rahmen für die Höhe und 
die Ausgestaltung der Managergehälter vorzugeben; 
denn wir müssen doch folgendes Problem berücksichti- 
gen: Die Aufsichtsräte sind häufig mit Kollegen aus an- 
deren Unternehmen besetzt, und insofern besteht hier 
quasi systembedingt ein Eigeninteresse, mit einer Ge- 
haltsspirale nach oben zu arbeiten. Deswegen wäre es 
notwendig und richtig, dass die Aktionärsversammlung 
hierbei die Grenzen zieht. 

Es gibt eine ganze Reihe von Punkten, die ich jetzt 
nicht mehr ausführen kann. Wir haben Ihnen aber einen 
Antrag vorgelegt, in dem wir weitere Punkte zum Thema 
Managergehälter aufgreifen. Ich hoffe. Sie werden sich 
in weiteren Debatten dazu durchringen können, nicht nur 
zu reden, sondern tatsächlich eine wirksame Regulie- 
rung der Managergehälter vorzunehmen. Diese ist öko- 
nomisch einfach notwendig. Zwar geht die Legislaturpe- 
riode zu Ende, aber man muss auch in Zukunft weiter 
daran arbeiten. Ich kann das dann nicht mehr tun, weil 
ich nicht mehr kandidiere. Ich wünsche Ihnen aber noch 
gute Verrichtung und viel Freude bei diesem Thema. Sie 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Dr. Thea Dückert 

(A) haben da so viele Baustellen übrig gelassen, dass man 
das in der nächsten Legislaturperiode mit Freude und mit 
der Unterstützung von den Grünen dann weiter verfol- 
gen kann. 

Danke schön. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und 
des Abg. Dr. Max Stadler [FDP]) 

Vizepräsident Dr. h. c. Woifgang Thierse: 

Ich erteile das Wort Bundesministerin Brigitte 
Zypries. 

(Beifall bei der SPD) 

Brigitte Zypries, Bundesministerin der Justiz: 

Vielen Dank, Herr Präsident. - Meine sehr geehrten 
Damen und Herren Kolleginnen und Kollegen! Wir zie- 
hen mit diesem Gesetzentwurf eine wichtige Lehre aus 
der Finanzmarktkrise; das ist schon gesagt worden. Wir 
steuern um, weil wir erkannt haben, dass einer der we- 
sentlichen Gründe für diese Finanzmarktkrise das Vergü- 
tungssystem für Managerinnen - es gibt allerdings nur 
wenige von ihnen - und Manager war. Das ist ein Be- 
fund, der heute von allen geteilt wird, auch von allen 
weltweit tätigen Instituten. Unser Gesetzentwurf sieht 
nun vor, dass wir da hineingrätschen und sagen: Ganz so 
wie bisher geht es nicht mehr. 

Aber, liebe Thea Dückert, es kann nicht sein, dass wir 

(B) Sonderregelungen für Manager schaffen, indem wir fest- 
legen, sie müssten in anderer Weise persönlich haften, 
als es ansonsten in dieser Gesellschaft üblich ist, und alle 
Last der Haftung bei den Vorständen abladen. Das kann 
nicht funktionieren, denn wir müssen durchaus die Be- 
reitschaft von Vorständen aufrechterhalten, verantwort- 
lich unternehmerische Entscheidungen zu treffen. Hin- 
terher sieht sowieso immer alles anders aus und man 
weiß alles besser als in dem Moment, in dem die Ent- 
scheidung getroffen wurde. Insofern muss man es mei- 
nes Erachtens sinnvoll regeln, und, ehrlich gesagt, meine 
ich auch, dass wir dies hier geschafft haben. Dazu will 
ich nun etwas sagen. 

Zunächst noch einmal zum Grundsätzlichen: Es ist 
richtig, dass Vorstandsvergütungen auch aus variablen 
Bestandteilen bestehen. Wir haben uns aus gutem Grund 
vor einigen Jahren von der Festvergütung verabschiedet, 
weil wir meinten, es müssten etwas stärkere Leistungs- 
anreize gesetzt werden können. Aber wir haben jetzt 
festgestellt, dass dies eine Frage der Kriterien ist. Wenn 
die Bemessungsgrundlage nur die letzten Quartalszahlen 
oder ein Börsenkurs zu einem bestimmten Stichtag ist, 
dann greift dies eben zu kurz. Das ist dann kein Anreiz 
zur Leistung, sondern ein Stimulus, um Leistung zu si- 
mulieren. Das verleitet dazu, leichtfertig Risiken einzu- 
gehen, um kurzfristige Scheinerfolge zu erzielen. Der 
langfristige Erfolg eines Unternehmens kommt bei sol- 
chem Vorgehen zu kurz. 

Dass der Befund, es habe eine Fehlentwicklung statt- 
gefunden, von allen geteilt wird, habe ich eben schon 


einmal gesagt. Es ist deshalb richtig, dass nicht nur in (C) 
Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern 
- heute waren die Zeitungen voll von Informationen 
über das, was in Amerika gemacht wird - überlegt wird, 
was Politik machen muss, um Markt zu regeln. Schließ- 
lich müssen wir aus der Krise die Erkenntnis ziehen: Der 
Markt allein kann es nicht. Deshalb ist klar: Der Markt 
braucht Regeln, wenn er funktionieren soll. Ohne Regeln 
besteht sogar die Gefahr - so scheint es jetzt wenigstens -, 
dass er sich selbst zerstört. Solche Regeln liegen nicht 
nur im Interesse der Unternehmen, sondern auch im In- 
teresse der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und 
der Standortgemeinden. Arbeitnehmerinnen und Arbeit- 
nehmer sind darauf angewiesen, dass sie längerfristig 
Arbeitsplätze haben. Die Kommunen in Deutschland 
sind für ihre Haushaltsplanungen darauf angewiesen, 
dass sie regelmäßige Gewerbesteuereinnahmen haben. 
Deshalb ist das, was wir tun, für die Struktur dieser Ge- 
sellschaft insgesamt wichtig. 

Was tun wir für mehr Langfristigkeit? 

Erstens. Wir legen im Gesetz fest, dass die Aufsichts- 
räte die Vergütungsstruktur auf eine nachhaltige Unter- 
nehmensentwicklung hin ausrichten müssen. 

Zweitens bestimmen wir, dass die variablen Vergü- 
tungsbestandteile eine mehrjährige Bemessungsgrund- 
lage haben müssen. 

Drittens verlängern wir bei den Aktienoptionen die 
Haltefrist von zwei auf vier Jahre. Frau Dr. Dückert, 
auch hier ist es so, dass man sich schon darüber im Kla- 
ren sein muss, dass das ein Eingriff in Eigentum ist. (D) 
Nach der Kritik an der Verlängerung der Haltefrist auf 
bloß vier Jahre wollte ich darauf nur kurz hinweisen. 

Man muss versuchen, irgendwie eine sinnvolle Rege- 
lung zu finden; denn das, was wir Vorhaben, ist - ich 
wiederhole - ein Eingriff in Eigentumsrechte. Man kann 
nicht einfach sagen: Der Besitz von Aktienoptionen ist 
zwar legal, aber die nächsten 20 Jahre dürft ihr als Ei- 
gentümer damit nichts anfangen. Das kann nicht funktio- 
nieren. Deswegen muss man - das meine ich wenigstens - 
einen vernünftigen Mittelweg bei der Haltefrist finden. 

Mehr Langfristigkeit bei der Berechnung der Boni hat 
noch einen weiteren wichtigen Effekt: Die Vorstandsge- 
hälter nehmen künftig an der wirtschaftlichen Entwick- 
lung des Unternehmens teil, und zwar nicht nur am Er- 
folg, sondern auch am Misserfolg. Es gibt also eine 
Malusregelung; es ist nicht so, dass wir keine geschaffen 
haben. Ich meine, eine solche Regelung ist wichtig; denn 
jeder, der risikoreiche Entscheidungen fällt, muss wis- 
sen, dass es im Zweifel auch ihn persönlich treffen kann, 
wenn es schiefgeht. Wir senden damit das richtige Si- 
gnal. 

Aufgrund dieser Erkenntnis erweitern wir die Mög- 
lichkeiten, Vorstandsbezüge zu kürzen. Wenn man in 
Boomzeiten Millionengehälter vereinbart hat und ein 
Unternehmen später in der Krise steckt, dann darf man 
nicht nur den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern 
Opfer zumuten. 

(Beifall bei der SPD) 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Bundesministerin Brigitte Zypries 

(A) Dann müssen künftig auch - das muss völlig klar sein - 
Vorstandsgehälter gekürzt werden. 

Von meinen Vorrednern wurde schon die Versiche- 
rung für die Managerhaftung angesprochen. Der Gesetz- 
entwurf schreibt ausdrücklich einen Selbstbehalt vor und 
stellt auch damit sicher, dass Eigenverantwortung zu 
übernehmen ist. 

Nächster Punkt: Transparenz. Wir wollen, dass alle 
Aufsichtsratsmitglieder die Verantwortung für die Be- 
zahlung der Vorstände mittragen. Wir haben auch da- 
rüber diskutiert, inwieweit über die Bezahlung der Vor- 
stände auf einer Hauptversammlung entschieden werden 
sollte. Aber wir haben da festgestellt: Die Regelung 
muss in gewisser Weise auch praktikabel sein. Wenn 
man extra eine Hauptversammlung einberufen muss, um 
einen ausgeschiedenen Vorstand zu ersetzen, dann ist 
das alles andere als praktikabel. Wir haben deshalb ge- 
sagt: Es geht um Transparenz, und somit müssen die 
Aufsichtsräte in toto aktiv werden und nicht mehr ein- 
zelne Ausschüsse, die nur aus wenigen Personen beste- 
hen. Das ist auf alle Fälle eine Maßnahme, die für die 
Transparenz sorgt, die wir wollen. Bekanntlich sind die 
Aufsichtsräte in Deutschland ja paritätisch besetzt, und 
von daher ist hinreichende Transparenz gegeben. 

(Irmingard Schewe-Gerigk [BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN]: Paritätisch, aber nicht paritä- 
tisch mit Männern und Frauen!) 

- Nein, das nicht. Wir nennen das, was ich meine: paritä- 
tische Mitbestimmung in Deutschland. 

(B) Wir haben darüber hinaus jedoch vorgesehen - das ist 
ein Schritt in die gewünschte Richtung -, dass die 
Hauptversammlung künftig ein Votum über die Struktur 
des Vergütungssystems abgeben kann, das der Aufsichts- 
rat dann umsetzen kann. Ich glaube, das ist ein vernünfti- 
ger Kompromiss. 

Ein weiterer Punkt, der für eine gute und transparente 
Untemehmensführung wichtig ist und der auch Ver- 
trauen in die Unternehmen schaffen soll, ist die vorgese- 
hene Karenzzeit für den Wechsel vom Vorstand in den 
Aufsichtsrat. Das ist ein sehr umstrittenes Thema, vor al- 
len Dingen für diejenigen, die es betrifft. Die Argumente 
zu dieser Thematik sind schon lange ausgetauscht wor- 
den; denn darüber diskutieren wir schon seit vielen Jah- 
ren. Der Gesetzgeber hatte deshalb schlicht eine Abwä- 
gung zu treffen. Es geht einerseits um die Erhaltung von 
Wissen um Intema im Unternehmen - ein Gmnd, wes- 
halb viele gesagt haben, dass es vernünftig ist, dass ein 
Wechsel stattfinden kann -, andererseits geht es um die 
Vermeidung von Interessenkonflikten, sprich: Die Kon- 
trolleure im Aufsichtsrat können schlecht das kontrollie- 
ren, was sie vorher verbockt haben. 

Ich glaube, dass wir hier eine vernünftige Lösung ge- 
funden haben. Sie ähnelt der Lösung zur Offenlegung 
von Managergehältem. Wir haben vereinbart, dass wir 
die Offenlegung im Gmndsatz vorschreiben, aber wenn 
sich ein bestimmtes Quomm der Hauptversammlung da- 
gegen ausspricht, dann akzeptieren wir das; denn es gilt 
der Gmndsatz: Die Aktionäre sind die Eigentümer des 
Unternehmens. Die Aktionäre müssen bestimmen kön- 


nen, was passiert. Im Falle der Karenzzeit ist es genauso. 
Im Gmndsatz gibt es eine Abkühlungsperiode, aber 
wenn sich Aktionäre mit Stimmrechten von mehr als 
25 Prozent für einen Verzicht auf die Karenzzeit aus- 
sprechen, weil sie ein Mitglied des Vorstands im Auf- 
sichtsrat haben möchten, dann ist das möglich. 

(Dr. Thea Dückert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Das ist aber eine Hintertür!) 

Von daher bleibt die Verantwortung der Aktionäre, also 
der Eigentümer des Unternehmens, erhalten. Das halte 
ich persönlich für richtig, weil wir als Gesetzgeber nicht 
den Eindmck erwekken dürfen, als würden wir allzu viel 
regeln. Es gilt nämlich nach wie vor: Eigentümer eines 
Unternehmens müssen Verantwortung übernehmen. 

Das Gute an solchen Regelungen ist, dass sich viel- 
leicht manche Aktionäre überlegen, sich um ihre Aktien- 
gesellschaft zu kümmern, statt nur wie einige darauf aus 
zu sein, einen schnellen und guten Schnitt mit der Aktie 
zu machen. Was wir den Vorständen vorwerfen, gilt in 
gewisser Weise auch für die Aktionäre, die bisher auch 
zu wenig Verantwortung übernommen haben. Ich halte 
es für keine schlechte Idee, das aneinander zu koppeln. 

Ich danke für die Aufmerksamkeit. 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

Vizepräsident Dr. h. c. Woifgang Thierse: 

Als letztem Redner in dieser Debatte erteile ich Kol- 
legen Otto Bernhardt für die CDU/CSU-Fraktion das 
Wort. 

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) 

Otto Bernhardt (CDU/CSU): 

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und 
Herren! Für uns ist das Gesetz, das wir heute verabschie- 
den wollen, auch ein kleiner Beitrag zur Aufarbeitung 
der internationalen Finanzkrise. 

(Lachen des Abg. Hartfrid Wolff [Rems-Murr] 
[FDP]) 

Die Justizministerin hat richtigerweise darauf hingewie- 
sen, dass alle Fachleute, die diese Krise analysiert haben, 
zu dem Ergebnis gekommen sind, dass diese Krise durch 
das Vergütungssystem von Managern zumindest ver- 
stärkt worden ist. 

Dass das Thema Managergehälter schon seit langer 
Zeit diskutiert worden ist, erkennen Sie daran, dass 
schon im Jahr 2000 eine hochrangige Kommission ein- 
gesetzt wurde, die den Auftrag hatte, Maßstäbe für die- 
sen Bereich festzulegen. Diese Kommission hat hervor- 
ragende Arbeit geleistet. Sie hat viele Maßstäbe 
entwickelt, die vom überwiegenden Teil der großen Ak- 
tiengesellschaften befolgt werden. 

Das Problem eines Kodexes ist natürlich, dass er frei- 
willig ist. Die Finanzkrise hat gezeigt, dass sich eine 
Reihe von Firmen nicht daran gehalten hat. Vor allem 
haben wir festgestellt - ich erinnere an die Aussage un- 
serer Kanzlerin -, dass die Tatsache, dass einige Mana- 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25143 


Otto Bernhardt 

(A) ger ganz offensichtlich versagen, aber mit riesigen Sum- 
men und hohen monatlichen Zahlungen sozusagen in 
den Ruhestand gehen, den sozialen Frieden in Deutsch- 
land gefährdet. Das zeigen die unangenehmen Einzel- 
fälle, über die wir schon mehrfach diskutiert haben. 

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und 
der SPD) 

Vor diesem Hintergrund war es aus meiner Sicht rich- 
tig, dass die Große Koalition im September des vergan- 
genen Jahres eine Arbeitsgruppe eingerichtet hat, die 
den Auftrag hatte, sich über Veränderungen Gedanken 
zu machen. 

(Joachim Stünker [SPD]: Gut, dass wir vorge- 
arbeitet hatten!) 

- Es ist richtig, dass die Sozialdemokraten schon vorge- 
arbeitet und einen Vorschlag gemacht hatten. Wir haben 
nachgezogen. Ich kann nur sagen: Was wir jetzt verab- 
schieden, kann sich sicher sehen lassen. Um es in aller 
Deutlichkeit zu sagen: Das unterstreicht die Handlungs- 
fähigkeit der Großen Koalition. 

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und 
der SPD - Zurufe von der FDP: Oh!) 

Mich stimmt besonders Folgendes nachdenklich: 
Während der amerikanische Präsident gestern oder vor- 
gestern sehr klar erklärt hat, viele Regelungen hätten 
versagt und deshalb sei es zur Finanzkrise gekommen, 
erweckt ein Teil der Wirtschaft in Deutschland - ich will 
es relativieren: ein kleiner Teil der Wirtschaft - den Ein- 
druck - dies kann ich anhand der mir zugesandten Briefe 
feststellen -, dass wir überhaupt nichts zu verändern 
brauchen, und zwar getreu dem Motto: Wir tauchen mal 
zwei Jahre unter, und dann machen wir so weiter. 

(Beifall bei der SPD) 

Ich sage sehr deutlich: Das ist mit uns nicht zu machen. 

Natürlich werden wir diese Krise überwinden. Aber 
einige Hunderttausend Menschen sind im Zuge dieser 
Krise schon arbeitslos geworden. Es werden weitere fol- 
gen. Die Situation für die 1 Million Menschen, die in 
Kurzarbeit ist, ist auch nicht so rosig; denn sie bringen 
netto deutlich weniger nach Hause. Für die betroffenen 
Familien ist das nicht so toll. Durch die Einbrüche auf 
den Weltmärkten gehen uns Hunderte von Milliarden 
verloren, die wir für viele andere vernünftige Dinge hät- 
ten einsetzen können. 

Ein „Weiter so!“ wird es mit uns nicht geben. 

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD - 
Joachim Poß [SPD]: Mit uns schon lange 
nicht! - Joachim Stünker [SPD]: Nur die FDP 
macht weiter so!) 

Wir werden in vielen Bereichen vieles verändern müs- 
sen. Aber wir müssen auch aufpassen - ich glaube, den 
Maßstab haben wir beachtet -, dass wir jetzt nicht etwa 
der Versuchung erliegen, zu alten Systemen überzuge- 
hen. Dazu gab es einen katastrophalen Vorschlag der 
Linken. 


(Dr. Barbara Höll [DIE LINKE]: Quatsch! - 
Joachim Stünker [SPD]: Die FDP ist auch 
nicht besser!) 

Ich weiß, dass in der DDR die Gehälter festgelegt waren. 
Aber wo ist man damit gelandet? Wenn wir so verfahren 
würden, würden wir keine guten Manager mehr finden. 
Deshalb werden wir diesen Weg nicht gehen. Zur Ehren- 
rettung der Großen Koalition ist zu sagen: Auch unser 
sozialdemokratischer Partner wollte ein solches Vorge- 
hen nicht, zu Recht nicht. Die Festlegung der Gehälter 
muss in der Verantwortung der Aufsichtsräte bleiben. 

Es stellte sich die Frage - auch dazu will ich eine Be- 
merkung machen -, ob man die steuerliche Abzugsfa- 
higkeit der Gehälter begrenzt. Man kann diesen Weg ge- 
hen. Für mich ist aber schon die Regelung, die 
Aufsichtsratsvergütungen nur zur Hälfte absetzen zu 
können, ein Sündenfall. Unser Koalitionspartner be- 
trachtet dies als ein Signal in die richtige Richtung. Ich 
sage nur: Wenn wir anfangen, die Gehälter auf 1 Million 
Euro zu begrenzen, dann schließen sich die nächsten 
Forderungen an: Der Dienstwagen darf nur noch 40 000 
Euro 

(Dr. Jürgen Gehb [CDU/CSU]: Race to the 
bottom!) 

und das Büro nur noch 20 000 Euro kosten. Zum Schluss 
darf man nicht einmal mehr mit einem wertvollen Füller, 
sondern nur noch mit einem Filzstift unterschreiben. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Ich als Betriebswirt halte das Vorgehen, zwischen guten 
und schlechten Kosten zu unterscheiden, für falsch und 
gefährlich. Ich bin der Meinung, diesen Weg sollten wir 
nicht gehen. Aber wie gesagt: Man kann hier unter- 
schiedlicher Meinung sein. 

Besonders wertvoll ist aus meiner Sicht die Karenz- 
zeit, die wir einführen werden. Ich gebe zu, Frau Minis- 
terin, das ist der Punkt, zu dem ich die meisten Briefe 
bekommen habe. Ich weiß, dass sich viele betroffen füh- 
len, weil sie den Weg vom Vorstand in den Aufsichtsrat 
gegangen sind. Ich glaube auch nicht, dass die von uns 
eingeführte Grenze von 25 Prozent der Anteile, bei de- 
ren Besitz die Karenzzeit ausgesetzt werden kann, dazu 
führt, dass diese Bestimmung nicht mehr zieht. Wir ha- 
ben dabei an Firmen gedacht, bei denen eine Familie 
mehr als 25 Prozent der Anteile besitzt. Ich glaube nicht, 
dass ein solcher Anteil bei den Publikumsaktiengesell- 
schaften leicht erreicht werden kann. Ich bin der Mei- 
nung, dass eine Karenzzeit von zwei Jahren die Regel 
sein wird und der Übergang ohne Verzögerung in Zu- 
kunft die Ausnahme bleibt. Ich sage an dieser Stelle, 
auch wenn diese Position in der Wirtschaft umstritten 
ist: Es war notwendig, diesen Schritt zu vollziehen, 
nachdem wir schon viele Jahre darüber diskutiert haben. 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

Ich finde es gut, dass wir den Mut hatten, ihn jetzt zu ge- 
hen. 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Otto Bernhardt 

Ich stelle abschließend fest: Die Große Koalition be- 
weist kurz vor der Bundestagswahl - es ist die vorletzte 
Sitzungswoche dass sie bereit und in der Lage ist, ver- 
nünftige Antworten auf schwierige Fragen zu finden. In 
diesem Sinne hoffe ich, dass das Gesetz heute eine große 
Mehrheit findet. 

Herzlichen Dank. 

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) 

Vizepräsident Dr. h. c. Woifgang Thierse: 

Ich schließe die Aussprache. 

Wir kommen zur Abstimmung über den von den 
Fraktionen der CDU/CSU und der SPD eingebrachten 
Gesetzentwurf zur Angemessenheit der Vorstandsvergü- 
tung. Der Rechtsausschuss empfiehlt unter Buchstabe a 
seiner Beschlussempfehlung auf Drucksache 16/13433, 
den Gesetzentwurf der Fraktionen der CDU/CSU und 
der SPD auf Drucksache 16/12278 in der Ausschussfas- 
sung anzunehmen. Ich bitte diejenigen, die dem Gesetz- 
entwurf in der Ausschussfassung zustimmen wollen, um 
das Handzeichen. - Wer stimmt dagegen? - Enthaltun- 
gen? - Der Gesetzentwurf ist in zweiter Beratung mit 
den Stimmen von CDU/CSU und SPD gegen die Stim- 
men von FDP und Grünen bei Stimmenthaltung der Lin- 
ken angenommen. 

Wir kommen zur 

dritten Beratung 

und Schlussabstimmung. Dazu liegen eine Reihe von 
Erklärungen zur Abstimmung nach § 3 1 unserer Ge- 
schäftsordnung vor.') Ich bitte diejenigen, die dem Ge- 
setzentwurf zustimmen wollen, sich zu erheben. - Wer 
stimmt dagegen? - Enthaltungen? - Der Gesetzentwurf 
ist mit dem gleichen Stimmenverhältnis wie in der zwei- 
ten Beratung angenommen. 

Wir kommen zur Beschlussempfehlung des Rechts- 
ausschusses zu dem Antrag der Fraktion der FDP mit 
dem Titel „Professionalität und Effizienz der Aufsichts- 
räte deutscher Unternehmen verbessern“. Der Ausschuss 
empfiehlt unter Buchstabe b seiner Beschlussempfeh- 
lung auf Drucksache 16/13433, den Antrag der Fraktion 
der FDP auf Drucksache 16/10885 abzulehnen. Wer 
stimmt für diese Beschlussempfehlung? - Wer stimmt 
dagegen? - Enthaltungen? - Die Beschlussempfehlung 
ist mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD und Linken 
gegen die Stimmen der FDP bei Enthaltung der Grünen 
angenommen. 

Wir kommen zur Beschlussempfehlung des Finanz- 
ausschusses zu dem Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die 
Grünen mit dem Titel „Exzesse bei Managergehältem 
verhindern“. Der Ausschuss empfiehlt in seiner Be- 
schlussempfehlung auf Drucksache 16/13425, den An- 
trag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auf Drucksa- 
che 16/12112 abzulehnen. Wer stimmt für diese 
Beschlussempfehlung? - Wer stimmt dagegen? - Ent- 
haltungen? - Die Beschlussempfehlung ist mit den Stim- 
men von CDU/CSU, SPD und FDP gegen die Stimmen 


der Grünen bei Stimmenthaltung der Linken angenom- (C) 
men. 

Ich rufe den Tagesordnungspunkt 8 auf: 

Beratung der Großen Anfrage der Abgeordneten 
Kerstin Andreae, Dr. Thea Dückert, Dr. Wolfgang 
Strengmann-Kuhn, weiterer Abgeordneter und 
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 

Subventionen in der Bundesrepublik Deutscb- 
land 

-Drucksachen 16/8441, 16/10622- 

Hierzu liegt ein Entschließungsantrag der Fraktion 
Bündnis 90/Die Grünen vor. 

Nach einer interfraktionellen Vereinbarung ist für die 
Aussprache eine halbe Stunde vorgesehen, wobei die 
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen fünf Minuten erhalten 
soll. - Ich höre keinen Widerspruch. Dann ist so be- 
schlossen. 

Ich eröffne die Aussprache und erteile der Kollegin 
Kerstin Andreae für die Fraktion Bündnis 90/Die Grü- 
nen das Wort. 

Kerstin Andreae (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): 

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Im 
Januar 2008 gab es den Fall Nokia. Abgesehen von eini- 
gen außergewöhnlichen Handlungen - ich glaube, ir- 
gendein Minister hat sein Handy an die Wand geworfen; 
so war zumindest in der Zeitung zu lesen - gab es da- 
mals viel Empörung über die Frage: Wie gehen wir ei- 
gentlich in Deutschland mit Subventionen an Untemeh- ^ ' 
men um? Wir haben dann im März 2008 eine Große 
Anfrage an die Bundesregierung gesfellt und im Oktober 
2008 die Antwort bekommen. In der heutigen Debatte 
geht es um die Antwort auf unsere Anfrage, verbunden 
mit einem Entschließungsantrag. 

Uns hat interessiert: Nach welchen Kriterien werden 
Subventionen vergeben? Wird überhaupt überprüft, wie 
die Subventionen wirken? Gibt es eine Kosten-Nutzen- 
Analyse? Angesichts der Summe, über die wir hier jähr- 
lich verfügen, ist es durchaus interessant, einmal nachzu- 
fragen, wie die Subventionen, die in Deutschland verge- 
ben werden, eigentlich wirken. 

Zudem lohnt ein Blick in Ihren Koalitionsvertrag. Da 
heißt es nämlich: 

Wir werden mutig sparen und Subventionen ab- 
bauen. Das hat Vorrang. 

(Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Oh!) 

Im Übrigen steht dort auch: Ohne Steuererhöhungen ist 
eine Konsolidierung für unser Land nicht zu schaffen; so 
viel am Rande mit Blick auf eine Debatte, die an anderer 
Stelle geführt wird. 

Jedenfalls ist festzustellen: Die Bundesregierung hat 
für die Subventionsvergabe Kriterien beschlossen; aber 
sie wendet sie überhaupt nicht an. 

(Ulrike Flach [FDP]: So ist es!) 


') Anlage 7 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25145 


Kerstin Andreae 

Die Selbstbindung der Regierung lautet nämlich: 

Erster Punkt. Subventionen sollen nur dann ausge- 
reicht werden, wenn sie am besten geeignet sind, die an- 
gestrebten Wirkungen zu erzielen. Dies hat unter Kos- 
ten-Nutzen-Analysen zu erfolgen. Wenn ich mir die 
Antwort auf unsere Anfrage anschaue, dann muss ich 
feststellen, dass eine solche Kosten-Nutzen-Analyse 
nicht stattfindet. Das heißt, schon der erste Punkt dieser 
Selbstbindung, nämlich die Subventionen auf ihre Wir- 
kung hin zu prüfen, wird nicht umgesetzt. Glatte Fehlan- 
zeige! 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Zweiter Punkt: Subventionen sollen vorrangig als Fi- 
nanzhilfen geleistet werden und durch Einsparungen an 
anderer Stelle finanziert werden. Auch hier wieder abso- 
lute Fehlanzeige. Das Verhältnis zwischen Finanzhilfen 
und Steuervergünstigungen oder Subventionen beträgt 
nämlich ungefähr ein Drittel zu zwei Drittel. 

Der dritte Punkt dieser Selbstbindung heißt: Neue Fi- 
nanzhilfen sollen befristet und degressiv gestaltet wer- 
den. 

(Ulrike Flach [FDP]: Hört! Hört!) 

Das ist ein nobler Vorsatz. Aber selbst die Abwrackprä- 
mie, die im Konjunkturpaket II beschlossen worden ist, 
ist nicht degressiv gestaltet, sondern die Mittel dafür 
wurden sogar noch erhöht. 

(Reinhard Schultz [Everswinkel] [SPD]: Für 
ein halbes Jahr kann man die doch nicht de- 
gressiv machen!) 

Das heißt, auch hier gehen Sie konträr zu den Kriterien 
vor, die Sie sich selber gesetzt haben. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
und bei der FDP) 

An andere Punkte, an das Dienstwagenprivileg, das Ehe- 
gattensplitting und die Mineralölsteuerbefreiung für 
Flugzeuge, gehen Sie gar nicht heran. 

Vierter Punkt der Selbstbindung: Sowohl die Über- 
prüfung der Ziele als auch eine Erfolgskontrolle von 
Subventionen haben regelmäßig zu erfolgen. Das pas- 
siert nicht. Es gibt keine wirtschaftliche Wirkungsana- 
lyse. Das BMF hat dazu ein allgemeines Forschungspro- 
jekt aufgelegt und angekündigt, diese Dinge anzugehen. 
Wo bleiben die Ergebnisse? Wir haben von der Analyse 
der Wirkung von Subventionen seitdem nichts mehr ge- 
hört. Die Wirkung müssen wir uns aber einmal an- 
schauen. Da werden jedes Jahr Milliarden ausgegeben, 
und es wird nicht geprüft, wie sie wirken. Dies ist ein 
Fehler, und dies werfen wir Ihnen vor. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
und bei der FDP) 

Ein weiterer Punkt dieser Selbstbindung - dann bin 
ich fertig mit diesen Punkten; man könnte das weiterfüh- 
ren; aber ich will Sie verschonen und nicht weiter deut- 
lich machen, wo Sie Ihre Vorgaben nicht einhalten -: Es 
soll stets geprüft werden, inwieweit Steuervergünstigun- 


gen in Finanzhilfen umgewandelt werden. Es ist ja ein 
richtiger Ansatz, zu fragen: Können wir Steuervergünsti- 
gungen in Finanzhilfen umwandeln? Die Bewertung 
führt jedoch zu dem Ergebnis: völlige Fehlanzeige. Im 
Konjunkturpaket II sind Maßnahmen enthalten, die defi- 
nitiv keine Finanzhilfen sind. Es sind vielmehr einmal 
festgesetzte Positionen, die uns immer wieder verfolgen 
werden. Beispiele sind die Einkommensteuersenkung, 
die wir ablehnen, die steuerfinanzierte Absenkung der 
Krankenversicherungsbeiträge und die Kfz-Steuerbefrei- 
ung. Dies alles sind Punkte, bei denen es sich nicht um 
Finanzhilfen, sondern um Subventionen und Steuerver- 
günstigungen handelt. Hier handeln Sie Ihrem selbst auf- 
gestellten Kriterium klar zuwider. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Ich möchte noch auf drei Fragen eingehen, die wir in 
unserer Anfrage gestellt haben. Wir haben Sie gefragt, 
ob es Subventionen zur Standortsicherung von Großun- 
ternehmen gab. Nein, ist die Antwort; diese gebe es 
nicht. 

(Reinhard Schultz [Everswinkel] [SPD]: Fand 
ich auch merkwürdig!) 

- Die SPD sagt, dass auch sie das merkwürdig findet. - 
Angesichts der jüngsten Ereignisse ist dies durchaus in- 
teressant. 

Wir haben sinngemäß - nicht genau so, aber so ge- 
meint - gefragt, ob sich Unternehmen, die Subventionen 
für bestimmte Standorte erhalten haben, danach quasi 
vom Acker gemacht haben. Die Antwort war: Diese gibt 
es nicht. Das ist angesichts des Falles Nokia, der damals 
schon bekannt war, ein interessanter Vorgang. 

Es gibt im Übrigen - das ist für mich der wichtigste 
Punkt - keine Datenerhebung darüber, wie viele der 
Subventionen an kleine und mittlere Unternehmen ge- 
hen. Das ist doch ein Punkt, den wir uns einmal an- 
schauen müssen. Wir wissen, dass von den Subventio- 
nen von EU-Seite nur 3 Prozent an die KMU fließen. 
Der Rest geht an Großunternehmen, an Großkonzeme. 
Es lohnt sich, sich dies einmal in Bezug auf Deutschland 
anzuschauen. Was heißt dies eigentlich für unsere Sub- 
ventionspolitik? 

Wir haben Ihnen deshalb einen Entschließungsantrag 
vorgelegt, in dem genau diese Punkte stehen, von denen 
ich gesprochen habe. Wir wollen größtmögliche Trans- 
parenz. Wir wollen so geringe Mitnahmeeffekte wie 
möglich. Wir wollen keine bloßen Erhaltungssubventio- 
nen. Wir wollen degressiv gestaltete Subventionen, und 
wir wollen klare Kriterien für die Subventionsvergabe, 
die dann auch eingehalten werden müssen. Dies steht in 
unserem Entschließungsantrag und entspricht im Übri- 
gen weitestgehend der Selbstbindung der Großen Koali- 
tion, an die sie sich nicht hält. Jetzt haben Sie die Mög- 
lichkeit, sich zumindest formal oder symbolisch daran 
zu halten, indem Sie unserem Entschließungsantrag zu- 
stimmen. 

Vielen Dank. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


(A) Vizepräsident Dr. h. c. Woifgang Thierse: 

Das Wort hat Kollege Oie Schröder für die CDU/ 
CSU-Fraktion. 

Dr. Oie Schröder (CDU/CSU): 

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und 
Herren! Ich fand die Große Anfrage der Grünen interessant. 
Ihre Kritik an den Subventionen ist richtig. Es ist schwer 
zu evaluieren, was Subventionen bringen. Interessant 
fand ich auch Ihre Schlussfolgerung. Auf der einen Seite 
sagen Sie, dass Sie keine Steuervergünstigungen wollen 
- die Strompreissubventionen im Bereich der alternativen 
Energien sprechen Sie überhaupt nicht an; das sind für 
Sie keine Subventionen, auch wenn die alternativen Ener- 
gien natürlich unterstützt werden -, auf der anderen Seite 
fordern Sie aber Steuervergünstigungen im Bereich der 
Forschung. Diese Steuervergünstigungen wollen Sie bei 
Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern kappen. Das 
ist eine unglaubliche Bürokratie. Können Unternehmen mit 
270 Mitarbeitern nicht vernünftig forschen? Was machen 
Sie eigentlich, wenn solche Unternehmen im Bereich der 
Gentechnologie und im Bereich der Kernenergie for- 
schen? 

(Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: So was nennt man Projektförderung!) 

Dann sehen Sie das hoffentlich auch positiv. 

(Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Wir gehen halt verantwortungsvoll mit 
den Mitteln um!) 

(B) In Ihrem Entschließungsantrag geben Sie überhaupt 
keine Antwort auf die von Ihnen richtig formulierten 
Probleme der Subventionen. 

Da wir uns in der schwersten Wirtschaftskrise der 
Bundesrepublik Deutschland befinden, ist die Frage, wie 
wir auf diese Krise reagieren, besonders wichtig. Ich 
denke zum Beispiel an Beihilfen und vergünstigte Kredite. 
Ich finde es sehr traurig, dass Sie in Ihrem Antrag nicht 
einen einzigen Satz dazu geschrieben haben. Das ist ein 
Armutszeugnis. Sie haben keine Antwort auf die Frage, 
was Subventionen in der Krise bedeuten. 

(Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Dann müssen Sie den Antrag einmal 
richtig lesen!) 

Die ganze Bundesrepublik diskutiert darüber, alle Zeitun- 
gen sind voll davon, aber Sie klammem diese wichtige 
Frage in Ihrem Entschließungsantrag, der erst in dieser 
Woche auf den Tisch gekommen ist, komplett aus. 

(Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Nein!) 

Meines Erachtens ist es in einer solchen Krise Aufgabe 
der sozialen Marktwirtschaft, Handlungsfähigkeit zu zei- 
gen. Das bedeutet auch, dass es ihre Aufgabe ist, dafür zu 
sorgen, dass Unternehmen mit Krediten versorgt werden. 
Das heißt aber gerade nicht - damit komme ich zum Kern 
der Problematik dieser schweren Wirtschaftskrise -, dass 
wir all das, was wir in den letzten Jahren zur Begrenzung 
der Subventionspolitik beschlossen haben - das sprechen 
Sie zu Recht an -, einfach über den Haufen werfen. Gerade 


in der jetzigen Phase dürfen wir uns nicht einfach hin- (C) 
stellen und sagen, dass der Staat dafür da ist, sämtliche 
Unternehmen zu retten, wie die SPD es momentan 
macht. Ich bitte Sie wirklich, damit aufzuhören. Auch in 
Zeiten der Wirtschaftskrise ist es Aufgabe des Staates, die 
allgemeinen Rahmenbedingungen zu setzen. Gerade in 
der jetzigen Zeit ist es entscheidend, dass die eingeleiteten 
Hilfsmaßnahmen nicht zu Marktverzerrungen führen 
und einzelne Unternehmen nicht bevorzugt werden. 

(Beifall der Abg. Anke Eymer [Lübeck] 

[CDU/CSU]) 

Daher haben wir das Kredit- und Bürgschaftsprogramm 
der Bundesregierang so ausgestaltet, dass die Kredite zu 
Marktkonditionen vergeben werden. Die Hilfen stellen 
somit keine Subvention im herkömmlichen Sinn dar. Der 
Schirm dient dazu, im Kern gesunde Unternehmen, die 
in normalen Zeiten wettbewerbsfähig sind, 

(Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Wadan-Werft!) 

vernünftig mit Krediten zu versorgen. Wir zielen damit 
genau dorthin, wo die Krise entstanden ist, auf die Fi- 
nanzmärkte. 

Durch das KfW- Sonderprogramm erreichen wir - das 
steht zurzeit in der Diskussion -, dass die durch die kriti- 
sche Eigenkapitalausstattung der Banken entstandene Ge- 
fahr der Kreditklemme abgemildert wird. Die Konditionen, 
zu denen die Unternehmen Kredite erhalten, richten sich, 
um Marktverzerrangen zu verhindern, nach der Bonität der 
Unternehmen. Besonders positiv ist, dass vor allen Din- 
gen kleine und mittelständische Betriebe diese Kredite 
annehmen. 98 Prozent entfallen auf kleine und mittel- (I^) 
ständische Betriebe. Positiv ist auch, dass die Hälfte dieser 
Kredite Investitionskredite sind. Das heißt, dass diese 
Kredite dazu dienen, Arbeitsplätze zu erhalten bzw. zu 
schaffen. Die andere Hälfte dient allerdings nur dazu, 
Betriebsmittel abzusichera. Das zeigt, wie problematisch 
diese Krise ist. Viele Banken haben die Kreditlinien der 
Unternehmen einfach gekappt. 

(Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Vor allem die, die ihr mit dem Ret- 
tungsschirm unterstützt!) 

Meine Damen und Herren, Unternehmen, die aus 
selbstverschuldeten Gründen in Schiefiage geraten sind, 
sollen nicht unter diesen Schirm flüchten können. Der 
Steuerzahler muss vor einer Haftung für Fehler von Unter- 
nehmensmanagem geschützf werden. Es isf daher richtig, 
dass Unternehmen wie Arcandor, die aufgrund von Ma- 
nagementfehlem Probleme bekommen haben, nicht erst 
künstlich über Wasser gehalten werden, 

(Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: 

Aha! Was sagt denn Herr Seehofer dazu? Haben 
Sie mit dem schon mal darüber gesprochen?) 

um sie dann womöglich nach der Bundestagswahl pleite- 
gehen zu lassen. Es ist ganz klar, dass gerade im Fall 
Arcandor erst einmal die Eigentümer, die ja solvent sind, 
ihre Verantwortung übernehmen müssen und nicht der 
Steuerzahler. 

(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNIS- 
SES 90/DIE GRÜNEN) 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25147 


Dr. Oie Schröder 

(A) Ich bitte den Kanzlerkandidaten Steinmeier, zur Kenntnis 
zu nehmen, dass ihm populistische Aussagen nach dem 
Motto „Der Staat kann jedes Unternehmen retten“ im 
Bundestagswahlkampf nichts nützen werden. 

(Irmingard Schewe-Gerigk [BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN]: Über welches Thema spre- 
chen Sie eigentlich gerade?) 

Wichtig ist, dass wir die auf EU-Ebene entwickelten 
Kriterien jetzt streng anwenden. Die europäische und die 
supranationale Dimension haben Sie allerdings völlig 
ausgeblendet, und das, obwohl solche Entscheidungen 
international abgestimmt werden. Ich bin froh, dass es uns 
gelungen ist, auf europäischer Ebene dafür zu sorgen, 
dass die Beihilfen, die aufgrund der gegenwärtigen Krise 
notwendig sind, nur nach ganz klaren Vorgaben vergeben 
werden dürfen. Unternehmen, die bereits vor dem 1 . Juli 
letzten Jahres in Schwierigkeiten waren, und Unternehmen, 
die Zugang zum Kapitalmarkt haben, dürfen keine Hilfen 
bekommen. 

Meine Damen und Herren, jetzt komme ich auf Nokia 
zu sprechen. 

(Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Das ist schön! Über dieses Thema re- 
den wir heute schließlich!) 

An der Standortverlagerung des Nokia- Werkes, die An- 
lass Ihrer Großen Anfrage war, lässt sich exemplarisch 
aufzeigen, warum wir Subventionen nur äußerst restrik- 
tiv vergeben dürfen: weil es Mitnahmeeffekte gibt. Auch 

(B) Nokia für seinen Abgang letztlich teuer bezahlt hat 
- ein Großteil der Subventionen musste zurückgezahlt 
werden -, wurde die Gefahr, die von solchen Mitnahme- 
effekten ausgeht, deutlich; darauf haben Sie von den 
Grünen hingewiesen. 

Man muss aber nicht die Moralkeule gegen Nokia 
schwingen. 

(Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Nein! Natürlich nicht! Man muss auch 
nicht sein Handy gegen die Wand werfen!) 

Selbstverständlich orientieren sich Unternehmen an den 
Vorgaben, die ihnen gemacht werden. Sie nehmen eine 
ganz kühle Kalkulation vor. Das spielt im Übrigen auch 
im Hinblick auf die Agrarsubventionen, über die mo- 
mentan diskutiert wird, eine Rolle. Ich weiß nicht, ob es 
uns weiterhilft, wenn wir im Internet nachlesen können, 
wer in welchem Umfang Agrarsubventionen bekommt. 

(Ulrike Flach [FDP]: Oh doch! - Kerstin 
Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: 
Doch! Natürlich!) 

Das hat lediglich Prangerwirkung. 

(Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Oh nein! Ganz im Gegenteil! Wir brau- 
chen Transparenz!) 

Wir sollten uns lieber einmal darüber unterhalten, wel- 
che Agrarsubventionen überhaupt noch vernünftig und 
notwendig sind. 


Noch einmal: Es ist richtig, dass wir Unternehmen, (C) 
die im Kern gesund sind, in dieser schweren Krise stützen. 

Es ist aber nicht Aufgabe des Staates, Unternehmen, die 
schon in normalen wirtschaftlichen Zeiten nicht wettbe- 
werbsfähig waren, jetzt zu unterstützen und ihnen Sub- 
ventionen zu zahlen. 

Entscheidend ist, dass wir auch auf internationaler 
Ebene alles unternehmen, um zu verhindern, dass es in 
der jetzigen Krise zu einem Subventionswettlauf kommt. 
Natürlich fürchten viele Staaten und Regionen, Arbeits- 
plätze und Unternehmen zu verlieren. Schon vor der Krise 
wurden in bestimmten Bereichen ungeheuer hohe Sub- 
ventionen gezahlt. Ein Beispiel ist die Chipherstellung. 

Das, was in diesem Bereich passiert ist, hatte mit Markt 
nichts mehr zu tun. Insbesondere in asiatischen Staaten 
wurden die Investitionen teilweise und manchmal sogar 
vollständig vom Staat übernommen. Dies führte natürlich 
zu einer unglaublichen Überschwemmung des Marktes 
mit den entsprechenden Produkten und hatte letztlich zur 
Folge, dass die gesamte Chipindustrie heute am staatlichen 
Tropf hängt. Im Bereich es Schiffbaus erleben wir seit 
Jahrzehnten eine ähnliche Situation. Wir müssen aufpassen, 
dass das Gleiche nicht weltweit im Bereich der Automobil- 
industrie geschieht. 

(Ulrike Flach [FDP]: Dann hättet ihr die Hil- 
fen anders strukturieren müssen!) 

International entsteht hier ein ähnlicher Subventions- 
wettlauf Die Amerikaner pumpen jeden Monat Milliarden 
Dollar in die Automobilindustrie. Ich bin der Bundes- 
kanzlerin sehr dankbar, dass sie auf internationaler 
Ebene versucht, diesen Subventionswettlauf zu stoppen. (D) 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Vizepräsident Dr. h. c. Woifgang Thierse: 

Herr Kollege, Sie müssen bitte zum Ende kommen. 

Sie haben Ihre Redezeit schon weit überzogen. 

Dr. Oie Schröder (CDU/CSU): 

Ich komme zum Ende, Herr Präsident. - Wenn es uns 
nicht gelingt, diesen Subventionswettlauf zu stoppen, ist 
es zumindest erforderlich, dass wir unsere Kemindustrie 
mit den uns zur Verfügung sfehenden Mitteln - natürlich 
in begrenztem Umfang - stützen. 

Vizepräsident Dr. h. c. Woifgang Thierse: 

Sie müssen zum Ende kommen, lieber Kollege. Sie 
haben Ihre Redezeit sehr deutlich überschritten. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Dr. Oie Schröder (CDU/CSU): 

Wir müssen dafür sorgen - lieber Präsident, das ist 
der letzte Satz; ich habe wirklich übersehen, dass ich 
über die Zeit bin -, dass wir Subventionen in normalen 
Zeiten wie in Krisenzeiten nur in sehr begrenztem Umfang 
zahlen. 

Schönen Dank. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Vizepräsident Dr. h. c. Woifgang Thierse: 

Das Wort hat nun Kollegin Ulrike Flach für die FDP- 
Fraktion. 


(Beifall bei der FDP) 

Ulrike Flach (FDP): 

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 
Herr Dr. Schröder, Sie haben zu Recht davon gesprochen, 
dass man einen Subventionsstopp propagieren sollte. 
Dabei haben Sie aber völlig zu erwähnen vergessen, dass 
wir uns nun schon im zweiten Jahr - ganz anders als in 
den Voijahren - auf einer Rekordhöhe der Subventionen 
bewegen. 

Diese Subventionen hängen auch nicht zwingend mit 
der Krise zusammen, die Sie immer anführen. Das Jahr 
2009 isf das Rekordjahr der Subventionen. Im Jahr 2008 
betrugen die Finanzhilfen bereits 5,7 Milliarden Euro. 
Inzwischen haben sie sich auf 11 Milliarden Euro ver- 
doppelt. Allein 5 Milliarden Euro davon entfallen auf die 
unselige Abwrackprämie. 

Wie Sie mit der Abwrackprämie die Finanz- oder 
Wirtschaftskrise bewältigen wollen, haben Sie uns nicht 
erklären können. Ich glaube auch nicht, dass Ihnen das 
gelingen wird. 

(Beifall bei der FDP und dem BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 

Der Subventionsbericht nennt für 2008 Steuerver- 
günsfigungen in Höhe von 15,8 Milliarden Euro. Das isf 
noch eine geschönte Version. Beim Kieler Institut für 
Weltwirtschaft spricht man sogar von einer Höhe von 
48,8 Milliarden Euro. Damit liegen wir auf einem deut- 
lich höheren Niveau und zahlen einen viel höheren Preis. 

Fakt ist, dass im Jahr 2009 weitere 1,1 Milliarden 
Euro an Steuervergünstigungen dazukommen - zum 
Beispiel durch den „wunderschön“ gegen die Weltwirt- 
schaftskrise ersonnenen Kfz- Steuererlass für Neuwagen 
oder die sfeuerliche Geltendmachung von Handwerker- 
dienstleistungen. 

Ich kann nicht erkennen, dass Sie auf dem Weg waren, 
der Welt zu helfen. Herr Dr. Schröder, nach meiner Ein- 
schätzung haben Sie nur gedacht, an dieser Stelle etwas 
für Ihren Wahlkampf tun zu können. 

(Beifall bei der FDP und dem BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 

Ich finde es auch sehr ersfaunlich, dass vonseiten der 
SPD immer noch unverfroren davon gesprochen wird, man 
könne keine Steuererleichterungen vornehmen, obwohl 
Sie gleichzeitig solche Geschenke in Milliardenhöhe 
machen, lieber Herr Schultz. 

(Beifall bei der FDP) 

In diesem Jahr wird die Staatsquote mehr als 50 Pro- 
zent erreichen. Bereits vor einem Jahr haben wir einen 
Antrag zur Begrenzung von Subventionen und für mehr 
Transparenz vorgelegt. Wir wollen den Subventions- 
begriff des Kieler Instituts für Weltwirtschaft als Grund- 
lage verwenden, Frau Andreae. Alle bestehenden Sub- 


ventionen möchten wir zeitlich befristen und degressiv (C) 
gestalten. Außerdem wollen wir sie regelmäßig im Hin- 
blick auf ihre Wirksamkeit evaluieren. Bis zu diesem 
Punkt stimmen wir mit den Grünen völlig überein. 

Die durch den Subventionsabbau frei werdenden Mittel 
wollen wir allerdings ausschließlich zum Abbau der Neu- 
verschuldung verwenden. Da beginnt der große Unter- 
schied zu Ihrem Entschließungsantrag, Frau Andreae. 

(Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Alles andere hätte mich auch gewun- 
dert!) 


Der Entschließungsantrag der Grünen verfolgt eine 
völlig andere Richtung. Ihnen geht es nicht um den Sub- 
ventionsabbau und eine grundsätzliche Rückführung. 
Bei Ihnen wird nur die Frage gestellt: Passt uns die poli- 
tische Richtung der Subvention? 

Darüber kann man natürlich trefflich streiten. Selbst- 
verständlich gibt es Punkte, bei denen auch wir Ihnen 
zustimmen könnten, beispielsweise steuerliche FuE-För- 
derung, Venture-Capital und Steuergutschriften für for- 
schende Unternehmen. Freilich gibt es auch Punkte, bei 
denen wir völlig anderer Meinung sind, zum Beispiel bei 
den ökologisch-sozialen Anreizen. 

(Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Schade!) 


Das kann bei dem Thema Subventionen aber nicht der 
Leitgedanke sein. Subventionen sollten keinesfalls in gut 
und böse unterteilt werden - nach dem Motto: Wenn 
Arbeitsplätze im Umweltschutz erhalten werden, ist eine 
Subvention gut; wenn Arbeitsplätze im Verteidigungs- 
sektor erhalten werden, ist sie schlecht. - Genau dies 
sollte die Subventionsdebatte nicht prägen. Wir haben 
allerdings zum Beispiel verfolgen können, dass Sie die 
Opel-Subventionen nicht gut fanden, weil damit nicht 
das ökologisch richtige Auto gefördert werden sollte. 


(D) 


Der Differenzierung zwischen „guten“ und „bösen“ 
Subventionen können wir als Haushälter nicht zustimmen. 
Schon allein das wäre Grund genug, Ihren Antrag abzu- 
lehnen. 


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU - 
Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Aber Sie enthalten sich?) 

Wir beurteilen Subventionen grundsätzlich kritisch. 
Wie ich eben schon gesagt habe, müssen sie transparent, 
zeitlich befristet und degressiv gestaltet sein. Wenn Sie 
die Bundesregierung kritisieren, Frau Andreae, bin ich 
Ihrer Meinung. Die Bundesregierung hat es geschafft, all 
ihre guten Leitgedanken, die sie sogar einmal schriftlich 
festgelegt hat, in den vergangenen vier Jahren nicht zu 
verfolgen. Das ist schon eine Leistung! Hätte sie es ge- 
tan, wären wir, was die Höhe der Subventionen angeht, 
wahrscheinlich auf einem deutlich besseren Niveau. 


(Beifall des Abg. Dr. Max Stadler [FDP]) 

Auch bei der Transparenz bin ich Ihrer Meinung, Frau 
Andreae. Wir erleben zurzeit eine Debatte zum Thema 
Agrarsubventionen. Ich finde es geradezu skandalös, 
dass sich der Freistaat Bayern plötzlich ausschließt und 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25149 


Ulrike Flach 

(A) meint, er müsse anders als alle anderen Länder seine 
Subventionen nicht mehr darstellen. So muss dem deut- 
schen Steuerzahler verborgen bleiben, was für tolle Sub- 
ventionen es zum Beispiel im europäischen Bereich gibt. 
Man möge nur einmal darüber nachdenken: 20 deutsche 
Klöster erhalten im Augenblick EU-Gelder. 

(Beifall bei Abgeordneten der FDP und der 
LINKEN) 

Das sind Subventionen in Deutschland! Die Hessische 
Hausstiftung bekommt für die Verwaltung der Kunst- 
sammlung der früheren Herrscherfamilien samt Weingut 
Geld. Das sind Subventionen! Sie können uns nicht er- 
zählen, dass es nicht möglich wäre, an dieser Stelle zu 
sparen. 

(Beifall bei Abgeordneten der FDP und der 
LINKEN) 

Im Gegenteil, Herr Schröder, genau an dieser Stelle geht 
es nicht um durch die Weltwirtschaft bedingte Schwie- 
rigkeiten. Hier wird in der Hoffnung, Wähler zu ködern, 
Geld aus dem Fenster geworfen. Das ist der falsche Weg. 
Die FDP kann diesen Weg nicht mit Ihnen gehen. 

Deswegen sind wir nicht nur gegen die Leitlinien der 
Bundesregierung - die ja nicht einmal umgesetzt worden 
sind -, sondern auch gegen die Stoßrichtung der Großen 
Anfrage der Grünen. Politisch gewollte Subventionen 
sind auch nicht unser Ding. Gar keine Subventionen, 
Frau Andreae, das wäre am besten! 

(Beifall bei der FDP - Kerstin Andreae 

(B) [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] : Das hält auch 
die FDP nicht durch!) 

Vizepräsident Dr. h. c. Woifgang Thierse: 

Das Wort hat nun Kollege Reinhard Schultz für die 
SPD-Fraktion. 

(Beifall bei Abgeordnelen der SPD) 

Reinhard Schuitz (Everswinkel) (SPD): 

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die 
Diskussion führt teilweise in die Irre. Wenn wir mil dem 
Haushalt Mittel für Fachprogramme, für besfimmte 
Gruppen, für Maßnahmen, für Regionen beschließen, 
dann sind das natürlich politische Entscheidungen; wir 
wollen ja etwas Bestimmtes fordern. Deswegen sind 
Subventionen, die die öffentliche Hand direkt gibt oder 
die sie indirekt, über Steuervergünstigungen, gewährt, 
grundsätzlich Ausdruck einer politischen Entscheidung. 

Man kann sich darüber unterhalten, wie nachhaltig 
bestimmte Subventionen sind - im ökologischen Sinne; 
im Sinne, Arbeitsplätze zu fordern; im Sinne einer inno- 
vativen, zukunftsorientierten Gesamtentwicklung - und 
welche Subventionen auf den Prüfstand gehören, weil 
sie Zeugnis längst überkommener Entwicklungen sind 
und abgeschafft gehören. Es gibt Subventionen, die ihre 
Berechtigung haben, es gibt aber auch Subventionen, de- 
ren Zeit abgelaufen ist. 

(Ulrike Flach [FDP]: Trotzdem gibt es sie 
noch!) 


Insofern ist die Stoßrichtung der Großen Anfrage der (C) 
Grünen, eine bessere Evaluierung, eine Erfolgskontrolle 
vorzunehmen, korrekt und richtig. 

Ein Teil der Programme wird stärker evaluiert als an- 
dere Programme. Bei den Gemeinschaftsaufgaben wird 
deutlich evaluiert, welche Investitionen damit getätigt 
werden und welche Arbeitsplatzwirkungen - der Erhalt 
bestehender Arbeitsplätze oder die Schaffung neuer Ar- 
beitsplätze - damit verbunden sind. Bei anderen Pro- 
grammen ist das nicht so. Das liegt daran, dass die Ver- 
antwortung für die Programme breit gestreut ist und wir, 
zumindest was Evaluierung und Transparenz der Sub- 
ventionen bzw. Beihilfen angeht, keine zentrale Steue- 
rung haben. 

Die Zielrichtung der großen Subventionsblöcke, die 
wir als Bund zu verantworten haben, ist in erster Linie, 
im Bundesgebiet gleichwertige Lebensbedingungen her- 
zustellen. Das ist ein grundgesetzlicher Auftrag. Er 
drückt sich in Gemeinschaftsaufgaben aus, aber auch in 
all dem, was mit dem Aufbau Ost verbunden ist. Das 
wird man nicht grundsätzlich inffage stellen. 

Trotzdem kann man im Einzelfall über die Zielgenau- 
igkeit reden, und das haben wir auch getan. Man kann 
bestimmte Subventionen auslaufen lassen und sie de- 
gressiv gestalten, zum Beispiel die Investitionszulage, 
die ja mit 2013 auf Endlichkeit angelegt ist. 

Es gibt Subventionen, mit denen im weitesten Sinne 
Innovationen, Modernisierung, Forschung und andere 
Dinge gefördert werden. Bei diesen Subventionen gibt 
es eine gewisse Evaluierung. Es stellt sich allerdings die (D) 
Frage: Lösen diese Subventionen wirklich eine breite In- 
novationswelle aus, auch bei kleineren Einrichtungen, 
oder sind es geübte Subventionsempfänger, die einen 
Großteil des Kuchens einsacken? Das ist auch mir nicht 
immer klar. 

Frau Andreae, Sie haben danach gefragt, wie das mit 
der InnovationsfÖrderung für kleinere und mittlere Un- 
ternehmen läuft. Dafür gibt es eigene Programme. Da 
wissen wir, dass die Förderung nur bei denen ankommt. 

Wir wissen auch, dass Deutschland im OECD-Vergleich 
an dritter Stelle steht, was die Innovations- und For- 
schungstätigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen 
angeht. Aber das muss nicht bedeuten, dass die Pro- 
gramme bei diesen Unternehmen auch ankommen, weil 
viele von ihnen auch außerhalb der Programme Innova- 
tionsanstrengungen unternehmen, Erfindungen machen 
und neue Produkte auf den Markt bringen. Insofern 
müssfe man das zusammenführen. 

Wir wollen durch Subventionen natürlich Verhaltens- 
änderungen auf den Weg bringen. Im gesamten Bereich, 
der zum Teil auch durch die KfW-Programme repräsen- 
tiert wird - die energetische Gebäudesanierung usw. -, 
soll über Markanreizprogramme sozusagen ein neuer 
Mainstream im Denken und Investitionsverhalten von 
Menschen bewirkt werden. Das wird auch erreicht. Auch 
dort gibt es eine ganz gute Evaluation, was damit eigent- 
lich gemacht wird, wie viele Gebäude tatsächlich ener- 
getisch saniert werden und was am Ende dabei raus- 
kommt. Hier ist das, denke ich, gut und relativ leicht 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Reinhard Schultz (Everswinkel) 

(A) nachzuvollziehen - in anderen Bereichen allerdings we- 
niger. 

Was ich bei Ihrem Ansatz - da bin ich durchaus in der 
Nähe der Kollegin Flach, obwohl ich weiß, dass Subven- 
tionsentscheidungen politische Entscheidungen sind - 
kritisieren würde, ist, dass er zumindest verbal - es gibt 
da eine entsprechende Stelle - ausschließlich in Richtung 
der kleinen ökologischen Netzwerke zielt. Die kleinen 
ökologischen Netzwerke sind natürlich Ihre wesentli- 
chen Zielgruppen. In Ihrer - oder in unserer gemeinsa- 
men - Regierungszeit haben Sie es auch hinbekommen, 
dass die kleinen ökologischen Netzwerke ordentlich et- 
was abbekommen. Aber das kann nicht die einzige Sicht- 
weise, das kann nicht die einzige Zielgruppe sein; das 
fände ich nicht in Ordnung. Überhaupt sollten Subventi- 
onen nicht unbedingt zielgruppenorientiert sein, sondern 
sollten durch Ziele bestimmt sein. 

Wir haben zum Beispiel im Bereich der grünen Tech- 
nologien - das weist ja der GreenTech-Atlas aus dem 
Gabriel-Ministerium sehr gut nach - sehr viel zusätzlich 
an Boden wettgemacht. Wir sind auch im weltweiten 
Vergleich absolut vorne - und zwar im Wesentlichen 
aufgrund unserer Förderpolitik, entweder direkt - etwa 
bei der Technologieförderung - oder indirekt dadurch, 
dass wir einen Referenzmarkt in Deutschland für mo- 
derne Umwelttechniken, ressourcensparende Techniken 
und anderes geschaffen haben. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

Ich denke, auch insofern hat eine Evaluierung stattge- 
funden - in diesem Fall durch das Umweltministerium -, 
die man gut vorzeigen kann. 

Ihre Große Anfrage hat einige ganz interessante Ne- 
benaspekte, die ich doch einmal in den Blick nehmen 
möchte. Sie sagen zu Recht, degressiv und transparent 
ausgestaltete Subventionen stärkten und förderten, rich- 
tig angewendet, neue technologische Entwicklungen. Sie 
sagen dann, ein gelungenes Beispiel dafür sei die Umla- 
gefinanzierung der Energiewende durch das Einspeise- 
gesefz im Bereich der emeuerbaren Energien. Ich finde, 
das ist völlig richtig, hat aber auch einen Nebeneffekt: 
Sie geben zum ersten Mal - ich sehe das seit langem so - 
deutlich zu, dass das zwar keine Mittel sind, die direkt 
aus dem öffentlichen Haushalt finanziert werden, dass 
das aber trotzdem ein indirektes Subventionsprogramm 
ist. Keine Frage: Es wirkt gut, aber es ist ein Subven- 
tionsprogramm. 

Ich denke, man muss den Subventionsbegriff etwas 
weiter fassen. Er umfasst nicht nur die Haushaltsfinan- 
zierung, direkt oder indirekt, sondern auch die durch den 
Gesetzgeber initiierten Preisrelationen, die eine be- 
stimmte Entwicklung, die ein bestimmtes Produkt be- 
günstigen - in diesem Falle die emeuerbaren Energien - 
und andere dafür belasten. So etwas ist wirksam, aber es 
ist ohne Frage ein klassischer Subventionsmechanismus - 
nur eben nicht über Haushaltsmittel. 

(Dr. Oie Schröder [CDU/CSU]: Sehr richtig!) 

Insofern zeigt sich hier auch ein Beitrag zur ehrlichen 
Selbsterkenntnis. 


Ein andere interessanter Beitrag ergibt sich durch die (C) 
Antwort der Bundesregiemng. Sie sagen ja ständig, was 
alles angeblich subventioniert wird, unter anderem zum 
Beispiel Braunkohle. Das ist ein landläufiges Vorarteil: 

Weil man von der Steinkohle weiß, dass sie in der Ver- 
gangenheit und bis heute aus stmkturpolitischen Grün- 
den, nämlich um Strukturbrüche zu vermeiden, subven- 
tioniert worden ist, glauben viele, Braunkohle würde 
auch subventioniert. Braunkohle ist der einzige in 
Deutschland zu gewinnende Primärenergieträger, der 
subventionsfrei zur Verfügung gestellt werden kann. Das 
muss man einmal deutlich so sagen. Dann kommt aber 
natürlich der Feinschmecker unter uns und sagt, die Um- 
weltfolgen seien dabei nicht vernünftig eingepreist. 

Doch auch insofern sind wir einen Schritt weiter, weil 
wir durch den Emissionshandel eine Einpreisung der 
Klimafolgen und damit auch eine Begrenzung des 
Braunkohleeinsatzes, soweit er klimawirksam wird, ha- 
ben. Dennoch: Der Braunkohleeinsatz ist nicht subven- 
tioniert. Ich finde, das ist ganz wichtig. 

Ein letztes Wort zu dem schönen Thema Transparenz: 

Ich finde es ausgesprochen erhellend, Herr Schröder und 
Frau Flach, nachlesen zu können, wer die meisten Agrar- 
subventionen erhält, soweit es um Subventionsempfän- 
ger in Deutschland geht. 

(Beifall der Abg. Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN]) 

Ich habe es mir nicht so dramatisch vorgestellt, wer was 
bekommt. An der Spitze steht Südzucker. Ob das zwin- 
gend so sein muss, bleibt dahingestellt. Man kann über 
alles reden. Aber wenn es eine solche Liste der Subven- (D) 
tionsempfänger gibt, kann man auch danach fragen, wie 
die Programme wirken. Das gebe ich als Anregung an 
den nächsten Deutschen Bundestag und die nächste 
deutsche Bundesregierung weiter. 

(Dr. Oie Schröder [CDU/CSU]: Das ist doch 
der entscheidende Schritt, daraus die Schluss- 
folgerung zu ziehen!) 

Ich neige deutlich zu der Empfehlung, die Empfänger 
von sfaatlichen Subventionen - soweit es sich um direkte 
Finanzbeihilfen handelt - durch die Bank weg auf einer 
Intemetplattform zu veröffentlichen. Warum eigentlich 
nicht? 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
sowie bei Abgeordneten der LINKEN) 

In den USA ist das gang und gäbe. Es fällt einem da- 
durch kein Zacken aus der Krone. Für jemanden, der 
sich dafür schämt, dass er Staatsknete angenommen hat, 
und sich nicht öffentlich dazu bekennen will, gilt: Es 
gibt keinen Anschluss- und Nutzungszwang für Subven- 
tionen. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des 
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) 

Wenn er etwas Sinnvolles macht, dann kann er auch 
dazu stehen. Kein Mensch hat etwas dagegen. 

Ich finde es nicht gut, dass manche Presseorgane über 
Kollegen im Bundestag, die Bauern sind, veröffentli- 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Reinhard Schultz (Everswinkel) 

(A) chen, welche speziellen Agrarbeihilfen sie bekommen 
haben. Sie haben das Recht dazu, das für ihren Bauern- 
hof in Anspruch zu nehmen. Ob das auch für den Erleb- 
nisferienhof gilt, ist eine andere Frage. Aber grundsätz- 
lich haben sie Anspruch darauf 

Ich finde es gut, dass das transparent gemacht wird. 
Mehr Transparenz und Evaluierung würden dem Deut- 
schen Bundestag gut zu Gesicht stehen. Ich wäre auf je- 
den Fall dafür. 

Danke. 

(Beifall bei der SPD sowie der Abg. Kerstin 
Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) 

Vizepräsident Dr. h. c. Woifgang Thierse: 

Als letztem Redner in dieser Debatte erteile ich Kol- 
legen Herbert Schul für die Fraktion Die Linke das Wort. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Dr. Herbert Schui (DIE LINKE): 

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Frau 
Andreae, Sie haben bereits einige Blöcke aus meiner 
kurzen Rede vorweggenommen. 

(Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Ohne Wissen!) 

Das macht nichts. Ich stimme Ihnen jedenfalls zu, was 
Ihre Kritik an der Bundesregierung angeht. 

(B) So kann ich mich auf einige grundsätzliche Überle- 
gungen zur Subventionspraxis konzentrieren. Wenn die 
Freimarktier und die Jubelmarktler recht hätten, dann 
müsste es keine Subventionen mehr geben. Wir hätten 
dynamische Unternehmer in Hülle und Fülle, die jede er- 
denkliche Innovation mit ausreichender Schubkraft auf 
den Weg bringen würden. Der Markt würde darüber ent- 
scheiden, was überdauern soll. Wir bräuchten also keine 
Erhaltungssubventionen. Dann wäre auch der Struktur- 
wandel wie eigentlich alles ohne Subventionen möglich. 

Tatsächlich brauchen wir aber offensichtlich Subven- 
tionen, und zwar deshalb, weil der Markt in vielen Berei- 
chen versagt und nicht das zuwege bringt, was wir gerne 
hätten. 

(Ulrike Flach [FDP]: Als Anreiz, Herr Schui!) 

- Gut, als Anreiz. Der Markt bietet die Anreize nicht, 
sonst müsste man nicht über Subventionen nachdenken. 

Die Bundesregierung definiert Leitlinien und formu- 
liert als Selbstbindung: „Die Subventionspolitik der 
Bundesregierung orientiert sich an Wachstums-, vertei- 
lungs-, wettbewerbspolitischen und umweltpolitischen 
Wirkungen.“ Das ist allgemein richtig, aber es ist derma- 
ßen umfassend, dass man nicht viel damit anfangen 
kann. Man kann es auch nicht überprüfen. Eine Erfolgs- 
kontrolle ist so gut wie gar nicht möglich. 

Damit Subventionen klarer und deswegen auch kon- 
trollierbar werden, dürfen sie sich niemals an der Stärke 
der Lobby und der Auswirkung von Lobbyarbeit auf 


Wahlergebnisse orientieren. Ich glaube, dieses Moment (C) 
bei den Subventionen sollte man nicht übersehen. 

Wesentlich ist zunächst, dass Subventionen haupt- 
sächlich als Bestandteil von Industriepolitik begriffen 
werden. Man sollte in der Lage sein, sich auf den Begriff 
der Industriepolitik in diesem Rahmen zu einigen. Sub- 
ventionen sollen die Richtung der Produktion bestim- 
men, das heißt, wie und was produziert werden soll und 
was gegebenenfalls erhalten werden soll. Das schließt 
selbstverständlich die Umweltförderung mit ein. Aber 
die Frage, die durch Subventionen gelöst werden soll, 
wird offensichtlich nicht von der Kapitalrentabilität als 
einem Motor für ökonomische Dynamik beanfwortef. 

Wie können die Erfolge der Subventionen kontrolliert 
werden? Es gibt die üblichen, bekannten Verfahren. Auf 
eines möchte ich aber vor allen Dingen aufmerksam ma- 
chen: Unser Subventionsbegriff ist insofern falsch ge- 
fasst, als er tatsächlich mehr beinhaltet als nur die lau- 
fenden Übertragungen und die Vermögensübertragungen 
an die Unternehmen. Er umfasst auch die gesamte 
Summe der nicht gezahlten Steuern. 

Es darf keine Anreize durch nicht gezahlte Steuern 
geben; das ist falsch. Das muss durch laufende Übertra- 
gungen und Vermögensübertragungen geschehen. Es 
muss klar festgelegt werden, wie man die Wirkung der 
Übertragungen überprüfen will. Sonst ist nicht klar, was 
mit dem Steuerverzicht im Einzelnen erreicht worden 
ist. 

Die Kontrolle sollte so eingehend sein, wie wir sie 
von den laufenden Übertragungen an ALG-II-Bezieher 
kennen. Nachdem klar definiert worden ist, weswegen 
die Subventionen überhaupt vergeben werden, sollte sich 
die Subventionspraxis durch eine ähnlich intensive Kon- 
trolle wie bei den ALG-II-Empfängem auszeichnen. 

Vielen Dank. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Ich schließe die Aussprache. 

Wir kommen zur Abstimmung über den Entschlie- 
ßungsantrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auf 
Drucksache 16/13388. Wer stimmt für diesen Entschlie- 
ßungsantrag? - Wer stimmt dagegen? - Enthaltungen? - 
Der Entschließungsantrag ist mit den Stimmen von 
CDU/CSU, SPD und FDP bei Gegenstimmen des 
Bündnisses 90/Die Grünen und bei Enthaltung der Frak- 
tion Die Linke abgelehnt. 

Ich rufe den Tagesordnungspunkt 9 auf: 

- Zweite und dritte Beratung des von den Fraktio- 
nen der CDU/CSU und der SPD eingebrachten 
Entwurfs eines Gesetzes zur Bekämpfung der 
Kinderpornographie in Kommunikationsnet- 
zen 

- Drucksache 16/12850 - 

- Zweite und dritte Beratung des von der Bundesre- 
gierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner 

zur Bekämpfung der Kinderpornographie in 
Kommunikationsnetzen 

-Drucksachen 16/13125, 16/13385 - 

Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschus- 
ses für Wirtschaft und Technologie (9. Aus- 
schuss) 

-Drucksache 16/13411- 
B erichterstattung : 

Abgeordnete Dr. Martina Krogmann 

Zum Gesetzentwurf der Fraktionen der CDU/CSU 
und SPD, über den wir später namentlich abstimmen, 
liegt je ein Entschließungsantrag der Fraktion der FDP, 
der Fraktion Die Linke und der Fraktion Bündnis 90/Die 
Grünen vor. 

Nach einer interfraktionellen Vereinbarung ist für die 
Aussprache eine Dreiviertelstunde vorgesehen. - Ich 
höre keinen Widerspruch. Dann ist das so beschlossen. 

Ich eröffne die Aussprache. Das Wort hat die Kolle- 
gin Dr. Martina Krogmann, CDU/CSU. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Dr. Martina Krogmann (CDU/CSU): 

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kol- 
legen! Wir beschließen heute das Gesetz zur Bekämp- 
fung der Kinderpomografie in Kommunikationsnetzen. 
Ziel dieses Gesetzes ist es, durch eine Sperrung den Zu- 
gang zu Seiten mit kinderpomografischen Inhalten vor 
allem für Zufallsnutzer zu erschweren. Das gilt insbe- 
sondere für Nutzer, die durch Spammails oder durch 
Links auf solche Seiten gelangen. Dieses Gesetz ist ein 
weiterer wichtiger Schritt in unserer Gesamtstrategie zur 
Bekämpfung der Kinderpomografie. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Zu diesem Gesetz hat es in den vergangenen Monaten 
extrem kontroverse und hochemotionale Debatten gege- 
ben. Lassen Sie mich deshalb am Anfang dieser Debatte 
hier im Deutschen Bundestag zwei Dinge deutlich sa- 
gen. Ich weiß, dass ich für Sie alle spreche, wenn ich 
sage, dass Kinderpomografie, also die Verbreitung von 
Bildern erniedrigter, gequälter und vergewaltigter Kin- 
der, ein widerliches und abscheuliches Verbrechen ist. 

(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, der FDP 
und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Frau Kollegin Krogmann, gestatten Sie eine Zwi- 
schenfrage der Kollegin Schewe-Gerigk? 

Dr. Martina Krogmann (CDU/CSU): 

Gerne, Frau Schewe-Gerigk. 

irmingard Schewe-Gerigk (BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN): 

Frau Krogmann, Sie sprechen hier über ein ganz 
wichtiges Thema. Es hat in den letzten Wochen viele 
Debatten darüber gegeben. Können Sie sich erklären. 


wieso weder die Ministerin noch ein Staatssekretär oder (C) 
eine Staatssekretärin anwesend sind? Wie bewerten Sie 
das? 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
sowie bei Abgeordneten der SPD, der FDP 
und der LINKEN) 

Dr. Martina Krogmann (CDU/CSU): 

Sehr geehrte Frau Kollegin Schewe-Gerigk, das Ge- 
setz fällt in den Verantwortungsbereich des Bundeswirt- 
schaftsministeriums. Der zuständige Staatssekretär 
Schauerte ist anwesend. 

(Lachen bei Abgeordneten des BÜNDNIS- 
SES 90/DIE GRÜNEN - Jerzy Montag 
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Der versteht 
was von Pornografie! - Gegenmf des Abg. 

Manfred Gmnd [CDU/CSU]: Das war eine 
freche Bemerkung! Sie müssen sich entschul- 
digen!) 

- Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich finde Ihre Reak- 
tion bedauerlich. Ich habe bereits gesagt, dass die De- 
batte in den letzten Monaten hochemotional geführt wor- 
den ist. Deshalb finde ich es wichtig, die Debatte über 
dieses Thema zu versachlichen. Ich will ausdrücklich ei- 
nen Punkt ansprechen, der mir vor allem in der ersten 
Debatte zu diesem Thema aufgefallen ist. Es ist mir 
wichtig, klarzustellen, dass wir aufhören müssen, denje- 
nigen, die heute gegen den Gesetzentwurf stimmen wer- 
den, zu unterstellen, dass sie deswegen gegen die Be- 
kämpfung der Kinderpomografie seien. Das ist absurd. 

(Beifall bei der FDP) 

Mit dem Gesetz betreten wir in Deutschland Neuland. 
Erstmals wird eine Sperrinfrastmktur für Seiten im Inter- 
net errichtet, um das Betrachten von Bildern mit kin- 
derpomografischen Inhalten - das steht in Deutschland 
unter Strafe - zu verhindern. In dieser kontroversen De- 
batte geht es nicht nur um die Bekämpfung der Kin- 
derpomografie, sondern auch um eine gmndsätzliche 
Frage. Es geht um die Freiheit im Internet und die not- 
wendigen Grenzen der Freiheit im Internet. Völlig klar 
und eigentlich selbstverständlich ist, dass das Internet 
natürlich kein rechtsfreier Raum ist und auch nicht sein 
darf 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- 
neten der SPD) 

Die Zeiten, in denen das Internet nur von einer klei- 
nen Gmppe technisch versierter Eliten genutzt wurde, 
sind längst vorbei. Das Internet ist zu einem globalen 
Massenmedium geworden mit riesigen neuen Chancen 
für jeden Einzelnen in der Kommunikation, durch die 
Bildung von globalen Netzwerken sowie durch einen zu- 
vor noch nie gekannten Zugang zu Wissen und Informa- 
tion und anderen Kulturen. Das Netz hat die Prozesse in 
unserer Wirtschaft verändert und in bestimmten Berei- 
chen unser gesellschaftliches Zusammenleben revolutio- 
niert. Obwohl das Internet längst zu einem alltäglichen 
Massenmedium geworden ist, haben wir es versäumt, 
eine gmndsätzliche Debatte zu führen: Welche Regeln 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25153 


Dr. Martina Krogmann 

(A) sollen im Netz gelten? Was darf der Staat im Internet? 
Was soll und muss der Staat dürfen, und wo sind die 
Grenzen? Kann man überhaupt die Gesetze aus der rea- 
len Welt eins zu eins auf das Netz übertragen, oder ist 
das wegen der grenzenlosen und absolut dezentralen 
Struktur gar nieht durehsetzbar? Aber was ist durehsetz- 
bar, und was ist verhältnismäßig? 

leh habe auf diese Fragen keine absehließenden Ant- 
worten. leh glaube aber, dass wir es versäumt haben, 
diese notwendige Debatte zu führen, und dass dieses 
Versäumnis ein Grund dafür ist, dass es nun im Zusam- 
menhang mit diesem Gesetz - wie die Zeit schreibt - zu 
einem Kulturkampf kommt, einem Aufeinanderprallen 
von unterschiedlichen Welten, großen gesellschaftlichen 
Gruppen, die das Internet täglich nutzen, aber auch von 
Menschen in der Intemetcommunity, die im Internet ge- 
wissermaßen fast leben und atmen. Dies wird auch an 
zwei Zahlen deutlich. Gestern hat eine Allensbach-Um- 
frage ergeben, dass 91 Prozent der Bevölkerung Inter- 
netsperren zur Bekämpfung der Kinderpomografie, wie 
wir sie nun vorsehen, befürworten. 

(Jörg Tauss [SPD]: Das waren Suggestivfra- 
gen!) 

Gleichzeitig gibt es eine Onlinepetition gegen Intemet- 
sperren, die innerhalb weniger Wochen 135 000 Unter- 
zeichner gefunden hat. 

(Beifall des Abg. Jörg Tauss [SPD]) 

Das ist die bisher größte Onlinepetition in der Ge- 
schichte unseres Landes. Der vorliegende Gesetzentwurf 
berührt genau dieses Spannungsfeld. 

Ich bin überzeugt, dass wir die Pflicht haben, alle an- 
gemessenen und rechtsstaatlichen Mittel einzusetzen, 
um Kinderpomografie im Internet zu bekämpfen. 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- 
neten der SPD) 

In der Anhörung im Wirtschaftsausschuss wurde das 
grandsätzliche Ziel, die Maßnahme des Access Blo- 
cking, also der Sperrang von Seiten mit kinderpomogra- 
fischem Inhalt, als sinnvolle Maßnahme zur Prävention 
anerkannt. In anderen Punkten hat es erhebliche Kritik 
gegeben. Wir haben diese Kritikpunkte zum großen Teil 
aufgenommen, Herr Dörmann, sowohl einige Kritik- 
punkte aus der Onlinepetition als auch viele Kritik- 
punkte, die in der Anhörung offensichtlich waren. 

(Martin Dörmann [SPD]: So ist es!) 

Einen grandsätzlichen Punkt haben wir aber nicht aufge- 
nommen, und zwar aus gutem Grund. Dabei geht es um 
den grundsätzlichen Vorwurf der Zensur. Im Zusammen- 
hang mit der Sperrung von kinderpomografischen Seiten 
von Zensur zu sprechen, finde ich unerträglich. 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- 
neten der SPD) 

Wenn es um kinderpomo grafische Inhalte im Netz geht, 
kann sich niemand - aber auch wirklich niemand - auf 
die Freiheit des Internets oder auf die Informationsfrei- 
heit berufen. Es gibt kein Recht darauf, das Quälen und 


die Vergewaltigung von Vierjährigen oder gar von Säug- (C) 
lingen im Internet betrachten zu können. Das hat mit In- 
formationsfreiheit nichts, aber auch gar nichts zu tun. 

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie 
bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE 
GRÜNEN) 

Dennoch - das will ich deutlich sagen - kann ich die 
Befürchtungen derer verstehen, die sagen: Wenn die 
Sperrinfrastruktur erst einmal da ist, dann ist der Damm 
bei der Sperrung weiterer unliebsamer Inhalte im Inter- 
net gebrochen. Diese Befürchtungen sind nicht grundlos. 

(Wolfgang Wieland [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Eben!) 

So hat das Landgericht Hamburg bereits angedeutet, 
dass eine Sperrinfrastruktur im Prinzip auch gegen an- 
dere rechtswidrige Inhalte zu verwenden wäre. 

(Jörg Tauss [SPD]: Aha!) 

Vereinzelt kommen Forderungen nach Sperrungen zum 
Schutz vor Glücksspiel, der Urheberrechte und vor soge- 
nannten Killerspielen auf Ich will hier klar sagen: Diese 
Forderungen teile ich ausdrücklich nicht. 

(Beifall bei der CDU/CSU - Zuruf von der 
FDP: Heute nicht, aber morgen!) 

Es wäre grundfalsch, unmöglich und völlig unverhält- 
nismäßig, sämtliche rechtswidrigen Inhalte im Netz 
staatlicherseits zu kontrollieren, zu sperren oder gar zu 
entfernen. Deshalb haben wir in der Großen Koalition 
richtigerweise beschlossen, ein Spezialgesetz zu verab- 
schieden und deutlich zu machen, dass sich das Access (D) 
Blocking allein auf Seiten bezieht, die kinderpomografi- 
sche Inhalte haben. Das ist richtig so. 

Neben dieser Klarstellung haben wir weitere, große 
Korrekturen am Gesetzentwurf vorgenommen. Ich will 
drei Punkte nennen. 

Erstens. Im ursprünglichen Entwurf war vom Bundes- 
justizministerium vorgesehen, dass die am Stoppserver 
anfallenden Daten ohne konkreten Tatverdacht gegen 
eine bestimmte Person in Echtzeit ausgeleitet und zur 
Strafverfolgung genutzt werden. Dies hätte dazu geführt, 
dass automatisch jeder, also auch jeder Zufallsnutzer, der 
über einen Link oder eine Spammail auf eine Seite mit 
kinderpomografischem Inhalt geleitet worden wäre, un- 
ter Generalverdacht gestellt worden wäre. Abgesehen 
davon, dass diese Maßnahme unverhältnismäßig wäre, 
hätte sie negative Folgewirkungen wie die Stigmatisie- 
rung der Personen. Zudem hätte sie - Professor Sieber 
hat in der Anhörung darauf hingewiesen - negative Aus- 
wirkungen auf das Nutzerverhalten im Internet. 

Deshalb haben wir in der Großen Koalition beschlos- 
sen, dieses Vorhaben zu streichen. Wir haben beschlos- 
sen, dass Verkehrs- und Nutzerdaten, die beim Stoppser- 
ver anfallen, nicht für die Sfrafverfolgung genutzt 
werden dürfen. Das ist richtig so. 

(Beifall des Abg. Manfred Grund [CDU/ 

CSU]) 

Der zweite Punkt betrifft die Sperrlisten, die das BKA 
erstellt. Es ist richtig, dass wir hier ein Gremium beim 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Dr. Martina Krogmann 

(A) Bundesbeauftragten für den Datenschutz einrichten wol- 
len, um eine gewisse Transparenz herzustellen. Der Bun- 
desbeauftragte für den Datenschutz und die Informa- 
tionsfreiheit ist genau der richtige Mann und auch die 
richtige Stelle, um diese Kontrolle vorzunehmen. 

(Gisela Piltz [FDP]: Das kann man nur sagen, 
wenn man davon keine Ahnung hat! - 
Wolfgang Wieland [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Sie haben ihn nicht einmal vorher be- 
fragt!) 

Herr Schaar, dessen Arbeit ich ansonsten sehr schätze 
- das will ich ausdrücklich sagen -, hat nun einen Brief 
an die Vorsitzenden von Wirtschafts-, Rechts- und In- 
nenausschuss geschickt, in dem es heißt, diese Aufgabe 
sei mit seinem Amt nicht vereinbar. 

(Wolfgang Wieland [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Was blieb ihm denn übrig? Sie haben 
ihn noch nicht einmal gefragt!) 

Das halte ich für einen ziemlich unglaublichen Vorgang. 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Frau Kollegin Krogmann. 

Dr. Martina Krogmann (CDU/CSU): 

Ich komme gleich zum Ende. 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Sie reden aber bereits auf Kosten Ihrer Kollegin Noll. 

(B) (Michaela Noll [CDU/CSU]: Ich verzeihe dir 

alles! Nicht schlimm!) 

Dr. Martina Krogmann (CDU/CSU): 

Michaela verzeiht mir alles. - Ich würde gern diesen 
Gedanken zu Ende bringen. 

Wir führen dieses Gremium doch ein, gerade um die 
Informationsfreiheit zu sichern, damit Seiten, die nicht 
pornografischen Inhaltes sind, nicht fälschlicherweise 
gesperrt werden. Ich halte das Verhalten von Herrn 
Schaar wirklich für abenteuerlich. 

(Dr. Max Stadler [FDP]: Ihre Regelung ist 
abenteuerlich!) 

Als letzten Punkt möchte ich anmerken, dass wir das 
Gesetz richtigerweise auf drei Jahre befristet haben. 
Nach zwei Jahren wird eine Evaluierung vorgenommen. 
Zudem betreten wir hier Neuland. Deshalb ist es richtig, 
das Gesetz zu befristen. Ich wünsche mir, dass wir diese 
drei Jahre nutzen, um die notwendige, grundsätzliche 
Debatte zu führen: Was sind die notwendigen Freiheiten 
im Internet? Was darf der Staat tun, um diese Freiheiten 
zu beschränken? 

Ich wünsche mir, dass sich die Intemetcommunity 
nicht verweigert, sondern konstruktive Vorschläge ein- 
bringt. 

Vielen Dank. 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- 
neten der SPD) 


Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Nächster Redner ist der Kollege Dr. Max Stadler, 
FDP-Fraktion. 

(Beifall bei der FDP) 

Dr. Max Stadler (FDP): 

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und 
Herren! Wir Freien Demokraten unterstützen diejenigen 
Maßnahmen, die wirklich gegen Kinderpomografie hel- 
fen. 

(Beifall bei der FDP) 

Das Gesetz der Großen Koalition erfüllt diesen Zweck 
nicht. Deswegen lehnen wir es ab. 

(Beifall bei der FDP, der LINKEN und dem 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Mit dem Gesetz, das CDU/CSU und SPD heute vorle- 
gen, wird die Kinderpomografie um kein Jota zurückge- 
drängt. 

(Martin Dörmann [SPD]: Das ist eine Behaup- 
tung!) 

Die von Ihnen vorgesehenen Zugangssperren im Internet 
sind in Sekundenschnelle zu umgehen und deswegen 
kein taugliches Mittel. Es führt kein Weg daran vorbei, 
sich der weitaus mühsameren Aufgabe zu unterziehen, 
die Täter zu verfolgen und zu bestrafen 

(Beifall bei der FDP, der LINKEN und dem 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

und Seiten mit kinderpomografischen Inhalten zu lö- 
schen, statt nur den Zugang zu erschweren. 

(Zumf von der CDU/CSU: Das ist doch kein 
Widersprach!) 

Diese wirklich wirksamen Maßnahmen sind auch reali- 
sierbar. Dazu muss man sich allerdings, weil sich die 
meisten Anbieter im Ausland befinden, die Mühe ma- 
chen, eine wirkungsvolle internationale Zusammenarbeit 
mit den betreffenden Staaten zu organisieren oder zu in- 
tensivieren. Kinderpomografie ist ein abscheuliches Ver- 
brechen. Dagegen muss man aber wirklich wirksame 
Maßnahmen ergreifen. Sie begnügen sich hier mit 
Scheinaktivitäten. 

(Beifall bei der FDP, der LINKEN und dem 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Die von Ihnen vorgeschlagenen Zugangssperren sind 
aber nicht nur nutzlos, sondern sie berühren auch sen- 
sible Fragen des Rechtsstaats. Deswegen möchte man 
meinen, dass gerade ein solches Gesetzgebungsvorhaben 
in einer Form durchgeführt wird, die über jeden Zweifel 
erhaben ist. Das Gegenteil ist leider der Fall. Frau Kolle- 
gin Krogmann hat ihren Beitrag damit begonnen, dass 
sie behauptet hat, es würde jetzt gleich das Gesetz zur 
Bekämpfung der Kinderpomografie in Kommunika- 
tionsnetzen beschlossen. 

(Dr. Martina Krogmann [CDU/CSU]: Das Ge- 
setz heißt auch so!) 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Dr. Max Stadler 

(A) Richtig ist: Ein solches Gesetz war hier in erster Lesung 
beraten worden. Sie aber haben das geändert. Wir bera- 
ten heute über ein gänzlich neues, anderes Gesetz, das 
auch einen anderen Namen hat. Es heißt Zugangser- 
schwerungsgesetz. Das wird heute erstmals hier im Ple- 
num beraten, obwohl der normale Ablauf wäre, dass es 
eine Plenardebatte gibt, dann Ausschussberatungen und 
dann die zweite und dritte Lesung. 

(Beifall bei der FDP, der LINKEN und dem 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. 

Jörg Tauss [SPD] - Dr. Oie Schröder [CDU/ 
CSU]: Man kann doch im Gesetzgebungs ver- 
fahren den Namen des Gesetzes ändern!) 

- Nein, Sie haben das ursprüngliche Gesetz, das noch auf 
der Tagesordnung steht - die ist insofern irreführend -, er- 
setzt und ein neues eingebracht, ohne den normalen 
Ablauf einzuhalten. Ich sage Ihnen Folgendes, lieber 
Herr Kollege Schröder: Wir Juristen wissen, dass das 
Bundesverfassungsgericht seit der Elfes-Entscheidung 

- 6. Band, Seite 32 - auch das formelle Zustandekom- 
men eines Gesetzes auf Verfassungsbeschwerde hin 
prüft. Dass hier Verfassungsbeschwerden eingelegt wer- 
den, liegt auf der Hand. Dann wird Ihr Verfahren in 
Karlsruhe überprüft werden. Das sage ich Ihnen jetzt 
schon voraus. 

(Beifall bei der FDP, der LINKEN und dem 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Dr. Oie 
Schröder [CDU/CSU]: Können Sie gerne ma- 
chen!) 

Es kommt aber noch schlimmer: Sie als Bund haben 
' ' gar keine Gesetzgebungskompetenz. 

(Zuruf von der FDP: So ist es!) 

Wir beraten hier eine Materie, die eindeutig zum Polizei- 
recht gehört. 

(Beifall bei Abgeordneten der FDP sowie des 
Abg. Jörg Tauss [SPD]) 

Polizeirecht ist Ländersache. Man kann nicht deswegen, 
weil es um das hehre Ziel geht, Kinderpomografie zu be- 
kämpfen, einfach die grundgesetzlichen Kompetenzre- 
gelungen übergehen. Auch dieses wird mit Sicherheit 
vom Verfassungsgericht überprüft werden. 

Sie haben in der Tat in dem neuen Gesetz, das wir 
heute eigentlich in erster Lesung beraten - Sie nennen 
das fälschlich zweite und dritte Lesung -, tatsächlich ei- 
nige Kritikpunkte von uns aus der Lesung zu dem dama- 
ligen Gesetz aufgegriffen. Beispielsweise haben Sie jetzt 
vorgesehen, dass die Daten nicht mehr für Strafverfol- 
gungszwecke verwendet werden. 

(Michaela Noll [CDU/CSU]: Das haben wir 
von vornherein gefordert!) 

Das ist ein Fortschritt, damit nicht der, der zufällig in so 
eine Sperre gerät, der Strafverfolgung ausgesetzt wird. 
Nur ist Ihnen die Formulierung missglückt. Es wird 
nämlich keineswegs verboten, dass die Daten übermittelt 
werden, es wird keineswegs verboten, dass sie für andere 
Zwecke gespeichert werden. Kollege Wiefelspütz von 
der SPD hat gestern im Innenausschuss zu Recht gesagt: 


Wer sich nichts hat zuschulden kommen lassen, dessen (C) 
Daten gehören überhaupt nicht gespeichert. - Aber lei- 
der stimmen Sie von der SPD anders ab, als Sie sich kri- 
tisch dazu verhalten. 


(Klaus Uwe Benneter [SPD]: Stimmt doch gar 
nicht!) 

Ich nenne noch einen Punkt, weil Frau Krogmann 
darauf großen Wert gelegt hat. Wir haben kritisiert, dass 
eine Polizeibehörde Sperren für Inhalte im Internet vor- 
sehen soll, nämlich das Bundeskriminalamt. Das ist 
wirklich systemfremd, weil es eigentlich eine richterli- 
che Aufgabe wäre. Nun haben Sie die Kritik zum Teil 
aufgegriffen, indem ein Expertengremium noch einmal 
darüber schaut, allerdings nur stichprobenartig. Ist das 
wirklich eine rechtsstaatliche Kontrollfunktion, wenn 
nur Stichproben - wie im Gesetz steht, mindestens ein- 
mal im Quartal - durchgeführt werden? 

(Dr. Martina Krogmann [CDU/CSU]: Jeder- 
zeit, steht im Gesetz!) 

Aber Sie haben dabei einen entscheidenden Fehler 
begangen; ich will ihn Ihnen nennen: Dieses Experten- 
gremium richten Sie beim Bundesdatenschutzbeauftrag- 
ten ein, aber dort gehört es nicht hin. 

(Beifall bei der FDP, der LINKEN und dem 

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. 

Jörg Tauss [SPD]) 


Damit wird der Bundesdatenschutzbeauftragte Beteilig- 
ter einer polizeilichen Maßnahme. Das ist völlig aufga- 
benfremd für ihn, und deswegen hat Herr Schaar sich zu 
Recht dagegen gewehrt. 


(D) 


(Beifall bei der FDP, der LINKEN und dem 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. 
Jörg Tauss [SPD]) 


Meine Damen und Herren, die größte Sorge, die auch 
in der Community geäußert wird - Sie haben gesagt, 
dass Sie dafür Versfändnis haben -, lautet: Dies ist ein 
Einstieg in die Intemetzensur. Sie versichern zwar, es sei 
nur dieser Bereich, in den Sie auf diese Weise eingreifen 
wollen, und es sei nicht daran gedacht, dies auf weitere 
Bereiche auszudehnen. Genau das hören wir bei jedem 
Ihrer Eingriffsgesetze, und bei jedem dieser Ihrer Ge- 
setze kommt ein halbes Jahr oder ein Jahr später die De- 
batte über die Ausweitung. Das war so bei der Verwen- 
dung der Mautdaten, das war so bei den heimlichen 
Onlinedurchsuchungen. Immer finden sich dann jemand 
und ein Anlass, dass dies ausgeweitet werden muss. Ich 
sage Ihnen: Sie haben heute die gute Absicht, es dabei zu 
belassen, aber die Ausweitungsforderungen kommen so 
sicher wie das Amen in der Kirche. 


(Beifall bei der FDP, der LINKEN und dem 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. 

Jörg Tauss [SPD] - Zuruf von der FDP: Die 
sind doch schon da!) 

Wenn Sie vielleicht sagen, dies seien Kassandrarufe 
der Liberalen, dann darf ich Sie darauf hinweisen: 
Kassandra hat bedauerlicherweise recht behalten. 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Herr Kollege Stadler! 

Dr. Max Stadler (FDP): 

Deshalb komme ich zu folgendem Schlusssatz, Frau 
Präsidentin: Das einzig Gute, was man über Ihr Gesetz 
sagen kann, ist, dass es offensichtlich gut gemeint sein 
könnte; aber das Zugangserschwerungsgesetz erreicht 
seinen Zweck nicht und enthält Risiken und Nebenwir- 
kungen, vor denen man nur dringend warnen kann. 

(Beifall bei der FDP, der LINKEN und dem 

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. 

Jörg Tauss [SPD]) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Für die SPD-Fraktion gebe ich das Wort dem Kolle- 
gen Martin Dörmann. 

(Beifall bei der SPD) 

Martin Dörmann (SPD): 

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 
Herr Kollege Stadler, ich werde gleich auf alle Ihre Kri- 
tikpunkte eingehen. Sie werden, wenn Sie ehrlich sind, 
erkennen: Sie sind sämtlich zu widerlegen. 

Zunächst aber Folgendes: Ich glaube, wir alle wollen 
einen effektiven Schutz von Kindern und Jugendlichen 
vor sexueller Ausbeutung und Gewalt. Die SPD-Frak- 
tion hat dazu kürzlich ein umfassendes Konzept mit kon- 
kreten Maßnahmen vorgelegt. So wollen wir, dass die 
Strafverfolgungsbehörden dauerhaft personell und tech- 
nisch gut ausgestattet sind. Wir wollen, dass die interna- 
tionale Zusammenarbeit - das ist dringend notwendig - 
deutlich verbessert wird. 

(Beifall bei der SPD) 

In den vergangenen Jahren haben wir zudem bereits 
das Herstellen, die Verbreitung und den Besitz von Kin- 
derpomografie lückenlos unter Strafe gestellt. Heute 
geht es um einen wichtigen Teilaspekt des Problems, 
nämlich um die Verbreitung von kinderpomografischen 
Inhalten im Internet. Dort können rechtswidrige Inhalte 
besonders schnell, anonym und ohne soziale Kontrolle 
verbreitet und konsumiert werden. 

Wir sind uns auch da alle einig: Das Internet ist kein 
rechtsfreier Raum. Fraglich ist doch letztlich nur, mit 
welchen Maßnahmen die Verbreitung kinderpomografi- 
scher Inhalte im Internet angemessen, rechtsstaatlich 
sauber und möglichst effektiv verhindert oder zumindest 
erschwert werden kann. Genau darum geht es den Koali- 
tionsfraktionen in ihrem Gesetzentwurf 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

Mit dem Gesetz wird der Zugang zu kinderpomogra- 
fischen Inhalten erschwert. Uns ist genauso bewusst wie 
Ihnen, dass es versierte Nutzer durchaus schaffen, diese 
vorgesehenen Spermngen technisch zu umgehen. Das 
wird vermutlich aber nur ein Teil von ihnen tun, sodass 
wir trotzdem einen positiven Effekt haben werden. Es 


kommt zudem darauf an, die Hemmschwelle für die (C) 
Nutzer signifikant zu erhöhen. 

In diesem Zusammenhang weise ich beispielsweise 
auf die entsprechenden Ausführungen der Expertin Frau 
Dr. Kuhnen in unserer Anhömng hin. Die Medienexper- 
tin hat in ihrem Buch Kinderpornografie im Internet be- 
merkenswert differenziert das Verhalten von Menschen 
geschildert, die eine gewisse pädophile Neigung haben 
und über den Konsum von Kinderpornografie im Inter- 
net gerade den Einstieg suchen. Zumindest einen Teil 
dieser Menschen können wir durchaus noch erreichen; 
den Versuch ist es, denke ich, allemal wert. 

(Johannes Singhammer [CDU/CSU]: Richtig!) 

Die SPD-Bundestagsffaktion hat aber auch stets deut- 
lich gemacht, dass wir am Ende einem Gesetz nur zu- 
stimmen werden, das rechtsstaatlichen Gmndsätzen 
wirklich genügt. Genau das ist uns jetzt gelungen: Mit 
den zahlreichen Ändemngen greifen wir alle aus unserer 
Sicht begründeten Kritikpunkte aus der Bundestagsan- 
hömng auf, übrigens auch die des Bundesrates. Herr 
Kollege Dr. Stadler, der Bundesrat hat gerade nicht mo- 
niert, dass der Bund keine Gesetzgebungskompetenz 
habe. 

(Dr. Max Stadler [FDP]: Das haben aber meh- 
rere Sachverständige so gesehen!) 

Wir haben ein wichtiges Argument aus der Intemet- 
community aufgenommen. Es ist richtig und notwendig, 
dass das BKA zunächst alle zulässigen Maßnahmen zur 
Löschung kinderpomografischer Seiten ergreift; denn 
Löschen ist viel wirkungsvoller als Sperren. (D) 

(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) 

Genau dieses Prinzip „Löschen vor Sperren“ ist nun ge- 
setzlich verankert. 

(Klaus Uwe Benneter [SPD]: So ist es!) 

Natürlich muss man berücksichtigen, dass das BKA 
in Deutschland als hoheitliche Behörde anders agieren 
kann als im Ausland. Wir erwarten aber - das meine ich 
ganz ernst -, dass das BKA alles, was sinnvoll, möglich 
und zulässig ist, konsequent umsetzt. Erst dann soll das 
Sperren erlaubt sein. 

(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) 

Im Zusammenhang mit der BKA-Liste greifen wir so- 
gar ein Anliegen der E-Petition auf, der sich bekanntlich 
inzwischen mehr als 130 000 Menschen angeschlossen 
haben. Dort wird nämlich - lesen Sie es nach - als wich- 
tigster Kritikpunkt ausdrücklich die bislang fehlende 
Kontrolle und Transparenz der BKA-Liste genannt. Ge- 
nau dies nehmen wir auf, indem wir nun ein unabhängi- 
ges Gremium aus fünf Experten schaffen, deren Mitglie- 
der jederzeit diese Liste kontrollieren und korrigieren 
können; ich betone: jederzeit, jeden Tag. 

(Beifall bei der SPD - Hans- Joachim Otto 
[Frankfurt] [FDP]: Stichprobenartig!) 

Wir haben uns übrigens, Herr Kollege Dr. Stadler, 
schon genau überlegt, wer ein solches Gremium am bes- 
ten berufen sollte. Es geht ja darum, zu verhindern, dass 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Martin Dörmann 

(A) Seiten ungerechtfertigt auf die Liste gelangen, weil sie 
einen anderen Inhalt als Kinderpomografie haben. Es 
geht also um Informationsfreiheit. 

(Dr. Max Stadler [FDP]: Sie haben doch nicht 
einmal mit Herrn Schaar gesprochen vorher!) 

Gleichzeitig geht es um den Schutz sensibler Daten; 
denn die Liste darf ja nicht öffentlich werden, damit Tä- 
ter eben nicht im Internet nur zuzugreifen brauchen. 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Herr Kollege Dörmann, gestatten Sie eine Zwischen- 
frage des Kollegen Montag? 

Martin Dörmann (SPD): 

Gerne. 

Jerzy Montag (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): 

Herr Kollege Dörmann, ich habe eine Frage an Sie, 
nachdem ich Ihr letztes illustres Argument gehört habe. 
Sie haben gerade gesagt, dass der Bundesdatenschutzbe- 
auftragte mit einer bestimmten Aufgabe betraut werden 
solle, und diesen Arbeitsauftrag auch inhaltlich benannt. 
Sie haben gesagt, es gehe um die Frage, zu entscheiden, 
ob ein Foto, ein Bild, ein Film oder eine Videosequenz 
kinderpomografischen Inhalt hat oder nicht. Stimmen 
Sie mir zu, dass dies eine strafrechtliche Fragestellung 
ist, die eine strafrechtlich relevante Antwort verlangt? 
Entweder es ist eine Darstellung, die eine Straftat des 
Kindermissbrauchs und der Kinderpomografie abbildet, 
oder es ist keine solche Darstellung. Ich frage Sie: Wel- 
che Kompetenz hat der Bundesdatenschutzbeauftragte, 
um eine solche Entscheidung zu treffen? 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, 
bei der FDP und der LINKEN sowie des Abg. 

Jörg Tauss [SPD]) 

Martin Dörmann (SPD): 

Herr Kollege Montag, ich stimme Ihnen ausdrücklich 
zu, dass es um eine strafrechtlich relevante Prüfung geht. 
Gerade deshalb haben wir vorgesehen, dass das Gremium 
- nur das Gremium trifft die Entscheidung, nicht der Da- 
tenschutzbeauftragte - mehrheitlich aus Mitgliedern be- 
steht, die die Befähigung zum Richteramt haben. Wenn 
Sie so wollen, gibt es an dieser Stelle eine quasirichterli- 
che Kontrolle. Sie müssen nämlich danach differenzie- 
ren, wer dieses Gremium bemft und wer entscheidet. Wir 
sagen: Die Berufung obliegt dem Datenschutzbeauftrag- 
ten. Entscheiden darüber, ob die Voraussetzungen für eine 
Sperre vorliegen, wird aber nicht der Beauftragte, son- 
dern dieses Gremium. 

Sie wissen ganz genau, dass der Beauftragte auch an 
vielen anderen Stellen Überwachungsfunktionen hat. 
Wenn es um Bereiche des Polizeirechts oder um andere 
Rechtsgebiete geht - er ist für alle Behörden zuständig -, 
wird er nicht persönlich die Kompetenz haben, sondern 
er wird sich des Personals bedienen, das die entspre- 
chende Fachkompetenz hat. Deshalb teile ich Ihre Be- 
denken nicht. Ich will eines hinzufügen: Es ist nicht so, 
dass der Bundesdatenschutzbeauftragte bestimmt, wie 


seine Aufgaben normiert sind, sondern das ist Sache des (C) 
Gesetzgebers. 

(Beifall des Abg. Klaus Uwe Benneter [SPD]) 

Aus diesen Gründen wiederhole ich: Es gibt keine 
bessere Stelle für die Berufung eines solchen Gremiums 
als den Beauftragten des Bundes für Datenschutz und In- 
formationsfreiheit. Er ist qua Amt unabhängig und nur 
dem Gesetz unterworfen. 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Herr Kollege, gestatten Sie eine Zwischenfrage des 
Kollegen Tauss? 

Martin Dörmann (SPD): 

Dem Kollegen Tauss möchte ich keine Zwischenfrage 
gestatten. Ich möchte lieber fortfahren. Zwischenfragen 
anderer Mitglieder dieses Hauses gestatte ich gerne, aber 
nicht die des Kollegen Tauss. 

Auf der Homepage des Datenschutzbeauftragten kann 
übrigens jeder nachlesen, was zu seinen Aufgaben ge- 
hört, nämlich unter anderem die Kontrolle und Beratung 
von Behörden und Stellen des Bundes - das BKA ist 
eine solche Stelle - sowie der Einsatz für die Beachtung 
des Datenschutzes und der Informationsfreiheit. Genau 
darum geht es. Ich bin mir sicher: Hätten wir eine andere 
Stelle gewählt, beispielsweise das Bundesinnenministe- 
rium, hätten alle kritisch gefragt: Warum habt ihr nicht 
auf den Datenschutzbeauftragten zurückgegriffen? - So 
kann es also auch nicht gehen. 

(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) (D) 

Apropos Daten: Wir haben im Gesetzentwurf den 
größtmöglichen Schutz vorgesehen. Personenbezogene 
Daten werden bei den Providern nicht gespeichert. Zu- 
dem dürfen Verkehrs- und Nutzerdaten, die bei der 
Umleitung auf die Stoppmeldung anfallen, nicht zum 
Zwecke der Strafverfolgung genutzt werden, Herr Kol- 
lege Dr. Stadler; denn das Gesetz dient ausschließlich 
der Prävention. 

(Dr. Max Stadler [FDP]: Das ist zu wenig!) 

Eine weitere Befürchtung war, dass das Sperren auch 
anderen Zwecken dienen soll. Wir haben aber gleich 
mehrere Sicherungen eingebaut. Wir schließen gesetz- 
lich aus, dass die neu geschaffene Infrastruktur zur 
Durchsetzung zivilrechtlicher Ansprüche genutzt wer- 
den kann. 

Zudem ist es der SPD gelungen, eine spezialgesetzli- 
che Regelung durchzusetzen. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

Statt einer Anpassung des allgemeinen Telemediengeset- 
zes schaffen wir ein eigenständiges Gesetz. Es bleibt 
aber, Herr Kollege Stadler, beim Artikelgesetz. Als Jurist 
wissen Sie, was ein Artikelgesetz ist: In mehreren Arti- 
keln werden mehrere Gesetze angesprochen. Ich erin- 
nere an einen Artikel in diesem Gesetz, der erhalten 
bleibt. Ich erinnere mich an Debatten, in denen Liberale 
moniert haben, dass wir die Änderungen im Telemedien- 
gesetz regeln. Nun gilt das Spezialgesetz. Sie müssen 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Martin Dörmann 

(A) sich schon entscheiden, welche Argumente Sie gelten 
lassen wollen. 

(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) 

Zugleich befristen wir das Gesetz bis zum 
31. Dezember 2012. Danach wird es automatisch auslau- 
fen. Nun ist trotzdem die zentrale Befürchtung der Inter- 
netcommunity, dass eine Infrastruktur aufgebaut wird, 
die später beliebig auf andere Inhalte als Kinderpomo- 
grafie ausgedehnt werden kann. Diese Sorge ist ange- 
sichts einiger Äußerungen, die wir in den letzten Wo- 
chen gehört haben, grundsätzlich nachvollziehbar. Aber 
ich habe soeben dargelegt: Eindeutiger als wir kann man 
gar nicht regeln, dass eine Ausweitung auf andere In- 
halte und Ansprüche ausgeschlossen ist. Das regeln wir 
gesetzlich. 

(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU - 
Klaus Uwe Benneter [SPD]: Dafür sind wir 
da!) 

Ich komme auf einen wichtigen Punkt zu sprechen, 
der in der öffentlichen Debatte zurzeit kaum diskutiert 
wird, der aber ganz entscheidend ist: Es ist eine Tatsa- 
che, dass die Infrastruktur auch ohne Gesetz bereits im 
Aufbau isf. Seit dem Frühjahr dieses Jahres gibt es Ver- 
träge zwischen dem BKA und den wichtigsten Providern 
in Deutschland, die sich zur Einrichtung einer Sperre 
verpflichtet haben. 

Ich habe das immer für den falschen Weg gehalten. 
Deshalb haben wir folgende Situation: Auch ohne Ge- 
setz wird es diese Infrastruktur geben, da die Provider 
^ ' die Verträge pünktlich umsetzen und einhalten werden. 
Wenn es aber das Gesetz nicht gibt, dann gäbe es alle da- 
tenschutzrechtlichen und verfahrensrechtlichen Siche- 
rungen, die wir eingebaut haben, nicht. Das kann nie- 
mand ernsthaft wollen, auch die Liberalen nicht. 

(Beifall bei der SPD) 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich komme zum 
Schluss. Die Politik ist in der Pflicht, beiden Themen ge- 
recht zu werden: dem Kampf gegen die Verbreitung kin- 
derpomografischer Inhalte im Internet und dem Einsatz 
für ein freies Intemef als Ort der Kommunikation und In- 
formation. Ich finde, mit diesem Gesetzentwurf ist uns 
das gelungen. Deshalb würde ich mir wünschen, dass es 
hier im Hause eine breite Zustimmung zu diesem Gesetz 
gibt. Denn es dient sowohl der Bekämpfung von Krimi- 
nalität als auch der Verteidung von Freiheitsrechten. 

Herzlichen Dank. 

(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Zu einer Kurzintervention gebe ich das Wort dem 
Kollegen Tauss. 

Jörg Tauss (SPD): 

Herr Kollege Dörmann, nachdem Sie leider nicht be- 
reit waren, eine Frage von mir zuzulassen, möchte ich 
jetzt darauf hinweisen, dass ich es für eine große Re- 


spektlosigkeit gegenüber dem Bundesbeauftragten für (C) 
den Datenschutz halte, ihm eine Aufgabe im Rahmen ei- 
nes Gesetzes zuzuweisen, das er - das können Sie nach- 
lesen - ablehnt. 

Im Übrigen sind dem Bundesbeauftragten für den Da- 
tenschufz in den letzten Jahren durch die Große Koali- 
tion keine zusätzlichen Stellen bewilligt worden. Auch 
das ist eine große Respektlosigkeit. Dass man heute sagt, 
eine mittlere Behörde habe Weisungen entgegenzuneh- 
men, ist Teil dieser Respektlosigkeit und des losen Um- 
gangs mit dem Datenschutz in Deutschland. 

Darüber hinaus sprechen Sie davon, dass endlich Ver- 
träge legalisiert würden. Ich sage Ihnen: Das sind Ver- 
träge, die durch Nötigung von Firmen zustande kamen, 
denen man gesagt hat: Wenn ihr nicht bereit seid, zu un- 
terschreiben, werden wir euch öffentlich durch die 
Presse schmieren. - Ich halte es rechtsstaatlich für un- 
möglich, einen derartigen Vorgang der Nötigung hinter- 
her gesetzlich abzusichem. Das sage ich in aller Klar- 
heit. Ich bedaure sehr, dass die Koalition diesen Weg 
beschritten hat. 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Herr Kollege Dörmann. 

Martin Dörmann (SPD): 

Herr Kollege Tauss, auf die beiden von Ihnen ange- 
sprochenen Punkte will ich Ihnen folgende Antwort ge- 
ben. 

Erstens. Ich erwarte auch Respekt vor dem Gesetzge- 
ber. Denn es ist der Gesetzgeber, der die Aufgaben des 
Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Infor- 
mationsfreiheit bestimmt. 

(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) 

Aus meiner Sicht gehört es gerade zu seinen Aufgaben, 
Behörden des Bundes zu kontrollieren. Ich habe das be- 
reits ausgeführt. 

Zu Ihrem zweiten Punkt. Wir haben nicht vor, irgend- 
welche Verträge zu legalisieren. Das ist überhaupt nicht 
unsere Motivation. Aber Tatsache ist doch, dass es diese 
Verträge gibt. Wir müssen diese Realität zur Kenntnis 
nehmen. Ich glaube, es wäre unverantwortlich, wenn wir 
an dieser Stelle abwarten würden, bis vielleicht nach län- 
gerer Zeit das Bundesverfassungsgericht darüber geur- 
teilt hat, ob diese Verträge rechtmäßig sind oder nicht. 

Auch ich habe an der Rechtmäßigkeit Zweifel. Aber uns 
obliegt es, die Intemetnutzerinnen und -nutzer an dieser 
Stelle zu schützen. 

Ich habe in meinem Redebeitrag schon ausgeführt, 
dass wir alle Kritikpunkte, die sich aus der Anhörung er- 
geben haben und die den Schutz der Bürgerinnen und 
Bürger betreffen, aufgenommen haben. Ich würde mir 
wünschen, dass in der öffentlichen Debatte diese Punkte 
angemessen berücksichtigt würden. 

Vielen Dank. 

(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Nächster Redner ist der Kollege Jörn Wunderlich, 
Fraktion Die Linke. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Jörn Wunderlich (DIE LINKE): 

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 
Zugangserschwerungsgesetz: So müsste es eigentlich 
heißen. Zu den verfassungsrechtlichen Bedenken brau- 
che ich mich nicht mehr zu äußern; sie sind vom Kolle- 
gen Stadler zutreffend beschrieben worden. 

Eine neue Verpackung ändert nicht unbedingt den In- 
halt. Das Gesetz hat nur einen neuen Namen. Dass es 
sich um ein Spezialgesetz handelt, ändert nichts an der 
Tatsache, dass es ausgeweitet werden kann oder dass 
weitere Spezialgesetze folgen könnten. 

Angeblich soll Löschung vor Sperrung erfolgen. Je- 
doch ist dies weitestgehend in das Ermessen des Bundes- 
kriminalamtes gestellt. Es heißt nämlich dazu: wenn 
nicht in angemessener Zeit erfolgversprechend eine Lö- 
schung erfolgen kann. Oder: Die Betreiber sollen in der 
Regel nur benachrichtigt werden, wenn der Aufwand zu- 
mutbar ist. Das sind alles Formulierungen, die vom BKA 
auszulegen und zu definieren sind. 

Eine rechtsstaatliche Kontrolle der Sperrlisten findet 
nicht statt. Das ist schon angesprochen worden. Die 
quartalsmäßige Stichprobenprüfung durch ein Gremium 
von fünf Personen, von denen drei Volljuristen sein müs- 
sen bzw. die Befähigung zum Richteramt haben müssen 
- das ist hier vom Kollegen Dörmann betont worden -, 
soll uns eine richterliche Kontrolle vorgaukeln. Mit 
Rechtsstaat hat dies alles wenig zu tun. Es ist pure Au- 
genwischerei. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Angesiedelt werden soll dieses Gremium beim Bun- 
desbeauftragten für den Datenschutz, wobei dieser selbst 
sagt, dass dieses Gesetz mit Datenschutz nichts zu tun 
hat. Noch vor zwei Tagen hat er dafür plädiert, die Ver- 
abschiedung dieses Gesetzes zu vertagen. So viel dazu. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Wir haben eine demokratische Verfassung. Demokra- 
tische Verfassungen werden nun einmal nicht unter der 
Prämisse gemacht, dass Menschen im Zweifel immer 
das Richtige tun. Deswegen dürfen Polizisten keine Ver- 
brecher verurteilen. Deswegen unterliegen Geheim- 
dienste der parlamentarischen Kontrolle. Deswegen dür- 
fen Polizeibehörden nicht darüber entscheiden, was 
publiziert werden darf und was nicht. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Ich denke, die Regierung und die Koalition haben, je- 
denfalls in weiten Teilen, ein Problem mit dem Verständ- 
nis des Internet. So wie wir mit dem Telefon groß ge- 
worden sind, so sind die nachfolgenden Generationen 
mit dem Internet groß geworden. Frau Zypries fragte 
neulich: Was sind noch mal Browser? - Ich möchte es 
für die Regierung und die Koalition einmal auf eine ver- 
ständliche Ebene bringen; auch im Ausschuss habe ich 


es schon versucht. Man stelle sich ein Gesetz mit folgen- (C) 
dem Inhalt vor: Ein Buch, ja jedwedes Druckwerk - Pros- 
pekt, Flugblatt -, muss vor Erscheinen dem BKA vorge- 
legt werden, welches dann entscheidet, ob es erscheint 
oder nicht. Wenn es nicht erscheint, kommt es auf ge- 
heime Sperrlisten. Was für ein Aufschrei ginge da durch 
die Republik! Ich denke, er wäre lauter als jetzt, wo 
135 000 Petitionen gegen das vorliegende Gesetz einge- 
gangen sind. 

Ich fasse zusammen: Es fehlt die Zuständigkeit des 
Bundes. Es fehlt eine rechtsstaatliche Kontrolle. Es fehlt 
die Verhältnismäßigkeit. Es fehlt die Verfassungsmäßig- 
keit. Es fehlt der Schutz der Opfer. Stattdessen werden 
möglicherweise Täter gewarnt. Alles in allem wird das 
Gesetz das Tor zur Intemetzensur öffnen. Für den angeb- 
lichen Zweck, für den es ursprünglich vorgesehen war 
- Kampf gegen Kinderpomografie im Internet -, ist es 
jedoch völlig ungeeignet. 

(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Jörg 
Tauss [SPD]) 

Seit November 2008 weiß unsere Familienministerin, 
was Kinderpomografie bedeutet. Seitdem ist sie nicht in 
der Lage, etwas gegen diese Abscheulichkeiten zu tun, 
von der Zeit davor einmal ganz zu schweigen. Im Übri- 
gen sind die von ihr angeführten Behauptungen zur Ver- 
breitung im Internet - Geschäft mit Kinderpomografie 
usw. - nicht belegbar, weder vom Bundeskriminalamt 
noch von ihrem eigenen Haus, dem Familienministe- 
rium, selbst. Auch die taz berichtet am 15. Juni 2009 
darüber. Es sollten die Ursachen abgestellt werden, statt 
in einem hyperaktiven Aktionismus zu versuchen, Sym- ^ ' 
ptome zu behandeln. 

Es geht: Im Rheinischen Merkur vom heutigen Tag 
steht, wie man ohne Spermng eine Löschung erreichen 
kann. Auf privater Ebene sind Betreiber von Servern an- 
geschrieben worden, von denen solche Seiten auf Listen 
aus den skandinavischen Ländern aufgetaucht sind, und 
binnen zwölf Stunden sind 60 Seiten abgeschaltet wor- 
den. Es geht also. Aber zum Beispiel die Regiemng oder 
die Polizei haben Befindlichkeiten, direkt Kontakt mit 
irgendwelchen Betreibern aufzunehmen, aus Höflichkeit 
anderen Polizeistellen im Ausland gegenüber. Ich denke, 
daran sollte man einmal arbeiten. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Kinderpomografie, sexueller Missbrauch von Kin- 
dern, eines der schlimmsten Verbrechen, gilt es zu be- 
kämpfen, auf allen Ebenen und mit allen zur Verfügung 
stehenden rechtsstaatlichen Mitteln. Dieses Gesetz ist 
ein Placebo. Es entfaltet in diesem Kampf keine Wir- 
kung, greift aber in Bürger- und Freiheitsrechte ein, 
schafft die Straktur für Intemetzensur - das hat auch 
Frau Krogmann dargelegt - und kann deshalb nur abge- 
lehnt werden. 

Wenn der Kollege Bosbach - ich sehe ihn im Moment 
nicht - immer wieder behauptet, angeblich niemanden 
zu kennen, der eine weitergehende Zensur verfolgt, dann 
braucht er sich nur in seiner eigenen Fraktion und bei der 
SPD umzuschauen; da wird er schnell fündig. 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Jörn Wunderlich 

(A) Danke fiir Ihre Aufmerksamkeit. 

(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Jörg 
Tauss [SPD]) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Ich gebe das Wort dem Kollegen Wolfgang Wieland, 
Bündnis 90/Die Grünen. 

Wolfgang Wieland (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): 

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wir ha- 
ben es während der gesamten Debatte über dieses Gesetz 
gesagt und auch an den Anfang unseres Entschließungs- 
antrages gestellt: Der sexuelle Missbrauch von Kindern 
durch Erwachsene und seine Verwertung durch die Her- 
stellung von Kinderpomografie ist ohne jede Frage eine 
der widerwärtigsten Formen von Kriminalität. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
und bei der FDP sowie bei Abgeordneten der 
CDU/CSU, der SPD und der LINKEN) 

Die Opfer erleiden physische und psychische Schäden, 
unter denen sie in der Regel ihr Leben lang zu leiden ha- 
ben. 

Weil dies alles so unerträglich ist, haben wir Grünen 
seit Jahr und Tag den Kampf gegen Kinderpomografie 
geführt. Wir haben vor mehr als 20 Jahren im Rahmen 
der „PorNo“-Kampagne von Emma entsprechende Hefte 
aus einschlägigen Läden geholt und die Strafverfol- 
gungsbehörden sozusagen zum Jagen getragen. Deswe- 
gen sage ich ganz bewusst, auch wegen einiger Unter- 

(B) töne, die in den letzten Tagen zu hören waren: Wir als 
Grüne brauchen uns in der Frage der Ächtung und der 
Bekämpfung von Kinderpomografie vor niemandem 
hier im Saal zu verstecken. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
sowie bei Abgeordneten der LINKEN) 

Bevor wir hier über Sperren - das ist nur ein Vorhang 
vor dem geschehenen Verbrechen - reden, das Vordring- 
liche zur Erinnemng: Wir brauchen eine Verstärkung der 
Prävention, die Verhindemng von Missbrauch. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
sowie bei Abgeordneten der FDP und der LIN- 
KEN) 

Wir brauchen die Beschlagnahme, Vernichtung und Lö- 
schung von kinderpomografischem Material. Wir brau- 
chen die Strafverfolgung der Täter und eine intensive 
Hilfe für die Opfer. Das ist das Entscheidende. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, 
bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeord- 
neten der CDU/CSU und der LINKEN) 

Nur in dieser Abstufung reden wir auch über Sperren. 

Wir haben vor zwei Tagen, Herr Kollege Dörmann, 
formell und materiell einen völlig neuen Gesetzentwurf 
vorgelegt bekommen. 

(Klaus Uwe Benneter [SPD]: Weil wir ihn ge- 
ändert haben, ja! - Ulrike Flach [FDP]: So ist 
es!) 


Ich gebe zu: Er ist an entscheidenden Stellen verbessert (C) 
worden. 


(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

Aber wenn Sie einem Gesetzentwurf von zumindest sie- 
ben Giftzähnen zwei ziehen, dann können Sie doch nicht 
erwarten, dass wir diesem Gesetzentwurf zustimmen. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
und bei der FDP sowie bei Abgeordneten der 
LINKEN - Klaus Uwe Benneter [SPD]: Es 
sind alle sieben gezogen worden!) 

Sie können vor allen Dingen nicht erwarten, dass wir 
diesem Schweinsgalopp, der nur in der Gesichtswahmng 
der Familienministerin begründet ist, in den letzten 
Stunden unsere Weihe, unsere Legitimation erteilen. Wir 
denken nicht daran. 


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
sowie bei Abgeordneten der FDP und der LIN- 
KEN) 


Was bleibt als Mangel? Es gibt erkennbar keine Zu- 
ständigkeit des Bundes. Es geht doch hier nicht um das 
Recht der Wirtschaft. Es sei dem Herrn Schauerte ge- 
gönnt, dass er einmal nicht bei Debatten über Bad 
Banks, Arcandor und Opel zuhören muss, sondern nun 
auch bei Debatten über Kinderpomografie zuhören darf 
Mehr Aktivitäten sind ja gar nicht zu sehen. Nach dem 
Inkrafttreten dieses Gesetzentwurfes hat er nichts mehr 
damit zu tun. Er ist kein Verordnungsgeber. Dies ist ein 
schierer Missbrauch. Das, was Sie von der Bundesregie- 
mng immer im Hinblick auf die EU beklagen, indem Sie 
sagen, es gehe oft um Strafverfolgung und nicht um den 
Binnenmarkt, machen Sie hier in einem extremen Fall. 


(D) 


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, 
bei der FDP und der LINKEN sowie des Abg. 
Jörg Tauss [SPD]) 


Ein reines Polizeigesetz wird unter der Flagge „Wirt- 
schaftsrecht“ durchgesetzt. 

Natürlich gibt es keine Zuständigkeit für das BKA. 
Wir haben dem BKA nach dreijährigem Ringen über 
eine Verfassungsändemng die Möglichkeit der Präven- 
tivkompetenz beim länderübergreifenden internationalen 
Terrorismus gegeben. Dies betrifft nur einen Punkt; an- 
sonsten hat es diese nicht. Das alles wird hier unter der 
Hand gleich mitbeschlossen. 


Wir haben in der ersten Lesung gefragt - das ist ein 
weiterer Mangel -: Gibt es keine Richter mehr in 
Deutschland? Nun schreiben Sie, bei Streitigkeiten sei 
der Verwaltungsrechtsweg gegeben. Das stehe in der 
Verfassung. Man kann auch Überflüssiges, wenn es denn 
richtig ist, in ein Gesetz schreiben. Nur, das löst das Pro- 
blem nicht. Sie wollen offenbar in Form von Verwal- 
tungsakten Vorgehen. Das ist schon ein Fortschritt im 
Vergleich zur Ministerin, die hier eine Vertragsgestal- 
tung vorsehen wollte. Nur, dann müssen Sie konsequent 
sein: Dann müsste es auch die Möglichkeit der Anhö- 
rung und des Widerspruchsverfahrens geben. Dann 
müssten Sie Verwaltungsverfahren gelten lassen. 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Wolfgang Wieland 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
sowie bei Abgeordneten der FDP) 

Das tun Sie aber nicht. 

Sie haben noch nicht einmal den Datenschutzbeauf- 
tragten angehört; so anhörungsfreundlich sind Sie. Er hat 
das Ganze aus der Zeitung erfahren. Er weiß seit zwei 
Tagen von seinem Glück, genauer gesagt: von seinem 
Unglück; denn als unabhängiger Beauftragter für Daten- 
schutz und Informationsfreiheit - darauf legt er Wert - 
soll er Teil eines kontinuierlich, ständig arbeitenden 
Kontrollinstrumentariums werden, um gerade diese In- 
formationsfreiheit einzuschränken. Das ist ein Miss- 
brauch seiner Stellung, und er wehrt sich zu Recht dage- 
gen. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
sowie bei Abgeordneten der FDP und der LIN- 
KEN und des Abg. Jörg Tauss [SPD]) 

Warum brauchen Sie fünf Menschen für ein Experten- 
gremium beim Bundesbeauflragten für den Datenschutz 
und die Informationsfreiheit? Warum brauchen Sie einen 
zwangsverpflichteten Datenschutzbeauftragten? Ein 
Richter würde ausreichen - aber davor drücken Sie sich -, 
der das Ganze anordnet, wie es auch sonst im Polizeirecht 
üblich ist, wenn in die Rechtssphäre der Bürger relevant 
und nicht zufällig eingegriffen wird. Warum gehen Sie 
diesen Schritt nicht? Das müssen Sie uns erklären 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
und bei der FDP sowie bei Abgeordneten der 
LINKEN) 

und sollten hier nicht gegen Peter Schaar herumpolemi- 
sieren. 

Frau Präsidentin, abschließend ist festzustellen: Auch 
für uns isf das Intemef kein rechtsfreier Raum. Das ha- 
ben wir immer gesagt. Strafverfolgung muss dort statt- 
finden. Gerade weil die Stimmen schon laut werden 
- von Thomas Strobl aus CDU/CSU-Fraktion und von 
Herrn Wiefelspütz aus der SPD-Fraktion, der sich mal 
wieder einmal so und einmal so äußert -, die sagen, dass 
sie mehr wollen, dass es natürlich Gesetzesänderungen 
geben wird, 

(Klaus Uwe Benneter [SPD]: Das stimmt doch 
gar nicht!) 

dass es ein Trommelfeuer an Gesetzesänderungen geben 
wird, sagen wir: 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Herr Kollege Wieland. 

Wolfgang Wieland (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): 

Das Internet ist kein rechtsffeier Raum, es darf aber 
auch nicht zum bürgerrechtsfreien Raum verkommen. 

Vielen Dank. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, 
bei der FDP und der LINKEN) 


Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Ich gebe das Wort der Kollegin Michaela Noll, CDU/ 
CSU-Fraktion. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Michaela Noll (CDU/CSU): 

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und 
Kollegen! Ich hatte jetzt ungefähr eine halbe Stunde 
Zeit, das Sammelsurium aus Reden, in denen von einem 
Trommelfeuer die Rede war, und Reden, in denen vom 
Land der Propheten gesprochen wurde, zu genießen. 

Ich komme zunächst zum Land der Propheten. Kol- 
lege Dr. Stadler, ich muss Sie leider ansprechen: Können 
Sie hellsehen? Warum nehmen Sie das Ergebnis der 
Evaluierung vorweg? Wenn Sie schon jetzt sagen kön- 
nen, dass die Maßnahmen, die wir beschließen, nichts 
bringen, dann sind Sie uns weit voraus. 

Nächster Punkt: Sie haben die internationale Zusam- 
menarbeit angesprochen. An dieser Stelle erlaube ich 
mir den Hinweis, dass im Mai 2009 infolge einer BKA- 
Initiative eine Regionalkonferenz stattgefunden hat, auf 
der man noch einmal gesagt hat, dass man die internatio- 
nale Zusammenarbeit verbessern will. 

Nächster Stichpunkt: Verfassungsklage. Gott sei 
Dank war auch ich bei der Anhörung und habe den ent- 
sprechenden Fragestellern folgen können. Die Antwor- 
ten waren zum Teil sehr unterschiedlich. Sie, Kollege 
Stadler, befinden sich zwar auf der Schiene der jungen 
Dame, die die Initiative zur Onlinepetition ergriffen hat, 
aber das heißt noch lange nicht, dass das richtig ist. 

(Johannes Singhammer [CDU/CSU]: Richtig!) 

Das Gleiche gilt für die Gefahr, die Sie am Horizont 
aufziehen sehen, dass wir eine Sperrinffastruktur auf- 
bauen wollen. Entschuldigung, dazu kann ich nur sagen: 
Ein kleiner Blick in das Spezialgesetz genügt. Darin 
steht ausdrücklich, dass sich das Gesetz nur auf Kin- 
derpomografie bezieht. Eine andere Intention verfolgen 
wir nicht. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Hier wurde permanent der Vorwurf in den Raum ge- 
stellt, der Bundesdatenschutzbeauftragte sei vorher nicht 
informiert worden. Welche Funktion hat er denn? Er soll 
doch nur das Gremium bestellen. Das Gremium ent- 
scheidet letztendlich. 

Warum sprechen wir hier permanent über Risiken und 
Nebenwirkungen? Warum sprechen wir nicht einfach 
einmal über die Chancen, die dieses Gesetz bietet? 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- 
neten der SPD - Johannes Singhammer [CDU/ 
CSU]: Kinderschutz!) 

Warum meinen Sie, hier sagen zu können, dass das, was 
all die anderen Länder machen, falsch ist? Schweden, 
Norwegen und andere Länder haben ein solches Gesetz 
schon seit 2004. Dort wurde die Diskussion nicht in der 
Art geführt wie bei uns. Über 130 000 Leute haben die 
Onlinepetition unterschrieben. Ich frage mich, warum 
wir uns bei einem Thema verweigern, das so brisant ist. 



25162 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Michaela Noll 

(A) bei dem es darum geht, Kinder im Internet besser zu 
schützen. Wir können doch noch gar nicht beurteilen, ob 
die Maßnahme tatsächlich hilft. Warum versuchen wir 
nicht, in einem befristeten Zeitraum festzustellen, ob die 
Maßnahme etwas bringt? Ich kann das Gezeter an die- 
sem Punkt nicht verstehen. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Kollege Dörmann, ich war sehr froh darüber, dass Sie 
eben einen kleinen Hinweis auf Frau Kuhnen gegeben 
haben, die in unserer Anhörung war. Ich kann jedem 
Zweifler und jedem Kritiker nur raten, das Buch Kin- 
derpomographie und Internet zu lesen. Darin hat sie 
explizit gesagt, wie wichtig es ist, den Zugriff zu verhin- 
dern. Sie hat sich mit den Tätern und den Täterprofilen 
beschäftigt. Keiner von uns stellt sich hier hin und sagt, 
dass man die Sperre nicht umgehen kann. Das ist in an- 
deren Ländern genauso. Trotzdem hat man dort gesagt, 
dass man sie weiterhin nutzt und das Gesetz nicht blo- 
ckiert. Warum ist in Deutschland die Akzeptanz für ein 
so wichtiges Gesetz so gering? Das kann ich als Fami- 
lienpolitikerin nicht ansatzweise nachvollziehen. 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. 

Dr. Peter Struck [SPD]) 

Wir haben gerade in dieser Legislaturperiode unheim- 
lich viel für den Schutz von Kindern in Deutschland ge- 
macht. Wir haben die frühen Hilfen in Gang gebracht, 
und wir haben familiengerichtliche Eingriffsmöglichkei- 
ten geschaffen. Wir vertun hier eine Chance. Ich sage Ih- 
nen eines: Die Menschen draußen werden das nicht ver- 
stehen. 

(B) 

(Beifall der Abg. Dr. Martina Krogmann 
[CDU/CSU] - Johannes Singhammer [CDU/ 
CSU]: So ist es! Darum machen wir das!) 

Frau Kollegin Krogmann war Gott sei Dank so nett, 
auf die Allensbach-Studie zu verweisen. 91 Prozent der 
Menschen über 16 Jahren, die zu diesem Thema befragt 
worden sind, halten das Gesetz für wichtig. Es gibt nur 
9 Prozent Gegner. Das ist die sogenannten Onlinecom- 
munity. Die gibt es, aber sie stellen nicht die Masse der 
Menschen dar; und sie zweifeln lediglich daran, dass die 
Maßnahme wirksam ist. Deswegen sagen wir: Wir be- 
fristen das Ganze und schauen uns die Maßnahmen an. 
Können Sie heute schon sagen, wie sich das Internet in 
drei Jahren weiterentwickelt haben wird? Ich maße mir 
dieses Urteil nicht an. 

Ich hätte mich gefreut, wenn aus diesem Plenum 
heute das Votum gekommen wäre, dass wir etwas für ei- 
nen besseren Schutz für Kinder im Internet tun. Diese 
Chance haben die Kritiker vertan. 

Vielen Dank. 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- 
neten der SPD) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Letzte Rednerin in dieser Debatte ist die Kollegin 
Renate Gradistanac, SPD. 

(Beifall bei der SPD) 


Renate Gradistanac (SPD): 

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und 
Herren! Heute betreten wir Neuland. Die SPD-Bundes- 
tagsfraktion hat sich mit ihrer Forderung nach einem 
Spezialgesetz durchgesetzt. Darüber bin ich sehr froh. In 
meiner letzten Rede habe ich gefordert - Herr Stadler, si- 
cherlich erinnern Sie sich -, 

(Dr. Max Stadler [FDP]: Ja!) 

dass wir nicht nur das Telemediengesetz ergänzen, son- 
dern auch ein eigenes Gesetz beschließen. Indem wir so 
Vorgehen, machen wir deutlich - das ist mir wichtig -: 
Was die Regierungen nach uns machen, liegt in deren 
Verantwortung. Wir zumindest wollen nicht, dass es zu 
einer Ausweitung der Anwendung dieses Gesetzes auf 
andere Inhalte kommt. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

Eines sollten wir hervorheben: Wir haben die Ergeb- 
nisse der beiden Anhörungen sorgfältig ausgewertet und 
die meisten Forderungen der kritischen Experten aufge- 
nommen. Uns zeichnet aus, dass wir vor allem kritische 
Expertinnen und Experten zu den Anhörungen eingela- 
den haben. 

Eine Forderung, die wir aufgenommen haben - ich 
hätte nicht gedacht, dass uns dies gelingt -, lautete: Lö- 
schen vor Sperren! Schließlich sollte es uns in erster Li- 
nie darum gehen, kinderpomografische Seiten aus dem 
Internet zu entfernen, und nicht nur darum, den Zugang 
zu ihnen zu erschweren. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der CDU/ 

CSU und der FDP) 

Eine andere Forderung lautete: Keine Weitergabe von 
Daten durch die Intemetwirtschaft! Damit wollen wir 
den Missbrauch von Daten verhindern. Wichtig ist mir 
darüber hinaus, dass wir die Kontrolle der BKA-Liste 
gewährleisten. 

Meine Damen und Herren, da es sich um einen sen- 
siblen Bereich handelt, haben wir dieses Gesetz bewusst 
befristet. Schon nach zwei Jahren erwarte ich, erwarten 
viele von uns eine sorgfältige Evaluation. 

Ich möchte daran erinnern, dass wir die Verträge der 
Zugangsanbieter mit dem BKA, die auf vertraglicher 
Grundlage in die Grundrechte ihrer Kunden eingreifen, 
auf eine rechtsstaatliche Grundlage stellen. Das haben 
übrigens auch die Vertreter der Intemetwirtschaft in der 
Anhömng gefordert bzw. erbeten. Ich halte diesen 
Schritt allein aus verfassungsrechtlicher Sicht für gebo- 
ten. 

Als Kinder- und Jugendpolitikerin habe ich an zwei 
Weltkongressen gegen kommerzielle sexuelle Ausbeu- 
tung von Kindern und Jugendlichen teilgenommen. Der 
Schutz der Kinder umfasst übrigens alle Menschen bis 
zum Alter von 18 Jahren. Hier haben wir also noch eine 
Zukunflsaufgabe vor uns. 

In Yokohama haben wir im Jahr 2001 erstmals die 
Bedeutung der Verbreitung von Kinderpomografie im 
Internet thematisiert. In der Globalen Verpflichtung von 
Yokohama hat die damalige rot-grüne Bundesregiemng 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25163 


Renate Gradistanac 

(A) zugesagt, geeignete Maßnahmen zur Bekämpfung der 
Kinderpomografie im Internet zu ergreifen. An diese Zu- 
sage haben wir uns gehalten. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

Unter Rot-Grün wurde der erste Nationale Aktions- 
plan zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor 
sexueller Gewalt und Ausbeutung aufgelegt. Wir haben 
bestehende Handlungsdefizite beseitigt und unter ande- 
rem das Strafrecht verschärft. Darüber sind wir heute 
froh. 

Beim Dritten Weltkongress gegen kommerzielle se- 
xuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen in Rio 
im November 2008 und bereits im Vorfeld haben wir 
darauf hingewiesen, dass wir uns insbesondere den 
neuen Medien und dem Internet zuwenden werden. Herr 
Staatssekretär, damals habe ich gefordert: Zeigen Sie uns 
einmal den vorhandenen Instrumentenkasten! - Schließ- 
lich ging es, ähnlich wie bei der Bekämpfung der gegen- 
wärtigen Finanzkrise, darum, geeignete Instrumente zur 
Hand zu haben, damit wir uns inhaltlich kompetent auf- 
stellen können. All das spiegelt sich übrigens im Pakt 
von Rio und in seinem Abschlussdokument wider. Es 
lohnt sich, das nachzulesen. 

Meine Damen und Herren, das Gesetz, um das es 
heute geht, verstehe ich als ein Präventionsgesetz, das 
auf den Zugang zu kinderpomografischen Inhalten im 
Internet beschränkt ist. Herr Staatssekretär, ich freue 
mich, dass Sie hier sind. Allerdings würden wir uns alle 
noch mehr freuen, wenn auch die Ministerin hier wäre. 
Es ist schade, dass sie an dieser Diskussion nicht teil- 
nimmt. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des 
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN sowie des 
Abg. Dr. Ilja Seifert [DIE LINKE]) 

Ich erwarte, dass Frau Ministerin nach diesem Schritt 
jetzt ein Gesamtkonzept vorlegt; denn dieser Schritt al- 
leine ist für uns von der SPD nicht ausreichend und nicht 
zielführend genug. 

(Beifall bei der SPD) 

Wir brauchen ein konsequentes Gesamtkonzept und 
keine einmaligen Signale oder symbolischen Schnell- 
schüsse, die sie ja gut kann. 

Zumindest wir von der SPD haben unsere Hausaufga- 
ben gemacht. Wir haben einen umfassenden Zehn-Punkte- 
Plan beschlossen. 

Außerdem fordern wir einen weiteren Aktionsplan, 
der Prävention und Opferschutz stärkt, Maßnahmen ge- 
gen Kinderhandel und Kinderprostitution intensiviert, 
Medienkompetenz verbessert, Zielvorgaben für die Tou- 
rismuswirtschaft - die immer noch glaubt, an dieser 
Stelle nichts tun zu müssen - setzt usw.; die personelle 
und die technische Ausstattung sind heute schon genannt 
worden. Hier sind auch die Länder gefordert. Wir wollen 
eine bessere internationale Zusammenarbeit und Vernet- 
zung. Außerdem möchten wir - das wird jetzt meine 
SPD freuen - mit dem Aktionsplan auch die Kinder- 
rechte im Grundgesetz verankern. Nur wenn sie in die 


Verfassung aufgenommen werden, wird ein Gesamtkon- (C) 
zept daraus. 

(Beifall bei der SPD) 

Nachdem wir die Verträge mit der Intemetwirtschaft 
abgeschlossen haben und heute in zweiter und dritter Le- 
sung ein Spezialgesetz beschließen, erwarte ich von Ih- 
nen, Frau Ministerin, Herr Staatssekretär, dass Sie in der 
nächsten und damit letzten Sitzungswoche einen Ak- 
tionsplan vorlegen - 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Frau Kollegin. 

Renate Gradistanac (SPD): 

- das ist der letzte Satz -, der auch ausreichend finan- 
ziell unterlegt wird. Nur Pläne reichen nicht. Frau Minis- 
terin - Sie werden ja sicher meine Rede nachlesen -, erst 
dann haben wir wirklich etwas für den Schutz unserer 
Kinder getan. 

Vielen Dank. 

(Beifall bei der SPD sowie der Abg. Renate 
Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Ich schließe die Aussprache. 

Wir kommen zur Abstimmung über den von den 
Fraktionen der CDU/CSU und SPD eingebrachten Ent- 
Wurf eines Gesetzes zur Bekämpfung der Kinderpomo- ' 
graphie in Kommunikationsnetzen. 

Zu dieser Abstimmung liegen mir eine Unmenge von 
persönlichen Erklärungen nach § 3 1 unserer Geschäft- 
sordnung vor.') Herr Kollege Tauss möchte seine Erklä- 
rung persönlich vortragen. Ich werde dies am Ende der 
Abstimmung zulassen. 

Der Ausschuss für Wirtschaft und Technologie emp- 
fiehlt unter Nr. 1 seiner Beschlussempfehlung auf 
Drucksache 16/13411, den Gesetzentwurf der Fraktio- 
nen der CDU/CSU und SPD auf Drucksache 16/12850 
in der Ausschussfassung anzunehmen. Ich bitte diejeni- 
gen, die dem Gesetzentwurf in der Ausschussfassung zu- 
stimmen wollen, um das Handzeichen. - Wer stimmt da- 
gegen? - Enthaltungen? - Der Gesetzentwurf ist damit 
in zweiter Beratung mit den Stimmen der Koalition bei 
Gegenstimmen der Opposition angenommen. 

Wir kommen zur 

dritten Beratung 

und Schlussabstimmung. Auf Verlangen der Fraktion 
Bündnis 90/Die Grünen stimmen wir über den Gesetz- 
entwurf namentlich ab. Ich bitte die Schriftführerinnen 
und Schriftführer, die vorgesehenen Pläfze einzuneh- 
men. - Sind die Plätze an den Urnen besetzt? - Das ist 
der Fall. Ich eröffne die Abstimmung. 


') Anlagen 9 bis 1 5 



25164 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner 

Sind noch Mitglieder des Hauses anwesend, die ihre 
Stimme nicht abgegeben haben? - Das ist nicht der Fall. 

Ich schließe die Abstimmung und bitte die Schriftfüh- 
rerinnen und Schriftführer, mit der Auszählung zu begin- 
nen. Das Ergebnis der namentlichen Abstimmung wird 
Ihnen später bekannt gegeben. ') 

Abstimmung über die Beschlussempfehlung zu dem 
von der Bundesregierung eingebrachten Entwurf eines 
Gesetzes zur Bekämpfung der Kinderpomographie in 
Kommunikationsnefzen. Der Ausschuss für Wirtschaft 
und Technologie empfiehlt unter Nr. 2 seiner Beschluss- 
empfehlung auf Drucksache 16/13411, den Gesetzent- 
wurf der Bundesregierung, Drucksachen 16/13125 und 
16/13385, für erledigt zu erklären. Wer stimmt für diese 
Beschlussempfehlung? - Wer stimmt dagegen? - Ent- 
haltungen? - Die Beschlussempfehlung ist bei Gegen- 
stimmen der Fraktion Die Linke angenommen. 

Jetzt gebe ich das Wort zu einer persönlichen Erklä- 
rung dem Kollegen Jörg Tauss. 

Jörg Tauss (SPD): 

Frau Präsidentin! Liebe Kollegirmen! Liebe Kollegen! 
Ich stimme gegen dieses Gesetz - zwischenzeitlich muss 
man sagen: Ich habe gegen dieses Gesefz gestimmt -, 
weil es mit dem eigentlichen Titel nichts zu tun hat. Das 
Ziel, die Bekämpfung der Kinderpomografie, war - ent- 
gegen allen Unterstellungen und juristischen Ermittlun- 
gen, die gegen mich laufen - 15 Jahre lang meine An- 
triebsfeder, mich intensiv mit dem Internet zu 
beschäftigen. 

Ich habe gegen dieses Gesetz gestimmt, nicht weil ich 
das Ziel nicht vorbehaltlos unterstützen würde, sondern 
weil es in der Tat so ist - Frau Kollegin Krogmann, ich 
habe Ihre Einwände an dieser Stelle nicht verstanden -, 
dass mit diesem Gesetz erstmals nach 1949 im freien 
Teil Deutschlands Überwachungsstrukturen geschaffen 
werden. 

Ich habe gegen dieses Gesefz gestimmt, weil es Kin- 
derpomografie nicht verhindert. Das ist eine der großen 
Legenden, die von der Ministerin - ich finde es schade, 
dass sie nicht da ist - leider aufgebaut worden sind. Sie 
hat bei allen Anfragen, die es gab - beispielsweise von 
der FDP-Fraktion -, gesagt, es lägen ihr keine Erkennt- 
nisse vor. Ich finde: Wenn man keine Erkenntnisse hat, 
sollte man an der Debatte teilnehmen; das wäre das Min- 
deste, was man verlangen kann. 

(Beifall der Abg. Renate Künast [BÜND- 
NIS 90/DIE GRÜNEN]) 

Das „Stopp!“-Signal, das erscheinen soll, wenn man 
auf eine indizierte Seite geht, ermöglicht es Tätern bzw. 
Verbreitern erst, festzustellen, ob sie geoutet sind und die 
Adresse wechseln müssen. Der Bund Deutscher Krimi- 
nalbeamter hat zu Recht festgestellt: Durch dieses Ge- 
setz wird die Suche nach Tätern erschwert. Das heißt, 
genau das, was Sie eigentlich wollen, Frau Kollegin Noll 
- eine Zielsetzung, die wir alle haben -, wird dadurch 
verhindert. 


*> Ergebnis Seite 25165 C 


Ich bin sehr betrübt darüber, dass man nur eine ein- (C) 
zige Sachverständige zitiert hat. Alle anderen Sachver- 
ständigen wie Professor Sieber vom renommierten Max- 
Planck-Institut für ausländisches und internationales 
Strafrecht haben auf die erheblichen rechtlichen und 
technischen Probleme verwiesen. Er war es, Frau Kolle- 
gin Krogmann, der den Dialog, den Sie einfordem, erst 
angeregt hat. In der Tat: Man hätte einen Dialog führen 
müssen, bevor man zu einem solchen Gesefz kommt. 

Ich habe gegen dieses Gesefz gestimmt, weil es die 
Gewaltenteilung aufhebt. Zum ersten Mal ist es so, dass 
die Exekutive selbst kontrolliert. Die Stelle beim Bun- 
desdatenschutzbeauftragten ist - dazu habe ich schon et- 
was gesagt - nicht geeignet, die entstehenden Probleme 
zu lösen. 

Es geht hier ganz offensichtlich nur dämm, am BKA- 
Gesetz vorbei Kompetenzen und Stellen für das BKA zu 
schaffen. Wenn ich bedenke, wie viele Gesetze dieser 
Koalition in den letzten Jahren vor dem Bundesverfas- 
sungsgericht gescheitert sind, muss ich sagen: Ich hätte 
mir gewünscht, dass man nicht einfach sagt: „Verfas- 
sungsrechtlich ist alles prima“, sondern dies gründlich 
prüft. 

Ich habe gegen dieses Gesefz gestimmt, weil damit, 
wie gesagt, Überwachungsstmkturen geschaffen wer- 
den. Das Wall Street Journal hat gestern - zu Unrecht, 
wie ich meine; aber immerhin; es zeigt, dass darüber in- 
ternational debattiert wird - Deutschland in einem 
Atemzug mit China und Iran genannt. Das halte ich für 
außerordentlich problematisch. Doch wer sich darüber 
aufregt, der möge in das Gesetz schauen. Es ist so, dass (D) 
die Provider jetzt gezwungen sind, mit der Polizei über 
die technische Richtlinie zu verhandeln. Wenn man 
weiß, wie die Verträge den Providern abgenötigt worden 
sind - in einer Form, über die ich vorhin ebenfalls schon 
geredet habe -, kann man, glaube ich, deutlich machen, 
wie die Problematik ist: Hier wird missbrauchbare Tech- 
nik bereitgestellt - missbrauchbare Technik, die von al- 
len Diktaturen dieser Welt dankbar entgegengenommen 
werden kann. Das ist verantwortungslos. 

Ich habe gegen dieses Gesefz gestimmt, weil die 
Technik in den geschlossenen Zirkeln von Kinderpomo- 
grafen nicht funktioniert, aber in vielen Teilen der Welt 
in der Lage ist, Demokratie und Freiheit herauszufiltem. 

Ich habe dagegen gestimmt, weil jetzt nachträglich Ver- 
träge, die auf eine Art und Weise zustande gekommen 
sind, wie ich es zum Ausdruck gebracht habe, mit einem 
Gesetz legitimiert werden sollen. 

Ich habe gegen dieses Gesetz gestimmt, weil es gegen 
den Rat und die Warnungen fast aller Sachverständigen 
- zumindest der großen Mehrheit der Sachverständigen - 
zustande gekommen ist. Es gibt die Petition der 134 000, 
über die heute Abend wohl kalt wie Hundeschnauze hin- 
weggegangen wird. Die Stimmen dieser 134 000 und 
vieler anderer junger Menschen, die heute angesichts 
dieses Projekts resigniert Zurückbleiben, will ich - wohl 
als einer der wenigen Abgeordneten der Großen Koali- 
tion - nicht mit Füßen treten. Ich habe gegen das Gesefz 
gestimmt. Ich resigniere nicht vor ministerieller Inkom- 
petenz. Kämpft bitte ebenfalls weiter gegen Zensurinffa- 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25165 


Jörg Tauss 

(A) Struktur! Nie kämpft es sich schlecht für Freiheit und 
Recht! Deswegen habe ich dagegen gestimmt. 

Löschen statt Sperren wäre die Devise. Das, was 
heute passiert, ist eine Fehlentwicklung. Ich kann den 
Grünen, denen ich auch für die Beantragung der nament- 
lichen Abstimmung danke, nur zustimmen: Hier geht es 
nicht mehr darum, dass das Internet ein rechtsffeier 
Raum sei; hier geht es nur noch darum, dass das Internet 
zunehmend und mit immer mehr Maßnahmen - sie wur- 
den in den letzten Jahren verschärft, und sie sind auch 
künftig zu erwarten, wie die Zitate von Strobl und Co. 
zeigen - zu einem bürgerrechtsfreien Raum gemacht 
werden soll. 

Ich habe meiner Fraktion gesagt, ich bin relativ dank- 
bar, dass ich — 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Herr Kollege Tauss, die fünf Minuten für Ihre persön- 
liche Erklärung sind zu Ende. 

Jörg Tauss (SPD): 

Ja, die Zeit ist rum. Es war meine letzte Anmerkung 
in diesem Parlament. Das hat sicherlich viele gefreut. 


Umgekehrt möchte ich, Frau Präsidentin, an dieser Stelle (C) 
allerdings sagen: Es hat an einigen Stellen auch Spaß ge- 
macht. Wir haben viel bewirkt für Bildung, Wissenschaft 
und Forschung. Denen, mit denen ich gut zusammenge- 
arbeitet habe, kann ich nur sagen: Wir waren in diesen 
Bereichen erfolgreich. 

Aber dieses Gesetz halte ich für betrüblich. Insofern 
fällt mir mein Abschied aus dem Deutschen Bundestag 
durchaus auch leicht. Trotzdem Ihnen persönlich alles 
Gute! 

Danke schön. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der CDU/ 

CSU, der FDP und der LINKEN) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Ich gebe das von den Schriftführerinnen und Schrift- 
führern ermittelte Ergebnis der namentlichen Abstim- 
mnng über den Entwurf eines Gesetzes zur Bekämpfung 
der Kinderpomographie in Kommunikationsnetzen be- 
kannt. Abgegebene Stimmen 535. Mit Ja haben ge- 
stimmt 389, mit Nein haben gestimmt 128, Enthaltungen 
18. Der Gesetzentwurf ist angenommen. 


Endgültiges Ergebnis 


Georg Brunnhuber 

Markus Grübel 

Dr. Rolf Koschorrek 

Abgegebene Stimmen: 

535; 

Cajus Caesar 

Manfred Grund 

Günther Krichbaum 

davon 


Gitta Connemann 

Monika Grütters 

Dr. Günter Krings 

389 

Leo Dautzenberg 

Olav Gutting 

Dr. Martina Krogmann 

ja: 

Hubert Deittert 

Holger Haibach 

Dr. Hermann Kues 

nein: 

128 

Alexander Dobrindt 

Gerda Hasselfeldt 

Dr. Karl A. Lamers 

enthalten: 

18 

Thomas Dörflinger 

Uda Carmen Freia Heller 

(Heidelberg) 



Marie-Luise Dött 

Michael Hennrich 

Andreas G. Lämmel 

Ja 


Maria Eichhorn 

Jürgen Herrmann 

Dr. Norbert Lammert 


Dr. Stephan Eisei 

Bernd Heynemann 

Helmut Lamp 

CDU/CSU 


Anke Eymer (Lübeck) 

Emst Hinsken 

Katharina Landgraf 


Ilse Falk 

Christian Hirte 

Dr. Max Lehmer 

Ulrich Adam 


Dr. Hans Georg Faust 

Robert Hochbaum 

Paul Lehrieder 

Ilse Aigner 


Enak Ferlemann 

Klaus Hofbauer 

Ingbert Liebing 

Peter Albach 


Ingrid Fischbach 

F ranz- J o sef Holzenkamp 

Patricia Lips 

Peter Altmaier 


Hartwig Fischer (Göttingen) 

Joachim Hörster 

Dr. Michael Luther 

Dorothee Bär 


Axel E. Fischer (Karlsmhe- 

Anette Hübinger 

Thomas Mahlberg 

Thomas Bareiß 


Land) 

Hubert Hüppe 

Stephan Mayer (Altötting) 

Norbert Barthle 


Dr. Maria Flachsbarth 

Susanne Jaffke-Witt 

Wolfgang Meckelburg 

Dr. Wolf Bauer 


Klaus-Peter Flosbach 

Dr. Peter Jahr 

Dr. Michael Meister 

Günter Baumann 


Herbert Frankenhauser 

Dr. Hans-Heinrich Jordan 

Laurenz Meyer (Hamm) 

Emst-Reinhard Beck 


Dr. Hans-Peter Friedrich 

Andreas Jung (Konstanz) 

Maria Michalk 

(Reutlingen) 


(Hof) 

Dr. Franz Josef Jung 

Dr. h. c. Hans Michelbach 

Dr. Christoph Bergner 


Erich G. Fritz 

Bartholomäus Kalb 

Philipp Mißfelder 

Clemens Binninger 


Jochen-Konrad Fromme 

Hans-Werner Kammer 

Dr. Eva Möllring 

Renate Blank 


Dr. Michael Fuchs 

Alois Karl 

Marlene Mortler 

Peter Bleser 


Hans-Joachim Fuchtel 

Bernhard Kaster 

Carsten Müller 

Antje Blumen thal 


Dr. Jürgen Gehb 

Siegfried Kauder (Villingen- 

(Braunschweig) 

Dr. Maria Böhmer 


Norbert Geis 

Schwenningen) 

Stefan Müller (Erlangen) 

Wolfgang Börnsen 


Eberhard Gienger 

Volker Kauder 

Dr. Gerd Müller 

(Bönstmp) 


Josef Göppel 

Jürgen Klimke 

Michaela Noll 

Wolfgang Bosbach 


Peter Götz 

Julia Klöckner 

Dr. Georg Nüßlein 

Klaus Brähmig 


Dr. Wolfgang Götzer 

Jens Koeppen 

Franz Obermeier 

Michael Brand 


Ute Granold 

Dr. Kristina Köhler 

Eduard Oswald 

Helmut Brandt 


Reinhard Grindel 

(Wiesbaden) 

Henning Otte 

Dr. Ralf Brauksiepe 


Hermann Gröhe 

Manfred Kolbe 

Rita Pawelski 

Monika Brüning 


Michael Grosse-Brömer 

Norbert Königshofen 

Ulrich Petzold 


(D) 



25166 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner 


Dr. Joachim Pfeiffer 

Sibylle Pfeiffer 

Beatrix Philipp 

Ronald Pofalla 

Ruprecht Polenz 

Daniela Raab 

Hans Raidel 

Dr. Peter Ramsauer 

Peter Rauen 

Eckhardt Rehberg 

Katherina Reiche (Potsdam) 

Klaus Riegert 

Dr. Heinz Riesenhuber 

Franz Römer 

Johannes Röring 

Kurt J. Rossmanith 

Dr. Norbert Röttgen 

Dr. Christian Ruck 

Albert Rupprecht (Weiden) 

Peter Rzepka 

Anita Schäfer (Saalstadt) 

Hermann- Josef Scharf 

Hartmut Schauerte 

Dr. Annette Schavan 

Dr. Andreas Scheuer 

Karl Schiewerling 

Norbert Schindler 

Bernd Schmidbauer 

Christian Schmidt (Fürth) 

Andreas Schmidt (Mülheim) 

Ingo Schmitt (Berlin) 

Dr. Andreas Schockenhoff 
Dr. Oie Schröder 
Bernhard Schulte-Drüggelte 
Uwe Schummer 
Wilhelm Josef Sebastian 
Kurt Segner 
Marion Seih 
Bernd Siebert 
Thomas Silberhom 
Johannes Singhammer 
Jens Spahn 
Erika Steinbach 
Christian Freiherr von Stetten 
Gero Storjohann 
Andreas Storm 
Max Straub inger 
Matthäus Streb 1 
Thomas Strobl (Heilbronn) 
Lena Strothmann 
Michael Stübgen 
Hans Peter Thul 
Antje Tillmann 
Dr. Hans-Peter Uhl 
Arnold Vaatz 
Volkmar Uwe Vogel 
Andrea Astrid Voßhoff 
Gerhard Wächter 
Marco Wanderwitz 
Kai Wegner 
Marcus Weinberg 
Peter Weiß (Emmendingen) 
Gerald Weiß (Groß-Gerau) 
Ingo Wellenreuther 
Karl-Georg Wellmann 
Anette Widmann-Mauz 
Klaus-Peter Willsch 


Elisabeth Winkelmeier- 
Becker 

Dagmar Wöhrl 
Willi Zylajew 

SPD 

Dr. Laie Akgün 
Gregor Amann 
Dr. h. c. Gerd Andres 
Niels Annen 
Ingrid Arndt-Brauer 
Rainer Arnold 
Emst Bahr (Neuruppin) 
Doris Bamett 
Dr. Hans-Peter Bartels 
Klaus Barthel 
Sören Bartol 
Sabine Bätzing 
Dirk Becker 
Uwe Beckmeyer 
Klaus Uwe Benneter 
Dr. Axel Berg 
Ute Berg 
Petra Bierwirth 
Lothar Binding (Heidelberg) 
Völker Blumen tritt 
Kurt Bodewig 
Clemens Bollen 
Gerd Bollmann 
Dr. Gerhard Botz 
Klaus Brandner 
Willi Brase 
Bernhard Brinkmann 
(Hildesheim) 

Marco Bülow 
Ulla Burchardt 
Martin Burkert 
Dr. Michael Bürsch 
Christian Carstensen 
Marion Caspers-Merk 
Dr. Peter Danckert 
Karl Diller 
Martin Dörmann 
Dr. Carl-Christian Dressei 
Elvira Drobinski-Weiß 
Garreit Duin 
Detlef Dzembritzki 
Sebastian Edathy 
Siegmund Ehrmann 
Hans Eichel 
Petra Emstberger 
Karin Evers-Meyer 
Annette Faße 
Elke Ferner 
Gabriele Fograscher 
Rainer Fomahl 
Gabriele Frechen 
Dagmar Freitag 
Peter Friedrich 
Iris Gleiche 
Renate Gradistanac 
Angelika Graf (Rosenheim) 
Dieter Grasedieck 
Kerstin Griese 
Gabriele Groneberg 
Achim Großmann 
Wolfgang Grotthaus 


Wolfgang Gunkel 
Hans-Joachim Hacker 
Bettina Hagedorn 
Klaus Hagemann 
Alfred Hattenbach 
Michael Hartmann 
(Wackernheim) 

Nina Hauer 
Hubertus Heil 
Dr. Reinhold Hemker 
Rolf Hempelmann 
Dr. Barbara Hendricks 
Gustav Herzog 
Petra Heß 

Gabriele Hiller-Ohm 
Stephan Hilsberg 
Petra Hinz (Essen) 

Gerd Höfer 

Iris Hoffmann (Wismar) 

Frank Hofmann (Volkach) 

Dr. Eva Högl 

Eike Hovermann 

Klaas Hübner 

Christel Humme 

Johannes Jung (Karlsruhe) 

Josip Juratovic 

Johannes Kahrs 

Dr. h. c. Susanne Kästner 

Ulrich Kelber 

Christian Kleiminger 

Hans-Ulrich Klose 

Astrid Klug 

Dr. Bärbel Koller 

Fritz Rudolf Körper 

Rolf Kramer 

Anette Kramme 

Emst Kranz 

Nicolette Kressl 

Volker Kröning 

Angelika Krüger-Leißner 

Dr. Hans-Ulrich Krüger 

Jürgen Kucharczyk 

Helga Kühn-Mengel 

Ute Kumpf 

Dr. Uwe Küster 

Christine Lambrecht 

Christian Lange (Backnang) 

Waltraud Lehn 

Helga Lopez 

Gabriele Lösekmg-Möller 
Dirk Manzewski 
Lothar Mark 
Caren Marks 
Katja Mast 
Hilde Mattheis 
Markus Meckel 
Petra Merkel (Berlin) 

Ulrike Merten 
Dr. Matthias Miersch 
Ursula Mogg 
Marko Mühlstein 
Detlef Müller (Chemnitz) 
Gesine Multhaupt 
Franz Müntefering 
Dr. Rolf Mützenich 
Dr. Erika Ober 
Thomas Oppermann 
Holger Ortei 


Heinz Paula 
Johannes Pflug 
Joachim Poß 
Christoph Pries 
Dr. Wilhelm Priesmeier 
Florian Pronold 
Dr. Sascha Raabe 
Mechthild Rawert 
Gerold Reichenbach 
Walter Riester 
Sönke Rix 
Rene Röspel 

Dr. Emst Dieter Rossmann 
Karin Roth (Esslingen) 
Michael Roth (Heringen) 
Ortwin Runde 
Anton Schaaf 
Axel Schäfer (Bochum) 
Bernd Scheelen 
Marianne Schieden 
Otto Schily 

Silvia Schmidt (Eisleben) 
Renate Schmidt (Nürnberg) 
Heinz Schmitt (Landau) 
Reinhard Schultz 
(Everswinkel) 

Swen Schulz (Spandau) 
Ewald Schürer 
Frank Schwabe 
Dr. Angelica Schwall-Düren 
Dr. Martin Schwanholz 
Rolf Schwanitz 
Rita Schwarzelühr-Sutter 
Dr. Margrit Spielmann 
Jörg-Otto Spüler 
Dieter Steinecke 
Andreas Steppuhn 
Ludwig Stiegler 
Christoph Strässer 
Dr. Peter Stmck 
Joachim Stünker 
Dr. Rainer Tabillion 
Jella Teuchner 
Dr. h. c. Wolfgang Thierse 
Franz Thönnes 
Rüdiger Veit 
Simone Violka 
Jörg Vogelsänger 
Dr. Marlies Volkmer 
Hedi Wegener 
Andreas Weigel 
Petra Weis 
Gunter Weißgerber 
Gert Weisskirchen 
(Wiesloch) 

Hildegard Wester 
Lydia Westrich 
Dr. Margrit Wetzel 
Andrea Wicklein 
Heidemarie Wieczorek-Zeul 
Dr. Dieter Wiefelspütz 
Engelbert Wistuba 
Waltraud Wolff 
(Wolmirstedt) 

Heidi Wright 
Uta Zapf 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25167 


Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner 


fraktionsloser 

Abgeordneter 

Henry Nitzsche 

Nein 

CDU/CSU 
Jochen Borchert 

SPD 

Steffen Reiche (Cottbus) 
Jörg Tauss 

Dr. Wolfgang Wodarg 

FDP 

Jens Ackermann 

Dr. Karl Addicks 

Christian Ahrendt 

Daniel Bahr (Münster) 

Rainer Brüderle 

Angelika Brunkhorst 

Emst Burgbacher 

Patrick Döring 

Mechthild Dyckmans 

Jörg van Essen 

Ulrike Flach 

Otto Fricke 

Paul K. Friedhoff 

Horst Friedrich (Bayreuth) 

Dr. Edmund Peter Geisen 

Dr. Wolfgang Gerhardt 

Miriam Gmß 

Joachim Günther (Plauen) 

Dr. Christel Happach-Kasan 

Heinz-Peter Haustein 

Elke Hoff 

Birgit Homburger 

Dr. Werner Hoyer 

Michael Kauch 

Dr. Heinrich L. Kolb 

Hellmut Königshaus 

Gudrun Kopp 

Dr. h. c. Jürgen Koppelin 


Heinz Lanfermann 
Sibylle Laurischk 
Harald Leibrecht 
Sabine Leutheusser- 
Schnarrenberger 
Michael Link (Heilbronn) 
Dr. Erwin Lotter 
Patrick Meinhardt 
Jan Mücke 

Burkhardt Müller-Sönksen 
Dirk Niebel 
Hans-Joachim Otto 
(Frankfurt) 

Detlef Parr 

Cornelia Pieper 

Gisela Piltz 

Frank Schäffler 

Dr. Konrad Schily 

Marina Schuster 

Dr. Max Stadler 

Dr. Rainer Stinner 

Carl-Ludwig Thiele 

Florian Toncar 

Dr. Daniel Volk 

Christoph Waitz 

Dr. Claudia Winterstein 

Dr. Volker Wissing 

Hartfrid Wolff (Rems-Murr) 

DIE LINKE 

Hüseyin-Kenan Aydin 
Dr. Dietmar Bartsch 
Karin Binder 
Eva Bulling-Schröter 
Dr. Martina Bunge 
Roland Claus 
Sevim Dagdelen 
Dr. Diether Dehrn 
Klaus Ernst 
Dr. Gregor Gysi 
Lutz Heilmann 
Dr. Barbara Höll 
Ulla Jelpke 

Dr. Lukrezia Jochimsen 
Dr. Hakki Keskin 


Monika Knoche 
Jan Körte 
Ulla Lötzer 
Dr. Gesine Lötzsch 
Ulrich Maurer 
Komelia Möller 
Kersten Naumann 
Wolfgang Neskovic 
Dr. Norman Paech 
Bodo Ramelow 
Elke Reinke 
Paul Schäfer (Köln) 

Volker Schneider 
(Saarbrücken) 

Dr. Herbert Schui 
Dr. Ilja Seifert 
Dr. Petra Sitte 
Frank Spieth 
Dr. Kirsten Tackmann 
Dr. Axel Troost 
Alexander Ulrich 
Jörn Wunderlich 

BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN 

Kerstin Andreae 

Birgitt Bender 

Alexander Bonde 

Dr. Uschi Eid 

Kai Gehring 

Britta Haßelmann 

Bettina Herlitzius 

Winfried Hermann 

Peter Hettlich 

Dr. Anton Hofreiter 

Bärbel Höhn 

Ute Koczy 

Fritz Kuhn 

Renate Künast 

Undine Kurth (Quedlinburg) 

Markus Kurth 

Monika Lazar 

Anna Lührmann 

Nicole Maisch 

Jerzy Montag 


Winfried Nachtwei 
Omid Nouripour 
Claudia Roth (Augsburg) 
Krista Säger 
Manuel Sarrazin 
Elisabeth Scharfenberg 
Dr. Gerhard Schick 
Silke Stokar von Neufom 
Dr. Wolfgang Strengmann- 
Kuhn 

Hans-Christian Ströbele 
Jürgen Trittin 
Wolfgang Wieland 
Josef Philip Winkler 

fraktionsloser 

Abgeordneter 

Gert Winkelmeier 

Enthalten 

SPD 

Ulrich Kasparick 
Ottmar Schreiner 
Wolfgang Spanier 

BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN 

Marieluise Beck (Bremen) 
Cornelia Behm 
Ekin Deligöz 
Dr. Thea Dückert 
Hans Josef Fell 
Katrin Göring-Eckardt 
Priska Hinz (Herbom) 
Ulrike Höfken 
Thilo Hoppe 
Sylvia Kotting-Uhl 
Kerstin Müller (Köln) 
Christine Scheel 
Irmingard Schewe-Gerigk 
Rainder Steenblock 
Dr. Harald Terpe 


Wir setzen die Abstimmungen mit den Entschlie- 
ßungsanträgen fort. Wer stimmt für den Entschließungs- 
antrag der Fraktion der FDP auf Drucksache 16/13469? - 
Wer stimmt dagegen? - Enthaltungen? - Der Entschlie- 
ßungsantrag ist mit den Stimmen der Koalition bei Ge- 
genstimmen der Opposition abgelehnt. 

Wer stimmt für den Entschließungsantrag der Frak- 
tion Die Linke auf Drucksache 16/13471? - Wer stimmt 
dagegen? - Enthaltungen? - Der Entschließungsantrag 
ist mit den Stimmen der Koalition bei Enthaltung von 
Bündnis 90/Die Grünen und FDP gegen die Stimmen der 
Fraktion Die Linke abgelehnt. 

Wer stimmt für den Entschließungsantrag der Frak- 
tion Bündnis 90/Die Grünen auf Drucksache 16/13470? - 
Wer stimmt dagegen? - Enthaltungen? - Der Entschlie- 


ßungsantrag ist mit den Stimmen der Koalition bei Ge- 
genstimmen der Opposition abgelehnt. 

Ich rufe die Tagesordnungspunkte 10 a bis 10 c: 

a) Beratung der Großen Anfrage der Abgeordneten 
Birgit Homburger, Elke Hoff, Dr. Rainer Stinner, 
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP 

Die Bundeswehr - Eine aufgabenorientierte 
Streitkraft? 

-Drucksachen 16/9962, 16/12681 - 

b) Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- 
richts des Verteidigungsausschusses (12. Aus- 
schuss) 



25168 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner 

- zu dem Antrag der Abgeordneten Birgit 
Homburger, Elke Hoff, Dr. Rainer Stinner, wei- 
terer Abgeordneter und der Fraktion der FDP 

Zukunftsfähigkeit der Bundeswehr herstei- 
len - Wehrpflicht aussetzen 

- zu dem Antrag der Abgeordneten Winfried 
Nachtwei, Kai Gehring, Alexander Bonde, wei- 
terer Abgeordneter und der Fraktion BÜND- 
NIS 90/DIE GRÜNEN 

Wehrpflicht üherwinden - Freiwilligen- 
armee aufhauen 

-Drucksachen 16/393, 16/6393, 16/7432- 

B erichterstattung : 

Abgeordnete Jürgen Herrmann 
Dr. Hans-Peter Bartels 
Birgit Homburger 
Paul Schäfer (Köln) 

Winfried Nachtwei 

c) Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- 
richts des Verteidigungsausschusses (12. Aus- 
schuss) zu dem Antrag der Abgeordneten Elke 
Hoff, Birgit Homburger, Dr. Rainer Stinner, wei- 
terer Abgeordneter und der Fraktion der FDP 

Attraktivität des Soldatenherufes steigern 

-Drucksachen 16/2836, 16/5352- 
B erichterstattung : 

Abgeordnete Anita Schäfer (Saalstadt) 

Rolf Kramer 
Birgit Homburger 
Paul Schäfer (Köln) 

Winfried Nachtwei 

Nach einer interfraktionellen Vereinbarung ist für die 
Aussprache eine halbe Stunde vorgesehen, wobei die 
Fraktion der FDP sechs Minuten erhalten soll. - Ich höre 
keinen Widerspruch. Dann ist das so beschlossen. 

Ich eröffne die Aussprache. Das Wort hat die Kolle- 
gin Birgit Homburger, FDP. 

(Beifall bei der FDP) 

Birgit Homburger (FDP): 

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 
Der Deutsche BundeswehrVerband hat im April 2007 
eine vielbeachtete Umfrage durchgeführt, in der 
74 Prozent der Berufssoldaten mitteilten, sie würden ih- 
nen Nahestehenden den Dienst in der Bundeswehr nicht 
empfehlen. Diese Umfrage wurde vom Verteidigungsmi- 
nister abgetan. Sie hätte vielmehr als Stimmungsbaro- 
meter ernst genommen werden müssen. Denn die Situa- 
tion hat sich seither noch verschärft. Das zeigen die 
Berichte des Wehrbeauftragten und auch schlicht die 
Fakten, beispielsweise die Abnahme der Bewerberzah- 
len um 15 Prozent in allen Laufbahnen im Jahr 2007 
oder massive Kündigungen von Berufssoldaten, insbe- 
sondere von Ärzten und Piloten. 


Deswegen hat die FDP-Bundestagsfraktion in einer 
Großen Anfrage die Möglichkeit genutzt, die Situation 
der Bundeswehr insgesamt gegenüber der Bundesregie- 
rung nochmals zu thematisieren. Es gibt zwei Bereiche, 
in denen wir deutlich machen wollen, dass es dringenden 
Veränderungs- und Verbesserungsbedarf gibt. Das sind 
zum einen Veränderungen in der Struktur der Bundes- 
wehr und zum anderen die Steigerung der Attraktivität 
der Streitkräfte. 

Die Ursachen für die Situation liegen im Missma- 
nagement des Verteidigungsministeriums. Seit über ei- 
nem Jahrzehnt wird in der Bundeswehr herumgedoktert: 
Strukturreform, Reform der Reform und Transformation. 
Eins geht nahtlos ins andere über. Trotz grundlegender 
Änderung der sicherheitspolitischen Lage ist das Han- 
deln des Verteidigungsministeriums noch immer von al- 
tem Denken geprägt. 

So wird krampfhaft an allen Führungsebenen festge- 
halten. Seit Mitte der 90er-Jahre hat sich der Umfang der 
Bundeswehr halbiert, aber die Zahl der Ämter, Kom- 
mandos und Behörden vermehrt. Die Zahl der Haus- 
haltsstellen in der Besoldungsordnung B - also die Zahl 
höherdotierter Oberster und Generale - ist nahezu unver- 
ändert, so die Antwort der Bundesregierung auf unsere 
Große Anfrage. 

Nach wie vor wird die Bundeswehr also mit einer 
Führungsstruktur geführt, die vom Kalten Krieg her- 
rührt. Deshalb ist das Fazit, dass wir - beginnend beim 
BMVg - dringend eine schlankere Führungs Struktur be- 
nötigen. Nur so ist mehr Effizienz zu erzielen. 

(Beifall bei der FDP) 

Eine Folge falscher Strukturen ist unter anderem ein 
Beförderungsstau insbesondere bei Portepeeunteroffizie- 
ren. Das führt zu Frustration insbesondere bei dienstälte- 
ren Feldwebeldienstgraden. Das hat auch der Wehrbe- 
auftragte immer wieder thematisiert. Daraus resultiert 
eines von vielen Attraktivitätsproblemen. Die Bundesre- 
gierung verschließt die Augen vor dem Problem, wenn 
sie auf unsere Große Anfrage antwortet, sie könne kei- 
nen Motivationsverlust durch Beförderungsstau erken- 
nen. Meine Damen und Herren von der Bundesregie- 
rung, Sie sollten sich dringend noch einmal mit diesem 
Thema auseinandersetzen. 

(Beifall bei der FDP) 

Die falsche Struktur zeigt sich auch an einem krampf- 
haften Festhalten der Bundesregierung an der Wehrpflicht. 
Wir haben eine völlig veränderte sicherheitspolitische Situ- 
ation. Die Wehrpflicht ist zur Aufrechterhaltung der äu- 
ßeren Sicherheit nicht mehr notwendig. Derzeit leisten 
weniger als 17 Prozent der zur Verfügung stehenden jun- 
gen Männer Wehrdienst, und ungefähr 60 Prozent aller 
tauglichen jungen Männer leisten weder Wehr- noch Zi- 
vildienst. Hier kann von Gerechtigkeit - und zwar weder 
Wehr- noch Dienstgerechtigkeit - keine Rede mehr sein. 

(Beifall bei der FDP und dem BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der 
LINKEN und der Abg. Renate Schmidt [Nürn- 
berg] [SPD]) 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25169 


Birgit Homburger 

Deshalb ist es nötig, dass die Struktur der Bundes- 
wehr den aktuellen Notwendigkeiten angepasst wird, 
dass es auch für die jungen Männer, die von der Dienst- 
pflicht betroffen sind, eine größere Gerechtigkeit gibt 
und - das sage ich ausdrücklich - dass durch die Ausset- 
zung der Wehrpflicht an anderer Stelle für die Bundes- 
wehr dringend benötigte Mittel freigesetzt werden. Des- 
halb fordert die FDP an dieser Stelle ausdrücklich die 
Aussetzung der Wehrpflicht und die Schaffung einer 
neuen Struktur für die Bundeswehr. 

(Beifall bei der FDP und dem BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN) 

Die Attraktivifät der Streitkräfte hängt aber auch von 
weiteren Punkten ab, zum Beispiel von den Weiterbil- 
dungsmöglichkeiten, der Versetzungshäufigkeit, der Be- 
förderungssituation, der Vereinbarkeit von Familie und 
Dienst, die hier schon einmal ein großes Thema war, der 
Material- und Ausstattungslage und der ausufemden Bü- 
rokratie. 

Zur materiellen Ausstattungslage möchte ich an die- 
ser Stelle nur sagen: Im Einsatz ist sie zwar immer wie- 
der verbessert worden; sie ist aber bei weitem noch nicht 
optimal. Nicht nur im Einsatz, sondern auch in der Aus- 
bildung fehlt es an Ausstattung. Deshalb sagen wir: Wir 
müssen weg von einer falschen Schwerpunktsetzung im 
Verteidigungshaushalt - zum Beispiel zugunsten von 
Großprojekten wie MEADS oder der dritten Tranche des 
Eurofighters -, hin zu einer besseren Ausstattung der 
Bundeswehr, insbesondere im Einsatz. 

(Beifall bei der FDP) 

Zuviel Bürokratie im Einsatz - bis hin zur Mülltren- 
nung - wurde immer wieder thematisiert. Im Bericht des 
Bundesministeriums der Verteidigung zum Sachstand 
der Inneren Führung wurde gerade wieder deutlich, dass 
Vorgesetzte wiederholt über enorme administrative Be- 
lastungen in verschiedenen Verwendungen geklagt ha- 
ben, die bis zu 80 Prozent der Dienstzeit beanspruchen. 

Meine sehr verehrten Damen und Herren von der 
Bundesregierung, ich habe den Eindruck, dass die Not- 
wendigkeit des Bürokratieabbaus in der Bundeswehr mit 
am höchsten ist. Wir fordern eine Steigerung der Attrak- 
tivität durch eine echte, auflragsgerechte Personalstruk- 
turreform, ein neues Laufbahnrecht, eine Anhebung der 
Einstiegsbesoldung und ein eigenes Besoldungsrecht für 
Soldatinnen und Soldaten. 

Sie von der Großen Koalition und auch der Bundes- 
verteidigungsminister hatten im Übrigen versprochen, 
die Einführung eines eigenen Besoldungsrechts zu prü- 
fen. Passiert ist nichts, außer dass Sie den Antrag der 
FDP zu einer eigenen Besoldungsstruktur abgelehnt ha- 
ben. Wir sehen die Notwendigkeit einer Reduzierung der 
Versetzungshäufigkeit auf das dienstlich unabdingbare 
Maß, von besseren Teilzeitarbeitsmöglichkeiten und 
besseren Kinderbetreuungsangeboten. 

Ich komme zum Schluss. Die Soldatinnen und Solda- 
ten der Bundeswehr leisten einen hervorragenden 
Dienst. Wir erwarten, dass das nicht nur in Sonntagsre- 
den gewürdigt wird, sondern dass die Rahmenbedingun- 


gen im täglichen Dienst konkret verbessert werden. Das (C) 
erhöht die Berufszufriedenheit und die Attraktivität und 
ist außerdem eine Investition in die Zukunft der Bundes- 
wehr. 

Vielen Dank. 


(Beifall bei der FDP) 


Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Das Wort hat der Bundesverteidigungsminister, 
Dr. Franz Josef Jung. 

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) 


Dr. Franz Josef Jung, Bundesminister der Verteidi- 
gung: 

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und 
Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Frau 
Homburger, Sie haben hier eine Lage beschrieben, die 
mit der Wirklichkeit der Bundeswehr wahrlich nicht 
übereinstimmt. 


(Beifall bei der CDU/CSU) 


Ich möchte Ihnen eines deutlich sagen: Ich finde, dass 
unsere Bundeswehr den Transformationsprozess von ei- 
ner reinen Verteidigungsarmee über eine Armee der Ein- 
heit zu einer Armee im Einsatz für den Frieden in einer 
hervorragenden Art und Weise bewerkstelligt hat. Bitte 
bedenken Sie, dass wir - aus meiner Sicht - insofern am 
meisten herausgefordert waren, als es einmal zwei Ar- 
meen waren, die gegeneinander ausgebildet und aufge- 
rüstet waren und entsprechend strukturiert worden sind. 
Diese zwei Armeen wurden in einer beispielhaften Art 
und Weise zu einer Armee der Einheit und sind jetzt im 
Einsatz für den Frieden fätig. Deshalb geht die von Ihnen 
geübte Kritik wirklich an der Sache vorbei. Unsere Sol- 
datinnen und Soldaten leisten einen hervorragenden Ein- 
satz. Dafür haben Sie unseren Dank und auch unsere Un- 
terstützung verdient. 


(D) 


(Beifall bei der CDU/CSU und dem BÜND- 
NIS 90/DIE GRÜNEN) 


Bedenken Sie bitte, dass aktuell rund 7 000 Soldatin- 
nen und Soldaten im Einsatz in den verschiedensten 
Operationsgebieten sind. Dazu zählen Afghanistan, der 
Kosovo, Bosnien-Herzegowina, UNIFIL im Libanon, 
Dschibuti, der Sudan, Darfur und der Einsatz vor der 
Küste Somalias. Sie sollen nicht nur die Bandbreite se- 
hen, sondern auch die Aufgaben berücksichtigen. Ge- 
rade eben haben wir im Rahmen der NATO und des 
neuen strategischeen Konzepts deutlich gemacht, dass 
wir natürlich weiterhin eine Aufgabe in der Schutzfunk- 
tion nach Art. 5 des NATO-Vertrages haben. Ab Septem- 
ber machen wir beispielsweise das Air Policing für die 
baltischen Staaten. 


Wir haben eine Aufgabe im Hinblick auf den Stabili- 
tätstransfer und die neuen Bedrohungslagen. Sie dürfen 
nicht verkennen, dass es durch den internationalen Ter- 
rorismus neue Bedrohungslagen gibt. Dies ist auch 
durch Krisensituationen, Staatszerfall und Massenver- 
nichtungswaffen bedingt. Es ist also richtig, die Gefahr 
an der Quelle zu beseitigen; das liegt auch im Interesse 



25170 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Bundesminister Dr. Franz Josef Jung 

(A) der Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger. Ich 
finde, unsere Soldatinnen und Soldaten bewerkstelligen 
diesen Auftrag wirklich ganz hervorragend. Deshalb ist 
die Kritik, die Sie in diesem Zusammenhang vorgetra- 
gen haben, meines Erachtens sehr deutlich zurückwei- 
sen. 


(Beifall bei der CDU/CSU) 

Die Bundeswehr genießt mit 89 Prozent hohe Aner- 
kennung in Deutschland. Wir brauchen aber mehr Unter- 
stützung im Hinblick auf unsere Auslandseinsätze. Des- 
halb werbe ich dafür, dass wir der Bevölkerung noch 
mehr deutlich machen, dass es etwas mit der Sicherheit 
unserer Bürgerinnen und Bürger zu tun hat, wenn unsere 
Soldatinnen und Soldaten beispielsweise in Afghanistan 
oder im Kosovo ihren Einsatz leisten. Dies hat eine Ver- 
änderung der Bedrohungslage nach sich gezogen. Die 
Risiken dort zu beseitigen, wo sie entstehen, ist im Inte- 
resse der Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger von 
entscheidender Bedeutung. Deshalb sollten wir alle An- 
strengungen unternehmen, dass der wichtige Beitrag, 
den unsere Soldaten für die Sicherheit unserer Bürgerin- 
nen und Bürger leisten, noch mehr Unterstützung von- 
seiten der Bevölkerung erfährt. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 


(B) 


Sie haben die Struktur der Bundeswehr angesprochen. 
Ich bin ein entschiedener Verfechter der Struktur der 
Wehrpfiichtarmee, nicht nur weil sie sich in 50 Jahren 
Bundeswehr hervorragend bewährt hat. Ich sage Ihnen 
eines: Die Themen Armee in der Demokratie, Staatsbür- 
ger in Uniform und die Innere Führung haben damit et- 
was zu tun. Die strukturelle Entwicklung einer Wehr- 
pflichtarmee vollzieht sich anders. Ich sage Ihnen, wie 
unsere Soldatinnen und Soldaten auftreten. Überall, wo- 
hin ich komme, höre ich, dass sie das Ansehen der Bun- 
desrepublik Deutschland aufwerten. Sie treten sensibel 
auf und gewinnen Vertrauen auch und gerade in der Be- 
völkerung. Daran wird deutlich, dass eine Struktur mit 
beispielsweise 60 000 Wehrpflichtigen, von denen sich 
25 000 freiwillig weiterverpfiichten, eine andere Ent- 
wicklung bedeutet. 40 Prozent unserer Berufs- und Zeit- 
soldaten sind Wehrpflichtige. Ich bin deshalb entschie- 
den der Meinung, dass wir klug beraten sind, auch in 
Zukunft an der Struktur der Wehrpfiichtarmee festzuhal- 
ten. 


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- 
neten der SPD) 

Übrigens bestärkt mich Ihr Ehrenvorsitzender in dieser 
Frage. Ich höre auf seinen Rat. 

Ich füge hinzu: Natürlich geht es auch um Einberu- 
fungsgerechtigkeit. Aber die Zahlen, die Sie vorgetragen 
haben, sind völlig abwegig. Ich habe entschieden, dass 
6 500 Wehrpflichtige mehr einberufen werden. Insge- 
samt werden 80 Prozent der zur Erfüllung der Wehr- 
pflicht tauglichen Jugendlichen einberufen. 

(Birgit Homburger [FDP]: Wie viele sind von 
einem Jahrgang überhaupt tauglich?) 

Das sind die konkreten Zahlen. Ich denke, dass wir inso- 
fern für Einberufungsgerechtigkeit sorgen. 


(Birgit Homburger [FDP]: Man kann sich das 
auch schönrechnen!) 

Wenn ich mir die Entwicklung in der Legislatur- 
periode anschaue, dann finde ich, dass wir einen erhebli- 
chen Beitrag dazu geleistet haben, die Bundeswehr mo- 
dern und leistungsstark fortzuentwickeln. Ich habe Ihnen 
die Einsätze, die hinzugekommen sind, bereits genannt. 
Die Bandbreite reicht vom Kongo, UNIFIL über Pirate- 
rieeinsätze bis hin zu Einsätzen in Afghanistan. Sie dür- 
fen aber auch nicht vergessen, dass wir die Strategie ver- 
ändert haben. Wir, die Bundesregierung, haben zum 
ersten Mal seit 1994 ein Weißbuch zur Sicherheit 
Deutschlands und zur Zukunft der Bundeswehr be- 
schlossen. Dort haben wir die Strategie der vernetzten 
Sicherheit niedergelegt. Diese Strategie ist nach meiner 
felsenfesten Überzeugung das Grundprinzip, auf dem 
der Erfolg gerade in Stabilisierungseinsätzen beruht. Wir 
haben das in der NATO entsprechend umgesetzt; darüber 
herrscht Einigkeit. Wir haben einen Einsatzführungsstab 
geschaffen, an dem nicht nur das Bundesverteidigungs- 
ministerium, sondern auch das Auswärtige Amt, das In- 
nenministerium und das Entwicklungshilfeministerium 
beteiligt sind. Damit setzen wir die Strategie der vernetz- 
ten Sicherheit auch praktisch um. 

Sie haben das Thema der geschützten Fahrzeuge an- 
gesprochen. Dazu kann ich Ihnen nur sagen: Ich bin 
noch heute dankbar, dass ich vor zwei Jahren die Ent- 
scheidung getroffen habe, dass die Bundeswehr nur noch 
geschützte Fahrzeuge in Afghanistan einsetzt. Dies hat 
Leben unserer Soldatinnen und Soldaten gerettet. Mitt- 
lerweile sind über 700 geschützte Fahrzeuge in Afgha- 
nistan im Einsatz, sodass unsere Bundeswehr handlungs- 
fähig ist, auch wenn es um die Schutzfunktion geht. Dies 
sollte Vonseiten des Parlamentes auf angemessene Art 
und Weise gewürdigt werden. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Ich will noch den Fürsorgegedanken ansprechen. Da 
meine Redezeit nicht mehr zulässt, kann ich nur ein paar 
kurze Schlagworte nennen. Es geht hier um Themen wie 
das Einsatzweiterverwendungsgesetz, die Verbesserung 
des Rechtsschutzes und die Erhöhung des Auslandsver- 
wendungszuschlags . 

Sie haben die Besoldungsstruktur angesprochen. Zum 
ersten Mal seit langem haben die Soldaten wieder mehr 
bekommen; wir konnten den Tarifvertrag umsetzen. Wir 
haben die Angleichung der Besoldung in Ost und West 
durchgesetzt. Wir haben jetzt die Kasemensanierung 
West auf den Weg gebracht. Von der Wehrsolderhöhung 
bis zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und 
Dienst haben wir eine Menge in Angriff genommen. 
Frau Homburger, das sind konkrete Zuwendungen für 
unsere Soldatinnen und Soldaten, die sie dankbar zur 
Kenntnis genommen haben. Ich finde, das sollte auch bei 
Ihnen angemessene Würdigung finden. 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. 

Rainer Arnold [SPD]) 

Lassen Sie mich auf einen Punkt hinweisen. Die Sol- 
daten leisten ihren Einsatz mit Risiko für Leib und Le- 
ben. Deshalb ist es richtig gewesen, dass der Bundesprä- 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25171 


Bundesminister Dr. Franz Josef Jung 

(A) sident unserem Antrag zugestimmt hat und wir das 
Ehrenkreuz für Tapferkeit kreieren konnten. Anfang Juli 
werden wir die erste Verleihung vornehmen können. An- 
gesichts des schwierigen Einsatzes, den unsere Soldatin- 
nen und Soldaten im Interesse unserer Sicherheit leisten, 
halte ich es für einen wichtigen Schritt, diejenigen, die 
mit Risiko für Leib und Leben Mut und Tapferkeit be- 
weisen, auszuzeichnen, sodass sie die Anerkennung der 
Öffentlichkeit und damit letztlich auch unsere Anerken- 
nung finden. 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- 
neten der SPD und der FDP) 

Weil es dazugehört, füge ich hinzu: Ich bin schon der 
Meinung, dass wir denjenigen, die seit Bestehen der 
Bundeswehr im Einsatz für Frieden und Freiheit gefallen 
sind oder für unsere Sicherheit ihr Leben verloren haben, 
ein ehrendes und würdiges Andenken bewahren sollten. 
Deshalb bin ich froh, dass wir noch in dieser Legislatur- 
periode das Ehrenmal einweihen können, und zwar an 
dem Platz, der für die Bundeswehr sieht, nämlich am 
Bendlerblock. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Wenn man die Gesamtentwicklung betrachtet, kann 
man sagen: Es gibt nichts, was nicht weiter verbessert 
werden könnte - wir sind täglich darum bemüht, Verbes- 
serungen auf den Weg zu bringen aber durch die 
Grundstruktur der Bundeswehr ist gewährleistet, dass 
unsere Soldaten gut ausgebildet, gut ausgerüstet und her- 
vorragend motiviert sind. Unsere Soldaten leisten einen 

(B) sehr guten Beitrag zur Gewährleistung von Frieden, 
Recht und Freiheit in unserem Vaterland. 

Ich danke Ihnen. 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- 
neten der SPD und der FDP) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Ich gebe das Wort dem Kollegen Paul Schäfer, Frak- 
tion Die Linke. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Paul Schäfer (Köln) (DIE LINKE): 

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Natür- 
lich muss sich der Bundestag damit beschäftigen, in wel- 
chem Zustand sich die Bundeswehr befindet, die ja nach 
unser aller Verständnis als Parlamentsarmee definiert ist. 
Das reicht vom Umgang mit Untergebenen über die ärzt- 
liche Versorgung bis zur Bereitstellung geeigneter 
Schlafsäcke. 

In dieser Woche haben wir eines gelernt. Wir müssen 
uns über eines am wenigsten Sorgen machen: die Be- 
waffnung der Truppe. 

(Winfried Nachtwei [BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN]: Ja!) 

Kurz vor Toresschluss wurden Beschaffungsvorhaben 
im Umfang von über 7 Milliarden Euro bewilligt. 


(Kurt J. Rossmanith [CDU/CSU]: Sollen un- 
sere Soldaten ungeschützt bleiben?) 

Da ging es um neue Schützenpanzer, kampfwertgestei- 
gerte Fregatten und um den Eurofighter, der jetzt als 
Jagdbomber beschafft werden soll. Den Jagdbomber 
brauchen wir nun wirklich nicht. Man muss sich das ein- 
mal vorstellen: 7 Milliarden Euro. Die öffentliche Hand 
ist nicht nur klamm, sondern rekordverschuldet, aber 
trotzdem schütten wir das Füllhorn über die Rüstungs- 
wirtschaft aus. 

(Kurt J. Rossmanith [CDU/CSU]: Nein! Wir 
schützen unsere Soldaten!) 

An anderer Stelle eingesetzt, könnte man mit diesem 
Geld viel mehr Arbeitsplätze schaffen und viel mehr 
Wachstum generieren. Wenn das Geld in die Bildung 
und die ökologische Erneuerung der Wirtschaft fließen 
würde, wäre das eine Investition in die Zukunft. Statt- 
dessen investiert man in überkommene Zerstörungsin- 
strumente. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Wie gesagt, wir als Parlament müssen uns sehr kon- 
kret mit den Arbeits- und Lebensbedingungen und der 
inneren Verfassung der Soldatinnen und Soldaten be- 
schäftigen. Das haben sie allemal verdient. Die Grund- 
frage aber ist immer: Zu welchem Zweck soll überhaupt 
militärische Gewalt eingesetzt werden? Wie lautet der 
Auftrag der Truppe? Art. 87 a des Grundgesetzes sieht 
vor, dass der Bund Streitkräfte zum Zwecke der Verteidi- 
gung aufstellt. Von diesem Punkt haben wir uns weit ent- 
fernt, wenn man sich das Weißbuch und die heutige Rea- 
lität ansieht. Der Verweis auf die Landesverteidigung 
und die Bündnisverpflichtungen ist doch nur noch eine 
Rechtfertigungsformel gegenüber der Bevölkerung und 
dem Bundesverfassungsgericht. Die Bundeswehr wird 
als Armee im Einsatz definiert. Ihr Einsatzgebiet ist geo- 
grafisch unbegrenzt, das heißt global. Die Streitkräfte 
sollen ganz überwiegend im Rahmen der NATO und der 
EU eingesetzt werden, und sie sollen ein ganzes Spek- 
trum von Aufgaben abdecken, von der Terrorbekämp- 
fung bis zur militärischen Sicherung der Energie- und 
Rohstoffversorgung. 

Dieser Auftrag muss im Lichte der Erfahrungen der 
letzten Jahre grundlegend auf den Prüfstand. Wenn die 
angestrebten Ziele nicht oder nur begrenzt erreicht wer- 
den - man könnte dazu einiges sagen, zum Beispiel über 
den Kongo und das Kosovo - oder zu der Verschlechte- 
rung von Sicherheitslagen führen wie die Militärinter- 
vention in Afghanistan - dort haben wir heute eine Ver- 
schlechterung der Sicherheitslage; wir sind vom Frieden 
weiter denn je entfernt -, dann muss über andere Mög- 
lichkeiten der Konfiiktbewältigung nachgedacht und ge- 
sprochen werden. Dann muss darüber gesprochen wer- 
den, dass „zivil“ endlich Vorfahrt haben muss. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Die Linke ist erstens für eine Bundeswehr, die sich an 
der Landesverteidigung im Bündnisrahmen orientiert, 
und die findet nicht am Hindukusch statt. Wir sind zwei- 
tens dafür, dass sich die Außen- und Sicherheitspolitik 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Paul Schäfer (Köln) 

(A) der Bundesrepublik strikt am Völkerreeht ausrichtet. 
Das heißt, eine deutsche Beteiligung an völkerrechts- 
widrigen Militäreinsätzen scheidet a priori aus. Drittens 
findet der Einsatz der Streitkräfte im Rahmen der Res- 
sourcensicherung - Stichwort: Öl - nicht unsere Zustim- 
mung, weil das nur darauf hinausläuft, die privilegierte 
Position der reichen Industrienationen zu stärken, und 
damit zu mehr Unfrieden in der Welt führt. Viertens 
kommt für uns überhaupt nicht infrage, dass die Bundes- 
wehr zu polizeilichen Zwecken im Inneren eingesetzt 
wird. Hier gibt es ein kategorisches Nein. 

(Beifall bei der LINKEN - Winfried Nachtwei 
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Kommen 
UN-geführte Missionen infrage?) 

Fünftens kann der Umfang der Streitkräfte reduziert 
werden, da wir für absehbare Zeit nicht militärisch be- 
droht sind. Sechstens können wir das sture Festhalten an 
der Wehrpflicht nicht mehr gebrauchen. Wenn nur noch 
15 Prozent eines Altersjahrgangs dienen und ein Fünftel 
im Rahmen des sogenannten Ersatzdienstes tätig ist, 
dann hat das mit Wehrgerechtigkeit nichts mehr zu tun. 
Diese Wehrpflicht muss fallen. 

(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. 
Winfried Nachtwei [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]) 

Kurzum: Landesverteidigung, Abrüstung und der ab- 
solute Vorrang ziviler Konfiiktbewältigung - dass muss 
die Sicherheits- und Außenpolitik der Bundesrepublik 
Deutschland bestimmen. Friedenspolitik mit friedlichen 
(ß) Mitteln - das ist die Grundauffassung der Linken. 

Danke. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Nächste Rednerin ist die Kollegin Hedi Wegener, 
SPD-Fraktion. 

(Beifall bei der SPD) 

Hedi Wegener (SPD): 

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine lieben Kolle- 
ginnen und Kollegen! Es liegen drei Beratungsvorlagen 
vor, die man eigentlich in einer großen Frage zusammen- 
fassen kann: Ist unsere Bundeswehr so aufgestellt, dass 
sie ihre gegenwärtigen und künftigen Aufgaben erfüllen 
kann? In allen Debatten - wir haben in der letzten Zeit 
häufiger über Fragen der Bundeswehr diskutiert - hieß 
es immer: Die Rahmenbedingungen unterliegen einem 
rasanten Wandel. - Früher war die Aufgabe der Bundes- 
wehr relativ klar Umrissen. Herr Minister Jung hat es 
gerade noch einmal gesagt. Es ging um die territoriale 
Landesverteidigung gemeinsam mit unseren Bündnis- 
partnern. Nun haben wir eine Armee im Einsatz. Damals 
hat sich die Bundesrepublik entschieden, die Wehrpflicht 
einzuführen. 1957 wurden die ersten Wehrpflichtigen 
eingezogen. 

Jetzt liegen uns wieder einmal zwei Anträge der FDP 
und ein Antrag der Grünen vor. Sie haben recht, wenn 


Sie sagen, dass sich inzwischen vieles anders darstellt. (C) 
Aber es kann auch niemand voraussehen, wie sich die 
Sicherheitslage weiterentwickeln wird. Unserer Ansicht 
nach ist die Wehrpflicht ein Bestandteil unserer Sicher- 
heitsvorsorge. 

(Beifall bei der SPD sowie des Abg. Georg 
Schirmbeck [CDU/CSU]) 

Natürlich sehen auch wir Veränderungen bei der Ein- 
berufung. Deshalb hat die SPD das Modell einer subsi- 
diären Wehrpflicht entwickelt. Wir wollen die Vorteile 
der allgemeinen Wehrpflicht mit der Chance auf eine 
vollständige Bedarfsdeckung der Bundeswehr durch 
freiwillige Wehrdienstleistende verbinden. Das bedeutet 
vom Prinzip die Erfassung aller Wehrpflichtigen, aber 
die Einberufung all derer, die vorher erklärt haben, dass 
sie ihren Dienst freiwillig tun wollen. So werden die We- 
senselemente der Wehrpflicht mit Elementen der Frei- 
willigkeit verbunden. Natürlich muss es auch positive 
Anreize geben, wie zum Beispiel einen Bonus auf War- 
tesemester, die Erweiterung der Berufsförderungsan- 
sprüche oder Ähnliches. 

Ein Abschaffen der Wehrpflicht löst weder die Pro- 
bleme - ich erinnere an die Folgen in Frankreich oder 
Spanien, wo die Armee deutlich teurer geworden ist, die 
Sollzahlen aber dennoch nicht erreicht wurden -, noch 
wird es unserem Grundgedanken des Bürgers in Uni- 
form gerecht; denn die Wehrpflicht stellt unseres Erach- 
tens auch eine Klammer zwischen der Gesellschaft und 
der Bundeswehr dar. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) (D) 

Von der Umwandlung in eine Berufsarmee jedenfalls 
wird die Bundeswehr nicht profitieren. Sie würde nur 
kleiner, nicht professioneller, aber in jedem Fall teurer. 

Meine Herren und Damen, ich hatte es bereits ange- 
sprochen: Die Ausgangslage hat sich in den letzten 
20 Jahren geändert. Die Bundeswehr ist eine Armee im 
Einsatz geworden. Aber auch unsere Gesellschaft hat 
sich verändert. Deswegen hat der damalige Verteidi- 
gungsminister Struck einen Transformationsprozess ein- 
geleitet, und es gibt ja auch Fortschritte, wie das BMVg 
selber festgestellt hat. 

Die Veränderungen erfordern aber vor allen Dingen 
Anpassungen im Bereich der Inneren Führung. Deshalb 
hatten wir, das Parlament, einen Unterausschuss einge- 
richtet, der die Änderungen begleitet; das BMVg hat uns 
in den letzten Tagen einen entsprechenden Bericht vor- 
gelegt. Heute hatte ich, wie Sie wahrscheinlich auch, den 
Bericht der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfiikt- 
forschung in der Post, der sich streckenweise sehr kri- 
tisch mit uns Abgeordneten, mit unserer Funktion und 
unserem Verhalten, mit der Reaktion des BMVg und der 
Schönrederei auseinandersetzt. Sein Titel lautet: „Innere 
Führung und Auslandseinsätze: Was wird aus dem Mar- 
kenzeichen der Bundeswehr?“. Es lohnt sich, sich ein- 
mal mit den Argumenten auseinanderzusetzen; denn bei 
der Bundeswehr gibt es ebenso wie bei uns Abgeordne- 
ten eine Kluft zwischen Eigenwahmehmung und Fremd- 
wahmehmung. 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25173 


Hedi Wegener 

Dennoch hat sich viel geändert, die politische Bildung 
zum Beispiel. Immer wieder hören wir Kritik von den 
Soldaten, sie seien nicht genug auf den Auslandseinsatz 
vorbereitet, der im Übrigen, Herr Schäfer, immer durch 
eine entsprechende gesetzliche Grundlage abgesichert 
ist. Ich bin sehr erfreut, dass eine Verbesserung in der 
politischen Bildung stattgefunden hat, zum Beispiel eine 
thematisch-inhaltliche Vorbereitung generell, aber auch 
einsatzspezifisch. Allerdings gibt es auch da wieder eine 
Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis, wenn nämlich 
die politische Bildung den Diensterfordemissen laufend 
zum Opfer fällt. 

Gleichzeitig ergeben sich Herausforderungen beim 
Sanitätsdienst; das haben wir in der letzten Zeit immer 
wieder betont. Wenn in den nächsten Jahren 60 Prozent 
der Sanitätsoffiziere Frauen sein werden, dann bekommt 
die Bundeswehr ein Problem, wenn Eltemzeit oder 
Schwangerschaft ein Kriterium sind, nicht in den Einsatz 
geschickt werden zu können. 

Planbarkeit der einzelnen Verwendungen spielt bei 
der Entscheidung für den Beruf des Soldaten eine immer 
größere Rolle. Sollte es der Bundeswehr nicht gelingen, 
flexiblere Modelle zu entwickeln, beispielsweise Perso- 
nalpools oder Jobsharing, sehe ich massive Probleme auf 
uns zukommen. Wenn zwischen den Einsätzen kaum 
nennenswerte Pausen liegen oder Versetzungen mit Orts- 
wechseln alle zwei Jahre anliegen, bedeutet dies ein Pro- 
blem für die Familien. Dem Generalinspekteur stimme 
ich zu, wenn er sagt, dass den Soldaten klar sein muss, 
dass heutzutage Auslandseinsätze zu ihrem Beruf gehö- 
ren. Aber - dies betone ich noch einmal - Planbarkeit für 
die Soldatinnen und Soldaten und ihre Familien muss 
gegeben sein. 

Die Zeitungen zitierten gestern Herrn Schneiderhan 
mit den Worten, die Soldaten jammerten auf hohem Ni- 
veau. Dem stimme ich in manchen Dingen zu, zum Bei- 
spiel dann, wenn es um die Zurverfügungstellung von 
Sonnenbrillen geht. Wenn es jedoch um passende 
Schutzwesten geht, haben die Soldaten natürlich recht. 

Aber der Generalinspekteur hat noch etwas Wichtiges 
gesagt: Kommunikation ist eine Schlüsselkompetenz. 
Dazu kann man nur sagen: Ja, das ist richtig. Dies gilt 
für die Bundeswehr intern, aber auch für die Zusammen- 
arbeit mit uns im Verteidigungsausschuss. Wir müssen 
leider immer wieder feststellen, dass es zum Teil eine 
große Diskrepanz zwischen dem gibt, was uns im Aus- 
schuss präsentiert wird, und dem, was wir in der Realität 
im direkten Gespräch mit der Truppe erfahren. Das 
Stichwort Sanitätsdienst habe ich bereits genannt. 

Der Sanitätsdienst ist weltweit mit seinen Fähigkeiten 
anerkannt. Dort wird von der Bundeswehr eine unge- 
heure Leistung vollbracht. Aber gerade dort gibt es 
Schwierigkeiten; das ist wirklich noch milde ausge- 
drückt. In der Truppe selber wird von zum Teil unhaltba- 
ren Zuständen gesprochen. Wir haben in der letzten Zeit 
an dieser Stelle schon darüber gesprochen. Meine Bitte 
an die Kolleginnen und Kollegen, die dem nächsten 
Bundestag angehören werden - ich werde es nämlich 
nicht mehr -: Seid wachsam, lasst nicht locker! Die Sol- 


daten verlassen sich nämlich darauf, dass wir uns für sie 
einsetzen und ihre Situation verbessern. 

Dennoch: Die Bundeswehr hat es in bemerkenswert 
kurzer Zeit geschafft, eine Armee im Einsatz zu werden, 
deren Können und Fähigkeiten international anerkannt 
sind. Die Frage, ob unsere Bundeswehr ihren gegenwär- 
tigen Aufgaben gewachsen ist, beantworte ich eindeutig 
mit Ja. Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass der 
Transformationsprozess noch nicht abgeschlossen ist. 
Ich selber bin von der Truppe immer gut informiert wor- 
den, ich fühlte mich im Ausland immer sicher und hatte 
nie einen Grund zu meckern. Dafür danke ich ausdrück- 
lich. 

(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und dem 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man dort so ver- 
fährt wie bei den Handwerkern: Geht nicht, gibt’s nicht. 

Aber dabei wird auch manches schöngeredet. Dem 
Generalinspekteur habe ich einmal gesagt, die Bundes- 
wehr mache aus Mist auch noch Gold. Sie will immer al- 
les möglich machen; zumindest die Führung will dies. 
Die Gespräche mit den Soldaten geben dann manchmal 
ein anderes Bild, wie Sie alle selbst wissen. 

Die Soldatinnen und Soldaten können sicher sein, 
dass die SPD-Bundestagsfraktion ihre Anliegen auch in 
der nächsten Legislaturperiode intensiv vertreten wird. 
Manchmal braucht die Führung der Bundeswehr näm- 
lich einen kleinen Anstoß, um bestimmte Dinge in Be- 
wegung zu bringen. Meine Herren, seien Sie versichert, 
dass der Verteidigungsausschuss Ihnen in der nächsten 
Legislaturperiode weiterhin die Anstöße geben wird - 
ohne mich. 

Vielen Dank. 

(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU, der FDP 
und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Letzter Redner in dieser Debatte ist der Kollege 
Winfried Nachtwei, Bündnis 90/Die Grünen. 

Winfried Nachtwei (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): 

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 
Herr Minister, Ihre Rede war ein Beispiel dafür, wie man 
erfolgreich aneinander vorbeireden kann. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
und bei der FDP) 

Dass unsere Soldatinnen und Soldaten in den Auslands- 
einsätzen zur Eindämmung von Gewalt und zur Verhü- 
tung von Krieg im Namen der Vereinten Nationen Aus- 
gezeichnetes leisten, ist zumindest hier bei diesen vier 
Fraktionen unstrittig. Darum geht es nicht. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
und bei der FDP) 

In meinen vier Minuten nur zu einzelnen Stichpunk- 
ten. Zunächst zur Wehrpflicht: Die heutige Restwehr- 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Winfried Nachtwei 

(A) pflicht, von der man ja sprechen muss, ist sicherheits- 
politisch in der Tat nicht mehr notwendig und deshalb 
als Grundrechtseingriff auch nicht mehr legitimierbar. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
und bei der FDP sowie des Abg. Paul Schäfer 
[Köln] [DIE LINKE]) 

Die Bundesregierung antwortet auf die Große Anfrage 
der FDP zu diesem Punkt bezeichnenderweise, dass von 
einem Jahrgang, 430 000 junge Männer, im Jahre 2007 
68 000 als Grundwehrdienstleistende eingezogen wur- 
den. Dies zeigt sehr deutlich, wie „nötig“ die Bundes- 
wehr die Grundwehrdienstleistenden hat. Es zeigt auch 
etwas anderes: dass die Wehrgerechtigkeit wirklich am 
Boden liegt. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
und bei der FDP) 

Wir alle stellen fest - das erleben auch die Jugendoffi- 
ziere -, dass sie den jungen Leuten, die betroffen sind, 
die Wehrpflicht nicht mehr plausibel machen können. 

(Dr. Stephan Eisei [CDU/CSU]: Das stimmt ja 
nicht!) 

Ich glaube, dass es in Kürze auch dem Bundesverfas- 
sungsgericht nicht mehr plausibel zu machen ist. Es 
wäre eigentlich ein Gebot der Politik, nicht immer erst 
auf Karlsruhe zu warten, sondern selbst vernünftige 
Alternativen zu entwickeln. Vernünftige Alternativen 
liegen auf dem Tisch, nämlich die Einführung eines frei- 
willigen flexiblen Kurzdienstes, der jungen Männern 
' ' und Frauen offensteht und 12 bis 24 Monate dauert. Wir 
haben dazu Vorschläge gemacht, die FDP ebenfalls. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
und bei der FDP) 

Mein nächster Punkt betrifft die Aufgaben der Bun- 
deswehr. Hier haben wir es mit einem grundsätzlichen 
Problem zu tun. Ich glaube, es gibt keinen Bereich staat- 
lichen Handelns, der in seiner Aufgabenbestimmung so 
wenig rechtlich normiert ist. Das Grundgesetz nennt die 
Verteidigung, die Wahrung der kollektiven Sicherheit 
und das Verbot der Vorbereitung von Angriffskriegen. 
Das ist es aber auch schon. Ich glaube, dass wir mehr 
Auftragsklarheit brauchen. Der BundeswehrVerband hat 
bereits die Einführung eines Bundeswehraufgabengeset- 
zes vorgeschlagen. Ich glaube, das sollte vom Bundestag 
ernsthaft erwogen werden. 

(Beifall des Abg. Omid Nouripour [BÜND- 
NIS 90/DIE GRÜNEN]) 

Nun zum Stand der Transformation. Die Antworten 
der Bundesregierung auf die Große Anfrage bestanden 
aus den üblichen Plattitüden, die auch heute wieder, 
wenn auch mit mehr Worten, vom Minister vorgetragen 
wurden: Es gibt zwar einige Probleme, aber wir sind auf 
dem richtigen Weg. - Wenn man allerdings die Realität 
betrachtet, dann stellt man fest, dass es etwas anders aus- 
sieht. Wie wäre es sonst zu erklären, dass es etliche Jahre 
nach Beginn der Transformation Soldatinnen und Solda- 
ten mit Spezialfähigkeiten gibt, welche so oft in den Ein- 


satz müssen, dass es weit über das erträgliche Maß hi- (C) 
nausgeht? 

Ein Zweites. Seit einiger Zeit bleibt meine Frage auch 
im Ausschuss unbeantwortet, wie weit die derzeitige 
Bundeswehr von der nationalen Zielvorgabe entfernt ist, 
bis zu 14 000 Soldaten in bis zu fünf parallele Stabilisie- 
rungseinsäfze in verschiedenen Einsatzräumen zu schi- 
cken. Man kann sich das heutzutage nicht vorstellen, wo 
Größenordnungen von 7 000 bis 8 000 Soldaten die 
Grenze der Belastbarkeit darstellen. 


Schließlich: Wie soll eine solche nationale Vorgabe 
Sinn machen, wenn es bei den für Stabilisierungseinsäfze 
immer wichtigeren polizeilichen und zivilen Kräften 
keine Zielvorgaben gibt? Herr Minister, der viel be- 
schworene Comprehensive Approach - was die Ausge- 
wogenheit der Kräfte bzw. die Fähigkeiten angeht - hinkt 
in seiner Fundierung den Vorgaben hinterher, wie es stär- 
ker nicht geht. 

Diese Punkte stellen eine Lücke im Transformations- 
prozess dar. Aber der Transformationsprozess betrifft 
nicht nur die Bundeswehr, sondern die gesamte Sicher- 
heitspolitik. 


Ich muss schließen, verweise aber auf die Fortsetzung 
dieser Debatte zu dem Thema „zivile Krisenprävention 
und Friedensförderung“. 


Bis gleich. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
und bei der FDP) 

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner: 

Ich schließe die Aussprache. 


(D) 


Wir kommen zur Beschlussempfehlung des Verteidi- 
gungsausschusses auf Drucksache 16/7432. Der Aus- 
schuss empfiehlt unter Nr. 1 seiner Beschlussempfeh- 
lung die Ablehnung des Antrags der Fraktion der FDP 
auf Drucksache 16/393 mit dem Titel „Zukunftsfähigkeit 
der Bundeswehr hersteilen - Wehrpflicht aussetzen“. 
Wer stimmt für diese Beschlussempfehlung? - Wer 
sfimmt dagegen? - Enthaltungen? - Die Beschlussemp- 
fehlung ist mit den Stimmen der Koalition und der Frak- 
tion Die Linke bei Enthaltung der Fraktion Bündnis 90/ 
Die Grünen und Gegenstimmen der Fraktion der FDP 
angenommen. 


Unter Nr. 2 seiner Beschlussempfehlung empfiehlt 
der Ausschuss die Ablehnung des Antrags der Fraktion 
Bündnis 90/Die Grünen auf Drucksache 16/6393 mit 
dem Titel „Wehrpflicht überwinden - Freiwilligenarmee 
aufbauen“. Wer stimmt für diese Beschlussempfehlung? - 
Wer sfimmt dagegen? - Enthaltungen? - Die Beschluss- 
empfehlung ist mit den Stimmen der Koalition bei Ge- 
genstimmen der Fraktionen Die Linke und Bündnis 90/ 
Die Grünen sowie bei Enthaltung der FDP angenom- 
men. 


Beschlussempfehlung des Verteidigungsausschusses 
zu dem Antrag der Fraktion der FDP mit dem Titel „At- 
traktivität des Soldatenberufs steigern“. Der Ausschuss 
empfiehlt in seiner Beschlussempfehlung auf Druck- 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner 

(A) Sache 16/5352, den Antrag der Fraktion der FDP auf 
Drucksache 16/2836 abzulehnen. Wer stimmt für diese 
Beschlussempfehlung? - Wer stimmt dagegen? - Ent- 
haltungen? - Die Beschlussempfehlung ist mit den Stim- 
men der Linken, der SPD und der CDU/CSU bei Enthal- 
tung von Bündnis 90/Die Grünen und Gegenstimmen 
der FDP angenommen. 

Ich rufe den Tagesordnungspunkt 1 1 auf: 

Beratung der Unterrichtung durch die Beauftragte 
der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge 
und Integration 

Erster Integrationsindikatorenbericht 

- Drucksache 16/13300 - 

Überweisungsvorschlag: 

Innenausschuss (f) 

Sportausschuss 

Ausschuss für Arbeit und Soziales 
Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 
Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung 
Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe 

Die Rednerinnen und Redner haben ihre Reden zn 
Protokoll gegeben. Es handelt sich um die Reden von 
Dr. Laie Akgün, SPD, Sibylle Laurischk, FDP, Sevim 
Dagdelen, Die Linke, Josef Philip Winkler, Bündnis 90/ 
Die Grünen, und der Staatsministerin Dr. Maria 
Böhmer.') 

Interfraktionell wird Überweisung der Vorlage auf 
Drucksache 16/13300 an die in der Tagesordnung aufge- 
führten Ausschüsse vorgeschlagen. Sind Sie damit 
einverstanden? - Das ist der Fall. Dann ist die Überwei- 
sung so beschlossen. 

Ich rufe den Tagesordnungspunkt 12 auf: 

Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- 
richts des Ausschusses für Wirtschaft und Tech- 
nologie (9. Ausschuss) zu dem Antrag der Abge- 
ordneten Sabine Zimmermann, Dr. Barbara Höll, 
Ulla Lötzer, weiterer Abgeordneter und der Frak- 
tion DIE LINKE 

Befreiung von IHK-Beiträgen für Kleinst- und 
Kleinbetriebe bis zu 30 000 Euro Gewerbeer- 
trag und grundlegende Reform der Industrie- 
und Handelskammern 

-Drucksachen 16/6357, 16/12883 - 

B erichterstattung : 

Abgeordnete Andrea Wicklern 

Interfraktionell wird vorgeschlagen, die Reden zu 
diesem Tagesordnungspunkt zu Protokoll zu geben. - 
Ich sehe. Sie sind damit einverstanden. Es handelt sich 
um die Reden folgender Kolleginnen und Kollegen: 
Andreas Lämmel, CDU/CSU, Andrea Wicklein, SPD, 
Paul Friedhoff, FDP, Dr. Barbara Höll, Die Linke, und 
Kerstin Andreae, Bündnis 90/Die Grünen.^) 


Anlage 26 
2) Anlage 27 


Wir kommen zur Abstimmung. Der Ausschuss für (C) 
Wirtschaft und Technologie empfiehlt in seiner Be- 
schlussempfehlung auf Drucksache 16/12883, den An- 
trag der Fraktion Die Linke auf Drucksache 16/6357 ab- 
zulehnen. Wer stimmt für diese Beschlussempfehlung? - 
Wer stimmt dagegen? - Enthaltungen? - Die Beschluss- 
empfehlung ist bei Gegenstimmen der Fraktion Die 
Linke mit dem Rest der Stimmen des Hauses angenom- 
men. 

Ich rufe die Tagesordnungspunkte 13 a und 13 b auf: 

a) - Zweite und dritte Beratung des von der Bun- 

desregierung eingebrachten Entwurfs eines 

Vierten Gesetzes zur Änderung des 
Sprengstoffgesetzes 

- Drucksache 16/12597 - 

- Zweite und dritte Beratung des von den Abgeord- 
neten Hartfrid Wolff (Rems-Murr), Dr. Max 
Stadler, Gisela Piltz, weiteren Abgeordneten und 
der Fraktion der FDP eingebrachten Entwurfs eines 

Gesetzes zur Änderung des Waffengesetzes 

-Drucksache 16/12663 - 

Beschlussempfehlung und Bericht des Innenaus- 
schusses (4. Ausschuss) 

-Drucksache 16/13423 - 

B erichterstattung : 

Abgeordnete Reinhard Grindel 
Gabriele Fograscher 

Hartfrid Wolff (Rems-Murr) (^) 

Ulla Jelpke 

Silke Stokar von Neufom 

b) Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- 
richts des Itmenausschusses (4. Ausschuss) 

- zu dem Antrag der Abgeordneten Wolfgang 
Neskovic, Ulla Jelpke, Ulrich Maurer, Bodo 
Ramelow und der Fraktion DIE LINKE 

Keine Schusswaffen in Privathaushalten - 
Änderung des Waffenrechts 

- zu dem Antrag der Abgeordneten Silke Stokar 
von Neufom, Volker Beck (Köln), Monika 
Lazar, weiterer Abgeordneter und der Frak- 
tion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 

Abrüstung in Privatwohnungen - Maßnah- 
men gegen Waffenmissbrauch 

-Dmcksachen 16/12395, 16/12477, 16/13423 - 

B erichterstattung : 

Abgeordnete Reinhard Grindel 
Gabriele Fograscher 
Hartfrid Wolff (Rems-Murr) 

Ulla Jelpke 

Silke Stokar von Neufom 

Zu dem Gesetzentwurf der Bundesregiemng liegt je 
ein Entschließungsantrag der Fraktion der FDP und der 
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen vor. 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kästner 

Nach einer interfraktionellen Vereinbarung ist für die 
Aussprache eine halbe Stunde vorgesehen. - Ich höre 
keinen Widerspruch. Dann ist das so beschlossen. 

Ich eröffne die Aussprache. Das Wort hat der Kollege 
Reinhard Grindel, CDU/CSU-Fraktion. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Reinhard Grindel (CDU/CSU): 

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 
Am Montag haben sich einige Mitglieder des Innenaus- 
schusses mit Angehörigen der Opfer von Winnenden 
hier in Berlin getroffen. Wir haben über den schreckli- 
chen Amoklauf gesprochen und darüber, wie es dazu 
kommen konnte. Wir waren uns einig: Dass der Vater 
des Täters in unverantwortlicher Weise seine Waffe und 
Munition offen im Haus hat herumliegen lassen, war das 
letzte Glied einer Kette von katastrophalen Fehlentwick- 
lungen, die aus einem 17-jährigen Schüler einen Mörder 
von 1 5 unschuldigen Menschen gemacht hat. Deshalb 
bleibt richtig: Nicht allein die Verbesserung des Waffen- 
rechts kann Amokläufe verhindern. Wir brauchen zu- 
sätzlich eine Kultur des Hinsehens, des Sich-Kümmems. 
Wir brauchen mehr Aufmerksamkeit und weniger 
Gleichgültigkeit. Jetzt sind alle in unserer Gesellschaft 
gefordert, und eben nicht nur wir Innenpolitiker. 

(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und der 
FDP) 

Es ist aber auch wahr, dass die Sachverständigen, die 
wir im Rahmen einer öffentlichen Anhörung am Montag 
gehört haben, uns sagen: Alle Analysen von Tatabläufen 
zeigen, dass die Verfügbarkeit von Waffen auf den Tat- 
plan große Auswirkungen hat. Deshalb zielt die Ände- 
rung des Waffenrechts, über die wir unter diesem Tages- 
ordnungspunkt diskutieren, vor allem auf die Einhaltung 
der Vorschriften über die Aufbewahrung. Wir wollen, 
dass die seit 2003 bestehende Pflicht, Waffen ordnungs- 
gemäß in einem Waffenschrank aufzubewahren, einge- 
halten wird. Wir machen damit deutlich: Waffen einfach 
in der Wohnung herumliegen zu lassen, sodass die kon- 
krete Gefahr besteht, dass Kinder sie an sich nehmen, ist 
kein Kavaliersdelikt, sondern das ist gefährlich. Deswe- 
gen wird ein solches Verhalten künftig härter bestraft. 

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) 

Ob es tatsächlich einmal zu einer Verurteilung wegen 
des vorsätzlichen Verstoßes gegen Aufbewahrungsvor- 
schriflen kommt, ist dabei gar nicht so entscheidend. 
Dass es jetzt einen solchen Straflatbestand gibt, dass 
man dann für fünf Jahre den Waffen- oder Jagdschein los 
ist, wird abschreckend wirken. Dies wird dazu führen, 
dass Waffenschränke nicht nur gekauft, sondern tatsäch- 
lich benutzt werden. Dagegen kann kein rechtschaffener 
Jäger oder Schütze etwas haben. 

Ich lege Wert auf die Feststellung, dass wir mit dieser 
Gesetzesänderung im Kern keine Verschärfung des Waf- 
fenrechts vornehmen; vielmehr verbessern wir die Kon- 
trollmöglichkeiten der Behörden, also den Gesetzesvoll- 
zug. Mit unserer Gesetzesänderung wahren wir Maß und 


Mitte. Wir sorgen für mehr Sicherheit, ohne dadurch Jä- (C) 
ger und Schützen unter einen Generalverdacht zu stellen. 

(Hartfrid Wolff [Rems-Murr] [FDP]: Naja!) 

Aber wenn uns viele Experten und Praktiker des Waffen- 
rechts berichten, seit Winnenden sei der Absatz an Waf- 
fenschränken sprunghaft angestiegen - von Waffen- 
schränken, die jeder legale Waffenbesitzer seit 2003 in 
seiner Wohnung haben müsste -, dann können wir doch 
nicht achselzuckend zur Tagesordnung übergehen. 

Deshalb statuieren wir jetzt die Pflicht des Waffenbe- 
sitzers, den zuständigen Behörden die Überprüfung zu 
gestatten, ob die Möglichkeit einer sicheren Aufbewah- 
rung vorhanden ist oder nicht. Schon aus arbeitsökono- 
mischen Gründen werden die Ordnungsbehörden in aller 
Regel ihre Besuche anmelden. Die Nachschau bezieht 
sich nur auf den Raum, in dem die Aufbewahrung statt- 
findet. Und selbst dann, wenn wiederholt und gröblich 
gegen die Gestattungspfiicht verstoßen wurde, darf die 
Behörde nicht etwa zwangsweise in die Wohnung ein- 
dringen, wie manche in den letzten Tagen und Wochen 
verbreitet haben. Sie kann lediglich wegen Zweifeln an 
der Zuverlässigkeit ein waffenrechtliches Widerrufsver- 
fahren einleiten und am Ende die Waffen einziehen. 

Wir achten das Grundrecht der Waffenbesitzer auf 
Unverletzlichkeit ihrer Wohnung. Ich sage das im Hin- 
blick auf viele Briefe, die mich dazu erreicht haben. 

Aber jeder verantwortungsvolle Waffenbesitzer muss 
doch einsehen, dass es irgendwann einmal der Behörde 
möglich sein muss, zu überprüfen, ob im Haushalt ein 
Waffenschrank überhaupt vorhanden ist. Dass das der 
Behörde bisher nicht möglich war, hat ganz offensicht- ^ ' 
lieh dazu geführt, dass gegen Aufbewahrungsvorschrif- 
ten verstoßen wurde. 

Ich erinnere an ein Wort aus der Anhörung: Die Ver- 
fügbarkeit von Waffen hat große Auswirkungen auf den 
Tatplan. 

Ja, wir achten das Grundrecht der Waffenbesitzer auf 
Unverletzlichkeit der Wohnung. Aber die 15 Opfer von 
Winnenden hatten ein Recht auf Leben, das nicht ge- 
wahrt worden ist. Das müssen wir uns in dieser Debatte 
und muss sich jeder bewusst machen. 

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) 

Die Innenminister der Länder verweisen im Übrigen 
darauf, dass wir ohnehin eine eher akademische Debatte 
führen. In der Praxis sei nämlich kein Fall bekannt, in 
dem die bisher freiwillige Nachschau durch die Waffen- 
behörde vom Waffenbesitzer verweigert worden wäre. 

Es hat in der Debatte der vergangenen Woche Aus- 
wüchse gegeben, die ich hier ansprechen will, weil man 
sich als Politiker nicht alles gefallen lassen darf Die Ak- 
tion „Sportwaffen sind Mordwaffen“ hat uns vorgewor- 
fen, durch unser angeblich zu lasches Waffenrecht er- 
leichterten wir das Morden und seien mitschuldig. 

(Dr. Stephan Eisei [CDU/CSU]: Unver- 
schämt!) 

Andererseits hat man uns in der Zeitschrift Wild und 
Hund wegen des angeblich zu scharfen Waffenrechts als 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Reinhard Grindel 

(A) - ich zitiere - „Verfassungsschänder“ bezeichnet. Beides 
ist unverschämt, und beides weise ich zurück. 

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) 

Vor allem ist beides angesichts des sensiblen Hinter- 
grunds der Waffenrechtsänderung in Sprache und Form 
völlig unerträglich, um das ganz klar zu betonen. 

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) 

Ich will aufgrund der vielen Gespräche, die ich in den 
letzten Tagen und Wochen auch und gerade in meinem 
Wahlkreis geführt habe, sagen: Mancher Vorsitzende ei- 
nes Schützenvereins und mancher Leiter eines Hege- 
rings ist in Bezug auf die Situation, in der wir uns befin- 
den, viel verständnisvoller und viel einsichtiger 

(Dr. Stephan Eisei [CDU/CSU]: Das stimmt!) 

als Bundes- oder Landesvorsitzende von Schützen- und 
Jägerverbänden. Auch das sollten wir in diesem Hohen 
Haus ruhig einmal betonen. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Mit der Änderung des Waffengesetzes eröffnen wir 
den zuständigen Ordnungsbehörden das Ermessen, auch 
nach drei Jahren das waffenrechtliche Bedürfnis zu über- 
prüfen. Schematische Lösungen hätten hier nur zu einer 
Überlastung gerade der Beamten geführt, die in Zukunft 
mehr kontrollieren sollen. 

2012 - und nicht erst, wie die EU es gefordert hat, 
2014 - werden wir ein computergestütztes Waffenregis- 
ter haben, in dem die Erkenntnisse von 570 Waffenbe- 
hörden zusammengefasst werden. Auch das bringt einen 
Sicherheitsgewinn, ebenso wie die neuerliche Amnestie 
für Besitzer illegaler Waffen, die bis zum 3 1 . Dezember 
2009 begrenzt sein wird. 

Manche sagen, angesichts der vielen illegalen Waffen 
bringe das nicht viel. Ich sage dagegen: Jede illegale 
Waffe, die wir mit der Amnestie aus dem Verkehr zie- 
hen, bedeutet ein Stück mehr Sicherheit. 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- 
neten der SPD - Hartffid Wolff [Rems-Murr] 
[FDP]: Das ist richtig!) 

Die Forderung nach Abschaffung des Sportschießens 
mit Großkalibem und nach einer zentralen Lagerung von 
Waffen machen wir uns nicht zu eigen, weil dies nur zu 
Scheinsicherheit führt. 

(Dr. Stephan Eisei [CDU/CSU]: Völlig rich- 
tig!) 

Die furchtbaren Morde von Eislingen wenige Wochen 
nach Winnenden sind dafür ein Beleg. Die Tat wurde mit 
einer Kleinkaliberwaffe ausgeführt, die zuvor aus dem 
örtlichen Schützenhaus gestohlen worden war. 

Da die häusliche Aufbewahrung von Waffen mit 
Großkalibem bei Jägern zwingend ist, wäre es in der Tat 
ein Generalverdacht, wenn man Schützen das nicht ge- 
statten würde. Außerdem bekämen wir - das ist ein Ar- 
gument, das meiner Meinung nach viel stärker betont 
werden muss - auf einen Schlag Zehntausende weiterer 


illegaler Großkaliberwaffen, was die Sicherheit gefähr- (C) 
det und nicht schützt. 

Wir haben uns in der Großen Koalition deshalb darauf 
verständigt, dass wir lediglich die Altersgrenze für das 
Schießen mit Großkaliberwaffen von 14 auf 18 Jahre er- 
höhen, also in den Bereich der deliktsrelevanten Alters- 
gruppe. Eine zentrale Aufbewahmng von Waffen wäre 
nicht nur eine Einladung an Straftäter. Es stellt sich viel- 
mehr auch die Frage der praktischen Durchführbarkeit. 
Waffen werden herausgegeben; Schützen und Jäger dür- 
fen in ganz Europa schießen. Was soll denn unternom- 
men werden, wenn eine Waffe abends nicht wieder da 
ist? 

(Josef Philip Winkler [BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN]: Ich zeige Ihnen gerne Möglich- 
keiten auf!) 

Gestatten Sie mir zum Schluss noch einen Gedanken. 

Wir müssen als Innenpolitiker auch die Kraft aufbringen, 
zu sagen: In Sachen Waffenrecht ist jetzt alles getan. Wir 
sehen keinen weiteren Verbessemngsbedarf Wir sehen 
nicht, welche weiteren Ändemngen in dieses Gesetz ein- 
gebracht werden könnten, die zu einem zusätzlichen Si- 
cherheitsgewinn führen würden. Sonst müssten wir das 
heute beschließen und im Gesetz verankern. 

(Silke Stokar von Neufom [BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN]: Das müssten wir!) 

Die Generalprävention stößt jetzt an ihre Grenzen. Wir 
brauchen nun auch einmal eine Phase, in der das Gesetz 
wirken kann und wir die Ergebnisse evaluieren. 

(D) 

Die Angehörigen der Opfer von Winnenden haben 
recht: Die Kette der Fehlentwicklungen und des Versa- 
gens vor einem Amoklauf hat viele Glieder. Es ist begrü- 
ßenswert, dass das Aktionsbündnis der Angehörigen 
jetzt mit einer Stiftung dazu beitragen will, dass wir an 
ganzheitlichen Lösungsansätzen arbeiten. 

Aber die Mahnung von Winnenden bleibt: Jeder muss 
sich seiner Verantwortung stellen. Wir als Große Koali- 
tion tun das mit dem neuen Waffenrecht. Die Ändemn- 
gen sind geeignet, erforderlich und zumutbar. Kurzum: 

Wir achten den Gmndsatz der Verhältnismäßigkeit. Dass 
wir angesichts einer so schrecklichen Tat als Politiker 
nicht tatenlos bleiben dürfen, daran gibt es für mich kei- 
nen Zweifel. 

Herzlichen Dank fürs Zuhören. 

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) 

Vizepräsident Dr. Hermann Otto Soims: 

Das Wort hat der Kollege Hartfrid Wolff von der 
FDP-Fraktion. 

Hartfrid Woiff (Rems-Murr) (FDP): 

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Das scho- 
ckierende Verbrechen von Winnenden und Wendlingen 
hat, wie einige Jahre zuvor der Amoklauf in Erfurt, bei 
der Regierangskoalition den bekannten Reflex ausge- 
löst: Es wird kurzfristig am Waffenrecht heramgedoktert 
und damit der Bevölkerung vermeintliche Aktivität 



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Hartfrid Wolff (Rems-Murr) 

(A) nachgewiesen, und für die Sicherheit der Menschen ist 
fast nichts erreicht. Nicht zuerst die Waffe ist das Pro- 
blem, sondern der Mensch, der sie einsetzt. Insofern 
muss die gesellschaftspolitische Frage der Gewalt- und 
Kriminalprävention vor die Frage waffenrechtlicher Ver- 
schärfungen gestellt werden. 

(Beifall bei der FDP) 

Es ist bezeichnend, dass die Koalition in ihrem eige- 
nen Entschließungsantrag kein einziges Wort zu Fragen 
der Gewaltprävention findet. Es fehlt trotz aller Beteue- 
rungen von Herrn Grindel offensichtlich die Einsicht, 
dass vor allem gesellschaftliche Fragen beantwortet wer- 
den müssen. Schulsozialarbeit, Eltemprojekte, Konfiikt- 
beratung für Eltern, Lehrer und Schüler sind Beispiele. 
Es muss früher und sensibler wahrgenommen werden, 
wenn Kinder, Schüler oder Freunde sich absondem oder 
Probleme mit sich herumtragen. Eltern und Lehrer müs- 
sen schnellere und bessere Unterstützungsangebote er- 
halten. 

(Beifall bei der FDP) 

Als eine der wenigen Präventivmaßnahmen weisen 
CDU/CSU und SPD in ihrem Entschließungsantrag da- 
rauf hin, dass nach ihrer Meinung unter anderem Paint- 
ball menschenverachtend und letztlich verbotswürdig 
sei. Das ist schwach und unseriös. Boxen und Fechten 
sind olympisch. Paintball sei nun menschenverachtend? 
Dies ist eine Logik, die ich nicht verstehe. 

Wir brauchen eine Kultur des Hinsehens; das ist rich- 

(B) tig. Wir brauchen eine stärkere Übernahme von Verant- 
wortung untereinander und keine Symbolpolitik der Ko- 
alition. Die Auseinandersetzung mit den wirklichen 
Ursachen haben CDU/CSU und SPD gemieden. Eine 
Evaluierung der bisherigen Verschärfungen fand nicht 
statt. Stattdessen spielt man mit dem Generalverdacht 
gegen Sportschützen, Waffensammler und Jäger. Aus 
Sicht der FDP ist das nicht gerechtfertigt und kann eine 
Diskussion um die wirklichen Ursachen gewalttätigen 
Handelns nicht ersetzen. 

Die FDP hält stringente Regeln im deutschen Waffen- 
recht für wichtig. Nach Auskunft der Bundesregierung 
stammen allerdings nur 2 bis 3 Prozent aller im Zusam- 
menhang mit Schusswaffenkriminalität eingesetzten 
Waffen aus dem vom Waffenrecht erfassten legalen Be- 
sitz. Es gilt, die Zahl der illegalen Waffen massiv zu sen- 
ken. Deshalb fordert die FDP in ihrem Entschließungs- 
antrag, den illegalen Schusswaffenbesitz einzudämmen, 
indem eine Abgabe illegaler Waffen bis zum Stichtag 
straffrei gestellt wird. 

(Beifall bei der FDP) 

Die Forderung nach einem zentralen Waffenregister 
basiert auf der Rechtslage der EU und macht Sinn. Aller- 
dings sollten wir ehrlich sein und zugeben, dass das 
Waffenregister keine der erschreckenden Taten in den 
vergangenen Monaten verhindert hätte. 

(Dr. Stephan Eisei [CDU/CSU]: Es ist aber 

trotzdem notwendig!) 


Der entscheidende waffenrechtliche Ansatz zur Erhö- (C) 
hung der öffentlichen Sicherheit ist aus Sicht der FDP 
die Beseitigung der Vollzugsdefizite. Hierzu vermissen 
wir wirksame Konzepte. 

(Beifall bei der FDP) 

Das hat auch die Sachverständigenanhörung ergeben. 

Wir brauchen regelmäßige Kontrollen der Aufbewah- 
rung von Waffen. Das bedarf aber einer personell und 
gegebenenfalls auch materiell besser ausgestatteten zu- 
ständigen Behörde. 

(Clemens Binninger [CDU/CSU]: Das ist auch 
ein Generalverdacht!) 

Es ist ein Erfolg liberaler Politik, dass der von der 
Union angedachte Eingriff in Grundrechte abgemildert 
wurde. Gleichwohl wird an den anlasslosen, unangemel- 
deten Kontrollen festgehalten. Dies ist aus Sicht der FDP 
nicht hinnehmbar. Wie bei der Vorratsdatenspeicherung 
oder bei der Erhebung von Mautdaten zur Strafverfol- 
gung wird hier ein Generalverdacht festgeschrieben, der 
rechtsstaatlich kritisch zu sehen ist. 

Hinsichtlich der zusätzlichen biometrischen Siche- 
rungssysteme, die nun per Rechtsverordnung eingeführt 
werden können, sind viele Fragen, nicht nur zur Wirk- 
samkeit, nach wie vor offen. Jedenfalls kann ich in wei- 
teren Sperrsystemen keinen zusätzlichen Sicherheitsge- 
winn erkennen, wenn die bislang vorgeschriebenen 
Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden. Was nützt 
der biometrisch gesicherte Waffenschrank, wenn die 
Waffe, wie in Winnenden, gar nicht darin aufbewahrt 
wird? (D) 

(Beifall bei Abgeordneten der FDP - Michael 

Hartmann [Wackernheim] [SPD]: Deshalb 

Kontrolle! - Reinhard Grindel [CDU/CSU]: 

Deshalb machen wir einen Straftatbestand!) 

Wenn die Vorschriften nicht eingehalten werden, was 
nützt dann eine zusätzliche, kostenträchtige Vorschrift? 

Die Anträge der Linken und der Grünen sind aus mei- 
ner Sicht indiskutabel und zielen am Problem vorbei. 

(Josef Philip Winkler [BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN]: Aha!) 

Auch das ist in der Sachverständigenanhörung klar he- 
rausgestellt worden. Die zentrale Lagerung von Waffen 
schafft zusätzliche Sicherheitsrisiken. Das Verbot von 
Waffen in Privatbesitz fördert die Illegalität. 

Das Hauptanliegen der FDP ist, wirklich etwas gegen 
zukünftige Amokläufe, die hoffentlich nicht stattfinden 
werden, zu unternehmen, 

(Clemens Binninger [CDU/CSU]: Gesagt ha- 
ben Sie nichts!) 

auch wenn wir eine hundertprozentige Sicherheit leider 
nicht garantieren können. Das Waffenrecht ist zur Verhin- 
derung von Amokläufen kaum geeignet; das hat die Ver- 
gangenheit deutlich gezeigt. Gewaltprävention und -For- 
schung müssen im Vordergrund stehen. Wir brauchen 
einen nachhaltigen Sicherheitsgewinn und keinen waf- 
fenrechtlichen Aktionismus. 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Hartfrid Wolff (Rems-Murr) 

(Beifall bei der FDP - Silke Stokar von 
Neufom [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Frei- 
heit für Waffenbesitzer! Bravo!) 

Vizepräsident Dr. Hermann Otto Soims: 

Das Wort hat die Kollegin Gabriele Fograscher von 
der SPD-Fraktion. 

Gabriele Fograscher (SPD): 

Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! 
Ginge es nur um das Sprengstoffrecht, wie in der Tages- 
ordnung ausgewiesen, dann hätten wir unsere Reden 
auch zu Protokoll geben können. Aber wir haben Rege- 
lungen zum Waffenrecht an das Sprengstoffrecht ange- 
hängt, weil es sonst nicht möglich gewesen wäre, diese 
noch in dieser Legislaturperiode zu verabschieden. 

Der schreckliche Amoklauf von Winnenden im März 
dieses Jahres hat uns veranlasst, das geltende Waffen- 
recht nochmals auf den Prüfstand zu stellen. Dabei war 
und ist uns bewusst, dass Gesetze allein keine hundert- 
prozentige Sicherheit schaffen können. Die Änderungen 
können aber dazu beitragen - davon bin ich überzeugt -, 
die Verfügbarkeit von Waffen für potenzielle Täter zu 
verringern. Jede Waffe weniger im Umlauf ist, vor allen 
Dingen, wenn sie illegal besessen wird, ein Sicherheits- 
gewinn. Deshalb begrüße ich ausdrücklich die im Ge- 
setzentwurf vorgesehene Amnestieregelung. Ich erwarte 
aber auch, dass die Bundesländer und der Bundesinnen- 
minister diese Regelung, der sie in einer Arbeitsgruppe 
zugestimmt haben, öffentlichkeitswirksam vertreten und 
publik machen, damit bis Ende des Jahres möglichst 
viele Waffen aus dem Verkehr gezogen werden. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der 
CDU/CSU) 

Mit der heutigen Neuregelung wird auch eine lang- 
jährige Forderung der Polizei erfüllt: Bis 2012 wird ein 
nationales Waffenregister errichtet. Polizistinnen und 
Polizisten können geeignete Maßnahmen zur Eigensi- 
cherung ergreifen, wenn sie über Informationen verfü- 
gen, ob sie am Einsatzort mit legalen Waffen rechnen 
müssen. 

Jedes Gesetz wird nur dann ernst genommen und ein- 
gehalten, wenn es kontrolliert wird bzw. wenn mit Kon- 
trollen zu rechnen ist. Hier gibt es ein Vollzugsdefizit. 
Waffen sind gefährliche Gegenstände. Wer mit Waffen 
umgehen, sie besitzen oder aufbewahren will, der muss 
es sich im Interesse der öffentlichen Sicherheit gefallen 
lassen, dass seine Zuverlässigkeit, sein verantwortungs- 
voller Umgang und die gesetzlichen Auflagen zur Auf- 
bewahrung überprüft und kontrolliert werden. 

Ich halte es für richtig, verdachtsunabhängige Kon- 
trollen zu ermöglichen. Sportschützen und Jäger sollen 
dadurch nicht unter Generalverdacht gestellt werden. 
Vielmehr sollte es auch im Interesse aller gesetzestreuen 
Waffenbesitzer sein, dass schwarze Schafe, die sich allzu 
sorglos verhalten, gefunden werden. Diejenigen, die sich 
an das Waffengesetz halten, haben nichts zu befürchten. 

Der Vollzug der waffenrechtlichen Bestimmungen 
muss von den Bundesländern organisiert und sicherge- 


stellt werden. Die Gewährung öffentlicher Sicherheit (C) 
liegt in der Verantwortung aller staatlichen Ebenen, und 
sie muss ernst genommen werden. Die Länder müssen 
das dafür nofwendige Personal bereitsfellen. 

Wir erhöhen die Altersgrenze für das Schießen mit 
großkalibrigen Waffen von 14 auf 18 Jahre. Die SPD- 
Bundestagsfraktion - das möchte ich betonen - hätte 
sich sogar vorstellen können, ein Verbot dieser Waffen 
für den Schießsport auszusprechen. 

(Beifall des Abg. Dr. Dieter Wiefelspütz 
[SPD]) 

Sie werden nämlich aus gutem Grund auch im olympi- 
schen Schießsport nicht verwendet. 

Ich begrüße die Neuregelung, dass die Waffenbehörde 
künftig nicht nur, wie bisher, nach Ablauf von drei Jah- 
ren nach Erteilung der ersten waffenrechtlichen Erlaub- 
nis, sondern auch darüber hinaus das Fortbestehen des 
waffenrechtlichen Bedürfnisses von Waffenbesitzem 
überprüfen kann. Diese Regelung kann dazu führen, dass 
Waffenberechtigungen öfter als bisher aberkannt wer- 
den. Auch dies kann einen Sicherheitsgewinn darstellen. 

Dem Bundesinnenministerium wird in Zukunft er- 
möglicht, im Wege von Rechtsverordnungen moderne 
technische Systeme der Absicherung von Waffen und 
Waffenschränken zu verlangen. Dies betrifft insbeson- 
dere biometrische Sicherungssysteme. Bessere Siche- 
rung bringt mehr Sicherheit. Wir haben die Erfahrung 
gemacht, dass die Entwicklung moderner Sicherungs- 
systeme beschleunigt wird, wenn der Gesetzgeber, wie (jj) 
er es bei den Erbwaffen getan hat, die entsprechenden 
Normen setzt. 

(Reinhard Grindel [CDU/CSU]: Stimmt!) 

Es gibt bereits gute Ansätze für neue Sicherungssys- 
teme. Bevor sie eingeführt werden können, müssen sie 
allerdings noch Marktreife erlangen. 

Nach dem Amoklauf von Winnenden wurden immer 
wieder die Forderungen erhoben, Waffen und Munition 
in Privatbesitz gänzlich zu verbieten und zentral zu la- 
gern. Diese radikale Lösung birgt meiner Meinung nach 
neue Sicherheitsrisiken. Die Ansammlung einer großen 
Zahl von Waffen und von viel Munition an einem Ort ist 
trotz bester Sicherung ein Anreiz für Straftäter, an 
Schusswaffen zu kommen; das gilt nicht nur für Amok- 
läufer. 

Es mag regionale Unterschiede geben. Die meisten 
Schützenheime befinden sich allerdings außerhalb von 
Ortschaften, vor allem im ländlichen Bereich. Dort ist 
eine Sicherung und Überwachung durch Ordnungsbe- 
hörden nahezu unmöglich. Der Einbruch zweier Männer 
in ein Schützenhaus in Eislingen, aus dem sie Waffen 
entwendet und danach ein Familiendrama angerichtet 
haben, hat dies deutlich gemacht; dieser Fall ist vorhin 
schon angesprochen worden. 

In diesem Zusammenhang möchte ich den Sachver- 
ständigen Hofius zitieren, der in der Anhörung ausge- 
führt hat: 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Gabriele Fograscher 

Insgesamt überwiegt das Risiko für die öffentliche 
Sicherheit und Ordnung bei einer zentralen Aufbe- 
wahrung legaler Schusswaffen gegenüber der ge- 
setzmäßigen Verwahrung in Privathaushalten aus 
meiner Sicht sehr deutlich. 

So äußerte sich der Experte. 

Ich halte die jetzt gefundenen Lösungen für notwen- 
dig und geeignet, die öffentliche Sicherheit zu erhöhen. 
Mit ist aber klar, dass auch dadurch kein 100-prozentiger 
Schutz vor Amokläufen zu gewährleisten ist. 

Motive und Ursachen solcher Taten sind sehr vielsei- 
tig. Der Griff zur Waffe ist nur das letzte Glied in einer 
langen Kette. Die tieferen Ursachen liegen sicherlich 
woanders. Fehlende Anerkennung in Familie und sozia- 
lem Umfeld, Kränkungen, Mobbing, Gewalterfahrungen 
in der Schule, psychische Fehlentwicklungen, die sich in 
Rachefantasien und Abkapselung von der Außenwelt 
steigern, die exzessive Nutzung von Computerspielen 
und das Zurückziehen in eine eigene virtuelle Welt sind 
solche Ursachen. Dagegen helfen keine Gesetze. Hier 
muss sich eine Kultur des Hinsehens, ein System der 
Hilfe und Beratung entwickeln, um ein Abdriften von 
jungen Menschen, vor allem von jungen Männern, zu 
verhindern. 

Dies ist eine Aufgabe, die nicht nur die Innenpolitiker 
des Bundestages beschäftigen muss und die nicht mit 
diesen waffenrechtlichen Änderungen abgeschlossen ist. 
Änderungen im Waffenrecht sind nur ein kleiner Mosaik- 
stein bei der Verhinderung oder Erschwerung von Amok- 
läufen. Sie sind aber ein Anfang und ein Schritt in die 
richtige Richtung. 

Danke sehr. 

(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) 

Vizepräsident Dr. Hermann Otto Soims: 

Das Wort hat die Kollegin Ulla Jelpke von der Frak- 
tion Die Linke. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Ulla Jelpke (DIE LINKE): 

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Der 
Amoklauf von Winnenden hat deutlich gemacht, dass 
gesetzgeberischer Handlungsbedarf besteht. Wir alle ha- 
ben die Verantwortung, alles dafür zu tun, dass sich sol- 
che Tragödien nicht wiederholen. 

Das ist auch die Messlatte, die die Fraktion Die Linke 
an den Gesetzentwurf der Bundesregierung legt. Was die 
Bundesregierung hier vorgelegt hat, bleibt aber weit un- 
terhalb dessen, was notwendig ist; denn sie hat dem 
Druck der Lobbys nachgegeben. 

Amokläufer verwenden Waffen, auf die sie direkt und 
unkompliziert zugreifen können. Seien es Amokläufe 
oder auch Massaker in Familien - die Waffen sind nicht 
gestohlen, sondern gehören den Tätern oder ihren meist 
männlichen Verwandten. Deshalb setzt die Fraktion Die 
Linke an diesem Punkt an und fordert: Schusswaffen 
raus aus den Privathaushalten. 


(Beifall bei der LINKEN) 

Damit entfällt nämlich eine unmittelbare Voraussetzung 
für Amokläufe. Das haben übrigens auch die Angehöri- 
gen in ihrem Forderungspaket aufgeführt, Herr Wolff 

(Reinhard Grindel [CDU/CSU]: Der Fall in 
Eislingen spricht aber genau dagegen, Frau 
Jelpke!) 

Die Bundesregierung will es dagegen bei der alten 
Regelung belassen. Sie kündigt mehr Kontrollen an, um 
die sichere Lagerung von Waffen zu Hause zu prüfen. 

Hier stellt sich aber zunächst die Frage, woher die 
Kontrolleure eigentlich kommen sollen. Angesichts der 
3 bis 5 Millionen Menschen, denen der Waffenbesitz er- 
laubt ist, handelt es sich doch um eine Mammutaufgabe. 
Die Sachverständigen in der Anhörung am Montag hiel- 
ten selbst Stichproben angesichts der Personalnot für 
nicht durchführbar. Vor diesem Hintergrund ist diese An- 
kündigung ein Papiertiger und hat keine praktischen Fol- 
gen. 

Außerdem stellt sich die Frage, welche Befugnisse 
die Kontrolleure eigentlich haben sollen und ob die Un- 
verletzlichkeit der Wohnung im Gesetz tatsächlich klar 
geregelt ist. Es gilt doch. Folgendes zu bedenken: Wenn 
ein Waffenbesitzer die Kontrolleure nicht freiwillig in 
seine Wohnung lassen will, aber in diesem Fall um sei- 
nen Waffenschein fürchten muss, ist es mit der Freiwil- 
ligkeit nicht weit her. 

(Dr. Stephan Eisei [CDU/CSU]: Wofür sind 
Sie denn?) 

Meine Damen und Herren, die Koalitionspläne ent- 
halten durchaus Zustimmenswertes, etwa die Einführung 
des längst überfälligen Waffenregisters. Insgesamt wer- 
den Sie aber dem Anspruch, Amokläufen wirklich vor- 
zubeugen, in keiner Weise gerecht. Deswegen lehnen 
wir den Gesetzentwurf der Bundesregierung ab. 

(Zuruf von der CDU/CSU: Sind Sie für oder 
gegen Kontrolle?) 

Im Übrigen vermissen wir den Blick über das Waffen- 
recht hinaus. Wir müssen auch die Frage stellen, was in 
unserer Gesellschaft schief läuft, wenn junge Männer zu 
psychopathischen Mördern werden. Welche Rolle spie- 
len Leistungsdruck in der Schule und im Arbeitsleben 
sowie falsche Erziehungsverläufe? Wo können psycho- 
logische Hilfestellungen verbessert und die Hemm- 
schwellen zu ihrer Nutzung gesenkt werden? Auf diese 
Fragen werden mit diesem Gesetz keine Antworten ge- 
geben. Wer sie nicht stellt, betreibt aber nur Symptom- 
politik. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Es geht überhaupt nicht darum, Sportschützen unter 
Generalverdacht zu stellen. Das möchte ich hier ganz be- 
sonders betonen. Wir appellieren sogar an Schützenver- 
bände und Sportvereine, konstruktiv an besseren Vor- 
schlägen mitzuwirken, als sie uns die Regierung heute 
anbietet, um die Wiederholung solcher Amokläufe nach 
Möglichkeit auszuschließen. 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Ulla Jelpke 

Dem dient unser Antrag. Ich sage es noch einmal: 
Schusswaffen raus aus Privathaushalten. 

(Dr. Stephan Eisei [CDU/CSU]: Wohin denn? 

Ins Waffenlager?) 

Die Waffen raus aus den Wohnungen, sie an sicheren Or- 
ten unterbringen - wir haben lange darüber diskutiert - 
und damit den Zugriff für Unbefugte massiv erschwe- 
ren! Wir wissen natürlich auch, dass wir auf diese Weise 
Amokläufen und Massakern nicht gänzlich den Weg ab- 
schneiden. Auf jeden Fall würde man damit aber dafür 
sorgen, dass Waffen nicht mehr so leicht zugänglich 
sind. 

Ich möchte noch einmal sagen: Gerade die Angehöri- 
gen haben sehr deutlich erklärt, dass Familienangehörige 
- vor allem Söhne, männliche Täter - genau wissen, wie 
sie an den Waffenschrank kommen, auch wenn diese in 
ein paar Jahren vielleicht biometrisch gesichterte Schlös- 
ser oder Ähnliches haben. Ich kann nicht einsehen, wa- 
rum jemand im Haushalt Waffen haben sollte. Raus da- 
mit! 

Ich danke Ihnen. 

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten 
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) 

Vizepräsident Dr. Hermann Otto Soims: 

Das Wort hat die Kollegin Silke Stokar von Neufom 
von Bündnis 90/Die Grünen. 

Silke Stokar von Neuforn (BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN): 

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wir reden 
heute erneut über eine Verschärfung des Waffenrechts, 
weil wir nach dem Amoklauf am Gutenberg-Gymna- 
sium in Erfurt eine unzulängliche Verschärfung des Waf- 
fenrechts beschlossen haben. Seit Erfurt - das ist die 
Realität - haben wir nicht weniger gefährliche Schuss- 
waffen in Privathaushalten, sondern mehr. 

Jetzt nach Winnenden höre ich von der Großen Koali- 
tion, von Herrn Grindel, dass sie das Waffenrecht gar 
nicht verschärfen will. Meine Antwort ist: Genau das 
machen Sie auch nicht. Auch nach dem tragischen Er- 
eignis von Winnenden ist die Antwort der Großen Koali- 
tion an die Angehörigen - mit denen wir alle uns in ei- 
nem sehr bewegenden Gespräch unterhalten haben -: 
Wir verschärfen das Waffenrecht nicht. - Ich verstehe, 
dass die Waffenlobby Ihnen erneut Beifall zollt. 

(Reinhard Grindel [CDU/CSU]: Sie sollten 
einmal die Briefe lesen, die wir erhalten! Mit 
Beifall ist es da nicht weit her!) 

In Winnenden - ich möchte hier nur ein Beispiel 
schildern - musste eine junge Referendarin sterben, weil 
ein Projektil die geschlossene Holztür des Klassenraums 
von 8 Zentimetern Dicke durchschlug, ihren Körper 
durchdrang und erst 8 Meter weiter im Metallrahmen ei- 
ner anderen Tür stecken blieb. 

Die Frage, die wir uns heute stellen sollten - wir 
Grüne stellen diese Frage -, ist: Wollen wir, dass Waffen 


wie die 9-Millimeter-Beretta, die Waffe des Täters von (C) 
Winnenden, weiter als Sportwaffe zugelassen sind? Ich 
sage. Nein. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Wir können die Entscheidung, was noch Sportschießen 
ist und wo ein unverhältnismäßiges Risiko für die öffent- 
liche Sicherheit beginnt, nicht länger den Schützenverei- 
nen und den Sportverordnungen überlassen. Meine For- 
derung ist ganz klar, dass wir im Waffengesetz definieren, 
was Sportwaffen sind und wo ein unverhältnismäßiges 
Risiko für die Bevölkerung beginnt. 

Meine Damen und Herren von der Koalition, mit Ih- 
rer Antwort - 150 Seiten Anträge - reduzieren Sie den 
Bestand der Waffen in Privathaushalten um keine ein- 
zige Waffe. Was Sie hier mit viel Gedöns machen, ist 
nichts anderes, als dass Sie ein bisschen weiße Salbe um 
die Waffenschränke schmieren; aber Sie räumen die 
Waffenschränke nicht aus. 

Wir wollen, dass großkalibrige Kurzwaffen nicht län- 
ger als Sportwaffen zugelassen werden. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Eines ist in der Anhörung nämlich ganz deutlich gewor- 
den: Erst die einfache Verfügbarkeit großkalibriger Kurz- 
waffen ermöglichst es den potenziellen Tätern - derzeit 
haben über 20 labile Jugendliche in Deutschland die Fan- 
tasie, einen neuen Amoklauf zu starten -, den Tatgedan- 
ken in die Realität umzusetzen. 

Ich sage nach Winnenden: Auf tödliche Sportwaffen (D) 
können wir verzichten. Wir sind aber nicht bereit, auf die 
Sicherheit unserer Kinder an den Schulen zu verzichten. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Lassen Sie mich noch eine Bemerkung zu Herrn 
Grindel machen. Die zentrale Forderung des „Aktions- 
bündnisses Amoklauf Winnenden“ haben Sie hier ver- 
schwiegen. Sie lautet: Weg mit diesen tödlichen Waffen 
aus dem Sport! 

(Reinhard Grindel [CDU/CSU]: Das habe ich 
doch gesagt!) 

Sie haben hier auch die Initiative, die wir als Experten 
geladen haben, falsch benannt; denn diese Initiative 
heißt: „Keine Mordwaffen als Sportwaffen!“ Damit ist 
gemeint, dass tödliche Waffen im Sport nichts zu suchen 
haben. Ich halte es für richtig, dass wir über diese Forde- 
rung ernsthaft diskutieren. 

Eines ist an Ihnen völlig vorbeigegangen: Wir haben 
eine völlig neue Dimension der gesellschaftlichen De- 
batte über das Waffenrecht. Eltern, Lehrer und Schüler 
sind heute die Experten. Sie sagen: Wir wollen, dass die 
Schule ein angstfreier Raum bleibt, wir wollen nicht län- 
ger mit dem Risiko leben, das von einer kleinen Minder- 
heit - nicht einmal 5 Prozent der Sportschützen schießen 
mit diesen Waffen - ausgeht. 

(Reinhard Grindel [CDU/CSU]: Was ist mit den 
Jägern? Das Problem ist das Gleiche!) 



25182 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Vizepräsident Dr. Hermann Otto Soims: 

Frau Kollegin, kommen Sie bitte zum Schluss. 

Silke Stokar von Neuforn (BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN): 

Sie erreichen mit Ihrem Gesetzentwurf nicht einmal 
ansatzweise eine Reduzierung der Anzahl von Waffen. 
Ich finde das erbärmlich und verantwortungslos. 

Danke. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms: 

Ich schließe die Aussprache. 

Wir kommen zur Abstimmung über den von der Bun- 
desregierung eingebrachten Gesetzentwurf zur Änderung 
des Sprengstoffgesetzes. Es liegen mehrere Erklärungen 
zur Abstimmung nach § 3 1 der Geschäftsordnung vor, 
die wir zu Protokoll nehmen.') 

Der Innenausschuss empfiehlt unter Nr. 1 Buch- 
stabe a seiner Beschlussempfehlung auf Drucksache 
16/13423, den Gesetzentwurf der Bundesregierung auf 
Drucksache 16/12597 in der Ausschussfassung anzuneh- 
men. Ich bitte diejenigen, die dem Gesetzentwurf in der 
Ausschussfassung zustimmen wollen, um ihr Handzei- 
chen. - Gegenstimmen? - Enthaltungen? - Der Gesetz- 
entwurf ist in zweiter Beratung mit den Stimmen der Ko- 
alitionsfraktionen gegen die Stimmen der 
Oppositionsfraktionen angenommen. 

Dritte Beratung 

und Schlussabstimmung. Ich bitte diejenigen, die dem 
Gesetzentwurf zustimmen wollen, sich zu erheben. - 
Gegenstimmen? - Enthaltungen? - Der Gesetzentwurf 
ist mit gleichem Stimmenverhältnis angenommen. 

Unter Nr. 1 Buchstabe b seiner Beschlussempfehlung 
auf Drucksache 16/13423 empfiehlt der Ausschuss, eine 
Entschließung anzunehmen. Wer stimmt für diese Be- 
schlussempfehlung? - Sie müssen schon die Hand he- 
ben. 

(Manfred Grund [CDU/CSU]: Sie sind zu leise, 

Herr Präsident! Oder wir sind zu laut!) 

Gegenstimmen? - Enthaltungen? - Was war bei den Lin- 
ken? 

(Ute Kumpf [SPD]: Sie sind dagegen!) 

Darf ich einmal die Fraktion der Linken fragen, ob sie 
ablehnt? 

(Zuruf von der LINKEN: Entschließungsan- 
trag der FDP?) 

- Es geht um die Entschließung der Koalition. 

(Reinhard Grindel [CDU/CSU]: Herr Präsi- 
dent, wir möchten, dass festgehalten wird, dass 

') Anlage 44 


die Linke nicht mit uns gestimmt hat! Darauf 
legen wir schon Wert! - Volker Schneider 
[Saarbrücken] [DIE LINKE]: Wir lehnen ab!) 

- Sie lehnen ab. 

(Reinhard Grindel [CDU/CSU]: Dann ist die 
Welt wieder in Ordnung!) 

Die Beschlussempfehlung ist also mit den Stimmen der 
Koalitionsfraktionen gegen die Stimmen der Opposi- 
tionsfraktionen angenommen. 

Wir kommen nun zur Abstimmung über die Entschlie- 
ßungsanträge. Wer stimmt für den Entschließungsantrag 
der Fraktion der FDP auf Drucksache 16/13472? - Ge- 
genstimmen? - Enthaltungen? - Der Entschließungsan- 
trag ist gegen die Stimmen der FDP-Fraktion mit den 
Stimmen aller übrigen Fraktionen abgelehnt. 

Wer stimmt für den Entschließungsantrag der Fraktion 
Bündnis 90/Die Grünen auf Drucksache 16/13473? - 
Gegenstimmen? - Enthaltungen? - Der Entschließungs- 
antrag ist mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen und 
der FDP-Fraktion gegen die Stimmen der Fraktionen Die 
Linke und Bündnis 90/Die Grünen abgelehnt. 

Abstimmung über den Gesetzentwurf der Fraktion 
der FDP zur Änderung des Waffengesetzes. Der Innen- 
ausschuss empfiehlt unter Nr. 2 seiner Beschlussempfeh- 
lung auf Drucksache 16/13423, den Gesetzentwurf der 
Fraktion der FDP auf Drucksache 16/12663 abzulehnen. 
Ich bitte diejenigen, die dem Gesetzentwurf zustimmen 
wollen, um das Handzeichen. - Gegenstimmen? - Ent- 
haltungen? - Der Gesetzentwurf ist damit mit den Stim- 
men der Koalitionsfraktionen und der Fraktion Die 
Linke gegen die Stimmen der FDP-Fraktion und bei Ent- 
haltung der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen abgelehnt. 
Damit entfällt nach unserer Geschäftsordnung die wei- 
tere Beratung. 

Wir setzen die Abstimmung zu der Beschlussempfeh- 
lung des Innenausschusses auf Drucksache 16/13423 
fort. Der Ausschuss empfiehlt unter Nr. 3 seiner Be- 
schlussempfehlung die Ablehnung des Antrags der Frak- 
tion Die Linke auf Drucksache 16/12395 mit dem Titel 
„Keine Schusswaffen in Privathaushalten - Änderung 
des Waffenrechts“. Wer stimmt für die Beschlussemp- 
fehlung des Innenausschusses? - Gegenstimmen? - Ent- 
haltungen? - Die Beschlussempfehlung ist mit den Stim- 
men der Koalitionsfraktionen und der FDP-Fraktion bei 
Gegenstimmen der Fraktionen Die Linke und Bünd- 
nis 90/Die Grünen angenommen. 

Unter Nr. 4 seiner Beschlussempfehlung empfiehlt 
der Ausschuss die Ablehnung des Antrags der Fraktion 
Bündnis 90/Die Grünen auf Drucksache 16/12477 mit 
dem Titel „Abrüstung in Privatwohnungen - Maßnah- 
men gegen Waffenmissbrauch“. Wer stimmt für diese 
Beschlussempfehlung? - Gegenstimmen? - Enthaltun- 
gen? - Die Beschlussempfehlung ist wiederum mit den 
Stimmen der Koalitionsfraktionen und der FDP-Fraktion 
bei Gegenstimmen der Fraktionen Die Linke und 
Bündnis 90/Die Grünen angenommen. 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25183 


Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms 

(A) Ich rufe den Tagesordnungspunkt 14 auf: 

Beratung des Antrags der Abgeordneten Winfried 
Nachtwei, Kerstin Müller (Köln), Ute Koczy, 
weiterer Abgeordneter und der Fraktion 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 

Zivile Krisenprävention nnd Friedensförde- 
rnng branchen einen nenen Schnb 

- Drucksache 16/13392 - 

Nach einer interfraktionellen Vereinbarung ist für die 
Aussprache eine halbe Stunde vorgesehen, wobei die 
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen fünf Minuten erhalten 
soll. Gibt es Widerspruch? - Das ist nicht der Fall. Dann 
ist das so beschlossen. 

Ich eröffne die Aussprache und erteile als erstem Red- 
ner dem Kollegen Winfried Nachtwei vom Bündnis 90/ 
Die Grünen das Wort. 

Winfried Nachtwei (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): 

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die 
Bedeutung und der Vorrang ziviler Krisenprävention 
sind eigentlich unstrittig. Gewaltkonflikte zu verhüten 
und zu überwinden, gebietet sich aus dem Friedensauf- 
trag des Grundgesetzes und der Charta der Vereinten Na- 
tionen. 

Die Erfahrungen der 90er- Jahre auf dem Balkan, in 
Afrika und in anderen Krisenregionen haben uns damals 
sehr deutlich gezeigt, dass die Mittel der Diplomatie und 

(B) des traditionellen Peacekeepings nicht ausreichen, um 
diese Krisen bewältigen zu können. 1998/99 wurde mit 
dem Start der rot-grünen Koalition einiges auf den Weg 
gebracht. Zehn Jahre danach ist es jetzt an der Zeit, eine 
Zwischenbilanz zu ziehen. 

Es wurden in der Tat etliche Einrichtungen und neue 
Instrumente geschaffen, die zum Teil weltweit ihresglei- 
chen suchen. Ich nenne als Beispiele nur das Zentrum 
für Internationale Friedenseinsätze in Berlin, den Zivilen 
Friedensdienst, die Deutsche Stiftung Friedensfor- 
schung, die krisenpräventive Ausrichtung der Entwick- 
lungszusammenarbeit, die polizeilichen Ausbildungs- 
stätten für Auslandseinsätze und die im Jahr 2004 im 
Aktionsplan „Zivile Krisenprävention, Konfliktlösung 
und Friedenskonsolidierung“ der Bundesregierung zu- 
sammengefassten Maßnahmen. 

Ich möchte die Gelegenheit ergreifen, an dieser Stelle 
all den Friedenspraktikerinnen und Friedenspraktikem 
zu danken, die seitdem in Krisenregionen Vorzügliches 
geleistet haben. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei 
der CDU/CSU, der SPD und der FDP) 

Beispielhaft dafür möchte ich den Direktor und Spiritus 
Rector des Zentrums für Internationale Friedenseinsätze, 
Dr. Winrich Kühne, nennen, der jetzt leider in Pension 
geht. Ich möchte diesem deutschen Mister Peacekee- 
ping, wie ich ihn einmal nenne, unseren Antrag widmen. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 


Es schmälert die Leistungen dieser Friedenspraktike- (C) 
rinnen und Friedenspraktiker bis auf die Ebene des Aus- 
wärtigen Amtes in keiner Weise, wenn ich nach dem 
halbvollen Glas jetzt auf das halbleere Glas zu sprechen 
komme. Bei multinationalen Krisenengagements und 
Friedensmissionen zeigt sich immer deutlicher und 
dringlicher, wie rückständig die zivilen und polizeilichen 
Fähigkeiten sind. Ich erlebe als Mitglied des Verteidi- 
gungsausschusses besonders deutlich, dass die Bundes- 
wehr bei der Transformation bzw. der Weiterentwick- 
lung ihrer Fähigkeiten viel schneller ist, als wir es im 
gesamten zivilen Sektor sind, und das bei sehr unter- 
schiedlichen Ausgangsbasen. 

Ich möchte ein Beispiel nennen: Es macht äußerste 
Mühe, für den viel gerühmten Provincial Development 
Fund in Nordostafghanistan die gewünschten 1 bis 
2 Millionen Euro zu erhalten. Gleichzeitig wurden ges- 
tern im Rahmen der großen Abstimmungen in den ent- 
sprechenden Ausschüssen Rüstungsprojekte für mehr als 
6 Milliarden Euro beschlossen. Das zeigt, dass die Rela- 
tionen offensichtlich nicht stimmen. 


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 


Wenn man sich die Aktivitäten anderer Länder auf 
diesem Gebiet ansieht, muss man leider feststellen, dass 
die Bundesrepublik ihre Vorreiterrolle verloren hat. Das 
Politikfeld der zivilen Krisenprävention und der Frie- 
densförderung braucht also einen neuen Schub. Von un- 
seren zahlreichen Vorschlägen möchte ich daher einige 
wichtige benennen. 


Der erste Punkt betrifft die konzeptionelle Ebene. In 
der Sicherheitspolitik ist es üblich, Risiko- und Bedro- 
hungsanalysen anzufertigen. Wo aber sind die Chancen- 
analysen? Wenn wir den Frieden fördern wollen, brau- 
chen wir Kenntnis von den entsprechenden Chancen und 
der Friedenspotenziale, die gefördert werden sollen, 
brauchen wir deren Identifizierung. 


(D) 


Eine weitere Ebene ist die Kohärenz; das wissen alle, 
die mit Krisenengagements zu tun haben. Es geht also 
um das Zusammenwirken der verschiedenen Akteure. 
Unseres Erachtens ist es an dieser Stelle dringend not- 
wendig, gemeinsame ressortübergreifende Strukturen 
bei der Frühwarnung, der Planung und der Führung sol- 
cher Einsätze einzurichten. Hilfreich sind auch gemein- 
same Finanzierungsinstrumente. 


Der Ressortkreis „Zivile Krisenprävention“ muss 
mehr Steuerungskompetenz bekommen. Schließlich geht 
es darum, die verschiedenen Fähigkeiten im Bereich der 
zivilen Krisenprävention endlich systematisch zu stär- 
ken. Was ist dabei hilfreich? Hilfreich wäre ein Mittel, 
das auch die Europäische Union eingesetzt hat, nämlich 
schlichtweg die Definition von zivilen Planzielen. Wie 
viele Polizeiberater brauchen wir? Wie viele Rechts- 
staatsexperten brauchen wir? Diese kann man schließ- 
lich nicht von jetzt auf gleich irgendwoher zaubern. 


Ich komme zu meinem letzten Punkt. Die zivile Kri- 
senprävention ist in der Öffentlichkeit sehr schwer ver- 
käuflich. Sie ist kompliziert, sie ist langwierig, und sie 
ist prozessorientiert. Wenn sie erfolgreich ist und das 
Haus nicht brennt, ist sie nicht beweisbar und nicht 



25184 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Winfried Nachtwei 

(A) sichtbar. Das ist ein Handicap sondergleichen. Man darf 
sich damit aber nicht abfinden. Im Gegenteil: Man muss 
sich Gedanken über eine entsprechende Kommunika- 
tionsstrategie machen. Es gibt gute Beispiele wie „Peace 
Counts“ oder andere Dinge, die von der Bundesregie- 
rung in der Vergangenheit unterstützt wurden. Wichtig 
ist eine Kommunikationsstrategie mit entsprechender 
Unterfütterung. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Seit 1994 versuche ich, vor allem zusammen mit Uta 
Zapf aus der SPD, mich für dieses Politikfeld stark zu 
machen und für die Umsetzung zu arbeiten. Ich vermute 
fast, dass unser Antrag heute nicht bei allen Zustimmung 
findet, auch wenn es inhaltlich bilateral so manchen 
Konsens gibt. Umso mehr möchte ich Ihnen den Antrag 
für die nächste Legislaturperiode ans Herz legen. Er soll 
als Material für die nächsten Koalitionsverhandlungen - 
zwischen wem auch immer - dienen und berücksichtigt 
werden. 

Danke schön. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
sowie des Abg. Niels Annen [SPD] - Niels 
Annen [SPD]: Ich kümmere mich dann da- 
rum!) 

Vizepräsident Dr. Hermann Otto Soims: 

Das Wort hat der Kollege Holger Haibach von der 
CDU/CSU-Fraktion. 

(B) Holger Haibach (CDU/CSU): 

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Her- 
ren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Nach den Worten 
des Kollegen Nachtwei fällt es schwer, konfrontativ auf- 
zutreten. Das hatte ich aber ohnehin nicht vor. Denn ich 
finde, dass das, was in Bezug auf die Zielsetzung im An- 
trag steht, zum großen Teil richtig ist. Auch über Par- 
teigrenzen hinweg gibt es da durchaus einen Konsens. 

Es ist allerdings fraglich, ob ich alle Bewertungen des 
Antrags wirklich teilen kann; das ist der Punkt, an dem 
sich die Geister scheiden. Dies betrifft insbesondere die 
Bewertungen im Hinblick auf die Frage, wo wir heute 
stehen und wo wir vor acht bzw. zehn Jahren gestanden 
haben, sowie die Bewertungen im Hinblick auf die 
Frage, was der Anteil der früheren und was der Anteil 
der jetzigen Bundesregierung und der sie tragenden 
Mehrheitskoalition ist. In Bezug auf diese Punkte liegen 
unsere Beurteilungen sicherlich auseinander. Das ist 
aber eine Frage der Perspektive. Ich denke, im Ziel sind 
wir uns einig. 

In einem Punkt haben Sie vollkommen recht: Eines 
der größten Probleme ist, als Erfolg etwas darzustellen, 
was nicht geschehen ist. Das ist im Menschenrechtsaus- 
schuss nichts anderes als in einer Debatte über zivile 
Krisenprävention. Wie will man beweisen, dass eine hu- 
manitäre Katastrophe nicht eingetreten ist? Wie will man 
nachweisen, dass ein Konflikt durch gute Präventionsar- 
beit nicht zu einem Krieg geworden ist? All diese Fragen 
drängen sich einem auf, wenn man sich mit dieser durch- 
aus nicht einfachen Materie befasst. 


Es ist richtig: Deutschland hat, wie ich finde, ein (C) 
ziemlich vorbildliches Instrumentarium mit dem ZIF, 
dem ZFD, dem Ressortkreis und vielen anderen wichti- 
gen Organisationen. Es gibt vor allem eine reiche Szene 
an Nichtregierungsorganisationen, die sich in Deutsch- 
land dieses Themas annehmen. Dafür können wir dank- 
bar sein; denn es ist eigentlich das, was uns in diesem 
Bereich weiterhilft. Wie wir wissen, würden wir ohne 
das Engagement der Nichtregierungsorganisationen kei- 
nen Erfolg haben. 

Ich will deutlich machen, dass einiges in der Regie- 
rungszeit der Großen Koalition - auch durch das Enga- 
gement der sie tragenden Fraktionen - vorangebracht 
worden ist. Wir haben im letzten Jahr unter anderem da- 
für gesorgt, dass der Etat für die zivile Krisenprävention 
von 12 Millionen auf 60 Millionen Euro verfünffacht 
wurde. 

(Winfried Nachtwei [BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN]: Das war gut!) 

Das ist kein kleiner Beitrag. Ich finde, das darf man in 
dieser Debatte durchaus werbend sagen, weil es sich um 
gelebte Umsetzung politischer Zielsetzung handelt. Das 
ist der eine Punkt. 

Der andere Punkt ist: Wir haben mit dem sogenannten 
Sekundierungsgesetz ein Stück weit Rechtssicherheit für 
diejenigen geschaffen, die für uns zivile Friedensarbeit 
und Präventionsarbeit in zum Teil sehr schwierigen Aus- 
landsmissionen leisten. Dieses Gesetz sorgt dafür, dass 
diejenigen, die im Ausland für uns tätig sind, sicher sein 
können, dass zumindest die Erfüllung der Grundbedürf- (D) 
nisse gewährleisfet ist, was Versicherungsfragen, zum 
Beispiel betreffend die Sozial- und Arbeitslosenversi- 
cherung, angeht. Darauf können wir durchaus stolz sein, 
und damit können wir zufrieden sein. 

Natürlich gibt es immer viel zu tun und Raum für Ver- 
besserungen. Ich bin mir aber nicht ganz so sicher, ob 
Sie den einen oder anderen Punkt, den Sie in Ihrem An- 
trag beschreiben, ausgerechnet der Großen Koalition an- 
lasten können. Sie klagen zum Beispiel darüber, dass es 
Verbesserungsmöglichkeiten im Rahmen der interminis- 
teriellen Zusammenarbeit gibt. Die Auseinandersetzun- 
gen über die Zuständigkeiten zwischen BMZ und Aus- 
wärtigem Amt sind vermutlich so alt wie die beiden 
Ministerien. Das heißt nicht, dass man nichts tun sollte. 

Aber ich glaube, dass gerade durch die Schaffung des 
Ressortkreises ein Schritt in die richtige Richtung ge- 
macht worden ist. 

Es liegt letzten Endes auch ein bisschen an uns Abge- 
ordneten. Wenn ich mir anschaue, zu welcher Zeit und 
mit welcher Präsenz hier im Deutschen Bundestag über 
Auslandseinsätze und die erste Aufsetzung des Plans zur 
zivilen Krisenprävention diskutiert wurde, dann muss 
ich feststellen: Das sagt etwas darüber aus, wie wir - ich 
meine nicht die Anwesenden; ich setze voraus, dass 
diese sich dafür interessieren - mit der ganzen Sache 
umgehen. Wir sollten bei unseren Kolleginnen und Kol- 
legen für die Sache werbend eintrefen; denn sie ist zu 
wichtig, als darüber zu einer relativ ungünstigen Zeit 
und vor einem relativ kleinen Publikum zu diskutieren. 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


25185 


Holger Haibach 

Ich versuche, ein Resümee der Arbeit zu ziehen, die 
in den vier Jahren geleistet worden ist, in denen ich für 
die CDU/CSU in diesem Bereich tätig war. Wir sind 
auch in dieser Legislaturperiode ein gutes Stück voran- 
gekommen. Es hat Verbesserungen in monetärer Hin- 
sicht, aber auch beim Schutz derjenigen gegeben, die für 
uns in Auslandseinsätzen und zivilen Friedensmissionen 
tätig sind. Natürlich gibt es noch viel zu tun; denn zivile 
Krisenprävention beleuchtet auch andere Politikberei- 
che. Wenn zum Beispiel Staatsminister Erler kürzlich in 
einem Zeitungsinterview sagt, es sei schon ein Problem, 
dass wir mit den Kleinwaffenexporten nicht so zurande 
kämen, wie wir das eigentlich sollten, dann zeigt das, 
dass auch die Bundesregierung der Meinung ist, dass wir 
einen kompletten Blick auf die Dinge brauchen. Es geht 
nicht nur darum, Pläne zu machen, diejenigen zu unter- 
stützen, die in Auslandseinsätzen tätig sind, Auslands- 
einsätze der Bundeswehr bzw. Einsätze Deutschlands so 
zu gestalten, dass sie kohärente Ansätze bieten, sondern 
auch darum, dass wir unsere Aufgaben in anderen Berei- 
chen wie beim Rüstungsexport verantwortlich wahmeh- 
men. Ich bin durchaus der Meinung, dass wir uns mit 
den Resultaten nicht zu verstecken brauchen. 

Ich will erwähnen, dass Herr Nachtwei in seinem An- 
trag unter anderem die Rolle der USA in einem be- 
stimmten Bereich der zivilen Krisenprävention lobend 
hervorhebt. Ich hätte nicht geglaubt, dass es einmal dazu 
kommt; aber es zeigt vielleicht, dass an dieser Stelle an- 
dere von uns gelernt haben. 

(Uta Zapf [SPD]: Das ist auch nicht so dolle! 

Bei der CDU/CSU hat es auch lange gedau- 
ert!) 

„Vernetzte Sicherheit“ ist ein Begriff, der einmal bei uns 
seinen Anfang genommen hat. Wenn ich mir das Enga- 
gement der Bundeswehr und der gesamten deutschen 
Community in Afghanistan anschaue, komme ich zu 
dem Schluss, dass wir anderen Partnern, die an diesem 
Einsatz beteiligt gewesen sind, durchaus wichtige Im- 
pulse gegeben haben. 

Insgesamt sind einige Erfolge vorzuweisen. In diesem 
Bereich gibt es immer viel zu tun. Ich würde mir mehr 
Aufmerksamkeit wünschen. Eine Kommunikationsstra- 
tegie ist hier sicherlich der richtige Weg. Weil ich weiß, 
dass wir alle heute Abend noch etwas Vorhaben - ich 
weiß, dass das ein wichtiges Thema ist -, möchte ich Ih- 
nen die zwei Minuten Redezeit, die ich noch habe, 
schenken und wünsche Ihnen noch einen schönen Abend 
und weiterhin eine gute Beratung. 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- 
neten der LINKEN) 

Vizepräsident Dr. Hermann Otto Soims: 

Das Wort hat der Kollege Hellmut Königshaus von 
der FDP-Fraktion. 

(Beifall bei der FDP) 

Hellmut Königshaus (FDP): 

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich 
glaube, dass es im Bereich der Krisenprävention - da hat 


Herr Haibach recht - auch im Hinblick auf die Zielset- (C) 
zung eine große Übereinstimmung gibt. Frau Zapf, Herr 
Haibach, Winfried Nachtwei und ich, gelegentlich auch 
die Linken 

(Hüseyin-Kenan Aydin [DIE LINKE]: Gele- 
gentlich?) 

- ich kann mich nicht erinnern, wann das war; aber mög- 
licherweise sind auch die Linken gelegentlich im Beirat 
anwesend -, sind an dem Thema ziemlich nah dran. 

(Dr. Werner Hoyer [FDP] : Bring den Schäfer 
nicht in Schwierigkeiten!) 

Nach einem Blick auf die Regierungsbank zeigt sich 

- wenn ich das einmal sagen darf -: Das gilt nicht für 
das BMZ. Das isf bedauerlich. 

(Dr. Werner Hoyer [FDP]: Das passt ins Bild!) 

Wir hatten schon einmal Anlass, darüber zu klagen. Ich 
glaube, gerade im Bereich der Entwicklungsbemühun- 
gen ist eine Verzahnung notwendig; andernfalls können 
wir hier nicht über echte Krisenprävention reden. 

Im Ansatz ist der von den Grünen eingebrachte An- 
trag auch von unserer Seite ausdrücklich zu begrüßen; 
denn Krisenprävention ist eigentlich ein urliberales 
Thema, das die FDP schon seit ewigen Zeiten verfolgt, 

(Uta Zapf [SPD]: Deswegen habt ihr vor ein 
paar Jahren noch dagegen angestunken!) 

auch schon zu Zeiten der liberalen Außenminister Walter 
Scheel, Hans-Dietrich Genscher und Klaus Kinkel. Be- (D) 
reits damals wurde dieses Thema als Teil der Außenpoli- 
tik insgesamt behandelt, ohne dass man ein großes Pla- 
kat vor sich hergetragen hätte. 

Das Thema ist für unsere Außen- und Sicherheitspoli- 
tik zentral und wichtig; denn der Aufbau stabiler Zivil- 
gesellschaften, die Förderung von Frieden in der Welt 
und die Prävention von internationalen Krisen sind Vo- 
raussetzung dafür, dass wir friedlich Zusammenleben 
können. Deshalb habe ich mich, als ich zu Beginn der 
Legislaturperiode zum ersten Mal mit diesem Thema be- 
fasst wurde, sehr darüber gefreut, dass ich mit Winfried 
Nachwei auf einen Menschen stieß, der in diesem Be- 
reich ein überzeugender und tatsächlich weitsichtiger 
Fürsprecher war, natürlich - ich will da niemanden zu- 
rücksetzen - neben anderen. Ich spreche Winfried 
Nachtwei als Antragsteller gesondert an, weil er heute, 
wie wir wissen, wohl zum letzten Mal zu diesem Thema 
gesprochen hat. 

Ich hätte mich deshalb sehr darüber gefreut, wenn wir 
zu diesem Anlass seinem Antrag hätten zustimmen kön- 
nen. Das können wir leider nicht, jedenfalls nicht unein- 
geschränkt. Ich will das begründen. In weiten Teilen 
kann man dem Antrag folgen. Mit den konkreten Forde- 
rungen haben wir wenig Probleme. Schon der erste Teil 
zeigt aber, dass offenbar auch andere Auffassungen in 
die Bearbeitung eingeflossen sind, denen wir leider nicht 
folgen können; wir wollen es auch nicht. Teilweise kom- 
men hier idealistische, pazifistische Vorbehalte zum 
Ausdruck, die für sich genommen ihre Begründung ha- 



25186 


Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Hellmut Königshaus 

(A) ben, aber im Zusammenhang mit Krisenprävention in 
dieser Absolutheit sicherlich falsch sind. 

Nehmen Sie nur die dort enthaltene Behauptung - ich 
zitiere einmal 

Mit Rüstungsexporten in Krisenregionen wie In- 
dien, Pakistan und Staaten des Nahen Ostens unter- 
stützt die Bundesregierung die Gewaltspirale und 
das Wettrüsten. 

Allein die Formulierung „unterstützt die Bundesre- 
gierung“ sagt beinahe aus, die Bundesregierung heize 
vorsätzlich die Gewaltspirale an. Das ist doch eine Über- 
zeichnung. Diese Formulierung könnte auch den Ein- 
druck erwecken, es kämen irgendwelche antiisraelischen 
Einstellungen zum Ausdruck. Das ist ja die zentrale 
Frage im Nahen Osten. 

Wir alle wissen auch, dass diese Behauptung eben 
nicht stimmt, dass manchmal militärische Mittel not- 
wendig und Teil oder sogar Voraussetzung der Krisen- 
prävention sein können. In Afghanistan oder Pakistan ist 
das ganz offenkundig. Dort können wir auf den Einsatz 
militärischer Mittel nicht verzichten. Wir können doch 
den Terroristen dort nicht freie Hand lassen. Es steht 
auch außer Frage, dass ohne diese konkreten militäri- 
schen Maßnahmen in Kombination mit zivilen Aufbau- 
arbeiten eine funktionierende Zivilgesellschaft gar nicht 
aufgebaut werden könnte. 

Natürlich ist der Einsatz von Militär allein nicht die 
Lösung. Wir brauchen zivile Aufbaumaßnahmen. Das ist 
vollkommen klar. Dies wurde - da haben Sie recht - von 

(B) der Bundesregierung nicht mit dem notwendigen Nach- 
druck verfolgt. 

(Uta Zapf [SPD]: Das ist gar nicht wahr!) 

Ich habe eben schon angesprochen, welches Ministerium 
für diesen zivilen Teil zuständig wäre und gerade in die- 
sem Bereich wenig Engagement zeigt, was sich allein 
schon an der Präsenz hier im Saal zeigt. 

Sie haben recht: Militäreinsätze sind teurer als friedli- 
cher Aufbau. Das stimmt, das ist eine Erkenntnis, die 
auch wir schon lange haben und auf deren Grundlage li- 
berale Außenpolitik schon immer verfolgt wurde. Aber 
manchmal muss man beides einsetzen. Das wollen wir. 
Die Welt ist eben nicht nur gut oder nur schlecht, sie ist 
oftmals beides. Auf beides muss man entsprechend re- 
agieren. 

Den Forderungen des Antrags, die wir mit großer 
Sympathie sehen, könnten wir zustimmen. Aber zur Ab- 
stimmung steht ein Antrag, in dem auch all diese ande- 
ren Komponenten enthalten sind. Deshalb werden wir 
uns bei der Abstimmung über den Antrag enthalten. 

Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit. 

(Beifall bei der FDP sowie des Abg. Winfried 
Nachtwei [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) 

Vizepräsident Dr. Hermann Otto Soims: 

Das Wort hat die Kollegin Uta Zapf von der SPD- 
Fraktion. 


Uta Zapf (SPD): 

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 
Lieber Winni Nachtwei, ich gehe nicht so sanft mit dir 
um, wie es die Kollegen vor mir getan haben. Erster 
Punkt: Du hast uns diesen Antrag für die nächste Legis- 
laturperiode ans Herz gelegt. Wenn es dir und den Grü- 
nen wirklich ernst gewesen wäre und es nicht um Wahl- 
kampf gegangen wäre, dann hättet ihr zwei Monate 
vorher versucht, einen interfraktionellen Antrag unter 
Einschluss der FDP, der CDU/CSU, der SPD und der 
Linken vorzulegen; vielleicht hätten die Linken dann 
mitgestimmt. 

(Winfried Nachtwei [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Das ist eine Unterstellung!) 

Ich will etwas zu Herrn Königshaus sagen. Mein his- 
torisches Gedächtnis sagt mir etwas anderes als das, was 
Sie eben über die FDP gesagt haben. Als wir, Winni 
Nachtwei und ich, 1998 das erste rot-grüne Konzept in 
den Bundestag eingebracht haben, hat der Kollege Irmer 
für die FDP gesprochen und Hohn und Spott über uns 
ausgeschüttet. Ich habe ihn gerade getroffen. 

(Ute Kumpf [SPD]: Er schüttet immer noch!) 

Er ist, ohne dass ich gesagt habe, dass wir heute über 
dieses Thema diskutieren, genau auf diesen Punkt ge- 
kommen. Ich denke, da hat ein Lernprozess stattgefun- 
den. 

Auch bei der CDU/CSU war das Konzept nicht so 
rasch akzeptiert. Der Erste, der von der CDU/CSU in ei- 
nem sicherheitspolitischen Konzept den Begriff der zivi- 
len Krisenprävention verwendet hat, war Christian 
Schmidt. Seitdem hat sich ein politischer Prozess entwi- 
ckelt, der zu guten Ergebnissen in der bundesrepublika- 
nischen Außenpolitik geführt hat. 

Deshalb empfinde ich, lieber Winni, den ersten Satz 
in diesem Antrag als Provokation. Ich bin sehr wütend 
gewesen, als ich ihn gelesen habe; denn du warst die 
ganzen vier Jahre ganz nahe dabei, und du weißt genau, 
was gelaufen und was nicht gelaufen ist und was wir 
auch gegen große Widerstände haben durchsetzen kön- 
nen. Ich finde, du bist ungerecht gegenüber denen vom 
Auswärtigen Amt und von den anderen Ressorts, die 
sich in dem Ressortkreis bemüht haben, eine wirklich 
kohärente Politik zu gestalten, so schwer das ist. 

Du führst zum Beispiel an, dass man ressortübergrei- 
fende Instrumente und Institutionen einführen soll, zum 
Beispiel Frühwam- und Planungsstrukturen. Ich möchte 
daran erinnern, dass wir gar keine nationalen Allein- 
gänge machen. Wenn wir an zivilen Friedenseinsätzen 
oder an gemischten Einsätzen teilnehmen, dann ge- 
schieht das in der Regel auf der Ebene der EU, der 
OSZE oder der UNO. Hierfür eine Planungseinheit vor- 
zusehen, wo auch immer sie angesiedelt wird, beim Res- 
sortkreis oder im Himmel, ist völliger Unsinn. 

(Winfned Nachtwei [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN]: Die Kanadier machen es zum Beispiel 
in Afghanistan!) 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Uta Zapf 

Es macht auch keinen Sinn, Planziele für die Bundes- 
republik zu erstellen, denn es geht ja datum, in solche 
Missionen Leute zu entsenden, die erstens qualifiziert 
genug sind, zweitens abtufbar sind und drittens auch vor 
Ort gebraucht werden. Wenn man heute festlegte, einen 
Pool von 2 000 Rechtsanwälten vorzuhalten, um sie in 
Rechtsstaatlichkeitsmissionen zu entsenden, dann wäre 
dies meines Erachtens Verschwendung von Ressourcen. 
Wir haben aber in der Tat enorme Fortschritte in der 
Ausbildung von Experten gemacht, wie du genau weißt 
- du hast ja gestern bei deiner Rede zum siebten Geburts- 
tag von ZIF und zum Abschied von Winrich Kühne ein 
entsprechendes Buch sehr gelobt -, die schnell einsetzbar 
sind und die auch eingesetzt werden. 

Ich kann auch einmal die Zahlen nennen. Wir haben 
2003 angefangen, diesen Pool zu bilden. Ende 2003 waren 
400 Experten mit unterschiedlichsten Fachrichtungen in 
diesem Pool. Heute sind es 1 239 Experten. Dazu kommen 
die Ausbildungen, die für Polizisten gemacht worden 
sind, und die internationale Ausbildung, die wir auch für 
andere Organisationen durchführen. Hinzu kommt der 
Aufbau des Kofi-Annan-Centers in Afrika, in dem Wahl- 
beobachter ausgebildet werden und zum Beispiel auch 
entsprechende Trainings angeboten werden. 

Meines Erachtens ist das, was die Bundesregierung in 
dieser Zeit - auch nach 2005, als die Grünen nicht mehr 
in der Regierung waren - auf den Weg gebracht hat, 
enorm. 

Die Aufstockung des Haushalts ist bereits erwähnt 
worden. Ich bin stolz darauf, weil ich mich erinnere, dass 
wir unter Rot-Grün aber wirklich jedes Jahr um jeden 
Pfennig und um jede Million kämpfen mussten. 

(Winfried Nachtwei [BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN]: Richtig!) 

So wurden nach dem Jugoslawienkrieg - das war ja ein 
guter Anlass - entsprechende Mittel in den Haushalt 
eingestellt, aber im nächsten Jahr waren sie wieder ver- 
schwunden; da gab es dafür keinen Pfennig mehr. Dann 
haben wir als Parlamentarier gemeinsam dafür gekämpft, 
dass sie restituiert wurden. Das waren damals 20 Millionen 
DM, also 10 Millionen Euro. Wir verzeichneten dann einen 
relativ geringen Zuwachs, aber von 2006 auf 2009 gab 
es nicht nur eine Verdopplung, sondern eine Steigerung 
von 10,9 Millionen Euro auf über 100 Millionen Euro. 
Ich meine, das isl ganz beachtlich. 

Außerdem gibt es auch noch andere Mittel im Haus- 
halt, die nicht beim Auswärtigen Amt, sondern beim 
BMZ veranschlagt sind und dafür verwendet werden 
können. Zudem gibt es Gelder im Haushalt des BMI. Ich 
halte daher die Kritik, die hier angeführt wurde, für unge- 
recht, und die Unterlassungen, die angeprangert werden, 
sind schlicht nicht wahr. 

Natürlich hat Herr Haibach recht: Es gibt immer noch 
Verbesserungsmöglichkeiten. Aber wir arbeiten wirklich 
intensiv daran. Gerade gab es eine Sitzung des Aufsichts- 
rats des ZIF, dem wir angehören. Bei dieser Gelegenheit 
haben wir unter anderem zur Kenntnis nehmen können, 
dass das von dir monierte Defizit zwar nicht ganz abgestellt 
wurde, aber dass jetzt wesentlich mehr Mittel zur Verfü- 


gung Stehen, um eine verslärkle Öffentlichkeitsarbeit zu (C) 
betreiben. 

Im Übrigen, liebe Kolleginnen und Kollegen, muss 
ich Ihnen Folgendes sagen: Wir sind doch dafür verant- 
wortlich, diese Politik weiterzutragen. Wir sind doch 
verantwortlich, wenn es um Afghanistan geht, nicht nur 
über Soldaten und eventuelle Zwischenfälle zu sprechen, 
sondern auch einmal darzulegen, welch weites Spektrum 
wir an Projekten zum Wiederaufbau verfolgen. Da geht 
es nicht nur um ein halb leeres oder halb volles Glas; das 
ist in der Regel ein gemischtes Bild, und zwar auch auf 
der militärischen Seite. Niemand weiß das besser als du, 
Winni, der sich in diesem Bereich ja besonders häufig 
tummelt. 

Schließlich ist es verdammt befremdlich, wenn gesagt 
wird, die Soldaten müssten als Lückenbüßer und Leid- 
tragende dieser Politik der Unterlassungen herhalten. Es 
steht im ersten Absatz des Antrags, dass sie länger in 
Auslandseinsätzen bleiben müssten. Wenn ich es richtig in 
Erinnerung habe, ist es so, dass wir die Auslandseinsätze 
verkürzt statt verlängert haben. Außerdem sagen ganz 
viele, es sei ein erheblicher Fehler, dass unsere Leute 
nach vier oder sechs Monaten schon wieder wechseln 
müssten, weil sie im Umfeld gar nicht das notwendige 
Vertrauen bilden könnten. 

Ich wundere mich, dass es plötzlich eine Härte für die 
armen Soldaten und Soldatinnen sein soll, wenn sie auch 
zivile Aufgaben übernehmen müssen. Ich meine, wir hät- 
ten ganz bewusst die PRTs mit zivilen Aufgaben betraut 
und dies auch einmütig im Bundestag so verabschiedet. 

Ich sage noch ein Letztes: Ja, militärische Operationen (D) 
sind teuer. Aber wer im Gegenzug für die Gewährung 
von 10 Millionen Euro an Präventionsmitteln einem mil- 
liardenschweren Militärprojekt zustimmt, der sollte lieber 
nicht den Mund so voll nehmen, lieber Winni. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der 
CDU/CSU - Winfned Nachtwei [BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN]: Wenn sich alle anderen in der 
SPD wegducken!) 

Vizepräsident Dr. Hermann Otto Soims: 

Nächster Redner ist der Kollege Paul Schäfer von der 
Fraktion Die Linke. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Paul Schäfer (Köln) (DIE LINKE): 

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wie 
schön, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass wir zu vor- 
gerückter Stunde nicht nur einen Bundeswehreinsatz 
mandatieren, sondern auch über zivile Konfliktbearbeitung 
reden. Aus dem Alltag kennen wir ja den sinnvollen 
Grundsatz „Vorbeugen ist besser als Heilen“. Ich finde, 
dieser isl auch unbedingt in der Außenpolitik zu beachten. 

Wenn dann doch geheilt werden muss, gilt allemal: Eine 
schonende Behandlung ist in aller Regel besser, als mit 
Brachialgewalt vorzugehen, schon allein deshalb, weil man 
dadurch die Nebenwirkungen - hier sollte ich vielleicht 
besser von Kollateralschäden reden - geringer halten kann. 

(Beifall bei der LINKEN) 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Paul Schäfer (Köln) 

Schließlich ist darauf zu achten, dass bei den Arznei- 
mitteln auch das drin ist, was außen draufsteht. Spätestens 
seitdem im Zweiten Bericht der Bundesregierung über 
die Umsetzung des Aktionsplans „Zivile Krisenprävention, 
Konfliktlösung und Friedenskonsolidierung“ European 
Battle-Groups, also schnelle Eingreiftruppen, als Instru- 
mente der Krisenprävention angeführt werden, weiß 
man, dass man es mit einer Mogelpackung zu tun hat, 
wenn die Bundesregierung von ziviler Krisenprävention 
redet. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Dieses Beispiel zeigt, dass wir schon sehr genau gucken 
müssen, womit wir es zu tun haben, wenn heute von ver- 
netzter Sicherheit und zivil-militärischer Zusammenarbeit 
die Rede ist. Letztlich geht es um die Frage, ob wir es 
nicht vielleicht auch mit einer vergifteten Rezeptur zu 
tun haben. 

Das Zivil-Militärische ist ja so bahnbrechend neu 
nicht. Die amerikanischen Militärs haben schon längst 
gelernt, dass sie bei Interventionen in innerstaatliche 
Konflikte - darum handelt es sich ja auch heute zumeist - 
mit militärischen Mitteln nicht weit kommen. Es steht 
schon in Handbüchern der US-Army zur Aufstandsbe- 
kämpfung aus den 50er-Jahren, dass der wirtschaftliche 
Aufbau entscheidend ist, dass es entscheidend ist, mög- 
lichst schnell eine vernünftige Regierung zu etablieren, 
und dass man die Herzen und Köpfe der Menschen ge- 
winnen muss. Aber was ist im wirklichen Leben daraus 
geworden? Das kann man an Vietnam studieren, am Irak 
und konnte man auch lange Zeit in Afghanistan studieren. 
Deshalb ist Vorsicht geboten bei solchen Rezepten - diese 
muss man genau abklopfen -, die von militärisch geführter 
Außenpolitik vereinnahmt werden, um damit weiterzu- 
kommen. Damit muss man sich kritisch auseinanderset- 
zen. Die Grünen tun dies nicht oder zu wenig; und das 
merkt man dem Antrag an. 

Wer sich wirklich schlaumachen will und sich über 
Krisenprävention und zivile Konfliktbearbeitung als eine 
Alternative und nicht als Anhängsel des Militärischen 
Gedanken machen will, dem empfehle ich die aktuelle, 
gerade erschienene Studie Erfolgreich gewaltfrei von 
Christine Schweitzer, die für das Institut für Auslandsbe- 
ziehungen erarbeitet worden ist. Dort sind eine Menge 
Vorschläge enthalten, die durch praktische Politik um- 
gesetzt werden könnten. 

Ich möchte nur drei Elemente nennen: Erstens. Es ist 
entscheidend, in Konflikte einzugreifen, bevor sie gewalt- 
trächtig werden. Das heißt, wir müssen uns über Frühwarn- 
systeme Gedanken machen und uns vor allem auf die zivil- 
gesellschaftlichen, lokalen Akteure vor Ort stützen. 

Zweitens. Es darf nicht zu einer Arbeitsteilung der Art 
kommen, dass sich auf staatlicher Ebene um die militäri- 
schen Mittel gekümmert wird, während die zivilgesell- 
schaftlichen Akteure für die zivilen Mittel zuständig sind. 
Der absolute Vorrang des Zivilen muss für alle Akteure 
gelten, weil nur so eine Zivilisierung von Konflikten zu 
erreichen ist. 

(Beifall bei der LINKEN) 


Drittens. Die Konfliktbearbeitung muss entscheidend (C) 
durch die staatlichen bzw. zivilgesellschaftlichen Akteure 
vor Ort erfolgen. Frieden ist nur zu erreichen, wenn er 
von der jeweiligen Bevölkerung mitgetragen wird. Das ist 
gleichbedeutend mit einer Absage an alle patemalistischen, 
bevormundenden Konzepte des sogenannten Nation- 
Building, das von außen und mit militärischer Hilfe voran- 
getrieben wird. Das funktioniert nicht, 

(Beifall bei der LINKEN) 

bzw. der Preis dafür isf, wie man am Beispiel Irak sehen 
kann, zu hoch. 

Der Antrag der Grünen - leider haben wir sehr wenig 
Zeit, ihn zu diskutieren - enthält in der Tat vieles, was an 
Regierungshandeln in den nächsten vier Jahren umge- 
setzt werden müsste. Uns fehlt die Trennschärfe zu dem, 
was ich als vergiftete Rezeptur bezeichnet habe. Es fehlt 
eine klare Distanz zum militärischen Interventionismus 
der NATO und der EU. Deshalb werden wir dem Antrag 
in der vorliegenden Fassung nicht zustimmen können. 

Wir werden uns enthalten, um zu dokumentieren, dass er 
eine Menge enthält, was unterstützt und aufgegriffen 
werden muss, wenn wir den fälligen Paradigmenwechsel 
in der Außenpolitik erreichen wollen. 

Vielen Dank. 

(Beifall bei der LINKEN - Winfried Nachtwei 
[BÜNDNIS 90/DlE GRÜNEN]: Zum Paradig- 
menwechsel ist von euch noch nichts Kon- 
struktives gekommen!) 

(D) 

Vizepräsident Dr. Hermann Otto Soims: 

Ich schließe die Aussprache. 

Wir kommen zur Abstimmung über den Antrag der 
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auf Drucksache 16/13392 
mit dem Titel „Zivile Krisenprävention und Friedensför- 
derung brauchen einen neuen Schub“. Wer stimmt für 
diesen Antrag? - Gegenstimmen? - Enthaltungen? - Der 
Antrag ist mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen bei 
Zustimmung von Bündnis 90/Die Grünen und Enthaltung 
der FDP-Fraktion und der Fraktion Die Linke abgelehnt. 

Ich rufe Tagesordnungspunkt 1 5 auf: 

Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- 
richts des Auswärtigen Ausschusses (3. Aus- 
schuss) zu dem Antrag der Bundesregierung 

Anpassung des Einsatzgebietes für die Beteili- 
gung bewaffneter deutscher Streitkräfte an 
der EU-gefübrten Operation Atalanta zur Be- 
kämpfung der Piraterie vor der Küste Soma- 
lias 

-Drucksachen 16/13187, 16/13393 - 

B erichterstattung : 

Abgeordnete Eckart von Klaeden 
Gert Weisskirchen (Wiesloch) 

Dr. Werner Hoyer 
Dr. Norman Paech 
Kerstin Müller (Köln) 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms: 

Hierzu liegen zwei Entschließungsanträge der Frak- 
tion Bündnis 90/Die Grünen vor. Über die Beschluss- 
empfehlungen werden wir später namentlich abstimmen. 

Nach einer interfraktionellen Vereinbarung ist für die 
Aussprache eine Dreiviertelstunde vorgesehen. Gibt es 
Widerspruch dagegen? - Das ist nicht der Fall. Dann ist 
das so beschlossen. 

Ich eröffne die Aussprache und erteile als erstem Red- 
ner das Wort dem Kollegen Niels Annen. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

Niels Annen (SPD): 

Herr Präsident! Meine lieben Kolleginnen und Kolle- 
gen! Die somalischen Piraten haben ihre Aktivitäten aus- 
gedehnt. Sie sind aufgrund der erfolgreichen Operation 
„Atalanta“ in den Süden und den Südosten ausgewichen. 
Sie haben in den letzten Wochen und Monaten vermehrt in 
den Hoheitsgewässem der Seychellen agiert. Die Regie- 
rung der Seychellen hat deshalb die Europäische Union 
um Unterstützung bei der Bekämpfung der Piraterie ge- 
beten. Im Hinblick auf unser bisheriges Engagement im 
Golf von Aden halte ich es deshalb für folgerichtig, den 
Seychellen im Kampf gegen die Piraterie zur Seite zu 
stehen. Ich bitte Sie deshalb, meiner Fraktion zu folgen 
und dem Antrag der Bundesregierung zuzustimmen. 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

Die zentrale Bedeutung sicherer Seerouten für die 
Exportnation Deutschland steht außer Frage. Deutsche 
Reeder betreiben die drittgrößte Handelsflotte der Welt. 
Deutschland ist - das belegen international verifizierte 
Zahlen - am stärksten von der Piraterie am Hom von 
Afrika betroffen. Umso wichtiger ist es, dass wir dafür 
sorgen, dass die deutsche Wirtschaft, aber vor allem die 
Weltwirtschaft insgesamt vor weiterem Schaden durch die 
Unsicherheit in dieser strategisch wichtigen Region ge- 
schützt wird. Man könnte einwenden, dass nur 0,01 Pro- 
zent des internationalen Handelsverkehrs direkt von der 
Piraterie betroffen sei. Das stimmt. Aber die Folgekosten 
sind auch ein Aspekt, über den wir hier miteinander dis- 
kutieren müssen. Diese Kosten ergeben sich aufgrund 
der Aufstockung des Personalbedarfs, der Umleitung 
über andere Seewege, der erhöhten Vorsichtsmaßnah- 
men sowie aufgrund der entsprechend verteuerten Versi- 
cherungen. Sie wissen vielleicht, dass durch die Piraterie 
in der Region vor Somalias Küste die Versicherungsprä- 
mien für die Schifffahrt bereits um das Dreifache ange- 
stiegen sind. 

Außer Frage steht auch die Notwendigkeit - das ist 
vielleicht der wichtigste Punkt -, die somalische Bevöl- 
kerung mit Hilfsgütem zu versorgen. 3 Millionen Men- 
schen in Somalia sind abhängig von Lebensmittelhilfen 
internationaler Hilfsorganisationen. 1 Million Flücht- 
linge haben keinen Zugang zu Hilfsgütem, da ihnen der 
Zugriff von Milizen in diesem vom Bürgerkrieg geplag- 
ten Land verwehrt wird. Dürren und Überflutungen ha- 
ben ihr Übriges zu dieser Situation beigetragen. So 
wächst die extreme Armut in Somalia weiter. 


Vor diesem Hintergmnd ist es ein Erfolg, dass seit (C) 
dem Beginn dieser Operation alle Schiffe, die Hilfsgüter 
für das Weltemährungsprogramm transportiert haben, 
Somalia erreichen konnten. Über 1 Million notleidende 
Menschen wurde auf diese Weise mit Nahmngsmitteln 
versorgt. Ich bedanke mich an dieser Stelle bei den Sol- 
datinnen und Soldaten, die dazu beigetragen haben, dass 
das möglich wurde. 

(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und dem 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Seit Beginn der Operation „Atalanta“ ist die Zahl der 
erfolgreichen Piratenangriffe auf Handelsschiffe in der 
Region zurückgegangen. Viele Angriffe sind sicherlich, 
auch wenn man das empirisch nicht belegen kann, allein 
durch die Präsenz unserer Marine verhindert worden. 

Die Überwachung der Handelsschifffahrt sowie die re- 
gelmäßigen Gmppenpassagen, durchgelührt mithilfe des 
Maritime Security Center, haben ebenfalls zur Erhöhung 
der Sicherheit der Seeschifffahrt beigetragen. 

Ich sage an dieser Stelle aber auch ganz klar: Auch 
bei den Reedern und Kapitänen muss zum Teil ein Um- 
denken stattfinden. Sie müssen wissen: Wer geschützt 
sein will, muss auch bereit sein, sich schützen zu lassen. 

Noch immer sind weniger als die Hälfte aller Schiffe, die 
den Golf von Aden passieren, beim MSC registriert. 
Aufgmnd der Analysen der Entlühmngsfälle, die uns 
zum Teil vorliegen, lässt sich eindeutig feststellen, dass 
ein Großteil dieser Entlühmngen hätte verhindert wer- 
den können, wenn eine entsprechende Meldung beim 
MSC eingegangen wäre. 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

Ich kann daher an dieser Stelle nur an die Verantwortli- 
chen appellieren, sich mit den entsprechenden Institutio- 
nen in Verbindung zu setzen. 

Meine Damen und Herren, über viele Detailfragen 
muss sicherlich in Zukunft noch diskutiert werden. Für 
meine Fraktion steht aber fest, dass die Piraterie nur be- 
siegt werden kann, wenn die Anrainerstaaten ihrer Ver- 
antwortung nachkommen und wenn wir vor allem end- 
lich dafiir sorgen, dass es eine Staatlichkeit in Somalia 
gibt. Wir müssen eine Entwicklungsperspektive für die- 
ses Land schaffen. Allen Kritikern sage ich - einige re- 
den ja noch -: Es geht mir nicht darum, den Eindruck zu 
erwecken, wir könnten mit den leider notwendigen mili- 
tärischen Instrumenten, die wir jetzt an wenden, einen 
Ersatz für die Staatlichkeit und für die innere Entwick- 
lung Somalias bieten. Wir sind uns ja alle dessen be- 
wusst, dass wir im Moment an den Symptomen herum- 
doktem. 

(Hans-Christian Ströbele [BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN]: So isles!) 

Somalia isl ein tragisches Beispiel dafür, wie drama- 
tisch sich eine wichtige Region in der Welt entwickeln 
kann, wenn man viel zu lange wegschaut. 

(Hans-Christian Ströbele [BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN]: Wir schauen immer noch weg!) 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Niels Annen 

(A) Unsere Präsenz sollte ein Zeichen dafür sein, dass wir 
Verantwortung übernehmen und die Entwicklung im In- 
teresse der Menschen in Somalia weiter fordern wollen. 

Ich bitte um Zustimmung und bedanke mich für die 
Aufmerksamkeit. 

(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und der 
FDP) 

Vizepräsident Dr. Hermann Otto Soims: 

Das Wort hat jetzt die Kollegin Birgit Homburger von 
der FDP-Fraktion. 

(Beifall bei der FDP) 

Birgit Homburger (FDP): 

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir 
stimmen heute nicht über ein neues Mandat ab, sondern 
schlicht über die Ausweitung des Operationsgebietes. 

Pünktlich zum heutigen Tage hat das internationale 
Schifffahrtsbüro in Kuala Lumpur mitgeteilt, dass in den 
letzten zwei Wochen acht Piratenangriffe vor der Küste 
von Oman, im Arabischen Meer und im südlichen Roten 
Meer zu verzeichnen waren. Es hat festgestellt, dass die 
Piraten ihr Einsatzgebiet weiter ausgedehnt haben. Was 
sagt uns das? Es sagt uns, dass die heute zu beschlie- 
ßende Ausweitung des Mandatsgebiets nicht falsch ist, 
aber voraussichtlich auch nicht reichen wird. 

(Beifall bei der FDP) 

Der Kollege Stinner hat bereits in der ersten Lesung 
' ' deutlich gemacht: Wenn die Piraterie nicht endlich aktiv 
bekämpft wird, dann wird man alle sechs Monate das 
Operationsgebiet ausweiten müssen. Nach dem, was wir 
heute mitgeteilt bekommen haben, Herr Minister, habe 
ich den Eindruck, Sie können gleich morgen mit der Vor- 
bereitung des Erweiterungsmandats beginnen. 

Die Grundprobleme - das zeigt sich an dem, was wir 
heute hier zu beschließen haben - bleiben ungelöst. Ein 
Grundproblem ist, dass das Operationsgebiet mit den 
vorhandenen Schiffen schon heute nicht abzudecken ist. 
Experten sagen uns ganz klar: Allein für die Kontrolle 
des Golfs von Aden bräuchte man 60 Schiffe und für das 
Seegebief rund um Somalia 150 Schiffe. Die zentrale 
Frage, wie die Sicherheit bei Ausweitung des Opera- 
tionsgebiets gesteigert werden soll, wenn nicht gleich- 
zeitig die Zahl der Militärschiffe erhöht wird, beantwor- 
ten Sie nicht. Es besteht die Befürchtung, dass das Ganze 
eine reine Placeboaktion ist, die der Beruhigung der Öf- 
fentlichkeit dienen soll, eine Vertuschung der Tatsache, 
dass mit dieser Mission eine Eindämmung der Piraterie 
im Augenblick nicht erreicht werden kann. 

(Beifall bei der FDP) 

Wir brauchen endlich eine Umsetzung des robusten 
Mandats und eine Beendigung der Verunsicherung der 
Soldatinnen und Soldaten durch die Bundesregierung. 
Der ständige Hinweis, dass der Hauptzweck der Mission 
nicht etwa die Festnahme von Piraten sei, sondern die Be- 
gleitung von Schiffen, hat in der Vergangenheit - das wis- 
sen wir von den Soldatinnen und Soldaten vor Ort - zu er- 


heblicher Verunsicherung geführt. Deswegen sagen wir 
Ihnen noch einmal ganz klar: Wir sind froh, dass wir hier 
ein robustes Mandat haben, dass wir Einsatzregeln haben, 
die international mithalten können, die sogar besser sind 
als die von manchem anderen europäischen Land, das 
sich ebenfalls an der Mission „Atalanta“ beteiligt. Aber 
diese Einsatzregeln müssen jetzt auch angewendet wer- 
den dürfen. Es muss eine aktive Pirateriebekämpfung 
stattfinden: eine Bekämpfung der Mutterschiffe, eine Be- 
schlagnahme von Schiffen und eine Festsetzung von Pi- 
raten. Das ist mindestens genauso wichtig wie die Beglei- 
tung von Schiffen. 

(Beifall bei der FDP) 

Wir sind darüber hinaus der Auffassung, dass es einer 
besseren Koordinierung bedarf und dass der Schönheits- 
wettbewerb, wer besser die Piraterie bekämpfen kann, 
den sich die Nationen im Augenblick liefern, beendet 
werden muss. Im Augenblick sind in diesem Seegebiet 
43 Schiffe aus 21 Nationen in vier verschiedenen Mis- 
sionen vor Ort und weitere 13 Schiffe unter nationalem 
Kommando. Was das an Koordinierungsaufwand bedeu- 
tet, können wir uns hier wahrscheinlich nicht wirklich 
vorstellen. Deswegen sage ich ganz deutlich: Die Ko- 
ordinierung muss verbessert werden, zum Beispiel durch 
die Bündelung der Kommandos, mittelfristig allerdings 
am besten durch eine gemeinsame Gesamtoperation. 

(Beifall bei der FDP) 

Ein weiterer Kritikpunkt aus unserer Sicht ist das Zu- 
ständigkeitshickhack. Deswegen müssen wir dafür sor- 
gen, dass kein Staatssekrefärsausschuss mehr benötigt 
wird und klare Regeln dafür geschaffen werden, wie mit 
festgesetzten Piraten umgegangen werden soll. Wir er- 
warten verstärkte Anstrengungen der Bundesregierung, 
auf internationaler Ebene zu einer Lösung zu kommen, 
beispielsweise in der Form, dass der Internationale Straf- 
gerichtshof die Zuständigkeit für die Piraterieverfolgung 
zugewiesen bekommt. 

Die politische Flankierung in der Region - das ist 
vom Vorredner völlig zu Recht angesprochen worden - 
ist auch für uns ein ganz wichtiger Schwerpunkt. Wir er- 
warten, dass politische Initiativen zur Stabilisierung der 
Region ergriffen werden und dass man eben nicht nur 
militärisch versucht, dieses Problems Herr zu werden. 

(Beifall bei der FDP) 

Mein letzter Punkt ist eine Forderung, die ich an die 
Reedereien richte. Wir wissen aufgrund der Erfahrungen 
in den vergangenen Wochen - der Verteidigungsminister 
hat es in der ersten Lesung hier auch noch einmal deut- 
lich gemacht -, dass es nach wie vor Reedereien gibt, die 
sich nicht gesicherten Konvois anschließen. Wer so han- 
delt, trägt nicht nur Verantwortung dafür, dass die eigene 
Besatzung gefährdet wird, sondern auch dafür, dass sich 
die Piraterie durch Lösegeldzahlungen weiter finanzie- 
ren kann. Auch die Reeder müssen also ihre Verantwor- 
tung wahmehmen. 

(Beifall bei der FDP) 

Meine Damen und Herren, die FDP-Bundestagsfrak- 
tion stimmt dem Mandatsantrag der Bundesregierung 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Birgit Homburger 

zur Ausweitung des Operationsgebiets zu, weil wir nicht 
wollen, dass die deutsche Marine bzw. die Soldatinnen 
und Soldaten, die vor Ort sind und im Übrigen einen her- 
vorragenden Job machen, den Piraten hinterherwinken 
müssen. 

(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

Ich sage aber auch: Effektiv ist das jetzige Vorgehen 
nicht. 

Vielen Dank. 

(Beifall bei der FDP) 

Vizepräsident Dr. Hermann Otto Soims: 

Das Wort hat der Kollege Karl-Georg Wellmann von 
der CDU/CSU-Fraktion. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Karl-Georg Wellmann (CDU/CSU): 

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wir haben 
heute zu entscheiden, ob das „Atalanta“-Mandat erwei- 
tert wird. Worum geht es? Durch den Golf von Aden und 
die angrenzenden Seegebiete führt eine der wichtigsten 
Schifffahrtsstraßen der Welt. Die Zahl der Piratenan- 
griffe ist drastisch gestiegen. 2008 gab es 111 Überfalle 
und 42 Entführungen. Bis Mai dieses Jahres gab es 
schon 114 Überfalle und 29 Entführungen. Wegen der 
Piratenangriffe drohte die Nutzung dieser Schifffahrts- 
straße in Gefahr zu geraten, zum einen wegen der hohen 
Gefahr für Leib und Leben der Seeleute - ich möchte da- 
ran erinnern, dass im Mai mehr als 200 Menschen in der 
Gewalt der Piraten waren -, zum anderen rein ökono- 
misch wegen der drohenden Verluste aufgrund der hohen 
Lösegelder und der stark gestiegenen Versicherungsprä- 
mien. 

Wir alle sind uns einig: Es gibt vor Ort keine regio- 
nale Ordnungsmacht, die der Piraterie ein Ende bereiten 
könnte - weder in Somalia noch im Jemen. Somalia 
existiert als Staat nur auf dem Papier. Das ist Gewalt 
ohne Staat, wie Annette Weber von der SWP kürzlich 
gesagt hat. 

Die Linkspartei ist gegen diesen internationalen Ein- 
satz, wie sie überhaupt gegen die Übernahme internatio- 
naler Verantwortung durch die Bundesrepublik ist. 

(Dr. Norman Paech [DIE LINKE]: Das auf 
keinen Fall!) 

Herr Paech, Sie haben sich, als es um die eigentliche 
Mandatierung ging, in einem Antrag dazu verstiegen, für 
die schlechte Sicherheitslage und die Radikalisierung 
der Konfliktparteien die internationale Gemeinschaft 
verantwortlich zu machen. Es kommt noch schlimmer: 
Sie haben in diesem Antrag gesagt, hinter „Atalanta“ 
stecke in Wahrheit die sinistre Absicht, die Seesicherheit 
zu militarisieren. Das entspricht in etwa dem Niveau Ih- 
res Parteivorsitzenden: Dieser hat ja im Europawahl- 
kampf gesagt, die europäische Integration diene in 
Wahrheit dazu, Europa zu militarisieren. 


(Dr. Norman Paech [DIE LINKE]: Da hat er 
nicht ganz unrecht!) 

Die Aussagen dieses Antrages liegen auf dem Niveau 
dieses Geschwafels von Herrn Bisky. 

Hätten wir den internationalen Marineeinsatz dort un- 
ten nicht und könnten die Piraten ungestört ihr verbre- 
cherisches Handwerk ausüben, dann käme kein Schiff 
des Weltemährungsprogramms mehr nach Somalia, und 
vielen Menschen würde der Hungertod drohen. 

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und 
der SPD) 

Dann käme der Verkehr im Suezkanal zum Erliegen, aus 
dessen Betrieb Ägypten wichtige Einnahmen für den 
Sfaafshaushalt erzielt. Dann könnten schließlich Schwel- 
lenländer, wie zum Beispiel Indien, ihre Güter nicht 
mehr nach Europa liefern. Es würden also alle diejeni- 
gen getroffen werden, die ohnehin schon benachteiligt 
sind und zum Teil in Not und Elend leben. Herr Paech, 
die Politik Ihrer Partei ist schlichtweg unverantwortlich, 
und wegen dieser unverantwortlichen Politik sind Sie 
notorisch regiemngsunfähig. 

Jeder weiß, das Problem ist nicht militärisch zu lösen. 
Wir brauchen einen politischen Ansatz. Wir brauchen 
den Aufbau einer Staatlichkeit in Somalia, die Sicherheit 
schafft und der Bevölkemng ein eigenes Auskommen er- 
möglicht. Wer aber die Fordemng aufstellt, man solle die 
Piratenbekämpfung einstellen und stattdessen Somalia 
aufbauen, hat entweder keine Ahnung von den Verhält- 
nissen oder will die Öffentlichkeit mit populistischen 
Sprüchen in die Irre führen. Somalia isf ein Gebilde, in 
dem Warlords und bewaffnete Clanmilizen Macht aus- 
üben und in dem es zu allem Übel noch Dschihad- 
Kämpfer gibt, die für zahlreiche Mordfafen verantwort- 
lich sind, unter anderem an Journalisten und zivilen Auf- 
bauhelfern in Somalia. Die Warlords und Clanführer 
sind nichts anderes als Geschäftsleute und Berufskrimi- 
nelle in Personalunion. Was wollen Sie dagegen ma- 
chen? Gut Zureden oder die Caritas nach Somalia schi- 
cken? Was denen blüht, können Sie jeden Tag in der 
Zeitung lesen, Herr Trittin. Ich erinnere an die schreckli- 
chen Vorkommnisse und Morde im Jemen. 

Es zeugt von naivem Kinderglauben, wenn man sagt, 
dass, wenn man die illegale Fischerei beseitige, die ei- 
gentliche Ursache der Piraterie behoben sei. Die Pirate- 
rie ist in Somalia inzwischen zu einer höchst lukrativen 
Industrie mit Millionengewinnen geworden. Die Piraten 
stammen nach unserer Kenntnis primär aus dem Clan 
des früheren Präsidenten Jussuf, der sich im Moment mit 
Entführungen dumm und dämlich verdient. Das hat 
nichts, aber auch gar nichts mit illegaler Fischerei zu tun. 

Ich glaube nicht, dass bei uns irgendein Verantwortli- 
cher auf den Gedanken käme, in Somalia militärisch ein- 
zugreifen. Auch sonst ist niemand sichtbar, der das tun 
könnte, schon gar nicht die Afrikanische Union. Die 
Amerikaner verspüren nach ihrem blutigen Abenteuer in 
Somalia mit Sicherheit auch keine Neigung, sich dort 
militärisch zu engagieren. Es führt also kein Weg an der 
Marinemission zur Piratenbekämpfung vorbei. Im Ge- 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Karl-Georg Wellmann 

(A) genteil: Die Piratenbekämpfung ist die Voraussetzung 
für die Konsolidierung Somalias. 

Ich finde, die Bundesmarine hat diesen Auftrag bisher 
ebenso professionell wie angemessen ausgeführt. Den 
Soldaten auf den Schiffen gilt unser ausdrücklicher 
Dank dafür. 

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und 
der SPD sowie der Abg. Birgit Homburger 
[FDP] und des Abg. Winfried Nachtwei 
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) 

Frau Kollegin Homburger, der FDP ist das viel zu we- 
nig. Herr Stinner, ich habe Ihre Rede noch einmal gele- 
sen. Sie wollen viel schneidiger Vorgehen, insbesondere 
schneidig an die Mutterschiffe, nach dem Motto: Erst 
einmal versenken, und dann schauen wir, ob diejenigen, 
die da schwimmen, Piraten sind. Ich finde das angemes- 
sene und behutsame Vorgehen unserer Bundesmarine in 
Ordnung. Das wollen wir weiterhin sehen. Weil die Pira- 
ten - Herr Annen hat recht - ihre Angriffstaktik verän- 
dert haben, muss das Mandat an diese Veränderungen 
angepasst werden. Meine Fraktion wird deshalb dem 
Antrag der Bundesregierung zustimmen. 

Ich danke Ihnen. 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- 
neten der SPD) 

Vizepräsident Dr. Hermann Otto Soims: 

(B) Zu einer Kurzintervention erteile ich das Wort dem 
Kollegen Rainer Stinner. 

Dr. Rainer Stinner (FDP): 

Sehr verehrter Herr Kollege Wellmann, ich möchte 
nochmals darstellen, dass ich persönlich mich zwar für 
ein stärkeres Vorgehen gegen Mutterschiffe einsetze, das 
Wort „versenken“ von mir aber noch nicht ein einziges 
Mal benutzt worden ist. Das Wort „versenken“ ist im 
Deutschen Bundestag zum ersten Mal von Ihrem sehr 
geehrten Herrn Bundesminister Jung in der Antwort auf 
eine Zwischenfrage von mir gebraucht worden. „Bis 
zum Versenken“ hat er hier gesagt. Von mir ist das Wort 
„versenken“ noch nie benutzt worden. 

Sehr geehrter Herr Wellmann, ich bin aber in der Tat 
der Meinung, dass wir das Problem der Ausweitung un- 
ter anderem deswegen haben, weil wir Mutterschiffe 
nicht angreifen und weil die Piraten ihren Radius von 
Mutterschiffen aus erheblich ausweiten können. Wenn 
wir Mutterschiffe außer Kraft gesetzt hätten - das ist 
mein Terminus -, dann hätten wir das heutige Mandat 
wahrscheinlich gar nicht erst gebraucht. 

(Beifall bei Abgeordneten der FDP - Holger 
Haibach [CDU/CSU]: Was bedeutet denn „au- 
ßer Kraft setzen“ auf See?) 

Vizepräsident Dr. Hermann Otto Soims: 

Zur Erwiderung Kollege Wellmann, bitte. 


Karl-Georg Wellmann (CDU/CSU): 

Kollege Stinner, Sie haben es gerade wiederholt: Mut- 
terschiffe angreifen. Sie haben Bundesminister Jung 
neulich vorgeworfen, dass er nicht hinter den Mutter- 
schiffen her ist. Ich bin dafür, dass wir angemessen und 
behutsam Vorgehen, weil die indische Marine ein Schiff 
versenkt hat und es dabei Tote und Verletzte gab. 

(Dr. Rainer Stinner [FDP]: Er hat „versenken“ 
gesagt!) 

Ich wollte Ihnen nur Vorhalten, dass Sie sagen: Immer 
feste drauf und ran an die Sache. Ich finde das Vorgehen 
der Marine besser als Ihre Vorschläge. 

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und 

der SPD - Dr. Rainer Stinner [FDP]: „Versen- 
ken“ kommt vom Herrn Minister!) 

Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms: 

Das Wort hat jetzt der Kollege Norman Paech von der 
Fraktion Die Linke. 

(Beifall bei der LINKEN) 

Dr. Norman Paech (DIE LINKE): 

Herr Präsident! Meine lieben Kolleginnen und Kolle- 
gen! Um gleich zu Beginn keinen Zweifel aufkommen 
zu lassen: Die Sicherheit des Schiffsverkehrs auf allen 
Meeren muss garantiert werden, und es darf keinen 
Raum für Piraterie geben. 

(Beifall des Abg. Klaus Brähmig [CDU/CSU]) 

Die völkerrechtlichen Grundlagen dafür sind ganz ein- 
deutig. 

Nach deutschem Recht ist das aber Sache der Polizei, 

(Lachen bei Abgeordneten der CDU/CSU und 
der FDP) 

und die Verfassung verbietet es, dass diese Aufgabe der 
Bundeswehr übertragen wird. 

(Beifall bei der LINKEN - Birgit Homburger 
[FDP]: Aber nicht vor Somalia!) 

Deswegen hat die Linke von Anfang an den Einsatz der 
Bundesmarine vor Somalia abgelehnt. Dabei bleiben wir 
auch jetzt. 

Es gibt aber auch gravierende politische Einwände 
gegen die unkoordinierte Ansammlung von Schiffen aus 
aller Herren Länder im Indischen Ozean, um die Pirate- 
rie zu bekämpfen. Diese Einwände sind auch nicht durch 
eine bessere Koordinierung zu beseitigen. Im Wesentli- 
chen wird, wie Herr Annen gesagt hat, nur an Sympto- 
men kuriert. Im Grunde - hier bin ich mit Frau 
Homburger völlig einer Meinung - ist das auch nicht 
das, was dort gebraucht wird. 

Ich gebe Ihnen recht: Das sichere Geleit der Schiffe 
des Weltemährungsprogramms und der sichere Konvoi 
manch anderer Frachter sind Erfolge. 

(Gabriele Groneberg [SPD]: Na also!) 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Dr. Norman Paech 

(A) Das sind aber auch die einzigen Erfolge der gesamten 
Operation. Die Piraten sind viel erfolgreicher. Sie konn- 
ten nicht nur die Zahl ihrer Angriffe und ihre Erfolgsrate 
erhöhen, sondern auch ihr Einsatzgebiet enorm erwei- 
tern. Die UNO spricht von einem Anstieg um über 
600 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahres- 
zeitraum. Jetzt wollen Sie mit dem neuen Mandat das 
Operationsgebiet der Fregatten ausweiten. Glauben Sie 
eigentlich, dass Sie die Piraten auf 5 Millionen Quadrat- 
kilometern besser bekämpfen können als auf 3,5 Millio- 
nen Quadratkilometern, obwohl Sie sie nicht einmal auf 
den bisherigen 3,5 Millionen Quadratkilometern in den 
Griff bekommen haben? 

(Beifall bei der LINKEN) 

Ich gebe zu bedenken: Mit jedem neuen Mandat wei- 
tet sich der Konflikt aus; Frau Homburger hat die wei- 
tere Perspektive bereits aufgezeigt. Zuletzt - auch das 
hat sie deutlich gemacht - haben die Piraten bei Oman, 
weit von der somalischen Küste entfernt, zugeschlagen. 
Es besteht die Gefahr, dass die Situation eskaliert und 
sich die Konflikte immer weiter ausdehnen. 

Ich will Ihnen sagen, worum es eigentlich geht. Vor 
den Seychellen gibt es reiche Thunfischbestände, die das 
Ziel internationaler Fischfangflotten sind. Diese Flotten 
sollen geschützt werden. Frankreich, Spanien, Südkorea 
und andere Länder betreiben dort in großem Maßstab 
Fischfang. Die US-Investmentfirma Lehman Brothers 
war dort an einer der größten Fischfabriken der Welt be- 
teiligt. All das können Sie auf der Homepage des Aus- 

(B) bärtigen Amtes nachlesen. 

Bereits im März dieses Jahres haben spanische 
Fischer den militärischen Schutz ihrer Fangflotte ange- 
fordert, während Spanien und Korea vom somalischen 
Parlament gerade der illegalen Fischerei beschuldigt 
werden. Es ist doch zynisch: Die Geberkonferenz für So- 
malia hat 213 Millionen Euro für den Aufbau von Si- 
cherheitsstrukturen zugesagt. Gleichzeitig verliert So- 
malia nach Angaben der UNO jährlich 300 Millionen 
US-Dollar durch die illegale Fischerei, die immer noch 
anhält. Was macht die EU dagegen? Sie sendet „Ata- 
lanta“. 

Eine unserer dringendsten Forderungen lautet: Stop- 
pen Sie die illegale Fischerei vor der Küste Ostafrikas 

(Beifall bei der LINKEN) 

und das illegale Mülldumping gleich mit! Denn beides 
zerstört die Lebensgrundlagen der Küstenbevölkerung 
und treibt sie geradezu in die Piraterie. Schaffen Sie für 
die Jugend Somalias legale Einnahmequellen, und stär- 
ken Sie die regionale Fischerei! Nur so lässt sich das 
Übel der Piraterie an seiner Wurzel bekämpfen. 

Darüber hinaus fordern wir nach wie vor den Aufbau 
einer UN-geführten Küstenwache der Anrainerstaaten, 
die von der Bundesrepublik ausgerüstet werden und an 
der sich die Bundespolizei beteiligen kann. Das geht 
zwar nicht so schnell wie die Entsendung von Fregatten, 
ist aber viel sinnvoller, wenn es darum geht, den Zugang 
der Piraten zum Meer zu unterbinden. 


Zum Schluss. Somalia braucht Stabilität und eine 
nachhaltige Entwicklung. Dazu gehören eigene Sicher- 
heitsstrukturen und ein eigener Küstenschutz. Statt dort 
Konvoi zu fahren, sollten vordringlich diese Strukturen 
aufgebaut werden. Das Abkommen von Djibouti vom 
Januar dieses Jahres, mit dem sich neun Staaten der Re- 
gion zu konkreten gemeinsamen Schritten bei der Be- 
kämpfung der Piraterie verpflichtet haben, ist dabei ein 
wichtiger Schritt. Jetzt muss es umgesetzt werden. Hier- 
für sollte die Bundesregierung Geld zur Verfügung stel- 
len und Unterstützung leisten. 

Danke schön. 

(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert 
Winkelmeier [fraktionslos]) 

Vizepräsident Dr. Hermann Otto Soims: 

Das Wort hat der Kollege Jürgen Trittin vom Bünd- 
nis 90/Die Grünen. 

Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): 

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Lieber 
Herr Kollege Paech, Ihre Erzählung kommt mir ein biss- 
chen wie die einer berühmten Figur von Herrn Moers 
vor. Sie heißt Käpt’n Blaubär. 

(Heiterkeit bei der CDU/CSU) 

Wenn Käpt’n Blaubär erzählen würde, dass man die Pi- 
raten vor der Küste Somalias mit einer Hafenbarkasse 
der Hamburger Hafenpolizei bekämpfen könnte, 

(Zuruf von der SPD: Das hört sich nach Hein 
Blöd an!) 

würde ihm das nicht einmal Hein Blöd abnehmen. 

(Heiterkeit und Beifall beim BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN, bei der CDU/CSU, bei der 
SPD und der FDP) 

Damit komme ich auch zu den ernsten Punkten bei 
diesem Thema. 

Erste Bemerkung: Manche Ihrer Einschätzungen, was 
die illegale Fischerei und das Mülldumping an dieser 
Stelle angeht, teile ich ja. Das ist alles richtig. Wenn Sie 
glauben, die Schiffe beispielsweise des World Food Pro- 
grammes, auf deren Lieferungen Zehntausende von So- 
malis angewiesen sind, könnten darauf warten, dass die 
Anrainerstaaten irgendwann gemeinsam eine entspre- 
chende Küstenwache aufgebaut haben, irren Sie sich 
aber. Sie können nicht warten. Es ist unsere Pflicht, diese 
Menschen schlicht und ergreifend nicht verhungern zu 
lassen. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, 
bei der CDU/CSU, der SPD und der FDP - 
Zuruf von der LINKEN : Das hat er doch auch 
gesagt!) 

Das, was Sie sagen, muss man natürlich auch machen. 
Da stimme ich Ihnen zu. Das ist aber kein Argument, 
sich gegen das auszusprechen, was hier getan wird, näm- 
lich mit dafür zu sorgen - das ist einer der Erfolge der 
Bundesmarine -, dass diese Schiffe wieder durchkom- 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Jürgen Trittin 

men. Das kann man doch nicht einfach ignorieren und 
erklären: Wir warten jetzt einmal ab. Anschließend 
bauen wir eine schicke kleine Küstenwache auf Am 
Ende klappt das dann. - So geht es nicht. Damit verhält 
man sich den Menschen gegenüber nicht verantwortlich. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
und bei der SPD) 

Zweite Bemerkung: Sie alle, die gesagt haben, die Ur- 
sache des Problems liege an Land, haben recht. Sie liegt 
in der Tat in einer zerfallenen Gesellschaft, in zerfallener 
Staatlichkeit. Sie alle, die sagen, man werde dieses Pro- 
blem auch an Land nicht militärisch lösen können, haben 
ebenfalls recht. Als im Sicherheitsrat der Vereinten 
Nationen einmal diese Frage aufkam und es den dringen- 
den Wunsch gab, eine Peacekeeping-Mission nach So- 
malia zu schicken, haben sich der Chef des Departments 
of Peacekeeping Operations und der UN-Generalsekre- 
tär mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, und zwar 
mit dem ganz einfachen Argument: There is no peace to 
keep. - Das ist das Problem, das wir dort haben. 

Deswegen muss man sich diesem Problem seriöser 
nähern. Zum einen ist es notwendig, diesen Einsatz zur 
See zur Bekämpfung und Eindämmung der Piraterie 
durchzuführen. Zum anderen müssen die europäische 
und die deutsche Außenpolitik darangehen, den Stellver- 
treterkrieg, den Eritrea und Äthiopien in Somalia führen, 
zu beenden. Man darf also kein Gegeneinander auf- 
bauen; denn beides ist erforderlich. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Dritte Bemerkung: Wenn man Pirateriebekämpfung 
durchführt, muss man dies kohärent und rechtsstaatlich 
machen. Mit meiner Vorstellung einer Wertegemein- 
schaft, wie sie die Europäische Union darstellt, ist es 
nicht zu vereinbaren, wenn der Piraterie Verdächtige von 
einigen Teilnehmerstaaten von „Atalanta“ einfach im Je- 
men am Strand wieder ausgesetzt werden und von ande- 
ren mal eben in Frankreich vor Gericht gestellt werden, 
während Dritte händeringend andere Gerichtshöfe su- 
chen. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Ich erwarte von der Bundesregierung, dass sie sich 
bei der nächsten Verabschiedung einer gemeinsamen 
Aktion der Europäischen Union dafür einsetzt, dass es 
ein einheitliches rechtsstaatliches Verfahren für diejeni- 
gen gibt, die bei der Piraterie aufgegriffen und der Bege- 
hung von Straftaten und Verstößen gegen das Seerechts- 
übereinkommen verdächtigt werden. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Das liegt noch weit unterhalb dessen, was wir Ihnen 
in unserem Entschließungsantrag Vorschlägen, in dem 
wir Sie auffordem, sich für einen internationalen Seege- 
richtshof einzusetzen. Ich nehme durchaus zur Kenntnis, 
dass die Bundesregierung - übrigens interessanterweise 
zusammen mit Russland - an dieser Stelle in Richtung 
UN- Sicherheitsrat aktiv geworden ist. 


Ich denke, unterhalb dieser Schwelle müssen Sie si- 
cherstellen, dass es ein einheitliches Verfahren der EU 
gibt. 

Vierte Bemerkung. Kohärenz heißt auch, dass dieses 
- ich weiß nicht, ob ich das richtig gehört habe - Schau- 
laufen, das dort stattfindet, aufhören muss. Wir haben ein 
größeres Gebiet zu sichern. Um es zu sichern, brauchen 
wir mehr Schiffe; denn wenn die Piraten ausweichen, 
muss man darauf reagieren. Deswegen sind wir ja für die 
Erweiterung des Mandats. Aber was soll das Nebeneinan- 
der von OEF, von zwei NATO-Missionen und „Atalanta“? 
Im Ausschuss kam aus der Regierung der Hinweis, was 
da stattfindet, sei ein unschöner Schönheitswettbewerb; 
aber das sei halt die NATO. Wenn das so ist, warum lassen 
Sie das denn zu? Ist es nicht mehr so, dass NATO-Missio- 
nen einstimmig beschlossen werden müssen? 

(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNIS- 
SES 90/DIE GRÜNEN und der FDP) 

Und wenn Sie sagen: „Aus bündnispolitischen Gründen 
wollen wir in der NATO nicht den Veto-Hans spielen“, 
frage ich Sie: Warum beteiligen Sie sich dann an dieser 
NATO-Mission inklusive der Albernheit, dass, sobald 
ein NATO-Schiff das Operationsgebiet von „Atalanta“ 
betritt, die NATO-Flagge eingeholt und stattdessen die 
blau-gelbe Flagge gehisst wird? 

(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNIS- 
SES 90/DIE GRÜNEN) 

Vizepräsident Dr. Hermann Otto Soims: 

Kommen Sie bitte zum Schluss. 

Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): 

Das ist absurd. Das ist keine Kohärenz. Ich erwarte von 
Ihnen, dass Sie diese Missionen endlich vereinheitlichen, 
unter dem Dach der EU, damit Schluss ist mit diesem 
unschönen Schönheitswettbewerb. 

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 

Vizepräsident Dr. Hermann Otto Soims: 

Das Wort hat der Kollege Rolf Kramer von der SPD- 
Fraktion. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

Rolf Kramer (SPD): 

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und 
Herren! Wir beschließen heute eine geografische Auswei- 
tung des „Atalanta“-Mandates. Die Inhalte des Mandates 
bleiben bestehen. Die Erweiterung der geografischen 
Zuständigkeit wird im Dezember dieses Jahres parallel 
mit dem „Atalanta“-Mandat auslaufen. 

Frau Kollegin Homburger, Sie haben gesagt, dass dieses 
Mandat zur Bekämpfung der Piraterie nur ein Placebo 
sei und keinen Erfolg habe. Gleichzeitig haben Sie betont, 
dass die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr einen 
hervorragenden Job machen. Dann kann die Arbeit doch 
gar nicht so erfolglos sein. 



Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


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Rolf Kramer 

(Birgit Homburger [FDP]: Das schließt sich 
nicht aus! Das eine sind die Soldaten, das an- 
dere ist die Regierung!) 

Seit das Mandat besteht, haben immerhin 150 000 Tonnen 
Hilfsgüter des Weltemähmngsprogramms ihren Weg nach 
Somalia gefunden. Ich finde, das ist ein Erfolg. Bisher 
ist kein Schiff, das sich den Konvois angeschlossen hat, 
gekapert worden. Auch das ist ein Erfolg. 

Es gibt allerdings - das kann man nicht bestreiten - 
große Probleme bei der Bekämpfung der Piraterie am 
Hom von Afrika. Bisher sind in diesem Jahr schon mehr 
Schiffe als im ganzen Jahr 2008 überfallen bzw. gekapert 
worden. Zwei Schiffe deutscher Reedereien befinden sich 
noch in der Hand von Piraten. Mehr als 150 Handels- 
schiffe sind aber sicher durch den Golf von Aden geführt 
worden. 

Herr Paech, Ihre Ausführungen kann man ja zum Teil 
nachvollziehen. Ich finde aber, dass angesichts der 
Schlussfolgerungen, die Sie ziehen, dem in wenigen 
Stunden anbrechenden Morgengrauen eine ganz neue 
Bedeutung beizumessen ist. Es ist schon ausgeführt wor- 
den: Die Lebensbedingungen in Somalia müssen besser 
werden. Sie sagen, dass der Einsatz der Bundesmarine 
im Rahmen des Mandats „Atalanta“ ein großer Erfolg 
ist. Dem kann man nur zustimmen. Warum Sie dennoch 
die Schlussfolgerung ziehen, dass man den Einsatz stoppen 
müsse, kann ich nicht nachvollziehen. Sie sagen, dass 
die Bekämpfung von Piraterie eine Polizeiaufgabe ist. 
Das stimmt natürlich. Wir haben den Einsatz der Bundes- 
wehr aber verfassungsfest gemacht, und wir befinden 
uns auf dem Boden der Resolution der Vereinten Nationen. 
Das ist aus unserer Sicht ein sehr hohes Gut. 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

Ich finde, es ist eine Binsenweisheit, aber es muss immer 
wieder gesagt werden: Die Bekämpfung der Piraterie ist 
nicht allein durch militärische Maßnahmen möglich. Wir 
müssen in Somalia und in dieser ganzen Region auch auf 
der Landseite zu besseren Zuständen kommen. 

Ich meine aber auch, dass es ein Umdenken bei den 
Reedereien und Kapitänen geben muss; denn ein ganz 
erheblicher Anteil der Schiffe, die diese Route befahren, 
meldet sich überhaupt nicht an, nimmt nicht an Konvois 
teil, und es ist sogar passiert, dass Kreuzfahrtschiffe dort 
Urlaubsfahrten mit ihren Passagieren veranstaltet haben. 
Ich finde, dies muss unmittelbar und unverzüglich gestoppt 
werden; 

(Beifall bei Abgeordneten der SPD) 

denn es ist absurd, dort einen Abenteuerurlaub im Rahmen 
einer Pauschalreise durchzuführen. 

(Beifall bei der SPD sowie des Abg. Ulrich 
Adam ^[CDU/CSU]) 

Erlauben Sie mir noch einen weiteren Hinweis: Das 
Mandat für die Operation „Atalanta“ beinhaltet die bislang 
weitestgehenden Einsatzregeln für einen Einsatz der 
deutschen Marine. Deutschland hat dabei keine nationa- 
len Einschränkungen der von der Europäischen Union 
vorgeschlagenen Regelungen vorgenommen. Deutsche 


Kommandanten können im Rahmen der delegierten (C) 
Befugnisse mit umfangreichen Gewaltmitteln gegen der 
Piraterie verdächtige Personen und deren Fahrzeuge Vor- 
gehen. Sie können die Fahrzeuge bei einem hinreichen- 
den Verdacht anhalten, durchsuchen und gegebenenfalls 
beschlagnahmen. 

Diese Regeln haben sich bewährt und bedürfen keiner 
verfassungsrechtlichen Infragestellung bei uns. Dies 
würde die Soldatinnen und Soldaten im Einsatzgebiet 
nur verunsichern - und das wollen wir doch alle nicht, ln 
diesem Punkt sind weitere Diskussionen über die Verfas- 
sungsmäßigkeit nur kontraproduktiv. 

Zum Schluss möchte ich noch einmal sagen, dass es 
unser aller Aufgabe ist, dass Somalia aus dem Rand- 
bereich unserer Betrachtung in den Fokus rückt, damit 
wir in diesem Bereich in Zukunft mit weniger Militär 
mehr Frieden gestalten können. 

Vielen Dank. 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten 
der CDU/CSU) 

Vizepräsident Dr. Hermann Otto Soims: 

Das Wort hat der Kollege Ulrich Adam von der CDU/ 
CSU-Fraktion. 

(Beifall bei der CDU/CSU) 

Ulrich Adam (CDU/CSU): 

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine lieben Kolleginnen 
und Kollegen! Am 19. Dezember 2008 hat der Deutsche (D) 
Bundestag der Beteiligung bewaffneter deutscher Streit- 
kräfte an der EU-Mission „Atalanta“ zur Bekämpfung 
der Piraterie vor der Küste Somalias zugestimmt. 

ln seiner Rede zur ersten Lesung des heute zu behan- 
delnden Antrages hat Verteidigungsminister Dr. Jung 
bereits angesprochen, dass die Operation „Atalanta“ 
insgesamt sehr erfolgreich ist. Seit Anfang dieses Jahres 
haben vor der Küste von Somalia zwar weiterhin Angriffe 
stattgefunden, aber wie in einem Bericht der Westeuropäi- 
schen Union zu lesen ist, ist die Zahl der erfolgreichen 
Überfälle im Vergleich zum Vorjahr nur rund ein Zehntel 
so groß. Dabei spielt die stärkere Präsenz der Patrouillen- 
schiffe aus verschiedenen Staaten natürlich eine sehr ent- 
scheidende Rolle. 

An dieser Stelle möchte ich einen herzlichen Dank 
und eine Anerkennung für den Einsatz unserer Soldatinnen 
und Soldaten am Hom von Afrika aussprechen. 

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordne- 
ten der SPD und der FDP und des Abg. Winfned 
Nachtwei [BÜNDNIS 90/DlE GRÜNEN]) 

Dass wir im Kampf gegen die Piraterie weiterhin 
ernsthaft Vorgehen müssen, wird insbesondere am Beispiel 
des deutschen Containerfrachters „Hansa Stavanger“ 
deutlich. Der deutsche Frachter und seine Besatzung be- 
finden sich nun schon seit fast elf Wochen in der Gewalt 
von Piraten. Was dies für die betroffenen Unternehmen, 
aber insbesondere für die entführte Besatzung und deren 
Angehörige bedeutet, bedarf keiner erneuten Ausfühmn- 



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Deutscher Bundestag - 16. Wahlperiode - 227. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Juni 2009 


Ulrich Adam 

(A) gen. Bereits in meiner Rede zur Notwendigkeit einer 
deutsehen Beteiligung an der Operation „Atalanta“ bin 
ieh auf diese Problematik eingegangen. 

Das Piratenproblem besteht weiterhin und bedarf zu 
seiner Lösung erstens einer Anpassung des Operations- 
gebietes von „Atalanta“ - das wollen wir heute für die 
deutsehen Streitkräfte besehließen zweitens eines län- 
geren Einsatzes - die Außenminister der 27 EU-Staaten 
haben hierzu am Montag dieser Woehe Verabredungen 
getroffen - und drittens weiterer a